Disclaimer: Alle Rechte liegen bei J.K. Rowling, wir haben ihre Helden nur zum Spielen ausgeborgt.
Originalgeschichte: Hinge of fate von Ramos (auch hier im Archiv)
Übersetzt von: Shella LaRoche
Beta-gelesen von: Krümelkeks, Lilly und Mike (HERZLICHEN DANK!)
Reviews: von vielen lieben Menschen.
(Ich kann leider nicht alle persönlich beantworten, dazu fehlt mir die Zeit und ihr wollt ja Weiterlesen, gell?)
Kapitel 3
Am Ende der mittwöchlichen Zaubertränkestunde waren Hermiones Nerven bis zum Zerreißen angespannt. Professor Cluny, ein netter, aber unfähiger Lehrer, hatte ihnen einen einfachen Verflüssigungstrank aufgegeben, den man benutzte um Zutaten für den späteren Gebrauch in Zaubertränken vorzubereiten. Er war Teil des Lehrplanes im sechsten Schuljahr gewesen und Hermione hätte ihn im Schlaf zubereiten können.
Während die anderen Gryffindors und Slytherins während des Brauens vor sich hin trödelten, konzentrierte sie sich auf ihren Kessel, hackte und rührte mit entschlossener Konzentration um ihre Gedanken beschäftigt und fern ihrer momentanen Situation zu halten. Vom anderen Ende des Raumes schaute Draco Malfoy sie lange an, offensichtlich um sie zu verwirren, aber sie ignorierte ihn und arbeitete weiter. Seit dem Augenblick, in dem er Hermiones Schulsprecherinnen-Abzeichen gesehen hatte, hatte Malfoy seine normalen Belästigungen in feinsinnigere, lüsterne verwandelt die genauso unerbittlich wie unwillkommen waren. Seine nicht enden wollenden Anzüglichkeiten und durchtriebenen Kommentare waren in den letzten Wochen immer deutlicher geworden und nach den Enthüllungen der letzten Tage war sie sicher, dass Malfoy senior seinem Sohn erzählt haben musste, was an Halloween passiert war.
Als sie ihren Zaubertrank fertig hatte, löschte sie die Flamme um ihn abkühlen zu lassen und zog ihr Runen-Schulbuch heraus, aber die auf den Seiten gedruckten Wörter konnten nicht die Bilder von Severus Snapes dahinsiechenden Körper aus ihren Gedanken verbannen. Intensives Lernen und ihre anderen Pflichten hatten ihre Gedanken in den letzten Tagen beschäftigt gehalten, aber hier, in Snapes Reich, wo das Echo seiner angespannten Energie und seiner ätzenden Dominanz die meisten seiner Studenten während seiner Zaubertränkestunden ruhig und ordentlich gehalten hatten, konnte sie ihre Gedanken nicht im Zaum halten. Der Mangel an Schlaf half auch nicht. Bis spät in die Nacht hinein zu lesen, bis sie sicher war in dem Moment einzuschlafen, in dem sie unter der Decke lag, hatte in den vorangegangenen Nächten geholfen, aber es war in der letzten Nacht nutzlos gewesen.
Sie hatte in ihrem dunklen Zimmer mit der Hand auf ihrem flachen Bauch gelegen und versucht sich vorzustellen wie es war, ein Kind zu haben.
Die Nonnen, die an ihrer Grundschule unterrichtet hatten, hatten gegen Abtreibung gewettert. Auf der anderen Seite ließen sie die Werbespots mit ungewaschenen, unterernährten, armen und unglücklichen Kindern die um Geld für wohltätige Zwecke auf der ganzen Welt baten sie darüber nachdenken, ob es Alternativen für diese Frauen gegeben haben könnte. Wie auch immer, zu der Zeit war sie zehn Jahre alt gewesen und das Thema war nicht mehr als eine Grundsatzdiskussion gewesen, da sie viel zu jung gewesen war, um sich für Sex zu interessieren.
Nun war sie jedoch direkt in diese Diskussion verwickelt worden. Ein Baby wuchs in ihr heran. Hermione hatte schon seit mehr als einer Stunde auf dem Bett gelegen und mit ihren Händen über ihren Bauch gestreichelt. Die unbestreitbare Tatsache, dass ihr Gewalt angetan worden war blieb unreal und für sie gedanklich kaum zu fassen. Die Umstände wie sie schwanger geworden war, traten zurück gegenüber der Tatsache, dass sie schwanger war.
Als sie schließlich in den Schlaf glitt kam ihr der Gedanke, dass das Kind ein Genie im Bereich Zaubertränke werden müsste, wenn man die genetische Herkunft berücksichtigte. Und sie konnte dem Kind immer noch beibringen, sich die Haare zu waschen.
Laute, kratzende Geräusche von Stühlen, die über die Steinplatten glitten schreckten sie auf. Sie sammelte rasch ihre Bücher zusammen und stopfte sie in den verschlissenen Rucksack, den sie schon seit ihrem ersten Jahr in Hogwarts trug. Während sie darauf wartete, sich in die Reihe der hinausgehenden Schüler einzureihen, ließ ein sanftes Räuspern sie zusammenzucken.
„Miss Granger?"
Zögernd wandte sie sich zu Professor Cluny um. „Ja, Sir?"
„Dies ist eine Zaubertränke-Stunde. Ich würde es begrüßen, wenn Sie hier Zaubertränke lernen würden. Wenn Sie nicht in der Lage sind ihre anderen Hausaufgaben rechtzeitig zu erledigen, würde ich ihnen vorschlagen, die Auswahl ihrer Fächer einzuschränken." Von Snape wäre es schneidender Sarkasmus gewesen, von Cluny kam es mit bedauernder Betroffenheit, schon fast in einem entschuldigenden Tonfall. Hermione nickte ihm kurz zu und folgte dann ihren Mitschülern.
Die schwere Tür des Zaubertränke-Raumes hatte sich kaum hinter ihr geschlossen, als eine starke Hand ihren Arm ergriff und ein warmer, harter Körper sie gegen die Wand drückte. „Hallo Schlammblut. Hast du was verloren?"
„Ich verliere gleich mein Mittagessen, wenn du mich nicht loslässt", antwortete sie ärgerlich. „Lass mich los, Malfoy." Sie musste ihren Kopf in den Nacken legen, um in Dracos Gesicht sehen zu können; er war in den letzten zwei Jahren in die Höhe geschossen und war nun fast so groß wie Ron. Seine aristokratischen Gesichtszüge und sein platinblondes Haar hatten viele Mädchen in Hogwarts fasziniert. Hermione gehörte jedoch nicht zu ihnen.
„Oh, das glaube ich nicht", sagte er mit affektierter Stimme. „Deine beiden Spielgefährten haben dich hier verlassen und ich habe dich gefunden. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich lohnt dich zu behalten, aber es könnte Spaß machen mit dir zu spielen." Seine Hand verließ ihren Arm und begann zu ihrem Brustkorb hinauf zu gleiten und sie daran zu erinnern, wie empfindlich ihre Brüste in der letzten Woche geworden waren.
„Geh und spiel' mit dir selbst, Malfoy!" Hermione schlug seine Hände zur Seite, aber er war größer und stärker als sie und sie unterdrückte ein Keuchen, als er ihre Handgelenke ergriff und die über ihrem Kopf gegen den kalten Stein drückte. Sein Brustkorb drückte sich gegen den ihren, als er sie überraschte und sie rücksichtslos küsste. Seine Zunge war heiß, als sie zwischen ihre Lippen glitt, bevor er seinen offenen Mund an ihrem Kiefer entlang gleiten ließ.
„Ich weiß, dass der Verräter Snape dich gehabt hat, Schlammblut", flüsterte er. Das Gefühl seiner Lippen, die ihr Ohr streiften, ließ sie erzittern, während seine Worte sie in Schrecken versetzen. „Ich habe gehört, du bist echt gut. Und was für ihn gut ist, ist auch gut für mich." Malfoy betonte seine Worte, indem er seine Hüften gegen ihre drückte und Hermione, die in Schock erstarrt war, wurde plötzlich von heißer Wut erfüllt. Sein Ohr war nur wenige Zentimeter von ihrem Mund entfernt und als sie ihre Zähne in dieses verlockende Ziel sinken ließ, ließ er befriedigender Weise ein Heulen hören und wich von ihr zurück.
Blitzartig hatte Hermione ihren Zauberstab gezogen und ihn auf seinen Schritt gerichtet. „Fünfundzwanzig Punkte Abzug von Slytherin, Malfoy und ich schwöre: das nächste Mal, wenn du mir zu nahe kommst, werde ich dich so gewaltig verhexen, dass Madame Pomfrey ihn erst wieder anzaubern muss, bevor du wieder pinkeln kannst!"
Während er das Blut, das seinen Nacken heruntertröpfelte abwischte, schaute Draco die mit einem giftigen Blick an. „Tu nicht so, als wenn du dir zu gut zum Anschaffen bist, Granger. Mein Vater hat mir erzählt, was für eine Schlampe du bist!"
„Hat er das wirklich?" verlangte Hermione zu wissen, während sie vor Zorn zitterte. „Was genau hat er denn gesagt? Irgendetwas, was du vor einer Untersuchungskommission des Ministeriums wiederholen möchtest?"
Der Ausdruck der Verachtung auf seinem Gesicht wich für einen kurzen Moment der Verwirrung, bevor sie wieder zu seinem spöttischen Grinsen wich. Die Tür des Zaubertränke-Raumes öffnete sich plötzlich und beide wechselten schnell zu neutralen Gesichtsausdrücken, als Professor Cluny den Korridor betrat. Er zwinkerte einmal kurz und lächelte Hermione an, ohne etwas Falsches zu spüren.
„Ah, Miss Granger. Madame Pomfrey hat mich gerade über das Flohnetzwerk kontaktiert und gefragt, ob Sie noch hier wären. Sie wollte, das Sie in den Krankenflügel kommen."
„Danke, Professor. Ich werde mich gleich auf den Weg machen. Es sei denn, ich muss dir noch etwas anderes erklären, Draco?" fragte sie ihn zuckersüß mit boshafter Stimme.
Sie wartete nicht auf seine Antwort, schlang ihre Tasche über ihre Schulter und machte sich auf den Weg zur Treppe, die aus den Kerkern hinaus führte. Sie hielt ihren Zauberstab in den Falten ihres Umhanges bereit, aber Malfoy machte keine Anstalten, ihr zu folgen.
Einige lange Korridore und Treppenhäuser später, betrat Hermione Madame Pomfreys Domäne und stoppte, als sie Albus Dumbledore auf sie warten sah. Er schaute durch das große Sprossenfenster hinaus, drehte sich aber um, als er die Tür sich öffnen hörte.
„Einen schönen Nachmittag wünsche ich, Miss Granger. Geht es Ihnen gut?"
Es war eine sehr allgemeine Frage, die man jedem fragen konnte, der am Nachmittag die Krankenstation betrat, aber sie wusste, dass der Schulleiter sich speziell nach ihren anderen Umständenerkundigte. Sie nickte. Dumbledore bot ihr eine Süßigkeit aus der Tüte, die er ständig mit sich trug an. Sie lehnte ab, und er bat sie dann sich zu setzen.
Hermione setzte sich und schob ihre Tasche mit der abgeschabten Spitze ihres Schuhs unter den Stuhl.
Sie schaute sich in dem Raum um und während sie Dumbledores zufällige Kommentare mit geistesabwesenden Bemerkungen ihrerseits beantwortete wurden ihre Augen von einem sauber gemachten Bett am Ende des Krankenflügels angezogen. Ein kleiner Tisch stand daneben, was eigentlich nicht ungewöhnlich ist, aber auf diesem Tisch standen ein Zinnkrug und ein gläsernes Gefäß mit einer grünlichen Flüssigkeit darin dessen hohe Wände mit Perlen aus kondensiertem Wasser überzogen waren.
Die Tür auf der „Isolations-Station" stand öffnete sich und Poppy Pomfrey schloss sie schnell hinter sich, als sie die anderen Insassen des größeren Raumes sah. Ihr „mach jetzt keinen Blödsinn"-Blick fiel auf Hermione, aber ihre ersten Worte waren an Dumbledore gerichtet.
„Professor Snape ruht sich aus, Albus. Es war anstrengend für ihn, aber ich denke nicht, dass er dadurch seinen Zustand verschlechtert hat. Der Trank steht für sie bereit, Miss Granger."
Gehorsam stand Hermione auf und folgte Pomfrey zu dem für sie bereitstehenden Tisch und dem Bett, während Dumbledore sich auf den von ihr verlassenen Stuhl setzte, seine Finger in seinem Schoß faltete und geduldig wartete.
Mehrere Trennwände rollten heran und stellten sich Pomfreys Zauber gemäß um das Bett herum auf. Als sie zufrieden mit der Aufstellung der Trennwände war, mit Ausnahme derjenigen, die die Patientin komplett von der Krankenstation abriegeln würde, legte die Krankenschwester ein zusammengefaltetes Gewand auf das Fußende des Bettes. Neben ihm lagen einige Binden, länger und breiter als die, die für die weiblichen Schülerinnen bereitgestellt wurden, die die Pubertät erreicht hatten.
Die grüne Flüssigkeit gluckerte leise, als Pomfrey sie in den Zinnkrug goss. Fast unmittelbar bildeten sich Kondenstropfen an den Seiten, die darauf schließen ließen, wie kalt der Inhalt war.
„Sie müssen dies nun so schnell wie möglich austrinken, Miss Granger. Wenn Sie fertig sind, möchte ich, dass Sie dieses Nachthemd anziehen und ins Bett gehen." Pomfrey hielt ihr den Becher entgegen und Hermione nahm in automatisch an. Der Trank wirbelte in seinem Behältnis und blubberte an den Stellen, an denen ihre warmen Finger das kalte Metall erwärmt hatten.
Von dem Moment an, an dem Madame Pomfrey bekannt gegeben hatte, dass sie schwanger war, hatte Hermione sich gefühlt, als ob sie von einem merkwürdigen, unzusammenhängenden Dunstschleier umgeben war. Sogar Malfoys Angriff im Korridor vor dem Zaubertränke-Raum war nicht so unmittelbar und gefährlich gewesen, wie er hätte sein sollen. Das einzige, was im Moment für sie greifbar war, war der frostige Kelch in ihrer Hand. Gegenüber dieser beißenden Kälte schwebte das Kind in ihrem Leib, das mögliche Zaubertränke-Genie in ihrer Vorstellung.
„Ich kann nicht", sagte sie leise.
Madame Pomfrey schnaubte verärgert.
„Miss Granger, Sie sind siebzehn Jahre alt..."
„Achtzehn", korrigierte Hermione.
„Nun gut, achtzehn. Es ist Tatsache, dass Sie für diese Schwangerschaft nicht verantwortlich sind. Niemand wird von Ihnen schlecht denken, wenn Sie diesen Zaubertrank nehmen."
Gleichmäßige Schritte, die sich von hinten näherten brachten sie dazu sich umzudrehen und in das weise, unvoreingenommene Gesicht von Dumbledore zu sehen, der nur eine graue Augenbraue emporgezogen hatte.
„Haben Sie Bedenken, Miss Granger?"
„Ich weiß nicht warum. Ich kann es einfach nicht tun." Abrupt schob sie den Becher in Pomfreys Hände zurück und ging in einen schmalen Kreis umher, wobei sie sich zwischen den beiden Autoritätspersonen eingeschlossen fühlte. Sie schöpfte tief Atem und versuchte ihre Gedanken zu ordnen und sich über ihre Gefühle klar zu werden.
„Ich hatte noch nie einen Standpunkt zum Thema Abtreibungen gehabt. Es schien immer etwas zu sein, dass mich nicht betreffen würde. Ron ist der einzige, von dem ich jemals gedacht habe, er würde ein Liebhaber sein und ich dachte, ich wäre schlau genug, die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
„Sie sind achtzehn Jahre alt, Miss Granger", sagte Dumbledore mit milder Stimme. „Es ist Ihre Entscheidung ob sie dieses Kind zur Welt bringen wollen oder nicht."
Hermione kreuzte die Arme unter ihren Brüsten und wurde wieder einmal gewahr, wie empfindlich sie waren. „Nun, ich habe mich entschieden. Ich werde weiter machen...und das Baby bekommen."
Allein die Worte zu sagen ließ sie sich fühlen, als ob ein schweres Gewicht von ihren Schultern genommen worden wäre. Sie war ziemlich sicher, dass es eigentlich das genaue Gegenteil von dem sein sollte, wie sie sich fühlen müsste, wenn man an die Schwierigkeiten dachte, denen sie sicherlich begegnen würde, aber das Lächeln, das sich langsam auf Dumbledores Gesicht ausbreitete ließ sie sich bei ihrer Entscheidung besser fühlen.
„Wenn es etwas bedeutet, Hermione, bin ich herzlich froh darüber. Ein Kind ist ein Segen, unabhängig von allen Umständen. Sie werden eine schwere Zeit vor sich haben, darüber gibt es keine Zweifel, aber seien Sie versichert, dass Sie meine Unterstützung und mein Vertrauen haben werden." Das Lächeln wuchs noch bis er sogar strahlte und er tätschelte ihre Hand. „Ich werde mich darauf freuen Ihr Kind in elf Jahren hier in Hogwarts begrüßen zu dürfen."
Er ließ sie in der Obhut Madame Pomfreys zurück, die ungehalten vor sich hin murmelte, als sie den Zaubertrank in ein großes Fläschchen schüttete und verkorkte. „Dieser Zaubertrank wird nur noch sechsunddreißig Stunden wirkungsvoll sein, Miss Granger. Wenn Sie es sich danach anders überlegen, muss er neu gebraut werden. Das Risiko von Nebenwirkungen wird immer höher werden, je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft ist."
„Ich werde meine Meinung nicht ändern", sagte Hermione mit fester Stimme. Sie wusste von ihrer Lektüre, dass die Verabreichung des Zaubertrankes nach der zehnten Woche der Schwangerschaft streng abgelehnt wurde, und sie war schon in der neunten Woche.
Die ältere Frau bestand darauf die Trennwände zu schließen und eine volle Untersuchung durchzuführen, die viel gründlicher war als alle, die Hermione vorher erlebt hatte. Als sie wieder angezogen war wurde sie in Madame Pomfreys Büro geführt, wo die Schulkrankenschwester einen Kalender zu Rate zog und erklärte, das Baby würde wahrscheinlich im späten Juli oder frühen August zur Welt kommen.
„Im Sommer schwanger zu sein ist einfach scheußlich meine Liebe. Das einzige, was ich dazu sagen kann ist, dass es Ihnen so unbequem sein wird, das Sie bereit sein werden, es zu Ende zu bringen. Ich glaube, das Mutter Natur das ursprünglich auch so gedacht hatte."
Hermione sagte zu Madame Pomfrey, dass sie erleichtert wäre, dass das Baby erst nach Abschluss ihrer Kurse bekommen würde. Sie erhielt einen eingehenden Blick als Antwort.
„Das bedeutet nicht, dass Sie wie gewohnt weitermachen können, Miss Granger. Sie werden einige Einschränkungen machen müssen. Ich werde Ihren Lehrer Informationen zukommen lassen und das erste, was Sie ändern müssen ist, dass Sie keine Zaubertränke mehr probieren dürfen. Keine Duellübungen mehr, keine Zauber, die an Ihnen ausgeführt werden und definitiv keine Transformationen Ihrer Person. Sie sind jung und gesund, aber sich selbst in eine Topfpflanze zu verwandeln, während Sie schwanger sind, ist etwas, das selbst Minerva nicht versuchen würde. Viel zu gefährlich!"
„Bedeutet das, dass ich nicht apparieren lernen kann?" fragte Hermione entsetzt.
„Ich habe doch gerade damit angefangen!"
„Natürlich werden Sie das nicht", erklärte Madame Pomfrey. „Während der Schwangerschaft beim Apparieren geteilt zu werden ist eine Katastrophe. Absolut unmöglich!"
Hermiones Bestürzung ignorierend, gab sie dem Mädchen eine Flasche Vitaminzaubertrank, den sie jeden Morgen einnehmen sollte und die Empfehlung in der Bücherei einiges nachzulesen.
Endlich hörte sie auf um Hermione herumzuschwirren, ließ sie ihre Sachen zusammenpacken und überraschte sie damit, dass sie sie liebevoll über die Wange streichelte. „Ein Baby zu haben bedeutet zweifellos viel Arbeit, aber es lohnt sich auch. Nun denn, verlassen Sie sich auf Ihren gesunden Menschenverstand, achten Sie gut auf sich und kommen Sie in drei Wochen zu mir. Es ist zwar schon lange her, seit dem ich als Hebamme tätig war, aber ich bin immer noch zugelassen. Und wenn es irgendwelche Probleme geben sollte, kann ich Sie im Null-Komma-Nichts nach St. Mungos bringen."
Als sie zwei Schritte von der Tür entfernt war kam ihr ein anderer Gedanke und sie blieb abrupt stehen. Madame Pomfrey schaute sie neugierig an.
„Professor Snape", sagte Hermione mit niedergeschlagener Stimme. „Er sollte es wissen."
Pomfreys Lippen zogen sich bei dem Gedanken zusammen, aber sie verwarf ihn. „Er ruht sich jetzt aus. Ich werde ihn später über ihre Entscheidung unterrichten."
Hermione richtete sich auf. „Ich denke, ich sollte es ihm persönlich sagen, glauben Sie nicht?"
Mit einem Schnauben gab Madame Pomfrey nach. Ihre Hacken klickten über den hölzernen Boden, als sie zur Isolationsstation voraus ging, wo sie Hermione bat einen Moment zu warten, um nach dem Professor zu sehen. Einige Momente später erschien sie wieder in der Tür und winkte Hermione hindurchzugehen.
Der innere Durchgang war offen, der dahinter liegende Raum war genauso dunkel und trostlos, wie er es vor einigen Tagen gewesen war. Eine schwarze Gestalt saß im selben Stuhl.
„Professor Snape. Darf ich Sie bitte sprechen?"
„Ich kann Sie kaum davon abhalten, Miss Granger." Von Snape war diese kurze Bemerkung beinahe milde, aber die Tatsache, dass er sie nicht ansehen wollte bereitete ihr Unbehagen. „Sie sollten sich hinlegen", fügte er hinzu. „Der Trank den Sie zu sich genommen haben wird in einer Stunde Wirkung zeigen."
„Ich habe den Trank nicht getrunken."
Der dunkle Mann schreckte kaum merklich auf, er verriet sich nur durch das leichte Neigen seines Kopfes. „Das ist extrem töricht, Miss Granger. Das was passiert ist, kann ihnen nicht vorgeworfen werden und Sie sollten nicht die Konsequenzen dieser Nacht tragen müssen. Lassen sie Gryffindor-Sentimentalität nicht ihr Urteilsvermögen vernebeln."
„Ich habe die Entscheidung nicht aus Sentimentalität oder moralischen Gründen sondern nur gemäß meinen eigenen Wünschen getroffen. Jedermann sagt mir, es sei meine Entscheidung und ich werde meine Meinung nicht ändern. Ich wollte Sie nur über die Tatsache informieren."
„Und nun, da ich es weiß, was erwarten Sie von mir?"
Ärger kochte in ihr hoch und erstickte im Keim jede Sympathie, die sie für den Mann gehabt hatte.
„Ich will gar nichts von Ihnen, Professor. Ich bitte um nichts und ich erwarte auch nichts. Professor Dumbledore sagte, Sie hätten ein Recht es zu wissen und ich habe dem zugestimmt."
„Haben sie bedacht, Miss Granger, dass das Kind eines Todessers zu bekommen eine sichere Einladung für Unheil ist?"
„Ich habe nicht die Absicht irgendjemanden wissen zu lassen, wer der Vater ist, Professor Snape. Ich denke, es wäre uns beiden zu peinlich, wenn auch nur ein Teil der Wahrheit bekannt werden würde."
Snape nickte steif.
Hermione wandte sich zu gehen, drehte sich aber zurück, als ihr ein anderer Gedanke kam.
„Professor Snape?"
„Ich bin müde, Miss Granger..."
„Ich wollte Sie nur um Ihre Version der Ereignisse in der Halloween-Nacht bitten", unterbrach sie ihn entschieden.
Stille folgte ihren Worten und Snape sank noch weiter in sich zusammen. „Ihre Erinnerungen werden zurückkehren", sagte er nach einem Moment. „Ich sehe den Sinn nicht die Geschichte aus meiner Sicht noch einmal aufzuwärmen."
„Ich sehe ein, dass dies Schwierig für Sie ist", brachte sie heraus. „Aber es ist noch schwieriger für mich."
Er warf einen kurzen Blick auf sie, dann schaute er zur Seite.
„Was hat Dumbledore ihnen gesagt?"
„Das ich von Todessern entführt wurde, als ich die ‚Drei Besen' am Nachmittag verließ. Dass Sie gerufen wurden, um sich ihnen anzuschließen und das Lucius Malfoy sich gegen sie gewandt hat und den Imperius über sie gesprochen hat."
Snape nickte. „Das ist im Großen und Ganzen das, was passiert ist. Wenn Sie die widerwärtigen Details wissen möchten ist meine Empfehlung zu warten, bis Ihre Erinnerung zurückkehrt, Miss Granger. Ich verspreche Ihnen, dass Sie es nicht bereuen werden lange Zeit ohne sie gewesen zu sein – tatsächlich werden Sie vielleicht sogar wünschen die Erinnerungen an jene Nacht niemals zurück erlangt zu haben."
„Es ist einfach nur das ich mich an gar nichts erinnere. Ich wachte nur am nächsten Tag auf...und fand heraus, dass ich ein Baby erwarte."
„Und ich sage Ihnen noch einmal, dass es hierzu eine angenehme Alternative gibt. Ist das alles, Miss Granger?"
„Nein, Sir, ist es nicht", schnappte sie, verletzt von seiner Zurückweisung. „Wenn Sie sich in einen Abwaschlappen verwandeln wollen, machen Sie das bitte und dann sehen Sie zu, dass Sie den Mist aus ihrem System rauswaschen. Draußen tobt ein Krieg!"
„Das habe ich gehört", antwortete er mit tonloser Stimme. Hermione war über ihren Ausbruch erschrocken, wagte sich aber noch weiter vor.
„Ich wollte Ihnen noch sagen, dass ich Ihnen an nichts, was Sie in dieser Nacht getan haben, die Schuld gebe. Professor Dumbledore sagte mir, dass Sie unter dem Imperius Fluch standen und nicht für Ihre Taten verantwortlich waren. Nachdem ich darüber nachgedacht habe, stimme ich ihm zu. Ich habe Sie zwar nie sehr gemocht, aber ich habe Sie immer respektiert. Glauben Sie nicht dass ich meine Meinung ändere, was immer auch passiert ist."
Ein weiteres steifes Nicken quittierte ihren Ausbruch. Mit so viel Würde, wie sie aufbringen konnte, verließ Hermione die Krankenstation, wobei sie unwillkürlich sein typisches hinausgleiten imitierte. Als sie an Madame Pomfrey vorbeiging schaute die ältere Frau sie schockiert an, aber Hermione ignorierte sie auf ihrem Weg zur Tür hinaus.
Lange nachdem sie gegangen war, schaute Severus Snape noch gedankenverloren den nun leeren Türdurchgang an.
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