3. Kapitel „Der Besucher"
Endlich kann ich Kapitel drei einstellen. Es hat was von einem Lückenfüller. Ich habe es während einer Ausgrabung einige Monate zuvor geschrieben und war total müde und geschafft. Da mein amerikanischer Beta die Geschichte gerne weiterlesen wollte, habe ich mich entschlossen, das nächste Kapitel jetzt doch zu veröffentlichen.
Ich besitze (leider!) nichts.
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„Wenn etwas geschehen soll, wirst du es mit keiner Macht verhindern können; und wenn etwas nicht geschehen soll, wirst du es mit keiner Macht zuwege bringen."
- Ramana Maharshi
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Severus saß erneut in seinem Wohnzimmer. In den letzten Stunden hatte Leana ruhig geschlafen und er hatte sich selbst etwas Ruhe gegönnt. Das Zimmer lag trotz der späten Nachmittagssonne fast im Dunkeln. Er stand auf und ging zum Fenster. Er sah zu, wie der Regen vom anthrazitgrauen Himmel fiel und langsam Nebel aufzog und die restlichen Sonnenstrahlen aufsog. Ausgerechnet jetzt musste er an Trewlawnys Vorhersage am Ende des letzten Schuljahres denken. Noch immer schüttelte es ihn. Diese äußerst nervige und inkompetente Person hatte ihn nach einem Abendessen abgefangen, damit er ihr einen Trank braute. Verzweifelt hatte er versucht sie abzuwimmeln, doch diese Frau konnte extrem hartnäckig sein. Und dann war es passiert. Es war wie damals im Eberkopf gewesen. Ihre Augen kullerten in den Kopf zurück und dann sprach sie in einer sonst so ungewohnten Stimme. Severus hatte niemanden davon erzählt. Wieso auch? Er glaubte nicht daran, dass sich diese unsinnige Prophezeiung erfüllen würde. Es sei denn … Nein! Der dunkle Lord hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Prophezeite zu verhindern, doch dadurch hatte er es nur heraufbeschworen. Er, Severus, war klüger und ihm würde nicht dasselbe passieren. Trotzdem konnte er ein ungutes Gefühl nicht abschütteln. Die Worte hatten sich in sein Gedächtnis eingebrannt.
Sie werden einen bekannten Fremden treffen. Einen Besucher, der zwischen zwei Welten wandelt. Geboren unter dem Purpur, wie in Seide ein Königskind. Doch darüber thront das Schweigen. Die Trauer und der Hass über einen Vorfall, der ihr ganzes Leben bestimmte, der das Ende eines Abschnitts markiert hat und ihr Leben stets überschattete, werden vergehen. Sie werden vom Gejagten zum Jäger. Der Verlust wird durch den Gewinn ausgeglichen werden, was aber auch gleichzeitig den Abschied von liebgewonnen bedeutet.
Er wurde aus seinen Grübeleien gerissen, als es an der Tür klopfte und kurz darauf Leana das Zimmer betrat. Noch immer war sie sehr blass, aber sie sah besser aus als gestern. Ihre Augen waren wieder klar und sie war wieder sicher auf den Beinen.
„Ich wollte mich für deine Hilfe bedanken. Ich hoffe, dieser 'Vorfall' bleibt unter uns." Sagte sie steif.
Typisch Malfoy. Dachte Snape bei sich. Sah man sie einmal in einem schwachen Zustand, wollten sie gleich sichergehen, dass das unter Verschluss blieb.
Er wies mit der Hand auf das Sofa und nach kurzem Zögern setzte sie sich hin. Beide sagten nichts. Leana starrte auf ihre Hände. Severus hingegen betrachtete sie. Zum ersten Mal sah er sie mit anderen Augen. Sie wirkte nicht arrogant oder hochnässig, sondern bedrückt, niederschlagen und müde.
„Lucius. Er fehlt dir oder? Ihr scheint euch gern zu haben!"
Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Leana war leicht beunruhigt, wie hellsichtig der Mann ihr gegenüber war.
„Ja. Er fehlt mir sogar sehr. Keiner kann sich vorstellen wie sehr!"
„Ich denke mehr Leute, als du scheinbar annimmst."
Ihr Lachen klang hart wie Diamant.
„Etwa wie du, Severus? Eigentlich kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Du hast keine Geschwister und außerdem bin ich immer noch eine Fremde für dich. Glaub mir, niemand kann nur ansatzweise nachvollziehen, wie es mir geht. Keiner von euch hat nur die geringste Ahnung wie es ist! Wir haben eben eine besondere Verbindung."
Zum Schluss war ihre Stimme sehr leise geworden und sie starrte in die Ferne.
„Warum warst du solange fort? Damals beim ersten Aufstieg des Dunklen Lord kann ich mich nicht erinnern, dich jemals gesehen zu haben."
„Vielleicht warst du nur mit anderen Dingen beschäftigt. Auf jeden Fall führten mich damals persönliche Dinge in die Schweiz und Tirol. Es war nur natürlich, da ich auch dort ausgebildet wurde, als ich jünger war. Außerdem fand es Lucius besser, wenn ich in besagte Sache nicht so stark involviert war."
„Ungewöhnlich, dass ihr beide getrennt voneinander unterrichtet wurde und dann nicht einmal im selben Land. Besonders für Zwillinge!"
Eine kurze Pause entstand.
„Sehr gut, Severus. Kaum einer weiß, dass Lucius und ich Zwillinge sind. Das ist, glaube ich, auch besser so. Es wäre nicht gut. Ich gehöre nicht wirklich hierher. In eure Welt." Fahrig strich sich Leana eine Locke aus ihrem Gesicht.
„Es war geraten." Gestand er.
„Dass du dumm bist, würde dir auch keiner unterstellen."
Abrupt wechselte sie das Thema. „War der Dunkle Lord schon immer so? Unbarmherzig und grausam?"
„Du solltest ihn nicht anzweifeln. Er ist ein großer Zauber und würde er davon etwas erfahren, dann wäre deine Bestrafung hart. Wenn dir etwas an Draco und Lucius liegt, solltest du lernen, dein Mundwerk zu zügeln. So etwas zu sagen, könnte dich den Kopf kosten." Ereiferte er sich.
Wütend starrte ihn sie ihn an.
„Mich den Kopf kosten? Was bedeutet das schon? Lucius und Draco sind doch beide schon so gut wie tot! Die Sache mit dem Tagebuch wird er meinem Bruder wohl kaum, großherzig wie er ist, leicht verzeihen. Und was Dracos Mission angeht. Das ist Selbstmord. Es soll uns langsam zu Tode quälen. Das weißt du genauso gut wie ich. Sollte ich beide unbeschadet aus diesem Krieg herausbekommen, wäre das ein Wunder."
Ernst schaute ihr Severus ins Gesicht. Mühsam hielt sie ihre Tränen zurück und verbarg ihr Gesicht in der aufgestützten Hand.
„Ist das Wort 'Krieg' nicht etwas zu hart?"
Leana hob das Gesicht. „Sag nicht, dass du es nicht ebenso empfindest?"
„Aber…"
Die Frau ihm Gegenüber unterbrach ihn.
„Ruhe!"
Sie hob die Hand und gebot ihm zu Schweigen. Ihr Blick richtete sich auf die Tür.
„Wurmschwanz ist zurück."
Severus erhob sich, um zur Tür zu gehen und tatsächlich stand der kleine untersetzte Mann da!
„Deine Angewohnheit zu lauschen sollte man dir dringend austreiben." Zischte Severus.
Wurmschwanz versuchte einen Blick auf die zweite Person im Raum zu erhaschen, doch der größere der beiden Männer schirmte die Person vor jeglichen weiteren Blicken ab.
„Wolltest du nicht noch den Dachboden putzen?" spöttelte Severus.
„Ich bin nicht deine Putzfrau." Quiekte der kleine Mann.
„Ja, ja. Das leidige Thema hatten wir schon. Jetzt geh gefälligst putzen!" Die letzten Worte betonte er ausdrücklich.
Die wässrigen Augen blickten trotzig, doch Wurmschwanz folgte letztendlich der Aufforderung. Severus schloss die Tür.
„Ich sollte gehen."
Leana war aufgestanden und stand ihm nun direkt gegenüber. Ihre linke Wange zierte ein Bluterguss, doch die Blässe schmeichelte nur ihrem Gesicht. Besonders die purpurfarbenen Augen zogen ihn in ihren Bann.
„Danke für deine Hilfe."
„Du hast mich weniger genervt als sonst."
„Nerve ich dich nicht immer? Du kannst mich nicht leiden. Das habe ich schon gemerkt, ob du es glaubst oder nicht. Seit ich hier bin. Das ist mir nicht entgangen. Kaum einer scheint mich zu mögen im Übrigen." Ihr leichtes Lächeln war traurig.
„Du machst es einem auch nicht leicht. Du bist manchmal … äh … sehr provozierend."
„Auch für mich ist das ganze nicht leicht. Ich kann mit allem hier recht wenig anfangen. Diese Dinge, die passieren, machen mir Angst. Alles ist äußerst befremdlich. Und ich verstehe auch nicht ganz, wie jemand wie du, der so intelligent ist, bei so einer Sache mitmacht. Jetzt habe ich aber wirklich zu viel gesagt."
Leana lief aus dem Zimmer, schnappte sich den fadenscheinigen Umhang vom Haken und trat aus der Haustür. Severus konnte gerade noch ihren Arm packen.
„Ich will alles tun um Draco zu helfen. So gut ich kann. Das wird auch Lucius helfen. Hoffentlich."
Sie wandte ihr Gesicht ab, doch er wusste dass sie still weinte.
„Hoffentlich. Sonst sterbe ich gleich mit."
Sie trat weiter hinaus in die kühle Abendluft, machte sich los und rannte Richtung Ufer.
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