Image Of You: Kapitel Drei

Und als sie mich küsst, fühle ich die Welt auseinanderbrechen.

Ich presse meine Lippen stärker auf ihre. Sie schluchzt und klammert sich fest an meinen Arm.

„Hör nicht auf.", murmelt sie, unfähig, mit Weinen aufzuhören. „Bitte, Gott, Ginny, hör nicht auf."

Sie zittert und beißt mich und greift in meine Haare. Sie zerbricht in tausend Stücke, so wie ich mich schon die ganze Zeit fühle. Ich fühle, dass die Welt nicht mehr da ist. Ich meine nicht, dass alles „in den Hintergrund gerückt" ist oder etwas Ähnliches. Ich meine es wörtlich, ich kann den Boden unter meinen Fußen nicht mehr spüren, den immer präsenten Sauerstoff nicht einatmen.

Denn alles, was ich einatme, der einzige Grund, wieso ich noch aufrecht stehe, ist Sie.

Ihre Küsse werden schneller, wütender. Als ob ich sie bösartig und insgeheim verarscht hätte. Als wolle sie mich so bestrafen.

Ich spüre ihre Wange heiß an meiner Handfläche. Ihr Nägel kratzen über meinen Rücken, bohren sich in mein Fleisch.

Ich kann so nicht weiter machen. Sonst sterbe ich. Sie scheint keinen Sauerstoff mehr zu brauchen als sie mich unnachgiebig weiter küsst.

Ihre Lippen schlängeln sich zu meinem Hals, heiß und feucht. Ich lege meinen Kopf nach hinten als ein lautes Stöhnen tief aus meinem Inneren aufsteigt. Jede Sekunde könnte ich das kleine bisschen Kontrolle verlieren, das ich noch habe.

Doch dann höre ich ein leises Quietschen über Hermine Schulter. Das sanfte Geräusch des Zeigers auf der Uhr, der sich ein paar Zentimeter weiterbewegt hat.

Die Uhr!

Ich öffne meine Augen weit und schaue verzweifelt zur Uhr, die meine Mutter Harry und mir geschenkt hatte, als wir neu in die Wohnung eingezogen waren. Anders als die Uhr meiner Familie hat diese hier nur zwei Zeiger: Meinen und Harrys.

Und Harrys Zeiger steht auf „Unterwegs".

„Er ist jeden Moment da.", sage ich, wie betäubt. Die unzähligen Male, die ich meinem Freund mit den unordentlichen Haaren in unserer eigenen Wohnung betrogen habe – niemals bin ich bisher vor Panik fast wahnsinnig geworden.

Der letzte Ort an dem er mich finden sollte ist in den Armen von Hermine Granger, ihr vollkommen ausgeliefert.

„Wer?", fragt Hermine, atmet tief ein und löst ihre Lippen vorübergehend von meiner Haut

„Harry. Er kommt nach Hause."

Ich weiß nicht, was ich noch tun soll, Ron.", seufzte Harry und steckte die Hände in die Taschen. Er sah aus dem Fenster des Hauses von Hermine und Ron. Sie waren weit von London entfernt, weil Ron den Frieden und die Ruhe genoss, die im Gegensatz zur für ihn unausstehlichen Hektik der Städte stand.

Hast du mit ihr darüber geredet?", fragte Ron, auf seinem Daumennagel kauend.

Oh komm schon, Ron, hast du je versucht, mit deiner Schwester über das zu reden was in ihrem Kopf vorgeht?", fragte Harry, halb amüsiert, halb entnervt.

Naja, nein. Aber sie ist meine Schwester. Ich nehme an, dass sie mir noch viel weniger erzählen würde als dir. Vielleicht ist gar nichts los, sieh es doch mal so."

„Das glaube ich nicht, Ron. Du hast gesehen wie sich sich gestern bei eurer Verlobungsfeier benommen hat."

Ja. Aber sie ... sie hatte Kopfschmerzen.", erwiderte Ron.

Kopfschmerzen.", spottete Harry. „Sie hatte in letzter Zeit so viele Kopfschmerzen, dass man denken könnte sie hat einen Gehirntumor oder so was."

Was? Was ist ein Dumor?"

Harry erstarrte, Furcht stieg in seinen Bauch auf. „Du denkst nicht, dass sie krank ist, oder?"

Auf keinen Fall.", lehnte Ron ab und winkte Harrys Bedenken ab. „Sie ist nur ein Idiot. Aber kein so großer, glaub mir."

Ja, wahrscheinlich", sagte Harry nachdenklich. „ Obwohl ich denke es könnte etwas mit Hermine zu tun haben. Hast du gesehen wie kurz sie mit Hermine letzte Nacht angebunden war? Und die Beiden sprechen auch nicht mehr miteinander. Hat sie dir irgendwas erzählt?"

Hermine? Nein." Ron schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht. Ich meine sieh mal, jetzt gerade ist Hermine bei ihr um nachzufragen ob alles okay ist. Sie war nach gestern Nacht zu Tode beunruhigt. Konnte nicht schlafen. Wenn es ein Problem gibt muss es bei Ginny liegen. Aber ich glaube du bist hier auf der falschen Spur, Kumpel."

Ja, vielleicht.", nickte Harry langsam und sah zur Uhr. „Ich glaube ich geh besser wieder zurück, wenn sie zu Hause ist. Versuche, mit ihr zu reden."

Okay, viel Glück damit.", gluckste Ron

Und jetzt ist sie fort. Disapperiert, sobald sie die Uhr sah. Offensichtlich wollte sie nicht, dass Harry sie hier findet.

Harry.

Den Schlüssel in der Tür ruft er er meinen Namen leise und zieht mich kurz darauf erleichtert an seine Brust.

„Ich hatte solche Angst.", flüstert er in meine Haare und seufzt.

Ich drücke ihn von mir weg, murmele: „Du hättest keine Angst haben brauchen. Mit mir ist doch offensichtlich alles in Ordnung."

Er macht eine Pause und sieht sich im Wohnzimmer um. „Ist Hermine hier?"

„Was?", gaffe ich ihn an. Er kann unmöglich wissen ..

„Hermine. Ich bin vorhin noch zu Ron gegangen und er meinte, dass Hermine herübergekommen ist um dich zu sehen."

„Oh. Sie ist schon weg."

„Dann muss ich sie verpasst haben.", zuckt Harry mit den Schulter und zieht seinen Mantel aus. „Hat sie .. hat sie dich vielleicht nochmal gefragt ob du ihre Trauzeugin sein willst?"

Er prüft jede meiner Reaktionen, wartet, bis mir etwas herausrutscht.

„Nein. Hat sie komischerweise nicht getan.", erzähle ich ihm vorsichtig.

„Wirst du es denn tun?"

„Ich hab schon gestern nein gesagt.", erinnere ich ihn schnippig und laufe durch die Küche unter dem Vorwand, Tee machen zu wollen, obwohl ich eigentlich nur der Beobachtung entgehen will ... ich komme mir langsam so vor, als ob ich mein bisheriges Leben in einer Petrischale verbracht hätte.

„Wieso, Ginny?", ruft er mir nach. Ich stütze mich auf der Arbeitsfläche ab und hoffe, dass er meine Stille als Antwort versteht. „Ginny?"

Offensichtlich tut er das nicht. „Weil ich es nicht will."

„Wieso solltest du es nicht wollen? Es ist dein Bruder. Unsere besten Freunde.", betont er, erscheint in der Küchentür und lehnt sich gegen den Rahmen.

„Weil Hermine höchstwahrscheinlich will, dass ihre Trauzeugin rosa trägt. Und du weißt genau, dass sich das fürchterlich mit meinem Haar beißt.", schmunzele ich und rolle mit den Augen. Er findet das gar nicht lustig. „Sie wird eine andere finden, eines von den Mädchen von St. Mungo, mit denen sie befreundet ist oder so."

„Im Ernst, Ginny, was ist los?", seufzt er müde.

„Mit Hermine?"

„Mit Hermine und dir. Mit dir und mir. Ernsthaft, Ginny, ich weiß nicht, wo du bist.". Er macht eine Pause und starrt mich flehentlich an.

„Ich bin hier.", schniefe ich und schaue weg,

„Wirklich? Das sehe ich anders.", murmelt er bitter, drückt sich vom Türrahmen ab und stolziert davon.

Hermine brachte ein Tablett, beladen mit einer Kanne, Tassen und gemischtem Gebäck. Sie stellte es auf den Kaffeetisch vor ihre zukünftige Stiefmutter und ihren Bräutigam in spe. Als sie eine Tasse für Molly Weasley eingoss wunderte sie sich über die seltsame Konstellation. Vor Jahren war es Molly gewesen, die Matriarchin der Weasley-Sippe, sorgsam bemüht um Familienlose und Muggelgeborene, die ihr den Tee gebracht hatte.

Obwohl es allen bewusst gewesen war, dass die Weasleys nicht viel Geld hatten, hatte die rothaarige Mutter nie darüber nachgedacht, als sie Harry oder Hermine eingeladen hatte, eine paar Wochen im Sommer oder zu Weihnachten bei ihnen zu verbringen. Sie hatte sie willkommen geheißen und ihnen die selbe Liebe und den Trost gespendet, den sie auch ihrer Familie entgegen gebracht hatte.

Und jetzt würde Hermine ein richtiges Familienmitglied werden. Und sie spielte den Gastgeber genau so wie es Molly getan hatte; servierte ihnen Teetassen und Platten voller Toast zum Abendbrot vor dem Schlafengehen.

Was denkst du, meine Liebe?", fragte Molly Hermine und brachte sie aus ihren Gedanken.

Entschuldige, worüber?" Hermine verzog das Gesicht.

Über die Kleider der Trauzeugin, meine Liebe." Molly lächelte sie freundlich an, wissend, wie sehr sie mit den Gedanken woanders war. Hermine dankte dem Himmel, dass ihre zukünftige Stiefmutter nicht ahnen konnte, wieso sie so von ihren Gedanken eingenommen war.

Ähm ... darüber hab ich, um ehrlich zu sein, noch gar nicht nachgedacht.", seufzte Hermine und setzte sich neben Ron hin. Er nahm ihre Hand und hielt sie zwischen seinen. Eine unwillkürliche Reaktion von ihm, wann immer sie in seiner Nähe war.. Hermine sah, wie Molly dieses kleine Anzeichen von Zuneigung in Augenschein nahm, mit sich kämpfend, bei diesem Anblick vor lauter Entzückung keine Hand auf ihr Herz legen zu müssen.

Naja, es kann nicht rosa sein, nicht wahr?", sagte Molly widerstrebend und machte sich eine Notiz auf ihrem Pergamentblatt. „Bedauerlicher Nebeneffekt, wenn man einen Weasley heiratet. Diese Farbe ist wirklich bei jeder Feier und jeder Veranstaltung tabu. Insbesondere Ginny sieht damit ziemlich .."

Scheiße aus.", ergänzte Ron hilfreich. Er war schon jetzt zu Tode gelangweilt bei den Planungen zur Hochzeit, dabei war noch nicht mal eine Stunde vergangen.

Ronald!", sagte Molly streng. „Es sieht eben nicht so gut aus. Blau ist eine viel passender Farbe. Oder vielleicht Grün, auch wenn man vielleicht nicht denken würde, dass es ..."

Es ist sowieso egal, Molly." Hermine seufzte und strich ihre Haare zurück. „Ginny wird nicht meine Trauzeugin sein." Ihren Namen nur laut zu sagen gab Hermine einen weiß glühend heißen Stich der Freude/ des Schmerzes. Die Erinnerungen von Gestern kamen zurück, verfolgten sie wie einen Farbfilm.

'Konzentriere dich, Hermine, verdammt.!', schimpfte sie sich selbst in Gedanken aus. 'Denk nicht mal an sie wenn du hier bei ihrer Mutter bist!'

Die Vergegenwärtigung der Entsetzlichkeit dieser gesamten Situation half Hermine, sich sofort zu konzentrieren.

Wieso sollte Ginny es nicht tun wollen?", fragte Molly verdutzt. Sie drehte sich zur Seite und sah Ron anklagend an.

Sieh mich nicht so an, Mum!", protestierte er. „Das hat nichts mit mir zu tun! Vielleicht regt sie sich darüber auf, dass Harry ihr noch keinen Antrag gemacht hat und ist deswegen neidisch. Gib doch Harry die Schuld."

Mach dich nicht lächerlich, Ron.", sagte Hermine bissig. Sie war überrascht von ihrer eigenen Bösartigkeit und räusperte sich schnell. „Ich bin mir sicher, dass das nicht der Grund ist."

Was auch immer. Dann hat sie eben ihre eigenen Gründe oder was auch immer. Harry versteht auch nicht, was mit ihr los ist." Ron zuckte mit den Achseln.

Macht er sich Sorgen?", fragte Hermine zögernd und versuchte, die Situation zu beruhigen.

Naja, ja. Er denkt sogar, dass es deine Schuld ist.", meinte Ron grinsend zu ihr. „Ich hab ihm gesagt, dass er nicht so dumm sein soll."

Wieso sollte es meine Schuld sein?", fragte Hermine nervös. Sie fühlte Molly Weasleys Blicke auf sich.

Habt ihr beiden euch gestritten? Du und Ginny?", fragte sie behutsam. „Ich dachte ihr beiden hättet euch schon vor Jahren auseinander gelebt, aber ..."

Zwischen Ginny und mir ist alles okay.", erklärte Hermine den beiden. „Ich habe ihr nichts getan. Und sie mir nichts. Wir sind okay. Und ich denke, dass Blau am besten wäre. Einfach falls ... falls sie ihre Meinung ändert."

Molly nickte leicht als sie das auf ihr Pergamentblatt schrieb.

Hermine seufzte und sah hinaus zu dem schönen Tag. Dort draußen standen Bäume und Tiere liefern herum, ein kleiner Bach floss am hinteren Rand ihres Garten entlang. Ron hatte ein Haus gewollt, welches dem ähneln sollte, in dem er aufgewachsen war.

Es war friedlich und ziemlich schön. Sie konnten beobachten wie die Sonne aufging und über den Hügeln aufstieg und ihr Leben ungestört zusammen leben.

Manchmal vermisste Hermine die Geschäftigkeit der Stadt. Der hektischen Leute, die ihrer täglichen Routine folgend herumhetzten. Das Gefühl, als würde man beinahe etwas wahnsinnig wichtiges verpassen, würde man nur kurz aufhören zu atmen. Sie dachte an eine gepflasterte Straße, von Straßenlampen beleuchtet. Erinnerte sich an wütende Augen und weiche Lippen. Hörte ihre eigenen, verzweifelten Worte in ihren Ohren: „Bitte, Gott, Ginny, hör nicht auf." Als sie daran dachte konnte Hermine nicht anders, als Nikotin und Alkohol in der Luft zu riechen. Ein Geruch, den sie von einer bestimmten Person genau kannte, irgendwo weit weg von hier.

Das ist es also, wofür du unsere kleine Affäre aufgibst?", hörte sie Ginnys Stimme in ihrem Ohr flüstern. „Die Chance über die Farbe von Kleidern mit meiner Mutter zu diskutieren, während Ron neben dir schnarcht? Ja, ich kann wirklich verstehen, weshalb du das vorziehst", spottete sie.

Hermine verbannte die Stimme aus ihrem Kopf, konnte sich aber nicht mehr auf die beiden anderen Weasleys im Raum konzentrieren.

Stattdessen entschuldigte sie sich und eilte zum Bad, eine ansteigende Panik in der Brust.

Sie verschloss die Tür und kauerte sich neben die Toilette, weil sie fühlte, dass sie würgen musste. Etwas bäumte sich in ihr auf, ein schrecklicher Druck der sie krank machte. Ein Druck, durch den sie den ersten Portschlüssel, den sie finden könnte, nehmen würde um aus ihrem eigenen Hause zu fliehen

Sie wollte weinen, doch keine Tränen kamen. Sie wusste, dass sie sich danach besser fühlen würde. Irgendwie erleichtert. Sich übergeben. Weinen. Schreien. Irgendetwas, wodurch sie sich besser fühlen könnte.

Doch nichts davon kam.

Stattdessen schloss sie die Augen, dachte an die gepflasterte Straße und verschwand mit einem leisen plop.

So, wieder einmal fertig. Das Kapitel hatte ich übrigens schon letzte Woche fertig, ich hab nur noch auf eine Antwort von Kaiserdrache gewartet, weil ich ihm das Kapitel zum Betalesen schicken wollte ...

Kaiserdrache: Wie gesagt, ich hab dir eine Nachricht geschickt indem ich das Angebot dankend angenommen habe und wollte dir die ersten drei Kapitel schicken. Warst du nicht da? Oder ist dein Email-Postfach voll? Melde dich bitte mal bei mir. Vielen Dank auf jeden Fall für das Angebot und für dein Review, einige Fehler hab ich schon berichtigt, die beiden, die du explizit angesprochen hast, waren im Original genau so, ich hab das jetzt aber mal geändert.

Sepsis: Ja, traurig ist es. Und wird es auch vorerst bleiben, auch, wenn ich dazu natürlich nichts verraten will :) Hab mich über dein Review gefreut :)

Bis zum nächsten Mal :) Das nächste Kapitel folgt schnellstmöglich(und sobald sich, hoffentlich, Kaiserdrache bei mir gemeldet hat :))

PS: Und schreibt mal ein paar mehr Reviews, ihr faulen Säcke .. Über 60 Views für das zweite Kapitel und weit über 150 für das erste - und dann 4 Reviews - schämt euch :P