Zusammenfassung: Ron wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muß sich entscheiden. Doch wird er auch die Konsequenzen ertragen können?
Hinweis: SLASH Wenn ihr nicht wisst, was das ist oder es nicht mögt - dann weg hier!
Disclaimer: Alle Personen etc. aus dem HP-Universum gehören JKR - mir leider nur die künstlerische Freiheit schnüff
(Obwohl ich - wenn ich könnte - Draco für immer ans Bett fesseln würde ggg)
Ich werde mich bemühen, jede Verwendung anderer Literatur (orig oder ff) entsprechend zu kennzeichnen. Sollte mir allerdings mal etwas durch die Lappen gehen, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich dies dann nachholen kann.
Ein dickes Dankeschön an meine Beta-Leserin Visiongirl76, deren Kommentare mich immer wieder aufmuntern. ;-)
Und natürlich vielen Dank an alle Reviewer. Es ist schön zu sehen, dass sich doch einige durchlesen, was ich mir da so zusammenreime.
Wenn Dich die Vergangenheit einholt...
Kapitel 3 - Vorahnungen
Ron wanderte noch eine Weile umher, bevor er wieder nach Hause apparierte. Er musste sich das alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Also schlenderte er durch die Gassen und blieb gelegentlich vor dem einen oder anderen Schaufenster stehen. Aber seine Gedanken waren woanders.
Das Gespräch mit seinen beiden Geschwistern hatte ihm gut getan, obwohl er auch ein wenig schockiert war. Vor ein paar Tagen wäre es ihm noch nicht in den Sinn gekommen, sich so leicht von Hermine trennen zu können. Aber irgendwie hatte diese Konversation einen Knoten in ihm gelöst, der ihm zeigte, dass seine Zukunft nicht bei Hermine lag. Wie sein weiteres Leben verlaufen sollte, wusste er noch nicht, aber er war sich sicher, dass seine Freiheit ein großer Schritt in die richtige Richtung war.
Erst jetzt fiel ihm auf, dass er wegen seinen ganzen Beziehungsproblemen ganz vergessen hatte, dass er George ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte. Er war so mit sich selbst beschäftigt gewesen, dass er ihn noch nicht mal nach Fred und dem Geschäft gefragt hatte. Er ermahnte sich, nach seiner Rückkehr aus Rumänien wieder etwas mehr Zeit mit seinen beiden Zwillingsbrüdern zu verbringen.
Als Ron wieder sein Haus betrat wusste er erst nicht, was er tun sollte. Er hatte noch einen guten Tag Zeit bis er nach Rumänien musste. Und er wollte nicht unbedingt eher abreisen, da er hoffte, vorher noch mit Hermine reden zu können.
'Seltsam, wie sich manche Dinge entwickeln. Erst vor ein paar Stunden noch war ich völlig durcheinander. Und jetzt kann ich es kaum erwarten, das alles hier hinter mich zu bringen.'
Ron entschied sich dazu, schon einmal seine Arbeitsunterlagen zusammenzupacken und stieg die alte Holztreppe zum ersten Stockwerk hinauf. Die Stufen ächzten unter seinem Gewicht, da die Treppe nicht mehr die neuste war. Doch gerade das liebte Ron so sehr an diesem Haus - es war alt. Er hatte alte Häuser schon immer faszinierend gefunden. In seinen Augen strahlten sie etwas Gemütliches aus. Als er dieses Haus zum ersten Mal gesehen hatte, war er sofort Feuer und Flamme gewesen. Dieses Haus musste er einfach haben. Hermine hatte ihn damals für verrückt erklärt, so ein altes und baufälliges Haus zu kaufen.
Ron ging in sein Arbeitszimmer, das direkt gegenüber von Hermines lag. Im Gegensatz zu ihrem lag hier alles zerstreut auf dem Tisch, den Regalen und sogar auf dem Fußboden. Ron war bezüglich Ordnung chaotisch, doch er fand alles wieder, was er suchte. Er wusste immer, wo er was hingelegt hatte, was Hermine oft verblüffte. Irgendwann hatte sie es aufgegeben, ihn dazu zu bringen, doch endlich mal sein Zimmer aufzuräumen.
Der Schreibtisch quoll über mit Schreibkram und Ron fegte mit einer Armbewegung einen riesigen Stapel Papiere auf den Boden. Er ging um den Tisch herum und setzte sich auf die Kante des Tisches. Er hatte zwar einen Stuhl, doch er bevorzugte es, sich direkt auf den Tisch zu setzen und den Stuhl als Stütze für seine Füße zu benutzen.
In einem weiteren Papierstapel fand Ron die Unterlagen für Rumänien. Sie beinhalteten Einsatzorte, Namen der zu schützenden Personen, Namen der zur Verfügung stehenden Auroren, sowie Schichtpläne. Er hatte alles im Vorfeld ausgearbeitet. Rein theoretisch dürfte nichts mehr schief gehen. Aber wie das nun mal bei solchen Veranstaltungen ist, kommt immer etwas dazwischen. Und deswegen wollte er so gut wie möglich vorbereitet sein.
Ron schaute sich nach seiner Aktentasche um. Er erinnerte sich vage daran, sie das letzte Mal einfach in irgendeine Ecke geworfen zu haben. Er entdeckte die Tasche schließlich auf dem Boden unter einem der Regale. Ron musste sich flach auf den Boden legen, um sie dort herauszufischen. Als er die Tasche hervorzog, sah er dahinter eine hölzerne Schachtel, nicht größer als 10cm in jede Richtung.
'Das kann doch nicht...'
Ron streckte nochmals seinen Arm aus und griff nach der Schachtel. Als seine Finger das Holz umschlossen, zog er seinen Arm wieder hervor und setzte sich auf, den Rücken an das Regal gelehnt. Er betrachtete die kleine Box in seinen Händen von allen Seiten. Sie bestand aus feinstem Mahagoni und auf jeder Seite befanden sich Inschriften aus alten Runen. Ron erinnerte sich daran, dass sie den Inhalt vor fremden Blicken beschützen sollten, auch vor magischen. Auf dem Deckel war ein Drache eingeritzt, dessen Klaue in das Schloss überging, als würde er selbst über den Inhalt wachen.
'Ich hätte nicht gedacht, dass die mir gerade jetzt in die Hände fällt. Ich hatte sie schon fast vergessen.'
Er erinnerte sich daran, die Schachtel kurz vor seinem Abschluss in Hogwarts das letzte Mal gesehen zu haben. Er hatte sie einfach mit all seinen anderen Sachen in eine große Truhe geworfen. Erst wollte er sie wegschmeißen, doch irgendwie hatte er doch noch an ihr gehangen. Schließlich barg sie einige seiner schönsten aber auch schmerzhaftesten Erinnerungen...
Ron strich leicht mit seinem Daumen über das Schloss und murmelte "Draconis excito"[1]. Irgendwie überraschte es ihn, dass er sich nach all den Jahren so einfach daran erinnern konnte, wie man die Schachtel auf bekam.
Mit einem leisen Klick öffnete sich das Klauen-Schloss und der Deckel schien sich förmlich aufzulösen. Nun konnte Ron ins Innere der Schachtel schauen.
'Ich wusste gar nicht, wie viel ich aufbewahrt habe.'
Die kleine Holzbox beinhaltete eine ganze Menge alter Pergamente – alles Briefe. Dazwischen lagen ein paar Photos. So langsam begann Ron zu zweifeln, ob er überhaupt in diesen Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit wühlen wollte. Er wusste noch genau, wann, wo und vor allem von wem er diese Schachtel bekommen hatte...
Es war sein siebzehnter Geburtstag – ein Samstag. Eigentlich hatte er vorgehabt, diesen Tag mit seinen Freunden zu verbringen. Doch dann hatte er am morgen eine Nachricht erhalten.
'Komm heute Abend nach dem Essen zum See. Ich muss mit Dir reden.'
Obwohl die Nachricht nicht unterzeichnet war, wusste er genau, von wem sie kam. Er blickte zum Slytherin-Tisch und sah Draco Malfoy in seine Richtung starren. Ron bemühte sich, einen neutralen Gesichtsausdruck zu bewahren und wandte sich wieder Hermine zu, die gerade versuchte, ihn und Harry davon zu überzeugen, dass selbst ein Geburtstag kein Grund war, sich unerlaubt nach Hogsmeade zu schleichen.
Ron verdrehte nur die Augen und stand auf. Unter den Blicken einer etwas verärgerten Hermine verließ er den Saal. Er musste jetzt allein sein...
Was wollte Draco von ihm? Die letzten Wochen hatten sie kaum miteinander gesprochen. Und wenn sich eine Begegnung nicht vermeiden ließ, pöbelte Draco ihn nur an.
Ron war ziemlich verwirrt. Seit ihrem Kuss vor ein paar Wochen hatte Draco eine totale Kehrtwende zurück zu seinem alten Ich gemacht. Es war, als hätten die Treffen und Gespräche zwischen ihnen nie stattgefunden.
Das alles war auch für Ron nicht einfach gewesen. Was an jenem Abend am See passiert war, hatte ihn vollkommen überrascht. Er hatte sich zwar während ihrer Treffen in Draco's Nähe wohl gefühlt, doch der Kuss hatte ihn absolut überrumpelt. Trotzdem hatte er es schön gefunden. Aus irgendeinem ihm unbekannten Grund fühlte er, dass es das war, was er wollte.
Doch dann war etwas passiert, was er bis heute noch nicht verstanden hatte. Draco war zurückgewichen. Er murmelte irgendetwas, was Ron nicht verstand und rannte zum Schloss zurück.
Ron hatte viele Male versucht, Draco's Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und mit ihm zu reden. Doch jedes Mal musste er sich nur anhören, dass er es nicht wert war, überhaupt beachtet zu werden. Schließlich gab Ron auf und ignorierte Draco so gut es ging.
Umso mehr erstaunte es ihn, dass Draco jetzt mit ihm sprechen wollte. Ron entschied sich, es ihm nicht zu leicht zu machen. Er kannte Draco mittlerweile etwas besser als noch vor einem halben Jahr und er würde nicht so leicht in eine seiner Fallen tappen...
Ron verbrachte den Nachmittag mehr oder weniger halbherzig mit seinen Freunden im Gemeinschaftsraum der Gryffindors, nachdem Hermine damit gedroht hatte, zu Professor McGonagall zu gehen. Ron's Gedanken wanderten immer wieder ab. Immer noch versuchte er darauf zu kommen, was Draco von ihm wollte. Als es schließlich Zeit zum Abendessen war, seufzte er und ging zur Großen Halle ohne sich auch nur um einen seiner Freunde zu kümmern. Diese starrten ihm mit verständnislosen Gesichtern hinterher.
Während des Essens löcherte Harry ihn, was denn mit ihm los wäre. Ron beschwichtigte ihn mit der Ausrede, dass er einfach nur müde wäre. Harry glaubte es ihm offensichtlich nicht, stellte aber keine weiteren Fragen.
Ron hatte keinen Appetit und so wanderte sein Blick wieder hinüber zu den Slytherins. Doch Draco war nirgends zu sehen. Ron wartete noch ein paar Minuten und verließ dann den Tisch unter dem Vorwand, noch einen wichtigen Brief schreiben zu müssen. Er merkte, dass Hermine etwas sagen wollte, doch er war so schnell weg, dass sie nicht mehr dazu kam...
Als Ron am See ankam, bemerkte er Draco, der an ihrem Baum lehnte.
"Was willst Du von mir, Malfoy?" knurrte Ron mit einer deutlichen Betonung auf Draco's Nachnamen. Er wollte es ihm definitiv nicht zu leicht machen, was immer er auch wollte. Und er war noch sehr verletzt durch seine Bemerkungen in den letzten Wochen. "Ich bin nicht in der Stimmung, mir Deine Beschimpfungen anzuhören."
"Ron..." Draco ging einen Schritt auf Ron zu. Doch dieser hob seine Hand und wies ihn an, stehen zu bleiben. "Sag, was Du zu sagen hast, Malfoy, und dann lass mich allein." Ron starrte ihn mit düsteren Augen an.
Nun schien Draco ziemlich verwirrt zu sein. "Was ist los mit Dir? Ich dachte, wir wären F... würden uns nicht mehr mit Nachnamen ansprechen!" Er konnte seinen Fauxpas gerade noch korrigieren, doch es schien Ron nicht entgangen zu sein.
"Was? Freunde? Wir? Vergiss es, Malfoy. Ich brauche niemanden als Freund, der mich als Versuchskaninchen für verbale Magenschläge benutzt. Such Dir jemand anderen." Ron hatte genug. Sein Puls schien auf 180 zu sein und er wollte keine weitere Auseinandersetzung mit Draco. Also drehte er sich um, um wieder zurück zum Schloss zu gehen.
"Warte..." Es war nicht mehr als ein Wispern, doch Ron hörte es sehr gut, denn Draco war plötzlich direkt neben ihm und hielt seinen Arm fest.
Ron drehte seinen Kopf und schaute in ein Paar stahl-grauer Augen, die ihn flehend anblickten. Doch er unterdrückte den Reiz nachzugeben. "Lass mich los!" Das tiefe Grollen war eindeutig eine Warnung.
Doch Draco schien nicht hören zu wollen. "Aber..."
Jetzt reichte es Ron. Dieses ganze Gestammel ging ihm fürchterlich auf die Nerven. Er riss seinen Arm los und stieß Draco mit voller Wucht, so dass dieser rücklings auf den Boden fiel. "Bist Du taub oder einfach nur dumm? Was genau von 'Lass mich los' hast Du nicht verstanden?"
Ron bemerkte in Draco's Augen eine Veränderung. Anscheinend hatte er einen wunden Punkt getroffen, als er ihn mit genau den Worten anschrie, die Draco so oft gegen ihn verwendet hatte. 'Geschieht ihm ganz recht.' Die Sanftheit in ihnen verwandelte sich in Verletztheit und letztendlich in Wut. Schneller als Ron es realisieren konnte, war Draco wieder auf den Füßen und starrte ihn zornig an.
"Kommt jetzt wieder der Sturkopf durch? Was soll dieses seltsame Verhalten?" schrie Draco und kam mit jedem seiner Worte einen Schritt näher zu Ron, der seinerseits immer weiter zurückwich. "Ich versuche hier, mich zu entschuldigen und alles was ich von Dir zu hören bekomme sind Beleidigungen."
Ron blieb plötzlich stehen und nach ein paar Schritten Draco's standen sie sich fast Nase an Nase gegenüber.
"Entschuldigen? DU? Wofür?" In Ron's Stimme schwang Abfälligkeit. "Dass Du mich jemals getroffen hast? Dass Du mit mir geredet hast? Oder dass Du nicht früher erkannt hast, wie leicht Du mit mir spielen und mich verletzen kannst?" Seine ganze Wut kochte in Ron hoch und er konnte die Tränen, die ihm jetzt über das Gesicht liefen, nicht mehr aufhalten.
"Eigentlich wollte ich mich dafür entschuldigen, dass ich mich in den letzten Wochen wie ein Idiot verhalten habe." Draco's Stimme war jetzt ziemlich leise, doch gerade deswegen klang sie umso gefährlicher. "Aber Du scheinst ja nicht das geringste Interesse daran zu haben." Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, drehte Draco sich um und ging.
Ron war zu verwirrt, um klar denken zu können, aber er merkte, dass Draco es ehrlich gemeint hatte. Er rannte Draco hinterher, legte seine Hand auf dessen Schulter und drehte ihn zu sich um.
"Was..." Draco kam nicht dazu, die Frage zu beenden, denn Ron hatte seine Lippen unsanft auf seinen Mund gepresst. Seine Hände krallten sich in Draco's Robe fest. Draco war erstaunt über diesen plötzlichen Sinneswandel, erwiderte jedoch schließlich den Kuss leidenschaftlich.
Als sie sich schließlich trennte, um Atem zu holen, erklärte Draco Ron, dass er nach ihrem ersten Kuss Panik bekommen hatte. Er wusste nicht, was er tun sollte. Dieses Gefühl, was er gespürt hatte, war so neu und unerwartet für ihn. Außerdem war die Angst vor Ron's Reaktion ziemlich groß gewesen. Also hatte er sich wieder zurückgezogen, so wie er es immer gemacht hatte, wenn er mit etwas nicht klar kam. Er versteckte sich hinter Boshaftigkeiten, damit man ihm nicht ansehen konnte, wie sehr er innerlich zerrissen war. Doch bald war ihm klar gewesen, dass das der falsche Weg war und sich endlich eingestanden, dass eine Aussprache zwischen ihnen das Beste wäre.
"Außerdem hab' ich hier etwas für Dich." Draco holte eine Schachtel aus seinem Mantel hervor und legte sie in Ron's Hände. "Alles Gute zum Geburtstag, Ron."
Ron brachte keinen Ton heraus. Erstaunt blickte er von der kleinen Holz-Schachtel zu Draco und wieder zurück.
Die Box war wunderschön mit ihren Schnitzereien. Draco erzählte ihm, dass nur diejenigen die Box öffnen können, deren Blut den Drachen genährt hätte. Er holte seinen Zauberstab hervor, hielt Ron's Finger über den Deckel mit dem eingeritzten Drachen und murmelte "Sanguis guttatim"[2]. Ein einzelner Blutstropfen fiel auf die Schachtel und wurde vom Holz aufgesogen. Draco zeigte ihm, wie man nun die Schachtel aufbekommen konnte.
Ron öffnete die Box und sah, dass in ihr etwas Silbernes lag. Es war eine Kette. Der Anhänger war eine silberne Schlange mit einem smaragd-grünen Auge.
Draco holte die Kette heraus und legte sie Ron um den Hals. "Ich habe dieselbe. Sie soll Dich daran erinnern, dass ich Dir meine Seele geschenkt habe."
Ron wusste nicht, was er antworten sollte. Er war einfach zu überwältigt. Noch vor ein paar Minuten hatten sie sich angeschrieen, so dass er Angst gehabt hatte, man könnte sie im obersten Turm von Hogwarts noch hören. Und jetzt gab ihm Draco eins der kostbarsten Geschenke, die er je erhalten hatte. Er gehorchte einfach seinem Instinkt und küsste Draco mit so viel Zärtlichkeit, wie er in den Kuss hineinzulegen vermochte...
Unbemerkt war eine einzelne Träne an seiner Wange heruntergeperlt. Ron erinnerte sich an den Abend, als wäre es erst gestern gewesen. Es war die erste Nacht, in der sie miteinander geschlafen hatten...
Ron lief bei dem Gedanken an diese Nacht ein angenehmer Schauer über den Rücken und unwillkürlich umspielte Ron's Lippen ein leichtes Lächeln. Doch er versuchte, diese so lange verdrängten Erinnerungen und Gefühle wieder zu verscheuchen.
'Falsche Zeit. Falscher Ort.'
Er schaute trotzdem noch ein wenig durch die alten Briefe und Bilder. Die Box schien zwar von außen klein zu sein, doch sie vermochte jede Menge Geheimnisse aufzubewahren. Auf dem Boden der Schachtel lag sie schließlich. Der silberne Schimmer hatte in all den Jahren nicht nachgelassen und das Auge funkelte ihn wissend an.
'Warum hab ich Dich bloß gerade jetzt gefunden?'
Ron nahm die Kette in seine Hand und betrachtete sie für ein paar Minuten.
'Was wohl geschehen wäre, wenn ich damals nicht alles zerstört hätte? Wenn ich nur ein bisschen Mut und Vertrauen gehabt hätte...'
Er seufzte und legte die Kette wieder zurück in die Box. Eine sanfte Berührung der Klaue reichte, um die Schachtel wieder zu verschließen. Schließlich legte Ron sie in seine Tasche, die er mit nach Rumänien nehmen wollte. Dazu stopfte er seine Arbeitspapiere.
Ron beschloss, diesen Abend einen Schlaftrunk zu nehmen. Er wusste, er würde sonst sowieso kein Auge zumachen. Und er würde seine Kräfte in Rumänien brauchen.
Mit diesem Gedanken ging er wieder ins Erdgeschoss in Richtung Küche. Doch selbst wenn seine Nacht ruhig war, so war doch der Rest des Tages für ihn eher frustrierend. Entweder zerrte der Gedanke an die bevorstehende Auseinandersetzung mit Hermine an seinen Nerven oder sturm-graue Augen ließen ihn nicht mehr los.
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Auf seinem Weg zu dem kleinen Dorf kam Draco an einem Waldstück vorbei, das ihn inne halten ließ. Er konnte es nicht genau beschreiben, doch irgendetwas erregte seine Aufmerksamkeit. Er war sich nicht sicher, ob er hineingehen sollte, nur aufgrund einer vagen Ahnung. Schließlich könnte er sich auch einfach nur täuschen.
Draco schüttelte seinen Kopf. 'Ich bin wirklich schon zu lange unterwegs. Jetzt spielen mir meine Sinne schon Streiche.'
Doch dann sah er ein Paar rot glühender Augen zwischen dem dichten Blätterwerk eines Busches am Waldrand. 'Nur magische Tierwesen können solche Augen haben. Vielleicht ist das hier der Zauberwald, den ich die ganze Zeit gesucht habe.'
Langsam ging Draco einen Schritt auf den Wald zu, durch diese Entdeckung wachsamer als bisher. Er ließ die roten Augen, welcher Kreatur sie auch gehören mochten, nicht aus den Augen. Auch sie wandten nicht ihren Blick von ihm ab. Nur ein kurzes Blinken verriet Draco, dass es sich tatsächlich um ein lebendiges Wesen handelte.
Bevor er weiter auf den Waldrand zuging, entschied Draco, dass es klüger wäre, nicht unvorbereitet weiterzugehen. In der Nähe einer freistehenden Eiche entdeckte er einen Stein, der groß genug war, um einen Menschen zu verbergen. Auf seiner Schattenseite befand sich eine Kuhle, die genügend Platz für seine Habseligkeiten bot. Er sprach einen Unsichtbarkeits-Zauber über das Versteck und begab sich mit gezücktem Zauberstab wieder in Richtung Waldrand.
Er brauchte nicht lange suchen, bis er einen einigermaßen begehbaren Weg in den Wald hinein gefunden hatte. Der Eingang wurde von zwei alten Bäumen flankiert, deren Äste sich im Laufe der Jahre miteinander verflochten hatten, so dass die Kronen nicht mehr auseinander gehalten werden konnten.
Draco konnte nichts im Inneren des Waldes erkennen, es war stockfinster. Also murmelte er "Lumos!" und begab sich in das vor ihm liegende Dunkel.
Sobald er die Schwelle des Waldes übertreten hatte, übermannte ihn die Dunkelheit. Nur der schwache Lichtstrahl seines Zauberstabes half ihm, die Orientierung zu bewahren und nicht durchzudrehen. Als er sich zu dem Durchgang umdrehte, bemerkte er, dass so gut wie kein Licht von außen in den Wald gelang. Von innen heraus konnte man meinen, es würde dämmern und nicht mitten am Tag sein.
Draco schaute finster umher. 'Jetzt bin ich schon mal hier drin, also kann ich ebenso gut auch weitergehen.'
Er versuchte, etwas mehr von seiner Umgebung zu erkennen, doch der Lichtstrahl erhellte nicht mehr als zwei Meter im Umkreis. Trotzdem waren die roten und grünen Augenpaare nicht zu übersehen, die überall in den Schatten lauerten und jede seine Bewegungen verfolgten. Seltsamerweise näherte sich jedoch keins dieser Wesen. Draco entfuhr ein erleichterter Seufzer.
Schließlich richtete er seinen Blick auf den schwer erkennbaren Weg und begann, seinem Verlauf zu folgen.
Draco kam es seltsam vor, dass kaum ein Geräusch in der Dunkelheit des Waldes zu hören war. Nur das gelegentliche Knacken eines vertrockneten Zweiges, auf den er trat, hallte durch die Stille und klang dabei wie ein Donnerschlag. Doch das sonst vermutete Rascheln und Huschen der Waldbewohner blieb aus. Wären nicht immer noch diese vermutlich tausend Augen auf ihn gerichtet, hätte Draco gedacht, der Wald sei unbewohnt.
Doch wohin führte ihn dieser Weg? Er war nun schon seit einigen Minuten unterwegs, obwohl es ihm vorkam wie Stunden, und noch immer hatte sich nichts verändert. Er war an keiner Weggabelung vorbeigekommen und auch eine Lichtung war ihm nicht aufgefallen. Der Weg führte einfach nur geradeaus.
So langsam raubte die Umgebung Draco die letzten Nerven. Seine Sinne waren auf höchster Alarmstufe und hätten alles realisiert, was sich auch nur annähernd feindlich verhalten hätte. Seine Nackenhaare standen im wortwörtlich zu Berge.
Nach einer Weile jedoch bemerkte er, dass der Weg eine scharfe Biegung machte. Beinahe hätte er dies allerdings übersehen, denn der Unterschied war kaum zu sehen, da der Boden in der bisherigen Richtung des Weges sich so gut wie gar nicht von dem des eigentlichen Weges unterschied. Nur ein paar Nachtfarne und Spinnennetze am Fuße der Bäume am Wegesrand machten ihn auf die Veränderung aufmerksam.
Als Draco der Biegung folgte, spürte er die kalte Brise, die ihm entgegenkam. 'Woher, zur Hölle, kommt dieser Wind?' Draco versuchte in die Baumkronen zu spähen, doch er konnte keine Bewegung der Blätter erkennen. Alles war ruhig. Eine leichte Gänsehaut kroch seinen Rücken hoch, als er weiterging und der Windhauch seine unbekleideten Hautstellen berührte. Draco murmelte einen Wärme-Zauber und schlang seine Robe eng an seinen Körper, den Kragen hochgestellt, um seinen Hals zu schützen.
Um ehrlich zu sein, war sich Draco noch nicht einmal sicher, ob er hier auf der richtigen Fährte war. Aus den Büchern seines Vaters wusste er nur, dass es in einem der magischen Wälder Schottlands eine Kreatur gab, die ihm weiterhelfen konnte. Diese sollte angeblich in einer Höhle am Rande einer Lichtung hausen und nicht gerade freundlich zu Besuchern sein. Was für eine Kreatur das allerdings sein sollte, wurde nirgends erwähnt und somit war Draco für alles gewappnet, wie man nun eben für das Unbekannte gewappnet sein konnte.
Kurze Zeit später erreichte Draco wieder eine Biegung. Mittlerweile wusste er nicht mehr, wie weit er schon in den Wald hineingegangen war und wie lange er schon unterwegs war. Doch als er der Biegung folgte, erblickte er eine Lichtung und dem Sonnenstand nach zu urteilen, durfte es nicht lange nach Mittag sein.
Draco wagte sich nicht sofort auf die offene Lichtung hinaus. Zu leicht hätte man ihn dort angreifen können. Also suchte er Schutz hinter einem der Bäume und begann, die Lichtung mit seinem Blick abzusuchen.
Die Lichtung war nicht sehr groß, vielleicht 20 Meter im Durchmesser. Sie wurde größtenteils von einem dichten Blätterwerk der umherstehenden Bäume überdacht, das nicht sehr viel Licht durchließ. Doch über der Mitte der Lichtung konnte man zum offenen Himmel hinaufschauen. Hier drangen auch die Lichtstrahlen durch, die es Draco ermöglichten, ohne Lumos-Zauber sehen zu können. Trotzdem war es nicht gerade sehr hell auf der Lichtung. Das Sonnenlicht reichte gerade, um die Umgebung in ein dämmriges Grau zu tauchen.
Auf der anderen Seite der Lichtung, von seiner Position aus gesehen, befand sich ein weiterer Durchgang, wie derjenige, durch den er den Wald betreten hatte. Doch irgendetwas schien anders zu sein. Draco konnte es nicht näher definieren, da er zu weit von dem Durchgang weg und die Sicht aufgrund der Lichtverhältnisse einfach zu schlecht war.
Draco verharrte weiterhin hinter dem Baum und beobachtete die Lichtung. Es dauerte nur ein paar Minuten, als er eine Bewegung auf der anderen Seite bemerkte. Irgendetwas tat sich dort.
Vorsichtig, immer auf seine Deckung bedacht, schlich sich Draco im Schutz der Bäume um die Lichtung herum in Richtung des Durchganges. Als er sich dem Durchgang bis auf 5 Meter genähert hatte, bemerkte er wie eine dunkel gekleidete Gestalt auf die Lichtung heraustrat. Schwarze Haare, die fast bis zum Boden reichten, umwehten die Figur.
Draco beschlich eine Ahnung, was diese Kreatur sein könnte, doch er wollte sich erst vergewissern, bevor er etwas unternahm. Also ging er noch ein paar Schritte näher heran.
Plötzlich hörte er etwas unter sich Knacken. 'Verdammt!' Durch seine Konzentration auf die Lichtung hatte er nicht auf seine Schritte geachtet und einen relativ großen Zweig übersehen, auf den er jetzt getreten war.
Mit einem leichten Anflug von Panik blickte er zu der Kreatur, die sich ruckartig zu ihm umgedreht hatte. Er schaute in ein eingefallenes, grünliches Gesicht mit tief liegenden glasigen Augen – eine Todesfee. Und sie schien nicht gerade erfreut zu sein, ihn zu sehen.
Während sie näher auf ihn zukam, versuchte Draco sich an irgendeinen Zauberspruch zu erinnern, der hier helfen könnte. Er wusste, dass der Schrei der Todesfee tödlich sein konnte. Das war dann aber auch schon alles, was an ihr gefährlich war – hoffte er zumindest. Als er merkte, dass die Todesfee zu einem Schrei ansetzte, rief er den ersten Spruch, der ihm in den Sinn kam.
"Quietus!" Ein gelber Strahl entwich Draco's Zauberstab und traf die Todesfee an ihrer Kehle. Ihr Blick verriet ihm, dass der Spruch irgendetwas bewirkt haben musste. Er war sich jedoch nicht sicher, ob es auch in der Art gewirkt hatte, wie er gehofft hatte.
Die Todesfee war außer sich vor Wut, ihr ganzer Körper versprühte ihren Zorn. Doch als sie einen ihrer Todes-Schreie ausstoßen wollte, kam nicht mehr als ein heiseres Krächzen hervor. Draco konnte nicht anders, als sie hämisch anzugrinsen. Seine Vermutung hatte sich bestätigt. Ohne einen vorherigen Sonorus-Zauber wurde die Stimme durch den Quietus-Zauber gedämpft. Die Todesfee konnte jetzt nur noch flüstern.
Als diese die Wirkung von Draco's Zauber begriff steigerte das nur noch mehr ihre Rage. Doch als sie sich auf ihn stürzen wollte, hinderte Draco sie mit einem "Petrificus Totalus" daran.
Nun konnte er sich ihr gefahrlos nähern. Die vorher glasigen Augen der Todesfee funkelten ihn jetzt bösartig an, während ihre geflüsterten Flüche Draco eher belustigten. Er gab zu, dass es nicht gerade klug war, sich mit einer wild gewordenen Todesfee anzulegen, aber es war seine einzige Chance, mehr über den schwarzen Diamanten herauszufinden.
"Ich habe nicht vor, Dir etwas anzutun." Draco's Worte schienen die Todesfee nicht wirklich zu beruhigen.
"Ich bin nur auf der Suche nach etwas und hoffte, Du könntest mir vielleicht behilflich sein." Er bemerkte den Spott in ihrem Gesicht und überlegte, wie er sie dazu überreden könnte, ihm zu helfen.
"Vielleicht gibt es etwas, dass ich im Gegenzug für Dich tun könnte." Draco wusste nicht, wie er auf die Idee gekommen war, der Todesfee seine Hilfe anzubieten, doch nun war es raus und die Todesfee schien tatsächlich interessiert, denn das wütende Funkeln ihrer Augen hatte etwas nachgelassen.
"Gut, ich bin auf der Suche nach dem schwarzen Diamanten. Ich habe gehört, Du könntest mir sagen, wo ich ihn finde." Draco bekam keine Antwort. Die Todesfee hätte ihm etwas zuflüstern können, doch anscheinend wollte sie nicht. Also entschied sich Draco, ihr zu zeigen, dass man ihm vertrauen könne. "Ich werde jetzt den Flüster-Zauber wieder von Dir nehmen, dann können wir uns unterhalten."
Draco zielte mit seinem Zauberstab auf die Kehle der Todesfee und murmelte "Sonorus". Die Todesfee wollte gerade anfangen zu schreien, als Draco ihr den Zauberstab direkt an die Kehle drückte. "Denk nicht mal dran. Wenn ich will, bekommst Du Deine Stimme nie wieder."
Wenn die Blicke einer Todesfee töten könnten, wäre Draco auf der Stelle umgefallen. Stattdessen grinste er sie nur selbstgefällig an. "Also? Kannst Du mir weiterhelfen?"
"Und was bekomme ich im Gegenzug von Dir?" Die Stimme der Todesfee ähnelte dem Rasseln von alten Ketten, doch sie sprach mit einer gefährlich ruhigen Stimme.
"Was könntest Du von mir wollen?" Draco versuchte, die Unsicherheit in seiner Stimme zu verbergen.
"Ich will nach Hause," antwortete die Todesfee.
Draco starrte sie nur verwirrt an. Wie sollte er ihr helfen können, nach Hause zu kommen? Er wusste ja noch nicht einmal, wo das sein sollte.
"Und wo genau ist das?" Es schien, als müsste er der Todesfee jedes kleine bisschen Information einzeln herauskitzeln. "Und wie könnte ich Dir dabei helfen?"
"Meine Sippe lebt in Irland. Doch ich werde in diesem Wald hier festgehalten durch einen Bann, den nur ein dunkler Zauberer brechen kann." Sie legte eine kleine Pause ein und beobachtete Draco mit kritischem Blick. "Und Du strahlst genügend dunkle Magie aus, um diesen Bann brechen zu können."
"Woher soll ich wissen, wie man diesen Bann brechen könnte?" Draco war interessiert, doch er wollte erst seine Informationen. Und er wusste, dass man eigentlich einer Todesfee nicht ohne weiteres trauen sollte.
"Es ist ein alter keltischer Spruch. Ich besitze ein Pergament mit der Beschwörungsformel. Ich habe es oftmals selbst versucht, doch meine Magie reicht nicht aus, um den Bann zu brechen."
"Ich helfe Dir," willigte Draco ein. Ihm entging nicht das Glühen in den Augen der Todesfee. "Aber nur, wenn Du mir nützliche Informationen bezüglich des schwarzen Diamanten gibst. Wo kann ich ihn finden?"
"Der schwarze Diamant also..." Das Glühen in den Augen der Todesfee nahm einen seltsamen Ausdruck an. "Starke Mächte werden in ihm geborgen." Sie verstummte wieder und Draco dachte schon, dass es keinen Sinn hätte, seine Zeit weiter mit dieser Kreatur zu verschwenden, als er wieder das Rasseln ihrer Stimme vernahm. "Es gibt einen Drachen, der nicht dort lebt, wo er hingehört. Finde ihn und Du bist Deinem Ziel nah."
Draco schaute sie skeptisch an. Das sollte alles sein?
"Mehr kann ich Dir nicht sagen. Nun erfülle Deinen Teil der Abmachung."
"Gut. Zeige mir Dein Pergament und ich werde sehen, was ich für Dich tun kann. Finite Incantatum."
Als die Todesfee merkte, dass der Fessel-Zauber von ihr genommen war, drehte sie sich wortlos um und ging zu dem Durchgang am Rande der Lichtung, aus dem sie einige Zeit vorher herausgekommen war. Draco wagte einen genaueren Blick und sah jetzt, dass dies der Eingang zu ihrer Höhle sein musste.
Es dauerte nicht lange, bis die Todesfee wieder herauskam und Draco ein kleines Stück Pergament überreichte. Dieser betrachte das Schriftstück neugierig und erkannte die alten Zeichen. Alte Schriften hatten ihn schon immer fasziniert und so hatte er während seiner Schulzeit intensive Studien in diesem Gebiet betrieben. So war es ihm auch möglich gewesen, die Bücher zu entziffern, in denen er die ersten Hinweise zum schwarzen Diamanten gefunden hatte.
Ohne weiter nachzudenken, sprach Draco die Worte. Während der Beschwörung merkte er, dass sich etwas im Wald um ihn herum tat. Er spürte förmlich die magische Energie, die von den Bäumen her strömte. Als er geendet hatte, schimmerte das Pergament in seinen Händen leicht bläulich und löste sich dann in Asche auf.
"Du bist anscheinend frei." Er wandte sich wieder an die Todesfee. "Allerdings habe ich keine Ahnung, wie Du jetzt nach Irland zurückkommst."
"Du hast genug für mich getan. Den letzten Schritt kann ich selbst machen. Und jetzt verschwinde, bevor ich die Geduld mit Dir verliere." Ihre Augen bekamen wieder einen glasigen Ausdruck und Draco wusste, dass es Zeit war, zu gehen.
Draco fand ohne Probleme den Weg zurück. Seltsamerweise waren die ganzen Augenpaare, die ihn auf seinem Weg in das Innere des Waldes beobachtet hatte, jetzt verschwunden. Er vermutete, dass sie wahrscheinlich auch mit dem Bann zusammengehangen hatten. Doch er wollte sich nicht weiter damit beschäftigen, momentan verspürte er nur den Drang, wieder aus dem Wald herauszukommen. Er wollte sich nicht länger hier aufhalten, als unbedingt notwendig.
Als er aus dem Wald heraustrat, blendete ihn das grelle Sonnenlicht. Doch ein angenehmer Schauer lief ihm über den Rücken, als die Wärme seinen Körper umhüllte. Er war froh, aus dem Wald heraus zu sein. Er hatte das Gefühl, endlich wieder frei atmen zu können.
Draco ging zu der Eiche, deren Schatten mittlerweile den Stein und seine versteckten Habseligkeiten überdeckte. Er lehnte sich an den Stamm des Baumes und überdachte das, was gerade im Wald passiert war.
'Wie, beim Barte Salazar's, soll ich einen Drachen finden, der nicht in seiner natürlichen Umgebung lebt? Als ob es nicht schon schwierig genug wäre, überhaupt einen Drachen zu finden...'
Im Geiste ging Draco alle ihm bekannten Drachen-Arten und ihre natürlichen Lebensräume durch.
'Das kann eine endlose Suche werden... Das Beste wird sein, wenn ich mit den Reservaten anfange. Vielleicht finde ich dort weitere Hinweise...'
Während er weiter über seine nächsten Schritte nachdachte, fiel Draco ein, dass in den nächsten Wochen die Quidditch-Weltmeisterschaft in Rumänien stattfinden würde. Da sich auch hier eins der Drachen-Reservate befand, entschied sich Draco, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Schon viel zu lange war er nicht mehr bei einem Spiel gewesen. Und sein letztes eigenes Quidditch-Spiel lag weit zurück, als er noch Schüler in Hogwarts gewesen war.
Es würde eine willkommene Abwechslung sein...
[1] lat. draconis – Drache / excito – erwachen
[2] lat. sanguis – Blut / guttatim – tropfenweise
Anmerkungen: So, das war's erstmal wieder. Das Kapitel ist doch ziemlich lang geworden. War selbst ziemlich erstaunt. Naja, mich hat zwischendurch die Schreibwut gepackt. ;-) Reviews sind wie immer willkommen.
