Natürlich hatte sich der dickköpfige Rotschopf nicht von seiner Wahnidee abbringen lassen, sofort aufzubrechen und der Zeitung einen Besuch abzustatten. Arthur würde ihn wiederwillig begleiten. Wederwillig, denn in seinen Augen würde es die Sache nur noch schlimmer machen wenn man Scott alleine gehen lassen würde. Und das konnte sich das Yard nicht erlauben.
Den anderen beiden hatte er noch einen bedeutend genervten Blick zu geworfen, während er seinen Mantel überwarf und dem Schotten dann in Richtung Tür folgte. Scott wartetet bereits, wie üblich eine Zigarette im Mund und mit diesem Gesichtsausdruck der zeitglich ‚Beeilung' wie auch ‚bleib einfach hier' sagte. Er war genau genommen ein Meister wenn es darum ging Dinge mit einemeinzigen Blick auszudrücken. Wobei das nicht mehr besonders beeindruckend war, wenn man bedachte das er die meiste Zeit die gleiche Nachricht verschickte. lasst mich in Ruhe. Besonders gesellig war er für einen Mann der sooft, gedrängt an etwa hundert andere Leute, seine Zeit in einer dieser billigen Kneipen verbrachte nicht. Wie es Arthur wieder einmal durch den Kopf schoss als er jetzt, an ihm vorbei auf den Flur hinaus trat. Höchst wahrscheinlich würde der gestand von Alkohol und billigem Tabak nie wieder aus seinem Mantel gehen. Der blonde rümpfte leicht die Nase.
Doch, ja, auch die Reaktion der anderen Beiden war eher anstrengend gewesen. Eigentlich hatte der Engländer gehofft sie wären von der Sprunghaftigkeit des Direktors genauso genervt wie er selbst, doch Daan sah wie üblich nicht mal auf und Luke sah ihnen nur verwirrt hinter her anstelle irgendwas zu sagen. Arthur seufzte, manchmal wünschte Er sich das die beiden ein wenig mehr seine Meinung vertreten würden.
Diese Distanz, die sich zwischen all ihnen befand, kam ihm wiedereimal unüberwindbar vor. Scott der sich die meiste Zeit in seinem eigenen Büro verkroch, nur zu ihnen kam wenn es was zu erledigen gab und sonst etwa so gesprächig war wie Vock. Also gar nicht. Er selber, der er sich … wenn er ganz ehrlich war, für besserhielt als die anderen, mit seiner penibel perfektionistischen Art und der Medizinischen Ausbildung und nicht zu vergessen seinem ausgereiften Gerechtigkeitssinn, seine überdurchschnittliche Intelligenz und … nun ja, wie auch immer, seine Referenzen im Einzelnen tun ja nichts zur Sache, Fakt ist jedoch das er sich dadurch von den anderen abgrenzte. Und Luke, mit seiner immer netten und höfflichen Art… er hatte halt einfach Pech mit ihrer Gruppe.
Das war allerdings hauptsächlich aus einem Grund schade, das … er hatte sonst niemanden. Er war, gottverdammt nochmal, alleine wann immer er sich nicht mit Mord und Totschlag beschäftigen musste und der Brite wusste nur zugut das dass seine eigene Schuld war. Er hatte früher, damals als Junge, immer gedacht er müsse sich auf das Lernen konzentrieren. Alles andere würde dann später irgendwann von selber kommen. Doch es kam nie und er unternahm nie einen versuch das zu ändern. Als angehender Arzt hatte er nur noch auf seine Arbeit geachtet und jetzt beim Yard war es so, das er morgens aufstand um abends todmüde ins Bett zu fallen. Nirgends schien Platz zu sein um sich einen netten Bekannten zu suchen oder vielleicht eine freundliche und hübsche Bekannte. Die Arthur dann eines Tages vielleicht auch hei- … sein Blick wanderte kurz zu Scott hinüber, irgendwie hatte er wieder das Gefühl das dieser ihn beobachtetet, wie er da saß und sich selber bemitleidete. Doch er hatte sich getäuscht. Der Chief Inspektor neben ihm starrte aus dem Fenster, wie üblich, und schien dabei weder Arthur noch das nervige klappern der Pferdehufe auf dem Kopfsteinpflaster wahrzunehmen. Er schien gar nichts wahrzunehmen und Hätte er nicht die Augen geöffnet gehabt, hätte der Blonde geschworen, dass der Schotte schon wieder am schlaffen gewesen wäre.
Es schaukelte einige Male bedrohlich, als ihr Fahrer die ein oder andere Kurve, für Arthurs Geschmack, entschieden zu eng nahm. Doch auch das schien an seinem Vorgesetzten einfach vorbei zu gehen, während er weiter aus dem Fenster sah. Am liebsten hatte der Engländer es ihm gleich getan. Doch, wann immer seine Konzentration nachließ und seine Gedanken die Möglichkeit hatten ungehindert zu tun was sie wollten, endete er bei solchen peinlichen versuchen über etwas wie eine Beziehung nachzudenken. Obwohl sie mitten in einem bestialischen Zweifachmord steckten.
Am liebsten wäre der Engländer einfach gelaufen. Beim Laufen musste er weniger über sich nahdenken, er konnte sich einfach auf alles andere konzentrieren. Denn weg, seine Schritte, die Menschen die ihm entgegen kamen, Läden, das Wetter, Alles. Doch, nein, sie hatten es ja plötzlich unsagbar eilig. Eilig sich bei einer Zeitung zu beschweren, dafür das sie schnell und informativ war. Wie furchtbar Lächerlich. Er gab ein leises seufzen von sich und verschränkte wieder die Arme vor der Brust. Ihm kam das inzwischen wie eine reine Verzweiflungstat vor. Natürlich, er wollte den Leather Apron auch geschnappt, eingesperrt und hingerichtet wissen, aber nicht in dem er wild durch die Gegend lief – Entschuldigung fuhrt – und Leute verdächtigte. Von wegen Leute, Scott wusste ja nicht mal wer für die Artikel verantwortlich war, oder ob es die gleiche Person war. Wahrscheinlich gab es ohnehin einen normalen Grund, warum die Zeitung so schnell war. Ein gut funktionierendes Team, anders als ihres, und der Wunsch den Menschen schnell Antworten auf ihre Fragen zu liefern. Etwas in diese Richtung wahrscheinlich.
Allerdings, das musste Arthur leider Einräumen, er selber hatte auch nicht ihre Vorgesetzten im Nacken, er selber hatte nicht sein Gesicht zu verlieren. Nicht direkt jedenfalls. Wobei er mehr als sicher war, Scott würde es sie alle spüren lassen, wenn die Leute weiter oben an ihm und den noch immer nicht in Sicht scheinenden Vorschritten rummäkelten. Da war er ganz sicher.
Doch genau das würde passieren, egal was sie jetzt auch anstellten. Dass sie hier auch nur den geringsten Hinweis fanden bezweifelte der Brite noch immer, vielleicht sogar noch mehr als vorher. Das lag vor allem an dem einladend wirkenden Büro, in das sie die junge hübsche Frau geführt hatte, kurz nachdem sie das Gebäude betreten hatten. Sie hatte ihnen einen Moment später Tee serviert und gebeten etwas Geduld zu haben, da der Herr Direktor noch unterwegs sei.
»wir hatten nicht damit gerechnet, dass sie uns besuchen würden« hatte sie freundlich gesagt und Arthur konnte ihr nur nickend zustimmen.
»es tut uns auch wirklich l-« wolle er sich grade entschuldigen als der Schief Inspektor ihn auch schon unterbrach
»passt es ihnen etwa grade nicht?« Die Frau sah den Schotten verwundert an und schüttelte dann leicht den Kopf. Arthur warf ihr einen Mitleidigen Blick zu. Sie war hübsch, höfflich und hatte definitiv nicht verdient mit solchen Fragen beleidigt zu werden. Sie entschuldigte sich wieder und verließ dann das Büro.
Kaum das die Schwere Eichentür hinter ihr ins Schloss gefallen war, stand der Rothaarige Inspektor auch schon auf. Er hatte sie eindeutig beabsichtigt aus dem Raum geekelt, mit seinem ganz natürlich abschreckenden Charme, wie der Engländer erschrocken und ein klein wenig enttäuscht feststellte. Noch erschrockener war er allerdings als er sah wie Scott sich auf dem Platz hinter dem wuchtigen Schreibtisch niederließ und Anfing die Dinge darauf zu untersuchen. Dass Arthur von so einer Handlung ebenfalls mehr als Enttäuscht war, verstand sich von selber.
Scott hatte den Verstand verloren. Er hatte eindeutig den Verstand verloren.
Es handelte sich um ein ganz normales Büro, quadratisch, mit halbhochgetäfelten Wänden und einer recht düsteren Tapete mit Muster. Drei große Fenster gegenüber der schweren Eichentür erhellten den Raum mit frischem Tageslicht. Das tessellierte Muster eines teuren und exotischen Perserteppichs verdeckte beinahe den gesamten Parkettboden. Alles war fein, säuberlich und geordnet, ganz normal. Möbliert war das Ganze mit dem Wuchtigen Schreibtisch, der die Fenster im Rücken hatte, diversen Schränken und eine Ottomane mit den zwei Sesseln in denen eben noch die beiden Männer gesessen hatten, nebst eines dazugehörigen Beistelltischchens. Ja, gesessen hatten! Eigenwilliger Weise fand Arthur sich einen Moment später nämlich direkt neben dem Schotten wieder, der inzwischen halb in den Schubladen des Sekretärs versunken war. Sein Verstand sagte ihm zwar das sie das nicht tun sollten, doch die Verbissenheit des Chief Inspektors hatte ihn angesteckt, so dass er nicht verhindern konnte nun selbst den Schreibtisch zu Untersuchen.
Eine Öllampe. Ein geöffnetes Tintenfass. Einige Federn. Ein Siegel mit Siegelwachs. Eine Teetasse. Unwillkürlich nahm der Engländer die Tasse auf. Sie war kalt, nein eigentlich eher lauwarm, und nur noch halb voll.
»Scott!« der Angesprochene nickte und schob dabei die unterste Schublade wieder zurück.
»So viel dann dazu dass der Direktor heute noch nicht hier gewesen ist« Eigentlich konnte sich Arthur keinen Grund vorstellen warum die Nette Sekretärin sie angelogen haben sollte, doch leider erweckte es den Eindruck, dass wirklich Irgendwas nichts stimmte. Aber was? Sein Blick wanderte wieder durch den Raum, nichts gab auch nur den geringsten Hinweis auf irgendwas. Vielleicht weil er sich einfach von der Paraneuer ähnlichen Suche seines Vorgesetzten hatte anstecken lassen oder vielleicht weil dieser Herr Direktor einfach sehr gut darin Dinge zu verheimlichen … Ach was, jetzt klang er ja fast so verzweifelt wie Scott. Die Tasse war nicht lauwarm gewesen, sie war kalt und an ihr war auch absolut nichts Verdächtiges!
Eine Frauenstimme war zu hören, die hastig und ziemlich formell jemanden begrüßte. Die beiden Männer sahen beinahe gleichzeitig wieder hinüber zur Tür und dann einander an. Sie nickten, und gingen wieder zu den beiden Sesseln wo sie sich grade noch rechtzeitig wieder setzten, doch Arthur hatte gesehen, dass der Schotte, auf seinem Weg zurück, etwas in seine Tasche hatte gleiten lassen. Etwas klein und goldenes. Das ging nun eindeutig doch zu weit, doch ehe er danach Fragen, oder besser etwas sagen, konnte wurde die Tür geöffnet und nebst der hübschen jungen Frau trat ein junger Mann ein.
Er war nicht weniger gut aussehend als sie, wenn er das so ohne weiteres denken konnte. Doch Arthurs erster Eindruck war, dass er in gewisser Weise ein wenig Ähnlichkeit mit seinem Vorgesetzten zu haben schien. Irgendetwas an seinem Blick, etwas das einem erlaubte alles in sie hinein zu interpretieren und als gültige Antwort anzuerkennen. Er war nicht überdurchschnittlich groß, doch ihn als klein zu beschreiben wäre falsch gewesen. Natürlich war er gut gekleidet, formell, schwarz. Mantel wie Hut trug er in der Hand, ehe die Sekretärin sie ihm abnahm. Seine Haut war hell, die Augen von einem, auf mysteriöse Weise, natürlich scheinenden violett-blau. Seine Haare waren hellblond und ordentlich zurecht gemacht, wenngleich eine einzelne Strähne in einem eigenwilligen Winkel abstand und in einer kleinen Locke endete. Doch das wichtigste, er war eindeutig Ausländer.
Der Direktor setzte sich Wortlos an den Schreibtisch, warf der Frau einen Blick zu, die sofort die Tasse entfernte und wandte sich dann den beiden Inspektoren zu.
»Also? Ich habe keine Zeit für unnütze Unterhaltungen, was wollen sie hier?« Seine Stimme schien unnatürlich kalt, desinteressiert, unhöflich und das nicht nur wegen seiner direkten Worte und der fehlenden Begrüßung. Doch ansonsten war er ziemlich gelassen dafür, dass er so spontan Besuch von der Polizei bekommen hatte. Man bekam normalerweise nicht ohne Grund Besuch von ihnen. Allerdings … der Engländer war ebenso an der Antwort zu dieser Frage Interessiert wie ihr unfreiwilliger Gastgeber. Sein Blick wanderte von dem Blonden zurück zu Scott, der den Direktor eingehenden musterte, so eingehend, dass er im Moment wahrscheinlich das gleiche Profil erstellte wie Arthur es zuvor getan hatte. Hatte Scott überhaupt einen Plan? hatte er sich überhaupt Gedanken gemacht was sie ihm erzählen sollten? Was sie hier wollten? Der Engländer hoffte, er bettete zu Gott, dass dies nicht eine unüberlegte spontane Aktion werden würde.
»Welcher von ihren Leuten ist es?« der Chief Inspektor klang beiläufig und nippte demonstrativ an der Tasse, verzog aber eine Sekunde lang leicht das Gesicht. Der Tee war scheußlich, Arthur hatte den gleichen Fehler gemacht und probiert ehe er sich zu seinem Vorgesetzten an den Schreibtisch begeben hatte. Das leichte verständliche Lächeln das der Blonde ihm daraufhin schenkte kommentierte er jedoch mit einem vernichtenden Blick. Dennoch stellte er die Tasse beiseite und drehte sich wieder zu dem Direktor um. Dieser machte keine Anstalten irgendeine gefühlsähnliche Reaktion zu zeigen.
»Wer ist was?«
»Leather Apron« Scott war offenbar ebenso wenig daran interessiert, daraus eine Unterhaltung auf gefühlsebene zu machen, wie der Direktor. Arthur hingegen verschluckte sich vor Überraschung und brach in Husten aus. Keiner der beiden anderen achtete auf ihn. Natürlich nicht, sie hatten sich gegenseitig Fixiert. Schätzten ab mit wem sie es zu tun hatten, wie weit sie gehen konnten und ob diese unsichtbare schwelle vielleicht schon überschritten wurde. Am liebsten hätte er irgendwas gesagt, er hatte das Gefühl sich für die direkte Art und die Worte des Inspektors entschuldigen zu müssen. Und vor allem wollte er nicht weiter unbeachtet herum sitzen, wenngleich ersteres oberste Priorität hatte. Doch leider war er immer noch mit husten beschäftigt und noch immer kümmerte sich absolut niemand um ihn.
»Ich verstehe« Der Blonde am Schreibtisch sah einen Moment auf die Tischplatte herab, auf der offensichtlich ein Schreiben lag. Arthur sah wieder zu Scott und fragte sich ob der Schotte in diesem Moment das gleiche dachte wie er: eben hatte es noch nicht dort gelegen. Als sie den Schreibtisch inspiziert hatten hatte dort nichts gelegen was einem Schreiben irgendwie ähnlich war. Hatte er es mitgebracht? War es überhaupt wichtig? Wenn nicht, warum sah der blonde genau jetzt auf den Zettel hinab?
»Also?« Drängte Scott ungeduldig.
»Also, ich denke nicht, dass sie den Mörder hier finden.«
»Sind sie da sicher? Wir haben leider beweise die das Gegenteil bestätigen.«
»Das Erklärt warum sie so unverschämt direkt waren.« Noch immer war keine Reaktion oder eher Emotion auf dem Gesicht des Direktors abzulesen und auch der Schotte gab sich ausgesprochen gelassen. Er ging sogar so weit dem Blonden eines seiner eingebildeten, überheblichen lächeln zugutekommen zu lassen und er – Arthur Augen zuckten zurück zu dem Blonden an seinem Schreibtisch. Hatte er sich das nur eingebildet oder hatte er tatsächlich etwas wie Unbehagen in den monotonen violett-blauen Augen aufblitzen gesehen?
»das bin ich von Natur aus« Oh ja das war er und er ruinierte damit grade allen Ruf den das Scotland Yard hatte! Der Engländer musste ihn irgendwie Aufhalten, ehe die Sache noch aus dem Ruder lief. Wenn sie nicht längst aus dem Ruder gelaufen war. Aber wie … es war keine Zeit zu überlegen und so versuchte Arthur es mit einem Spontanen Rollen tausch.
»Also, ähm, was wir eigentlich sagen wollten oder eher fragen« erwiderte er hastig und bemüht dabei möglichst höfflich und formell zu bleiben. »Wir würden gerne wissen wer den Bericht der Heutigen Titelseite verfasst hat und woher er seine Informationen hat« Der Chief Inspektor warf ihm einen Finsteren Blick zu, denn er jedoch einfach abtat und stattdessen entschuldigend dem Blonden zunickte »ich hoffe sie können über die Aufdringlichkeit meines Kollegen hinwegsehen, er ist noch nicht allzu lange dabei und ein wenig Naiv« und vorschnell und viele viele andere Dinge die den Schotten so negativ auszeichneten. neben ihm holte der Schotte deutlich vernehmbar durch die Zähne hindurch Luft, wahrscheinlich hätte er ihm gerne gezeigt wie vorschnell und naiv er doch war. Arthur seufzte innerlich. Doch dieses Mal galt die gesamte Aufmerksamkeit des Direktors dem Engländer allein, nicht dem Schotten, sodass die Möglichkeit bestanden, dass er diese Geste einfach übersehen hatte. Der Brite, räusperte sich und setzte sich automatisch grader hin, in dem versuchte möglichst viel Autorität auszuströmen. Er musste es einfach schaffen ihn dazu zu bringen ihnen diese Auskunft zu geben, ansonsten wäre ihr ganzer Aufenthalt hier umsonst gewesen.
»… Natürlich« der Blonde hatte sich erhoben und dabei das schreiben wieder in seine Westen Tasche geschoben. Er trat an die Tür und öffnete sie »der Journalist den sie suchen heißt Jett Banjora, meine Sekretärin wird sie herunter geleiten« so einfach. Fast hätte es Arthur aus dem Konzept gebracht diese Antwort so völlig ohne weiteres zu bekommen. Fast hätte er ihn einfach nur ungläubig angestarrt, wenn er nicht im Moment den autoritären und weisen Polizei Hauptkomisar darstellen müsste.
»zu freundlich, Mr. Bondevik« Arthur nickte neuerlich, stand auf, ging zur Tür und reichte dem Direktor kurz die Hand. Schließlich winkte er den ‚Frischling' hinter sich her. Scott jedoch ließ sich zeit beim Aufstehen und erließ sich noch mehr Zeit als er dem Engländer folgen sollte. Fest stand und dieser Gedanke ließ ihn schon jetzt innerlich seufzen, das mit dem Neuling würde er später bereuen. Er wusste nicht wie oder wann, aber er wusste das Sott das nicht auf sich sitzen lassen würde.
Als sie endlich unten bei besagtem Banjora angekommen waren, stockte dem Briten der Atem. Das blanke Chaos. Papierstapel häuften sich auf dem winzigen Sekretär und den Flächen rund um diesen herum, eine neumodische Kamera lag obenauf. Mantel und Hut waren achtlos über die Kante eines Regales gehängt wurden. Zwischen ihnen hingen planloslaufende Schnüre, an denen mit kleinen Klammern hunderte Fotos hingen. In mitten des ganzen saß ein junger Mann mit brauen, zerzausten Haaren, einem Pflaster auf der Nase und etwas im Mundwinkel das wie ein Zahnstocher aussah.
Nachdem der Mann sie endlich entdeckt hatte, er war so sehr in seine Arbeit vertieft das es eine ganze Weile dauerte, begrüßte sie mit einem nicht konformen »Yo!« und der Geste einfach die Hand hoch zu halten. Er grinste breit und hämmerte dann wieder mit einer fast unmenschlichen Geschwindigkeit auf die Tasten seiner Schreibmaschine ein. Irritierenderweise erinnerte er Arthur dabei an einen Pianisten, der mitten in einer neuen leidenschaftlichen Komposition saß.
Arthur blinzelte und der Schotte neben hin hatte die Augenbrauen hochgezogen. Für den fall das er tatsächlich die Idee verfolgt hatte der Autor dieser Texte könnte ihr Mörder sein hatte er sich getäuscht. Definitiv. Eine ganze Weile Klackerten die Tasten noch vor sich hin ehe der junge Mann das Blatt heraus riss und auf einem der Stapel fallen ließ, anschließend stand er auf streckte sich einen Moment und ging auf die beiden Polizisten zu
»also, was gibt's?« der Engländer hörte sofort heraus, dass dieser Banjora aus dem Ausland kam, wahrscheinlich Englisch sprachig doch eindeutig nicht … Englisch! Wenigstens erklärte das ein wenig den Schock den er beim Anblick dieser Person gehabt hatte, wenngleich es dieses Chaoseigentlich nicht verharmlosen sollte. Der Mann hatte definitiv ein Ordnung Problem …
»Wir müssen sie mit aufs Yard nehmen« Scott hatte vor dem Engländer seine Stimme wieder gefunden und offensichtlich war er nicht bereit weiter den Frischling zu mimen – nicht das er das vorhin besonders überzeugend gemacht hätte. Aber schweigen war bei ihm schon mal ein netter Anfang Gewese. Jetzt war er jedenfalls wieder ganz der mürrische Alte den Arthur so gewohnt war.
»Aufs Yard?« der Dunkelhaarige kratzte sich verwirrt am Kopf »ich versteh nicht ganz«
»Wegen unseren Ermittlungen müssen wir-« Ohne Arthurs Erklärung abzuwarten hatte der Schotte einen Schritt vorwärts gemacht, den Dunkelhaarigen am Arm gepackt und Richtung Ausgang geschleift. Eindeutig ganz der Alte. Arthur seufzte und er seufzte noch immer als er ihn in die Kutsche bugsiert hatte und sie wieder auf dem Weg zurück zum Scotland Yard waren.
Luke begrüßte sie, als die beiden, den Journalisten im Schlepptau zurückkamen. Irritiert sah er von einem zum anderen und legte leicht den Kopf schief. Offensichtlich seine Art ihren gefangen genauer zu mustern, was unweigerlich die unausweichliche Frage zur folge hatte:
»ist das etwa-« setzte der Blonde an, doch er wurde unterbrochen noch ehe er geendet hatte.
»nein!« kam es von den beiden Briten wie aus einem Mund und der Engländer ergänzte schnell ein »zumindest wollen wir es nicht hoffen« Wenn doch… das würde ihnen doch kein Mensch Glauben …
