Verwirrung
Bellas POV
(Paralleluniversum)
Ich spürte eine kalte Hand an meinem Handgelenk. Dann hörte ich Stimmen, die nach und nach immer lauter wurden.
„Ja, ich bin mir ganz sicher. Dieses Mädchen ist Isabella Marie Swan, die schon seit 11 Jahren vermisst wird."
„Unglaublich."
„Aber was uns mehr interessieren sollte ist, wie sie hierher gefunden hat. Schließlich weiß doch niemand,
wo wir wohnen."
„Das stimmt. Auch ist es merkwürdig, woher sie auf einmal gekommen ist. Es schien, als sei sie aus dem Nichts aufgetaucht. Oh, sie wird jetzt aufwachen."
Meine Augenlieder flatterten und ich schlug die Augen auf. Ich sah, wie sich jemand über mich beugte und nach einem Herzschlag begriff ich, wer es war. Es war Carlisle. Mich durchfuhr die Freude, als ich sein schönes Gesicht vor mir sah, doch dann zog ich die Augenbrauen zusammen und stutzte. Carlisles Haar war nicht blond, so wie ich es in Erinnerung hatte, sondern es war rötlich gefärbt. Weinrot, schoss es durch meinen Kopf.
„Isabella, schön, dass du wach bist. Mein Name ist Carlisle Cullen. Wie geht es dir jetzt?", fragte er mit seiner schönen Stimme.
Wieder stutzte ich? Warum nannte Carlisle mich Isabella? Als ob wir uns noch nie begegnet wären. Und warum war er mit seiner Familie zurück in Forks? Natürlich war ich irgendwo froh, dass sie wieder zurück waren, dennoch verstand ich den Sinn dahinter nicht? Was sollten sie hier wieder wollen? Für sie gab es doch keinen Grund nach Forks zu kommen.
„Ja mir geht es besser, danke Carlisle. Ich bin nur ohnmächtig geworden. Aber warum nennst du mich Isabella? Du tust ja so, als würden wir uns überhaupt nicht kennen."
Nun sah Carlisle verwirrt aus.
„Wir haben uns noch nie getroffen. Wenn wir uns kennen würden, dann wüsste ich das."
Ich verstand die Welt nicht mehr. War das alles so eine Art Spiel? Warum? Ich setzte mich auf dem Sofa auf und sah nun die anderen Cullens. Esme, Emmett, Rosalie, Alice, Edward. Ich zwang mich den Namen zu denken, auch wenn mich wieder der Schmerz durchfuhr und ich zusammen zuckte. Doch da stand noch jemand, den ich noch nie gesehen hatte.
Sie hatte die gleiche Blässe und die goldenen Augen, wie die anderen. Sie war auch ein Vampir, daran bestand kein Zweifel. Aber ich konnte mich an keine weitere Frau, die zu den Cullens gehörte, erinnern. Ich sah sie mir genauer an. Neugierig erwiderte sie meinen Blick. Sie war eine unglaublich schöne junge Frau mit langen glatten Haaren, die ihr bis zur Taille gingen. Sie hatte eine blaue Jeans und eine weiße Bluse an. Ich schätzte sich Anfang 20. Moment, da war etwas, was mir ins Auge stach. Ich betrachtete nochmals ihre Haare und sah mir deren Farbe sehr genau an.
Dann wechselte mein Blick zwischen Ihr und Edward - ich musste einmal schwer schlucken – hin und her. Schließlich sah ich die Ähnlichkeiten. Diese schöne junge Frau hatte ähnliche Gesichtszüge wie ER und auch hatten die Haare der beiden den gleichen eigenartigen Bronzeton. Wenn man die beiden so nebeneinander stehen sieht, könnte man denken, dass die beiden „echte Blutsverwandte" sind. Seltsam. Mein Blick schweifte im ganzen Raum umher und ich sah die Vampire der Reihe nach wieder an. Carlisle, der neben mir am Sofa stand, Esme ein kleines Stück dahinter und die anderen etwas abseits von den beiden. Alle sahen mich neugierig und etwas verwirrt an.
Als mein Blick wieder IHM begegnete, fragte ich mich warum er mich so seltsam betrachtete. Neben Neugier und Verwirrung, sah ich auch die Frustration in seinem Blick. Jedoch war sie nicht so dominant wie damals, an meinem ersten Tag an der Forks High School. Halt. Da fehlte doch jemand. Wo war Jasper? Ist er verschwunden, als sie mich in ihr Haus ließen, damit mir nicht das gleiche passierte, wie an meinem 18. Geburtstag. Wahrscheinlich war es so. Trotzdem ich sie alle sah, auch die Vampirfrau, die ich nicht kannte, fühlte ich mich wieder etwas besser. Dennoch konnte ich ein leichtes Gefühl von Unbehagen nicht abschütteln. Ich glaubte, dass es etwas mit Jasper zu tun hat. Ich schüttelte den Kopf, um meine Gedanken neu zu ordnen. Ich sah Carlisle wieder an.
„Natürlich kennen wir uns. Wir begegneten uns das erste Mal im Krankenhaus, als du mich untersucht hattest. Es war der Tag als Edward mich vor dem Van und mir somit das Leben gerettet hat. Hast du das wirklich vergessen?", fragte ich ihn ungläubig.
Als ich SEINEN Namen ausgesprochen hatte, brannte er mir ein wenig im Hals. Ich spürte die Erinnerung an die Schmerzen, doch ich versuchte sie zu unterdrücken.
„Wie bitte?", fragten alle gleichzeitig und sahen mich noch verwirrter an.
„Moment mal, woher kennst du denn meinen Namen?", fragte ER mich.
Als ich diese Worte hörte, spürte ich so einen heftigen Schmerz, der meinen Körper zeriss. Ich zuckte zusammen, schlang die Arme um die Brust und versuchte zu atmen. Carlisles Blick wurde sofort besorgt, doch ich achtete nicht darauf. Als ich mich wieder beruhigt hatte, schaute ich IHN wieder an.
„Was soll das? Warum fragst du mich so was? Ich gehe auf die Forks High School und ich kenne euch alle, seit meinen ersten Tag. Du hast neben mir im Biologie-Unterricht gesessen. Ich habe dir doch damals erzählt, dass ich von Phoenix hierher gezogen bin. Was soll das alles? Warum seid ihr nach Forks zurück gekehrt und warum tut ihr alle so, als würdet ihr mich nicht kennen? Wo ist Jasper und wer ist diese Frau?" Ich deutete auf sie. Während ich das alles sagte, brach meine Stimme immer wieder und ihr merkte, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten. Die Cullens sahen sich untereinander an. Es schien wirklich so, als würden sie nicht verstehen, was ich sagte.
„Nun beruhige dich, Isabella. Es tut mir wirklich leid, aber wissen alle nicht, wovon du redest. Ich bitte dich, dies genauer zu erläutern, was du mit deinen Worten meinst. Natürlich nur, wenn du dich dazu in der Lage fühlst.", sprach Carlisle zu mir.
Ich nickte, wischte mir die Tränen mit dem Ärmel meiner Bluse ab und atmete tief ein. Auch wenn es mir sehr schwer fiel, fing ich an zu erzählen.
„Ich kam am 18. Januar dieses Jahres nach Forks, um bei meinem Vater Charlie Swan zu leben. Er ist hier als Polizist tätig. Als ich dann zur Schule ging, sah ich euch das erste Mal in der Cafeteria. Naja, außer diese Frau da." Ich machte eine Handbewegung zu Alice, Rosalie, Emmett, dieser Frau und IHM. „Besonders fiel mir Edward auf, seine schwarzen Augen und deren hasserfüllter frustrierter Blick auf mich. Nach der Mittagspause ging ich zum Biologie-Unterricht. Neben Edward war der einzige freie Platz. Ich setzte mich neben ihm und versuchte ihn zu ignorieren. Während der ganzen Stunde hielt er die Hand vor dem Mund und war angespannt. Wahrscheinlich hatte er während der ganzen Zeit nicht einmal geatmet."
Jetzt konzentrierte ich mich hauptsächlich auf IHN, als ich weitersprach.
„Dann, als du nach einer Woche wieder zum Unterricht gekommen bist, fingst du an, dich mit mir zu unterhalten. Mir sind dabei deine goldenen Augen aufgefallen und es war mir ein Rätsel, wie diese Farbänderung zustande kam. Du wolltest jedes Detail aus meinem Leben erfahren. Warum ich hergezogen bin und so was. In den folgenden Wochen hast du dich immer an einem freien Tisch, abseits von deinen Geschwistern hingesetzt und hast mir angeboten, mich zu dir zu setzen. Wir unterhielten uns und du machtest immer seltsame Andeutungen, die ich nicht verstand. Dann passierte der Unfall, den ich vorhin schon erwähnt habe, wie ihr wisst.
Ich wollte von Edward die Wahrheit erfahren, wie er es geschafft hat, einen Van anzuheben, damit ich nicht zerquetscht wurde. Du sagtest mir, dass du neben gestanden hast. Das glaubte ich dir aber nicht. Dann hast du mir ein zweites Mal das Leben gerettet. Das war in Port Angeles, als ich in einer Gasse von Typen bedroht wurde. In dieser Nacht hast du mir von deiner Fähigkeit erzählt und wie sie funktioniert. Du sagtest mir, dass du von jeden Menschen die Gedanken hören kannst, außer von mir."
Ich sah wie ER seine Augen zusammen kniff.
„Ich erzählte dir, wie ich hinter euer Geheimnis gekommen bin. Ich habe mir von einem Freund der Familie, der dem Quileute-Stamm angehört, Legenden über die „kalten Wesen" erzählen lassen. Er hatte euch erwähnt und das ihr Tiere jagen würdet und keine Menschen. Das ihr somit anders seid. Naja, somit verbrachten ich und du immer mehr Zeit miteinander und allmählich hast du mir den Grund für dein Verhalten an meinem ersten Tag erklärt. Du sagtest, mein Geruch wäre deine Lieblingsdroge und das es dir sehr schwer fallen würde, deinem Durst zu widerstehen. Aber du hast geschafft.
Dann sagtest du mir…", ich hatte einen riesen Kloß im Hals, „…das du dich in mich verliebt hast. Als wir uns dann das erste Mal geküsst hatten, wurde unsere Beziehung noch enger und du hast mich deiner Familie vorgestellt. Dann hast du mir noch ein drittes Mal das Leben gerettet, als ein Vampir namens James Jagd auf mich gemacht hatte. Er hatte mich gebissen, doch du hast das Gift herausgesaugt. Als ich wieder gesund war, bat ich dich, mich zu verwandeln. Aber du meintest, dass du meine Seele nicht zerstören willst.
Dann an meinem 18. Geburtstag hatte Alice eine Party für mich bei euch organisiert. Doch als ich ein Geschenk auspacken wollte, schnitt ich mir in den Finger. Jasper, dein Bruder, überkam der Durst und wäre über mich hergefallen, wenn ihr ihn nicht aufgehalten hättet. Dieses Ereignis gab den Ausschlag und drei Tage später, sagtest du mir, dass du mich nicht mehr wolltest und hast mich mit deiner Familie verlassen. Dies ist jetzt über einen Monat her."
Somit beendete ich meine Erklärungen. Soviel hatte ich seit diesem Tag nicht mehr gesprochen. Es tat mir weh, dass ich das alles nochmal erleben musste. Wieder spürte ich den Schmerz kommen, doch ich riss mich diesmal zusammen. Die Cullens sahen mich verblüfft an, aber immer noch war die Verwirrung ihnen deutlich anzusehen.
Carlisle sah mich an und sprach: „Das ist ja eine merkwürdige Geschichte. Du weißt also was wir sind?"
Ich nickte.
„Es tut uns leid Isabella, aber du warst nie an der Forks High School und auch noch nie hier im Krankenhaus."
Es dauerte eine Weile, bis diese Worte in mich einsanken. Was hatte das alles zu bedeuten?
„Was? Das kann doch nicht sein? Das verstehe ich nicht? Bitte erkläre mir, was hier vor sich geht. Und bitte hör' auf, mich Isabella zu nennen. Ich heiße Bella.", antwortete ich mit schwerer und etwas belegter Stimme.
„Also gut, Bella. Ich weiß nicht wie du auf diese Geschichte kommst aber ich kann dir nur das erzählen, was ich weiß."
Er warte auf eine Antwort.
„O.K.", sagte ich.
„Bella, du bist nicht seit Januar diesen Jahres in Forks. Du bist seit 11 Jahren verschollen. Dein Vater, Charlie Swan, war früher bei der Polizei in Forks tätig, wie du schon sagtest. Nachdem du verschwunden warst, hat deine Familie nichts unversucht gelassen dich zu finden. Aber nach ein paar Jahren gab deine Mutter auf und trennte sich von ihm. Doch dein Vater konnte dich einfach nicht aufgeben und hat sich zum Polizeipräsidenten des Staates Washington hoch gearbeitet. Heute ist er schon eine richtige Berühmtheit. Und bis zum heutigen Tag lässt er immer noch nach dir suchen."
Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte. Ich seit 11 Jahren verschollen? Und Charlie soll Polizeipräsident sein?
Fassungslos starrte ich Carlisle weiter an und hing an seinen Lippen.
