,,Chris…mach dir keine Sorgen, Jill kommt sicher wieder in Ordnung." Es war Sheva gewesen, die ihren Partner aufmuntern wollte, da dieser beim Abendessen in der Kantine starr und monoton vor sich hin blickte.
Der Agent blickte die junge Afrikanerin an und lächelte schwach: ,,Das weiß ich em…das ist es auch nicht…Ich bin nur ein bisschen nachdenklich."
Die anderen Soldaten um sie herum machten nicht wenig Geräusche und Gelächter, das Klappern der Teller war zu hören, das Schieben von Stühlen über den Fliesenboden und die Schritte der Soldaten, die in der Kantine ein und aus gingen.
,,Worüber?" wollte Josh wissen, der den beiden gegenüber des kleinen Runden Tisches saß und ebenfalls sein Frühstück zu sich nahm.
,,Ach…" Chris räusperte sich, ,,…über die Mission, Jills Rückkehr, was jetzt noch auf uns alle zukommen wird…Ich kann wohl kaum glauben, das Wesker endlich zum Teufel gefahren ist."
,,…und das deine Partnerin zurück ist." vollendete Sheva.
,,Ja…" Chris blickte unter sich, ,,...ich wollte vorhin noch mal nach ihr sehen, aber es hieß, das sie noch immer schlafen würde."
,,Kein Wunder, wenn man in Betracht zieht, das sie durch diese Substanz auf dauerhaften Schlafentzug war." Sheva lächelte.
Chris daraufhin ebenfalls, allerdings nur kurz, dann kam ihm wieder dieses unangenehme Bild von Jill in den Kopf, wie sie vor ihm gestanden hatte, bereit ihn zu töten. Was hatte sie wohl alles erdulden müssen.
Abrupt stand er auf und verließ die Gruppe.
Sheva und Joas blickten ihm fragend nach.
,,Was…" begann Josh und schluckte seinen Bissen gerade noch herunter, ,,…Was hat denn der Kerl plötzlich?"
,,Keine Ahnung…" antwortete Sheva, ,,…so gut, kenne ich ihn noch nicht, aber er ist so eigenartig, seitdem er erfahren hat, das Jill noch am leben war. Sie waren früher schon Partner und ich denke, das sie sich wohl sehr nahe gestanden haben, obwohl Chris das nie wirklich zugegeben hat."
,,Naja…jetzt ist sie ja wieder da. Ach Sheva…wir sollen morgen früh in den Konferenzraum, die haben die Beweise und Dokumente des Aufklärungsteams dann durchgesehen und werden uns noch mal dazu befragen."
,,Ich hoffe nur, das sie dich nicht degradieren. Du hast so hart dafür gearbeitet Captain zu werden."
,,Ich bin ein Captain, dessen Team ausgelöscht wurde, was nutzt mir da der Rang denn noch?"
,,Josh…" Sheva legte ihm eine Hand auf die Schulter, ,,…Mach dir keine Vorwürfe. Es war ein Wunder, das du überlebt hast und das hat sicher einen Grund. Vertau mir."
Josh lächelte die junge Frau an und nickte: ,,Immer doch, kleine Schwester."
Auch Sheva lächelte über die kleine Anspielung…
Im gegenüberliegenden Teil des Stützpunktes, war die Stimmung alles andere als rosig in den letzten Stunden gewesen.
Jill war schon in den frühen Morgenstunden erschrocken aufgewacht.
Sie war panisch gewesen, wieder in einem sterilen Krankenzimmer zu liegen. Sie wollte nicht wieder zurück. Sie war ebenso panisch aus dem Bett gestolpert und hatte erstaunt festgestellt, das es keine Fesseln mehr gab, die sie im Bett festhalten würden. Das Jill sich wohl versehendlich dabei die Infusionsnadel aus dem Handrücken gerissen hatte, hatte sie dar nicht wahr genommen.
Hastig atmend war sie, noch in der selben Bewegung zurück getaumelt, bis sie die Fensterbank im Rücken gespürt hatte. Sie hatte sich umgedreht und erst dann konnte sie sich etwas beruhigen. Sie erblickten den tiefblauen Nachthimmel und die Sterne und wusste, das sie nicht wieder im Versuchlabor war.
Sie war frei.
Alles war vorbei.
Erschöpft war Jill dann auf den Boden gesunken und starr sitzen geblieben…
Das Klopfen an ihrer Zimmertür am frühen Vormittag hörte sie kaum.
Zu sehr waren ihre Gedanken mittlerweile abgeschweift. Sie befand sich kaum noch im hier und jetzt. Jill konnte nichts sagen, sie konnte sich nicht bewegen. Ihr Blick ging starr gerade aus, ziellos verlor er sich an der kahlen, weißes Wand.
Sie wollte sich auch gar nicht bewegen. Sich zu bewegen, hieß wieder erneute Erinnerungen in ihr hervorrufen. Erinnerungen an das Versuchslabor, an all die Gräueltaten die hatte mit ansehen müssen, die sie nicht verhindern konnte.
,,Jill?" eine Hand legte sich an ihre Schulter und brachte damit das Fass zum überlaufen.
,,Aah!…" Jill erschrak fürchterlich und begann um sich zu schlagen, ,,…Nein!…Lass mich los, nein!"
,,Hey, hey, hey…" Chris versuchte ihre Arme zu halten, versuchte sie zu beruhigen, ,,…Jill! Ich bin es, Chris!..Hey!…"
Als Jill ihre Gedanken wieder bei sich hatte, erkannte sie, das es nicht wieder Weskers Hände oder die seiner Forscher waren, die sie festhielten, sondern die von Chris.
,,…Ist okay…beruhige dich!" beruhigend sprach er auf sie ein.
,,…Chris…" ihre Atmung beruhigte sich langsam.
,,Ja, ich bin es…es ist alles gut." Chris streckte vorsichtig seine Hand nach ihr aus, um ihr Zeit zu geben, sein Vorhaben zu registrieren. Dann strich er ihr das blinde Haar hinters Ohr und festigte ihren Blick dabei, ,,…Es ist alles gut."
Nach wenigen Augenblicken des Zögerns, ergriff Jill das Wort. Sie blickte beschämt zu Boden: ,,Es tut mir leid, Chris…Ich wollte dir nicht weh tun."
,,Das hast du nicht…" entgegnete er leise, war jedoch noch immer besorgt, ,,…Ich habe angeklopft, wieso hast du nichts gesagt?…"
Jill schwieg.
Chris schluckte und merkte zusehends, das irgendetwas mit ihr überhaupt nicht stimmte. Jedoch ließ er es sich nicht anmerken. Zufällig blickte er auf ihre blanken Füße.
,,…Komm hoch…" sagte Chris dann, ,,…Der Boden ist doch eiskalt, du holtest dir noch den Tod."
Jill ließ es zu, das er ihr aufhalf und als sie sich dann wieder auf das Bett setzte, fühlte sie sich dazu veranlasst sich vollends hin zu legen.
Chris setzet sich zu ihr, ihm entging ihr trauriger Blick keineswegs.
,,Du warst nicht beim Frühstück."
Jill schluckte: ,,Ich habe keinen Hunger."
Er überging den traurigen Unterton in ihrer Stimme, da er sie nicht in Verlegenheit bringen wollte: ,,Heute Nachmittag wird ein Flugzeug kommen. Es wird uns zurück in die Staaten bringen."
Ihr Blick war noch immer leer.
,,Jill!…" Chris mochte ihre gleich Gültigkeit nicht, er wollte, das sie endlich anfing zu reden, ,,…wieso hast du zusammengekauert auf dem Boden gesessen?"
Doch als erneut keine Antwort kam, fasste er Jill an die Hand, dabei bemerkte er, das sie sich die Infusion rausgerissen hatte: ,,…Was hast du gemacht…"
Abrupt zog Jill ihre Hand zurück: ,,Fass mich nicht an!"
Chris war perplex, er hatte ihr nicht zu nahe treten wollen, doch verstand ihre zum Teil heftige Reaktion nicht.
,,Du hast dich erinnert, nicht wahr?…" sagte er dann, ,,…Du hast deine Erinnerungen nicht verloren, so wie du es gestern im Konferenzraum gesagt hattest."
,,Doch…" entgegnete Jill, ,,…Ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß überhaupt nichts davon, was gewesen war, bis vorgestern."
,,Das stimmt nicht, Jill…" Chris festigte ihren Blick, ,,…Du weißt sehr wohl, was in den vergangenen Jahren passiert ist."
,,Nein…nein!…" sie regte sich zusehends auf, ,,…Ich weiß gar nichts!"
,,Jill…"
,,Nein!…" sie wurde deutlicher, ,,…Verschwinde! Lass mich allein!"
Chris schwieg.
In ihrem Blick erkannte er, das sie es flehend und doch todernst meinte. Er erkannte allerdings auch Angst in ihren Augen.
,,Okay…" Chris stand auf, ,,…ich gehe, wenn es das ist, was du willst."
Jill drehte den Kopf weg und starrte erneut vor sich hin.
Als Chris keine Antwort bekam, nickte er leicht, stand dann wieder auf und verließ ihr Zimmer. Er ließ Jill alleine, wohl wissen, dass es etwas gab, was sie nicht sagen wollte oder konnte.
Nachdem ihr ehemaliger Partner gegangen war, drehte sich Jill zur Seite. Sie war noch immer müde und rieb sich das Nasenbein, da Kopfschmerzen sie plagten…
Am Nachmittag landete das amerikanische Militärflugzeug auf der Landebahn.
Chris hatte seine Tasche bereits gepackt und war auf dem Weg zum Landeplatz. Er hatte Jill seit dem Morgen nicht mehr gesehen.
,,Hey…" erneut tauchte Sheva hinter ihm auf und lächelte, ,,…du wolltest doch nicht verschwinden, ohne dich zu verabschieden?" Sie hatte Josh im Schlepptau.
Chris begann umgehend ebenfalls zu lächeln und drehte sich zu ihr um: ,,Nein…natürlich nicht."
Shevas Lächeln wurde größer, als sie sich streckte, um ihn herzlich zu umarmen. Chris erwiderte das: ,,Danke für deine Hilfe, Partner."
Sheva nickte, als sie sich voneinander lösten: ,,Du hast mir den Hintern gerettet, ich schulde dir was."
Chris lachte: ,,Pass auf dich auf…" dann blickte er zu Josh und gab ihm die Hand, ,,...Du auch."
Josh nickte: ,,Ich danke dir Mann, du hast mit Sicherheit eine Katastrophe verhindert."
,,Ach, ihr habt auch euren Teil dazu beigetragen…und em…Josh, danke, das du Jill geholfen hast."
Der Schwarze nickte: ,,Pass auf die Kleine auf."
Chris nickte noch ein letztes mal zu Josh, dann zu Sheva, dann drehte er sich wieder um und ging weiter zum Flugplatz.
Das Grinsen blieb allerdings auf seinen Lippen hängen. Er war letztlich doch froh, wie es gekommen war, das es noch so glimpflich ausgegangen war. Er wusste zwar nicht, oh er Sheva und Josh im Rahmen späterer Missionen wieder sehen würde, aber er hatte wohl neue Freunde gefunden…
