Ach wie schön ist es, von der Muse geküsst zu werden. Wenn es doch immer so wäre 'Smile' auf jeden fall hab ich mich extra beeilt, damit ich noch ein Kapitel rausschießen kann, bevor mein urlaub zu ende ist 'grrr ' Ich danke den lieben Reviews von kissymouse, maxine, arew-fan, saby und bde :) danke für eure lieben Kommis

Saby: du hast voll ins schwarze getroffen 'schmunzelt'

Maxine: ich bin mir auch noch nicht ganz sicher ob ich wissen will was mit ihm passiert ist ;) aber ich glaube irgendwann müssen wir uns gemeinsam dieser Wahrheit stellen. Hältst du dann meine hand? Ich fürchte mich schon jetzt davor ;)

# # # #

Ich habe gekämpft,
Weil es von mir erwartet wurde.
Ich habe gesprochen,
Weil ihr die Stille nicht vertrugt.
Ich habe für euch gesehen,
Weil ihr die Blinden wart.
Doch gelebt habe ich für mich
Und doch war das der Preis
Den ich für euch zahlen musste.

# # # #

Manchmal wünsche ich mir, dass ich mich niemals auf dieses Spiel eingelassen hätte. Und nichts anderes war es im Grunde, das wussten alle Beteiligten. Ein pervertiertes Spiel um die Ängste und Sorgen der Menschen, ein Spiel in dem es nur einen Sieger geben konnte, die Zeit. Was mir damals als einzige Hoffnung auf Rettung erschien, ist heute für mich der Anfang vom Ende geworden.

Ich habe nicht aufgeben, auch heute nicht, nach allem was geschehen ist. Ich kann es nicht, genauso wenig wie ein Vogel aufhören kann mit den Flügeln zu schlagen, selbst wenn der Todeskampf schon fast zu Ende ist. Auch heute noch versuche ich zu verhindern, was unweigerlich geschehen muss. Ich versuche die Dinge hinzunehmen, auch wenn es mir mit jedem Tag schwerer fällt.

Es gab einst eine Zeit, in der habe ich Potter gehasst. Gehasst für seine Jugend, für seinen Leichtsinn, für seine Unschuld. All jenes, dass in ihm so selbstverständlich innewohnte, ein Teil meiner Selbst, der schon lange verloren gegangen war. Ich beneidete ihn darum, dass er die Schrecken mit einer für mich unnatürlichen Leichtigkeit hinnehmen konnte, und dennoch so ehrlich leiden konnte.

Doch der Preis den er zu zahlen hatte, war hoch und mich erschreckt noch heute, wie er es schaffte ihn zu zollen. Ich haderte mit meinem Schicksal, verfluchte mich für das, was ich geworden war, und doch wurde mir im Laufe der Zeit immer mehr bewusst, dass es schlimmere Schicksale gab als das meine.

Welch Ironie!? Sich im eigenen Schmerz und Leid zu ergehen, wurde zu einer Lebensaufgabe für mich. Und je mehr ich daran denke, wie selbstsüchtig mein Handeln war, desto klarer wird mir, dass ich selbst den Untergang provoziert habe. Ich wollte nicht den Jungen retten, der mich schweigend um Hilfe bat und mich doch gleichzeitig von sich stieß. Im Grunde meines Herzens war meine eigene Rettung der einzige Grund warum ich mich seiner annahm.

# # # #

Der Kampf, der sich glasklar in den Augen des Gryffindor abspielte war überwältigend. Er haderte mich sich, versuchte die Möglichkeiten abzuwägen. Und ein ums andere Mal erkannte Snape das Bedürfnis endlich den ganzen Schmutz, der sich in ihm gesammelt hatte, loszuwerden. Es war beängstigend diese Gedankengänge zu verfolgen und dennoch nicht zu wissen um welche Tatsachen sie sich wanden.

Snape fürchtete sich vor der Antwort seines Schülers. Nicht so sehr, dass ihm neue Schrecken offenbart wurden, sondern vielmehr davor, dass dadurch die Büchse der Pandora geöffnet würde. Viele Dinge in seinem Leben waren in Vergessenheit geraten. Und viele dieser Erinnerungen sollten besser verschollen bleiben. Der Zaubertränkemeister fürchtete sich vor den Schrecken, die sein eigener Geist vor ihm verborgen hielt. Er fürchtete sich vor der Konfrontation mit sich selbst, wenn der Junge erst einmal zu sprechen begann.

Die eisigen Augen des Gryffindor richteten sich erneut auf ihn und ließen ihn unwillkürlich frösteln. Wie schaffte es dieser Junge nur immer wieder diese Kälte in sich aufzubauen? Snape selbst hatte Jahre gebraucht um sein Wesen derart erkalten zu lassen, und auch wenn es für ihn bereits Routine geworden war, so schien der Gryffindor ihn bei weitem zu überflügeln.

Auch ohne ein Wort hervorbringen zu müssen, wusste er wie die Entscheidung des Jungen ausgefallen war. Es war so einfach in diesen Augen zu lesen und gleichzeitig erschien nichts auf der Welt schwieriger zu sein.

‚Da war nichts...' antwortete Potter kühl. ‚Nichts ist mit mir geschehen!'

Erleichterung und Furcht, in einem seltsamen Zusammenspiel vereint, durchfluteten den Professor. Snape konnte die Entscheidung des Jungen nachempfinden, nichts war logischer als dieser Schluss. Schließlich war er immer noch der Professor, der ihm das Leben zur Hölle gemacht hatte. Und wäre er selbst nicht so müde geworden, würde er dieses Ziel wohl auch in Zukunft weiter verfolgen.

Warum bei Merlins Bart sollte er gerade ihm vertrauen und ihm erzählen, was damals wirklich mit ihm geschehen war? Es gab keine Antwort auf diese Frage, dass wusste selbst der Zaubertränkemeister. Und doch hatte er in gewisser Weise gehofft, dass der Gryffindor dies anderes sehen würde.

Den einzigen Verbündeten, den er nun hatte, war die Zeit. Vielleicht gelang es ihm mit ihrer Hilfe doch noch das Vertrauen des Jungen zu gewinnen. Ein Teil in ihm wollte diese Sache nicht auf sich beruhen lassen, auch wenn es momentan keinen Sinn hatte, den Jungen weiter zu traktieren.

Snape hielt dem Blick seines Studenten stand und gab ihm genügend Zeit sich eines Besseren zu besinnen, doch anscheinend stand der Entschluss des Gryffindor fest. ‚Kann ich jetzt gehen?'

Auch wenn dem Zaubertränkemeister der Ausgang des Gespräches keinesfalls gefiel, so erkannt er aber auch, dass es wohl keinen Sinn hatte, den Jungen weiter zu drängeln. Wenn er eines im Laufe seines Lebens herausgefunden hatte, dann das Zwingen niemals den gewünschten Effekt haben würde. Wenn sein Schüler ihm etwas zu sagen hatte, dann musste er von sich aus zu ihm kommen. So wenig es ihm auch gefiel, er war dazu verdammt zu warten.

Snape war müde, mehr als er sich jemals zugestanden hätte. Dieses kurze Geplänkel mit dem Jungen hatte ihn mehr an Kraft gekostet als er jemals zu fürchten wagte. In gewisser Weise war der Zaubertränkemeister froh darüber, dass dieses Gespräch derart geendet hatte. Er war sich nicht sicher, ob er wirklich die ganze Tragweite der Konfrontation durchgestanden hätte.

Mit einem müden Wink zur Türe deutete er dem Jungen vor sich, dass er das Gespräch ebenfalls als beendet ansah. Ohne noch ein Wort an den Zaubertränkemeister zu richten, wandte Potter sich um und verließ fluchtartig die Räume des Professors. Nichts schien ihm mehr Unbehagen zu bereiten als in diesen Gemächern zu verweilen, und so seltsam es klang für Snape schien das Gleiche zu gelten.

Irgendetwas hatte sich verändert in diesen Räumen, und auch wenn er es nicht in Wort fassen konnte, so war die bedrohliche Präsenz allgegenwärtig. Schien ihn erdrückend von allen Seiten zu umhüllen. Eisige unsichtbare Finger schienen nach ihm zu greifen, wollten ihn tiefer in ihr furchtbares Geheimnis einweihen. Stimmen aus längst vergangenen Tagen erhallten aus allen Ecken, riefen nach dem Zaubertränkemeister, schienen ihn zu einem der ihren zu machen wollen. ‚Geht weg!' schrie Snape den unsichtbaren Feinden entgegen. ‚Schert euch zum Teufel! Noch bekommt ihr mich nicht!' Mit wild rudernden Armen versuchte er die Geister zu vertreiben, die ihn quälten. Und tatsächlich schien es ihm als würden sich die Schatten rund um ihn herum zurückziehen. Sie würden nicht verschwinden, das taten sie niemals, aber sie würden wieder in die Dunkelheit zurückkehren und dort so lange lauern bis der Zaubertränkemeister nicht aufmerksam genug war, und dann würden sie sich holen, was ihnen seit langem versprochen war.

# # # #

Die Zeit verstrich gnädig. Aus einem Tag wurde eine Woche und aus einer Woche wurde eiligst ein Monat. Nichts geschah, außer dass die rücksichtsvolle Monotonie weitergeführt wurde. Das Ende des Schuljahres kam in erreichbare Nähe und besonders die höheren Klassen wurden von einer ansteckenden Nervosität erfasst. Alles drehte sich nur noch um die Abschlussprüfungen, doch noch mehr machten sich die Studenten darüber Sorgen, was sie wohl auf dem Abschlussball tragen würden und wer ihre Begleitung sein würde.

Das kindliche Treiben trieb Snape mehr als alles andere zur Weißglut und auch wenn er es nicht einmal beabsichtigte, seine Laune sank mit jedem neuen Tag. Doch er schien nicht der Einzige zu sein, dem diese Nichtigkeiten zu wider waren. Potter zog sich mehr und mehr von seinen gleichaltrigen Freunden zurück. Nahm kaum noch an ihren Gesprächen teil und auch sonst zog er es anscheinend vor für sich alleine zu bleiben.

Obwohl Snape diese Haltung durchaus nachvollziehen konnte, so bereitete sie ihm doch einiges an Kopfzerbrechen. Das Verhalten des Jungen hatte sich einfach zu radikal verändert, ebenso sein Äußeres. Hätte man noch vor wenigen Wochen meinen können, dass der Junge dünn sei, so müsste man heute schon eher von mager sprechen. Sein Gesicht hatte mehr und mehr die Farbe eines Toten angenommen, und seine Haare waren schon lange nicht mehr in den Genuss eines Kammes oder eines Shampoons gekommen.

Er wurde mehr und mehr von den anderen ignoriert, und diese Begebenheit schien ihm mehr als recht zu sein. Er provozierte sie sogar noch. Schon des Öfteren hatte der Zaubertränkemeister gehört, wie er einen Schüler vertrieb, der sich in seiner Stunde neben Potter setzen wollte.

Der Zaubertränkemeister kannte dieses Verhalten nur allzu gut von sich selbst, und doch unterschied sich sein Verhalten vollkommen von dem des Gryffindors. Er wusste, dass die Zeit drängte, und dass er mit Potter sprechen sollte, dass er endlich herausfinden sollte, was mit dem Jungen geschah. Doch seine eigene Feigheit stand ihm im Weg. Noch immer quälte ihn die Angst vor dem, was er finden würde. Und so geschah es, dass die Zeit weiter verstrich und Potter immer weiter in eine Welt hinabsank, in die nur er selbst Einblick hatte.

# # # #

Snape wandte die unscheinbare Notiz zwischen seinen feingliedrigen Fingern hin und her. Immer wieder und wieder las er die Worte, doch ihr Sinn wollte einfach nicht in seinen Kopf. Was sollte das Ganze eigentlich? Wer hatte ihm diese Notiz geschrieben? Und vor allem warum? Immer wieder und wieder versuchte er die Handschrift einer Person aus seinem Umkreis zuzuordnen, doch vergebens.

Noch einmal las er die eng zusammengefassten Buchstaben. Handelte es sich hierbei um einen derben Scherz? Was sollte er dort machen? Warum bei Merlins Bart sollte er überhaupt dorthin gehen? Doch eines wusste Snape schon jetzt, er würde gehen. Er würde um die angegebene Zeit an den angegebenen Ort sein. Ohne einen triftigen Grund zu haben wusste er einfach, dass es wichtig war. Es war seine Intuition die ihm riet, die Nachricht ernst zu nehmen, und auch wenn er ein Mann der Wissenschaften war, so hatte er niemals vergessen seinem Gefühl zu vertrauen.

Vorsichtig legte er das hellbraune Pergament auf seinen Schreibtisch und strich es glatt. Mit ernster Miene verschränkte er seine Finger und ließ sie auf seinem Schoß zur Ruhe kommen. Erneut glitt sein Blick über die kurzen Zeilen.

‚The Hole', 13. Spencer Av., London, gegen 10 Uhr abends
Nur dort können ihre Fragen beantwortet werden.

Eine dumpfe Vorahnung breitete sich in seinem Körper aus. Was würde er dort finden? Welche Fragen würden sich für ihn beantworten? Wollte er überhaupt, dass er die Antworten fand? Doch je mehr Unsicherheit sich in sein Denken mischte, desto sicherer wurde er, dass er der Notiz folgen würde. Er konnte einfach nicht anders.

# # # #

Die Sonne begann bereits hinter dem Horizont zu verblassen als sich eine dunkle Gestalt aus dem Vorhof des Schlosses löste und unbeirrbar auf den Verbotenen Wald zuging. Das Gesicht tief in der schützenden Kapuze versteckt, ging die vermummte Gestalt in den Wald und blickte kein einziges Mal zurück. Die Geschöpfe, die in den dunklen Schatten des Waldes hausten, fürchteten die Gestalt, und viele erkannten in ihr einen der ihren. Sie hatten sich im Laufe der Zeit an diesen Mann gewöhnt, auch wenn es schon lange her war, dass er sich im Schutz der Dunkelheit in den Wald geschlichen hatte. Fast erinnerte es an die alten Zeiten, in der sich die Welt noch nicht weitergedreht hatte, in der Freund und Feind klar definiert gewesen waren. Doch heute war alles andere. Niemand kam mehr in den Wald um den Schutzwall des Schlosses zu umgehen. Vielleicht war deshalb die Anwesenheit dieser Gestalt so eine Besonderheit. Weil dadurch die Zeiten, die vergangen schienen, kurzzeitig wieder lebendig waren.

Nachdem er genügend Distanz zwischen sich und den immer noch bestehenden Schutzwall gebracht hatte, ließ der Zaubertränkemeister mit einer fließenden Handbewegung die Kapuze nach hinten gleiten. Noch einmal ließ er seinen Blick vorsorglich über die Schwärze rund um ihn gleiten, es war mehr aus Gewohnheit als aus Angst vor Verfolgern. Nachdem er sicher war, dass ihm niemand gefolgt war, disappierte er.

TBC...