Der kleine Trupp marschierte fast eine Stunde durch den Wald zu einem Zeltlager, wo mehrere Soldaten untergebracht waren. Es gab neben zehn kleinen Zelten, in denen sechs Soldaten platz fanden, das große Hauptzelt, wo gerade John halb durchgefroren saß. Einfach eingerichtet, mit einem Feldbett, einem großen Holztisch auf den Kartenmaterial ausgebreitet lag und einem Regal in dem verschiedenste Waffen lagen. Angefangen von Messern mit verschiedenster Länge bis zum Wraith-Blaster.

„Lt. Colonel John Sheppard.", begann der Anführer der Luxianer, der sich gegenüber seinen Gefangenen gesetzt hatte. Er verspeiste genüsslich einen Apfel indem er einzelne Scheiben mit einem Messer entfernte. „Endlich, haben wir ein bisschen mehr Zeit uns kennen zu lernen als bei unserem letzten Treffen. Ihnen eilt ein Ruf voraus." Der Luxianer aß weiter den Apfel. Er beobachtete genau die Reaktionen des Colonels, der den Luxianer schweigend, mit einem ernsten Blick bedachte.

„Schön das sie meinen Ruf kennen. Vielleicht verraten sie mir jetzt ihren Namen.", reagierte Sheppard mürrisch, der innerlich kochte über die ganze Situation. Erstens bekamen Fremde ungehinderten Zugriff auf Atlantis. Zweitens wurde er entführt. Drittens saß er jemanden Gegenüber, der mit ihm garantiert nicht über Freundschaft reden möchte.

„Mein Name ist Commander Ladakus Wadego. Befehlshaber der Spezialeinheit Sieben." Wadegos Augen strotzen vor stolz.

Jetzt erkannte auch John die Zahl, die übers Wadegos Auge tätowiert war. Bei ihrem ersten Treffen bemerkte er bereits das Tatoo. Er konnte damals das Zeichen nicht genau erkennen. Es war eine sieben, eingerahmt in einem Viereck.

„Was wollten sie von mir und meinem Team?", fragte Sheppard direkt. „Ich habe den Angriff nicht vergessen."

„Commander Kolya.", erklärte Wadego und sah den Colonel finster an.

'Kolya', dachte John. Hörte dieser Mann nie auf ihn zu verfolgen.

„Er war ein Freund von mir.", beendete der Luxianer den Satz. „Und sie haben ihn getötet."

„Geht es also um Rache. Deswegen der Angriff auf Planeten M7G-666.", fragte John unsicher.

Der Luxianer grinste. „Anfänglich, ja." Wadego stand auf und trat nahe an Sheppard. Dabei spielte er genau in Augenhöhe seines Gefangenen mit dem Messer herum. „Ich wollte sie und ihr Team langsam und qualvoll töten." Wadego nahm das Messer kurz in die linke Hand und schlug den Colonel mit der Faust hart ins Gesicht. Vor Sheppard Augen blitzten für wenige Sekunden Sterne auf und er wäre garantiert umgekippt, hätte er nicht im Stuhl gesessen. John sammelte sich und blickte wieder stolz zu dem Luxianer auf.

„Wie gesagt, anfänglich wollte ich sie sterben sehen. Aber jetzt Colonel, sind sie durch Zufall auf etwas gestoßen, was mich interessiert."

„Keine Ahnung wovon sie sprechen.", antwortete Sheppard ruhig. Er wusste, dass der Luxianer versuchte ihn einzuschüchtern. Er wurde dafür ausgebildet, solchen Verhören zu widerstehen.

„Hm, Rekapitulieren wir noch mal die Ereignisse auf M7G-666." Ladakus Wadego lief jetzt vor dem Colonel auf und ab. „Ich verfolgte sie mit einer kleinen Gruppe meiner Soldaten und jagte sie durch den Wald zu einer Felsformation. Als ich dachte wir hätten sie, verschwinden sie plötzlich spurlos. Dann tauchten sie aus dem Nichts wieder auf, während es meiner Gruppe gelangte, ihre Teammitgliedern zu überwältigen. Sie griffen aus dem Hinterhalt an. Befreiten ihre Freunde und entkamen durch das Sternentor.", erzählte der Luxianer und blieb vor Sheppard stehen. „Das war eine wirklich gelungene Leistung.", fügte er bewundernd hinzu.

Sheppard sah verschmitzt zum Commander auf. „Danke." Bei dem Commander klang die Rettungsaktion so leicht, dabei wäre beinahe Teyla draufgegangen.

Wadego gab seinen Leuten mit Augenkontakt zu verstehen, dass sie den Gefangenen festhalten sollten. Die beiden Soldaten traten nahe an Sheppard. Sie hielten seine Arme fest und drückten ihn dabei in den Stuhl.

Der Luxianer hielt das Messer genau unter Sheppards Augen. „Ich möchte jetzt ganz genau wissen, wo sie in der Zwischenzeit waren. Wieso konnten sie vor meinen Augen verschwinden?"

John begann fieberhaft nachzudenken. Er wusste selber nicht genau, wo er gewesen war. Nachdem er aus der Höhle trat, lief er sofort zu seinen Freunden. Sie hatten bisher keine Zeit zurückzukehren. Dr. Weir hielt es nicht für sicher und Teyla erholte sich noch von der schweren Verletzung. Er entschied sich fürs dumm stellen.

„Ich weiß immer noch nicht worauf sie hinaus wollen. Da war ein Felsvorsprung. Hinter dem ich mich versteckte. Das ist alles."

Commander Wadego schlug dem Colonel hart in den Magen. „Sie lügen.", schrie er. „Wo waren sie?"

Sheppard schnappte nach Luft und schwieg auf die Frage. Wieder hielt Wadego dem Colonel das Messer vor das Gesicht. „Ich werde sie damit ganz langsam aufschlitzen. Reden sie."

Sheppard schwieg und der Luxianer setzte seine Worte in die Tat um. Er fügte Sheppard langsam eine leichte Wunde oberhalb des rechten Armes zu. John biss auf die Zähne und gab keinen Laut von sich. Dies ärgerte den Commander noch mehr, weshalb Sheppard erneut einen Hieb in den Magen bekam.

John atmete durch und wartete auf den nächsten Schlag, aber nichts geschah.

Plötzlich änderte sich die ernste Miene des Luxianers zu einem leichten, amüsierten Lächeln. Der Commander ging zum Regal. Er tauschte das Messer gegen einen Gegenstand ein, den Sheppard nicht kannte. Es sah aus wie eine kleine Pistole. Nur, dass es keine Öffnung gab, sondern einen ovalen Abschluss, der grün leuchtete. Dann trat er zum Colonel.

„Was ist? Sie wollten mich doch langsam aufschlitzen?"

„Sarkasmus wird ihnen nicht helfen, Colonel.", erwiderte der Commander. „Das hier ist viel besser." Dabei spielte der Luxianer mit dem Gerät. „Dies ist ein kleines nützliches Spielzeug. Ich bekam es von Commander Kolya. Er würde es genießen, wenn er hier wäre."

Sheppard sah zu Boden. Er wusste nicht was jetzt kommen würde, aber eins war sicher. Es ist bestimmt schmerzhaft. Es war auch bestimmt kein Gutes Zeichen, dass die Soldaten ihn losließen und einen Schritt zurücktraten.

„Die Genii nutzen es für ihre Tiere auf den Farmen. Sie zähmen beziehungsweise töten die Tiere mit diesem Gerät." Der Commander besah sich genauer die Waffe in seinen Händen. „Es kann auch nützlich beim Verhör sein. Es gibt zehn Stufen. Bei der ersten Stufe bekommt das Tier nur einen kleinen Stromstoß, damit es in die richtige Richtung geht und so weiter. Die zehnte Stufe hingegen führt zum sofortigen Tod des Tieres. Es ist relativ schmerzlos, aber dazwischen ..." Wadego drückte ab und Sheppard zuckte kurz zusammen. „Sehen sie. Das war Stufe eins.", sagte der Luxianer grinsend. „Kaum der Rede Wert."

In Sheppards Körper ließ langsam der Schmerz nach und John Sheppard gelang ein Lächeln.

Wadego verstellte den Regler und ein erneuter grüner Strahl traf den Colonel. John biss die Zähne zusammen, um den Schmerz auszuhalten. Jede einzelne Faser in seinem Körper brannte und die Muskeln zogen sich zusammen.

„Das war die Stufe drei." Wadego beugte sich zum Colonel hinunter und fragte ihn kalt. „Sagen sie mir, wo sie waren oder ich mache weiter." Als der Luxianer keine Antwort bekam, erhöhte er auf Stufe fünf und drückte ab.

Sheppard stöhnte auf vor Schmerzen. Kaum noch in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, blickte der Colonel den Luxianer wütend an.

„Ziemlich schmerzhaft.", stellte der Luxianer mehr als zufrieden fest. „Colonel, es wäre für sie leichter, wenn sie mir einfach sagen, wo sie sich versteckt hielten."

„Hinter einem Felsvorsprung.", erwiderte Sheppard erschöpft.

„Sie haben es so gewollt." Wadego betätigte erneut die Taste und der Colonel wurde von einem Energiestrahl getroffen, dass sein ganzer Körper innerlich vor Schmerzen explodierte. Besinnungslos sackte Sheppard in sich zusammen. Der Commander schnippte. Der Soldat zur rechten Seite prüfte den Puls von den Gefangenen. „Er lebt."

Wadego nickte. „Bringt ihn fort. Wir verlassen den Planeten und kehren zu M7G-666 zurück."

Müde und ausgelaugt stand Sheppard hinter dem Gate von M7G-666. Seine Hände waren mittlerweile frei, aber seine wunden Handgelenke brannten. Einer der Soldaten hatte sich zumindest erbarmt und ihm Stiefel angezogen, während er halb bewusstlos aus dem Zelt fortgebracht wurde. Aber noch immer, trug er seine leichte Hose und das Shirt mit dem er zu Bett gegangen war. Der kalte Nachtwind zerrte an ihm.

Weitere Soldaten traten durch das Gate. Mit ihnen Commander Wadego, der lächelnd an Sheppard vorbei trat. Nicht alle Soldaten von Wadego waren durch das Tor getreten. Sheppard zählte zwanzig. Die Zahl ist besser als sechzig, aber es reichte eine Flucht unmöglich zu machen.

Der Commander gab ein Handzeichen und der Trupp setzte sich in Bewegung.

Sie liefen zur Felsformation, wo Sheppard die Höhle entdeckte. Vor dem Eingang hielten sie. Die Soldaten betrachteten mit Erstaunen die kunstvollen Verzierungen an der Felswand, die unter dem Sternhimmel zu leuchten schienen. Erst jetzt bemerkte Sheppard das Bild. Es stellte eine Formation von Planeten dar.

„Also gut, Colonel. Wir sind da." Wadego ging zum Colonel.

„Das sehe ich.", erwiderte Sheppard leise.

„Commander Kolya erzählte mir bereits von ihrer Stärke, die er übrigens bewunderte. Dass sie den Wraith überlebt haben, hat ihn überrascht. Was war das für ein Gefühl? Wenn einem das Leben ausgesaugt wird."

Etwas verwundert und hasserfüllt blickte Sheppard zu Wadego. Er kämpfte noch immer mit den Erinnerungen.

„Er vermochte sie nicht zu brechen, aber glauben sie mir, ich habe bisher jeden gebrochen. Wir Luxianer verstehen unser Handwerk." Wie aus dem Nichts hielt Wadego die Waffe in der Hand, mit der er bereits den Colonel quälte und drückte ab.

Mit schmerzverzogenem Gesicht ging Sheppard in die Knie.

„Wo hatten sie sich versteckt?"

„Warum ist es ihnen so wichtig.", presste John schwer atmend hervor.

Der Luxianer beugte sich zu ihm hinunter.

„Sie wissen nicht auf welchen Planeten sie sind, oder?"

Fragend blickte Sheppard auf, als der Schmerz erträglicher wurde.

„Die Antiker bewohnten den Planeten. Angeblich ist hier ihre größte und älteste Bibliothek verborgen. Viele haben danach gesucht, aber niemals wurde die Bibliothek entdeckt. Wissen sie, was ich glaube?"

„Das ich die Bibliothek gefunden habe.", antwortete der Colonel wenig begeistert. Es ergab alles einen Sinn. Mit Hilfe des Antiker Gens gelangte er ungehindert durch das Schild. Ihm blieb keine Zeit, tiefer in die Höhle zu gehen. Dort könnte alles mögliche verborgen sein. Wenn es wirklich diese Bibliothek gibt. Dies bedeutet für die Wissenschaftler auf Atlantis alles. Er sah förmlich McKay vor sich, wie er mit Eifer die Daten analysierte. Ein leichtes Lächeln umspielte sein Gesicht.

„Ich sehe wir verstehen uns. Also Colonel. Wie gelangten sie hinein?"

Sheppard schwieg eisern bis ihn erneut ein quälender Schmerz durchdrang. Er fiel zu Boden. Nach zehn Sekunden ließ das Brennen nach. Sheppard blickte zur Seite. Für einen kurzen Augenblick meinte er Ronon gesehen zu haben, wie er versteckt hinter einem Felsen lag. Er gab ihm ein Zeichen. Sheppard blieb keine Zeit sich zu vergewissern, da zwei Soldaten ihn wieder auf die Knie zogen.

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TBC