Dario schlug die Augen auf. Er fühlte sich ausgelaugt. Kein Wunder nach dem gestrigen Nachmittag, der noch in einen langen Abend übergegangen war. Tim hatte Unrecht behalten. Irgendwann war er es gewesen, der gefesselt unter Dario gelegen und gestöhnt hatte. Der Kupferhaarige schmunzelte. Die Handschellen hatten seinem Freund wirklich gut gestanden. Dario blinzelte und rieb sich die Augen. Jetzt fiel ihm erst auf, was ihn geweckt hatte.

Die Vorhänge waren weit aufgezogen, so dass Sonnenlicht den Raum flutete und dem jungen Mann damit volle Kanne ins Gesicht. Das war jetzt nicht unbedingt die schönste Art geweckt zu werden. Er richtete sich auf. Tim war nirgends zu sehen. War er etwas schon in der Schule? Nein. Moment, es war Samstag. Dario atmete tief durch. Plötzlich warf sich ein schweres Gewicht auf ihn und presste ihm kurz die Luft aus den Lungen. "Guten Morgen, Kleiner."

"Hast leider nicht geschafft mich umzubringen", knurrte Dario. Tim kicherte und kuschelte sich an ihn. "Ich hatte es auch nicht vor, wäre ja auch Schade." Dario gähnte. "Wann bist du denn aufgestanden? Ich bin total geschlaucht." "An deinem Durchhaltevermögen müssen wir dann wohl noch arbeiten." Der Kupferhaarige konnte Tims Gesicht zwar nicht sehen, da dessen Kopf auf seiner Brust lag, aber er hörte eindeutig seinen dreckigen Tonfall. "Das liegt doch nicht an meinem Durchhaltevermögen", meinte Dario und strich dem Blonden sanft über die Haare. "Du kannst mir doch nicht erzählen, dass du top fit bist?". "Eigentlich bin ich das schon." Tim hob den Kopf, um den anderen mit einem Grinsen an sehen zu können.

"Vielleicht hast dus nur nicht so drauf wie ich?". Lachend rollte er sich zur Seite, als Dario nach seinem Plüschalpaka, welches er auf der Gamescom gekauft und es Freddie Friedolin genannt hatte, griff und es ihm auf den Kopf hauen wollte. "Der arme Freddie", gab Tim zu bedenken. "Arsch", knurrte Dario. "Ach, will der Herr mir vielleicht jetzt beweisen, was er drauf hat?". Dem Abiturienten fiel erst jetzt auf, dass der Blonde oberkörperfrei neben ihm lag. "Du bringst mich in Versuchung", murmelte er und betrachtete eingehend Tims Oberkörper. Sein Blick wanderte von Tims auffallendem Schlüsselbein über die sich deutlich abzeichnenden Bauchmuskeln bis zum Ansatz seiner Jogginghose.

"Wenn du mich schon so anschaust, kannst du mich auch gleich ausziehen", gab der Blonde zu bedenken. "Nein, komm her und kuschel mit mir." "Oder so." Dario schlug die Decke zurück, sodass Tim zu ihm unter die Decke konnte. "Du scheinst ja echt richtig fertig zu sein." "Ja, denk doch mal drüber nach, was du immer mit mir machst, Zuckerschnute." "Darüber denke ich sehr oft nach, mein Hamsterbäckchen." "Aufhören, das ist ja noch schlimmer", kicherte Dario. "Außerdem, ja ich bin einfach noch sehr müde und war noch lang gestern." "Na, dann komm mal kuscheln." Nun war es der Kupferhaarige, der seinen Kopf auf Tims nackte Brust legte und seinem Herzschlag horchte. "Wann kommt eigentlich deine Mutter wieder?". "Morgen Abend irgendwann.""Dann haben wir ja noch Zeit zum kuscheln." "Zum kuscheln."

Dario wiederholte die Worte sarkastisch. "Tja, wenn es mal n bisschen länger und härter ist als sonst, kann man ja am nächsten Tag nichts mehr mit dir anfangen", neckte ihn Tim. "Als ob das nur n bisschen war", entrüstete sich der Andere. Er rollte sich herum, sodass er nun über dem Blonden kniete. Tims Hände pinnte er neben seinen Kopf auf das Kissen. "Du weißt, dass wir Handschellen dafür haben." "Gerade gefällt mir das ganz gut", gab Dario zu bedenken. "Zu müde für mehr?". Der Andere antwortete nicht, beugte sich zu Tim hinunter und gab ihm einen innigen Kuss. "Zu kurz", beschwerte sich der Blonde, als der Kupferhaarige sich wieder von ihm löste.

Ehe Dario sich versah, hatte Tim die beiden umgedreht (ach ja klar, er war ja ein starker (heißer) Sportlehrer) und hielt die Hände des Anderen fest. "Die Idee war gar nicht so schlecht", grinste Tim und verwickelte seinen Freund in einen viel innigeren und leidenschaftlicheren Kuss. "Wow", keuchte Dario. Zufrieden ließ der Blonde ihn los und legte sich wieder neben ihn. "Deine Reaktionen sind fast immer das Beste. Was hältst du eigentlich von diesem Buch?". Etwas vernebelt setzte Dario sich auf und blickte auf das Buch, welches der Lehrer in der Hand hielt. "Ja, der Autor hats echt drauf." "Wirklich?". Tim las interessiert den Klappentext. "Würdest du es empfehlen?". Der Kupferhaarige beobachtete den Blonden.

Er war interessant zu sehen, dass er von solch einem Kuss nicht außer Atem war und gleich darauf auch noch nach einer Buchempfehlung fragte. "Auf jeden Fall. Hauptperson erinnert mich irgendwie stark an mich." Tim grinste ihn dreckig an. "Wieso, hat er auch eine verbotene Liebe mit seinem Lehrer?". "Nein." Dario verdrehte die Augen. "Charakterlich passe ich da sehr rein." "Wow." Anerkennend legte der Blonde das Buch wieder zurück und grinste. "Lass uns doch mal Frühstück machen, Kleiner." "Nein, komm zurück kuscheln." "Du bist aber heute echt launisch", gab Tim mit erhobenen Brauen zu bedenken. "Ja, dann ist das halt so.""Na, dann halt nicht. Lassen wir eben die Brötchen im Ofen verbrennen." Erschreckt starrte Dario ihn an. "War n Scherz."