2. Kapitel: Die Regeln
Regeln muss man genau studieren, damit man weiß, wie man sie richtig brechen kann. – Nach dem Dalai Lama
Sirius verließ durch diese Türe offensichtlich nicht nur die Jenseitige Schutzabteilung, sondern gleich die gesamte Zuweisungsstelle für jenseitige Dienste. Das war ihm nur recht. Er hatte genug weiß für den Rest seiner Existenz (in welcher Form auch immer) gesehen.
Er befand sich nun in einer Art Garten. Überall um ihn herum war grüne Natur; es gab einige Bänke und Tische aus Holz oder Stein, die vereinzelt herumstanden, einen kleinen See auf dem Enten schwammen, Schmetterlinge, die durch die Luft flatterten und die Sonne schien auf all das herab.
Das ist schon mehr wie ich mir das Leben nach dem Tod vorstelle. … Ich wünschte nur, ich wäre nicht tot!
„Hallo."
Sirius wandte sich zu dem Sprecher um. Er sah einen ihm fremden Mann zwischen 20 und 30 vor sich stehen, der ihn anlächelte.
„Du musst Sirius Black sein", stellte der Mann fest, „Ich bin Jack. Ich bin wie du ein Schutzengel. Und dein Coach. Ich werde dir erklären, was deine Aufgaben sind und wie die Regeln aussehen."
„Hallo", erwiderte Sirius nur. Er hatte sich noch nie gerne an Regeln gehalten und war überzeugt, dass er das wahrscheinlich auch gar nicht konnte, aber er verzichtete darauf diesen Jack das an die Nase zu binden.
Ob ich, wenn ich Snapes Schutzengel bin, eine Gelegenheit habe Remus und Harry wieder zusehen? Müsste ich eigentlich. Snape ist im Orden und unterrichtet an Hogwarts. Vielleicht ist er ja deswegen, das was „ich brauche"…
„Lass uns ein Stück gehen", meinte Jack. Sirius nickte. Sie gingen einen kleinen Spazierweg entlang. Zuerst herrschte Schweigen vor.
„Nun", meinte Jack dann, „Deine Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass deinem Schützling nichts gröberes zustößt, wenn es sich vermeiden lässt und, dass er nicht vom rechten Weg abkommt, wenn du verstehst, was ich meine."
Bei Snape heißt das: keine Morde, keine Folter oder sonstige böse Dinge im Auftrag des Dunklen Lords. „Klar", meinte er.
„Ja. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, musst du dich ab und zu auf die Erde begeben. Das Portal ist dort drüben", Jack deutete über seine rechte Schulter.
Sirius drehte sich überrascht um und sah einen Schleier, der zwischen ein paar Büschen schwebte.
„Du musst einfach nur hindurch gehen, dann landest du dort, wo auch immer dein Schützling gerade ist. Danach kannst du dich frei auf Erden bewegen." Das heißt ich kann Moony besuchen. Und Harry.
Jack hatte eine Pause eingelegt und schien nachzudenken, was er als nächstes sagen sollte. „Es ist uns bis zu einem gewissen Grad möglich mit der irdischen Welt zu interagieren", erklärte er dann, „Wir befinden uns nicht auf der gleichen Ebene wie die irdische Welt, deswegen sind wir nicht mehr wirklich dort, wenn wir dort sind, verstehst du? Wir können Dinge anfassen, aber dazu müssen wir uns konzentrieren. Wir können nichts mehr essen oder trinken. Die Menschen sehen uns nicht. Du wirst nur von Menschen gesehen werde, die zuvor gerade intensiv an dich gedacht haben. Trotzdem hast du ein paar andere Möglichkeiten mit deinem Schützling in Kontakt zu treten. Wenn er schläft, kannst du auf sein Unterbewusstsein wirken. Oder du kannst ihn in seinen Träumen besuchen. Dort wird er dich sehen. … Du kannst ihn zum Beispiel dazu bringen an dich zu denken, so dass du ihm dann erscheinen kannst, aber sag niemanden, dass ich dir diesen Rat gegeben habe, das wird hier eigentlich nicht gerne gesehen."
Sirius nickte schnell.
„Wenn du auf Erden bist, wirst du ab und zu vielleicht andere Schutzengel treffen", nahm Jack den Faden wieder auf, „Du darfst zu ihnen Kontakt aufnehmen und auch mit ihnen zusammenarbeiten, aber du darfst nicht gegen sie arbeiten."
Jetzt kommt's.
„Das bringt mich gleich zu den anderen Dingen, die verboten sind. Du darfst dich nur auf die Erde begeben um dich um deinen Schützling zu kümmern. Wenn du auf Erden bist, darfst du dich nicht zu lange Zeit von ihm entfernen. Nach vier Tagen kehrst du automatisch hierher zurück. Was schwer geahndet wird, ist auch nur der Versuch deinem Schützling physisches Leid zuzufügen. Auch andere Menschen darfst du nicht verletzten. Und du musst deinen Schützling seine Entscheidungen selbst treffen lassen, du darfst sie nicht für ihn treffen. Deine Funktion ist beratend, nicht bestimmend", erklärte Jack, „Du musst ihn seinen Weg selbst wählen lassen, egal wie sehr dir dieser missfällt."
Und das, wenn Snape mein Schützling ist? Das kann ja was werden…
„Wenn du nicht gerade auf der Erde bist, wirst du deine Zeit hier verbringen. Auch die anderen Schutzengel halten sich hier auf. Das hier ist unser kulturelles Zentrum wenn du so willst. Wir haben hier auch Genussmittel und Schlafkojen. Auf der Erde können wir auch nicht schlafen. Aber hier können wir schlafen, essen und trinken. Wir müssen alle vier Tage schlafen. Deswegen auch die Frist, was den Aufenthalt auf der Erde angeht. Ich rate dir sie einzuhalten. Es kann sehr unangenehme Folgen haben, wenn man sich nicht an sie hält. Halte dich an alle Regeln. Auch wenn du meinst es würde dir schwer fallen", schloss Jack, „Wenn du an all das, was ich dir gesagt habe, denkst, dann wirst du keine Schwierigkeiten haben dich einzuleben und deinen Job zu erfüllen."
Das sagst du.
Sirius brachte ein Lächeln zu Stande. „Danke, Jack. Ich werde mir alles, was du mir gesagt hast zu Herzen nehmen", versprach er, „Und nie länger als vier Tage wegbleiben."
Jack nickte. „Gut, und wenn du irgendwelche Probleme haben solltest oder Fragen hast, kannst du dich jederzeit an mich wenden", meinte er, „Ich bin meistens hier zu finden. Mein Schützling kommt inzwischen ganz gut auch ohne meine Hilfe zurecht."
„Das werde ich tun", meinte Sirius.
„Wenn du willst, dann kann ich dir jetzt die Schlafkojen zeigen und….", begann Jack.
„Nein, das ist nicht nötig, Jack. Ich meine, ich würde gerne gleich anfangen. Auf die Erde gehen und nach meinem Schützling sehen, weißt du?", unterbrach ihn Sirius und versuchte möglichst unschuldig auszusehen.
Jack betrachtete ihn stirnrunzelnd. „Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist? Du bist gerade erst angekommen und hast dich vielleicht noch nicht mit deiner neuen Situation abgefunden. Du solltest lieber noch warten bis du dich daran gewöhnt hast…"
„Aber ich habe mich damit abgefunden", widersprach Sirius schnell, „Ich bin tot und ein Schutzengel. Ich schlafe alle vier Tage mal und kann nur hier was essen. Siehst du, ich hab mich daran gewöhnt."
Jack wirkte nicht unbedingt überzeugt. „Hör mal, Sirius, es ist normal, dass du zurück auf die Erde willst um zu sehen, was aus denen, die dir nahe stehen, geworden ist, aber das ist gar nicht so leicht. Denk an das, was ich dir gesagt habe. Du erscheinst in der Nähe deines Schützlings. Und du kannst nicht mit deiner Umwelt interagieren. Du solltest nicht…"
„Das weiß ich doch alles", beruhigte Sirius ihn, „Und ich habe auch nicht vor es zu vergessen. Außerdem bin ich überzeugt, dass mein Schützling jede Hilfe so schnell wie möglich brauchen kann. Ich werde nichts Verbotenes tun. Versprochen."
Jack seufzte. „Es kann sehr schmerzhaft für dich werden, wenn du unvorbereitet hinunter gehst", sagte er.
„Ich bin vorbereitet. Wirklich." Sirius setzte seinen überzeugendsten Hundeblick auf.
Jack seufzte erneut, und gab dann aber nach. „Also gut. Du wirst wissen, was du tust…"
„Danke!" Sirius strahlte und rannte dann auf den Schleier zu.
Dort angekommen blieb er stehen und starrte hindurch. Er meinte dahinter Schemen zu erkennen, aber er war sich nicht sicher. Plötzlich beschlichen ihn Zweifel. Vielleicht war er wirklich noch nicht bereit um auf die Erde zurückzukehren. Aber er musste einfach herausfinden, ob es Remus, Harry und all den anderen gut ging.
Er atmete tief durch (und fragte sich gleich darauf, ob er nun, da er tot war, überhaupt noch atmen musste) und durchschritt den Schleier.
A/N: Das war das vorerst letzte Expositions-Kapitel. Im nächsten Kapitel treten einige alte Bekannte aus den Büchern wieder auf und Sirius versucht seinen Plan durchzuführen.
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