°Kapitel 03

-Übungen in Zauberei-

Zwei Tage war ich nun schon im Tropfenden Kessel. Die Weasleys wuchsen mir richtig ans Herz, auch wenn Fred und George nur dummes Zeug im Kopf hatten. Aus denen würde doch nie etwas vernünftiges werden. Doch die beiden hatten schon große Pläne, wie sie heute Morgen lauthals verkündeten:

„Mom, wir machen nach unserem Abschluss einen Scherzartikelladen auf!" Mrs Weasley sah verdutzt drein, besann sich dann aber und sagte nichts. Ich verdrehte die Augen und grinste.

„Ja klar, als ob das klappen würde.", meinte Ginny und mein Grinsen wurde breiter.

„Das klappt, du wirst schon sehen." Fred blitzte sie an.

„Und mit dem Geld? Wie macht ihr das?", fragte ich mit einem Mund voller Brotkrümel weiter.

„Ach, Stella. Du siehst das alles viel zu pessimistisch. Wir kriegen das hin. Und dann wirst du staunen und uns anflehen dir zu verzeihen…", fing George an.

„…und weil wir so gütig sind tun wir das dann und du bist uns überaus dankbar und erfüllst uns jeden Wunsch.", vollendete Fred und klatschte in die Hand von George ein.

„Wovon träumt ihr eigentlich nachts?"
„Na davon." Die beiden grinsten und luden sich ihre Teller ebenfalls voll. Mrs Weasley ließ ein „Hmpf!" vernehmen und Ginny prustete los.

„Na dann könnt ihr lange träumen. Stella würde euch nie um Verzeihung bitten." Ron kam herein und nickte in die Runde.
„Genug. Sollen die beiden träumen." Ich sah Mrs Weasley an, dass sie befürchtete, dass ein Streit ausbrechen würde, wenn es so weitergehen würde.

„Was machen wir denn heute?", fragte Ginny.

„Ich treffe mich nachher noch mit Dumbledore. Er will mir noch letzte Tipps für das neue Schuljahr geben.", fügte ich rasch letzeren Teil hinzu, als Ginny schon zu einer unangenehmen Frage ansetzte, die ich auf keinen Fall jetzt beantworten wollte.

„Für euch beiden muss ich noch die Bücher kaufen und Rons Umhang muss unbedingt verlängert werden.", erklärter Mrs Weasley. Ginny sah genervt aus.

„Mom, kann ich nicht mit Stella zu Dumbledore? Vielleicht kann ich noch etwas hinzufügen. An Tipps, meine ich." Sie sah mich an und ich zuckte mit den Schultern. Doch Mrs Weasley schüttelte den Kopf.

„Nein, du kannst deine Bücher ruhig selber schleppen. Schließlich willst du nach Hogwarts, oder etwa nicht? Außerdem bin ich sicher, dass Dumbledore Stella unter vier Augen sprechen möchte." Ginny schmollte, diskutierte jedoch nicht. Sie hatte sowieso keine Chance. Und irgendwie hat Mrs Weasley ja Recht.

Ich sah Dumbledore schon von weitem. Mit seinem Umhang fiel er sofort auf. Auch hatte sich eine Menschenmasse um ihn versammelt. Na toll und ich darf da jetzt durch Das kann ja was werden. Ich seufzte und drehte mich zu den Weasleys um.

„Da vorne ist er. Wir sehen uns beim Abendessen." Molly nickte und Ginny flüsterte mir zu:

„Wie willst du da denn durchkommen?"

„Ich weiß es noch nicht, aber es muss gehen." Ich umarmte sie kurz und ging dann hinüber zu der Traube bestehend aus Menschen. Als Dumbledore mich sah, hob er die Hand und prompt drehten sich alle Gesichter zu mir. Ich winkte zurück und Dumbledore kam mit schnellen Schritten auf mich zu.

„Hallo Stella. Wie geht es dir?" Er legte seine Hand auf meine Schulter und führte mich weg von der immer näher rückenden Menschenmasse.

„Ganz gut. Die Weasleys sind sehr nett zu mir und ich habe alles für das neue Schuljahr zusammen. Und bei dir? Macht Peeves wieder Ärger?", fragte ich und er lächelte.

„Ach, du weißt ja. Peeves macht immer Ärger. Und die Arbeit wird auch nicht weniger. Cornelius schickt mir Eulen, um das weitere Vorgehen wegen Black zu besprechen."

„Sprich du organisierst es und er führt es aus.", schloss ich und erntete einen bösen Blick.

„Nana Stella. Cornelius macht auch etwas. Schließlich ist er Minister." Ich schnaubte.

„Aber du wärst ein viel besserer Minister."

„Danke dir. Aber ich fühle mich in Hogwarts wohler. Außerdem hätte ich dann noch mehr zu tun." Eine Weile gingen wir schweigend nebeneinander her. Es war angenehm. Ich genoss die Nähe von Dumbledore.

„Du hast einen Umhang gefunden. Er steht dir.", sagte Dumbledore schließlich. „Aber denkst du, es ist der richtige für den Anfang?" Ich sah ihn erstaunt an.

„Der andere sah aus, wie eine zweite Schicht Kleidung. Außerdem kann ich damit kämpfen. Wir haben es im Laden probiert -nur die Bewegungen natürlich-. Es geht wunderbar. Und er sieht perfekt aus."

„Wenn du meinst. Ich habe uns einen Raum im Pub reservieren lassen. Ich möchte dir dort die einfachsten Zauber beibringen. Ich hoffe, das ist dir Recht. Dann startest du nicht völlig unerfahren in das Schuljahr." Ich nickte. Manche Zauber kannte ich bereits, wie [i]Expelliarmus[/i] oder [i]Wingardium Leviosa[/i].

„Klar ist mir das Recht. In Zaubertränke und Geschichte der Zauberei wirst du mir vorerst nichts beibringen, oder?" Albus schüttelte den Kopf.

„Nein, leider fehlen uns dazu die Zeit und die Utensilien. Allerdings, wenn du so begabt bist wie dein Vater sollte Zaubertränke kein Problem darstellen. Und Geschichte der Zauberei. Ich denke du wirst dort sehr schnell reinkommen." Er wirkte bei dem letzten Satz amüsiert. Doch bei den Worten „Dein Vater" horchte ich auf. Selten erwähnte Dumbledore meinen Vater.

„Wer ist denn mein Vater? War er begabt in der Schule?", fragte ich drauflos, in der Hoffnung ich würde dieses Mal eine Antwort bekommen. Doch ich irrte.

„Es ist noch nicht die Zeit dafür. Aber ja, dein Vater war sehr begabt in der Zauberei.", antwortete er und ich schnaubte verärgert.

„Dann beantworte mir wenigstens eine Frage: Sehe ich aus, wie er?" Auf diese Frage war Albus nicht bereit gewesen, das sah ich ihm an.

„Nun denn, die Frage kann ich dir beantworten. Du siehst nicht aus wie er. Dein ganzes Aussehen richtet sich nach deiner Mutter. Aber du solltest nicht vergessen, dass auch deine Mutter sehr begabt war." Ich nickte. Also konnte ich theoretisch nur begabt sein. Wenn man der Wissenschaft der Genetik Glauben schenkte. Aber Wissenschaft erklärte auch, dass Zauberei nicht existierte. Da waren die Leute im Mittelalter schlauer, die wussten, dass wir existierten. Aber wir wurden verbrannt. Die Zauberei hat echt keine schöne Geschichte. Und vor dreizehn Jahren hatte irgend so ein irrer Zauberer meine Mutter ermordet. Dumbledore hat mir zwar erzählt, dass er nicht mehr existiert. Nur noch ein Abbruch seiner früheren Kraft existiert noch. Doch ich habe das komische Gefühl, dass er wiederkommen wird. Und wenn es so weit ist, dann werde auch ich bereit sein. Er soll mir gefälligst erklären, warum er meine Mutter getötet hat.

„Nun denn, ich werde dir den Protego-Zauber nahebringen. Weißt du, was er bewirkt?" Natürlich wusste ich es. Ich habe etliche Bücher gelesen, um möglichst viele Zauber im Gedächtnis zu haben.

„Ein Schutzzauber. Er wehrt andere Zauber ab, wirkt jedoch nicht bei den unverzeihlichen Flüchen." Albus nickte.

„Also gut, mach es mir nach." Er holte seinen Zauberstab heraus und wedelte damit einmal im Halbkreis, bevor er sagte: „Protego". Ich hatte mir jede seiner Bewegungen eingeprägt und versuchte es nun selbst einmal. Ich sammelte und konzentrierte mich, dann machte ich dieselben Bewegungen. Ich spürte, wie Kraft durch meinen Zauberstab floss und sich draußen vereinigte und einen kleinen Schutzschild bildete.

„Sehr gut. Ich werde einen Zauber anwenden und du versuchst ihn abzuwehren." Dumbledore machte es mir nicht leicht. Er verriet nicht welchen Zauber und auch seine Lippen bewegten sich nicht. Ich hatte keine Ahnung wann es soweit war. Erst als mir mein Zauberstab entglitt begriff ich, dass ich schon längst hätte reagieren müssen.

„Nochmal!", verlangte ich und bekam meinen Zauberstab zurück. Ich konzentrierte mich besser und sobald ich auch nur die kleinste Bewegung sah, sprach ich den Zauber aus. Leider wieder zu spät.

Erst beim zehnten oder fünfzehnten Mal klappte es und ich hatte den Expelliarmus- Zauber erfolgreich abgewehrt.

Nach ein paar Stunden gingen Dumbledore und ich wieder in die Winkelgasse hinaus. Die Sonne war schon über den Zenit hinaus weitergewandert, es war bestimmt schon sechszehn Uhr. Gemächlich gingen wir nebeneinander her, ich hatte erfolgreich alle Zauber gemeistert und war nun laut Dumbledore bereit für das Schuljahr. Er erklärte mir noch einiges, dann sahen wir Ron und Hermine mit einem Jungen mit verwuschelten Haaren in dem Eissalon sitzen.

„Nun denn, wollen wir uns zu Harry, Ron und Hermine setzen?", fragte Dumbledore mich und lächelte sein geheimnisvolles Lächeln.

„Harry Potter.", schlussfolgerte ich und nickte. „Du gehst doch sonst nie zu den Schülern, warum also diesmal?" Er lächelte nur weiter, aber eine Antwort bekam ich nicht. Ich nahm es so hin. Hermine erblickte uns als Erste und kam auf mich zu und umarmte mich. Erst dann sah sie Dumbledore und wurde ein bisschen rot.

„Professor Dumbledore, Sir.", stammelte sie und ich musste lachen.

„Na na, Hermine. Kein Grund rot zu werden. Ich bin es doch nur." Hermine wurde noch ein bisschen röter, wenn das denn möglich war. Auch die beiden Jungs standen auf und reichten erst Dumbledore die Hand, dann begrüßte Ron mich und Harry starrte mich an.

„Ich bin Stella Alexandra. Und du bist Harry Potter richtig?" Ich gab ihm die Hand und er schüttelte sie etwas irritiert.

„Du gehst mit nach Hogwarts?", fragte er.

„Ja, es ist mein erstes…" Weiter kam ich nicht, denn Ron unterbrach mich und faselte los:

„Sie ist diesen Sommer aus dem St. Mungo entlassen worden und seitdem bekommt sie ein paar Tipps von Dumbledore. Ihre Mutter wurde von Du-weißt-schon-wem ermordet und sie hat es knapp überlebt und von ihrem Vater fehlt jede Spur. Professor Dumbledore hat sie aufgenommen." Ja, das war dann wohl die verkürzte Variante. Aber dann fiel mir etwas auf.

„Woher zum Teufel weißt du das alles?", fragte ich und blickte ihn anklagend an.

„Ich nehme an deine Mutter hat es dir erzählt.", mutmaßte Dumbledore und ich wandte mich verwirrt ihm zu.

„Und woher weiß seine Mutter das bitteschön?" Dumbledore sah mich entschuldigend an und ich stöhnte entnervt auf.
„Du!" Mein Finger richtete sich anklagend auf ihn. Albus nickte seelenruhig und erklärte es dann:

„Ich konnte sie doch nicht ohne irgendwelche Infos über dich stehenlassen. Wenn du schon die Woche bei ihnen verbringst." Das leuchtete ein.

„Du hättest es mir vorher sagen sollen!"

„Jetzt ist es zu spät. Aber ich sage dir das nächste Mal Bescheid." Er wirkte nicht so, als ob es ihm ernsthaft leid täte. Aber ich beließ es dabei.

„Also da du jetzt alles weißt, kann ich ja ruhig sagen, dass ich vieles über dich weiß." Ich lächelte Harry freundlich an und er lachte.

„Über mich weiß doch so gut wie jeder alles, oder?"

„Mag sein, aber ich weiß mehr als die meisten. Und mehr als im Tagesprophet drinsteht." Meine Augen wanderten zu Dumbledore.

„Warum warst du im St. Mungo?", fragte er dann neugierig.

„Weil meine Mutter und ich vor dreizehn Jahren angegriffen wurden. Meine Mutter starb im St. Mungo, aber ich überlebte. Mein Vater ist verschwunden, beziehungsweise ich weiß nicht einmal wer er ist. Ich blieb die ganzen dreizehn Jahre im St. Mungo."

„Tut mir leid." Harry senkte seinen Blick kurz, bevor er wieder hochblickte. In seinen Augen stand ehrliches Mitleid und Verständnis. Klar, auch er hatte keine Eltern außer die unausstehlichen Dursleys.

„Mir auch. Für dich." Er nickte.

„Kannst du überhaupt Zaubern?", fragte Ron dann, um die Stille zu überbrücken. Obwohl er das eigentlich auch schon von seiner Mutter wissen müsste.

„Ja. Ich bin ungefähr auf dem Stoff, wo ihr auch seid. Dumbledore hat mir das alles in den Ferien gezeigt."

„Nun denn, ich verlasse euch vier dann jetzt. Passt auf euch auf und wir sehen uns am 1. September." Er schüttelte jedem die Hand und drückte mich kurz an sich. „Sie umsichtig und vorsichtig. Viel Spaß noch." Seine Lippen drückten mir einen Kuss auf meinen Scheitel, bevor er sich umdrehte und zwischen den Menschenmengen verschwand. Die anderen starrten mich sprachlos an und ich wusste, dass es jetzt Zeit war, ihnen zu erzählen, warum Dumbledore und ich und so nahestanden. Ich seufzte und fing an.

„Meine Mutter war die Tochter eines sehr mächtigen Zauberers. Wir wurden überrascht, es war nachts und dunkel. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, hat Dumbledore mich nicht nur aufgenommen. Dumbledore ist auch mein Großvater." So, jetzt war es raus. Die erste Reaktion kam von Ron.

„Du spinnst. Dumbledore hat gar keine Tochter. Er hat ja noch nicht einmal Kinder!" Na super, das hast du jetzt davon, Stella.

„Pass mal auf. Dumbledore kann keine Tochter haben, weil meine Mutter tot ist. Aber er hatte eine Tochter. Weißt du, wie mein kompletter Name lautet? Nein, keiner hat ihn euch gesagt. Keiner sollte erfahren, wer ich bin. Nämlich Stella Alexandra Dumbledore. Aber du brauchst mir nicht glauben. Aber eines solltest du wissen. Ich hasse Lügen." Ich blitzte ihn an und wollte mich umdrehen, als ich von Hermine hörte:

„Ich glaube dir. Du würdest uns nicht anlügen und schon gar nicht mit so etwas." Ich warf ihr einen dankbaren Blick zu.

„Ich glaube dir auch." Harry lächelte mich an und auch ihm warf ich einen dankbaren Blick zu.

„Nun, also, wegen vorhin… also, … ich war einfach zu überrumpelt gewesen. Aber ich glaube dir natürlich auch.", stammelte Ron herum und schaute zu Boden.

„Lass stecken, Ron. Schon okay." Ich wusste, dass er mir immer noch nicht glaubte, war aber zu faul jetzt noch mit ihm darüber zu diskutieren, ob Dumbledore nun mein Großvater ist, oder nicht.

„Gehen wir aufs Zimmer? Ich bin ein bisschen müde und muss noch meine Sachen für morgen packen.", gähnte ich und ging schon voraus in Richtung Tropfenden Kessel.