NOTIZ:
Hier sind die nächsten DREI Kapitel. Ich lade auf einmal gleich mehr hoch, da ich versuche zum aktuellen Stand aufzuholen.
Kapitel II – Hallo Remus, jemand zu Hause?
„Der Größte an Kraft und Mannestaten ist Tulkas, der den Beinamen Astaldo, der Tapfere, trägt. [...] Ringkampf und Kräftemessen sind seine Lust. Nie steigt er zu Roß, denn er kann schneller laufen als alles, was Beine hat, und er kennt kein Ermüden. Sein Haar und Bart sind golden, seine Haut rötlich; Waffe genug sind ihm seine Fäuste. Wenig kümmern ihn Vergangenheit oder Zukunft, und nichts taugt er im Rate, doch ist er ein beherzter Freund."
– Auszug aus „Das Silmarillion", Seite 35, dritte Auflage von 1982
Es war doch erstaunlich, wie schnell Harrys Leben sich von einem Schlag auf den anderen ändern konnte.
Vor 24 Stunden noch war er dabei gewesen, sich in Wut, Verzweiflung und Depressionen zu verlieren. Und jetzt war er wieder gut gelaunt, fröhlich und sah der Zukunft freudig entgegen.
Und alles nur wegen vier komischen Männern, denen Harry inzwischen ihre Geschichte glaubte.
Namo und Irmo hatten sich verabschiedet und waren in zwei kleinen Rauchwölkchen – eine dunkelblau, die andere dunkellila – verschwunden. Ulmo blieb zurück, um Harrys Verschwinden mit den Dursleys abzuklären – was auch immer das bedeuten mochte.
Tulkas hatte gewartet bis Harrys Sachen gepackt waren, diese dann mit einem Wink seiner Hand zusammen schrumpfen lassen und Harry an der Hand genommen. Nach einem kritischen Blick auf die zerlumpte, zu große Kleidung des Jugendlichen hatte er dann mit einem Fingerschnippen Dudleys altes Zeug in neue, normale Kleidung umgewandelt und mit Harry das Haus verlassen.
Jetzt standen die beiden an einer Bushaltestelle in Little Whinging, um nach London zu fahren. Harry sah an sich herunter. Dunkelblaue, etwas getragene Jeans, ein grünes Shirt, darüber eine schwarze Jackenweste, grün-schwarze Turnschuhe… zum ersten Mal in seinem Leben sah er wie ein normaler Muggel-Jugendlicher aus.
Fragend sah Harry Tulkas an, nachdem er sich versichert hatte, das sonst niemand in der Gegend war und zuhörte.
„Ich dachte, ihr könnt wegen diesem Manwe-Typ nicht eure vollen Kräfte einsetzen?"
Der Valar grinste schief. „Och, an und für sich stimmt das. Aber erstens ist ein kleiner Kleidungswechsel keine große Sache und zweitens… Na ja, Manwe ist es gewohnt, dass ich hin und wieder etwas Unsinn mache." Der Gott zwinkerte. „Ich bin ein lebenslustiger Kerl."
Harry grinste und rückte den mitgenommen aussehenden Rucksack zurecht, den Tulkas ihm für seine geschrumpften Sachen gegeben hatte. Hedwig war bereits unterwegs zu Remus, mit einer kurzen Nachricht, dass dieser sich keine Sorgen machen, aber sich bitte um den Vogel kümmern sollte.
Harry wusste sehr wohl, dass der Orden immer noch Aufpasser für ihn um das Haus herum stationiert hatte. Keiner der Valar hatte etwas über die Ordensmitglieder gesagt, aber Harry glaubte nicht, dass sie die Zauberer übersehen hatten. Viel wahrscheinlicher war es, dass sie sich einfach nicht darum scherten.
Den ganzen Weg bis zur Bushaltestelle hatte der Grünäugige erwartet, dass ein Ordensmitglied sie aufhalten würde, aber nichts geschah. Vielleicht hatten die Götter ja auch seine Aufpasser schlafen lassen… Harry traute ihnen das inzwischen zu.
Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, kamen Kingsley Shacklebolt und eine erstaunlich normal aussehende Nymphadora Tonks um die nahe Straßenecke. Harry seufzte und spannte seinen Körper ungewollt an, was von Tulkas nicht unbemerkt blieb.
„Freunde von dir?", fragte der Gott des Kampfes grinsend. „Eher Gefängniswärter.", antwortete Harry mürrisch. „Sie können vielleicht nicht viel dafür, aber Dumbledore benutzt sie, um mich in dem Haus meiner Verwandten zu überwachen und angeblich zu ‚beschützen'. Einsperren ist eher das, was sie versuchen."
Tulkas nickte summend und sah den sich langsam aber stetig nähernden Magieanwendern entgegen. „Mein Name ist John Stanton, okay? Sie werden garantiert nach meinem Namen fragen… und Tulkas Astaldo wäre vielleicht etwas befremdlich für sie." Der Valar grinste.
Harry nickte kaum merklich und sah ebenfalls den beiden Auroren zu. Sie würden sie bald erreicht haben. „Tonks ist eigentlich ganz nett… sie ist mit Sirius verwandt."
Der Valar schenkte Harry einen warmen Blick und ein Lächeln und begrüßte die beiden Zauberer dann mit einem stählernen Blick, als diese endlich an der Bushaltestelle ankamen.
„Hallo Harry.", grüßte Tonks mit einem gezwungenem Lächeln. Auch Kingsley brachte eine knappe Begrüßung hervor.
„Hallo Tonks, hallo Kingsley.", grüßte Harry ebenso höflich zurück.
„Willst du uns nicht deinen Bekannten vorstellen?", fragte Tonks dann vorsichtig.
Harry lächelte. „John, das sind Nymphadora Tonks und Kingsley Shacklebolt. Tonks, Kingsley, das ist John Stanton."
Tulkas lächelte offen und nickte beiden zu. „Schön euch kennen zu lernen." Dann wandte er sich an Harry. „Und welchen Beruf haben die beiden in der Zaubererwelt?"
Harry blinzelte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Tulkas es so deutlich machen würde, dass er genau wusste mit wem er es zu tun hatte.
„Sie sind beide Auroren.", gab er dann als Antwort.
Tonks und Kingsley begutachteten ‚John' argwöhnisch. „Harry… wo willst du denn hin mit… Mr. Stanton?", fragte Kingsley dann.
„Nach London.", gab der Jugendliche zur Antwort. „Zu einem Mr. Lupin.", fügte Tulkas lächelnd hinzu.
Tonks bekam große Augen. „Harry… ah, ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist."
Harry nickte. „Okay."
Einige stille Sekunden vergingen, in denen niemand etwas sagte. Dann räusperte Kingsley sich. „Harry, hast du mitbekommen, was Tonks gesagt hat?"
„Ja."
„Und?"
Der Jugendliche sah den Auror verwirrt an. „Was ‚und'? Ich habe doch gesagt, dass ich sie verstanden habe."
Tonks lächelte nervös. „Wir dachten eigentlich, dass du jetzt zurück zu den Dursleys gehen würdest. Es ist dort sicherer für dich."
„Keine Sorge," mischte Tulkas sich in das Gespräch ein, „Harry ist in meiner Gegenwart weitaus sicherer als sonst wo, das kann ich Ihnen versprechen."
Kingsley schnaubte. „Das wage ich zu bezweifeln, Mr. Stanton. Harry braucht… einen besonderen Schutz, was er auch weiß. Gerade deswegen sollte er bei seinen Verwandten bleiben."
Bevor Harry antworten konnte, fuhr Tulkas wieder dazwischen. Der Valar des Kampes ließ ein herzhaftes Lachen ertönen. „Was, diese kümmerlichen Blutzauber sollen mehr Schutz als ich gegen Voldemort geben?" Sowohl Tonks als auch Kingsley zuckten bei dem gedankenlosen Gebrauch des Namens ‚Voldemort' zusammen. Tulkas störte sich daran nicht weiter. „Wirklich, Harry ist in meiner Gegenwart am sichersten, das kann ich ihnen versprechen."
Die beiden Ordensmitglieder schienen offensichtlich nicht zu wissen, was sie sagen sollten. Beide hatten einen verlorenen Ausdruck auf ihrem Gesicht, bis Kingsley schließlich hervorbrachte: „Wer sind Sie?"
Tulkas sah kurz hin zu dem nahenden Bus und grinste dann die beiden Auroren frech an. Seine Muggelkleidung gab ihm das Aussehen eines jungen, sportlichen Mannes und zusammen mit dem Grinsen wirkte er wie ein schelmischer Athlet.
Harry sah ein komisches Funkeln in den Augen des Gottes und wusste sofort, dass dieser gerade in diesem Augenblick eine schwere Entscheidung gefällt hatte.
„Darüber, wer ich bin, könnt ihr beide eurem Orden und Dumbledore folgendes sagen: Ich bin der letzte der Valar, der auf die Erde kam. Ich bin der schwächste der sieben Fürsten. Ich gehöre nicht zu den acht großen Mächtigen und doch war ich die nötige Hilfe, mit welcher der dunkle Feind zum ersten Mal besiegt werden konnte." Tulkas lehnte sich nach vorne und lächelte die beiden verwirrten Auroren an. „Sagt das Dumbledore; wenn der alte Mann dadurch meinen kompletten Namen herausfinden kann, dann bin ich gewillt, ihn als großen Zauberer anzuerkennen."
Tonks und Kingsley sahen den vermeintlich normalen Mann verdutzt an und auch Harry rätselte, was es mit diesen Worten auf sich hatte. Dann hielt aber schon der Bus und Tulkas stieg ein, Harry an der Hand mit sich mitführend. Nachdem ihre Mitfahrt bezahlt und ein Platz weiter hinten im Bus gefunden war, bewegte Tulkas diskret seine Hand, die daraufhin kurz aufglühte.
„So. Niemand hier kann jetzt unser Gespräch belauschen. Die Leute werden denken, wir würden über etwas ganz alltägliches reden."
„Was war das gerade?", fuhr es auch schon aus dem Jugendlichen heraus. Er fand es insgeheim immer noch erstaunlich, mit welcher Gelassenheit Tulkas zauberstablose Magie anwandte. Aber… schließlich war er ja ein Gott, nach eigener Aussage.
„Das gerade?" Tulkas lächelte verschmitzt. „Nur eine kleine Aufführung einiger meiner Titel. Es gibt sieben männliche und sieben weibliche große Valar, die mehr zu sagen haben als andere. Ich bin der schwächste der sieben Fürsten. Und acht von uns formen den großen Rat, sozusagen als die aller mächtigsten von uns."
Harry runzelte seine Stirn. „Ich dachte, ihr habt einen König?"
Tulkas nickte. „Das haben wir, aber er regiert nicht wie ein Despot. Er trägt den Titel, weil er der älteste und mächtigste von uns ist."
„Dann ist Manwe auch ein Mitglied des Rates.", schlussfolgerte Harry und brachte Tulkas so zum Lachen. „Du solltest dich nicht so sehr um die Geschehnisse auf Valinor kümmern im Augenblick… es ist viel wichtiger, was du hier in der Welt der Menschen tun wirst, Harry."
„Aber, laut dem was Namo mir erzählt hat, werde ich sowieso mit den Leuten von Valinor zu tun haben in der Zukunft.", meinte der jugendliche Zauberer. „Ich will einfach nur wissen, mit wem ich rechnen muss. Ich meine, plötzlich steht ein Typ in meinem Zimmer und sagt, er wäre ein Gott!"
Harry sah den Gott des Kampfes an, der kurz abzuwägen schien und dann wieder lachte. „Du hast ja Recht. Also gut."
Tulkas lehnte sich im Sitz zurück und schob seine Hände hinter seinen Kopf. „Der Rat der Aratar, der Oberen Acht, besteht natürlich aus König Manwe und seiner Frau Königin Varda. Sie ist Göttin des Lichts und der Schönheit. Der nächste ist Ulmo, auch wenn er nur selten zu den Besprechungen kommt, es sei denn, es geht um etwas großes. Dann sind da Aule, Gott des Gesteins, Metalle, Handwerker und so weiter, zusammen mit seiner Frau Yavanna, Göttin der Erde, Früchte, Ernte und so fort. Danach kommt Namo, den kennst du schon, und seine Schwester Nienna, Göttin des Mitleids, der Sorge und einiger anderer kleiner Dinge. Der letzte ist Orome, Gott der Jagd, der Tiere und Jäger der bösen Bestien dieser Welt. Aber eigentlich ist er mehr ein Schürzenjäger, wenn du verstehst, was ich meine."
Harry schnaubte und nickte. So wie es aussah, hatten weder Namo noch Tulkas eine hohe Meinung von diesem letzten Mitglied des Rates. Was ihn jedoch verstummen und alle weiteren Fragen vergessen ließ, war die Tatsache, dass zwei dieser großen Acht persönlich bei ihm vorbeigekommen waren. Und wenn er die Worte von Tulkas richtig deutete und Namo richtig verstanden hatte, waren weder Ulmo noch der Todesgott gesellige Wesen. Warum also fanden die beiden es jetzt für wichtig, ausgerechnet bei ihm kleinen Menschen herein zuschneien? Selbst wenn er ein Halbelf war… irgendetwas war hier faul.
Während der restlichen Busfahrt bis London fragte Tulkas Harry aus über sein bisheriges Leben, was er gerne aß, welche Art von Musik er gerne hörte, ob er irgendeiner Art von Sport nachging… Obwohl Harry anfangs etwas misstrauisch war, als er mit so vielen Fragen konfrontiert wurde, verlor er seine Vorsicht doch bald.
Tulkas war ein offener, freundlicher Mann und hatte ein humorvolles, fröhliches Wesen, wie Harry bald entdeckte. Der Valar schien nicht lange in Trübsaal verweilen zu können und heiterte Harry mit Scherzen auf, sobald dieser von einer weniger schönen Stelle seines Lebens erzählte.
Trotz alledem gab der Kampfesgott jedoch hin und wieder weise oder klug anmutende Ratschläge von sich, als Harry von seinen Freunden und seinen Zweifeln an diesen erzählte. Alles in allem war es erstaunlich, wie viel der Mann in einer so kurzen Zeit von Harry erfahren hatte, wurde dem Jugendlichen am Ende der Busfahrt bewusst. In letzter Zeit war er zu einem von Natur aus misstrauischen Menschen geworden, aber Tulkas… erschien einfach ehrlich auf eine direkte Art und Weise.
Als die beiden dann endlich in London aus dem recht stickigem Bus kletterten, reckte und streckte der Valar sich erst einmal. „Fürchterliche Art zu Reisen, aber wir wollen ja nicht auffallen, nicht wahr?", meinte er dann Augen zwinkernd.
Harry schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Wir müssen jetzt von hier aus zu Grimmauld Place 12. Das Haus ist unortbar, aber das dürfte für dich kein Problem sein, oder?"
Tulkas machte eine wedelnde Handbewegung. „Nah. Kleinigkeit." Plötzlich stoppte der Valar, nur wenige Meter nachdem sie sich vom Bus entfernt hatten. Harry runzelte seine Stirn. „Ist was?"
Tulkas deutete auf ein kleines Eiscafe unweit des Busbahnhofes. „Lust auf ein Eis? Ich könnte eins vertragen." Harry öffnete seinen Mund, schloss ihn gleich darauf aber wieder. Seine Stirn legte sich in Falten. „Du möchtest ein Eis essen?"
Tulkas lächelte. „Ja klar, wieso nicht? Und du könntest auch eins vertragen, eh?" Der Blonde wuschelte Harry durch die eh schon wirren Haare und zog ihn dann am Arm mit zum Eiscafe. Fünf Minuten später liefen beide mit einem Eishörnchen durch die Straßen Londons.
„Danke für das Eis.", murmelte Harry. „Nah. Nichts zu danken." Der Gott zwinkerte. „Du hast auch mal was nettes verdient. Außerdem," fügte der Valar leise, mehr für sich hinzu, „ist das noch nichts gegen das, was dein Großvater anstellen wird, wenn er von dir erfährt."
Harry wollte nach seiner elfischen Verwandtschaft fragen, ließ es dann aber doch sein. Sein Gefühl sagte ihm, dass Tulkas in diesem Augenblick eh nichts sagen würde außer ‚Das hat noch Zeit'.
„Warum nehmen wir nicht einen Bus, um bis in die Nähe von Grimmaulds Place zu fahren?", kam Harry plötzlich in den Sinn. Fragend sah er Tulkas an.
„Weil ein bisschen Bewegung jedem gut tut, vor allem jungen Zauberern, die sich körperlich eh nicht viel betätigen. Seien wir doch mal ehrlich, wie viel Sport treibt der durchschnittliche Zauberer?" Tulkas wackelte mit seinen Augenbrauen, während er die Frage stellte.
„Wenig bis gar keinen Sport.", gab Harry zu. „Abgesehen von Auroren oder so, denke ich."
„Genau." Tulkas nickte und leckte etwas heruntertropfendes Eis von seinem Hörnchen. „Da ist es kein Wunder, wenn auch der allerbeste Sprücheklopfer von einem ausdauernderem Gegenspieler besiegt wird. Falls alles nichts klappt, kann man immerhin noch versuchen, den Feind aus der Puste zu bringen und dann körperlich zu überwältigen."
„Dann ist das hier also Training für mich.", stellte Harry trocken fest. Tulkas nickte. „So kannst du es sehen. Es wäre am besten, wenn du jeden Tag etwas trainieren würdest, körperlich meine ich. Hm. Schwertkampf wäre vielleicht auch etwas für dich und in der Zaubererwelt ist das noch eine recht aktuelle Waffe."
Harry schnaubte. „Ja, aber das muss mir auch jemand beibringen. Remus… Remus kann mir viel über Flüche und Sprüche beibringen und so Körperübungen machen. Aber ich kenne niemanden, der sich mit einem Schwert auskennt."
Tulkas lachte schallend. Sowieso, sein Lachen schien immer einen Wiederhall zu haben und die Gegend auszufüllen. Und so oft wie er lachte, glaubte Harry fast, dass etwas mit ihm nicht ganz stimmte.
„Mach dir keine Sorgen wegen dem Schwerttraining. Bis zu deinem Geburtstag sind die Verschleierungszauber weg und dann… nun ja, sagen wir mal, sobald deine Familie auftaucht wird sich das alles von selbst lösen."
„So langsam frage ich mich, ob ich diese ominösen Elfen überhaupt treffen will.", grummelte Harry vor sich hin.
„Iss dein Eis, Harry.", war Tulkas amüsierte Antwort.
„Atar… Atar, ich müsste mal mit dir sprechen… Atar, bitte?"
„Ich habe dich schon gehört. Immer mit der Ruhe, yondonya."
„Ich kenne dich doch, atar. Du würdest tagelang hier weiter arbeiten, wenn es ginge."
„Hn. Also, worum geht es?"
„Da ist jemand hier, der mit der sprechen möchte."
„Wie nett. Ich möchte aber mit niemandem sprechen. Ich bin am arbeiten."
„… Es ist Lady Nessa."
„Das gibt es nicht. Will mich schon wieder einer von denen nerven!"
„Atar, ich glaube, diesmal ist es wirklich wichtig."
„… Na gut. Weil du es bist, Curvo. Dann hören wir uns mal an, was Tulkas Ehefrau von mir will."
„Das da vorne ist es." Harry deutete auf das düster und traurig wirkende Haus der Familie Black, dessen Hausnummer 12 wie ein schlechtes Omen an der Hauswand prangte.
„Unter einladend stelle ich mir etwas anderes vor.", murmelte Tulkas, zuckte dann aber mit den Schultern. „Na schön. Du sagtest, der Orden könnte hier sein?"
Harry nickte. „Sehr wahrscheinlich. Aber… du meintest ja, du wirst damit schon fertig?" Der Jugendliche konnte sich nicht davon abhalten, eine Frage aus diesem Satz zu machen.
Doch Tulkas grinste nur und zwinkerte.
Harry blieb stockend stehen. „Als Gott braucht man wirklich nicht vor vielem Angst zu haben, was?", meinte er dann nachdenklich.
Tulkas hatte auch gestoppt und abgewartet, was Harry zu sagen hatte, sah den jugendlichen Zauberer jetzt aber in einer Mischung aus Trauer und Verwirrung an. „Wir… Ein Valar kann keine Furcht fühlen, Harry."
Harry blinzelte. „Bitte was?"
Tulkas lächelte. „Wir können keine Furcht fühlen. Sorge, Mitleid, Trauer… im Prinzip so gut wie jedes Gefühl, nur Furcht nicht."
„Das…" Harry rieb sich die Stirn. „Das ist komisch."
Tulkas schien zu seufzen und zwang sich dann sichtlich, wieder zu lächeln. „Jetzt komm schon. Ich will diesen Mr. Lupin kennen lernen."
„Wenn ich richtig liege, werden auch einige Weasleys da sein.", murmelte Harry zurück und ging dann zusammen mit Tulkas auf die Vordertür zu.
Der Schwarzhaarige war sich unsicher, ob er Ron und seine Familie in diesem Augenblick wirklich sehen wollte. Er hatte sich vor dem Anfang der Sommerferien abweisend verhalten und mit Ron und Hermine Ärger gekriegt. Das war wegen Sirius gewesen… wegen der Trauer um seinen Paten. Aber Ron war ein Meister darin, nachtragend zu sein. Daher konnte Harry nicht sicher sagen, wie ihn der Rotschopf begrüßen würde.
„Sollen wir anklopfen oder direkt rein gehen?", wollte Tulkas wissen, als sie beide vor der Tür standen. „Es ist doch sowieso abgeschlossen, oder?", war Harrys Gegenfrage.
Der Valar ließ seine Finger knacken. „Soll mich das etwa aufhalten?" Er wackelte mit seinen Augenbrauen, legte eine Hand auf die Tür, welche kurz rötlich schimmerte und stieß diese dann auf.
„So langsam werde ich neidisch.", murrte Harry gutherzig und brachte so Tulkas wieder zum Lachen. „Tut mir Leid, Kleiner, aber das ist leider nicht übertragbar." „Schade aber auch."
Die beiden grinsten sich noch gegenseitig an, als sie in das Foyer des alten Herrenhauses eintraten und plötzlich einer Gruppe aufgebrachter Hexen und Zauberer gegenüber standen.
„Harry!", kreischte auch schon eine aufgebrachte Mrs. Weasley, die dem Jungen sofort um den Hals zu fallen versuchte. Nur um, genau wie alle anderen, die plötzlich auf Harry einstürmten, kurz vor ihm von einer unsichtbaren Barriere abzuprallen.
Harry sah den Gott an seiner Seite fragend an. Tulkas grinste und wandte sich dann an die teilweise auf dem Boden gelandeten Männer und Frauen verschiedener Altersgruppen. „Tschuldigt Leute, aber ihr könnte den armen Harry doch nicht erdrücken, nur weil er zur Tür reinkommt. Stellt euch das doch mal vor. Da mache ich mir die Arbeit und bringe ihn gut erhalten bis hierhin, und dann verarbeitet ihr ihn zu einer magischen Flunder."
„Sie! Sie sind dieser komische Kerl, der Harry entführt hat!", zeterte Molly Weasley auch sofort drauf los. Tulkas schnaubte nur. „Sieht er etwa entführt aus?" Er wandte sich an Harry. „Fühlst du dich entführt?"
Harry schüttelte mit dem Kopf. „Nein. Fühle mich ziemlich entführt-los, um ehrlich zu sein." Der Schwarzhaarige runzelte seine Stirn. „In meinen Gedanken klang das besser."
Wie auf einmal begann jeder, wild durcheinander zu sprechen, bis plötzlich aus der hintersten Reihe die Stimme eines wohlbekannten Mannes erklang. „Aber, aber, aber! Bitte, lasst doch etwas Ruhe einkehren! So kann man ja niemanden verstehen! Wir wollen doch alle, dass die Situation schnell geklärt wird."
Albus Dumbledore persönlich war angekommen. Harrys Mund verformte sich zu einer dünnen Linie. Er war immer noch nicht gut auf den Mann zu sprechen.
Die anwesenden Weasleys – mitsamt Ron und Hermine, wie Harry zweigespalten feststellte – sowie die anderen Ordensmitglieder wichen vor dem bärtigem alten Mann zurück und ließen ihn auf die Neuankömmlinge hinzu gehen. Missmutig stellte Harry fest, dass Remus nirgends unter den Anwesenden zu finden war.
„Harry mein Junge, ich war überrascht zu hören, dass du die Dursleys verlassen hattest.", sprach Dumbledore, wie immer mit diesem nervtötendem Zwinkern in seinen Augen.
Harry schnaubte, verschränkte seine Arme und tat sein bestes, dem Schulleiter auf die Robe unters Kinn und nicht in die Augen zu starren. Schließlich wollte er nicht, dass der alte Mann seine Gedanken las.
„Tatsächlich? Mich hat das weniger überrascht, wo die Dursleys doch ach so gut auf mich aufpassen. Ich meine, die fünf Schlösser an meiner Tür, die eine zugestandene Mahlzeit pro Tag, die Tatsache, dass ich von allen Freunden und Neuigkeiten aus der Zaubererwelt abgeschnitten bin… Ja, ich muss sagen, das sind alles Gründe, um bei den Dursleys zu bleiben." Je länger Harry sprach, desto mehr Sarkasmus und Ironie schwang in seiner Stimme mit. „Haben Sie wirklich geglaubt, ich würde da bleiben wollen, Schulleiter?"
„Wir hatten diesen Muggeln doch gesagt, dass sie-" Mollys Gezeter wurde jäh von Dumbledore unterbrochen. „Harry mein Junge. Du hättest uns nur schreiben brauchen, dass du schlecht behandelt wirst und wir hätten uns darum gekümmert. Sicherlich weißt du das? Und du weißt, dass du den Schutz der Blutzauber brauchst, um in Sicherheit zu bleiben."
Harry schnaubte. „Danke, aber mir wurde ein neuer, besserer Schutz angeboten." Harry grinste Tulkas an, der ein gutes Stück größer als Harry oder die meisten anderen Anwesenden war.
Dumbledores Augenmerk richtete sich auf den blonden Mann, der die Anwesenden neugierig gemustert hatte. Als sein Blick den von Dumbledore traf, erstarrte Tulkas jedoch und sein Lächeln erfror. Dann streckte er plötzlich seine Hand vor sich aus und hob sie langsam empor. Während die Hand stieg, stieg auch Dumbledore in die Luft hinauf und baumelte plötzlich im Raum. Eine Todesstille hatte sich im Foyer ausgebreitet.
Harry hatte den plötzlichen Drang, den imperialen Marsch von Star Wars zu summen.
„Es ist nicht nett, ungebeten die Gedanken anderer Leute zu durchsuchen, Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore. In der Tat können einige Leute sogar richtig wütend werden, wenn so ein Zauberer daher kommt und frecher weise versucht, in ihr Gedankenleben einzudringen." Tulkas zog seine Hand zurück und Dumbledore fiel die paar Zentimeter, die er angehoben worden war, hinab zum Boden. „Darüber solltest du nachdenken, Albus. Nicht jeder von meinesgleichen ist so freundlich wie ich." Der Gott des Kampfes lächelte ein bittersüßes, manisch wirkendes Lächeln.
Molly, Arthur und Kingsley eilten Dumbledore zu Hilfe, während Tonks, zwei andere Leute, die Harry nicht kannte, sowie Mad-Eye Moody ihre Zauberstäbe zückten und auf Tulkas richtete. Der Gott schnaubte. „Ich glaube es nicht! Da greift dieser Kerl in meine Privatsphäre ein und ihr richtet eure Waffen auf mich?" Mit einer Handbewegung des Gottes flogen die vier Zauberstäbe aus den Händen ihrer Besitzer in die von Tulkas. „Ich sollte eure Zauberstäbe zerbrechen, nur um euch eine Lehre zu erteilen, aber glücklicherweise für euch bin ich eine nette Person. Ihr kriegt eure Zauberstäbe zurück, sobald ihr mir versprecht, keine Dummheiten damit anzustellen."
„Also jetzt hören Sie mal-", begann Moody schon, doch Dumbledore rappelte sich auf und rief seinen alten Freund zur Ordnung. „Schon in Ordnung, Alastor. Unser Besucher beherrscht anscheinend eine nicht unbeträchtliche Menge an stabloser Magie und scheint uns erst mal nichts Böses zu wollen." Der alte Mann lächelte gedrückt. „Ich bin mir sicher, wir können uns alle friedlich unterhalten."
Tulkas lächelte. „Das würde ich ehrlich gesagt bevorzugen. Wenn du deine Leute im Zaum hältst, Albus, tue ich auch niemandem etwas." Auf ein Nicken Dumbledores und der vier Zauberstablosen hin, ließ Tulkas eben jene magischen Stöcke wieder zu ihren Besitzern zurück schweben.
„Wie schön, wenn sich jeder versteht, nicht war?", meinte der Valar dann fröhlich und grinste die anwesenden Zauberer und Hexen an. „So… Harry bat mich, ihn zu einem gewissen Remus Lupin zu bringen. Wo ist der zu finden?"
Bevor irgendjemand etwas sagen konnte, begann eine fürchterliche Stimme zu kreischen.
„Werwölfe! Widerliche Wesen wie die haben in meinem Haus nichts verloren! Und heruntergekommene Muggel auch nicht!"
Harry stöhnte laut auf. Während dem ganzen Tumult war das Tuch, welches das Portrait von Sirius Mutter verbarg, herunter gefallen. Die furienhafte alte Frau Black war daraufhin aufgewacht und zeterte jetzt auf ihre altbekannte Weise vor sich her.
Harry wollte schon Tulkas fragen, ob dieser nicht etwas tun könnte, kam aber nicht dazu. Der Gott des Kampfes lächelte nur stumm, hob erneut seine Hand und formte seine Finger so, als wenn sie Krallen hätten. Dann fuhr er vor sich einmal damit durch die Luft, als wenn er einen unsichtbaren Feind kratzen wolle.
Mrs. Black schrie auf, als auf ihrem Portrait fünf tiefe Kratzer erschienen. „Was soll das? Was hat das zu bedeuten?"
Tulkas schmunzelte und schüttelte seinen Kopf. „Als wenn mich dein Schreien beeindrucken würde, du Echo einer Menschenfrau." Erneut zerkratze er die Luft und erneut traten Risse im Portrait der Black auf.
„Warte mal… Das ist kein Mensch?", rief Hermine plötzlich entsetzt.
„In der Tat. Ich bin kein Mensch.", antwortete Tulkas lächelnd und nickte dem jungen Fräulein zu. Dann zerkratze er noch mehrere Male die Luft vor sich, bis das Portrait der Mrs. Black mit einem letzten Schrei in kleine Fetzen zerfiel, die langsam dem Boden entgegen schwebten.
Harry grinste bis über beide Ohren. „Das hatte die alte Hure verdient."
„Harry!", riefen sowohl Hermine als auch Molly, wahrscheinlich entsetzt über die Wörter, die der Jugendliche in den Mund nahm.
„Hey! Jemand, der den Jungen hier bei solchen Verwandten wie den seinen lässt, hat kein Mitspracherecht darüber, wie man ihn zu erziehen hat!", keifte Tulkas die beiden Frauen an und legte Harry eine Hand auf seine Schulter. „Und du, Albus…" Erneut widmete der Gott des Kampfes sich dem alten Zauberer. „Hast du schon mal darüber nachgedacht, was es bedeutet, jedes Jahr zu den Leuten zurück geschickt zu werden, die dich psychisch und seelisch zunichte machen wollen? Es fast geschafft hätten? Hast du eine Ahnung, welche Folter und welchen Schaden jede Minute anrichten kann, die Harry bei den Dursleys geblieben wäre? Na, hast du?"
Tulkas Augen glühten auf und Dumbledore entfloh ein geschocktes, harsches Geräusch. Der Zauberer erstarrte, vielleicht eine Sekunde lang, bevor wieder Bewegung in ihn einkehrte und er sich blinzelnd umsah. „Was… was war das?"
Der blonde Valar gluckste. „Ich habe deine Absichten und Gefühle, was Harry angeht, gelesen. Interessant, interessant, muss ich sagen."
Dumbledore wurde aschfahl. „Das ist nicht möglich. Es gibt keinen Zauber, der das so schnell schafft und selbst, wenn du ein Meister der Legilimentik wärst…"
Tulkas schnaubte. „Ich muss nichts dergleichen sein, Mensch. Und ich muss sagen: Einer meiner Lieblingsmenschen bist du sicherlich nicht."
Der Gott drehte Harry zu sich hin und sah ihm in die Augen. „Ich muss jetzt gehen Kleiner, sonst wird der König wirklich argwöhnisch und jammert mir was vor. Dein Werwolf-Freund ist oben, im alten Zimmer deines Onkels. Wir sehen uns noch – ich komme dich spätestens einen Tag vor deinem Geburtstag besuchen. Okay?"
Harry nickte und trat dann einen Schritt von Tulkas zurück. Er ahnte bereits, dass der Gott einen grandiosen Abgang plante. „Dann werde ich mal. Es gibt noch Dinge, die ich erledigen muss. Gib auf dich Acht Harry. Und ihr," fügte er noch an den Orden gewand hinzu, „solltet auch Acht geben. Und zwar darauf, dass ihr Harrys Leben nicht schwerer macht, als es eh schon ist. Klar, Albus? Gut. N-D-T – Na dann tschüss!"
Tulkas Körper schien zu schwanken und verging dann in einer imposanten Rauch- und Feuerwolke. Auf dem Boden des Foyers blieb ein kleiner, schwarzer Fleck zurück.
Harry rückte sich den Rucksack auf seinem Rücken zurecht und grinste die anderen Anwesenden an. „Dann werd ich mal hoch zu Remus gehen." Ohne auf eine Reaktion der geschockten Menschen zu warten, eilte Harry hinauf ins Haus.
Kleine Erklärungen für alle, die sich in Tolkiens Welt nicht so gut auskennen:
Atar – Quenya-Elfisch (förmlich) für Vater
Yondonya – Quenya-Elfisch (förmlich) für mein Sohn
Alle elfischen Wörter entnommen aus: Elbisches Wörterbuch nach J.R.R. Tolkien im Klett-Cotta Verlag, von Wolfgang Krege.
Nessa – Göttliche Schwester von Orome, Gemahlin von Tulkas. In dieser FF Göttin des Tanzes, der Kunst und des Glücks
Curvo – Rufform von Curufin
Valar und Furcht fühlen – Laut Tolkien selbst konnte nur ein einziger der Valar Furcht fühlen, nämlich der Böse von ihnen. Laut psychologischen Forschungen ist das absolute Fehlen von Furchtgefühlen oder ähnlichem zwar ein Anzeichen für einen Psychopathen, aber das wusste Tolkien wohl noch nicht ^_^ Oder er war verdammt ironisch
