Hallo da draußen ...
Es ist Montag, es ist Feiertag, wir alle haben frei, und passend dazu kommt heute das letzte Chapter ... Uwahh, ich will nicht. Aber ich freue mich trotzdem, weil ich euch damit vielleicht eine Freude machen kann.
Aber es gibt eine gute Neuigkeit: Ich habe beschlossen noch einen OneShot zu dieser Story zu schreiben - eine kleine Story, die sich um Lily und James im dritten Jahr dreht, eine Szene, die bereits erwähnt wurde (deutet auf Chapter 3) und es jetzt auch zum Lesen gibt. "Eine Streberin wie keine andere" geht heute noch on, ihr findet sie auf meinem Profil bei meinen Stories.
Also lehnt euch nun zurück und genießt das Ende in vollen Zügen und bis zum letzten Satzzeichen.
Eure Sea ^-^
PS: Danke an Heaven und Herrin vom See für ihre Reviews und an meine Schwester für die großartige Titelidee. Und natürlich an alle anderen, die die Story bis jetzt verfolgt haben!
PPS an alle hiesigen Leser: Dieses Chapter heißt eigentlich „Evans. Was genau versuchst du mir zu sagen?", aber durch die Längenbeschärnkung für Kapiteltitel musste ich es leider kürzen und das „Evans." weglassen, was ich persönlich ziemlich schade finde … -_-
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Ich saß im Gemeinschaftsraum auf dem Boden (oder eher auf einem gemütlichen, dunkelroten Kissen), gebeugt über einen der niedrigen Couchtische, auf dem ich meine Hausaufgaben für Verteidigung gegen die dunklen Künste ausgebreitet hatte.
„Deine Feder, Lily. Die Tinte tropft auf deinen Aufsatz", sagte Alice besorgt. Sie saß Frank gegenüber, mit dem sie gerade eine neue Partie Schach begonnen hatte.
„Ah … oh!", machte ich hektisch und stellte die Feder eilig zurück ins Tintenfässchen. „Danke."
„Schon in Ordnung."
„Warst du wieder in Gedanken?", wollte Frank wissen und sah mich aus seinen freundlichen, dunklen Augen an. Sie waren nicht so schön dunkel, wie Potters … Aber sie hatten auch etwas, so einen netten Stich ins- Was überlegte ich hier eigentlich?
„Äh, ja", gab ich zu und starrte wieder auf die Tabelle, die ich eigentlich in fünf Minuten ausgefüllt hätte. Hätte, wenn ich nicht schon seit zwanzig Minuten an einen gewissen bebrillten Wuschelkopf denken müsste, der nur einige Sessel entfernt Zaubererschnippschnapp mit Remus und Peter spielte, während Black sich auf der Couch daneben ausgestreckt hatte.
Alice und Frank wechselten einen Blick. Alice hatte ich zwar von meinem „Date" mit Potter erzählt, aber außer „Ich war heute mit Potter aus." hatte ich nichts gesagt. Vielleicht nur noch so etwas, wie „Das war eine Wette. Jetzt habe ich endlich Ruhe vor ihm." Aber da hatte sie mich mit so einem skeptischen, besorgten Ausdruck in den Augen angesehen. Da hatte ich ihr lieber nichts mehr erzählt und fröhlich meine Kartoffeln gemampft.
„Lily?", sagte Alice und ließ sich mit einem Kissen und einer Decke neben mich plumpsen.
„Was ist denn? Wo hast du Frank gelassen?"
„Er … äh, ihm ist noch eingefallen, dass er etwas … erledigen … muss." Aha. Eine Ausrede. Dass ich noch einmal erleben würde, dass sie ihren kostbaren Frank wegen mir wegschickte. Der Hammer.
„Hör mal, Lily", fing sie an, „ich weiß wirklich nicht, was zwischen dir und James passiert ist, aber was ich jetzt sehe, ist, dass er versucht, dich nicht mehr zu belästigen und ich bin mir ziemlich sicher, dass es deine Schuld ist. Ich möchte gar nicht wissen, was du wieder angestellt hast, aber es macht dich offenbar nicht glücklich. Im Gegenteil."
„Wie kommst du darauf, dass es meine Schuld ist und wieso sollte ich nicht glücklich sein?", protestierte ich empört. „Das ist Schwachsinn, ich bin total glücklich."
„Ja, total", sagte sie sarkastisch, was sie normalerweise nie war. „Und komm schon, wenn etwas passiert ist, das James dazu gebracht hat, dich aufzugeben, dann kannst das nur du gewesen sein. Außer dir hätte ihn niemand dazu bringen können."
„Quatsch."
Alice seufzte. „Du solltest mit ihm reden, wenn dir etwas nicht passt, anstatt ihn völlig zum Verzweifeln zu bringen."
„Ich habe ihn doch nicht zum Verzweifeln gebracht!" Alice' Blick sagte alles. „Okay, vielleicht ein bisschen. Aber er … er …" Ich brachte es nicht über die Lippen. Also tat ich, was man in so einer Situation nur tun konnte: Ich ließ meine Stirn auf die Tischplatte fallen und stöhnte laut und genervt auf. „Er hat gesagt, dass er in mich verliebt ist", nuschelte ich zwischen meinen Haaren, die mir offen wie ein Vorhang über die Schultern fielen.
„Ehrlich?!", fragte sie begeistert.
„Wieso findest du das jetzt toll?"
„Na, das ist doch super! Das bedeutet, dass all deine Sorgen wegen der anderen Mädchen und seinen zweifelhaften Taten unbegründet sind!"
„Alice, du bist echt naiv. Glaubst du wirklich, dass er in solch einer Situation die Wahrheit sagt? Es ging ihm doch nur darum, mich zu ködern, um mich auf seine Liste zu setzen. Und ich habe echt keine Lust, von ihm verarscht und dann abgeschossen zu werden." Ich sah zu meiner Freundin auf, die aussah, als wollte sie im nächsten Moment aus einem Fenster springen oder sich zumindest dreimal mit der Hand vor die Stirn schlagen.
„Lily!", sagte sie fest und entschlossen und packte meine Schultern mit ihren kleinen Händen. „Hat dir schon einmal jemand gesagt, dass du echt klug bist, aber abgesehen von Büchern und Zaubertränken und Verwandlungen und dem ganzen Mist keinerlei Ahnung hast? Und dass dein Verstand ständig aussetzt, wenn es um James Potter geht? Das ist doch nicht zu fassen! Lily, er hat seit einem halben Jahr keine Freundin mehr und alle davor hat er höchstens zwei Wochen über gehabt. Das einzige Mädchen, mit dem er in letzter Zeit ausgegangen ist, bist du. Und du bist auch die Einzige, um die er jahrelang herumgeschlichen ist und der er zusätzlich gesagt hat, dass er sie liebt! Was willst du dir noch beweisen lassen?"
Kurz starrte ich Alice nur geschockt an, bevor ich langsam ein Stück von ihr wegrückte. Das sonst so stille Mädchen machte mir Angst, jetzt, wo sie plötzlich so energisch war. Professor McGonagall wäre stolz auf sie. „Alice", sagte ich gedämpft, „sieh mal, ich meine … es ist doch Potter. Ich kann doch jetzt nicht einfach meine Meinung ändern und …"
„Wovor hast du Angst, Lily?"
„Ich hab keine Angst!"
„Dann ist doch alles bestens. Geh zu ihm rüber, schnapp ihn dir und sag ihm, was du fühlst. Und dann knutschst du ihn um den Verstand!" Euphorisch warf sie die Arme in die Luft, wobei sich einige traumatisiert guckende Erstklässler zu ihr drehten. Ehrlich, es ging doch nur ums Knutschen … Okay, mir kroch die Röte auch im Hals hoch.
„Aber es ist ja nicht so, als wäre ich in ihn verliebt oder so", warf ich etwas leiser ein.
Sie zog kritisch die Augenbrauen hoch. „Das willst du mir jetzt nicht ehrlich erzählen, oder?"
„Doch!" Verärgert musterte ich sie. „Wie kommst du überhaupt darauf?"
„Merlin, das sieht jedes Kleinkind. Und jetzt gehe ich, das wird mir zu blöd." Wie aus dem Nichts war Frank plötzlich wieder aufgetaucht, bei dem Alice sich eingeschnappt einhakte, nicht, ohne mir noch einmal zuzunicken, als müsste ich die Welt retten, und dann aus dem Portraitloch der Fetten Dame verschwand.
„Godrics wallende Mähne, das Mädchen dreht durch …", murmelte ich und ließ mich nach hinten fallen, sodass ich nicht mehr saß, sondern an die Decke des Gemeinschaftsraum starren konnte und praktisch völlig vom Couchtisch verdeckt wurde.
Sie redete doch Unsinn. Ich war doch nicht in James verliebt. Pff, ich doch nich- James? Hatte ich gerade James gedacht? Ah, doch nur, weil Alice ihn so genannt hatte.
Nicht. Es war, weil ich den Klang seines Namens mochte. Weil ich den Klang seiner Stimme mochte. Weil ich ihn besonders mochte, wenn er dieses Wort mit L am Anfang aussprach (und nein, nicht Löffel, sondern Lily!). Weil ich ihn, James, mochte.
Merlin, wollte ich das hier echt noch leugnen? Ich mochte James Potter. Ich liebte James Potter. So richtig.
Er hatte Recht gehabt. Ich hatte mir vorgespielt, dass ich ihn kennen würde, dabei hatte ich die ganze Zeit nur alles Schlechte an ihm sehen wollen. Den Jungen, der albern und kindisch und nervig war und sich über andere lustig machte, den elfjährigen James Potter eben, wie ich ihn kennengelernt hatte. Aber dabei hatte ich ganz übersehen, dass er zuvorkommend, besorgt, ernsthaft, freundlich, vertrauenswürdig und humorvoll war. Dass er meine Launen mit Ausgeglichenheit ertrug und höflich und manierlich war und sich darum bemühte, einen guten Eindruck zu machen, wie es jeder Mensch machte. Ich hatte ihn wirklich zu Unrecht verurteilt, ein Bild von ihm verurteilt, das ich mit meiner eigenen Verdrängung geschaffen und aufrecht erhalten hatte, wie einen Vorhang.
Und was sollte ich jetzt mit dieser Information anfangen? Ich konnte ja schlecht das machen, was Alice gesagt hatte, das ich tun sollte. Obwohl, aus der Perspektive jedes anderen Mädchens betrachtet, wäre das das einzig Logische. Ich meine: So etwas tat eine Lily Evans doch nicht! Ich konnte doch nicht … nicht … nein, ganz bestimmt nicht. Es musste einen anderen Weg geben. Das wäre so endlos peinlich, vermutlich könnte ich es überhaupt nicht aussprechen und würde erst in Ohnmacht fallen, nur, um mein Gestammel hinauszuzögern …
Ah, also war ich ein Feigling. Ich schnellte hoch und saß wieder kerzengerade am Tisch. Ich glaube, den Erstklässlern am Tisch neben mir machte ich ganz schön Angst. Sie starrten mich an, als wäre ich Petunia mit ihrer gruselig grünen Gesichtsmaske. „Argh!", rief ich aus und raufte mir die Haare. So kam ich doch zu keiner Lösung! Verdammt, ich sollte jetzt einfach mein Gehirn ausschalten, zu ihm gehen und ihm ein saftiges „Ich liebe dich!" entgegenpfeffern! „Da hast du es, Idiot!" So in der Art.
Ich sprang auf und … stolperte über den Couchtisch. Natürlich, eine Lily Evans überwand auf dem Weg zu einem Liebesgeständnis jegliche Materie! Sicher doch.
„Lily!", hörte ich einige Stimmen panisch ausrufen. Aber ich hörte nur seine Stimme, wie er plötzlich direkt neben mir meinen Namen sagte.
„Alles in Ordnung, Lily?" Hehe, das hatte er schon einmal gefragt … Oh, mein Kopf tat vielleicht weh. Könnte daran liegen, dass ich direkt auf die Tischkante geprallt war. Wurde mir gerade schwarz vor Augen?
„Oh Scheiße, Krone, ist das Blut?! Das ist eine Menge!"
„Tatze, guck nicht so fasziniert, die Situation ist ernst", warnte Remus scharf. „Wir müssen sie auf die Krankenstation bringen."
„Nicht nötig", nuschelte ich.
„Red keinen Unsinn", hörte ich James sagen und merkte, wie er mir die Haare aus dem Gesicht strich. Ich sah in seine Augen und musste sofort grinsen. Er hatte echt schöne Augen. So … braun.
„Und Peter gleich mit, der ist gerade wegen des ganzen Blutes in Ohnmacht gefallen … Wurmschwanz? He, Alter, hörst du mich noch? Oh der Gute, ich wette, er hat gerade eine Nahtoderfahrung …!"
„Sirius, reiß dich zusammen", rief James genervt über die Schulter. Dann sah er wieder auf mich hinab, lächelte zögerlich und reichte mir die Hand. Er zog mich hoch und stütze mein schwankendes, unsicheres Selbst.
Wie ich anschließend in den Krankenflügel kam, weiß ich auch nicht mehr. Nur, dass ich jetzt in einem der Krankenbetten lag, mit drönendem Schädel und dem Zielobjekt meiner Intention direkt vor der Nase. So richtig vor der Nase, er wickelte nämlich gerade einen Verband um meinen Kopf, den Madame Pomfrey nicht gewagt hatte, mit einem Zauber einfach zu heilen, weil es eine zu kleine Verletzung war, um das Risiko des notwendigen Heilzaubers einzugehen.
„Au", nörgelte ich, als er den Verband etwas zu fest zog.
„'tschuldige." Eine Minute später richtete er sich auf und sagte: „Fertig. Das sollte vorerst halten."
„Danke …"
Er räusperte sich und sah zur Seite. „Gerne. Hör mal, du solltest wirklich besser aufpassen. Du spielst kein Quidditch und trotzdem landest du hier öfter als ich. Öfter als Remus und Peter zusammen. Und das immer nur wegen so Kleinigkeiten wie Holzsplittern und abgerutschten Messern."
„Das nennst du Kleinigkeiten? Ich bin mir ziemlich sicher, dass du noch nie einen fetten Splitter in deinem Allerwertesten stecken hattest!" Erst, nachdem ich es ausgesprochen hatte, wurde mir klar, dass ich diesen Sturz wohl nicht ganz so unbeschadet überstanden hatte, wie gedacht. Ich hatte gerade „Allerwertester" in seiner Anwesenheit gesagt. Und hier ging es auch noch um MEINEN Allerwertesten! Merlin …
„Ja …", gab er jetzt etwas lahm von sich, in dem Versuch, die Peinlichkeit der Situation auszumerzen. „Ähm, jedenfalls wollte ich dich bitten, dass du … pass einfach etwas auf dich auf."
„Ich bin halt ungeschickt. Das mache ich ja nicht zum Spaß …", grummelte ich.
„Dann mach das, worum ich dich gebeten habe, nur so zum Spaß."
„Gut."
„Gut."
Peinlich … Ach ja, aber es wäre auch doof, wenn er jetzt gehen würde, zumindest, wenn ich seine unruhigen Blicke Richtung Tür richtig interpretierte. Nun, Peter im Bett neben mir könnte ja auch jeden Moment aufwachen, also sollte ich vielleicht in die Hufe kommen. Das wäre der perfekte Moment, um …
Oh Gott, das konnte ich nicht … Merlin, ich weiß nicht, wie lange ich nicht mehr „Oh Gott" gedacht hatte, aber wenn ich das jetzt getan hatte, dann stand es wohl sehr ernst um mich und meinen Verstand. Nicht gut …
„Hör mal, James … Ich wollte noch einmal mit dir sprechen, weißt du, wegen … also … äh …" Sein Kopf war bei der Erwähnung seines Vornamens bereits hochgefahren, jetzt sah er aus, als wüsste er nicht, was er tun sollte. Überhaupt nicht. Man konnte seinen Zustand als ziemlich konfus beschreiben. Was sollte ich noch einmal Alice nach jetzt machen? Und sagen? Oh, ich hatte vergessen, dass hier noch eine ziemlich konfus war. Aber Alice hätte ja auch einen Zettel schreiben können!
Richtig. Zu ihm rübergehen brauchte ich nicht mehr. Er war schon hier. Dann sollte ich ihn knutschen. Äh, nein, ich sollte ihn mir schnappen und ihm sagen, was ich fühlte. Wow, das mit dem Rübergehen war wohl der leichte Teil gewesen …
„James …" Ich holte tief Luft und ließ meinen Blick durch den Raum wandern, bis ich ihn zwang, bei ihm stehen zu bleiben. „Ich muss dir etwas sagen. Also … eher beichten."
„Schon gut, ich weiß, dass du deine Ruhe willst." Er nickte resigniert und erhob sich, noch während er sich wegdrehte. „Ich habe es dir ja versprochen."
„Nein, das wollte ich eigentlich nicht sagen …"
Er hatte mir nicht zugehört. Offenbar war er so auf den Ausgang fixiert, dass er nur noch schnell sagte: „Ich geh dann jetzt auch. Du solltest dich ausruhen."
Da wurde ja der Gnom im Garten verrückt! Hier saß ich und wollte gerade meinen Mut zusammenkratzen, um ihm zu sagen, dass ich … also, ihr wisst schon, und da haute er einfach ab! Nicht mit mir, Freundchen!
Dieses Mal war also dann ich diejenige, die ihn am Handgelenk packte – nachdem ich ächzend vorgehechtet war, soweit ich eben in meiner Position konnte, und ihn erreicht hatte. Meine Decke segelte zu Boden, doch das war mir jetzt auch egal. Glücklicherweise trug ich ja noch meine Schuluniform von vorhin.
„Lily? Ich meine Evans." Verwirrt sah er mich an.
Ich seufzte. „Stelle ich mich echt so blöd an, dass du nicht kapierst, dass ich gerade versuche, dir etwas zu sagen?"
„Ich weiß nicht ganz, was du meinst. Geht es dir auch wirklich gut? Du siehst angeschlagen aus. Und ein bisschen fiebrig." Er trat vor und legte seine Stirn an meine. „Also Fieber hast du nicht …", meinte er nachdenklich. Als er merkte, was er da tat und wie nah er gekommen war, wollte er hastig zurückweichen. „Tut mir l-" Meine Hand war immer noch um sein Handgelenk geklammert. Ich ließ ihn nicht los und so blieb er genau da, wo er war. Ich sah zu ihm auf.
„James, das ist echt wichtig. Also … weißt du … neulich, als du mich … fast geküsst hättest, da … wollte ich eigentlich gar nicht, dass du aufhörst. Ich hätte vermutlich überhaupt kein Problem damit gehabt, wenn du mich geküsst hättest. Um genau zu sein hätte ich das wahrscheinlich sogar ziemlich gut gefunden, immerhin küsst du ja offenbar nicht schlecht, zumindest den Gerüchten nach – aber da lag auch der Knackpunkt. Bis heute musste ich öfter an dich denken, okay, öfter als öfter. Aber ich war mir halt nicht sicher, ob du es ernst meinst, eigentlich habe ich das ziemlich bezweifelt. Aber dann hat Alice mit heute gesagt, dass ich Schwachsinn rede und denke und dann habe ich diese Anweisung bekommen, nach der ich genau das machen soll, was ich bisher gemacht habe. Also natürlich nicht genau das, der Teil mit dem Blut und dass das alles hier im Krankenflügel stattfinden soll, war wirklich nicht geplant, aber so ungefähr habe ich bisher alles … äh … jetzt habe ich irgendwie den Faden verloren."
James schwieg. Merlin, ich hatte ihn gerade zu Tode geplappert. Vorsichtig zupfte ich an seinem Ärmel. Er starrte mich aus seinen dunkelbraunen Augen an, in denen ich in meinem verwirrten Zustand momentan rein gar nichts erkennen konnte. Sinnbildlich gesprochen, tatsächlich konnte ich mich sogar selbst sehr gut in seinen Augen spiegeln und … äh, aber darum ging es hier ja nicht.
„Evans." Oh, wir waren wieder bei den Nachnamen … Aber egal, er hatte sich gerade zu mir auf das weiße Bett fallen lassen, sodass ich jetzt vor ihm hockte, wie ein Häufchen Verwirrung und Hilflosigkeit. „Was genau versuchst du mir zu sagen?"
Ja, was war das doch gleich? Ach ja, ich wollte- „Ich liebe dich."
Oh, hatte ich das laut gesagt? Ich riss verblüfft meine Augen auf, wobei ich peripher die Befürchtung hegte, sie könnten jeden Moment herausfallen. Seine saßen noch drinnen, was mich allerdings wunderte. Er machte Augen, groß wie Untertassen. Hübsche Untertassen.
„Evans, ich hoffe, du weißt, was du sagst."
„Ich, also, eine Gehirnerschütterung habe ich nicht. Das eben wollte ich wirklich sagen … chrm, ja …"
Einen Moment musterten wir uns fragend. James nickte langsam. „Okay." Damit überbrückte er die Distanz zwischen uns, schob mir mit einer raschen, geschickten Bewegung der einen Hand die heute ausnahmsweise chaotischen Haare aus dem Gesicht und legte seine Lippen auf meine.
Ah. So fühlte sich das also an. Erde an Lilys Herz, SOS! Du darfst wieder schlagen.
Und dann küssten wir uns. Bis er sich von mir löste, um Luft zu holen. Ärgerliche, blöde Luft. Die war doch überflüssig. Ich zog ihn wieder zu mir und küsste ihn erneut, legte meine Arme um seinen Nacken und zog ihn so nah zu mir, wie es nur ging.
James Brille war verrutscht. Als wir den Kuss wieder unterbrachen, völlig außer Atem, musste ich bei seinem zerknautschten Anblick lachen. „Du siehst schrecklich aus."
„Sagte das hübscheste Mädchen der Welt mit dem blutigen Verband um den Kopf."
Die Röte kroch wieder geschwind wie nichts in mein Gesicht. „Äh …"
Er rollte mit den Augen. „Ich liebe dich, Evans."
„Äh … Ich dich … auch … ähm …", stammelte ich.
„Ich liebe dich, Evans."
„Ja, das sagtest du …"
„Ich liebe dich, Lily."
„Ja, ist ja gut, ich habe es jetzt verstanden!", rief ich peinlich berührt aus und presste ihm eine Hand auf den Mund. Diese Masche von ihm würde sich wohl nie ändern … Er würde wohl immer ein Stalker bleiben. Mein Stalker.
Er schob meine Hand zur Seite. „Ich liebe dich, Evans", sagte er noch einmal und küsste mich wieder. Und immer wieder. Und wieder …
„Evans, geh mit mir aus …", hauchte er und zupfte neckend an den roten Haarsträhnen, die mir wieder über die Schulter gefallen waren. „Ich habe zwar versprochen, das nie wieder zu sagen … aber wir hatten einen Aber in unserem Vertrag."
„Ich find Abers okay."
Hatte ich erwähnt, dass er wirklich echt extrem gut küsste?
~ Ende ~
