3. Das Paradies scheint ohne Grenzen

Dieses Paradies war wirklich eines! Allererste Sahne! Hermine konnte es gar nicht fassen.

Und dabei war dieser erste erstaunliche Tag mit dem äußerst befriedigenden Besuch im Meer noch nicht einmal vorüber.

Himmel, ging es ihr seufzend durch den Sinn, wo sollte all das Gute dieses Tages nur enden? Ach, egal, grinste sie innerlich, das hier war einfach der absolute Hit!

Es folgte nämlich ein leichtes und sehr delikates Abendessen, dass Severus aus der reichgefüllten Speisekammer des Hauses für sie zusammenstellte und als er auch noch mehrere Flaschen exquisiten Weins fand, war sich Hermine felsenfest sicher, „Das hier ist bestimmt kein Racheakt!"

„Außer natürlich", gab Severus recht versöhnlich zu bedenken, „wir werden, kaum dass wir uns an all dies hier gewöhnt haben, herausgeschmissen."

Aha, er war also doch nicht mehr so sehr darauf erpicht, hier schnellstens wieder weg zu kommen. Sehr gut.

„Da kann man doch was gegen tun!", meinte Hermine gut gelaunt, „Denn jeder weiß doch, dass man einen Rausschmiss aus dem Paradies vermeidet, indem man einfach einen weiten Bogen um den Baum der Erkenntnis macht!"

„Wenn die im Ministerium weiterhin auf die Hilfe von Cyrus Mahony setzen, besteht absolut keine Gefahr dafür, dass der Baum irgendeiner Erkenntnis auch nur in Sichtweite kommt!" schnaubte Severus und räumte das Geschirr ab.

Nein, allerdings nicht! Was aber gar nicht so schlimm war, jedenfalls für die nächsten Tage! Denn was konnte es herrlicheres geben, als in lauer Sommernacht dem Meer zu lauschen, in den starken Armen eines durchaus gut gestimmten Mannes zu liegen, den frau von Herzen liebt.

Ha! Diese Umgebung machte sie eindeutig sentimental und kramte ihre romantische Seite hervor. Aber auch das war völlig egal!

Sie beschlossen den paradiesischen Tag auf der großzügigen Terrasse beim Schein eines schon fast vollständigen Mondes. Die leisen Geräusche der Nacht waren wundervoll, genau wie Severus Hände, die sachte über ihren Körper und vor allem über ihren runden Bauch streichelten.

„Was hat die Heilerin denn sonst noch so gesagt?", erkundigte er sich nach einer Weile, brummend.

„Das alles in bester Ordnung ist", antwortete Hermine, „Und eben das mit dem Apparierverbot."

„Dann werden Deine Eltern zu Weihnachten eben nach Hogwarts kommen müssen", überlegte Severus.

„Ja, ich habe das schon mit Mum besprochen", nickte Hermine, die bereits mit diesem Verbot gerechnet hatte „Es ist nur gut, dass ich schon alle Geschenke besorgt habe!"

„So?", horchte Severus auf, „Meines auch?"

„Wer sagt denn, dass Du überhaut was bekommst?", kicherte Hermine frech.

„Wie bitte? Ich war unglaublich brav, wie ich meine", eine Behauptung, die er wohl nicht mal selbst recht glaubte, daher schob er voller Selbstmitleid getränkt hinterher, „Zudem habe ich mir ein Geschenk redlich verdient mit einer Frau, die mehr Zeit vor der Toilettenschüssel als in meinen Armen verbracht hat!"

„Na, vielleicht findet sich noch irgendwo eine Kleinigkeit", stellte Hermine hoffnungsvoll in Aussicht, denn er hatte recht, gerade die ersten Monate ihrer Schwangerschaft waren nicht so schön gewesen.

Außerdem freute sie sich schon mächtig darauf Severus sein Geschenk zu geben. Sie hatte die wunderschöne, grünsilbern schimmernde Schreibfeder mit dem passenden Tintenfässchen in einem kleinen Laden in Edinburgh gefunden. Ihre weißgoldene Federspitze war meisterlich gearbeitet und der kurze, ergonomisch gearbeitete Schaft aus Ebenholz lag ausgezeichnet in der Hand. Dreimal hatte sie dem Laden einen Besuch abgestattet, bevor sie sich doch überwunden hatte das Set zu erstehen. Es war alles andere als billig gewesen, aber die Verkäuferin versicherte ihr, dass es den Preis allemal wert sei, denn die Federn wären vollkommen unempfindlich gegen alle Widrigkeiten.

Nun, Widrigkeiten gab es für Lehrer ja genug, da war dieses Geschenk vielleicht gerade die richtige Wahl!

Apropos Widrigkeiten! „Da Deine Frau ja mehr Zeit vor diversen Toilettenschüsseln verbracht hat", gab sie zu bedenken, „finde ich, dass sie ebenfalls ein Geschenk verdient hat, wie sieht es denn damit aus?"

„Wie?", tat Severus skeptisch, „Das muss ich mir aber noch schwer überlegen!"

„Es ist immer gut, wenn sich der liebende Ehemann gründliche und eingehende Gedanken über ein angemessenes Geschenk für seine Ehefrau macht!", wusste Hermine, „weil diese sonst sehr in Versuchung geführt würde, das vielleicht anzudenkende Geschenk für den Mann selbst zu behalten"

„So? Hm, na dann werde ich mal sehen, was sich machen lässt!", gab Severus nach, „Ein wahrhaft großes Geschenk ist es aber schon, wenn in wenigen Tagen die meisten dieser Schüler nach Hause fahren", seufzte er ergänzend. Wie in jedem Jahr träumte ihr Mann schon seit Wochen von den Weihnachtsferien, wie von allen Ferien dieser Welt….

Aber Hermine war noch bei ganz anderen Geschenken und sie richtete sich besorgt auf, „Hoffentlich kommt es nicht direkt an Weihnachten", Übrigens eine Befürchtung, die sie schon hegte, seitdem Poppy das Geburtsdatum für den 28. Dezember ausgerechnet hatte.

„Wer, das Kind? Nun, ich fände das aber sehr praktisch", befand Severus, „So könnten wir jedes Jahr ein Geschenk sparen!"

„Das sagt jemand, der bestimmt schon fieberhaft überlegt, wann er den ersten Rennbesen überreichen darf!", schnaubte Hermine.

„Meinst Du etwa, es wird ein Junge?", horchte Severus hoffend auf.

„Nein! Ich wollte es immer noch nicht wissen", winkte Hermine ab, „Mir ist es völlig egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird", sie drehte sich zu ihm herum, „Du etwa nicht?"

„Selbstverständlich will ich, dass es ein Junge ist!", antwortete Severus wie aus dem Zauberstab geschossen.

„Aha!", machte Hermine und überkreuzte die Arme vor der Brust, „Und warum? Hältst Du etwa Mädchen für schlechter?

„Nun...", überlegte Severus mit gerunzelter Stirn und bekam einen gut gezielten Rippenstoß.

„Auch viele Mädchen stehen auf Rennbesen!", setzte sie nach.

„Es geht nicht um Rennbesen!", schüttelte Severus mit verkanntem Gesichtsausdruck den Kopf und rieb sich seine Seite, „Ich benötige unbedingt maskuline Unterstützung in meinem Kerker, denn seit diese junge Frau bei mir eingefallen ist und mir den Kopf verdreht hat, ist nichts mehr wie es war!"

„Und Du glaubst, dass mit einem Jungen alles wieder so würde wie früher?", erkundigte sich Hermine erstaunt.

„Unsinn! Denn die Frau ist ja immer noch da, aber ich könnte mich dann mit ihm gegen sie verbünden und irgendwann wilde Männerorgien abhalten."

„Ha, da musst Du ja nur noch knappe 20 Jahre lang warten!", rechnete Hermine ihm vor.

„Wie gut, dass Geduld einer meiner großen Tugenden ist!", antwortete er arrogant.

„Du bist absolut verrückt, Severus Snape!"

„Vielleicht, aber auch das liegt nur an dieser verrückten Frau!", behauptete dieser frech.

„Schon klar", seufzte Hermine grinsend, „die ist ja immer an allem schuld!"

„Ganz genau!", nickte er sehr zufrieden, küsste ihren Scheitel und stand auf, um in der Küche für neuen Tee und Wein zu sorgen.

„Solche Abende werden rar werden", murmelte Hermine irgendwann leise, als er sich wieder neben ihr ausgestreckt hatte.

„Höchstwahrscheinlich. Vor allem, da wir in Schottland leben", schnaubte Severus belustigt und gab etwas Zucker in ihren Tee.

„Du weißt, was ich meine", brummte sie und nahm die Tasse entgegen.

„Natürlich weiß ich das und ich bedaure dies schon jetzt!", flüsterte er ehrlich.

„Ich auch, denn bei aller Vorfreude auf das Kind, liebe ich diese stillen Zeiten mit Dir, bei einem Glas Wein oder einer Tasse Tee, einem gutem Buch, egal wo."

„Ich kann Dir nur zustimmen, meine Liebe! Und wenn dieser dicke Bauch hier nicht von einer Geburt in nächster Zeit künden würde und wenn hier zu allem anderen Überfluss auch noch ein gut ausgestattetes Tränkelabor zu finden wäre, würde ich sehr in Versuchung geführt sein den Stuhl zu zerhacken und ihn ins Meer zu werfen."

„Oh", machte Hermine beeindruckt, „aber ich gebe zu bedenken, dass es hier keine Schüler gibt, die Du quälen könntest und denen Du Punkte abziehen darfst!"

„Ich habe doch Dich!"

„Mich darf man aber nicht quälen und ich habe auch keine Punkte, die man mir abziehen kann!"

„Das könnte man doch ändern, mit ein bisschen guten Willen Deinerseits…", überlegte Severus.

„Kommt nicht in Frage!", lachte Hermine und schob ihre Hand zwischen zwei Knöpfe seines Hemdes, um zärtlich über seine breite Brust zu streicheln.

„Schade!", grummelte Severus belustigt.

‚Ach, das Leben war schön', ging es ihr durch den Sinn und ein tiefes Gefühl der Geborgenheit erfüllte sie und sie schloss sehr zufrieden die Augen, um ein wenig vor sich hin zu träumen.

So war wieder eine ganze Zeit nur das Zirpen der Grillen zu hören, bis dass Hermine sehr leise fragte „Findest Du mich wirklich so anziehend, Severus?"

„Wie? Nein, das habe ich nur behauptet, um Dich verführen zu können!", erwiderte ihr unverschämter Ehemann und fing sich erneut einen gut gezielten Rippenstoß ein, wenn er weiterhin so frech war, würde er in der Nacht wohl auf der anderen Seite schlafen müssen – oder einen Heilzauber gegen blaue Flecken sprechen.

„Das würde zwar sehr zu Dir passen, Du alter Slytherin", knurrte Hermine, „aber jetzt mal ehrlich!"

„Nun, vielleicht habe ich doch die Wahrheit gesagt!", stellte ihr Tränkemeister in Aussicht, gab dann aber zu „Ich war allerdings etwas überrascht, als ich es festgestellt habe. In der Tat! Aber es ist nun mal so, ich finde Dich und Deinen Körper gerade unglaublich reizvoll", er drehte seinen Kopf zu ihr hin und meinte, „das dürfte Dir doch wohl nicht entgangen sein, oder?"

Das stimmte, ein Umstand den sie wirklich sehr genoss, sie hatte es aber darauf geschoben, dass sie einfach mehr gemeinsame Zeit hatten, jetzt, wo sie nicht mehr jeden Tag nach Edinburgh an die Uni flohte, sondern vieles von zu Hause aus regelte.

„Es ist aber nicht einfacher geworden", warf Hermine ein und dachte daran, dass ihr dicker Bauch und ihre empfindlichen Brüste manches im wahrsten Sinne des Wortes erschwerten.

„Nein, aber einfach ist nicht immer gleich besser!", entgegnete Severus frech, „bedenke, dass wir sonst wohl auf einige Stellungen nie gekommen wären!"

„Oh, ja!", bestätigte sie kichernd und erinnerte sich sehr gerne an einige Versuche ihrem Bauch aus dem Weg zu gehen.

„Übrigens", meldete sich ihr in dieser Hinsicht sehr kreativer Ehemann und richtete sich auf, „finde ich, dass wir als ernsthafte Wissenschaftler einige dieser Vorgehensweisen nochmals wiederholen müssten, um nachher zweifelsfrei feststellen zu können, welche die Geeignete für diesen Zustand ist."

„Oh lala", machte Hermine amüsiert und setzte sich ebenfalls auf, „denkst Du Dir dieses Vorgehen schon als Vorbereitung auf die nächste Schwangerschaft?"

„Wie?", ruderte Severus sogleich erschreckt zurück, „nein, nein, großer Merlin! Nur aus rein wissenschaftlichem Interesse!"

„Nicht?", erwiderte Hermine grinsend, „Schade, ich dachte Du wärst auf den Geschmack gekommen und könntest es gar nicht mehr missen, das viele Stöhnen wegen unzähliger Wehwehchen, die unerklärlichen Stimmungsschwankungen und das morgendliche Ritual der Übelkeit und des Erbrechens."

„Du hast das Geschnarche in der Nacht vergessen, auf das stehe ich auch unglaublich!", ergänzte Severus süffisant und erhob sich mit einem kleinen Seufzen, „Lass uns erst einmal sehen, wie wir mit diesem Kind zurecht kommen, bevor wir über ein weiteres nachdenken!", entschied er, zog sie hoch und entführte sie mit dem Hinweis, „Aber forschen können wir trotzdem, wie ich finde!", ins Schlafzimmer.

Das Bett war übrigens genau so bequem wie es aussah und eignete sich hervorragend für Orgien, auch für die im Dienste der Wissenschaft!