Petunia Dursley


Sie starrt es an. Lang und hart. Die schwarzen Worte sind wie Schnitte in dem weißen Papier.

Sie starrt es an. Sie starrt es an und doch sieht sie es nicht. Versteht es nicht. Glaubt es nicht.

Ihre Augen beginnen zu tränen und sie merkt, dass sie vergessen hat zu blinzeln. Ihr Verstand interessiert sich für die Art und Weise wie die Buchstaben zusammenlaufen und dunkle Flecken bilden, grau-schwarze Wolken auf dem vorsichtig ausgelegten Papier.

Dann blinzelt sie und die Schärfe ist zurück. Die Ordnung ist zurück. Worte auf flachausgebreitetem Papier. Gedankenverloren streicht sie mit ihren Händen über es, glättet die Falten, die es gar nicht gibt. Sie richtet das Papier parallel zu den Tischkanten aus und misst dabei vorsichtig den sichtbaren Bereich des Holzes zwischen dem Weiß und der Luft ab.

Sie atmet nicht stoßweise, ihr Herz schlägt nicht schneller und ihre Hände zittern nicht. Ihre Augen sind ohne jegliche Tränen während sie den Brief erneut liest.

Er ist nicht sehr lang wenn man das Thema bedenkt. Ein Verrückter, ein Mörder, war auf freiem Fuß gewesen und ist jetzt auf mysteriöse Weise verschwunden. Menschen sind gestorben. Seltsame Leute. Solche Leute.

Sie versteht nicht warum ihr jemand von ihnen berichtet. Sie hat nichts mit denen zu tun. Erst bei dem letzten Abschnitt, ein kleiner Bereich, der aus zwölf Zeilen besteht, versteht sie es.

Es gibt kein Wort der Erklärung, keine Umstände oder Motive werden genannt. Es wird nicht von anderen Optionen gesprochen. Die Worte berichten ihr einfach von dem Tod von James und Lily Potter. Die Worte sagen ihr, dass sie sich um ihren Neffen kümmern muss. Ein Kind, das sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat.

Der Brief endet mit Worten des Beileids. Ein Ausdruck, den man auf Karten in den meisten Läden finden kann.

So lernt Petunia Dursley von dem Tod ihrer Schwester. So lernt sie, dass sie nie wieder mit ihr reden wird, sie nie wieder lachen oder weinen hören wird. So lernt sie, dass es niemals eine Chance auf Versöhnung geben wird.

Ein Brief. Zwölf Zeilen.

Sie glättet es erneut und schneidet sich an dem dünnen Papier. Ein Stirnrunzeln schleicht sich in ihr Gesicht als sie den roten Fleck am linken Rand des Papiers bemerkt. Es ist ungleichmäßig. Egal wie oft sie mit den Händen über den Brief fährt, er kann einfach nicht mehr berichtigt werden.

Sie starrt auf es während sie das Papier über die Kerze hält. Sie starrt auf es bis es zu Asche zerfällt. Sie starrt auf es während ihrer Welt das gleiche widerfährt.