Disclaimer: Die Charaktere dieser Geschichte gehören alle J. K. Rowling. Ich borge sie mir nur kurz aus, weil sie absolut fantastisch sind. Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld, auch wenn mir der Plot gehört.
Vielen Dank an meine Reviewer Severin1, Miyao, Shatiel the second und Kardia.. Ich hoffe Kapitel Nr. 4 gefällt euch ebenso.
So, jetzt kommt Remus ins Spiel. Viel Spaß beim Lesen!
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4. Kapitel
Über 100 km entfernt klopfte zu diesem Zeitpunkt eine hübsche Eule hartnäckig gegen das Schlafzimmerfenster eines kleinen Hauses. Der Eigentümer und einzige Bewohner wälzte sich in seinem Bett stöhnend auf die andere Seite und zog sich die Decke über den Kopf. Doch die Eule ließ nicht locker. Sie hatte eine Nachricht zu überbringen, und sie würde ihre Aufgabe erfüllen, ob es der Empfänger nun wollte oder nicht. Sie klopfte beharrlich weiter. Mit einem genervten Stöhnen schlug der Mann schließlich die Decke zurück und stand auf.
Er fuhr sich gähnend durch das braune Haar, durch das sich breite graue Strähnen zogen und taumelte schlaftrunken auf das Fenster zu. Er öffnete es und der Störenfried hüpfte munter hinein.
Remus Lupin gähnte noch einmal herzhaft und nestelte umständlich die Nachricht von dem Bein des Vogels.
Er las sie und war mit einem Schlag hellwach.
Remus,
ich möchte dich bitten nach Hogwarts zurück zu kehren und Neville Longbottom in Verteidigung gegen die dunklen Künste zu unterrichten.
Die Einzelheiten erfährst du bei deiner Ankunft.
Albus.
Der Werwolf runzelte die Stirn und las die Nachricht ein zweites Mal. Neville? Er schüttelte den Kopf. Albus würde es sicherlich erklären können. Er kratzte sich am Kopf und ging in die Küche, um den Tag mit einem leckeren Frühstück zu beginnen. Dann würde er nach Hogwarts reisen.
Die Eule folgte ihm und zwickte ihm so lange ins Ohr bis er ihr ein Stück trockenen Toast gab. Dann flog sie davon.
Nach einem reichhaltigen Frühstück und einer Dusche machte auch Remus sich auf den Weg.
Vor den Toren Hogwarts ergriff ihn eine große Traurigkeit. Hier war er jahrelang zusammen mit seinen Freunden hindurch gefahren. Damals war das Leben noch leicht gewesen. Sie waren voller Träume gewesen, Träumen und Streichen, die sie manchen zu spielen gedachten. Ihre einzige Sorge war es gewesen, die Menge der Hausaufgaben nicht bewältigen zu können oder wegen ihrer Streiche von der Schule zu fliegen. Remus hatte erst befürchtet als Werwolf entlarvt zu werden und dann, in den späteren Jahren, hatte ihn das Wissen gepeinigt, dass er Severus wieder nicht beistehen konnte, weil er sonst seine einzigen Freunde verlor.
Nun waren zwei seiner Freunde tot, und einer ein Verräter.
Remus schnürte es die Kehle zu. Es war erst wenige Wochen her, dass Sirius durch den Vorhang gestürzt war. Er war ins Ministerium gegangen, um Harry zu retten, obwohl er, Remus, und sogar Severus versucht hatten ihn davon abzuhalten. Doch er hatte nicht auf sie gehört und war davongestürzt, um James Sohn zu beschützen.
Tränen stiegen ihm in die Augen. Wenige wussten, dass Sirius schon nicht mehr derselbe gewesen war, nachdem er aus Askaban geflohen war, und sein Zustand hatte sich in dem Haus der Blacks noch verschlimmert. Sirius konnte Dunkelheit nicht ertragen, so dass sein Zimmer und vor allem der angrenzende Flur immer hell erleuchtet waren. Er wurde nervös, wenn sich eine Tür hinter ihm schloss und manchmal waren seine Alpträume und dunklen Visionen so stark, dass er nicht einmal Remus erkannte und ihn für einen Dementor hielt.
Dies waren die schlimmsten Augenblicke gewesen, die in denen Sirius gewimmert und gefleht hatte ihn in Ruhe zu lassen. Manchmal hatte er sich in Padfoot verwandelt und sich mit eingezogenem Schwanz in die Ecke verkrochen.
Nach außen hin hatte er sich nichts anmerken lassen, vor allem, wenn Harry in der Nähe war, doch innerlich war er nur noch ein Schatten des gutaussehenden charmanten Jungen, mit dem Remus während der Schulzeit befreundet gewesen war. Er war der einzige, der wusste, wie es wirklich um Sirius gestanden hatte, er und Severus.
Eines Abends, während eines schlimmen Zusammenbruchs, hatte Remus plötzlich den Tränkemeister in der Tür gesehen. Sirius hatte sich wimmernd in einer Ecke verkrochen und ihn nicht bemerkt. Es war allerdings nicht die Anwesenheit des Tränkemeisters gewesen, die Remus so verwunderte, obwohl er wusste, dass das Meeting längst zu Ende war, sondern der Ausdruck in den schwarzen Augen.
Es war Mitgefühl, das Gefühl, genau zu wissen, was sein Erzfeind nun durch machte und mit ihm zu fühlen. Der Slytherin war lautlos davon gegangen, und als Remus am nächsten Morgen in die Küche gegangen war, hatte auf dem Tisch ein kleiner Flakon gestanden mit einem Zettel "Beruhigungstrank". Remus kannte die elegante Schrift noch von seiner Zeit als Lehrer in Hogwarts und hatte Sirius jeden Morgen etwas von dem Trank unter sein Frühstück gerührt.
Er wusste, dass sein bester Freund niemals etwas einnehmen würde, von dem auch nur der Verdacht bestand, dass es aus Severus Labor stammte. Danach war es besser gegangen, obwohl es auch hin und wieder Rückschläge gegeben hatte.
Nun war Sirius tot, und Remus konnte sich den Gedanken nicht verwehren, dass es vielleicht besser für ihn war. Er hatte von seiner muggelstämmigen Mutter etwas über christliche Religion erfahren und auch wenn er ein Zauberer war, so tröstete ihn doch die Vorstellung, dass Sirius jetzt in diesem Augenblick irgendwo mit James und Lily spazieren ging, lachend und scherzend, so wie es früher gewesen war.
Remus atmete tief durch und schritt durch das Tor. Es brachte nichts in der Vergangenheit zu verweilen, wenn es eine Gegenwart zu bewältigen und eine Zukunft zu gestalten gab. Und jetzt musste er herausfinden, was es mit Albus´ geheimnisvollem Schreiben auf sich hatte.
„Schokokeks"
Der Wasserspeier sprang zur Seite und gab den Weg frei in das Büro des Schulleiters. Albus Dumbledore saß hinter seinem Schreibtisch und betrachtete seinen Besuch sehr ernst. Remus dachte, dass er hundert Jahre älter als gewöhnlich aussah, und seine Unruhe wuchs. Irgendetwas war passiert und es war nichts Gutes.
„Guten Tag, Remus, bitte setz´ dich."
Der ehemalige VgdK-Lehrer setzte sich.
„Ich habe dich gerufen, weil ... weil etwas geschehen ist, mit dem ich zugegebenermaßen nie gerechnet habe."
Schmerz spiegelte sich in den blauen Augen.
„Du musst Neville trainieren. Dir vertraut er."
„Was ist mit Harry?"
Dumbledores Blick verdüsterte sich.
„Harry ist ... Voldemort hat ihn verändert."
Remus erstarrte.
„Was?"
„Er hat Harrys Erinnerung verändert."
„Wie?"
Remus schwante nichts Gutes. Wenn es nur eine kleine Modifikation gewesen wäre, hätte Dumbledore sie doch mit einem Schwung seines Zauberstabes können, oder?
„Er ... er hat Harry eine neue Existenz gegeben."
Remus´ Magen verknotete sich und sein Mund wurde trocken.
„Voldemort hat seine Verbindung zu Harry genutzt, um einen Großteil seiner Magie zu isolieren und seine Erinnerung nach seinem 11. Geburtstag komplett zu verändern. Zur Zeit hat Harry nicht einmal den Willen, Voldemort zu bekämpfen, von seinen magischen Fähigkeiten ganz zu schweigen."
Remus wurde kalt. Dumbledore redete sofort weiter und der Werwolf hatte den Eindruck, dass er das Ganze schnell hinter sich bringen wollte.
„Für die Prophezeiung, von der ich euch erzählt habe, kommt nicht nur Harry in Frage, sondern auch Neville."
„Neville?" krächzte Remus betäubt.
„Harry und er wurden beide im gleichen Zeitraum geboren, Ende Juli. Harry am 31. und Neville am 29. Voldemort hat damals Harry zu seinem Gegner erkoren, aber ich sehe die Chance, dass vielleicht auch Neville ihn besiegen könnte. Mit dem richtigen Training versteht sich."
Glaubst du das wirklich Albus, dachte Remus, oder versuchst du nur deiner Panik Herr zu werden?
„Ich habe Severus bereits gebeten einen Plan für Duellieren und einen Teil der Verteidigung gegen die dunklen Künste auszuarbeiten. Pomona Sprout wird ihn in Kräuterkundeunterrichten und Severus seine Fähigkeiten in Zaubertränke verbessern. Ich dachte, dass es das Beste ist, wenn du den größeren Teil des Unterrichts in Verteidigung gegen die dunklen Künste übernimmst und vielleicht gemeinsam mit Severus seine Fähigkeit im Duell verbesserst."
„Was ist mit Harry?"
„Er befindet sich in Severus´ Obhut."
Remus hatte große Lust über den Schreibtisch zu springen und den Alten zu würgen.
„Was - ist - mit - Harry?" wiederholte er mit Nachdruck.
„Ich denke, dass kann Severus am besten erklären", entgegnete der Schulleiter, "Und jetzt entschuldige mich bitte."
Damit wandte er sich den Pergamentrollen zu, die sich auf seinem Schreibtisch stapelten. Remus ballte die Fäuste. Der Alte war wirklich unmöglich. Moony wollte wissen, was aus seinem Welpen geworden war, und zwar sofort. Bevor der Wolf die Oberhand gewinnen konnte, atmete Remus tief durch und erhob sich. Hier würde er nichts mehr erreichen. Er nickte dem Schulleiter noch einmal zu und verließ das Büro.
Vor der Tür zu Severus´ Büro atmete er abermals tief durch und klopfte.
Keine Antwort.
Remus zog die Brauen zusammen und klopfte erneut. Nichts.
Er knurrte. Er wusste, dass Severus sehr stur sein konnte, aber hier ging es um Harry.
Er hämmerte mit der Faust gegen das Holz. Stille.
Remus zog ein Stück Pergament hervor, das er seit Sirius´ Tod ständig bei sich trug. "Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin."
Auf dem Pergament erschienen Linien, die sich langsam zu Räumen zusammen fanden und schließlich einen Plan von Hogwarts bildeten.
Remus´ Blick fiel sofort auf den Raum, vor dem er stand. Er war leer, ebenso wie das angrenzende Labor. Vielleicht befand sich der Tränkemeister in seinen Privaträumen, von denen Remus allerdings nicht wusste, wo sie lagen. Er suchte die Karte ab, aber er fand keinen Raum, den er nicht kannte.
Die Räume von Minerva, Pomona, Sinistra und anderen Lehrern befanden sich in den Lehrerquartieren im Westturm, aber Severus´ Räume waren nicht darunter. Die Quartiere, die Slughorn zu seiner Schulzeit bewohnt hatte, waren zu einem Klassenzimmer und einem Vorratsraum für Zaubertrankzutaten umgebaut worden. In den Gästequartieren, in denen sich bereits seine Sachen befanden, wohnte sonst niemand.
Wo waren Severus´ Privaträume?
Der Gemeinschaftsraum der Slytherins und die Schlafsäle waren gut zu erkennen, aber neben ihnen waren nur dicke Mauern und die Vorratsräume der Küche. Neben Severus´ Büro befand sich das Klassenzimmer für Zaubertränke und neben dem Labor die Außenmauer. Unter den Räumen gab es nur noch das Fundament. Remus suchte das Gelände ab. Weder Severus noch Harry waren zu sehen.
Sein Herzschlag beschleunigte sich. Was war hier los? Er überlegte, ob er in Dumbledores Büro stürmen und den Schulleiter drohen sollte, doch er hatte das vage Gefühl, dass selbst der Schulleiter nicht wusste wo die Privaträume seines Spions waren. Remus seufzte frustriert. Es sah so aus, als bliebe ihm nichts anderes übrig als zu warten bis der Herr Kollege geruhte, wieder an die Oberfläche zu kommen.
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Wie immer ist eure Meinung höchst willkommen!
