Kapitel 3

Träume und Schäume

George

Am nächsten Morgen wachte George von dem allmorgendlichen Lärm im Jungenschlafsaal auf. Schlaftrunken schlurfte er ins Bad um sich zu erfrischen. Die halbe Nacht hatte er wach gelegen und an Alice gedacht. Würde sie tatsächlich zu einer blöden, eingebildeten und fiesen Slytherin werden? Oder war sie doch stark genug, die zu bleiben, die sie war? Fragen über Fragen tobten in seinem Kopf hin und her. Aber die Antwort blieb dieselbe: Es gibt keine. Er musste ihr schon gegenüber treten um zu wissen ob sie sich abwenden würde oder nicht. Doch wollte er das wirklich wissen? Was, wenn die Wahrheit ihm letztlich doch das Herz brach? Aber wie konnte sein Herz brechen wenn es schon ihr gehörte? Ging das überhaupt? George raufte sich die Haare. Warum nur musste die Liebe so kompliziert sein?

Fred, der neben George stand, beäugte seinen Bruder kritisch. Er war nicht begeistert darüber, dass George sich so von seinen Gefühlen manipulieren ließ. Was das anging, war Fred eindeutig der coolere von beiden. Der ließ sich von keinem Mädchen so aus der Reserve bringen. George aber war sehr gefühlsbetont und sensibel. Und das hatte ihm schon verdammt oft viel Kummer gemacht. Und diesmal sah es wieder danach aus. Fred machte sich ernsthafte Sorgen um seinen Bruder, denn dieses Mal war es noch viel schlimmer als sonst, weil George das Mädchen echt verdammt gern hatte. Und weil sich besagter mal wieder verflucht noch eins stur stellte. Sie wäre anders. Hörte Fred seinen Bruder tönen. Sicher wünschte er seinem Bruder, dass Alice wirklich nicht so war, wie all die anderen Slytherins, aber wie groß war die Wahrscheinlichkeit schon? Das hatte es in all den Jahren, die seine Familie die Schule besucht hatte nie gegeben. Aber George Weasley, Romantiker in Person, glaubte natürlich an Happy End mit Märchenhochzeit. Fred seufzte. Er konnte nur hoffen, dass Alice zu ihm eklig genug war, dass George wieder aufwachte. Das war die einzige Möglichkeit, seinen Bruder zur Vernunft zu bringen.

Schweigend gingen die Beiden zurück in den Jungenschlafsaal. Dort wartete Lee schon. „Hey Leute, wenn ihr weiter so langsam seid, futtert euch euer jüngster Bruder noch das Frühstück weg. Ihr solltet euch besser beeilen." tönte der gutgelaunte Schwarzhaarige. Ein Grinsen breitete sich bei den Zwillingen aus. Wer konnte einen besser auf andere Gedanken bringen als Lee Jordan? Im Handumdrehen besserte sich die Laune der Jungs und sie starteten eine ziemlich lautstarke Klamottenschlacht. Wenn sie damit nicht alle aus den Betten geworfen hatten, dann wäre es ein Wunder gewesen. Völlig zerzaust saßen Lee, Fred und George auf dem Fußboden des Schlafzimmers und hielten sich die Bäuche vor Lachen. „Mann, wir sind echt ne Chaotengang. Das war echt filmreif. So kann das Schuljahr anfangen." flötete George. Der Kummer, der ihn bedrückt hatte war verflogen. Auf Lee und Fred war immer Verlass. Und darüber war George echt froh. Wer brauchte schon so ein Mädchen, dachte er bei sich. Die verarschen einen ja doch irgendwann. Aber die besten Freunde, die standen einem immer zur Seite. „Du Lee, ich glaube, unser kleiner George ist gerade erwachsen geworden." stichelte Fred, der wie immer genau wusste, was George dachte. „Was heißt hier erwachsen? Es ist doch einfach nur nachgewiesen, das Freundschaft unter Männern mehr wert ist als die Liebe einer Frau." Fred und Lee prusteten los.

Das klang definitiv nicht nach dem George, den sie beide gut kannten. Aber sollte er sich doch einreden was er wollte, dachte Fred. Hauptsache er war von dem Vampirmädchen abgelenkt. Lee schien derselben Ansicht zu sein und nickte Fred anerkennend zu. Fred betete nur, dass Alice ihnen nicht gleich wieder über den Weg laufen würde. Damit wäre Lee's Mühe nämlich völlig umsonst gewesen. Wenn er sie jetzt wiedersieht, dann wird er 100%ig wieder rückfällig, das war so sicher, wie Snape seine Nase übergroß. Fred seufzte innerlich. Er ging davon aus, dass diese Begegnung nicht mehr allzu lange auf sich warten ließ. So groß war Hogwarts nun einmal leider nicht, als dass man George und Alice auf Dauer voneinander fernhalten konnte. Selbst wenn George im Moment Meister der Verdrängung zu sein schien, ein Blick in ihre Augen würde schon wieder ausreichen um seinen Schalter für Verstand auf verliebt umzulegen. Doch für diesen kurzen Moment der Ruhe vor dem Sturm ließ Fred seine Gedanken unvollendet und folgte seinen beiden Kumpels in die große Halle zum Frühstück.

Wie immer war die Halle erfüllt von Stimmengewirr und Essensgerüchen. George lief bereits das Wasser im Munde zusammen. Auch wenn seine Mom die beste Köchin der Welt war, das Essen in Hogwarts war einfach außerhalb jeglicher Konkurrenz. Nie, aber auch nie wusste man, was man am zuerst essen sollte. Fred und Lee schienen vor einem ähnlichen Problem zu stehen bzw. zu sitzen. Georges Blicke schweiften über die gesamte Tafel: Brötchen, Toast, Rührei, Obst, Cornflakes, Müsli, Butterhörnchen und eine ganze Reihe anderer Leckereien fanden sich dort wieder. Nachdenklich sah George abwechselnd von seinem Teller auf die Tische und wieder zurück. Fred neben ihm schien mittlerweile etwas gefunden zu haben, denn er nuschelte mit vollem Mund „Alscho wenn du keinen Hunger hascht isch esch für disch gern mit, Schorschi." George sah ihn an und wischte sich theatralisch etwas aus dem Gesicht „Freddie, Freddie, Freddie, du hast scheinbar überhaupt keine Tischmanieren… wenn das unsere Mutter gesehen hätte…" sagte er und lachte. Fred schluckte sein Brötchen herunter und sah George spöttisch an. „Ganz ehrlich Brüderchen, sie wäre viel entsetzter über die Tatsache, dass ich mich mal nicht völlig daneben benehme am Tisch." Entgegnete er seinem Bruder und wandte sich seinem Essen zu. George musste lachen. Fred hatte schon absolut Recht… wenn es um die gute Kinderstube ging, hatten sein Zwillingsbruder und er einen sehr geringen Teil abbekommen. Wahrscheinlich hatte ihr Bruder Percy dafür umso mehr davon erhalten. Der war so anständig, dass einem davon regelrecht übel wurde. George fand Percys piekfeine Art einfach nur lächerlich. Selbst wenn er damit Vertrauensschüler geworden war… keine zehn Zentauren konnten George dazu bewegen so ein versnobter Wichtigtuer zu werden. Eher würde er Würmer essen. Apropos, dachte George. Langsam wurde es Zeit, etwas zu sich zu nehmen, wenn er nicht mit leerem Magen die Schulbank drücken wollte. Wofür sollte er sich nun entscheiden? George beschloss, seine Entscheidung dem guten, alten Glück zu überlassen und griff blindlings über den Tisch. Als er die Augen wieder öffnete hielt er ein Nougathörnchen in der Hand und blickte in das verdutzte Gesicht eines schwarzhaarigen Mädchens. „Alice…" flüsterte er, als er ihre wunderschönen grünen Augen endlich wieder bewundern konnte.

Alice

Nach den Geschehnissen am Abend war Alice völlig durcheinander. Draco hatte sie geküsst. Und für einen Moment war sie schwach geworden. Dumm und schwach. Dumm genug zu glauben, er würde seine Worte ehrlich meinen. Nein, er wollte sie nur herum kriegen. Aber da hatte er auf die Falsche gesetzt. Alice würde nicht eine seiner Trophäen werden. Er hatte es schamlos ausgenutzt, dass sie für einen Augenblick schutzlos war. Dass sie seine Nähe gesucht und ihn an sich herangelassen hatte. Das war der größte Fehler ihres gesamten Lebens gewesen. Sie könnte sich ohrfeigen. Alice schlug gegen die Wand und begann erneut zu weinen. Warum genau sie weinte, wusste sie nicht. Ob es wegen dem Kuss war oder ihrer Gefühle für ihn. Vielleicht aber auch wegen seiner verletzenden Worte. Oder wegen allem auf einmal. Sie konnte es nicht sagen. Nur eines wusste sie genau: sie hatte diesen Kuss gottverflucht noch eins genossen. Nur ihrer Reflexe wegen hatte sie ihn weg geschubst und keinesfalls weil sie den Kuss nicht wollte. Damit wäre die Sache einfach nur ein Unfall gewesen. Aber das eben war mehr, sehr viel mehr gewesen. Dagegen konnte sich Alice nicht sperren. Bloß wie sollte das weitergehen? Immerhin hatte er ihr seine Liebe gestanden. Was sie allerdings nicht wirklich glauben konnte. Draco Malfoy und Liebe - das waren drei Worte die nicht in einen Satz passen wollten, oder doch? Hatte er vielleicht endlich gelernt, auf sein Herz zu hören? Aber warum sollte es bitte ausgerechnet für Alice schlagen? Er konnte jedes erdenkliche Mädchen haben. Oder besser gesagt, er bekam sie alle und warf sie dann weg wie Müll. Wie oft hatten sie darüber diskutiert und gestritten? Wie oft hatte er Alice verletzt und wie oft hatte sie ihn verdammt? Und doch war sie immer wieder für ihn da gewesen und hatte sich mit ihm vertragen - weil sie ihn liebte. Doch die Frage ist doch, ob er auch zu Liebe fähig ist? Alice konnte das nicht recht glauben, so gern sie es auch täte. Wie Mücken im Licht schwirrten ihre Gedanken umher. Irgendwann schlief sie dann ein, nur um wieder von ihm zu träumen.

Schon ziemlich früh am nächsten Morgen war Alice wieder wach. Sie hatte unruhig geschlafen die Nacht. Sie warf einen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass sie noch vier Stunden Zeit hatte um zum Unterricht zu gehen. Alice reckte sich und lief langsam Richtung Bad. Nichts an ihrem Spiegelbild verriet, wie lang ihre letzte Nacht gewesen war. Dazu musste man wohl in ihr Innerstes schauen. Doch das ließ Alice nun einmal nicht durchblicken. Sie kämmte sich ihre langen schwarzen Haare und band sie zu einem lockeren Pferdeschwanz. Danach zog sie ihre Uniform über und verließ den Gemeinschaftsraum in Richtung große Halle. Auf ihrem Weg begegnete sie einigen anderen Frühaufstehern, unter anderem einem koreanisch aussehendem Mädchen. Allerdings war diese Begegnung alles andere als freundlich, denn die beiden liefen praktisch ineinander. „Kannst du nicht aufpassen, Erstklässlerin?" beschimpfte sie Alice. Allerdings wäre Alice nicht Alice, wenn sie sich das gefallen lassen würde. „Hey, du Reisfresserin wie wäre es, wenn du deine Plattnase nicht so hoch tragen würdest? Dann hättest du mich doofe, kleine Erstklässlerin auch nicht übersehen." zischte Alice zurück. „Vielleicht solltest du auch einfach mal nach oben schauen, statt mit gesenktem Kopf durch die Gegend zu laufen, Kleine." Nun kam Alice in Fahrt, denn sie hasste es auf den Tod ‚Kleine' genannt zu werden. „Jetzt sperr mal deine Lauscher auf, Chinapuppe. Wenn du deine zarte Puppenvisage behalten willst, dann nenn mich ja nie wieder Kleine. Es sei denn du willst in einem chinesischen Horrorfilm eine Leiche spielen." fauchte Alice. Cho Chang, das chinesische Mädchen, verzog ihr Gesicht zu einem schiefen Grinsen. „Du hast eine ziemlich große Klappe dafür dass du eine Erstklässlerin bist, die mit einer Zweitklässlerin spricht." Über diese Aussage konnte Alice nur lachen. „Also ehrlich, wenn du dir nur darauf etwas einbildest, dass du ein Jahr älter bist als ich, dann fehlt es dir echt nicht nur an Hirn, was ohnehin mehr als eindeutig zu sein scheint, sondern auch noch an Selbstbewusstsein. Schlechte Kombination wenn du mich fragst. An deiner Stelle würde ich mich vom Astronomieturm werfen. Und jetzt möchte ich bitte endlich frühstücken, denn im Gegensatz zu dir leide ich nicht an Essstörungen."

Damit ließ Alice das Mädchen einfach stehen und ging zum Frühstück. Scheinbar hatte Alice gleich am ersten Tag eine Erzfeindin gefunden. Irgendwie fand Alice das ganze ziemlich komisch. Ihre wirren, trüben Gedanken an Draco waren wie weggeblasen. Zufrieden setzte Alice sich an den Frühstückstisch und löffelte einen Schokoladenpudding. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie Charlie ihr einmal welchen gemacht hatte. Das war, als sie zum ersten Mal bei ihm im Reservat gewesen war. Sie dachte gern an die Zeit zurück. Manchmal war sie echt dazu hingerissen gewesen, für immer bei ihm zu bleiben. Aber Charlie hatte darauf bestanden, dass sie auf die Schule geht. Er konnte ziemlich stur sein wenn er wollte. Aber in diesem Fall hatte er recht gehabt. Sie musste sich ihren Ängsten stellen und das hatte sie nun getan. Ob sie es bereuen würde, da war sich Alice allerdings nicht so sicher. Und wie um ihre Zweifel zu bestätigen sah sie gerade Fred und George in die Halle treten. Sie schienen allerdings keine Notiz von ihr zu nehmen. Einerseits hatte Alice nicht wirklich etwas anderes erwartet, aber andererseits war sie merkwürdigerweise verletzt. Sie hatte die beiden Spinner doch schon mehr in ihr Herz geschlossen als ihr lieb war. Aber was tun? Sollte sie darauf warten, dass die Zwei zu ihr kommen würden? Da konnte sie lange warten. Schließlich waren sie mit Charlie verwandt und demnach ebenso dickköpfig. Alice stöhnte innerlich auf. Worauf hatte sie sich nur eingelassen, als sie die Jungs in ihr Abteil hereingelassen hatte? Wäre sie doch einfach gewesen wie immer, dann würde sie sich jetzt nicht den Kopf zerbrechen. Und doch wusste sie auch, dass sie andernfalls immer noch ganz andere Dinge mit sich herumschleppen würde, hätte sie sich ihnen nicht anvertraut. Wie man es auch drehte und wendete, Alice wollte die Zwillinge nicht verlieren. Also fasste sie einen Entschluss: Sie würde ganz einfach hingehen und ihnen mal beweisen, wie fies und giftig Slytherins waren.

Alice stand auf und ging herüber zum Gryffindortisch. Sie beobachtete, wie George mit geschlossenen Augen nach etwas zu Essen suchte. Sie schmunzelte. Der Typ war echt verrückt. Aber auch irgendwie total süß. Plötzlich öffnete George seine Augen und sah sie an. Alice fiel erst jetzt auf, welch eine warme Aura seine braunen Augen verbreiteten. Sie hörte, wie er leise ihren Namen flüsterte. Aber nicht nur einfach so dahingesagt, er sagte ihn zärtlich, fast schon mit Gefühl. Dieser eine Moment nahm die Beiden völlig in sich auf. Die Welt um sie herum war völlig ausgeblendet. Alice spürte ein wohliges Kribbeln auf ihrer Haut. Es fühlte sich an wie der laue Sommerregen, der sanft auf die Haut rieselt. Eine innere Wärme erfasste Alice und durchflutete ihren Körper wie ein Monsun.

Ausgerechnet in diesem romantischen Moment musste natürlich Fred Weasley seinen Senf dazu geben. „Alice? Na sag mal, was machst du denn hier? Hast du dich verlaufen?" Erst registrierte Alice ihn gar nicht weiter, doch sein hektisches Gefuchtel brachte sie auf den Boden der Tatsachen zurück. „Oh hey Leute, habt ihr was dagegen, wenn ich mich zu euch setze?" überspielte sie gekonnt ihre Verwirrtheit. Fred, George und Lee tauschten erstaunte Blicke. „Eine Slytherin am Gryffindortisch? Ob das gut geht?" alberte Fred. Alice schnaubte genervt. „Also ehrlich, redet ihr nicht mehr mit mir, nur weil ich in einem anderen Haus bin?" schmollte Alice. George, der immer noch ein wenig betreten war, schien unfähig einen Satz zu bilden. „Wir dachten ja eher, du möchtest nicht mehr mit uns verkehren." gab Fred ehrlich zu. Alice lächelte. „Ach Quatsch. Ich muss sagen, ich finde diese Rivalitäten einfach albern. Wo steht geschrieben, dass Slytherins nicht mit Gryffindors befreundet sein können?" fragend sahen sich die Jungs an. „Im Regelbuch de Slytherins vielleicht?" antwortete George. Alice schnitt eine Grimasse. „Sehr witzig." gab sie zurück und setzte sich an den Tisch. Drei völlig verdatterte Jungs starrten sie an, sagten aber nichts weiter dazu. „Also, da du ja nun zur Familie gehörst, will ich mich auch mal eben vorstellen: Ich bin Lee Jordan und der Kommentator für die Quidditchspiele." stellte sich Lee auf seine charmante Art und Weise vor. Alice reichte ihm die Hand. „Ich bin Alice Blackwood und die böse Slytherin." lachte sie. Die anderen konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Alles schien perfekt zu sein.

Zumindest bis Draco hinter Alice auftauchte. „Nanu Blackwood, hast du dich im Tisch geirrt?" stichelte er. Alice stand auf und drehte sich zu ihm um. Seine beiden Gorillas ignorierte sie gekonnt. „Nun, ich denke mal es steht jedem frei zu sitzen wo er will. Und da ich an deiner werten Gesellschaft absolut kein Interesse habe, setzte ich mich möglichst weit von deinem Herrschaftsgebiet entfernt auf einen Platz. Aber scheinbar habe ich nicht einmal hinter feindlichen Linien meine Ruhe vor dir." antwortete sie schnippisch. Draco lachte. „So, du hast kein Interesse an meiner Gesellschaft ja? Nun, das sah heute Nacht aber ganz anders aus, Süße." sagte er und versuchte, ihr Gesicht zu berühren. Alice schlug seine Hand weg und durchbohrte ihn mit ihren Blicken. „Was da passiert ist, war eine einmalige Sache. Glaub mir, ein zweites Mal lass ich mich von dir nicht küssen, so gut warst du nämlich nicht." log sie. Draco schien peinlich berührt. „Du wagst es, mich so zu entblößen?" zischte er und verzog sein Gesicht zu einer Fratze. Alice wollte gerade etwas erwidern, da trat George dazwischen. „Hast du nicht gehört was sie gesagt hat? Sie will ihre Ruhe!" Draco sah ihn spöttisch an. „Du willst mir Angst machen, Weasley? Dass ich nicht lache. Eine Familie wie deine hat doch nicht mal genug Geld für Klamotten. Da brauch ich vor ihren Zauberstäben erst recht keine Angst haben." verhöhnte er George. Dieser und Fred wollten auf ihn losgehen und die Ohren lang ziehen, als Alice das Rührei nahm und Draco über den Latz kippte. Dessen Gesichtsfarbe nahm nun endlich mal so etwas wie Farbe an. „Sag mal hast du eigentlich noch alle Tassen im Schrank, du verfluchtes Weib?" brüllte er. Allerdings schien er sich damit mehr zum Gespött zu machen als ohnehin schon. „Draco Schätzchen…" säuselte Alice. „Wenn du dich nicht tunlichst bei meinen Freunden entschuldigst und danach postwendend das Weite suchst, dann hast du gleich noch passend zum Ei den Orangensaft auf deiner Uniform." Draco verzog keine Miene. Die Zwillinge, die wieder etwas heruntergefahren waren, spielten Alices Spiel mit. „Nun, so wie es aussieht, möchte er gleich noch Müsli dazu." „Und einen Kakao." „Kakao? Also solch ein vornehmer Herr bevorzugt doch sicherlich einen guten Tee." „Nun, man kann ihm ja einfach beides anbieten, oder was meinst du?" Bevor die Beiden die gesamte Speiseliste wortwörtlich auf Dracos Klamotten verteilten, funkte Alice dazwischen. „Draco, ich höre?!" Dieser zog ein Gesicht, als würde er Sauerkraut kauen. „Es ist unter meiner Würde, mich bei diesem Abschaum zu entschuldigen." zischte er. Das war genug. Alice reagierte blitzschnell und goss ihm den kochend heißen Tee über seinen blonden Schopf. Draco schrie auf. „Du verdammtes Miststück. Das bereust du noch!" rief er während er nach draußen rannte. „Pff wer's glaubt…" murmelte sie und drehte sich zu George um.

Wie er da so vor ihr stand, trotz eines Kopfes Größenunterschied, fand sie ihn einfach süß. Er war eben ein richtiger Gentleman gewesen, wie er sie beschützt hatte. Sie war mehr als überrascht gewesen, als er vor sie getreten war und sie verteidigt hatte. Absolut nicht jeder wäre so mutig. Und um ihn gebührend zu belohnen stellte sich Alice auf die Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Sie sah ihn dankbar an. George hingegen schien etwas peinlich berührt zu sein. „OOOOOh Georgie…" trällerte Fred. „Wer wird denn da gleich rot werden? Immerhin weiß sie deinen Heldenmut zu schätzen." Ärgerte er seinen Bruder. George ließ sich das natürlich nicht gefallen. „Ach läster du nur. Du bist doch nur neidisch, weil sie dich nicht geküsst hat." Fred lachte höhnisch. „Na hätte sie mich geküsst, hätte ja eh kein anderer mehr ne Chance."

Alice sah zwischen den Streithähnen hin und her. Doch dann ergriff sie das Wort. „Also ehrlich. Ich an deiner Stelle wäre mit meinen Äußerungen vorsichtig, Fred. Denn George zu küssen ist sicher nicht das schlechteste was ich je getan habe." sagte sie und grinste. Fred fing laut an zu lachen während Georges Gesicht sich der Farbe des Gryffindor – Schmuckes an der Decke anpasste. „Also siehst du mal George, immerhin ist es besser dich zu küssen als Malfoy." meldete sich Lee auch mal wieder zu Wort. Schlagartig war wieder Ruhe. Der Dunkelhäutige schien das Stichwort geliefert zu haben. Alice wurde tomatenrot und George kalkweiß im Gesicht. Auch Fred war mucksmäuschenstill. „Habe ich etwas falsches gesagt?" fügte Lee noch hinzu, doch er bekam keine Antwort. Alice und George setzten sich wieder. Eine beklommene Stille breitete sich aus.

George

George war wie im Rausch. Alice, seine vampirische Alice, die ja eigentlich nach Slytherin ging, saß neben ihm, als wäre das das normalste überhaupt. Wie sie ihn eben angesehen hatte… das war einfach nicht mehr von dieser Welt gewesen. Das war mehr als pure Magie. Das war Liebe. Oder? Seine Gedanken schlugen Purzelbäume. Noch nie hatte er eine solche Gänsehaut bei jemandem gespürt. Ihm war heiß und kalt. Er war glücklich und verwirrt zugleich. Was dachte sie nun wirklich von ihm? Fühlte sie dasselbe? Eben zumindest schien es so. Für kurz. Dann war sie wieder ganz gefasst gewesen. Es war zum Mäusemelken. Einfach nur unklar wie ein Zaubertrank, den er gebraut hatte. Je mehr er sich aber jetzt verrückt machte, desto weniger würde George Alice näher kommen. Er sollte einfach alles auf sich zukommen lassen und die Nerven behalten. Sonst endete das nur in einem Desaster. Langsam klärten sich die Gedanken auf und George versuchte, einfach normal zu wirken, so normal er eben sein konnte.

Allerdings machte der Blödmann Malfoy ihm da einen gehörig fetten Strich durch die Rechnung. Aus den Augenwinkeln heraus sah er ihn noch auf sie zu stolzieren, doch ehe er die anderen warnen konnte, stand der Prinz mit seinem Gefolge schon vor ihnen und belästigte Alice. Anfangs verfolgte George das Wortgefecht amüsiert, doch dann kam Alice auf den Kuss zu sprechen und George wurde übel. Sie hatte doch nicht wirklich - ? Die Reaktion Malfoys jedoch sprach Bände. Was war da nur passiert? Alice war nicht etwa in ihn verliebt, oder? Wäre sie es, dann würde sie ihn doch aber nicht so abweisen wie jetzt, oder? Alice allerdings war ja nie so wirklich durchschaubar. Wie dem auch sei, momentan jedenfalls schien sie Malfoys Anwesenheit nicht gerade zu erfreuen. Im Gegenteil. George konnte sie nicht länger so leiden sehen und stellte sich vor sie - ganz automatisch und ohne zu zögern. Er bemerkte wie Fred ihn mit großen Augen ansah. Er selbst registrierte gar nicht wie schnell all das geschah. Zumindest bis Malfoy anfing, seine Familie in den Dreck zu ziehen. Schlagartig war George wieder munter und war dazu bereit seine Familie zu verteidigen. Ebenso wie sein Bruder. Wütend und tobend stand er vor Malfoy und hätte ihn am liebsten umgebracht. Ob das allerdings wegen seiner Familie oder wegen Alice war, das wollte George nicht weiter erörtern. Jedenfalls sollte der Kerl leiden. Aber gehörig. Gerade zückte George seinen Zauberstab, da kam Alice ihm zuvor und attackierte Malfoy mit Rührei.

Die ganze Wut auf Malfoy wandelte sich nun in pure Schadenfreude.

Nicht nur, dass er aussah wie ein Idiot. Nein noch dazu hatte Alice ihm das angetan. Daraus schlussfolgerte George, dass sie wohl doch nichts für ihn erübrigte. Schon allein das ließ Georges Stimmung wieder Berge erklimmen. Das ganze weitere Geschehen verfolgte er bester Stimmung. Als dann Malfoy endlich verschwand schien es nicht besser sein zu können. Doch Alice war immer für eine Überraschung gut.

Sie wandte sich zu ihm und sah ihn an. George konnte ihre Gedanken nicht erkennen. In ihren Augen lag etwas, das er nicht zu deuten vermochte. Dankbarkeit? Zuneigung? Oder doch wieder nur Spott? Nein. Es war etwas anderes. Und ehe er überhaupt reagieren konnte hatte Alice ihm einen Kuss auf die Wange gegeben. In ihm explodierte ein Feuerwerk der Gefühle. Ihre Lippen fühlten sich so wunderbar geschmeidig und zart an. Die Stelle an der sie ihn geküsst hatte, glühte förmlich. Alles an ihm schien zu brennen, zu leuchten oder weiß Merlin was. Es fühlte sich an, als stünde er auf Wolken. Aber wie es nun einmal so kommen musste, zerstörte Fred auch diesen Moment wieder mit seinen Sprüchen. George hatte das starke Verlangen, seinem Bruder für eine Woche, eine einzige Woche bloß, die Zunge herauszuschneiden. Damit er einmal in Ruhe seine Verliebtheit genießen konnte ohne dass ein gewisser Fred Weasley sie wieder an die große Glocke hing. Aber um George auch richtig eins rein zu würgen, setzte Alice ungewollt noch eines drauf und brachte George nebst der ganzen Situation nur noch mehr außer Kontrolle. Aber es schmeichelte ihm auf irgendeine weise dennoch, dass sie ihn gerne geküsst hatte. Hätte er nur schnell genug regiert, dann… aber was dachte er denn da? Alice hätte das nie zugelassen. Aber es war schon eine schöne Vorstellung, sie im Arm zu halten und zärtlich zu küssen. Gerade fing George an, diesen Traum zu genießen da holte ihn Lee wieder auf den harten Boden der

Tatsachen zurück.

Die Stimmung war im Eimer und George plagten zwiespältige Gefühle. Er wollte wissen, was nun zwischen Alice und Malfoy Phase war, scheute sich aber sie zu fragen. Was wenn er ihre Gefühle verletzte? Das durfte und wollte er nicht. Und was war mit seinen Gefühlen? Hin und her gerissen zwischen dem Richtigen und dem Guten fasste sich George ein Herz. „Also Alice, was war wirklich zwischen dir und Malfoy?" würgte George den Namen heraus. Eine Weile sah sie ihn zweifelnd an. Dann sah sie zu Fred und Lee. Sie seufzte. „Na gut. Es hat eh keinen Sinn euch jetzt noch etwas vorzumachen." begann sie. Und George erkannte, dass er sich gerade selber ins Abseits manövriert hatte. Noch bevor Alice angefangen hatte zu erzählen, bekam sein Herz erneut einen Sprung.

„Also..." begann Alice. „Ich war gestern Abend noch eine ganze Weile auf den Beinen. Irgendwie war ich zu aufgeregt um einschlafen zu können. Da wollte ich mich allein noch ein wenig in den Gemeinschaftsraum setzen. Doch da war Draco schon. Wir begannen zu streiten und er… nun ja hatte mal wieder nichts besseres zu tun, als meine Familie in den Dreck zu ziehen."

„Und dafür hast du ihn geküsst?" unterbrach Fred sie. George warf ihm einen bösen Blick zu. Fred schnitt ihm eine Grimasse und hörte weiter Alice zu.

„Nein. Ganz so war es nicht. Ich bin ausgerastet und haben ihn, nun nennen wir es mal ‚ordentlich vermöbelt', danach dachte ich, er hätte das Weite gesucht. Für einen Moment ließ ich dann meine ganze aufgestaute Wut raus und heulte vor mich hin. Da wusste ich aber nicht, das Draco hinter mir stand. Er nahm mich plötzlich in den Arm und entschuldigte sich. Für einen Moment glaubte ich ihm das und plötzlich küsste er mich. Ich war ziemlich perplex und habe nicht schnell genug reagiert. Dann habe ich ihm eine verpasst und bin in mein Zimmer." beendete Alice die etwas gekürzte Form ihrer Geschichte.

Aber schon diese Kurzform reichte aus, um George in die Abgründe der Verzweiflung zu stürzen. Dieses miese Würstchen hatte das Mädchen in den Armen gehalten und geküsst, das er liebte. Ausgerechnet! Er hatte ihre Gefühle ausgenutzt und sie noch dazu verletzt. Am liebsten würde George den Kerl im See versenken. „Und nun?" meldete sich Fred zu Wort. Er wusste ziemlich genau, was mit George gerade los war und warum er sich zwingen musste, sitzen zu bleiben. Er konnte ja nicht ahnen, dass das Schlimmste noch nicht raus war. „Was und nun?!" stellte sich Alice unwissend. Fred aber ließ sich nicht gern an der Nase herumführen und wurde ziemlich direkt. „Hat der Kuss dir was bedeutet?" fragte er und sah sie ernst an. Alice schien seinen Blicken ausweichen zu wollen, hatte aber keine Chance. Sie schlug mit beiden Händen auf den Tisch. „Ja verdammt. Ich bin in diesen Mistkerl verknallt. Und ja ich weiß wie blöd das ist. Und ich weiß auch, dass seine Eltern meine höchstwahrscheinlich verraten haben. Und mir ist bewusst, dass er ein Arsch ist. Aber trotzdem: ja ich bin in Draco Malfoy verliebt!" beendete Alice ihre Ansage.

George rang mit sich. Er wusste nicht ob er heulen, kotzen oder lachen sollte. Oder am besten gleich alles zusammen. Dieser Schlag hatte gesessen. Und zwar ziemlich tief. Er fühlte sich, als hätte ihm jemand eine tonnenschwere Keule über den Schädel gezogen. Das wäre im wahrscheinlich sogar noch lieber, als die Tatsache, dass Alice in Malfoy verschossen war. Fred beobachtete seien Bruder. Er war ebenso geschockt. Aber immerhin hatte er sich soweit unter Kontrolle, dass er versuchte die Bombenstimmung zu entschärfen.

„Wow. Naja… also über Geschmack lässt sich ja streiten und von Kerlen hab ich ja eh keine Ahnung - aber das ist trotzdem ein Hammer." Alice lächelte zumindest ein wenig.

George hingegen verzog sein Gesicht zu einer bösen Fratze. Er kochte innerlich vor Eifersucht. Gerade hob er den Kopf und wollte einfach irgendwen anschreien, da sah er die Tränen in Alices Augen. Schlagartig war seine Wut verraucht und die typische, liebevolle Fürsorge kam in ihm durch. Behutsam legte er einen Arm um Alices Schultern. Erst zuckte sie erschrocken doch dann lehnte sie sich einfach zurück. „Na, aber wer wird denn weinen? Ich meine, ist man nicht sonst glücklich, wenn man verliebt ist?" versuchte George sie zu trösten. Aber wer wusste besser als er, dass Verliebtsein nicht immer gleichzustellen ist mit Glücklichsein. „Normalerweise schon – nur in diesem Fall ist alles ein wenig verzwickter." schluchzte sie fast unmerklich. „Verzwickt? Gibt' s da noch wen?" fragte Lee.

George wurde kreidebleich im Gesicht. Noch mehr Hiobsbotschaften verkraftete er jetzt nun wirklich nicht. Alice schüttelte den Kopf. Erleichterung breitete sich in George aus. „Und was ist dann das Problem bei euch?" bohrte Lee weiter nach. Fred trat ihm unter dem Tisch unauffällig vor sein Schienbein. Lee verstand, dass er sie ein wenig zu sehr bedrängte mit seinen Fragen. Er wusste ja auch nicht, was die Zwillinge im Zug erfahren hatten.

„Das Problem ist: Ich hasse was ich liebe. Und ich liebe was ich hasse." versuchte Alice den Dreien ihre Situation zu erklären. Doch das überstieg gerade den männlichen Intellekt. Sechs mit Fragezeichen durchzogene Augen sahen sie an. „Einfach gesagt hasse ich seine herablassende Arroganz. Nur kenne ich auch andere Seiten von ihm. Und die liebe ich." Aus den Fragezeichen wurden langsam „Aha' s". „Tja aber die Frage ist, wie stark seine gute Seite wirklich ist, oder?" schlussfolgerte George. Alice nickte und schwieg. Er hatte sich felsenfest vorgenommen um Alice zu kämpfen und ihr selbst für den Fall dass sie sich gegen ihn entscheiden würde, immer als Freund zur Seite zu stehen. Ihm war klar, wie dumm das eigentlich war und dass er sich damit selbst den Qualen er Hölle aussetzte konnte und auch dass er vermutlich seinen eigenen Ruin besiegelt hatte. Doch all das änderte nichts an der Tatsache, dass er Alice wirklich und aufrichtig liebte. Und dass er für sie alles geben würde, sogar sein Leben.

Alice

Alice war mit ihren Nerven am Ende. Sie hatte grade Malfoy ein ganzes Frühstücksmenü um die Ohren gehauen und ein paar Minuten später ihren Freunden erzählt, dass sie ihn geküsst hatte und dass sie ihn liebt. Nun saß fast heulend in Georges Arm und fühlte sich dennoch geborgen und beschützt. Nicht einmal Lee' s bohrende Fragen konnten ihr hier noch was anhaben. Es war merkwürdig, welche Auswirkungen George auf sie hatte. Ganz egal wie aufgewühlt sie auch war, er brachte sie wieder runter. Er gab ihr ein Gefühl von Ruhe. Und er war einfach da ohne groß zu fragen. Alles Dinge, die normale Menschen schätzen. Nur Alice war halt nicht normal. Machten ihr ihre positiven, rein freundschaftlichen Gefühle deswegen solche Angst? Oder war da mehr als sie wollte? Nein, darüber dachte sie gar nicht erst nach. Jetzt ging es um Draco. Mit George musste sie sich schon später befassen.

Alice fand wieder zu ihrer gewohnten Form zurück. „Naja, wie auch immer. Lassen wir uns das Frühstück von diesem Schnösel nicht verderben und hauen tüchtig rein, oder Leute?" verkündete Alice und schnappte sich einen Schokopudding. Sie aß immer Schokopudding, wenn sie Gefühlsausbrüche plagten. Das half ihr immer gut auf andere Gedanken zu kommen. Und es steigerte die Anzahl von Glückshormonen. Die drei Jungs sahen ihr stumm beim Essen zu. „Na was ist nun? Seid ihr auch schon so auf Diät wie diese komische Reisstange dahinten?" plapperte sie und zeigte auf Cho. Die Jungs folgten ihrem Finger. „Was? Chang? Was hast du denn mit der zu schaffen?" fragte Fred erstaunt. Alice nuschelte irgendwas zusammen was aber keiner wirklich verstand, weil sie den Mund voll hatte. George musste kichern. „Alice, wenn du uns was erzählen willst, dann musst du vorher schon den Pudding runterschlucken." schmunzelte er. Alice lächelte ihn an. „Ja sorry, muss wohl an eurem Einfluss liegen." sagte sie und steckte die Zunge raus. „Ja ja so ist das dann…" „Immer verderben wir die Erstklässler." „Aber wer hat uns denn dann verdorben in der , Fred?" „Uns brauchte niemand verderben, George" lachte Fred und klatschte mit seinem Bruder ab. Alice und Lee amüsierten sich ebenfalls lauthals . „Jetzt sag mal, was hast du mit der Chang zu laufen?" erinnerte sich Lee nun an die Unterhaltung. „Och na ja. Sie lief mir im Weg rum und nannte mich auch noch ‚Kleine'. Da sind wir leicht aneinander geeckt." fasste Alice ihre morgendliche Begegnung mit der Chinesin zusammen. Die anderen drei sahen sich an. „Wir wollen alles wissen." forderte Fred und Alice erzählte die ganze Geschichte bis ins Detail. Die Jungs lagen auf dem Boden vor Lachen. „Also wirklich, du bist echt ne Nummer." sagte George, nach Luft schnappend. Alice zuckte mit den Schultern. „Aber Recht hat sie, das muss man ihr lassen." ergänzte Fred. Lee nickte zustimmend.

„Eigentlich müssten wir jedoch ziemlich beleidigt sein." kam es von George. Alice sah ihn fragend an. Doch Fred verstand sofort worauf sein Bruder hinaus wollte. „Naja, nicht einmal wir haben es geschafft, in der ersten Nacht einen Kerl zu verprügeln, am ersten Morgen eine Feindschaft zu schließen und auch noch einem Erstklässler seine Uniform mit Frühstück zu verschönern." setzte Fred Georges Gedanken fort. Alice grinst böse. „Tja, würde mal sagen entweder bin ich scharfe Konkurrenz oder aber eine Bereicherung für euer Team." stellte sie fest. „Nun Süße, scharf bist du definitiv und als Konkurrenz wollen wir eine Slytherin bestimmt nicht." „Also kannst du dich ab jetzt als getauftes Mitglied der Unruhestifter sehen." verkündeten die Jungs feierlich. „Und wer weiß, wenn sie heute auch noch gleich Nachsitzen kassiert, dann hat sie sogar gleich die Feuerprobe bestanden." witzelte Lee. Und wie um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen, schlug die Uhr zum baldigen Unterrichtsbeginn.