Statt euch lange aufzuhalten, möchte ich mich wieder kurz bei Sammy-A.M (meine treue Reviewerin - ich freu mich immer schon darauf, von dir zu lesen^^) und Catze (ein neues Gesicht, ich bin begeistert! :D ) für ihre lieben Reviews bedanken.

Viel Spaß beim Lesen!


Kapitel 4 – Detention

Sobald Snape den Raum verlassen hatte, verkrampfte Hermines Haltung sich. Draco konnte es genau sehen, auch wenn sie ihm im Moment den Rücken zugewandt hatte. Hat sie etwa Angst vor mir?

Statt darauf einzugehen setzte sich Draco auf die Couch, die sich direkt vor dem Tisch mit den Schreibutensilien und dem Kessel befand – Merlin sei Dank handelte es sich um eine Grüne – und starrte die leeren Seiten finster an.

Er hörte, wie auch Hermine die wenigen Schritte bis zur Couch ging und sich schließlich in einigem Abstand neben ihn setzte, sah aber lieber nicht auf.

„Irgendwelche Vorschläge?", fragte er knapp und hatte schon wieder das Gefühl, als würde es ihm den Hals zuschnüren, genauso wie vorhin, als sie auf ihn zugekommen war und ihn begrüßt hatte. Was zum Teufel war mit ihm los?

Ein paar Sekunden vergingen, und Draco dachte schon, sie würde überhaupt nicht antworten. Dann aber hörte er ein knappes „Nein."

Wieder saßen sie schweigend nebeneinander.

Okay, Draco, benimm dich. Das da neben dir ist nur Granger. Sie beißt nicht, soweit du weißt, und sie hat bisher keine Anstalten gemacht, dich zu verhexen. Ihr wollt beide so schnell wie möglich weg von hier, also bringt es verdammt noch mal hinter euch.

Draco atmete tief ein und aus. Er fühlte sich dadurch nicht wirklich besser.

Was würde Vater sagen, wenn er mich so sehen würde?

„Okay." Immerhin, er hatte ein Wort rausgebracht. Dann setzte er sich gerader hin, nahm ein paar der Pergamente und eine der beiden Federn und legte beides vor Hermine auf den Tisch. Danach öffnete er noch das Tintenfass, stellte es zwischen seine und ihre Pergamente und sah sie auffordernd an.

„Schreib bitte einfach jeden Blödsinn auf, der dir einfällt oder den du von den anderen gehört hast. Wir müssen hier raus." Draco biss sich auf die Zunge – warum hatte er das jetzt so formuliert? Jetzt klang er, als würde er die Flucht ergreifen wollen. Wollte er ja irgendwie auch, aber er hätte es taktvoller sagen können.

Hermine nickte nur, nahm ihre Feder, tauchte ihre Spitze ins Tintenfass und schrieb das erste Wort aufs Pergament. ‚Tanzkurs', las Draco und zog überrascht eine Augenbraue hoch. Dann sah er dabei zu, wie Hermine den Zettel faltete und in den Kessel warf.

Es passierte nichts. Draco wollte schon selbst zur Feder greifen und seinen ersten Versuch machen, als er ein lautes ‚Plopp' hörte, wegen dem Hermine fast vor Schreck von der Couch sprang, und sah, wie das gerade hineingeworfene Papier an seinem Gesicht vorbeiflog, um dann irgendwo hinter ihnen am Boden zu landen.

„Verdammte Lavender…", murmelte Hermine und warf dem Kessel einen feindseligen Blick zu.


Zwei Stunden später saßen sie immer noch da, inzwischen von einem Meer von zusammengefalteten und zusammengeknüllten Pergamentstücken umgeben. Sie hatten bisher nur mit zwei Pergamenten Glück gehabt – ‚Zaubertränke-AG mit Professor Snape' und ‚Geschichte-Freifach mit dem blutigen Baron'.

Wenn sie für jeden weiteren Vorschlag auch jeweils eine Stunde brauchen würden…

Draco raufte sich fassungslos die Haare, als ein erneutes unheilverkündendes ‚Plopp' ertönte.

„Nein! Das gibt's nicht! Das akzeptiere ich nicht! Wer, verdammt noch mal, kann ernsthaft auf die Idee gekommen sein, ‚Schlickschlupfe suchen' auf seinen Zettel zu schreiben?" Er steckte sich seine Feder hinters Ohr, ließ sich in die gemütliche Couch zurücksinken und jammerte weiter leise vor sich hin.

Dann hörte er ein für ihn ziemlich ungewöhnliches Geräusch und hob überrascht seinen Kopf. Ja, tatsächlich – Hermine Granger lachte über etwas, das er gesagt hatte. Fasziniert beobachtete er sie.

„Versprichst du mir, sie nicht zu töten, wenn ich dir verrate, wer es war?", gluckste sie und grinste Draco breit an.

„Wenn du jetzt sagst, dass du das warst, kann ich nicht dafür garantieren, nicht im Affekt zu handeln."

Hermine versuchte, zu antworten, konnte aber einen erneuten Lachkrampf nicht unterdrücken.

Schließlich entgegnete sie: „Luna." Eigentlich war ihr nicht klar, ob sie lachen oder heulen sollte, aber diese Aufgabe machte sie langsam so verrückt, dass Lachen naheliegender war. „Das war auf jeden Fall Luna."

Draco schüttelte resigniert den Kopf. „Wenn es in diesem Schloss jemanden gibt, der so abwegige Vorschläge in den Kessel wirft, haben wir überhaupt keine Chance."

„Warte mal…", murmelte Hermine, jetzt wieder völlig ernst und mit einem fast schon aufgeregten Glitzern in den Augen. „Nachdem Luna gerne irrational handelt – lass mich was normales versuchen, das sie beim Abendessen erwähnt hat."

Nachdem Hermine ihre eigene Feder nach ungefähr einer Stunde wütend zerbrochen hatte, beugte sie sich schnell zu Draco hinüber und nahm ihm einfach seine weg.

Als sie jedoch seinen fast schon entsetzten Blick sah, während ihre Fingerspitzen für einen Augenblick unvermeidliche seine Haare berührten, bereute Hermine ihr unbeschwertes Verhalten sofort.

Sie musste sich wieder in Erinnerung rufen, mit wem sie hier saß. Sie mochte sich in den letzten zwei Stunden irgendwie an den Slytherin gewöhnt haben, und er war auch überraschend freundlich, aber er war immer noch Malfoy. Und sie konnte aus seinem Gesichtsausdruck recht gut lesen, was er davon hielt, von einem Schlammblut berührt zu werden.

Statt ihren negativen Gedanken weiter ihren Lauf zu lassen, schüttelte Hermine das Thema ab und konzentrierte sich darauf, eines der mittlerweile ziemlich wenigen Pergamente zu sich heranzuziehen und ‚Maskenball' darauf zu schreiben.

Sie bemerkte, dass sich Draco noch nicht einmal vorbeugte, um den Zettel zu lesen. Er ist wahrscheinlich gerade damit beschäftigt, sich zu ekeln. Und abzuwägen, ob er sich jetzt die betreffenden Haarsträhnen abschneiden muss.

Mit einer unverkennbar wütenden Handbewegung warf sie das Pergament in den Kessel und wartete.

Es geschah nichts. Aber irgendwie wollte sich bei Hermine keine richtige Freude darüber einstellen.

„Nummer drei geschafft.", stellte sie knapp fest, für den Fall, dass Malfoy das auch entgangen war.

„Äh, ja, gut…", kam es von ihm zurück.

Dann saßen sie wieder schweigend da. Hermine wagte es nicht, zu ihm hinüber zu sehen – sie hatte keine Lust, den angeekelten Ausdruck in seinem Gesicht ein zweites Mal zu sehen.


Draco fühlte sich, als würden sie sich schon eine halbe Ewigkeit anschweigen. Ein kurzer Blick auf die alte Pendeluhr, die sich rechts vom Kamin befand, verriet ihm aber, dass es gerade einmal fünfzehn Minuten waren.

Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass sie irgendetwas falsch interpretiert haben musste. Im einen Moment war sie noch fast freundschaftlich mit ihm umgegangen – und im nächsten Moment hatte sie wieder mit diesem angespannten Rücken dagesessen und ihn keines Blickes mehr gewürdigt.

Aber vielleicht ist ihr auch nur bewusst geworden, dass sie gerade einen Slytherin berührt hat. Ich muss keine Gedanken lesen können, um zu wissen, wie unangenehm ihr meine Nähe ist.

Draco beugte sich entschlossen vor und starrte auf die vor ihm liegenden Pergamentblätter. Was Granger über ihn dachte oder wie sie sich neben ihm fühlte, spielte überhaupt keine Rolle. Sie war nur ein Schlammblut, mit dem er eine Strafarbeit leisten musste.

Eine Strafarbeit, die er so schnell wie möglich beenden wollte.

Wie also konnte er noch zwei Vorschläge finden, auf die keiner der anderen Schüler gekommen war?

Die Gedanken des Durchschnittsschülers drehten sich hauptsächlich ums andere Geschlecht, um Partys und darum, unangenehmen Unterrichtsstunden entkommen zu können. Bei den Mädchen konnte man wahrscheinlich noch Kosmetik oder Kleidung dazu zählen, wenn man jetzt einmal von den klassischen Stereotypen ausgehen wollte, und bei den Jungs wahrscheinlich am ehesten Sport, Quidditch mit Sicherheit.

Bei einzelnen verfressenen Exemplaren wie dem Wiesel musste er kulinarische Ideen mit einberechnen, auch wenn er vor allem Ron nicht wirklich zutraute, einen geraden Satz auf ein Pergament zu schreiben und am Weg zum Kessel nicht zu vergessen, was er eigentlich damit tun wollte.

Und dann war da noch Luna als ganz eigene Kategorie – dank ihrer überschäumenden Phantasie konnte er wohl alle übernatürlichen Ideen streichen.

Und auf jedem Zettel, den Blaise eingereicht hatte, befand sich unter Garantie das Wort ‚Schokolade'.

Wodurch also unterschieden er und Granger sich von den anderen, auf was konnten nur sie kommen?

„Granger."

Hermine zuckte überrascht zusammen, wandte sich ihm dann aber doch widerstrebend zu. „Ja?"

„Ich weiß, wie wir das hier schnell hinter uns bringen können."

Sie sah ihn nur verständnislos an.

„Denk doch mal nach. Wodurch unterscheiden gerade wir beide uns von den restlichen Schülern? Auf welche Ideen können wir kommen, die anderen aber nicht?"

Er sah, wie sie die Erkenntnis traf. „Wahrscheinlich auf so ziemlich alles, für das man wirklich im Unterricht aufpassen und sich auch danach noch eingehend mit den Themen beschäftigen muss… Merlin, wir sind die Sache die ganze Zeit von der falschen Seite angegangen!"

Draco nickte. „Ganz genau. Statt uns all die Dinge zu überlegen, die wir von anderen aufgeschnappt haben oder für logisch oder hirnrissig halten, hätten wir lieber mal mit den Dingen anfangen sollen, auf die keiner der anderen kommen könnte."

Wieder verfielen sie in Schweigen, aber diesmal war es nicht unangenehm – Draco wusste, dass Hermine genauso wie er selbst in ihrem Kopf die verschiedenen Lehrbücher durchging, die sie bereits in den Ferien gelesen hatten.

„Schade, dass Veritaserum verboten ist…", murmelte sie plötzlich.

„Was meinst du damit?"

„Naja, es geht ja darum, sich besser kennenzulernen. Und wie könnte das besser funktionieren, als wenn man, sagen wir, eine Woche lang nichts als die Wahrheit sagen kann?"

Auf Dracos Lippen erschien ein selbstgefälliges Lächeln.

„Was? Sag schon, was ist dir eingefallen?", fragte sie ungeduldig nach.

„Cogitaserum."

Hermine dachte angestrengt nach, konnte sich aber nicht daran erinnern, jemals davon gehört zu haben – was ihr definitiv peinlich war.

Draco ersparte es ihr, diese Wissenslücke zugeben zu müssen, und erklärte stattdessen sofort: „Cogitaserum hat zwar gewissermaßen eine ähnliche Wirkung, ist aber nicht gänzlich verboten. Einem Zaubertränkeprofessor sollte es gestattet sein, es für beim Ministerium gemeldete, schulische Zwecke herzustellen. Hat man es eingenommen, sagt man im Gespräch jeden Gedanken laut, den man selbst für wichtig hält. Die Wirkungsdauer lässt sich anhand der Menge regulieren."

Hermine war ehrlich beeindruckt – sie wusste, dass Zaubertränke das einzige Fach war, in dem sie sich klar eingestehen musste, dass Draco besser war als sie, aber sie verdrängte es gerne.

Anstelle einer Antwort hielt sie ihm nur auffordernd die Feder hin. Diesmal achtete sie darauf, ihn nicht zu berühren, während er sie ergriff.

Wenige Augenblicke später hatte er auch schon ein hastig gefaltetes Stück Pergament in den Kessel geworfen. Sie warteten gar nicht erst darauf, ob der Kessel es wieder ausspucken würde – beiden war klar, dass diese Idee von keinem anderen Schüler zu erwarten war. Und nachdem Snape selbst keine Vorschläge eingereicht hatte, waren sie auch bei der Lehrerseite optimistisch.

Diesmal dauerte es nur fünf Minuten, bis Hermine mit einem freudigen Aufschrei die Feder – die Draco zur Sicherheit auf den Tisch gelegt hatte – ergriff und zu schreiben begann.

Er beugte sich ein wenig vor, um über ihre Schulter sehen zu können. ‚Weihnachtsputz' war zwar nicht unbedingt das, was er erwartet hatte, aber definitiv etwas, das nur so hauselfenfreundlichen Menschen wie Hermine einfallen konnte.

Und von denen gab es garantiert nicht viele in Hogwarts.

In Gedanken zählten sie beiden die Sekunden – es hatte nicht lange gedauert, bis sie herausgefunden hatten, nach welcher präzisen Anzahl der Kessel die bereits vorhandenen Ideen wieder auswarf.

7… 8… 9… 10!

„Ja!", jubelte Hermine überschwänglich und sprang von der Couch, direkt gefolgt von Draco.

Während sie im krassen Gegensatz zur normalerweise so ruhig und beherrscht wirkenden Hermine freudig auf und ab sprang und ihre wiedererlangte Freiheit pries, konnte Draco nicht anders als sie geistesabwesend anzulächeln.

Bevor er wirklich wusste, wie ihm geschah, hatte er sich von ihrer Siegeslaune mitreißen lassen, schlang seine Arme um sie und drückte sie kurz an sich – und noch während Hermine ihre eigenen schlanken Arme um seinen Hals legte, wurde ihm klar, was er da gerade getan hatte.

Schnell löste er seinen Griff und stolperte ein paar Schritte zurück, fiel dabei beinahe über den Couchtisch, der ihm schmerzhaft in die Kniekehlen schlug. „Ich – ah, scheiße tut das weh – ich muss gehen."

Noch bevor der fröhliche Ausdruck auf Hermines Gesicht gänzlich erloschen war, hatte er die wenigen Schritte bis zum Porträtloch zurückgelegt, es eilig aufgestoßen und war schnellen Schrittes in Richtung Kerker davongeeilt.