Disclaimer: Twilight gehört Stephenie Meyer und nicht mir!
Edwards Pov
Ich hatte den Kadaver des Tieres etwas unter Blättern versteckt, damit er nicht sofort auffallen würde. Langsam bahnte ich mir meinen Weg durch die hohen Bäume auf die Strasse zurück. Dad stand mit dem Rücken an die Beifahrertür gelehnt und sah mir entgegen. Eine Flasche Wasser stand auf dem Dach des Mercedes und er hatte einen Lappen in der linken Hand. Ich kam vor ihm zum Stehen und leckte das Blut von meinem Mund. Wortlos griff er nach dem Wasser und kippte eine gute Ladung über den weissen Lappen, den er mir dann reichte.
„Mach dich sauber!"
Ich tat was mir gesagt wurde, hockte mich vor den Seitenspiegel und wischte mir das Tierblut aus dem Gesicht. Als ich fertig war, legte ich die Flasche zu den anderen in den Kofferraum zurück und schlug den Deckel zu. Carlisle nahm mir das mit Blut getränkte Tuch ab, steckte es wie ein Beweisstück in eine durchsichtige Plastiktüte und versiegelte sie. Wir stiegen wieder in das Fahrzeug und fuhren durch die dunkele Nacht die kurvige Strasse entlang.
Die Heimfahrt verging leider viel zu schnell. Noch ehe ich mir Gedanken darüber gemacht hatte, was ich gleich zu ihm sagen würde, kam das Haus in Sichtweite. Eine Sekunde später die Einfahrt und das blaue Garagentor, das sich öffnete. Und schon stand der glänzende Mercedes geparkt neben Emmetts Auto. Fuck! Dad hat jetzt echt auf die Tube gedrückt ... Hoffentlich hat sich seine Laune etwas gebessert, denn falls nicht, dann ...
„Edward! Komm endlich!"
Ich schluckte nervös und starrte durch das Seitenfenster meinen Dad an, der bereits ausgestiegen, seinen Koffer in die Hand genommen und sich auf den Weg zur Zwischentür gemacht hatte. Nein! Seine Laune hat sich nicht gebessert! So langsam wie ich es nur konnte, schnallte ich mich ab, öffnete die Tür und stieg aus. Mein Vater öffnete die Tür und ließ mich an ihm vorbei in das warme Haus treten.
Als wir ins Wohnzimmer kamen, sass mein Bruder Emmett auf dem schwarzen Ledersofa und sah fern. Er stellte den Fernseher ab, nahm die Füße von dem Tisch und stand auf.
„Dad, was machst du hier," fragte er verwirrt. Normalerweise war Carlisle ja jetzt an einem Freitagabend in der Notaufnahme im Krankenaus.
Unser Vater stellte seinen Koffer auf dem Tisch ab und schlüpfte aus seinem Mantel, den er über einen der Stühle warf. Ohne auf die Frage meines Bruders zu antworten, stellte er eine. „Bist du allein oder ist noch jemand hier?"
Emmett brauchte nicht lange um den Hintergrund dieser Frage zu verstehen. Er sah kurz an unserem Dad vorbei auf mich. Hast du Mist gebaut?
Ich beantwortete die in Gedanken gestellte Frage durch ein kaum merkliches Nicken.
Wird es schlimm?
Ich rollte mit den Augen und seufzte. Emmett verstand diese Geste. Ja, es wird schlimm! Carlisle hatte diese kleine Kontaktaufnahme zwischen uns natürlich mitbekommen. Er warf erst Emmett einen Blick zu und dann mir. „Seid ihr jetzt fertig, Jungs?"
Emmett räusperte sich verlegen und der Arzt wiederholte seine Frage. „Ist noch jemand hier, Emmett? Ich werde nicht noch mal fragen!"
„Alice ist oben," antwortete mein Bruder schnell und sah die Treppe hinauf, die in den ersten Stock führte. „Mum ist mit Jasper und Rosalie noch im Kino."
„Okay," seufzte Carlisle, ging in die Küche und zum Kühlschrank. Er öffnete ihn, nahm eine Packung Blut aus einem der Fächer und schloss den Kühlschrank wieder.
Ich sah meinen Bruder etwas verwundert an. „Wieso bist du nicht mitgegangen?"
Emmett kam auf mich zu. „Ich hatte keine Lust, okay," fauchte er. Seine Feindseligkeit irritierte mich jetzt etwas. „Aber wenn ich gewusst hätte, dass du Mist baust und Dad dich gleich-"
Ein scharfes Emmett, das aus der Küche kam, unterbrach ihn sofort und er schluckte. „Sorry, Dad!"
„Entschuldige dich bei Edward," sagte Carlisle, während er wartete, dass die Mikrowelle endlich piepte.
„Entschuldige, Ed," sagte Emmett dann etwas gelassener. Plötzlich grinste mein Bruder. „Was ist passiert? Erzähl schon!"
Dad legte den Beutel Blut auf einen Teller, damit er etwas abkühlen konnte und trat dann aus der Küche wieder ins Wohnzimmer.
„Hol Alice her," befahl er und zog eine Augenbraue nach oben. Mein Bruder stöhnte, doch lief dann die Stufen hinauf um unsere Schwester zu holen. Ich drehte mich zu Carlisle um. „Danke."
„Kein Problem," sagte er seufzend und füllte dann das Blut in seinen Kelch. Während er genüsslich trank, hielt er die ganze Zeit Blickkontakt zu mir.
Ich hörte meine Geschwister die Treppe hinunter kommen. Alice folgte Emmett und war überrascht als sie Carlisle im Wohnzimmer stehen sah, der den Kelch zur Hälfte leer getrunken hatte.
„He, Dad," rief Alice überschwenglich und schlang ihre Arme um den Hals unseres Vaters. Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange und schnüffelte an dem goldenen Kelch herum. „Krieg ich was ab?"
Doch Dad schüttelte den Kopf. „Wie wärs, wenn ihr jagen geht?"
Jeder in diesem Raum wusste, dass das keine Frage, sondern ein Befehl war. Meine kleine Schwester sah erst Dad und dann endlich mich an. Sie grinste breit, als auch sie begriff. „Was hast du angestellt, Edward?"
Ich rollte wieder mit den Augen – diese Familie ist echt schlimm!
Carlisle ergriff das Wort. „Ihr geht jetzt, okay!"
Meine Schwester schluckte, nahm ihre Jacke vom Haken und Emmett zog sich seine weisse Mütze an. Zusammen gingen sie zur Terrassentür und Alice öffnete. Ich sah meine Chance zur Flucht gekommen und reihte mich wie selbstverständlich hinter meinen Geschwistern ein, um ebenfalls das Haus zu verlassen.
Alice sprang als erste in die Bäume und Emmett folgte ihr. Gerade als ich zum Sprung ansetzen wollte, hörte ich ein Knurren hinter mir, das mich in jeder Bewegung stoppte. Langsam setzte ich das Bein wieder auf den Boden zurück, entspannte meine Muskeln und schloss die Terrassentür.
Ein Versuch war es wert ...
Ich biss mir auf die Unterlippe und drehte mich langsam um. Carlisle stand immer noch an der selben Stelle, den Kelch in der Hand und warf mir einen wütenden Blick zu. „In mein Büro! Sofort!"
Mit ihm ist jetzt echt nicht mehr zu spassen ... Ich schluckte und sprintete dann im Eiltempo die Treppe hinauf.
Tbc ...
