Hinweis: Das Kapitel bietet Einblicke auf die Szenerie in der Heulenden Hütte. Es ist aus einer anderen Sichtweise geschrieben als die vorigen. Keine Beschönigung. Daher bitte nur lesen, wenn ihr damit klarkommt.
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Preacher of the night, pray for the light.
Teacher of the day, make me pay...
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Remorse between the worlds
Kapitel 3
Preacher of the night
Wenn Voldemort Parsel spricht, hallt das Zischeln seiner Schlangenzunge auf ewig in deinem Gedächtnis nach. Zumindest hat Harry das immer behauptet.
Jetzt weiß ich, dass er Recht hatte. Doch was noch viel schlimmer ist, sind die gurgelnden Geräusche, die aus Snape hervor dringen, während er verzweifelt versucht, seine Lungen mit Luft zu füllen. Das Gesicht fahl wie Asche sackt er zu Boden.
Ich stecke, ebenso wie Harry, meine Faust in den Mund, um einen Aufschrei zu unterdrücken, der unsere Position verraten könnte, denn obwohl ich Snape nie gemocht habe, scheint mir die Art und Weise, wie er sterben soll, grausam zu sein. Er war mein Professor, daher kann ich nicht glauben, dass das wirklich geschieht. Doch alles in allem ist es sowieso fraglich, ob mir je ein derart widersprüchlicher Mensch wie er begegnet ist.
Entsetzt starre ich zu ihm hinüber. Im nächsten Moment ist Voldemort mit Nagini verschwunden.
Zurück bleibt Snape, beinahe leblos. Und wir.
Harry sieht mich an. Doch auch ich weiß nicht weiter. Ron schon gar nicht.
Snape.
Aus den Augenwinkeln erhasche ich einen Blick auf ihn. Er möchte zu seinem Zauberstab gelangen, der ihm aus der Hand geglitten ist, doch es sieht so aus, als würde er ihm nicht länger gehorchen. Vielleicht ist er auch einfach zu schwach, um es mit Magie zu versuchen.
Im Grunde genommen sind erst wenige Sekunden vergangen, seit wir mit ihm allein sind. In Wahrheit aber kommt es mir so vor, als wären es Stunden gewesen.
Ich muss blinzeln. Bruchteile eines Lebens vergehen; selbst gemessen an der Zeit, die wir mittlerweile hier ausharren, ein scheinbar unbedeutendes Ereignis.
Snape liegt mit dem Bauch voraus auf dem Boden und streckt den Arm von sich. Seine Hand zittert, sein blutverschmierter Unterkiefer klappert so bedrohlich, dass ich jeden Augenblick damit rechne, dass er sich die Zunge abbeißt.
Der Ausdruck in seinen Augen verrät ihn. Zuerst dachte ich, es ist Angst. Doch nun wird mir bewusst, dass etwas anderes dahintersteckt. Er ist erschüttert darüber, dass sein Plan nicht aufgegangen ist.
Einen Moment lang weiß ich nicht, was ich tun soll. Meine Aufgabe ist es schließlich, Harry zu schützen, denn von ihm hängt alles ab. Kann ich es da wirklich verantworten, alles auf eine Karte zu setzen, um einem sterbenden Todesser zu helfen?
Der Gedanke ist grausam. Aber irgendwie, wenn man miteinbezieht, unter welchen Umständen wir uns hier eingefunden haben, auch berechtigt. Das Leben vieler Menschen hängt von unserem Unterfangen ab, Voldemort zu zerstören. Außerdem haben wir im Laufe des Krieges alle unsere Erfahrungen gemacht.
Dobby ist gestorben. Genauso wie etliche andere. Harry erleidet seit Jahren Schmerzen, sobald irgendetwas mit Voldemort nicht stimmt. Ron ist auf der Flucht beim Apparieren einmal ziemlich übel zersplittert. Ich wurde gefoltert.
Und dennoch kann ich mich nicht vor dem verschließen, was sich unweit zu meinen Füßen abspielt.
Er kämpft. Was ich davon halten soll, weiß ich nicht, das Raspeln und Gurgeln seiner Atmung ist so verstörend, dass ich nicht klar denken kann.
Er leidet.
Wie ich mich dabei fühle? Elend.
Ob er überhaupt ahnt, dass wir hier sind? Vermutlich nicht.
Seine Finger strecken sich über den abgewetzten Holzdielen aus und wollen den Zauberstab greifen, doch noch immer ist er zu weit von ihm entfernt. Ein Ruckeln fährt durch seinen Körper, dann stützt er sich mit der anderen Hand auf dem Boden ab und schiebt sich vorwärts.
Weit kommt er nicht. Sein Kopf knallt in den Staub. Dann kehrt Ruhe ein.
Endlich wagen wir es, unsere Fäuste zu senken. Mir tut alles weh, so verkrampft habe ich in unserer Deckung ausgeharrt. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor. Jedenfalls sieht der Abdruck meiner Zähne auf der Hand böse aus. Erst jetzt schmecke ich das Blut, das in meinem Mund ist.
Harry ringt nach Luft. „Wir müssen zu ihm ... Vielleicht – vielleicht lebt er ja noch ..."
Gefangen zwischen Panik und Schock nicke ich. Zeitgleich höre ich Ron hinter mir aufstöhnen.
Wir sind fertig. Mit den Nerven, mit den grausamen Geschehnissen um uns herum. Mit allem.
