Hochzeit mit Hindernissen

(Teil 3)

Im oberen Stockwerk angekommen, öffnete Sherlock eine Tür und hielt sie für John auf. John trat an ihm vorbei in den Raum und blieb stehen, um sich umzusehen. Hinter sich hörte er Sherlocks Schritte und das Schließen der Tür.

Es war eine jämmerliche Absteige. Die meisten Wände waren kahl, an manchen Stellen klebten noch Reste von verblichenen Tapeten, die vielleicht vor dreißig Jahren einmal modern gewesen waren. Zwei Fenster erhellten den Raum mehr schlecht als recht, das Glas war vor Staub und Schmutz fast nicht mehr durchsichtig. Von den Fensterrahmen blätterte die Farbe.

An der linken Wand stand ein wackliger Tisch mit einem Stuhl, der nicht sehr vertrauenserweckend wirkte. Auf dem Tisch selbst standen eine altmodische Petroleumlampe und ein Campingkocher mit Gaskartusche. Unter den Fenstern lag eine Matratze direkt auf dem billigen Linoleum mit welchem der Fußboden belegt war. Ein Kopfkissen und ein Schlafsack in Tarnfarbe war alles, was John als Bettwäsche identifizieren konnte. Neben der Tür stand ein altersschwacher Schrank ohne Türen, in welchem einige Kleidungsstücke aufbewahrt wurden.

In der rechten Wand befand sich ein zweiter Durchgang, dessen Tür ebenfalls durch Abwesenheit glänzte. Durch die Öffnung sah John einen zweiten Raum, der in ähnlichem Zustand zu sein schien, wie der, in dem er sich gerade befand. Allerdings ragte dort ein Wasserhahn aus der Wand, welcher von zersprungenen Fliesen in einem grauenhaften Muster umrahmt wurde. Etwas Geschirr, Töpfe und eine Thermoskanne standen dort direkt auf dem Fußboden.

In beiden Räumen lagen stapelweise Zeitungen herum. Beim Anblick der Zeitungen ging John jedoch langsam aber sicher ein Licht auf.

„Kuschlig", äußerte John trocken und drehte sich zu Sherlock um.

Zu seiner Überraschung wirkte Sherlock verlegen.

„Ich hätte einen zweiten Stuhl beschaffen sollen…", murmelte er halblaut und lud mit einer unschlüssigen Handbewegung John dazu ein, sich zu setzen.

Als dieser nur ablehnend mit dem Kopf schüttelte, ließ sich Sherlock selbst auf dem Stuhl nieder, der protestierende Geräusche von sich gab. John verschränkte seine Hände hinter dem Rücken und richtete seinen Blick auf die Fenster, auch wenn es unmöglich war, durch den Schmutz etwas von der Außenwelt zu erkennen.

Dann senkte sich Schweigen über die beiden Männer. Es war keine angenehme, freundschaftliche Stille, wie sie früher oft im Wohnzimmer der Baker Street geherrscht hatte, sondern ein angespanntes, ungutes Schweigen.

Schließlich räusperte sich Sherlock und John drehte seinen Kopf, um ihn anzusehen. Sherlocks Lider blinzelten mehrmals in rascher Folge – eine Geste, die bei jedem anderen Menschen ein Zeichen von Nervosität oder Unsicherheit bedeutet hätte - bevor er mit tonloser Stimme sagte: „Du hast Fragen."

Johns Zunge befeuchtete kurz seine Lippen.

„Was wird hier gespielt?", fragte er knapp und Sherlocks Augen weiteten sich überrascht, bevor sie sich verständnislos verengten.

„Das ist alles? Das… ist deine erste Frage?"

Blonde Augenbrauen zuckten, Johns Schultern hoben sich in einer Geste der Gleichgültigkeit.

Auch Sherlocks Augenbrauen hoben sich.

„Offensichtlich habe ich dich unterschätzt…" Er musterte John interessiert und legte seinen Kopf leicht zur Seite. „Oder überschätzt… je nachdem."

„Offensichtlich", wiederholte John kalt. „Ich meine… was sollte ich auch sonst fragen?" Er wartete jedoch keine Antwort ab, sondern sprach direkt weiter: „Ich meine… den Zeitungen nach zu urteilen bist du schon mindestens seit zwei Monaten hier und hast es nicht für nötig befunden, mir irgendwann während dieser Zeitspanne mitzuteilen, dass du doch nicht so tot bist, wie ich bislang geglaubt habe."

„John…"

Doch John ließ ihn nicht zu Wort kommen. Die Ruhe und Gelassenheit, die er bis zu diesem Moment an den Tag gelegt hatte, schwanden rapide.

„Zwei Monate! Du hockst hier schon seit zwei Monaten und hast es nicht für nötig gehalten… Musste es unbedingt am Tag meiner Hochzeit sein?! SHERLOCK! Verdammt noch mal! Natürlich… ein schlichter Besuch in meiner Wohnung wäre ja nicht dramatisch genug gewesen!"

„John…"

„NEIN, Sherlock! Jetzt hörst du mir einmal zu! Hast du überhaupt eine Ahnung, was ich in dieser ganzen Zeit…" Johns Stimme brach und er schluckte krampfhaft. Mit einem Schlag war alles wieder da - fühlte er den Schmerz von Sherlocks Verlust fast körperlich. Die Trauer, die ihn damals so völlig unvorbereitet erfasst hatte. Die Alpträume, die schlaflosen Nächte. Die endlosen, quälenden und sinnlosen Therapiesitzungen, die er wieder aufgenommen hatte. Diese entsetzlichen vier Monate, in denen er wieder auf seinen Stock angewiesen gewesen war und es das Wissen, dass er nur psychosomatisch war, das Ganze nicht besser, sondern nur noch schlimmer gemacht hatte. Aber am allerschlimmsten war die Einsamkeit gewesen und das Gefühl, etwas nicht begriffen zu haben. Etwas nicht gesagt zu haben. Etwas nicht getan zu haben. Etwas… das dieses ganze Elend noch hätte abwenden können.

John spürte Tränen in seinen Augen aufsteigen und er presste kurz Daumen und Zeigefinger auf seine Lider, um sie zu unterdrücken. Er hatte seit Monaten nicht mehr geweint und er würde jetzt nicht wieder damit anfangen. Er atmete einmal tief ein und aus und fasste dann wieder Sherlock scharf ins Auge.

"ZWEI JAHRE, SHERLOCK! Zwei gottverdammte Jahre!", schleuderte er seinem Freund entgegen.

"Du übertreibst wie immer, John", widersprach Sherlock. „Um genau zu sein: es war ein Jahr, 11 Monate und 19 Tage."

John schnaubte.

"Und wie viele Stunden?", fragte er mit beißendem Sarkasmus.

"Acht", erwiderte Sherlock mit ruhiger Würde.

Dies brachte John etwas aus dem Takt.
"Du... du hast sie gezählt?"

"Jede Einzelne", antwortete Sherlock und hielt Johns Blick stand.

John schüttelte den Kopf. Ob vor Unglauben oder Verwirrung oder etwas ganz anderem, war ihm dabei selbst nicht ganz klar.
"Sherlock...", stöhnte John leise und fuhr dann etwas gemäßigter fort: „Was zur Hölle hast du dir dabei gedacht, mich von meiner Hochzeit weg zu entführen?!"

„Es schien mir eine ziemlich elegante Lösung zu sein", erwiderte Sherlock gefasst. „Dein Wutausbruch ist übrigens eher die Reaktion mit der ich gerechnet hatte."

John fuhr sich mit beiden Händen entnervt durch die Haare.

„Elegant!", fauchte er wütend. „Du hast sie doch nicht mehr alle!"

„Zumindest dein Cutaway ist sehr elegant…"

„Lenk nicht ab", knirschte John.

„… auch wenn ich an deiner Stelle eher eine blaue Krawatte gewählt hätte", fuhr Sherlock ungerührt fort.

John sah an sich hinunter und befühlte kurz die silbergraue Krawatte mit seinen Fingern.

„Das dachte ich ja auch, aber…" Zornig biss er sich auf die Lippen. „Das gehört jetzt nicht hierher!", brauste er auf.

Beepbeep…Beepbeep

„Was ist das?", fragte John perplex.

„SMS", erwiderte Sherlock geistesabwesend, öffnete hektisch den Reißverschluss seiner Lederjacke und zog ein Handy aus der Innentasche und las die Nachricht. „Verdammt!", fluchte er leise, dann sah er auf und blickte direkt in Johns Augen. „Ich hatte so etwas schon befürchtet", äußerte er in einem entschuldigenden Tonfall. „Ich werde dich noch einige Tage in Anspruch nehmen müssen. Moran ist entwischt."

„Einige Tage?", rief John entgeistert aus. „Du kannst doch nicht…" doch dann sah er Sherlock an und er verstummte. John hatte mehr als einmal Kindersoldaten gegenübergestanden und es hatte ihn jedes Mal zutiefst erschüttert, in diese jungen Gesichter mit den uralten Augen zu blicken.

Sherlock sah in diesem einen Moment ganz genauso aus.

„Sherlock…", flüsterte John leise und biss sich dann auf die Zunge, bevor er noch etwas sagte, was er später todsicher bereuen würde. Stattdessen sagte er: „Willst du mir jetzt nicht endlich erklären, was hier los ist?"

Sherlock biss sich kurz auf die Lippen und starrte nachdenklich ins Leere.

„Wir dürften für diese Nacht hier sicher sein", sagte er mehr zu sich selbst als zu John. „Aber sicherheitshalber sollten wir abwechselnd Wache halten." Sein Blick fokussierte sich auf John. „Hast du deinen Revolver dabei?"

„Ob ich…" wiederholte John tonlos und brach dann in ein verzweifeltes Gelächter aus, das sich noch verstärkte, als er Sherlocks irritierten Gesichtsausdruck bemerkte. „Nein, Sherlock…" erwiderte er atemlos, als er sich wieder halbwegs beruhigt hatte. „Ich pflege nicht bewaffnet zu meiner eigenen Hochzeit zu erscheinen."

Ein flüchtiges, wenngleich verständnisloses Lächeln huschte über Sherlocks Lippen.

„Macht nichts. Ich habe Einen", meinte er dann, zog einen Revolver aus seiner Lederjacke und legte ihn auf den Tisch.

„Dieser Moran scheint nicht ganz ungefährlich zu sein, wenn sogar du bewaffnet herumläufst", bemerkte John neugierig. „Es wäre jetzt wirklich an der Zeit, mich einzuweihen, meinst du nicht auch?"

Sherlock nickte langsam. Er wirkte geistesabwesend und sah an John vorbei ins Leere.

„Moran war... oder besser gesagt: ist Moriartys rechte Hand."

„Wir sind uns aber darüber einig, dass Moriarty tot ist."

„Oh ja, zweifellos", erwiderte Sherlock wie beiläufig. „Moran fühlt sich allerdings berufen, Moriartys Krieg zu Ende zu führen. Auch ohne den großen Feldherrn persönlich – und er war damit bislang recht erfolgreich." Sein Blick streifte unstet über John hinweg und senkte sich dann zu Boden. „Deine Hochzeit war die perfekte Falle für ihn. Oder sie hätte es vielmehr sein können. Nicht einmal Lestrade hätte das verpfuschen können. Ich bin mir sicher, dieser Dimmock hat alles vermasselt. Was nützen die Handlanger, wenn das Gehirn der Operation nicht gefasst wird?"

„Moment... du hast ganz bewusst meine Hochzeit benutzt, um diesem Moran eine Falle zu stellen?", fragte John ungläubig nach.

Sherlock seufzte.

„Damit haben wir nun also den Punkt erreicht, an dem du den Wunsch verspüren wirst, deine Aggression auf körperliche Art und Weise an mir auszulassen." Er sah John mit verdrossener Entschlossenheit an. „Falls es keine Umstände macht... bitte hierhin." Er tippte sich mit zwei Fingern an sein Kinn und reckte es John sogar noch leicht entgegen. „Wenn es geht, nicht auf die Nase... ich werde morgen wahrscheinlich wieder fahren müssen und dabei kann ich keine blauen Augen gebrauchen."

„Meine Hochzeit war also von Anfang an zum Scheitern verurteilt?!", rief John immer noch ungläubig aus.

„Von dem Moment an, an dem du so leichtsinnig warst, Mycroft eine Einladung zu schicken", bestätigte Sherlock erfreut, ob Johns rascher Auffassungsgabe.

„Das… du…" John fehlten die Worte. „Ich glaube, ich würde mich jetzt doch ganz gerne setzen", äußerte er schließlich und Sherlock sprang sofort von seinem Stuhl auf und bot ihn John an.

John ließ sich darauf fallen, ohne auf das protestierende Ächzen des Möbelstücks zu achten und vergrub sein Gesicht in den Händen.

„John?", rief Sherlock ihn zögernd an. „John? Was ist mit meinem Kinnhaken?"

John sah wieder auf und als er sah, wie Sherlock wartend vor ihm stand, wie er nervös auf seiner Unterlippe herumkaute, da wusste er nicht mehr, ob er lachen oder weinen sollte.

„Du begreifst überhaupt nicht, was du angerichtet hast", bemerkte John mit schwankender Stimme.

Sherlocks Lippen kräuselten sich verächtlich.

„Eine Hochzeit lässt sich nachholen."

Als John mitanhören musste, wie seine eigenen Gedanken – die er während der Motorradfahrt gehegt hatte - von Sherlock laut ausgesprochen wurden, war es um ihn geschehen. Er brach zum zweiten Mal in schallendes Gelächter aus, welches noch etwas manischer wurde, als er Sherlocks verständnislosen Blick und sein vages Lächeln bemerkte. Doch ganz allmählich schlich sich leichte Besorgnis in den Gesichtsausdruck seines Freundes.

„Es wäre besser, wenn du dich jetzt wieder beruhigst", riet Sherlock, doch dies rief nur einen neuen, fast hysterischen Heiterkeitsausbruch von John hervor und Sherlock verdrehte genervt die Augen. „John!", rief er etwas strenger aus. „Dafür haben wir jetzt keine Zeit!" Er ging vor seinem Freund in die Hocke und legte ihm die Hände auf die Knie. „John… du solltest… Du bist ja eiskalt!" Ein betroffener Blick streifte über John hinweg, der sich nun endlich etwas beruhigte, doch noch immer vor sich hin kicherte.

„Der Fahrtwind…", brachte John unter Kichern und angestrengtem Luftholen gerade noch heraus. „Es war… nicht gerade warm auf dem… Motorrad."

Der betroffene Blick wandelte sich zu schuldbewusst.

„Ich hätte an eine zweite Jacke denken sollten", murmelte Sherlock während er nach Johns Händen griff. „Und an Handschuhe." Sein Blick wandte sich verlegen ab und er ließ Johns Hände los. „Du solltest dich besser umziehen." Er stand auf und ging zu dem Schrank, wo er einige Kleidungsstücke von den Regalbrettern nahm. „Hier... zieh das an. Ich gehe in der Zwischenzeit nach unten und… hole etwas zu essen." Mit diesen Worten legte er das Bündel auf den Tisch und verließ den Raum.

Kaum war er verschwunden, ebbte das Kichern in John endlich ab und er fuhr sich erschöpft über die Augen. Es waren nicht nur Lachtränen gewesen.

„Wie kann es sein, dass das mein Leben ist?", richtete John seine Frage an die Zimmerdecke. Doch er erhielt keine Antwort. Ohne Vorwarnung durchlief ihn ein Frösteln und erst jetzt bemerkte er, dass Sherlock Recht gehabt hatte. Er war völlig durchgefroren.

„Muss der Schock sein", murmelte er zu sich selbst und fing an, sich auszuziehen.

Seine verzögerte Reaktion war angesichts der Umstände eigentlich völlig normal und doch fragte er sich, warum er nicht viel früher gemerkt hatte, wie kalt ihm tatsächlich war. Plötzlich spürte er wieder Sherlocks Körper vor sich, den Geruch des Leders in seiner Nase, das leise Knarren der Lederjacke, wenn sie sich in eine Kurve gelegt hatten, der absolute Einklang ihrer Körper in der Bewegung.

Wärme durchströmte John bei dieser Erinnerung, dann biss er sich auf die Lippen um andere Gefühle, die ebenfalls unter der Oberfläche brodelten, zurückzudrängen.

Es war so leicht gewesen, sich nach Sherlocks Tod gewissen Gefühlen hinzugeben. Sehnsüchten, die er sich nie eingestanden und nie artikuliert hatte. Es war so verführerisch gewesen, sich einzureden, dass sich ihre Beziehung hätte ändern können, wenn sie nur mehr Zeit zur Verfügung gehabt hätten. Er tat ja schließlich niemandem damit weh und es hatte geholfen, die schlimmsten Wunden ein wenig zu lindern.

Doch jetzt war Sherlock tatsächlich von den Toten auferstanden und sie hatten einander wieder. Sie hatten Zeit. John hatte sich so sehr daran gewöhnt, gewisse zartere Empfindungen für den toten Sherlock zu hegen, dass diese nun sein Verhalten dem lebenden Sherlock gegenüber zu beeinflussen drohten. Und das durfte nicht passieren. John war völlig klar, dass er den toten Sherlock idealisiert hatte und es nun höchste Zeit für ihn war, sich wieder an die Realität zu gewöhnen. Er seufzte.

Es war angenehm gewesen, sich gewissen Tagträumen hinzugeben. Doch er kannte Sherlock zu gut, um anzunehmen, dass er… interessiert sein könnte. John lachte leise. Das wäre nun wirklich der Gipfel der Absurdität.

Ein weiteres Frösteln durchlief seinen Körper, als er nur noch mit Unterhose und Socken bekleidet in dem schäbigen Zimmer stand. Schnell griff er nach den Kleidungsstücken, die Sherlock ihm gegeben hatte und streifte sie über. Alles passte wie angegossen und war seinem üblichen Kleidungsstil so ähnlich, dass er sich fragte, ob irgendjemand bei ihm zuhause eingebrochen war und Pullover, Jeans und T-Shirt aus den Tiefen seines Kleiderschrankes entwendet hatte. Allerdings musste er seine feinen Lackschuhe wieder anziehen, was zu seiner jetzigen, legeren Kleidung völlig deplatziert wirkte.

Als Sherlock kurz darauf zurückkam, hielt er zwei Dosen und eine Packung Zwieback in der Hand.

„Tee?", fragte er nur kurz und ging in den angrenzenden Raum. „Hier gibt es leider nichts, was als Heizung dienen könnte, aber eine Tasse Tee…"

„Ist besser als nichts", erwiderte John. „Sag mal – woher hast du die Klamotten? Du hast doch nicht jemanden bei mir einbrechen lassen, um sie zu beschaffen? Nicht, dass ich mich erinnern würde, je einen olivgrünen Pullover besessen zu haben…"

John hörte Wasserrauschen und schon war Sherlock wieder zurück. In der einen Hand hielt er zwei Becher mit je einem Teebeutel und in der anderen trug er einen mit Wasser gefüllten Aluminiumtopf, den er auf dem Gaskocher platzierte. Die Becher stellte er auf den Tisch, dann zündete er den Kocher mit einem Streichholz an.

„Es wird gleich kochen", meinte Sherlock. „Nein, bei dir ist niemand eingebrochen. Mycroft… war so freundlich und hat einiges an Kleidung besorgt und bereitgestellt."

John setzte sich wieder auf den Stuhl und Sherlock kauerte sich im lockeren Schneidersitz auf die Matratze.

„Er hat vergessen an Schuhe zu denken", konnte sich John nicht verkneifen zu sagen, womit er einen erneuten schuldbewussten Blick seines Freundes hervorrief. „Mycroft wusste also, dass du nicht tot bist?", fragte John. Irgendwie hätte er sich das ja auch denken können. Er ärgerte sich über sich selbst, dass er nicht früher darauf gekommen war.

„Ja, er hat…", fing Sherlock an, wurde jedoch von John unterbrochen.

„Nein, Stopp. Sherlock… fang bitte von vorne an. Ganz von vorne… und wenn möglich – in der Version für Idioten, ja?", bat John mit einem gequälten Lächeln. „Ich fürchte, sonst werde ich nie erfahren, was das alles mit der Schießerei auf meiner Hochzeit zu tun hatte."

„Also gut. Die Version für Idioten." Ein bitteres Lächeln huschte über Sherlocks Lippen. „Das ist die Geschichte von Sir Prahlegott…"

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Fortsetzung folgt…

lyrical - sky . tumblr post / 15950973899 / sherlock - timeline - of - series - 1 - and - 2 - condensed - edition

Da Sherlocks fingierter Selbstmord nach obiger timeline am 15. Juni stattgefunden hat, spielt diese Geschichte an einem Tag im Mai. Um genau zu sein – Ende Mai.

Sir „Boast-a-lot" heißt in der deutschen Synchro tatsächlich "Sir Prahlegott". Ich kann's auch nicht ändern *gg*