Cucumbersandwiches für alle! Und für Maegwin, Reinadoreen und zissy noch ein Glas von Lucius´ bestem Chianti :)
3. Opfer
„Ich fürchte", verkündete McGonagall im Lehrerzimmer, „wir werden wieder schließen und alle Schüler nach Hause schicken müssen." Ihre Stimme zitterte.
„Das können Sie nicht", platzte es aus Harry heraus.
Aufgebrachtes Gemurmel wurde laut. Die Schulleiterin hob ihre Stimme. "Wenn unsere derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen der Aufgabe nicht gewachsen sind, die Schüler vor diesen Flüchen zu schützen oder wenn sie nicht einmal herausfinden können, woher sie kommen..."
„Aber genau deswegen ist..."
„Potter hat Recht", sagte Malfoy plötzlich. Harry fiel die Kinnlade herunter. „Kitty, wenn das eine neue Bedrohung ist, brauchen wir geübte Zauberer. Und wenn die Todesser auf Rekrutensuche gehen – seht mich nicht so entsetzt an, ihr wisst genau, dass wir das alle gedacht haben – wenn sie also auf Rekrutensuche gehen, müssen wir das gleiche tun."
„Lark Brown", bemerkte Wood spitz, und McGonagall sagte: "Ganz genau. Kinder diesem Risiko auszusetzen..."
Malfoy schlug mit der flachen Hand gegen ein zugemauertes Fenster – Harrys Meinung nach eine abstoßend theatralische Geste; obwohl er zugeben musste, dass sie ihren Zweck erfüllte und allgemeine Aufmerksamkeit erregte.
„Ich dachte, Gryffindors verstehen die Bedeutung eines Opfers", sagte er, drehte sich um und baute sich vor den schweigenden Lehrern auf. „Ob Hogwarts oder kein Hogwarts, die Kinder von Zauberern werden immer irgendetwas von irgendjemandem lernen. Noch sind die da draußen ungeübt, ungeleitet, ohne positiven Einfluss. Wir riskieren, diese Kinder sich selbst zu überlassen. Aber wenn Hogwarts geöffnet bleibt, können wir dem Risiko etwas Gutes abgewinnen."
McGonagall sah aus, als hätte sie Halsschmerzen. Nach einer kurzen Pause sagte sie: „Dein Standpunkt klingt überzeugend, Draco. Ich glaube, ich werde Albus zu Rate ziehen müssen... Mönch, könntest du ihn holen? Wir werden das heute Abend weiter besprechen. Vielleicht wird Miss Rolfe bis dahin zu Bewusstsein kommen und uns mehr erzählen können."
Aus dem Stimmengewirr, das folgte, war kaum ein zusammenhängendes Gespräch herauszuhören. Phoenix Skye versuchte, Summs und Malfoy dazu zu überreden, mit ihr für positive Schwingungen zu meditieren. Charlie und Sofia flüsterten lebhaft miteinander und beendeten dabei gegenseitig ihre Sätze. Ein Kopf beim Kamin – Harry erkannte nicht, wessen – brüllte Madeleine Aerie Trankzutaten zu.
Nur Hermine saß schweigend in ihrem Armsessel. Harry hockte sich auf eine Fußbank in der Nähe und betrachtete sie, aber sie starrte minutenlang weiter die Wand an. Dann sah sie zielsicher an Harry vorbei.
„Draco", rief sie, "wer war die letzte Person, die auf Crabbes Stuhl gesessen ist?"
„Crabbe selbst, soweit ich weiß", antwortete er und wandte sich erleichtert seufzend von Phoenix ab. „Diese kleinen Gänse glauben alle, er wäre verflucht. Die Älteren haben es den Neuankömmlingen während der Auswahlzeremonie gesteckt."
Er setzte sich auf die Armlehne von Hermines Sessel und sie sah zu ihm auf. „Aber er hat ihn bestimmt nicht wirklich verflucht?"
„Wisst ihr, wie man einen Stuhl mit einem besitzergreifenden Fluch belegen kann?" Er sah von Hermine zu Harry, und anschließend zu Remus, der dazugekommen war und sich neben Harrys Fußbank gestellt hatte. Als sie alle schwiegen, nickte er. „Also nicht; dachte ich mir. Und wenn ihr es nicht wisst, dann könnt ihr euch sicher sein, dass Vincent es auch nicht wusste. Er konnte seinen eigenen Namen kaum ohne fremde Hilfe buchstabieren."
„Du hast dich immer darauf verstanden, dir die richtigen Freunde auszusuchen, Malfoy", bemerkte Harry trocken und überhörte Hermines protestierendes Räuspern. „Was machen Crabbe und Goyle jetzt? Vor den Mauern stehen und arglose Kinder verfluchen?"
„Oh, ich kann mir nicht vorstellen, dass Vincent diese Art von Mut aufbringt", sagte Malfoy wegwerfend. „Ich nehme an, er wird sich mit den Überbleibseln der Todesser an irgendeinem sicheren Ort verstecken, wenn er nicht tot ist." Er rutschte zurück an die Stuhllehne und schlug ein Bein übers andere. „Und was Gregory angeht", meinte er gelangweilt, „den habe ich umgebracht."
Entsetzen und Wut jagten Harry eine Gänsehaut über den Rücken. War Malfoy nicht nur nervtötend, sondern auch gefährlich? Verfluchte vielleicht er die Schüler?
Neben ihm winkte Remus ungeduldig ab. „Draco, das ist nicht lustig", sagte er. „Harry war lange weg und hatte bisher noch keine Gelegenheit, alles aufzuholen."
Malfoy zuckte die Schultern. „Er sollte in der Lage sein, unangenehme Wahrheiten wie ein guter Gryffindor zu ertragen."
„Ich kenne bereits alle unangenehme Wahrheiten, die ich über dich wissen möchte, danke", zischte Harry mit zusammengebissen Zähnen.
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Das Animaserum beruhigte Charlotte Rolfe so weit, dass Sofia den Consopium von ihr nehmen konnte; doch im Laufe des Nachmittags kamen ihre Krämpfe wieder und Sofia musste sie zurück in die Bewusstlosigkeit versetzen.
Das Kollegium drängte sich gedämpft flüsternd im Gemeinschaftsraum. McGonagall und Dumbledores Geist saßen murmelnd in einer abgeschiedenen Ecke; sie hatten die Köpfe so eng zusammengesteckt, dass es schien, als seien sie an der Stirn zusammengewachsen. Remus und Michelle Verte gingen, um nach den Schülern zu sehen, und Penelope und Oliver kehrten, unter dem Gewicht mehrerer Dutzend Bücher mit beunruhigenden Titeln schwankend, aus der Bibliothek zurück.
Harry wünschte, er könnte aus den Fenstern sehen, während er nachdachte. Da er es aber nicht konnte, verweilte sein Blick lange auf einem Gemälde, verfolgte ein Schiff auf stürmischer See, während er versuchte, sich auszumalen, wer den Fluch ausgesprochen hatte, und wie man diesen jemand daran hindern könnte, es wieder zu tun. Er spürte, wie sich dieses altbekannte Gefühl auf seine Schultern senkte, das er in Amerika mit so viel Mühe abgeschüttelt hatte... Denn er wusste nicht, was er tun sollte und alle zählten auf ihn, ihr Leben hing vom ihm ab, und er würde sie wieder alle enttäuschen, sie alle im Stich lassen, sie sterben lassen, genau wie...
Er nahm eine Bewegung neben sich wahr und wirbelte herum, aber es war nur Hermine. „Hör mit dem Gegrübel auf, Harry", befahl sie ungehalten. „Da", fügte sie hinzu und zog ihn zu einer der Anrichten, „man hat uns kaltes Hühnchen zum Abendessen gebracht. Iss, und dann komm und erzähl mir, was du darüber weißt, wie man einen Fluch durch eine massive Steinwand schickt."
„Hast du je", sagte Harry so ruhig wie möglich, „an die anderen Möglichkeiten gedacht? Sei ehrlich, Hermine, warum suchst du außerhalb der Wände, wenn ein Dunkler Zauberer genau hier in diesem Zimmer sein könnte?"
Sie seufzte ungeduldig. „Harry, schau da rüber." Sie deutete mit dem Kinn auf Malfoy, der in ein ernstes Gespräch mit einer Lehrergruppe verwickelt war. Charlie stand neben ihm und McGonagall und Dumbledores Geist hörten ihm beide zu und nickten, als Malfoy mit einer langfingrigen Hand auf die verschlossenen Fenster wies, auf die durch Zauber geschützten Türen. „Würde Minerva jemandem vertrauen, der gefährlich ist? Würde Dumbledore?"
Harry sah von Malfoy zurück zu Hermine. Sie war nie leichtgläubig gewesen, aber... „Er ist ein Todesser, Hermine", sagte er.
„Er war ein Todesser", sagte sie. „Und dann war er ein Spion, und dann war er im Zaubererschutzprogramm, und jetzt ist er..."
„… höchstwahrscheinlich ein Verräter und zweifellos ein hinterhältiger, verlogener, arroganter..."
Hermine sah ihn streng an. „Wir haben keine Zeit für so was, Harry", sagte sie und klang erschütternd nach McGonagall. „Etwas bedroht die Schüler, und uns auch. Und es ist nicht Malfoy. Ich kenne ihn, Harry. Ich war hier."
Das hatte gesessen. Man musste es von seinem Gesicht ablesen können, denn zu seinem Erschrecken lehnte sie sich vor und ergriff seine Hände. „Oh Harry." Ihre Finger waren sehr warm. "Wir werden dir alles erzählen, versprochen… sobald wir Zeit haben, wirst du die ganze Geschichte erfahren. Aber in der Zwischenzeit... ich verstehe ja, dass du Draco jetzt noch nicht vertrauen kannst, aber dem Rest von uns musst du vertrauen."
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Morgens, vier Uhr dreißig; Harry wünschte, er wäre genau wie Cypherus Summs im Gemeinschaftsraum eingenickt, der in einem Ohrensessel vor sich hinschnarcht hatte, als Harry zu Bett gegangen war.
Nach so vielen Nächten in dem umfunktionierten Motel, das den Zirkel beherbergt hatte, fiel es ihm schwer, in einem fensterlosen Raum zu atmen. Es war so dunkel, dass die Möbel sich kaum von der Wand abhoben, und da Hedwig über Nacht ausgeflogen war, so still, dass er den Widerhall seines Atems von den halbgeschlossenen Bettvorhängen hören konnte.
Er wälzte sich herum, klopfte sein Kissen zurecht und wünschte sich, er hätte Sofia wenigstens um ein Schlafmittel gebeten. Wäre ein Fenster da gewesen, hätte er hinausschauen und vielleicht den Mond sehen können, oder wenigstens einen Teil der Ländereien. Oder einen maskierten Todesser in einer langen Robe, der mit seinen Stab in der Hand herumschlich und nach einem Loch Ausschau hielt, das groß genug war, um einen Fluch hindurch zu schicken...
Er wälzte sich wieder herum, diesmal so heftig, dass das Bett erzitterte. Atmete ein, atmete aus, schloss seine Augen und versucht, sich das Meer vorzustellen, wie Kat es ihm beigebracht hatte. Atme ein, atme aus, lass los, Har, lass los.
Welle. Welle. Welle. Einatmen. Ausatmen.
Doch in der Luft hing eisiger Nebel, kalt wie der Atem eines Dementoren; ganz anders als in Florida, wo es sogar im Winter warm war. Und dieses Rauschen war kein Wellengang, sondern sein eigener keuchender Atem.
Vielleicht war es auch das Feuer, denn Dumbledore hatte Voldemorts Körper in Brand gesteckt, und die Flammen hatten sein Gesicht gewärmt. Ron und Sirius waren ebenfalls warm gewesen, wo sie ihn stützend berührten, und Snapes Animaserum hatte sein Inneres gewärmt, und Dumbledores Hand auf seinem Arm hätte auch warm sein sollen, aber sie war es nicht, irgendwie; und er hatte eindringlich gesagt: „Du musst jetzt gehen, mein Junge. Du hast deinen Teil erledigt, und die Aufgabe, die noch bleibt, ist nicht für dich bestimmt", aber wie konnten sie wissen, dass Voldemort tot war, wie konnten sie sich sicher sein, es war absolut lebensnotwendig für sie, sich sicher zu sein...
Harry setzte sich ruckartig auf, von seinem eigenen Wimmern aus dem Traum gerissen. Mit klammen Fingern fuhr er sich übers Gesicht. „Lumos." Seine Stimme zitterte.
Als sein Herz aufhörte zu rasen, stieg er aus dem Bett und zündete jede einzelne Lampe und Kerze im Raum an.
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Als Harry in den Gemeinschaftsraum zurückkehrte, war Summs verschwunden und McGonagall saß umgeben von Büchern und leeren Teetassen auf einem Sofa. Hätte sie nicht eine andere Robe getragen, wäre Harry überzeugt davon gewesen, dass sie die ganze Nacht hier verbracht hatte.
"Morgen", nuschelte sie, während sie sich übers Gesicht rieb.
„Das Mädchen…"
„Unverändert."
Das Frühstück war bereits auf dem Büffet angerichtet worden – es gab nicht nur Tee, sondern auch Kaffee, wie Harry erleichtert feststellte. Er bestrich sich einen Scone mit Butter, als sich die Tür des Lehrerzimmers öffnete und Hermine und Malfoy hereinkamen.
Hermine redete bereits wie ein Wasserfall. „Nein, aber ist das nicht komisch, dass sie sich eine Slytherin ausgesucht haben? Sofern es wirklich Todesser sind, könnte man eigentlich meinen..."
Malfoy trug heute dunkelgrün, Hermine dagegen die gleiche Robe wie gestern. Harry verzichtete darauf, daraus irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen; es war einfach nicht der Zeitpunkt für irgendwelche Turteleien, sogar, wenn es sich um jemand anders als Malfoy gehandelt hätte. „Was, dass sie das Haus ihrer ehemaligen Kameraden wegen einer Art alter Schulloyalität verschonen?", sagte er zu Hermine. „Oder vielleicht... oh, Himbeeren." Als er über das Obst herfiel, wirkte er beinahe menschlich.
Harry schob ein paar Bücher zur Seite, um sich neben McGonagall zu setzen. Hermine ließ sich in einen nahestehenden Armsessel nieder und starrte die beiden an. „Keiner von euch beiden hat letzte Nacht auch nur ein Auge zugemacht, hab ich Recht?" Sie sah selbst ziemlich müde aus.
„Maddie und ich haben die Große Halle durchkämmt", sagte McGonagall. „Und dann haben Albus und die Geister sie noch einmal abgesucht. Es gibt keinen Spalt in der Wand oder in der Decke, der auch nur den leisesten Windhauch durchlässt." Sie rieb sich wieder die Augen.
Hermine runzelte gedankenversunken die Stirn. „Wie bewegt sich ein Fluch fort?"
„In einer geraden Linie, wie ein Lichtstrahl", antwortete Harry augenblicklich. Es war fast der gleiche Wortlaut wie im Verteidigung gegen die dunklen Künste-Text aus dem sechsten Jahr. „Er kann abgelenkt werden wie Licht, oder wie Licht zurückgeworfen werden..."
„…aber er kann nicht an einem Ort verschwinden und an einem anderen wieder auftauchen. Er kann keine großen Wasservolumina durchkreuzen, und er kann sich nicht krümmen", beendete Hermine das Zitat. „Und er gelangt durch keine massiven Steinwände", fügte sie hinzu, als Malfoy mit einem himbeerenüberladenen Teller dazukam. „Du überrascht mich. Warum hast du nicht gleich die ganze Servierschale mitgebracht, Draco?"
„Die Hauselfen haben sie irgendwie auf dem Tisch befestigt", sagte er mit vollem Mund, und ließ sich wieder einmal auf die Armlehne ihres Sessels nieder.
„Sie sind dir auf die Schliche gekommen." Sie hielt die Hand auf und er ließ drei Beeren hineinfallen. Harry schielte zu McGonagall, um zu sehen, ob sie die Darbietung genauso widerlich fand wie er, aber sie blätterte schon wieder in einem Buch und rieb mit den Fingern ihre Schläfe.
Hermine spuckte die Himbeersamen elegant in eine Servierte. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir die Möglichkeit in Betracht ziehen sollten, dass ein Fünkchen Wahrheit in dem Aberglauben über Crabbes Stuhl steckt. Dass der Stuhl selbst etwas Ungewöhnliches an sich haben könnte."
„Wir haben ihn gründlich untersucht", sagte McGonagall.
„Aber nicht danach", sagte Hermine.
„Na gut", sagte Malfoy, „Ich wiederhole mich, Mine… weißt du, wie man einen Stuhl verflucht?" Als sie schwieg, sah Malfoy sich um. „Potter? Hatten deine Amibastarde von Zauberern eine Ahnung davon?".
„Halt die Klappe, Malfoy", fauchte Harry.
„Harry!" Hermine durchbohrte ihn mit einem stechenden Blick.
„Die Antwort lautet nein", gab Harry klein bei. „Ich könnte einen Stuhl in irgendwas anderes verwandeln, und irgendwas anderes in einem Stuhl. Oder... ihn auseinander fallen lassen, wenn jemand sich darauf setzt..."
„Oder eines von diesen verdammten Weasleykissen darauf legen, damit es dieses ekelhafte Geräusch gibt, wenn man sich hinsetzt..." sagte Malfoy.
„Einen Stuhl erscheinen lassen, wo vorher gar keiner war…", sinnierte Hermine.
Harry blinzelte plötzlich. „Also ich weiß zwar nicht, wie es geht, aber es gibt einen Dunklen Zauber, mit der man etwas von sich selbst in einen Gegenstand bannen kann." Er schluckte. „Wie bei Tom Riddles Tagebuch."
Einen Moment lang herrschte Schweigen. „Wir glauben nicht wirklich, dass... dass Voldemort das getan hat, oder?", sagte Hermine zögernd.
„Voldemort ist tot", wehrte Harry ab. „Glaub mir, ich weiß aus sehr guten Quellen, dass er für immer verschwunden ist." Er hielt sich selbst davor zurück, seine Narbe zu berühren. „Obwohl ich nicht davon überzeugt davon bin, dass er nicht immer noch aktive Anhänger hat", fügte er hinzu.
Hermine ging darüber hinweg. „Das heißt, man müsste einen Gegenstand so verzaubern, dass er einen Spruch freisetzt, wenn er berührt wird." Sie schien laut zu denken. „Wie eine Landmine."
„Eine Landwas?", fragte McGonagall, aber Harry erkannte, worauf Hermine hinauswollte, und schnitt ihr das Wort ab.
„Frau Direktorin… schildern Sie mir, was Lark Brown passiert ist. In allen Einzelheiten."
„Ich habe am Ufer gewartet, als Hagrid das Boot mit den Erstklässlern gebracht hat", sagte McGonagall. „Und sie hat es kaum erwarten können, bis das Boot das Ufer erreicht hat... Ich kann mich daran erinnern, dass ich dachte, wir würden noch unsere liebe Mühe mit dieser Kleinen haben..." Sie blinzelte schnell. „Und bevor ich ihr die Hand reichen konnte, ist sie schon über den Bootsrand gepurzelt und hat mit einem Fuß den Boden berührt..." Ihre Stimme versagte. „Sie hat mit ihrem Fuß den Boden berührt und geschrieen..."
„Als ob der Fluch aus dem Boden selbst käme", sagte Hermine.
Harry drückte plötzlich den Rücken durch. „Remus hat mir erzählt, dass Sirius in dem Moment getötet wurde, als er die Eingangstüren mit seinem Stock berührt hat."
„Ja", murmelte McGonagall wie zu sich selbst. „Und Irma Pince ist von einem Gelenksperrenfluch getroffen worden, als sie als Erste die Tür zur Bibliothek berührt hat."
„Professor Aerie musste sich zwei Tage lang übergeben, nachdem sie als erste versucht hatte, das alte Zaubertränkeklassenzimmer zu betreten", meinte Hermine.
„Sie ist nicht die Einzige", sagte McGonagall. „Niemand konnte einen Fuß in diesen Flügel setzen, seit wir das Schloss zurückerobert haben. Es schien, als ob jeder verflucht wäre, jeder, der sich dorthin verirrt hat, nachdem... nach Severus..." Ihre Augen flackerten zu Malfoy.
„Nachdem Professor Snape und mein Vater sich dort gegenseitig umgebracht haben", erklärte Malfoy ungerührt, und McGonagalls Gesicht verkrampfte sich, aber sie nickte.
„Sofia hat schon vier Knochenbrüche zusammengeflickt", sagte Hermine nach einer Pause.
„Malfoy beendete ihren Gedanken: "…den ersten wahrscheinlich kurz nachdem ein Schüler zum ersten Mal die Tür zu einem Schlafsaal geöffnet hatte." McGonagall nickte.
Sie sahen sich an.
„Irgendjemand hat Hogwarts vermint", sagte Hermine langsam. „Deswegen können wir die Flüche nicht draußen halten... weil sie nicht von draußen kommen. Jemand könnte das vor Monaten getan haben, und die Flüchen würden sich heimlich, still und leise verborgen halten und darauf warten, dass jemand das Falsche anfasst..."
McGonagall ließ nervöse Blicke durch das Lehrerzimmer schweifen. Harry konnte sie verstehen. Alle Möbel, alle Türen, der Boden – alles sah auf einmal bedrohlich aus.
Doch Malfoy klang erleichtert. „Dann ist es wirklich vorbei", sagte er sehr sanft. Harry hob schnell den Kopf, und sah, wie er nicht die Möbel, sondern die Fenster musterte.
„Alles außer der Säuberung." Hermine sah nachdenklich aus. „Neville sagt, dass es auch im Ministerium zu einer wahren Flut seltsamer Vorfälle gekommen ist." Sie setzte sich auf. „Und wenn das vermint ist..." Sie musste ihren Gedanken nicht beenden. „Wir müssen etwas unternehmen."
„Auf alle Fälle – sofern du weißt, wie man einen Fluch behebt, wenn man weder den Fluch selbst noch das Opfer kennt…"
„Wartet", sagte Harry. „Ich kannte mal einen Gris-Gris gegen versteckte Verzauberungen." Angesichts ihrer verwirrten Blicke erklärte er: „Ein Zauber, ein Trank. Ich werde eine Gans an Dr. Bokor schicken, um die Details in Erfahrung zu bringen."
„Lass dir lieber von Mine ein Transauditum einrichten", sagte Malfoy. „Es mag in den wilden Kolonien jetzt vielleicht Mitternacht sein, aber wir haben keine Zeit zu verschwenden."
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„Rosmarin", orderte Harry. Er hatte den Direktor aus einem geräuschvollen Schlaf geweckt, um ihn nach dem Rezept für den Gris-Gris zu fragen, während McGonagall gegangen war, um den übrigen Lehrer die Lage zu erklären. Anschließend hatten sich Harry, Hermine und Malfoy zum neuen Zaubertränke-Klassenzimmer begeben, einem ehemaligen Lagerraum, der hastig mit Waschbecken und Schneidetischen und dem ziemlich armseligen Zutatenvorrat ausgestattet worden war, den das Kollegium hatte zusammenkaufen können, um Snapes unzugängliches Lager zu ersetzen.
„Gefunden", sagte Hermine und reichte Harry den Zweig. Er warf ihn in einen Kessel kochendes Wasser.
„Frauenminze."
„Gefunden."
„Ammoniak."
„Äh… wirklich? Hm, na gut."
„Schwarzpulver."
„Gefunden."
„Und was jetzt?", sagte Malfoy.
„Und jetzt lassen wir es abkühlen", sagte Harry in seine Notizen sehend, „und dann waschen wir unsere Hände und Füße damit und lassen uns von ihnen zu den versteckten Verzauberungen führen."
„Oh?", erkundigte sich Malfoy mit übertriebenem Interesse. „Und wann sagen wir Bibbiti-Bobbiti-Boo?"
„Halt die Klappe, Malfoy." Harry biss die Zähne zusammen.
Hermine kicherte, was die Sache noch schlimmer machte. „Harry", sagte sie, „gib´s doch zu. Wenn jemand wie Ron sowas gesagt hätte, hättest du gelacht."
„Ja schon, ich mag Ron ja auch", brummte Harry.
„Stellt sich nur die Frage", sagte Hermine, „was wir mit den Verzauberungen machen, wenn wir sie gefunden haben? Ich bin mir fast sicher, dass in Sthenos „De Rerum" eine Methode zur Bestimmung eines unbekannten Fluchs beschrieben wird... oder war es vielleicht Opinicus..." Sie wühlte in ihrer Schultertasche und begann, verschiedene Bücher durchzublättern. „Wartet... hier ist es. „So deyn Stab auf die Quelle des Zaubers gerichtet, sprich patefaco abstrusi und wahrlich, du mögest erleuchet seyn bei deynem eigen Augenlicht."
„Na gut", sagte Harry nach einer kurzen Pause, „ einen Versuch ist es wert." Und er zog sich die Schuhe aus.
„Was hast du denn da?" Malfoy starrte seine Fessel an.
„Oh." Harry berührte den geflochtenen Lederriemen. „Mein... Sunday hat es für mich gemacht. Ist ein Allerweltsheil. Eine Art Volkszauber.
„Wie faszinierend primitiv", flötete Malfoy. Harry warf ihm einen wütenden Blick zu, aber er ließ sich nicht davon abbringen, weiter Harrys Knöchel anzustarren.
„Sei still, Draco", sagte Hermine. „Was für interessante Knoten", fuhr sie zu Harry gewandt fort. „Sie sehen fast wie einfache kalligramantische Runen aus. Ich frage mich, ob..."
„Keine echte Magie", sagte Harry hastig, um sie von einem erneuten Abschweifen abzuhalten. „Laut Sunday nur ein hübscher Aberglaube. Und so was ist zur Zeit wahrscheinlich angesagt."
„Bäh", schüttelte sich Malfoy, als sie alle die Hände und Füße gewaschen hatten. „Wir riechen wie die Küche der Weasleys. Und jetzt?"
„Wenn unsere Theorie stimmt, sollten wir an einen Ort gehen, der seit Damals verlassen ist", sagte Hermine.
Malfoy machte einen Schritt vor, dann wich er zurück und runzelte die Stirn. „Ich spüre..."
Harry ging in Richtung der hinteren Ecke, in der sich immer noch der Krempel stapelte, der früher in dem Raum aufbewahrt worden war. „Ein Impuls", sagte er und streckte eine Hand nach dem Griff einer Vitrine aus.
"Warte!" Hermine hielt ihn zurück, richtetet ihren Stab auf die Vitrine und rief: „Patefacto abstrusi."
Das Licht war so grell, dass Harry die Augen schließen musste. Nach einem Moment öffnete er sie vorsichtig blinzelnd. Die Vitrine wurde von einem Gespinst erleuchtet, das aussah, als wäre es aus gelben Neonröhren. Ein Schnörkel davon hing vom Griff.
„Wow", sagte Harry.
„Das ist sehr fortgeschrittene Kalligramantik", sagte Malfoy.
„Bist du sicher, dass dir du das nicht nur wegen Harrys Allerweltsheil denkst?", sagte Hermine.
Malfoy warf ihr einen trotzigen Blick zu. „Das war ein Steckenpferd von meinem Vater."
Hermine hatte ein Notizbuch. „Schon gut, dann kann ich mit Bodonis Kalligramantik beginnen", sagte sie glücklich. „Und wir müssen sie irgendwie entschärfen, ohne dass jemand verletzt wird. Und anschließend wir müssen den Spruch so ausweiten, dass er funktioniert, ohne dass wir die Verzauberung vorher finden müssen, und..." Sie sah auf. „Geht und holt Minerva und den Rest. Trefft mich nach dem Abendessen in der Bibliothek."
