Und noch eins!

Und wie immer:

Disclaimer: Dies hier ist eine Übersetzung. Nichts, weder Figuren noch Plot gehören mir.

Hope you'll enjoy it!!!

All you need is love

3. Wo sind deine Manieren?

Glücklicherweise fand Ginny den Waschraum ohne Probleme. Die Tür war angelehnt, sodass Ginny Unterhaltungen und leises Lachen hören konnte. Vorsichtig stieß Ginny die Tür auf und trat ein. Sie hatte erwartet, dass alle mit ihrer Arbeit aufhören und sie anstarren würden, wie die Leute in der Küche, aber zu ihrer großen Erleichterung, beachtete sie niemand an. Sie ging noch einen Schritt weiter und stand ziemlich verlegen im Türrahmen. Sie kaute an ihrer Unterlippe, während sie verzweifelt nach den schwarzen Strubbelhaaren Ausschau hielt. Es waren fast nur Frauen, die hier um große hölzerne Waschtröge standen und die Kleider wuschen. Dampf stieg aus den Wannen auf und im Raum war es sehr heiß – fast so stickig wie es in der Küche gewesen war. Ginny spürte Schweiß auf ihrer Stirn und wünschte, sie hätte Maria nicht erlaubt ihr so viele Kleider anzuziehen. Schließlich blieb ihr Blick an Harry hängen, der einen Stapel Bettlaken zu einem der Tröge trug. Er hatte sie noch nicht bemerkt, weil er auf der anderen Seite des Raumes war. Er lächelte der Frau zu, die das wusch, was er in die Wanne warf und drehte sich um, um aus einem Korb, der an der Wand stand, mehr Schmutzwäsche zu holen. Ginny hob mit den Händen ihre Röcke an, damit sie von dem vielen Wasser auf dem Boden nicht nass wurden und ging dort hinüber, wo er war. Er lies noch einen Packen Tücher ins Becken fallen bevor er sie sah. Seine Augen weiteten sich, als er sie bemerkte, doch er sagte nichts. Er drehte sich zu dem Korb zurück, um den Rest der Laken zu holen. Eine der drei, circa 40 jährigen Frauen, die sich gerade unterhalten hatten, drehte sich zu Ginny um.

„Benötigt Ihr irgendetwas, Eure Majestät?"

Ginny bemerkte nicht so viel offene Abneigung in ihrer Stimme, als bei den Leuten in der Küche, aber vielleicht verbarg die Frau es nur gut vor ihr. „Ich würde gerne einen Moment mit Harry sprechen, wenn ihr ihn kurz entbehren könnt."

Harry lies die letzten Laken in den Trog fallen. Er antwortete ohne aufzusehen. „Ich bin beschäftigt, Majestät," sagte er mit ruhiger, uninteressierter Stimme, „vielleicht später."

Ginnys Kinnlade fiel nach unten, doch sie fing sich schnell wieder und schloss ihren Mund. Alle Hoffnung, dass Harry sie vielleicht erkannte, dass er vielleicht auch aus ihrer Zeit war, war verloren. Aber sie musste trotzdem mit ihm reden, um herauszufinden, warum er sich so verhielt. Warum er ihr gegenüber so abweisend war. Sie war ja die Prinzessin, oder? Sie konnte sie alle herumkommandieren, aber damit würde sie bloß erreichen, dass das Personal sie noch weniger ausstehen konnte. Aber das war es doch, wofür sie bezahlt wurden – der königlichen Familie dienen.

„Bitte," sagte sie so höflich, wie sie nur konnte.

Er hob den Blick, um sie anzusehen und sie sah Ungeduld in den grünen Untiefen. Aber mit einem kleinen Seufzer nickte er langsam.

Ginny zwang sich, die Frauen anzulächeln. „Ich werde ihn gleich wieder zurückbringen," versprach sie und drehte sich um, um zu gehen, Harry hinter ihr.

Als sie außerhalb des Waschraums waren, schloss Ginny die Tür hinter sich. Sie drehte sich zu Harry herum, sah ihn an, doch konnte sie seinen Gesichtsausdruck nicht lesen, aber sie sah offene Verärgerung und vielleicht sogar Hass in seinen Augen. Ginny hatte noch nie gesehen, dass Harry jemanden so angesehen hatte. Aber als sie ihn so sah, zersprang ihr Herz in 1000 Stücke. Oh Gott, was sollte sie ihm bloß sagen? Das, was sie sich vorgenommen hatte zu sagen, vergaß sie auf einmal und sie fühlte sich ziemlich blöd, wie sie da stand und nichts zu sagen hatte.

Harry stand da und wartete eine volle Minute, bevor er schließlich aufseufzte.

„Wenn es nicht so wichtig ist, könntet Ihr dann vielleicht zurückkommen, wenn ich nicht so beschäftigt bin?"

Er drehte sich um, um wieder zurück in den Waschraum zu gehen.

„Nein!" rief Ginny und fasste seinen Arm, bevor sie sich selbst aufhalten konnte. „Geh noch nicht!"

Harry fuhr bei ihrer Berührung zusammen und sprang fast einen halben Meter zurück. Sie schnappte nach Luft und ihre Blicke trafen sich abermals. Seine Augen waren verengt, doch jetzt mischten sich Verlegenheit mit dem Hass von vorher.

„Es tut mir leid," flüsterte sie undeutlich und ihre Hand langte fast automatisch an den smaragdgrünen Anhänger um ihren Hals. „Ich wollte nicht-"

„Wenn Ihr mich jetzt entschuldigen wollt, Majestät," sagte er leise und blickte auf den Boden. „Ich muss noch meine Arbeit erledigen, bevor die königliche Familie Malfoy ankommt. Ich würde gerne rechtzeitig fertig werden."

„Hast du dich nicht gefragt, wieso ich deinen Namen kenne?" sagte Ginny schnell und hoffte, er würde darauf eingehen. Er konnte jetzt noch nicht gehen – es gab noch so viele Sachen, die sie ihn fragen musste. Auch wenn er nicht der Harry war, den sie kannte, wenn sie in ein bekanntes Gesicht sah, fühlte sie sich trotzdem gleich viel sicherer. Er schwieg für einen Augenblick, starrte immer noch auf den Boden. „Nein," sagte er schließlich, „ich weiß sehr wohl, woher Ihr meinen Namen kennt."

Ginnys Mund klappte auf. „Wieso?" flüsterte sie kaum hörbar.

Wieder trafen ihre Augen auf seine, diesmal leuchteten seine in einem grünen Feuer. „Ich muss zu meiner Arbeit zurück," sagte er eisig, „Wenn Ihr mich entschuldigen wollt, Eure Hoheit."

Mit einem letzten Nicken schob er sich an ihr vorbei und verschwand im Waschraum. Ginny versuchte diesmal nicht ihn aufzuhalten. Ihre Kehle verengte sich und sie fühlte Angst in sich hochsteigen. Was war Harry zugestoßen? Er hatte keine Narbe und sein Vater (und so weit sie das beurteilen konnte, auch seine Mutter) waren am Leben – also, warum verhielt er sich so hasserfüllt und abgeneigt?

Dann wurde ihr etwas klar. Er war zu den Frauen im Waschraum sehr wohl freundlich und höflich gewesen. Er war aus irgendeinem Grund auf sie wütend. Etwas, was sie getan hatte, musste ihn dazu gebracht haben, sie besonders zu hassen. Aber sie konnte sich nicht vorstellen, was das gewesen sein konnte. Es war sicher nicht nur, weil sie eine Prinzessin war und er ihr und ihrer Familie dienen musste. Es war etwas Wichtigeres und Schmerzlicheres – das konnte sie aus dem Leid in seinen Augen ablesen.

„Majestät?"

Ginny schreckte leicht zusammen, als sie jemand am Arm berührte. Sie drehte sich um und schaute auf Maria herunter, die fast um 30cm kleiner war, als sie selbst.

„Majestät, hier sind Eure Handschuhe," sagte Maria und gab ihr lange, weiße Handschuhe. „Ihr habt sie am Frühstückstisch liegen lassen."

„Danke," flüsterte Ginny und nahm sie.

„Stimmt etwas nicht?" fragte Maria besorgt, als sie Ginnys Kummer bemerkte.

Ginny drehte sich zu ihr zurück.

„Maria, lebt Lily Potter noch?"

Maria blinzelte, als hätte sie eine solche Frage nicht erwartet. „Meine Liebe," sagte sie leise, „Ihr wisst die Antwort doch."

„Sag es einfach," sagte Ginny bittend, „ich muss es hören."

Maria seufzte laut. „Nein," sagte sie schnell und mit einem scharfen Unterton, „Nein, Lily Potter ist seit einem Jahr tot. Und Ihr wisst es."

Das erklärt alles, dachte Ginny. Aber dann fiel ihr etwas ein. Oh, nein… Nur weil Harrys Mutter tot ist, braucht er mich noch lange nicht zu hassen. Wenn ich nicht…

Ginny versuchte den großen Klumpen in ihrem Hals herunterzuschlucken.

„Sag mir," sagte sie heiser und packte Maria am Oberarm, „sag mir, dass ich sie nicht umgebracht habe!"

Marias Augen weiteten sich und sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf.

„Majestät! Warum sagt Ihr solche Sachen? Ihr wisst, dass Lily Potter tot ist und Ihr sie nicht umgebracht habt. Ende der Diskussion – Prinz Draco und seine Familie werden in ein paar Stunden ankommen. Komm mit, Ihr seht entsetzlich bleich aus, ich schaue, ob ich noch ein bisschen Rouge auf Eure Wangen auftragen kann."

Ginny lies ihren Arm an ihre Seite fallen und gab sich geschlagen. Wenn sie Lily nicht umgebracht hatte, warum war ihr Harry dann so abgeneigt? Irgendwie passte nichts zusammen.

Wenn ich in dieser Welt länger sein werde, dachte Ginny, während sie Maria durch die Hallen folgte, dann muss ich die Antworten finden. Ich muss wissen, warum Harry mich so hasst.

Draco war genervt und ihm war kalt.

In der Kutsche, in der sie fuhren, war es zugig und fast so kalt, wie draußen in der eisigen Luft. Es war eine holperige Fahrt gewesen und einmal waren die Räder so tief in den Schnee gesunken, dass sie für eine ganze Stunde halten mussten. Draco konnte weder seine Finger, noch seine Zehen, noch seine Nase noch spüren. Neben ihm saß Elle, deren Lippen schon entsetzlich blau angelaufen waren. Draco sah sie an und drehte sich dann zu seinem Vater, der ihm gegenüber saß.

„Kann man hier nicht einen Heizer reinstellen?" fragte er und wickelte seinen Mantel fester um sich.

„Heizer?" wiederholte der König. Draco grinste und starrte aus dem Fenster.

„Kann man nicht irgendetwas machen, damit wir hier nicht alle einfrieren?"

„Draco," flüsterte Elle warnend.

Sein Grinsen weitete sich und er blickte noch einmal zu seinem Vater. Der ältere Mann starrte ihn wütend an. Wenn Blicke töten könnten…

Aber schließlich hielten die Pferde an. Draco stieg aus der Kutsche in eine Luft, die nicht viel kälter war, als die in der Kutsche und blickte zu dem Schloss hoch, wo Ginny Weasley leben sollte. Es sah aus, wie auf einer Weihnachtskarte – ein graues Schloss, mit viel Schnee auf dem Dach. Es gab einem den Eindruck, dass es innen sicherlich warm und gemütlich war. An den großen Torflügeln prangte ein großer Weihnachtskranz.

Elle lief durch den knöcheltiefen Schnee zu ihm hinüber. Er sah sie an, ihre blauen Augen waren auf das Schloss gerichtet mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. Dann rannte sie los, bis zum Eingang des Schlosses.

„Isabella," sagte ihr Vater, „komm zurück und gehe mit uns."

Sie ignorierte ihn und haute mit der Faust an eine der großen Doppeltüren. Draco verbarg sein Lächeln und stieg hinter ihr die Treppen hoch, die von mindestens einem Dutzend Ritter flankiert war. Draco stellte sich vor, was passieren würde, wenn ihre Rüstungen einfrieren würden und sie die ganze Treppe hinunter fallen würden, wenn sie versuchten sich zu bewegen. Das belustigte ihn sehr und er musste sich noch mehr anstrengen, sein Lächeln nicht zu zeigen. Nach ungefähr einer Minute wurde die Tür von einem Mann geöffnet, der Draco sehr an den Butler bei sich zu Hause erinnerte. Der große, dünne Mann verbeugte sich und machte eine einladende Handbewegung. Dankbar betrat Draco die große und vor allem warme Eingangshalle. Er machte sich nicht die Mühe, alles genau anzusehen – er kümmerte sich nicht um die Einrichtung. Er musste Ginny finden. Er hatte sie einige Monate nicht mehr gesehen, seit er den Schulabschluss gemacht hatte. Er freute sich nicht darauf, sie zu sehen, aber er wollte wissen, wie seine zukünftige Ehefrau aussah. Natürlich würde er es sicherlich vorher schaffen, in seine eigene Welt zurückzukehren. Jedenfalls hoffte er das.

„Ihre königlichen Hoheiten erwarten Euch," sagte der Butler, „Wenn Ihr mir bitte folgen möget."

Sie gingen, wieder für eine volle Minute, durch die Gänge des Schlosses.

Können sie uns nicht ein bisschen näher beim Eingang erwarten? fragte sich Draco, nachdem er schon lange aufgegeben hatte, sich den Weg zu merken. Schließlich hielten sie alle vor einer großen Tür an. Der Butler stieß sie auf und trat zur Seite. Dracos Herz klopfte vor Erwartung. Er hatte den Verdacht, dass sie alle versuchten, ihn davon abzuhalten, Ginny zu sehen oder auch nur den Raum zu betreten. Als erstes ging der König hinein. Ihm folgte die bewaffnete Eskorte. Danach hüpfte Elle in den Raum und der Rest der Ritter folgten ihr. Zuletzt war Draco dran. Er blickte sich schnell im Zimmer um. Es war ein großer Raum, offenbar eine Art Wohnzimmer, mit zwei altmodischen samtroten Sofas, einander zugewandt, flankiert von großen Lehnsesseln. Das alles stand auf einem dicken und teuren Teppich. Die Wände waren golden gestrichen und von der Decke hing ein kleiner Kronleuchter mit winzigen Kerzen, die nur einen kleinen Teil des Zimmerlichts erzeugten. Die Hauptlichtquelle kam von dem Feuer im Kamin.

Draco achtete nicht auf die beiden Menschen, die anscheinend die Königin und der König von England waren – sein Blick richtete sich genau auf Ginny. Sie saß auf der äußeren Kante eines der Sofas und lehnte sich nicht an. Sie trug ein grünes Kleid mit langem Rock und engem Mieder. Ihre Brust war größer als er gedacht hatte, und ihre Taille schmaler, aber das konnte auch davon kommen, was sie anhatte. Er konnte sehen, dass sie nervöser war, ihn zu sehen, als er es war. Ihre großen braunen Augen starrten ihn an, ihr Blick lief über seinen ganzen Körper und kehrte dann zu seinem Gesicht zurück. Sie sah ein bisschen schmaler aus als sonst, aber ihre Haut war immer noch so rein, wie er sie in Erinnerung hatte. Ihre Fülle an weasleyroten Haaren war hochgesteckt, nur ein paar lose Strähnen hingen um ihr Gesicht. Draco bemerkte, dass ihr Haar, im Gegensatz zu dem ihrer Brüder, gewellt war. Während Ginny und Draco sich gegenseitig betrachteten, hatten ihr Eltern schon die Begrüßungszeremonie hinter sich gebracht. Aber jetzt starrten alle sie beide an, als ob sie darauf warteten, dass sie etwas sagten. Draco grinste und blitzte Ginny an. Er war sich immer noch nicht sicher, ob das die Weasley war, die er kannte… Elle hatte gesagt, dass sie sich beide gegenseitig verachteten, also konnte sie auch aus diesem Grund so verunsichert wirken. Elle stieß Draco mit dem Ellebogen in die Seite.

„Sag Hallo!" zischte sie aus dem Mundwinkel.

„Hallo," sagte Draco gehorsam und ging hinüber zu dem Sofa, wo das Königspaar saß. Die Frau lächelte in freundlich an und hielt ihm ihre Hand hin. Er nahm sie und küsste sie schnell, dann schüttelte er dem Mann die Hand. Widerstrebend drehte er sich zu Ginny um, die auf der anderen Couch saß. Sie sah leicht beunruhigt aus.

„Strecke deine Hand für Draco aus, Ginny," fauchte die Frau, „muss ich dich immer an deine Manieren erinnern?"

Ginny schluckte, streckte jedoch ihre behandschuhte Hand aus. Draco kniete sich, immer noch grinsend, auf einem Knie vor sie hin, um sehen zu können, ob sie ihn erkannte oder nicht. Er nahm ihre Hand und berührte mit den Lippen ihre Fingerknöchel, sah sie dabei jedoch die ganze Zeit über an. Sie schluckte noch einmal nervös und riss ihre Hand zurück, sobald er sie losgelassen hatte.

„Draco, gehe mit Ginny und Isabella auf einen Spaziergang," befahl sein Vater geistesabwesend, „ich denke, du musst von den letzten paar Monaten einiges nachholen."

Dracos Grinsen wurde noch breiter. Er stand auf und bot Ginny seinen Arm an. Sie starrte ihn an, als wäre er eine Schlange, doch dann erhob sie sich langsam und hakte sich vorsichtig bei ihm ein. Sobald sie außerhalb des Zimmers waren, lies Ginny seinen Arm los. Sie sagte nichts, sondern starrte nur auf den Boden, während sie den Gang entlang gingen.

Elle ging rückwärts vor ihnen her, sodass sie die beiden anschauen konnte.

„Wie ging es dir in den letzten Monaten, Ginny?" fragte sie freundlich und hörte sich schon viel älter an als 7 Jahre.

Ginny schrak auf und starrte sie an, als hätte sie sie erst jetzt bemerkt. Dann sah sie zu Draco, als ob sie die beiden verglich.

„Oh… sie ist deine Schwester…"

Da wusste es Draco. Sie war aus seiner Zeit. Sie war keine Prinzessin – sie hatte genauso keine Ahnung, was hier ablief, genau wie er. Er fühlte sich ein wenig erleichtert, dass er in dieser Geschichte nicht alleine war. Aber hätte es nicht jemand anderes sein können… jemand, nur nicht Ginny Weasley? Sogar Harry Potter wäre besser gewesen, weil er ihn nie hätte heiraten müssen.

„Elle," sagte er und grinste sie an, „ihr Name ist Elle."

„Ich weiß," schnappte Ginny. „Ich hab sie erst letzten Monat gesehen." Aber ihr letzter Satz schwankte ein bisschen, als ob sie nicht recht wusste, ob sie damit Recht hatte oder nicht. Draco wandte sich wieder an seine Schwester, die die beiden mit einem seltsamen Blick bedachte. „Elle, würde es dir etwas ausmachen, zurück zu laufen und uns hier einen Moment allein zu lassen?"

Elle lächelte wissend. „Natürlich, Draco," sagte sie, schob sich an ihnen vorbei und rannte den Korridor zurück. Sie beobachteten beide, wie sie um die Ecke verschwand und außer Sicht war. Er drehte sich zurück zu Ginny, die jetzt, da sie allein mit ihm war, noch nervöser schien. Sie war sich anscheinend immer noch nicht sicher, ob er sie erkannt hatte oder nicht.

Toll, und was soll ich jetzt sagen?

Er runzelte die Stirn. Ginny räusperte sich verlegen und begann ihre Fingernägel zu betrachten. Ihre Unsicherheit belustigte ihn fast.

„Also?" fragte sie schließlich, „wollen wir hier den ganzen Tag stehen?"

Draco schaffte es sogar etwas Intelligentes zu sagen. „Ich dachte, du wolltest das vielleicht, weil du noch nie in deinem ganzen Leben eine solche Schönheit gesehen hast, Weasley."

Ihre dunklen Augen weiteten sich, als sie ihn anstarrte. Dann verengte sie sie und verschränkte die Arme unter der Brust. „Toll," sagte sie sarkastisch, „von allen Leuten von dieser Welt musste es natürlich genau du sein, der noch genauso ist wie ich."

„Ich bin auch erfreut dich zu sehen, Weasley," sagte er gedehnt. Wieder gab es eine Pause, als sie sich gegenseitig niederstarrten.

„Schaust… gut aus," sagte Ginny und wand sich, als wäre es eine Sünde, ihm ein Kompliment zu machen.

„Du nicht," log er und zuckte mit den Schultern, „und was sollen wir jetzt machen?"

Sie seufzte und wischte sich mit der Hand über die Stirn. „Wir sollten rausfinden, wie wir wieder in unsere Zeit zurückkommen können. Und das am Besten in den nächsten 20 Tagen."

Er grinste. „Was? Weasley, du willst mich etwa nicht heiraten?"

Sie sah entsetzt aus und lies ihre Arme an die Seiten fallen. „Du willst mich doch auch nicht heiraten, oder?" fragte sie schrill.

„Stimmt auch wieder. Hast du dir schon überlegt, wie man zurückkommen könnte?"

„Ich hab keine Ahnung," sagte sie. Doch dann sah sie schnell auf, „Hast du deinen Zauberstab?"

Er schnaubte. „Wenn ich ihn hätte, wäre ich wohl kaum hier."

Sie sah bestürzt drein. „Super," sagte sie, „also sitzen wir hier beide fest und müssen uns wie Muggel aufführen."

„Das ist doch sicher eine Verbesserung für dich, oder?" sagte er sanft, „Ich wette, du bist in Ohnmacht gefallen, als du in diesem Schloss aufgewacht bist. Ich meine, wenn du diesen Vorhang verkaufen würdest- er ging hinüber zum Fenster und befühlte mit einer Hand den dicken kastanienbraunen Vorhang „-könntest du deine Familie für einen Monat ernähren…"

Sie starrte ihn wütend an. „Ich glaube, dass es auch für dich eine Veränderung war, oder?" zischte sie, „hier gibt es wirklich jemanden, der dich mag. Schon blöd, dass deine Schwester dich nicht so gut kennt, wie ich dich kenne."

„Du kennst mich nicht," fauchte er und ließ augenblicklich den Vorhang los. Sie hatte einen empfindlichen Nerv getroffen. „Außerdem sehe ich auch keinen von deinen beknackten Brüder hier rumlaufen, oder?"

„Was hat das jetzt damit zu tun?"

„Du bist sauer, weil ich Geschwister hab und du nicht," sagte er knapp.

Sie verschränkte ihre Arme wieder und verdrehte die Augen.

„Wow, du durchschaust mich wirklich perfekt, Malfoy," sagte sie, „ich bin natürlich auf dich aufgeblasenen Gesichtskrapfen neidisch, weil…"

„Ich hab nie gesagt, dass du neidisch bist," antwortete er kühl, „können wir jetzt weitergehen und aufhören uns zu kabbeln wie Fünfjährige?"

„Seit wann kümmert es dich, ob du dich kindisch aufführst?" fragte sie herausfordernd, „ich hab aufgehört zu zählen, wie oft du dich mit meinem Bruder in Hogwarts gestritten hast…"

Sie wurde noch einmal unterbrochen, aber diesmal, weil sich jemand hinter ihnen laut räusperte. Ginny fuhr herum und sah Harry, der am Ende der Halle stand, mit den Händen hinter dem Rücken verschränkt.

„Potter?" rief Draco ungläubig, „Potter ist hier?" Er warf Ginny einen Blick zu und seine Augen funkelten vor Erwartung.

„Hoheit, bitte entschuldigt die Unterbrechung," sagte er, doch blickte sie nicht an, „doch Eure Eltern fordern Eure Anwesenheit im Speisezimmer."

Dracos Blick schoss von ihm zu Ginny. „Er ist ein Diener?" flüsterte er.

Ginny nickte hilflos, doch versuchte ihn am Arm zu packen, als er vortrat. Aber sie bekam nur ein Stück seines Mantels zu fassen, das ihren Fingern entglitt. Draco ging zu Harry, der ihn nicht ansah. Sein Gesicht war wie versteinert, als Draco seine Stirn genauer in Augenschein nahm.

„Was, keine Narbe, Potter?" fragte er grinsend, „Ich wette, du bist hier nicht der große und mächtige Retter der Welt, oder?"

„Malfoy, hör auf," befahl Ginny, „er weiß nicht von was du redest."

Draco drehte sich zu ihr um, eine Augenbraue gehoben. „Wie kommt es, dass nur wir beide in der falschen Zeit sind?"

„Shh," schnappte sie, „sag nichts."

Draco drehte sich zu Harry zurück, ein gemeines Grinsen auf den Lippen. „Er wird es niemandem sagen," sagte er zuversichtlich, „Er ist nur ein Diener."

Harry spannte den Mund an, aber sonst blieb er vollkommen ruhig.

„Lass es," sagte Ginny, um ihn zu verteidigen.

„Wenn er keine Narbe hat," sagte Draco und musterte Harry genau, „…heißt das dann, dass deine Eltern noch leben?"

Es gab eine plötzliche Bewegung, als Harry Draco gegen die Wand drückte und ihn noch viel verhasster ansah, als er es bei Ginny getan hatte. Ginny kreischte auf. Draco schien überrascht, doch gelassen. Er machte keine Anstalten, sich selbst zu befreien. Ginny eilte zu ihnen hinüber. Sie zögerte damit, Harry von Draco wegzuziehen, weil sie vorhin bemerkt hatte, wie er auf ihre Berührung reagierte. Und weil Draco die Lage, in der er sich befand, sehr wohl verdient hatte.

„Harry, lass ihn los," sagte sie sanft. Sein Gesicht, das sich aus Wut verzogen hatte, entspannte sich, doch seine Augen loderten immer noch. Langsam lies er Dracos Robe, die er gepackt hatte, los und trat einen Schritt zurück. Dann blickte er auf den Boden, drehte sich weg und lief mit schnellen Schritten den Korridor hinunter.

„Der König wird davon hören," rief Draco ihm nach. Harry gab keine Anzeichen, dass er ihn gehört hatte; er verschwand um die Ecke, ohne zurückzublicken oder etwas zu sagen.

Ginny starrte Draco wütend an und stemmte die Hände in die Hüften. „Malfoy, das war völlig unnötig. Ich kann nicht glauben, dass du das getan hast."

Er kicherte. „Er ist ein Diener, Weasley… Soll ich so etwas einfach zulassen?"

„Ach ja, ich vergaß," sagte sie und ihre Stimme triefte vor Sarkasmus, „Dein Lebensinhalt ist es ja, Harry Potter zu ärgern, oder?"

„Und deine Familie," fügte er mit schmierigem Grinsen hinzu. Ihre Hand zuckte, als wollte sie ihm eine runterhauen, doch sie ballte sie nur an ihrer Seite zur Faust. Dann drehte sie sich mit wehendem Rock um und verschwand in die Richtung, wo Harry hingegangen war.

„Ich hoffe doch, du weißt wie man zum Speisezimmer kommt," sagte Draco und eilte ihr hinterher.

„Ja, aber da gehen wir nicht hin."

„Wohin dann?"

„In die Kerker."

Er brauchte ganze zehn Sekunden bis er verstand, dass sie einen Witz gemacht hatte. Sie blickte über die Schulter zu ihm zurück und brach in schallendes Lachen aus, als sie seinen geschockten Gesichtsausdruck sah.

„Eigentlich hättest du ja wirklich die Kerker verdient," sagte Ginny, nachdem sie sich wieder gesammelt hatte, „was du mit Harry gemacht hast, war…"

„Also sind seine Eltern in dieser Welt auch tot?" unterbrach Draco sie, „wie sind sie gestorben, wenn es den Schwarzen Lord gar nicht gibt."

Sie schwieg für einen Moment. „Wir wissen gar nicht, ob es einen gibt oder nicht," sagte sie, „nach allem was wir wissen, hat er immer noch Macht hier."

In Harrys 7. Schuljahr hatte Harry ihn endlich besiegt. In der Zaubererwelt ging es wieder normal zu und niemand fürchtete sich mehr vor irgendetwas.

„Ich will wissen, ob seine Eltern gestorben sind," fauchte Draco ärgerlich.

„Sein Vater lebt noch," antwortete Ginny, „seine Mutter ist tot."

„Oh, armer Potter," bemerkte Draco spöttisch.

Ginny presste die Lippen zusammen, doch sagte nichts. Sie musste sich konzentrieren, um den Weg zum Speisesaal zu finden. Sie war sich nicht absolut im Klaren, wo er war. Als sie schon befürchtet hatte, sie hätte sich verlaufen, fand sie sich schließlich vor der Tür wieder, die sie gesucht hatte. Ginnys Eltern, Dracos Vater und Elle saßen schon alle und warteten auf sie. Sie sahen auf, als die beiden eintraten. Ginny war sich nicht sicher, wo sie sich hinsetzen sollte, doch Draco schob sich gleich entschlossen an ihr vorbei und nahm neben seiner Schwester Platz. Verlegen trat Ginny vor und lies sich vorsichtig neben ihrer Mutter und gegenüber von Elle nieder. Ihr Vater saß am Tischende des schrecklich langen Tisches, wie er es auch beim Frühstück getan hatte und Dracos Vater saß rechts von ihm.

Da wurde Ginny plötzlich klar, dass sie die Namen ihrer Eltern gar nicht wusste, und noch weniger den ihres zukünftigen Stiefvaters. Sie hoffte inständig, dass sie nie in eine Gelegenheit kommen würde, wo sie sie beim Namen rufen müsste und lud sich Essen auf den Teller. Die zwei älteren Herren diskutierten die neuesten Entdeckungen in Amerika, während alle anderen schweigend aßen. Ginny wollte öfters etwas dazu sagen, doch immer wenn sie den Mund öffnete, sah Draco sie über den Tisch warnend an. Ihr Gefühl sagte ihr, dass sie ihn ignorieren und trotzdem reden sollte, doch dann verstand sie, dass es für Frauen nicht höflich war, ihre Meinung zu sagen. Frustriert stopfte sie sich das Essen in den Mund, um sich davon abzuhalten, etwas zu sagen. Schließlich kamen sie in der Unterhaltung auf die Heirat um Weihnachten zu sprechen und Ginny schaltete ab. Sie wollte über das nichts hören… und außerdem hoffte sie, dass sie, wenn alles klappte, um diese Zeit schon wieder in ihrer normalen Welt zu sein. Sie erwartete fast, dass sie am nächsten Morgen wieder in Hogwarts aufwachen würde. Dieser Gedanke gefiel ihr und ohne ihn wäre sie wahrscheinlich durchgedreht. Sie konnte sich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen mit Draco Malfoy verheiratet zu sein… das hier musste irgendetwas furchtbar abgedrehtes sein, was aber bloß einen Tag dauerte.

Oder?, fragte sie sich unsicher.

„… das ist es, was du denkst, oder Ginny?"

Ginny erstickte fast an dem Stück Fleisch, das sie gerade essen wollte. Sie hustete laut und spuckte das halbzerkaute Stück wieder auf ihren Teller. Als sie wieder aufsah, starrten sie alle wie versteinert an, sogar das Küchenmädchen, das gerade mehr Speisen hereinbrachte.

„Wo sind deine Manieren?" zischte ihre Mutter und lächelte Dracos Vater über den Tisch freundlich an. „Ihr müsst sie entschuldigen… sie verhält sich schon den ganzen Tag so komisch…"

Draco schnaubte, doch nur Ginny bemerkte es. Sie warf ihm einen Todesblick zu und wandte sich wieder ihrem Teller zu.

„Verzeiht," sagte sie leise.

Dracos Vater sah sie verständnislos an, doch sagte, „Natürlich. Nun, zurück zur Heirat. Robert, das Schloss in Wales ist beinahe fertig. Warum in aller Welt wollt Ihr hier noch eins bauen?"

Mein Vater heißt Robert, dachte sie und machte sich eine gedankliche Notiz.

Ginnys Mutter fing an zu reden, ihre Stimme war ruhig und überzeugend.

„Ginny hat mir vor einiger Zeit gesagt, dass sie es vorziehen würde in England zu leben, um in unserer Nähe zu sein, falls es einen Notfall gäbe… das war es, was ich vorhin sagen wollte." Dracos Vater wandte sich an Ginny. „Ist es nicht egal, wo du lebst?" fragte er scharf, „wir hätten sehr viel Geld verloren, wenn wir dieses verdammte Schloss ganz umsonst gebaut hätten…"

„Warum fragt Ihr nicht Draco, Edward?" schlug Robert vor.

„Was hat es mit mir zu tun?" fragte Draco mit gedehnter Stimme.

„Weil," schnappte sein Vater Edward grimmig, „du dort auch leben wirst."

Da verstand Ginny über was sie redeten – das Schloss, wo sie und Draco zusammen leben würden, wenn sie geheiratet hätten. Sie erschauerte, als sie daran dachte mit ihm alleine zu leben.

„Es ist mir egal," sagte Draco gelangweilt, „was auch immer du das Beste findest, Vater." Er übertrieb das Wort Vater so leicht, dass nur Ginny es hören konnte. Als sie ihm in die Augen sah, konnte sie überraschend Belustigung darin entdecken.

„Ich denke immer noch, dass es das Beste wäre hier zu bauen…" fing Robert wieder an und Ginny sperrte wieder seine Stimme aus ihren Gedanken aus.

Sie aß kaum noch etwas, weil ihr Magen sich die ganze Zeit zusammenzog und zwickte. Sie schob es lediglich auf ihrem Teller hin und her und als sie Draco blickte, sah sie, dass er dasselbe machte.

„… und wie wunderbar die Enkelkinder sein werden. Ginny und ich haben darüber schon geredet, nicht wahr?" sagte Ginnys Mutter.

Beim Klang ihres Namens sah sie auf. „Hä?" fragte sie dümmlich, „Enkelkinder?"

Ihre Mutter blitzte sie genervt an und fragte sich wahrscheinlich schon wieder innerlich, wo ihre Manieren geblieben waren.

„Natürlich müsst ihr einen Thronfolger zeugen!" sagte Robert und lachte in einer Weise, als schien das offensichtlich. „Und ich muss sagen, dass ich schon gerne einen Enkelsohn hätte, bevor ich sterbe."

Ginny war übel und sie versuchte vergeblich den Kloß in ihrem Hals hinunterzuschlucken. Sie sah hinüber zu Draco, der die Stirn gerunzelt hatte und leicht alarmiert aussah.

Heiraten ist ja nicht genug, dachte sie, aber jetzt wollen sie auch noch, dass wir Kinder haben?

„Natürlich braucht alles seine Zeit," sagte Edward abschließend, „Nun aber, wir sollten uns über diese verdammten Einheimischen in Schottland unterhalten…"

Ginny atmete hörbar aus; sie war dankbar für den Themenwechsel. Sie schloss kurz die Augen.

Bitte, betete sie, bitte lass mich morgen wieder in Hogwarts aufwachen. Ich kann keinen Malfoy heiraten… Ich kann keine Kinder mit ihm haben… Ich bin erst siebzehn und ich will nur jemanden heiraten, den ich liebe…

Als sie ihre Augen wieder öffnete, bemerkte sie, dass Draco sie mit einem unlesbaren Ausdruck auf dem Gesicht anstarrte. Dann grinste er sie gehässig an, verschränkte die Arme und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

Und ich werde Draco Malfoy nie lieben.

XXX

Please let me know what you think!

At nachtschatten: Kann sein, dass ich mit den Chapters noch a bissl brauch, weil des sechste relativ lang ist… und noch mal DANKE fürs betalesen!!!!

At Nannachen: Ja, is ne absolut geniale Story!!

At Jenni: Kannst ja sagen, dass es eine super Idee von mir war, sie zu übersetze.! XD

At Sunnylein: Weil du so lieb reviewt hast, deswegen!!! XD

At Lara-Lynx: Das wirst du schon noch rausfinden, was mit Lily Potter passiert ist… evilgrin

At Tess Granger: Ich hoffe auch, dass meine Übersetzung einigermaßen an das Original rankommt! Stimmt, es ist wirklich sehr kalt! Mach dir warme Gedanken!! XD XD

At D.V.G.M.1: So, jetzt hamse sich getroffen, und wie fandst es??

XX

Soo, und wie immer:

Wenn jemand noch einen Review während dem Hochladen von diesem Chap geschrieben hat, dann wird er/sie im nächsten Chap erwähnt!!!