Behutsam schlug die junge Frau ihre müden Augenlider auf, schloss sie für einen kurzen Augenblick wieder, um sich den verbleibenden Schlaf sanft mit den Ballen ihrer Hände aus ihren hasselnussbraunen Augen zu wischen, setzte sich schließlich nach ausgiebigem Strecken auf und erstarrte, als sie ihre Umgebung das erste Mal seit ihrem Aufwachen bewusst wahrnahm: während ihre vorsichtig tastenden Hände die weiche, trockene Oberfläche des Mooses erkannten, erblickten ihre suchenden Augen einen ihr unbekannten Teil eines altehrwürdigen, dichten, dunklen Laubwaldes, auf einer seiner Lichtungen sie sich befand. Durch die in den schwindelerregenden Höhen des Firmamentes verschwimmenden Kronen der Bäume brach ein einzelner, wärmender Strahl reinsten Sonnenlichtes hervor und erhellte einen im Zentrum der Lichtung wachsenden Rosenbusch, dessen Zweige sich wie im Tanze umgarnend gen der Sonne rankten, um im spielenden Licht den einzigen Kontrast zur düsteren Glorie der dicht aneinandergereihten Eichenbäume zu bieten.

Verwundert beobachtete ebenjene schwarzhaarige Frau das sichtbare Erblühen des Rosenbusches im Licht der Sonne und näherte sich langsam dem Schauspiel der Natur, bis sie das warme Sonnenlicht erreichte, das in jede Pore ihres Körpers eindrang, um ihr Herz zu erwärmen, das, den herrlich blühenden roten Blütenblättern gleich, mit einem Gefühl der tiefen Zufriedenheit anzuschwellen schien. Mit einem lautlosen Lächeln schloss sie ihre Augen und vergaß für eine Sekunde in der Ewigkeit den Sinn ihrer selbst, sodass das Bild des stetig wachsenden Rosenbusches vor ihrem inneren Auge erblühte, das Bild zweier Fäden, miteinander verbunden bis in die fernen Regionen der höchsten Berge wachsend, sich umgarnend und doch niemals berührend, doch plötzlich verblasste das satte Blau des eines Zweiges und hinterließ nichts als ein schwächlich pulsierendes Rot inmitten der Schwärze ihres inneren Auges.

Hastig riss die junge Frau ihre Augen auf, als das warme Gefühl der Zuneigung wie das Wasser des Flusses des Vergessens aus ihrem Körper zu sickern schien, um den verblassenden Rosenbusch zu bewässern, und sie mit einer seelenlosen, kalten Leere inmitten eines schwarzen Raumes, dessen undurchdringlichen Wände bedrohlich von allen Seiten auf sie eindrangen, füllte, die sie vor Verzweiflung erschaudern ließ, da sie nicht wusste, wie sie an diesen dunklen Ort gekommen war; doch während sie versuchte, sich daran zu erinnern, bemerkte sie zum ersten Mal, dass sie sich nicht erinnern konnte, wie sie auf jene sonnenüberflutete Lichtung gelangt war, doch wusste sie nun, dass irgendetwas, das sie nicht zu fassen in der Lage schien, nicht stimmig war.

Langsam schloss die junge Frau ihre Augen, um sich von der unerträglichen Stille der Dunkelheit abzulenken, und versuchte, sich die Ereignisse des letzten Tages in Erinnerung zu rufen, ihre Zeit der Einsamkeit auf jenem harten, kalten Stein, ihre vom ersten Schnee des Winters forcierte Selbsterkenntnis, das stolze Lächeln ihres Meisters, das eine lichterlohe Flamme vor ihrem inneren Auge entbrennen ließ, die ihr Blut, das vor unerklärlicher Wärme wallte, in einen siedenden Feuerfluss verwandelte, der die schwächlich leuchtende Glut ihres Herzens entzündete, sodass das gefährlich züngelnde Feuer in ihrem Herzen den feuerspeienden Fluss ihres Blutes in jede Pore ihres Wesens trieb, und ihren vor winterlicher Kälte frierenden Körper erwärmte; und dann erkannte sie: wie konnte sie auf einer warmen, sonnendurchfluteten Lichtung sein, wenn der erste Schnee des Winters gefallen war?

Noch während ihr Verstand die erlangte Erkenntnis zu verarbeiten versuchte, glaubte der schwarzhaarige Lehrling, das ferne Trappeln tausender eisenbeschlagener Pferdehufe zu vernehmen, und drehte ihren Kopf, sodass ihre geschlossenen Augen in die tiefe Schwärze des Raumes blickten und dort für einen erschreckenden Augenblick die turmhohen Zinnen einer ihr unbekannten, von geschichtslosen Rittern belagerten Stadt zu sehen glaubten, bis sie ihre Augen ein drittes Mal vor Schreck öffnete und damit den Zauber ihres Traumes endgültig brach.

Verwirrt starrte Akane an die hölzerne Decke eines ihr unbekannten Raumes, bevor sie schläfrig gähnte, sich sinnlich streckte, und sich schließlich gemütlich aufsetzte, ihren Rücken gegen das hölzerne Ende des mit Stroh gefüllten Bettes, in dem sie geschlafen hatte, gelehnt. Ein wohliger Schauer durchlief ihren Körper, als sie spürte, wie die warme Wolldecke von ihrem Körper rutschte, einen braunen Mantel offenbarend, der das weiße Kleid, das sie so gerne trug, nicht gänzlich bedeckte, da er nicht zugeknöpft war, während sie sich in dem fremden Zimmer umsah. Die von hölzernen Regalen voller fremdartiger Bücher gezierten Steinwände des Zimmers wurden nur von einem gläsernen Fenster, das den Blick auf den zugefrorenen See, dessen Eisschicht mit im Licht der spärlich durch die dichte Wolkendecke hervorblitzenden, aufgehenden Sonne glitzernden Pulverschnee bedeckt war, offen legte, und einer dicken, einen Spalt weit geöffneten Holztüre unterbrochen, durch die die fremde Stimme einer Frau in das Zimmer hereindrang.

Während ihr verschlafener Verstand versuchte, all die Reize, die auf die junge Frau einstürzten, zu verstehen, Realität von Traum zu trennen, nahm ein verschwommener Gedanke in den Tiefen ihres Seins festere Konturen an, und obwohl sie nicht wusste, warum, kämpfte sie mit aller Kraft gegen die Erinnerung des Vortages an, die jedoch, geschürt durch das Feuer in ihrem Herzen, den sinnlosen Kampf gewann, und sich das Gehör der jungen Frau verschaffte. Deutlicher und deutlicher, doch zugleich mit jedem Versuch des genauen Erkennens verschwommener, einem in allen Farben des sichtbaren Spektrums erstrahlenden Regenbogen gleich, der so nah schien, und doch niemals erreichbar sein würde, erinnerte sich Akane an den sanften Kuss, den sie ihrem Meister gegeben hatte, und errötete, obgleich nicht gänzlich sicher, ob nicht geträumt, bis unter ihre Haarspitzen.

„Tut mir schrecklich Leid, der Herr, aber Meister Ranma residiert momentan nicht hier", rissen die leisen, vergnügten Töne einer unverkennbar weiblichen Stimme die junge Frau aus ihren verwirrenden Gedanken. Neugierig, da sie Ranma noch nie von einer anderen Frau hatte sprechen hören, stieg sie aus dem weichen Bett und schlich lautlos zur angelehnten Türe, sodass sie hindurchspitzen konnte, ohne selbst gesehen zu werden.

Der Anblick, der sich Akane bot, war jedoch so befremdlich, dass sie beinahe aufkeuchte und anschließend ein Knurren unterdrücken musste, indem sie sich auf ihren Zeigefinger biss: vor der dicken Holztüre der Hütte sah die junge Frau das grobschlächtige, vernarbte Gesicht eines beeindruckend großen und muskulösen Ritters, dessen Körper gänzlich in einer silbern glänzenden Rüstung verborgen war, an deren Seite eine braune, lederne Scheide hing, die auf ein enormes, einhändiges Schwert andeutete, und dessen schulterlanges, verdrecktes braunes Haar lose von seinem Kopf, der nur sichtbar war, da der Ritter seinen Topfhelm abgenommen hatte und ihn nun in der Hand hielt, hinab fiel; doch es war nicht der Anblick des mächtigen Ritters, der der jungen Frau eiserne Ketten um ihren Brustkorb legte, sodass das Atmen beschwerlich anstrengend wurde, und giftige Pfeile in ihr Herz schoss, die ihren Verstand zu vernebeln drohten, nein, es war der Anblick der jungen Frau, die in der Türschwelle des Hauses stand, der Akane jene verletzenden Gefühle vermittelte.

Das lange, volle, rötliche, kastanienbraune Haar der jungen Frau, das wie eine Kaskade von ihren zarten, schmalen Schultern fiel, bedeckte das sattblaue Oberkleid, das lose, doch fest über ihren Schultern hing, bis zu ihren betont weiblichen Hüften, an denen sich das Oberkleid nach vorne öffnete, um das weiße, bis zu ihren geschmeidigen Knöcheln reichende Unterkleid zu offenbaren, das ebengleich die nackte Haut ihrer Arme bis zu den Ellbogen bedeckte, von denen ebenso weiße, seidene Handschuhe den restlichen Arm und ihre Hände mit weichem Stoff überzogen. Die junge Frau war von solch unübertroffener Schönheit, dass Akane sich wunderte, wie der Ritter es vermochte, ihrem Charme nicht sofort zu unterliegen, da selbst sie ihre Augen nicht von ihr richten konnte, und so die leise gegrummelte Antwort des Mannes nicht zu vernehmen im Stande war.

„Nein, der Herr", antwortete die verlockende Frau mit einem schmeichlerischen Lächeln, „das hier ist nur eines der vielen Besitztümer meines Herrn. Ich weiß leider nicht, in welchem seiner Besitze er sich momentan aufhält, aber der Herr kann gerne hier auf ihn warten, wenn er möchte."

„Nein", brummte der Mann in seiner tiefen Stimme und drehte sich abrupt um. „Meine Männer und ich reiten sofort weiter. Wir müssen unserem Lehnherren Bericht erstatten. Sag deinem Meister, dass wir hier waren."

„Aber natürlich, der Herr", versicherte sie ihm und folgte seiner riesigen Gestalt durch die Türe, die sie sofort hinter sich schloss. „Wenn der Herr erlauben möge, begleitet ihn meine Wenigkeit bis zur Grenze des Waldes."

Langsam schlich Akane zurück zum Bett und ließ sich auf das weiche Stroh fallen, während ihr Verstand raste und ihr Herz schmerzhaft schnell schlug. Tausende Fragen schossen durch ihren Kopf, Fragen, warum sie in seinem Bett schlief, wo er war, wer sie war, und obwohl sie wusste, dass es nicht ihre Angelegenheit war, dass sie es sich nicht erlauben durfte, ihrem Meister zu sagen, zu erklären, oder gar zu verbieten, dass sie keine Gefühle für ihn hegen durfte, sie, die sie nur durch seine Gnade und Gutmütigkeit sein Lehrling sein konnte, und doch drohte ihr Herz bei dem Gedanken, dass er sich mit dieser Frau vergnügte, in hunderte Stücke auseinanderzubrechen. Wütend hieb die junge Frau gegen das weiche Kissen, um kurz darauf ihr Gesicht in der wagen Hoffnung, den tobenden Sturm in ihrem Herzen ein wenig zu beruhigen, in ihm zu vergraben, während heiße Tränen in den groben Stoff versickerten.

Nach einigen, verzweifelten Momenten der Einsamkeit erinnerte sie sich jedoch an die allumfassende Stille des Waldes, die Abgeschiedenheit ihrer verwirrten Gedanken, die sie so mühsam zu kontrollieren gelernt hatte, und verschloss ihr Herz vor dem Sturm ihrer Gefühle, sodass die Quelle ihrer Tränen versiegte, und sie ruhig nachdenken konnte. Sie wusste, dass er nicht ihr gehörte, sie wusste, dass er tun konnte, was er wollte, sie wusste, dass er ein Leben hatte, dem er sich widmete, wenn sie sich nicht in seinem Haus aufhielt, und hatte bereits seit Tagen befürchtet, dass es auch eine Frau in seinem Leben gäbe, und sie wusste, dass sie ihm keine Vorwürfe für ihre Gefühle machen konnte, sodass sie sich widerwillig entschloss, ihre Gefühle verschlossen zu halten, ihn zu vergessen, obwohl sie jeden Tag mit ihm würde verbringen.

Langsam drehte die junge Frau ihr von Tränen geschmücktes Gesicht zum Fenster, sodass sie das hoffnungslose Unterfangen, die gläsernen Perlen ihres Schmerzes für alle Ewigkeit in den diamanten Palast ihres Herzens zu verbannen, beginnen konnte, und blickte sehnsüchtig durch das Glas in den wolkenverhangenen Himmel, an die neue Welt, die sie durch ihre Selbsterkenntnis geöffnet hatte, denkend, die sie nun betreten durfte. Nur wenige Momente hielt sie dieser tröstende Gedanke an ihre neuen Erfahrungen gefangen, bevor sie das leise Knarren der sich öffnenden Haustüre vernahm, gefolgt von einem beinahe unhörbaren, männlichen Seufzer und dem abschließenden Zufallen der Türe. Hastig setzte sich die junge Frau auf und schlüpfte aus dem Mantel, um ihrem Meister die Vorzüge ihres weißen Kleides zu zeigen, schalt sich sofort dafür, als sie sich an ihre eigene Entscheidung erinnerte, doch bevor sie ihren Fehler beheben konnte, öffnete sich die Türe zum Schlafraum bereits einen spaltbreit.

„Akane?", hauchte der junge Mann leise, während er seinen Kopf vorsichtig in das Zimmer schob, um zu sehen, ob sein Lehrling bereits aufgewacht war, und erstarrte, als er die junge Frau in seinem Bett sitzen sah. Er hatte den Wandel ihres Wesens während ihrer gemeinsamen Zeit vergnügt beobachtet, das Verblassen ihrer wilden Schönheit zugunsten einer gepflegten Anmut, deren Liebreiz die Herrlichkeit sämtlicher adliger Damen auf den Höfen des Königs in den Schatten stellte, das Zähmen ihrer Sturheit durch die erwachende Erkenntnis ihrer selbst, das gelegentliche Aufflackern eines gewaltigen Feuers in ihren Augen, das ihr Potential unterstrich, doch der Anblick, der sich ihm darbot, übertraf all dies.

Während sie seiner ungestellten Frage antwortete, indem sie ihren Kopf fragend schief legte, sog der junge Mann die unverkennbar weiblichen Reize seines Lehrlings staunend ein. Ihre rubinroten Lippen, die sie sich aufgrund der trockenen Luft sinnlich leckte, um ein Aufplatzen zu verhindern, schenkten ihm ein bezauberndes Lächeln, ihre samtenen Hände legten sich reizend übereinander, als sie ihre Arme ausgiebig nach vorne streckte, sodass ihr innerhalb des letzten Monats offensichtlich gewachsener Busen noch mehr betont wurde, als dies das Kleid bereits tat, während der linke Träger ihres Kleides langsam an ihrer Schulter hinab glitt, bis sich der Blick des schwarzhaarigen Mannes ebengleich entlang der schmalen, doch runden Hüften der Frau bis zu ihren weißen, unbedeckten Beine senkte, und er den Kloß, der sich in seinem Hals gebildet hatte, versuchte, hinunterzuschlucken, als er das gefährlich züngelnde Feuer in ihren blitzenden Augen zu erkennen glaubte.

„Ich sehe, du bist wach", meinte er langsam, das schnelle Pochen seines Herzens ignorierend.

„Ja", antwortete sie ihm lächelnd, da ihr seine Blicke nicht entgangen waren, und stand ein zweites Mal an diesem kuriosen Tag auf. „Was ist eigentlich gestern passiert?"

„Du hast die schwierigste Aufgabe gelöst, die dich in deiner Lehre erwarten wird", sagte er stolz, betrat, gekleidet in einem schwarzen, an den obersten Knöpfen geöffneten Hemd, sodass die junge Frau seinen breiten Brustkorb sehen konnte, dessen Anblick ihr ein zartes Rot auf die Wangen zauberte, sein Schlafzimmer, ging auf die junge Frau zu, und legte ihr fürsorglich seine kalte Hand auf ihre Wangen. „Leider hast du dich dabei ein bisschen übernommen und Fieber bekommen, sodass ich dich die Nacht hierbehalten musste. Jetzt scheint aber alles wieder in Ordnung zu sein, denn deine Temperatur ist wieder gefallen. Hast du gut geschlafen?"

„Ja, danke, ich habe wunderbar geschlafen, besser als je zuvor", babbelte sie, um die sanfte Berührung seiner rauen Hände auf ihrer Wange zu überspielen, die sie stärker erröten ließ als sein Anblick. „Aber wo hast du geschlafen?"

„Nun ja", zögerte der junge Mann, während er seine Hände von ihren Wangen nahm, und Akane meinte, eine leichte Rotschattierung auf seinen Wangen zu erkennen, als er fortfuhr: „Ich hatte nicht mehr genügend Stroh, um mir ein neues Bett zu machen, also habe ich mich einfach zu dir gelegt. Ich hoffe, es macht dir nichts aus."

„Das ist wunderbar!", brach es aus der jungen Frau hervor, da es bedeutete, dass ihr Meister nicht bei der mysteriösen Frau geschlafen hatte, realisierte jedoch zu spät die Implikation ihrer ausgerufenen Worte, die in Verbindung mit ihrer Aussage, dass sie noch nie besser geschlafen hatte, womöglich eine vollkommen falsche Bedeutung für den perplex schweigenden jungen Mann ergab, doch wusste sie nicht, wie sie das Missverständnis aus der Welt schaffen sollte. „Ich meine, ich wollte sagen, dass es, wie soll ich es ausdrücken, in, in Ordnung ist!"

„Eh, gut", stellte der Zauberer zögernd fest und schlug schließlich nach kurzem Schweigen vor: „Warum machst du dich nicht ein wenig frisch, und ich bereite in der Zwischenzeit das Frühstück vor?"

Dankbar nickend folgte sie dem jungen Mann in die Küche, in der sie sich Gesicht und Arme mit kaltem Wasser wusch, während er das Brot schnitt, und aus einem winzigen Raum, den sie noch nie zuvor gesehen hatte, da die kleinen Holztüre neben der Wasserpumpe für ungeübte Augen beinahe unsichtbar war, und wohl als Kühlraum diente, Butter, Fleisch, Früchte und Milch für das Frühstück. Schweigend setzten sich die beiden jungen Erwachsenen an den hölzernen Tisch im kühlen Wohnraum, da Ranma den Kamin nicht entzündet hatte, beide tief in ihren Gedanken versunken, und aßen das Mahl, bis Akane das Schweigen mit einer Frage brach.

„Ich weiß, es ist anmaßend zu fragen, aber könnte ich heute vielleicht früher nach Hause gehen? Ich bin gestern nicht nach Hause gekommen, und meine Familie macht sich sicherlich Sorgen um mich", fragte die junge Frau vorsichtig, die Reaktion des Zauberers genau beobachtend.

„Nein", antwortete er ihr langsam und richtete seinen Blick das erste Mal seit dem Beginn des Frühstückes auf die junge Frau, die ihm gegenüber saß, und brachte ihre stummen Proteste mit einem Lächeln zum Verstummen. „Du wirst nicht früher gehen, du wirst jetzt gleich nach dem Frühstück nach Hause gehen, da ich heute in das Dorf muss, um einige Bestände nachzukaufen. Und auf dem Weg ins Dorf kannst du mir all die Fragen stellen, die dir auf dem Herzen liegen."

„Was? Wie?", stammelte die junge Frau verdutzt und beobachtete, wie der junge Mann den Tisch geschickt abräumte, und die leeren Teller in die Küche brachte, während er ihr antwortete.

„Deine Aura verrät dich", wehte seine vom Wasser, das auf der Pumpe der Küche lief, gedämpfte Stimme aus der Küche. „Menschen können zwar Fragen zurückhalten, aber ihre Aura schlägt dennoch meistens nach dem Menschen aus, dem sie die Fragen stellen wollen; und bevor du fragst: ja, es könnte auch andere Gründe haben, aber du warst den ganzen Morgen schon in Gedanken versunken, also wusste ich, dass dich etwas bedrückt."

„Kannst du mir das beibringen?", fragte die junge Frau beeindruckt, als ihr Meister mit zwei Mänteln in der Hand zurückkehrte.

„Aber natürlich, das ist die nächste Stufe deiner Ausbildung", sagte er und half ihr beim Anziehen ihres braunen Mantels, bevor Meister und Lehrling die Hütte am See verließen, um das Dorf am Rande des Waldes zu besuchen.

Einmütig liefen die beiden jungen Erwachsenen durch jenen altehrwürdigen Wald, der sich seit dem ersten Besuch der schwarzhaarigen Frau so sehr verändert hatte, dass sie kaum mehr glauben konnte, in ebenjenem Wald zu laufen. Die tief hängenden, einst so bedrohlich wirkenden Zweige der Nadelbäume waren nun mit einer dünnen Schicht von purem Pulverschnee bedeckt, und schienen die Besucher des Waldes freundlich zu grüßen, das stark ausgeprägte Wurzelwerk der Bäume schien einen Pfad für sie zu formen, auf dem sie ungestört wandern konnten, und die dicht aneinandergereihten Stämme öffneten einen Durchgang für sie, während die junge Frau ihrem Begleiter Frage um Frage stellte.

„Ganz ruhig, Akane", lachte Ranma, als sein Lehrling Luft holte, um weitere Fragen zu stellen, und unterbrach ihren Fragenmarathon dadurch. „Ich kann dir doch keine Frage beantworten, wenn du mir so viele auf einmal stellst! Aber da es dich so sehr zu interessieren scheint, werde ich dir die Grundzüge deiner weiteren Ausbildung erläutern: als erstes wirst du lernen, deine Aura zu kontrollieren, denn ohne Kontrolle wirst du nicht in der Lage sein, alle Fassaden zu begreifen und anzuwenden. Dass du es geschafft hast, die Tiere zu dir zu rufen, zeugt bereits von einer gewissen Kontrolle über deine Aura, aber um der Herr all deiner Wesenszüge zu werden, müssen wir deinen Geist, und damit deinen Körper stählen, denn nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen."

„Gut", murmelte die junge Frau verlegen, ihre Wangen gerötet von der Erinnerung an die Tiere, die sie gerufen hatte, bevor sie ihn geküsst hatte, jenen Kuss, den er mit keinem Wort erwähnt hatte.

„Es gibt keinen Grund, ob eines Kompliments verlegen zu sein", meinte der schwarzhaarige Mann freundlich, da er die geröteten Wangen der jungen Frau sah, aber nicht zu verstehen vermochte, warum sie verlegen war. „Nachdem du gelernt hast, deine Aura vollständig zu kontrollieren, werde ich dich darin unterrichten, sie in den verschiedensten Bereichen gezielt einzusetzen."

„Was für Bereiche denn?", fragte Akane angespannt, den Blick keine Sekunde vom Gesicht ihres Meisters gerichtet.

„Mit ein bisschen Übung wirst du beispielsweise in der Lage sein, mit Leichtigkeit einen Lügner zu erkennen, wenn er nicht perfekte Kontrolle über sich selbst hat", beantwortete ihre neuerliche Frage geduldig und deutete auf eine am Rande seines Blickfeldes vorbeihuschende Wildkatze, die offenbar auf der späten Jagd nach Beute war. „Weißt du, warum Katzen stets so skeptisch sind? Sie sind fähig, die Aura der sie umgebenden Lebewesen zu sehen, und erkennen daher, dass jedes Lebewesen lügt. Deshalb verbringen sie ihre Zeit lieber alleine oder mit jenen, die ihnen wohl gesonnen sind, denn sie wissen, wem sie vertrauen können. Diese Kleine hier hat sich uns nur deswegen genähert, ohne ihre Deckung zu wahren, da sie wusste, dass wir ihr keinen Schaden zufügen wollten, und konnte deshalb ihre Beute erlegen. Du siehst also, es bringt unerdenkliche Vorteile mit sich, seine Aura zu beherrschen."

„Das kann ich mir sehr gut vorstellen", stimmte die junge Frau zu und stellte wissensdurstig die nächste Frage: „Was noch?"

„Du wirst beispielsweise erkennen, wenn du am Ziel deiner Reise bist", flüsterte der Zauberer und blieb stehen, um seinem Lehrling in die Augen zu blicken.

„Wie das?", fragte sie gespannt und blieb neben ihm stehen, den Blick starr auf seine azurblauen Augen gerichtet.

„Indem du deine Augen aufmachst", meinte er scherzhaft und deutete auf den schlichten Holzwall, mit dem das kleine Dorf, aus dessen an den Hütten angebrachten Kaminen spiralenförmig Rauch austrat, der die Geschäftigkeit der Farmer zu solch früher Stunde andeutete. „Wir sind da. Ich werde nur einige Dinge einkaufen, und dann wieder in mein Heim zurückkehren. Bitte komme morgen zur selben Zeit zu meiner Hütte, dann werden wir deine Ausbildung fortsetzen."

Bevor sich der schwarzhaarige Mann jedoch auf den verbleibenden Weg zum Dorf machen konnte, wurde er von den schmalen Händen seiner Begleiterin zurückgehalten, die seinen Mantel verlegen festhielt, während sie auf den Boden zu seinen Füßen blickte. Mit wild schlagendem Herzen, hoffend, dass sie keine Grenze überschritt, atmete sie die kalte Morgenluft, die sie bis dahin nicht bemerkt hatte, da sie die Worte ihres Zauberers gefangen gehalten hatten, tief ein, um sich selbst zu beruhigen, und sprach sich in ihrem Geiste den nötigen Mut zu, um ihm die nächste Frage zu stellen.

„Wenn wir schon einmal gemeinsam im Dorf sind, hättest du dann vielleicht Lust, ich meine, du musst nicht, wenn du nicht willst, aber würdest du vielleicht gerne, ich meine, magst du heute Abend vielleicht bei uns, ich meine, bei meiner Familie essen, als kleiner Dank sozusagen, als Dank für alles, was du für uns, für mich getan hast?", fragte sie, ohne ihren Blick vom gefrorenen Erdboden auf ihn zu richten.

„Ich weiß nicht, Akane. Eigentlich esse ich nur mein eigenes Essen bei mir zu Hause, und außerdem bezweifle ich, dass deine Familie mich gerne in ihrem Haus sehen würde", antwortete er ihr, als er ihre Enttäuschung mit fast allen Sinnen vernahm; ein beinahe unhörbarer Seufzer entfloh ihren Lippen, während sich ihr Griff, mit dem sie seinen Mantel festgehalten hatte, lockerte, ihre Schultern sanken, und sich die Ausstrahlung ihrer selbst verringerte, sodass der junge Mann widerstrebend einlenkte. „Aber ich denke, eine Ausnahme wird nicht schaden, oder?"

Leise und langsam schob Akane die Türe zum Haus ihrer Familie auf und schlüpfte lautlos durch den schmalen Spalt, um niemanden aufzuwecken und peinlichen Fragen auszuweichen, doch als sie ihren schlanken Körper in das Haus bugsiert hatte, sah sie sofort, dass sich ihre zwei Schwestern und ihr Vater bereits zum Frühstück am Essenstisch versammelt hatten. Flehentlich blickte sie auf ihre ältere Schwester, die ihr Eintreffen als erstes bemerkt hatte, vergeblich hoffend, dass sie ihr die Möglichkeit geben würde, sich zu erklären, bevor sie fragte, wo sie die Nacht verbracht hatte.

„Ach, sieh mal an, wer sich da entscheidet, endlich nach Hause zu kommen", meinte Nabiki betont beiläufig mit einem neckischen Grinsen. „Akane! Wo warst du denn die ganze Nacht? Wir haben uns schreckliche Sorgen gemacht."

„Akane?", fragten ihr Vater und ihre älteste Schwester wie aus einem Munde, und drehten sich mit besorgten Blicken zur Haustüre um, vor der die junge Frau noch immer peinlich berührt stand, bevor Kasumi auf sie zu schritt. „Akane! Bin ich froh, dich zu sehen! Wir haben uns solche Sorgen gemacht, als du gestern nicht nach Hause gekommen bist. Was, wenn dich ein wildes Tier im Wald angefallen hätte? Aber du bist in Ordnung! Komm herein, setz dich!"

„Ist schon gut, Kasumi", antwortete die schwarzhaarige Frau beschwichtigend, als ihre Schwester sie in einen Stuhl am Tisch bugsierte. „Vater, es tut mir schrecklich Leid, dass ich gestern nicht nach Hause gekommen bin, aber ich bin aufgrund der harten Ausbildung vollkommen erschöpft eingeschlafen, und erst heute Morgen aufgewacht."

„Ist schon gut, mein Schatz", meinte der Älteste der Familie freundlich und nahm die Hand seiner Tochter liebevoll in seine eigene. „Ich bin nur froh, dass du wieder wohlbehütet in deinem Heim bist."

Beunruhigt durch das überschwängliche Willkommen und die fehlenden Fragen ihrer Schwestern nach ihrem gestrigen Aufenthalt beobachtete die junge Frau skeptisch ihre Familienmitglieder und glaubte alsbald, eine versteckte Nervosität hinter der Maske der Fröhlichkeit zu erkennen. Den dargereichten Teller dankend mit der Begründung, dass sie bereits gefrühstückt hatte, ablehnend, versuchte sie, ihr wild schlagendes Herz wie am Vortage zu beruhigen, all die Geschehnisse, alle Gedanken für den Moment zu verdrängen, um das Auge des Sturms in ihr zu finden, in dem jene Ruhe herrschte, die sie benötigte, um sich selbst zu finden, und damit zu erkennen, was vor sich ging. Als Akane ein letztes Mal tief durchatmete, um sich zu beruhigen, und gerade dabei war, ihre Augen zu schließen, um die Aura ihres Vaters zu suchen, flackerte diese schwächlich auf, um sofort wieder im Nichts zu verschwinden. Erstaunt hielt sie kurz inne, bevor sie verstand, dass sie ihre Augen nicht schließen musste, um sehen zu können, und füllte ihr Herz von Neuem mit jener eisigen Kälte, die die Ruhe mit sich brachte, bis sie das schwächliche Grün, das ihren Vater umgab und jedes Mal, wenn sie ihm in die Augen blickte, züngelnd ausschlug, wieder erkennen konnte.

„Was ist los?", fragte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen, als sie dasselbe züngelnde Phänomen auch bei ihren beiden Schwestern beobachtet hatte, wann immer sie ihnen in die Augen geblickt hatte, da sie annahm, dass es bedeutete, dass ihre Familie ihr etwas verheimlichte.

„Was meinst du?", antwortete ihre älteste Schwester ihrer Frage betont unbeschwert und wechselte einen besorgten Blick mit ihrem Vater. „Was soll denn los sein?"

„Was los sein soll?", wiederholte sie ungläubig, und zählte an ihren Fingern auf, was sie so überraschte. „Zuerst seid ihr ungemein froh, dass ich heute früh nach Hause gekommen bin; gut, das mag tatsächlich nur Sorge gewesen sein, aber warum habe ich kein Wort des Tadels von euch gehört? Warum hat Nabiki noch kein Wort darüber verloren, dass ich heute Nacht nicht nach Hause gekommen bin, da sie doch sonst immer an den neuesten Gerüchten interessiert und nicht weniger oft an derer Entstehung beteiligt ist? Warum seid ihr so nervös? Und wofür war dieser Blick zwischen euch beiden gerade?"

So resolut blickte die junge Frau in die Runde, dass sowohl ihr Vater als auch ihre älteste Schwester die dünn bestrichenen Brote von ihren Händen wieder auf die hölzernen Teller gleiten ließen und ihren Blick schweigend erwiderten, während Nabiki das Spektakel vergnügt grinsend beobachtete, das sie keineswegs daran hinderte, das Frühstück zu verspeisen. Nachdem sich das Schweigen wie eine Barriere über den gesamten Raum verteilt hatte, zerschlug die grinsende Frau das gläserne Tor zwischen den beiden Welten mit einem gespielten Seufzer, der die Blicke all ihrer Familienmitglieder auf sie richten ließ.

„Die Katze wird ja offensichtlich gleich aus dem Sack gelassen, nicht wahr?", stellte sie sachlich fest. „Kann ich dann wenigstens einen Kommentar über gestern Nacht abgeben?"

„Nein!", herrschten sie ihre Schwestern und ihr Vater zeitgleich an, bevor ihr Vater resigniert seufzte, und seine jüngste Tochter entschuldigend anblickte. „Ja, du hast Recht, mein Schatz, wir haben eine Überraschung für dich, aber da ich dir die Überraschung nicht verderben möchte, und auch nicht wüsste, wie ich es dir sagen sollte, musst du dich bis heute Abend gedulden."

„Heute Abend?", wiederholte die junge Frau langsam und überlegte angestrengt, warum sie an diesem Abend keine Überraschung haben wollte, bevor sie so abrupt aus ihrem Stuhl sprang, dass ihre Familie sie erschrocken anstarrte. „Heute Abend? Ich habe ganz vergessen, euch zu sagen, dass der Zauberer, ich meine, dass ich Ranma heute Abend zum Essen eingeladen habe! Könnt ihr mir nicht lieber gleich sagen, was die Überraschung ist? Heute Abend ist es nämlich ganz schlecht!"

„Nein", meinte ihr Vater nachdenklich und warf seiner ältesten Tochter einen unsicher fragenden Blick zu, die jedoch als Antwort ihren gesenkten Kopf schüttelte, sodass Akane die vermeintliche Bedeutung der Gestik der beiden Erwachsenen sofort durch einen Sturm ihrer Worte zu verdrängen versuchte.

„Ich kann Ranma nicht mehr ausladen!", rief sie aus, die Hände auf den Tisch stemmend. „Du weißt, ich kann das nicht tun, nachdem ich ihn überredet habe, zum Essen zu kommen! Nicht, nachdem wir ihm, nachdem ich ihm so viel schuldig bin! Vater, bitte!"

„Nein, Akane, du sollst deinen Meister nicht ausladen", verteidigte ihr Vater seine Worte mit einem angedeuteten Lächeln ob ihrer aufbrausenden Art. „Es ist sogar besser, dass der Zauberer heute hier ist, wenn die Überraschung eintrifft, denn sie wird aller Voraussicht auch deine Lehre betreffen. Aber genug davon! Wir haben noch eine Menge Arbeit zu erledigen, wenn wir bis heute Abend fertig werden wollen!"

Mit Feuereifer stürzte sich die junge Frau auf die alltäglichen häuslichen Arbeiten, doch obwohl sie schneller arbeitete als jemals in ihrem Leben zuvor schien weder die Arbeit weniger zu werden noch die Zeit schneller zu vergehen; vielmehr erschien es Akane, als ob die Zeit stehen blieb, während sie sehnsüchtig auf den Abend wartete, doch schließlich rief ihr Vater seine Töchter zu sich in die Wohnstube, um sie anzuweisen, Wasser vom Dorfbrunnen zu holen, damit sie sich für das Abendessen waschen konnten. Hastig und doch vorsichtig warf die schwarzhaarige Frau jenen weißen Mantel, den ihr Ranma bei ihrem ersten Treffen geliehen hatte, über ihre Schultern, die von ihrer Arbeitskleidung bedeckt waren, und machte sich mit ihren Schwestern auf den Weg zum Dorfplatz, auf dem sich der Brunnen befand.

„Also sag mal, Akane", begann Nabiki interessiert, während die drei Damen auf den ungewöhnlich leeren Dorfplatz traten, um das Wasser aus dem Brunnen zu holen. „Bis jetzt hast du immer mit den Details ziemlich gespart, aber wenn der Zauberer heute tatsächlich bei uns zu Abend isst, dann würde ich gerne vorher wissen, was mich erwartet; wie sieht er denn aus?"

„Hast du dich gefragt, warum der Dorfplatz zu dieser Stunde so verlassen ist?", antwortete Akane der Frage ihrer Schwester mit einer Gegenfrage, während sie den Eimer in den Brunnen warf, und sich nach wenigen Momenten an die Arbeit machte, die Kurbel zu betätigen, um das Wasser hervorzuholen, und erklärte ihrer Schwester, nachdem diese den Kopf geschüttelt hatte: „Der Platz ist so leer, weil unsere lieben Nachbarn schreckliche Angst vor dem Zauberer haben, und er dort drüben neben dem Ältesten des Dorfes steht und sich mit ihm unterhält."

Neugierig drehten sowohl Nabiki als auch Kasumi ihre Köpfe zu dem mit einem Kopfnicken ihrer Schwester angedeuteten Platz wenige Meter vom Dorfbrunnen entfernt, und betrachteten den Fremden, der ihnen bis zu diesem Zeitpunkt nicht aufgefallen war und sich wie auf einen Wink zu ihnen umdrehte, mit größtem Interesse. Hoch ragte der Zauberer über den vom Alter gebückten Ältesten auf, seine Augen verdeckt von einem tief in das Gesicht gezogenen, schwarzen Hut, der einen langen Schatten auf sein restliches Gesicht warf, sodass es schwer fiel, seinen Mund überhaupt auszumachen, sein schulterlanges, rabenschwarzes Haar lose auf einem ebengleich schwarzen, schweren Ledermantel liegend, der achtloser Eleganz über seinen Schultern lag, doch nicht zugeknöpft war, sodass sowohl sein schwarzes, reich verziertes Hemd als auch seine schwarze Hose, in deren Taschen er seine Hände vergraben hatte, sichtbar waren.

Als Akane den Eimer mit Wasser endlich hochgezogen und das Wasser in ihren Eimer umgefüllt hatte, drehte sie sich ihren Schwestern zu, die ihren Meister noch immer bewundern anstarrten, bis dieser seinen Hut für eine Sekunde aus seinem Gesicht zog, um seinen Lehrling lächelnd zuzublinzeln, bevor er sich mit dem in sein Gesicht fallenden Hut der Konversation mit dem alten Mann widmete. Sprachlos wandten sich Kasumi und Nabiki ihrer Schwester zu, die ihrem Zauberer noch immer kokett zulächelte, und stolperten synchron zwei Schritte zurück, als sie zu sehen glaubten, wie sich ihr weißer Mantel für den kurzen Moment, in dem sie ihr Lächeln aufrecht erhielt, in einem satten Rot färbte, bevor er wieder zurück zu seiner ursprünglichen Farbe wurde.

„Was ist los?", fragte die junge Frau unschuldig, als sie die entsetzten Gesichter ihrer Schwestern sah, die sich verwirrt die Augen rieben, und fügte lächelnd an: „Ich habe euch doch gesagt, dass er nicht das Monster ist, für den ihn alle halten!"

Während die drei Frauen zurück zu ihrem Haus liefen, bemerkten sie, dass die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen, die in ihrer Anzahl und Intensität reichlich zunahmen, als sie sich für das Essen wuschen. Nachdem alles bereitet war, nahmen die Familienmitglieder wartend am einzigen Tisch des Hauses Platz, und nur kurz darauf klopfte es dreimal hart an der Türe. Hastig öffnete der Vater die Türe und betrachtete für wenige Momente die imposante Figur des Zauberers, die alles Getuschel der Schwestern sofort zum Schweigen brachte, bevor er ihn mit einer Verbeugung hereinbat.

„Willkommen, willkommen, der Herr!", begrüßte er Ranma, den Blick auf den Boden gerichtet, und wies ihn mit seiner rechten Hand an, am Tisch neben seiner jüngsten Tochter Platz zu nehmen, doch wurde überrascht, als der Zauberer ihm seine rechte Hand auf die Schulter legte und ihn zwang, sich aufzurichten, während er mit seiner linken Hand seinen schwarzen Hut abnahm.

„Bitte keine Verbeugungen vor mir, denn ich bin nicht Ihr Meister", ermahnte er ihn freundlich, als er in das Haus eintrat. „Hallo, Akane, und das müssen deine beiden Schwestern Kasumi und Nabiki sein. Ich glaube, wir hatten das Vergnügen bereits, uns auf dem Dorfplatz zu sehen."

Mit einem Lächeln trat er an den Tisch und begrüßte nacheinander die älteste, mittlere, und jüngste Tochter des Hauses mit einem eleganten Handkuss, sodass die drei Frauen erröteten, bevor er sich dem Herrn des Hauses zuwendete, der noch immer an der offenen Türe stand und wartete.

„Wollen Sie die Türe nicht zumachen?", fragte er höflich und wollte gerade seinen Mantel ablegen, als er das unverkennbare Geräusch eines vom Pferd absteigenden Reiters, gefolgt von klirrenden Schritten vernahm, um kurz darauf die massive Gestalt eines in einer eisenbeschlagenen Rüstung mit Schnabelhelm gekleideten Ritters zu erkennen, der unaufgefordert das Haus betrat und seinen Helm abnahm. „Was willst du hier? Ich wohne in der Hütte am See, wenn du mich also sprechen möchtest, dann komme morgen dort vorbei!"

„Hüte deine Zunge, Bauer!", mahnte der Ritter, dessen Schopf schwarzen Haares und junges Gesicht unter dem abgenommenen Helm zum Vorschein kamen. „Ist das eine Art, mit seinem Lehnsherren zu sprechen? Und warum sollte ich mit jemandem wie dir sprechen wollen?"

„Schweig still!", hauchte der junge Zauberer in seiner tiefen Stimme, die von überall und nirgends zugleich von den Wänden zu hallen schien, sodass sie laut und mächtig in der kleinen Hütte dröhnte, während er seinem mit vor Ehrfurcht mit Stille geschlagenen Gegenüber mit ausgestreckter Hand und erhobenem Zeigefinger gebot, sich nicht zu bewegen. „Für dieses eine Mal werde ich deiner Unhöflichkeit und Unwissenheit nachsehen, aber solltest du mir ein weiteres Mal mit solcher Unverschämtheit begegnen, dann gnade dir Gott, Ritter! Nun sprich, was willst du hier?"

„Akane", antwortete eine männliche Stimme, doch es war nicht der erstarrte Ritter, der seiner Frage antwortete, sondern der Vater der Familie, der die Türe nun langsam ins Schloss fallen ließ. „Das ist Ritter Kuno, ihm gehören viele der Ländereien um unser Dorf. Er hat von deiner unvergleichlichen Schönheit gehört, und hat beschlossen, dich, sollten die Gerüchte der Wahrheit entsprechen, in den Adelsstand zu erheben, indem du ihn heiratest."

Akane erbleichte und starrte den jungen, arroganten Ritter mit vor Schreck geweiteten Augen an, während ihre Gedanken rasten. Sie wusste, dass sie sich einer Hochzeit nicht widersetzen konnte, wenn er sie für würdig erachtete, da es beinahe nie vorkam, dass ein Adliger eine Unfreie zur Gemahlin nahm, und sie mit einer widerwilligen Äußerung alleine nicht nur die Ehre des Ritters verletzen würde, der sich anschließend an ihrer Familie würde rächen müssen, sondern auch die Ehre ihrer Familie beschmutzen würde. Verzweifelt suchte die junge Frau nach einem Ausweg, doch noch während sie angestrengt überlegte, sah sie die Türe in das Schloss fallen und hörte die Falle zuschnappen. Flehend wandte sie ihre Augen von dem grinsenden Ritter ab, und suchte über ihren Vater, dessen harter Blick keinen Widerspruch dulden würde, ihren Meister, der ihren verzweifelten Blick entschlossen erwiderte.

„Herr Tendo", brach der junge Zauberer das Schweigen, das sich nach der Ankündigung des Mannes gebildet hatte, ohne den Blick von seinem Lehrling zu nehmen, „ich bin heute Abend mit derselben Absicht zu Ihnen gekommen, und ich denke, Sie werden, wenn sie meine Urkunden durchkämmen, sehen, dass auch ich adliger Herkunft bin und deutlich mehr Ländereien besitze als dieser junge Ritter."