Wieder zurück bei den jungen Mädels Rachel und Conny, welche beide im Waisenhaus HOPE auf ihren Betten liegen und ihren Gedanken nachgehen. Sie kennen sich schon seit Jahren und sie verbinden mehr als nur ein Freundschaftsband. Ihre Liebe zueinander und das enorme Vertrauen inneinander ist so stark, dass man sagen kann, sie wären Schwestern.

Die Stille wird plötzlich von Conny Summers ruhiger und fragender Stimme gestört.

„Lucky?"

„Hm?"

„Weißt du was?"

„Nein, was?", antwortet Rachel leise, doch immer noch in Gedanken versunken.

„Ich denke öfters darüber nach, dass meine Eltern irgendwo da draussen sind und einiges erledigen müssen. Und dann wenn sie fertig sind, kommen sie hierher und holen mich. Denkst du ich bin blöd das zu glauben?"

Rachel hätte jetzt nicht erwartet, dass so etwas von Conny kommen würde. Sie haben nie so richtig über solche Dingen geredet. Denn über ihre Eltern zu reden, welche die Kinder wegegeben haben, stimmt traurig und schmerzt, jedoch macht es auch wütend daran zu denken.

„Wieso? Jeder, der seine wahren Eltern nicht kennt, glaubt oder hofft, dass sie eines Tages auftauchen und sie hier wegholen und an einen Ort bringen, wo vielleicht ein grosses Haus steht mit einem riesigen Garten. In der Nähe ein See oder das Meer...oder vielleicht ein 100m hohes Hochhaus, in dem ein riesiges Kaufhaus ist und stundenlang gebummelt werden kann. Einfach irgendwo hinbringen, wo das Leben wundervoll ist und die ganze Zeit irgendwas los ist und immer die Personen dabei sind, zu denen du hingehörst und mit denen du diese Zeit gemeinsam erleben kannst.."

Während diesen Worten starrte Rachel die Zimmerdecke mit in gedankenverlorenen Augen an und stellt sich das Gesagte so gut vor als hätte sie es selber schon einmal erlebt. In ihren Gedanken bildet sie diese wundervolle heile Welt auf, als die nächste Frage von Conny, welche eine Zeitlang über Rachels Worten nachgedacht hat, sie wieder aus der grossartigen Welt rauskatapultiert.

„Du auch?" Als Rachel lange nicht antwortet, blickt Conny nach links zum Bett ihrer treuen besten Freundin, welche gerade die Augen schliesst und nach einer Sekunde wieder öffnet.

„Die Hoffnung, dass sie kommen und mich abholen, besteht." Sie holt tief Luft. „Aber ich glaube nicht daran."

Conny antwortet mit überraschter, aber liebevoller Stimme. „Wieso nicht?"

„Wie kann man daran glauben, wenn sie mich vor 15 Jahren nicht haben wollten und zur Adoption freigaben? Und wenn sie mich in irgendeinerweise lieben, dann hätten sie sich schon lange nach mir erkundigt und dann herausgefunden, dass meine Adoptiveltern tot sind und ich in einem Waisenhaus lebe." Sie schüttelt den Kopf. „Nein, ich glaube nicht daran."

Conny sieht sie immer noch an, aber erwidert nichts mehr. Sie blickt dann wieder zur Decke wie auch ihre Zimmergenossin und beide lassen in Gedanken verloren die Zeit verstreichen.

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Ihre Schwestern Prue und Piper schauen Phoebe sprachlos an. Verschiedene Gedanken schwirren in ihren Köpfen herum.

Sie lebt in einem Waisenhaus...in San Francisco? Mein Baby lebt...was hab ich getan?

Nach etwa einer Ewigkeit wird endlich gesprochen um herauszufinden was ihre kleine Schwester herausgefunden hat.

„Sie lebt in einem Waisenhaus? In San Francisco? Seit 13 Jahren? Was ist mit ihren Adoptiveltern?"

„Sind gestorben. Meine Kollegin konnte nur das herausfinden und wo sie jetzt lebt."

„Was hab ich getan?", fragt Rachels Mutter mit flüsternder Stimme.

„Liebes, du hast nichts falsches getan. Du konntest doch nicht wissen das dies passiert", versucht sie ihre Schwester zu beruhigen.

„Aber wenn ich damals nach meiner Adoptionsfreigabe nicht meine Anonymität gefordert hätte, dann hätten sie mich suchen können und sie zu mir bringen", sagt sie jetzt mit schluchzender Stimme.

„Du hast dich damals für das Wohl deiner Tochter gesorgt und wolltest das sie in einer guten Familie aufwächst ohne das sie erfährt wer ihre richtige Mutter ist. Du kannst es nicht ändern", sagt Phoebe nach einer Weile. „Doch du kannst jetzt etwas tun."

„Was?", kommt als schnelle Frage.

„Ich habe die Adresse des Waisenhauses. Wir könnten dorthin fahren", schlägt sie als Idee vor, wobei sie noch weiterfährt. „Und wenn es ihr dort nicht so gefällt wie bei einer richtigen Familie, dann hat sie die Möglichkeit dorthin zu gehen, wo sie hingehört." Sie schaut der Schwester in die Augen, welcher schon seit 15 Jahren Mutter ist.

„Zu ihrer Mom!"

Es herrscht eine Stille im Raum, die von einem Flüstern unterbrochen wird.

„Und...und was ist, wenn sie mich...hasst? Ich meine ich habe sie in Stich gelassen und..."

„Schwesterherz, wir sollten erstmal dorthin gehen und uns über die genaue Situation informieren. Und wenn du bereit bist, kannst du die Person sehen, der du das Leben geschenkt hast", sagt ihre Schwester, wobei sie ihr ein Lächeln schenkt.

Sie denkt einen Moment nach, doch entscheidet nach dem Wunsch, der in ihrem Herzen seit 15 Jahren besteht. Ihre eigen Tochter wiederzusehen.

„Gehen wir", was zu einem Nicken von beiden Schwestern führt.

Piper steht auf und läuft aus der Küche, dicht gefolgt von Prue und Phoebe. Alle drei in der Hoffnung, dass alles gut gehen wird. Sie verlassen den Manor und fahren mit Pipers Wagen zum Waisenhaus. In eine Vergangenheit, die 15 Jahre ein Geheimnis war. In eine Gegenwart, in der eine langvermisste Person gefunden worden ist. Und in eine Zukunft, die für alle noch sehr ungewiss scheint.

Auf dem Weg in das Waisenhaus gehen viele Gedanken in den Köpfen der Schwestern herum.

„Hat sie eigentlich irgendwelche Kräfte? Ich meine...sie ist deine Tochter. Es wird ja weitervererbt. Doch andererseits ist sie vor dem Tag geboren, an dem ich die Inschrift gelesen habe, die unsere Kräfte aktiviert hat. Meinst du dann bekam sie auch eine Kraft?", fragt Phoebe ihre Schwester.

„Das habe ich mir auch schon gefragt. Aber das werden wir wahrscheinlich auch heute herausfinden", erwidert sie als Antwort.

„Hoffentlich."