Ursprünglich sollte das Kapitel noch nicht enden wo es das jetzt tut, aber es ist schon recht lang geraten, deswegen teile ich es einfach mal auf und schreibe im nächsten weiter, also seid gespannt und lasst mir am besten ein bisschen Rückmeldung da, das macht mich immer ganz happy! :)

Kapitel 4: Katzenjammer, Teil eins

Für viele war das Aufwachen ein langwieriger Prozess. Okumura Rin war eines dieser Individuen. Er hasste es, frühmorgens aufstehen zu müssen. Wenn er eine Wahl hätte, würde er sich vielleicht um Mittag aus den Federn bewegen. Unter Umständen. Und nur, weil er hungrig wäre.

Sollte er jedoch früh geweckt werden, wie jeden verdammten Schultag, wären die ersten Stunden des Tages ruiniert. Während dieser Zeit wäre er sehr still und ruhig, was bei ihm meist kein gutes Zeichen war. Oder wie viele Eltern es berichteten: Ein Kleinkind ist am gefährlichsten, wenn es leise ist. Dann ist die Katastrophe aber schon eingetreten. Rin sah sich selbst nicht als Kleinkind, im Gegensatz zu manch anderen Dämonen; dennoch galt diese Regel auch für ihn. Belästigte man ihn an solchen Morgenden unnötig, war man normalerweise des Todes geweiht.

Lixue und Daystar, die ihn mit vollem Karacho aus dem Bett schubsten, konnte er aber nicht einfach so töten, das brachte er nicht über Herz. Eigentlich würde er es niemals schaffen, etwas umzubringen, man verweise nur auf all die Tiere die er in seinem Leben gerettet hatte (auch wenn er dafür manchen Leuten die Fresse poliert hatte, siehe Shiratori Reiji).

Die beiden Energiebündel huschten zuerst in das Familienbad, ihre Eltern waren noch nicht aufgetaucht. Er konnte das sehr wohl nachvollziehen, es war erst früher Morgen. Sechs Uhr vielleicht? Rin war sich sicher, dass er einen Teil seiner Seele bei dem überfrühten Schock verloren hatte.

Was Daystar im Bad machte, wusste er nicht genau und er wollte es auch eigentlich überhaupt nicht wissen. Cait Sith verhielten sich nicht wie normale Katzen, das hatte er mit Kuro schon gelernt. Kuro. Schon wieder merkte er, wie sehr er seinen Familiar und vor allem seinen Freund vermisste.

Als nächstes war er dran, und er tappste langsam. Er hatte genug Zeit, nachdem es ihm nicht erlaubt war, „noch fünf Minuten" zu schlafen. Fünf Minuten bedeuteten in diesem Zusammenhang selbstverständlich um die drei Stunden. Mindestens. In den Spiegel blickend, meinte er kurz, dass dieser kaputt wäre. Vielleicht zeigten Spiegel einem hier etwas anderes als in Assiah. Dinge gab es ja. War Gehenna nicht eine Spiegelwelt zu Assiah? Eine Umkehrung seines Aussehens würde erklären, weshalb er weiße Haare hatte.*

Dann aber erinnerte er sich an das geänderte Aussehen seines Schweifes und prompt setzte ein schockartiges Wachwerden ein, das wohl der Wirkung eines Kaffees entsprach (den er nie trank, weil das Zeug schrecklich schmeckte).

Jetzt eindeutig wacher, erkannte er die Person im Spiegel als sich selbst. Seine Augen waren immer noch blau, die Iris war allerdings ein Schlitz** und hatte rote Ränder. Seine Ohren schienen spitzer zu sein als vorher und waren definitiv nicht mehr zu verbergen, was allerdings auch nicht nötig war. Erst recht nicht in Gehenna. Als er seinen Mund öffnete, sahen seine Zähne so aus, wie vorher. Er hätte es ja auch gemerkt, wenn sie sich verändert hatten – als er sie bekommen hatte, hatte er sich ein paar Mal die Zunge daran verletzt. Autsch.

Seine Hände betrachtend, stellte er fest dass die Fingernägel härter waren und sich vom Nagelbett aus dunkel zu färben begannen. Es änderten sich noch Dinge? Würde noch mehr passieren? Er befürchtete, dass ihn niemand wiedererkennen würde, wenn er wieder nach Assiah käme. Obwohl, Kuro müsste ihn irgendwie erkennen, richtig? Seine Aura hatte er ja schon vorher. Aber weder sein Bruder noch Shura noch sonst irgendjemand hatte die Fähigkeit, diesen Teil seines Selbst zu wahrzunehmen.

Als er das erste Mal dämonische Merkmale bekommen hatte, fühlte er sich genauso wie jetzt. Zuerst überrascht, und dann seltsam angenehm und frei. Er wollte das einmal Yukio erzählen, aber es klang schon seltsam in seinem Kopf. Wie sollte er seinem kleinen Bruder sagen, dass er sich als Dämon besser fühlte als zuvor? Sein Bruder, der Dämonen hasste. Sein Bruder, der auf ihn wütend war, weil er einer von ihnen war.

Das Gefühl, bevor er in Gehenna aufgewacht war – er entsinnte sich. Die Erinnerung schien weit entfernt, aber das unglaublich gute Gefühl war geblieben, er legte seine Hand auf seine Brust, um es dort unter seinen Fingern zu fühlen. Warm und wohlig, so wie die von allen gehassten blauen Flammen.

Dann fragte er sich, was er hier eigentlich machte. Verschlafen hatte er zwar verstanden, dass das hier das Bad war, aber wie funktionierte ein gehennisches Badezimmer überhaupt? Er schaute sich um.

Die meisten Dinge waren aus etwas, das wie Holz aussah, sich aber eher wie Stein anfühlte. Unter dem Spiegel war ein Waschbecken, dass in einen kleinen Schrank eingelassen war. Eine Toilette gab es auch. Alles sah den Sachen in Assiah ziemlich ähnlich, aber hatte Ibadet nicht gesagt, dass die Menschen – die Vergänglichen ihre Lösungen nicht nach den Dämonen gefunden hatten? War aber wohl nicht so wichtig.

Am linken Rand des Wachbeckens war ein Becher, der wohl der Zahnputzbecher war – er war aus dem gleichen Material wie die Schränke, aus denen auch das Geschirr gestern gewesen war, wie er sich erinnerte. In dem Becher standen vier … Stäbe? Sie waren so dick wie sein Zeigefinger und sahen nicht sonderlich fest aus, doch da er vermutete dass sie etwas wie Zahnbürsten waren, fasste er sie nicht an.

Als er auf die rechte Seite schaute, sah er einen zweiten Becher mit einem … Stock … und eine Zettel, den er sich griff und auffaltete. Auf dem Papier waren komische Schriftzeichen, die er nie gesehen hatte. Fühlte sich so jemand, der versuchte, einen japanischen Text zu lesen?

Doch als er genau versuchte, das Geschriebene wenigstens ansatzweise zu entziffern, merkte er, dass er es verstand. Fehlerfrei – genauso einfach wie er angefangen hatte mit Kuro und auch den Dämonen hier zu sprechen.*** Dort stand:

„Morgen! Da du mit den anderen kleinen" - Rin war nur leicht empört, mittlerweile hörte er auf sich vehement gegen die Wahrnehmung als Kleinkind zu wehren - „geschlafen hast, denke ich mal, dass sie dich frühmorgens wachgemacht haben, wo ich und Otis noch nicht aufstehen wollen. In Assiah reinigt ihr eure Zähne anders, richtig? Gestern Abend hat Lixue sich und seinem Bruder versorgt, aber ich habe ganz über dich vergessen. Du nimmst einfach den Kaustab und beißt darauf rum, das reinigt alles was nicht von alleine weggeht."

Voller Tatendrang machte sich Rin ans Werk und es lief auch ganz okay. Der Griff des Kaustabes war hart, die andere Hälfte des ungefähr fünfzehn Zentimeter langen Objekts war aus einem Material, das irgendwie schleifend wirkte aber sich wie Schaumstoff verhielt, der leicht in seine ursprüngliche Form zurücksprang. Er war außerdem härter als er aussah.

Seine Zähne fühlten sich okay an, bis er zu seinen Schneidezähnen kam. Er biss wieder drauf, wie gewohnt, und plötzlich tat es weh und er hörte auf. Vorsichtig tastete er auf seine Zähne, und merkte, dass einer seiner unteren Schneidezähne locker saß. Adrenalin schoss durch seine Adern. Das sollte nicht so sein, richtig? Das waren doch seine bleibenden Zähne!

Dann erinnerte er sich seltsamerweise an eine der Unterrichtsstunden, in denen er nicht temporär ins Wachkoma gefallen war, weil es mal was zu tun gab. Es wurde über einen Familiar gesprochen, der zahnte, was Dämonen im bestimmten Alter tuen, besonders Jungdämonen. Als Beispiel wurde ein junger eingefangener Hobgoblin genommen. Welcher Altersgruppe gehörte dieser noch einmal an? Er war ein Kleinkind gewesen, richtig? Dämonen hatten ihren ersten Satz Zähne meist zur Entstehung oder Geburt, bekamen ihren zweiten als Babys und wenn sie Kleinkinder wurden, bekamen sie bald schon ihr drittes, richtig? Ja, der Hobgoblin bekam schon sein zweites neues Gebiss, er war gerade ein Kleinkind geword – ein Kleinkind.

Rin starrte auf seine Hände, die er in das trockene Waschbecken hängen ließ. Der Lehrer für Dämonologie hatte einen Dämon, der gerade ein Kleinkind geworden war, auf seinen Tisch gesetzt und die Klasse Adepten herbeigerufen, damit sich sich ein Kleinkind anschauten. Ein Kleinkind, dass alleine war und gerade zahnte. Der Kleine hatte gequakt und gequakt, und damals hatte es Rin das Herz gebrochen, aber niemand hörte auf ihn, als er wollte, dass sie den Jungdämon in Ruhe lassen.

Plötzlich wollte Rin nicht mehr zurück und Exorzist werden.

Der Zahn war locker, aber nicht ausgefallen, und so ging er zurück zu den beiden Brüdern, die im Wohnzimmer spielten. Raus durften sie nicht, solange die Eltern noch nicht aufgestanden waren, und Frühstück gab es auch erst dann, erzählte Lixue. Die beiden lärmte erstaunlich leise rum, dennoch kam nach ungefähr einer Stunde Otis mit zerwuschelten schwarzen Haar und leicht angelegten Katzenohren an und guckte verschlafen herum. Sein Blick erinnerte Rin daran, wie er sich am Morgen gefühlt hatte, bevor er seinen halben Herzinfarkt hatte.

Der verschlafene Vater winkte dem zahnenden Kleinkind-Teenager geistesabwesend zu, während seine Kinder sich um ihn scharten als hätte er was essbares. Als sie feststellten, dass er nichts hatte, fingen sie an, sich zu beschweren. Otis ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, er wurde nur davon abgehalten, im Stehen einzuschlafen: „Hi Kleiner, wie geht's dir so?", murmelte er.

„Rin ist mein Name.", der Jüngere war sichtlich verwundert, dass ihm niemand gefragt hatte, wie er hieß, „Mir geht's gut.". Nach einem Moment Stille fügte er hinzu: „Einer meiner Zähne hat angefangen zu wackeln.", obwohl er nicht genau wissen, warum er das erzählte. Musste ja eigentlich nicht jeder wissen.

Der Familienvater lächelte: „Ah, gut zu wissen. Deine wievielten sind das jetzt? Ach, und wo wir gerade von Zähnen sprechen … kannst du vielleicht was zu Essen machen? Schatzi hat mich aus dem Bett geschmissen und mir gesagt, ich solle die Kinder füttern, aber ich zünde wohl eher das Haus an, als was essbares zu kochen ...". Rin nickte und im Vorbeigehen antwortete er: „Sind meine dritten.", woraufhin Otis leicht irritiert guckte. „Dein dritten? Aber dann bist du ja wirklich noch so klein! Wie alt bist du überhaupt? Du solltest wirklich noch nicht von deiner Familie getrennt sein." Er folgte ihm in die Küche, und während der Jüngere anfing, Sachen fürs Frühstück zusammenzukramen, nannte er sein Alter, was Otis seinen halben Herzinfarkt verpasste und ihn somit wachmachte.

„FÜNFZEHN JAHRE NUR? Ich meine, klar, es gibt Dämonen, die werden recht schnell erwachsen. Aber fünfzehn? Und du bist gerade erst aus deinem Babyalter raus!", sprach der Erwachsene etwas laut. Rin zuckte nur mit den Schultern. Der Mangel einer vernünftigen Erklärung besorgte Otis nur noch mehr: „Kannst du mir sagen, wer deine Eltern sind? Wer ist dein Elternteil? Was ist überhaupt passiert?", fragte er nach.

Rin hielt inne. Doch dann fragte er: „Warum fragst du mich, wer meine Eltern sind? Sie könnten doch auch tot sein oder mich ausgesetzt haben." Das handelte ihm einen geschockten Blick ein. „Was – dich aussetzen? Das würde niemand tun. Es ist eines der größten Verbrechen in Gehenna, ein Kind vom Elternteil zu trennen. Warte, Ibadet hat gesagt, du kommst aus Assiah, richtig? Die Vergänglichen sind auch fühlende Lebewesen, klar. Aber manche Dinge, die sie tun, sind einfach grausam, die könnten wir niemals tun. Und ich weiß, dass deine Eltern oder dein Elternteil nicht tot sind, weil du noch mit jemandem verbunden bist, ansonsten wüssten alle erwachsenen Dämonen, dass du alleine bist und jemand würde dich adoptieren und weiter aufziehen." Während er redete, schaffte Otis es, sich etwas zu beruhigen, aber es war noch zu merken, wie sehr ihn alleine der Gedanke, ein Kind alleine zu lassen, erregte.

„Es ist nicht so, als würden viele Kinder alleine aufwachsen in Assiah. Meistens gehen sie in ein Kinderheim oder werden adoptiert.", murmelte Rin in die Pfanne, in der er gerade etwas wie Rühreier briet. Er ließ den Teil aus, wo Kindern schreckliche Dinge passierten. Diese Bilder, die manchmal in den Nachrichten kamen, konnte er selbst nie verstehen. Stimmt, wer würde ein Kind alleine lassen? Leiden lassen? Jetzt wo er darüber nachdachte, konnte er es selbst nicht verstehen. Das war aber menschlich, richtig?

Menschlich wird in der Sprache der Menschen auch dazu benutzt, einen Akt der Nächstenliebe zu beschreiben. Doch was waren die Leute dann, die als „unmenschlich" bezeichnet wurden, aber genetisch noch Menschen waren?

Sie waren schon halb durchs Frühstück, als Ibadet auftauchte, und alle grüßte und sich neben ihren Partner setzte. Dieser teilte ihr prompt mit, dass Rin wieder zahnte, ließ aber aus, das wievielte Mal es war. Ibadet schien ebenfalls erfreut. Irgendeine Stimme im Hinterkopf des Weißhaarigen merkte an, dass er sich schämen sollte, wenn private Details ausgeplaudert wurden, aber er tat es nicht. War noch zu früh am Morgen dafür, redete er sich ein.

Am Vormittag dann saß er vor dem Haus und sah den Geschwistern beim spielen zu. Lixue versuchte manchmal seinen Bruder zu ermutigen, noch einmal zu versuchen, sich zu verwandeln, doch der hatte anscheinend kaum ein Interesse daran.

„Wenn der Moment für ihn kommt, wird er es schon schaffen, da bin ich mich sicher. Es ist immer genug Zeit, etwas ein bisschen langsamer anzugehen." Otis kam aus dem Haus und setzte sich neben Rin.

„Weder ich noch Ibadet aber haben wirklich die Zeit, dich nach Hause zu bringen. Aber Thao, eine Freundin die hier in der Nähe wohnt, kann dir bestimmt helfen."

Nachbarschaft? Er hatte keine anderen Wege gesehen, als den, den er gegangen war, und dieser war seltsamerweise auch schon verschwunden. Rin bekam einen Rucksack gereicht. „Wir haben nicht viel, aber ich bin ein wenig durchs Haus und habe deine Sachen und ein bisschen was zusätliches zusammengekramt, der Kaustab ist natürlich auch dabei." Rin bedankte sich und setzte ihn auf.

Otis bedeutete ihm dann, aufzustehen und ihm zu folgen. Sie gingen zu dem Ende der Insel, das der Richtung, aus der er gekommen war, gegenüber lag. Der Familienvater deutete auf ein paar Schatten am Horizont: „Der Weg ist schneller geschafft als du denkst, da drüber ist schon Thaos Haus. Mit ihr kannst du dann nach Hause gehen."

Rin zweifelte kurz, wie er dort hin kommen sollte, doch als er sich dem Rand näherte, erhob sich eine Staubwolke aus dem Abgrund und die Partikel formten sich schnell zu den schwebenden Steinen, die er vorher schon kannte. Otis und die Kleinen winkten ihm zum Abschied und schon ging er los.

Nach ungefähr zwanzig Minuten sprang er auf eine kleinere Insel als die der Familie, dafür war diese leicht überwuchert und erinnerte ihn an eine ungepflegtere Version von Shiemis Garten. Das einzige Gebäude war eine kleine Hütte.

„Ehm, Hallo? Thao?", fragte er in die scheinbar dämonenleere Luft. Daraufhin öffnete sich die Tür der Hütte, und eine kleine Frau mit silbernen Haar, Katzenohren und zwei Paaren kleiner Hörner hüpfte heraus. „Oh, Hallo! Was machst du denn hier, Kleiner? Solltest du nicht bei deinen Eltern sein?", wurde er begrüßt.

Jetzt hatte er ein Problem. Auf dem Hinweg hatte er keinen Gedanken daran verschwendet, was er sagen sollte. „Hallo, mein Vater ist Satan aber ich möchte ihn gerade nicht sehen" schien keine gute Erklärung zu sein. Zudem war ein unglaublich schlechter Lügner. Was sollte er sagen?

Dann hatte er eine Idee. Ibadet hatte wenige Fragen gestellt, vermutlich weil sie wusste, dass er aus Assiah kam. Und die meisten, die er kannte, waren in Assiah, also war es keine komplett erfundene Geschichte.

Er kratzte sich am Hinterkopf, während er sagt: „Naja, ich komme aus Assiah und irre hier ein wenig in der Gegend rum, mal hier, mal da ..."

Thaos Gesichtsausdruck war kurz verwirrt, aber dann lächelte sie. Sie wirkte auf ihn etwas älter als Ibadet und Otis. „Ah, willst du bei dem Rest deiner Familie leben? Naja, die zu suchen wird wohl etwas schwer sein, Gehenna ist so groß, und du scheinst mir nicht zu Azazel-sama zu gehören … du solltest vielleicht mal auf der Regierungsebene des Geisterreiches vorbeischauen, ich kann dich hinbringen. Sicherlich kann dir da jemand helfen, deine Familie zu finden!", antwortete Thao.

Er wusste nicht, was die Regierungsebene. Das Geisterreich war vermutlich das Königreich von Azazel, und dort befand er sich gerade. Also nickte er und stimmte ihr zu. Sie führte ihn hinter das Haus, wo sich nach einem kurzen Weg über die schwebenden Felsen eine weitere Insel mit einem Reiseschacht wie die, auf der er zuerst angekommen war. Bevor sie jedoch reinsprangen, fragte er erst einmal nach, wo sie überhaupt hingingen.

Thao begann zu erklären: „Ach, in Assiah gibt es das ja nicht. Die Vergänglichen leben auf einer Ebene, keine Wunder dass sie sich so oft streiten. Gehenna ist ziemlich groß im Vergleich zu Assiah, viele Gegenden sind aber auch größtenteils leer und nur mit Tierdämonen bevölkert. Die dürften sogar ein bisschen Angst vor dir haben, weil du so hochrangig bist." Das erklärte, warum die meisten von ihm Abstand gehalten hatten.

„Gehenna ist neun große Bereiche eingeteilt, die acht Reiche der Baal und das erste, in dem Satan-sama lebt und in dem seine Kinder aufgewachsen ist. Es ist auch der älteste Teil Gehennas, in dem viele alte und weise Dämonen leben oder diejenigen, die sich keinem König zugehörig fühlen. Vielleicht wohnt da deine Familie, du scheinst zu keinen der üblichen Ebenen, die ich kenne, zu gehören." Keiner der üblichen Ebenen, das war schon einmal sicher.

„Jedes der Reiche ist in Ebenen unterteilt. Diese Gegend hier ist zum Beispiel die Ebene, in der die meisten Cait Sith leben. Ein paar andere Dämonenarten gibt es hier aber auch. Die Regierungsebene ist quasi wie ein Dach über alle anderen Ebenen des Reiches, wo alles geregelt wird. Alles ist verbunden durch diese Reiseschächte, die gibt es aber erst seit Samael-sama sein Reich erschaffen hat. Vorher mussten die uralten Dämonen wohl auf der Ebene, auf der sie geboren worden waren bleiben oder einen anderen Weg finden. Damit kenne ich mich aber nicht aus, ich bin kein Historiker."

Rin bat Thao, einen Moment zu warten, und kramte in seinem Rucksack, um sein Notizbuch zu finden. Er fand es, zusammen mit einem neuen und größeren. Eine Notiz von Otis war darin: „Ich habe das gefunden und mir gedacht, das würde dir helfen. Gestern beim Abendessen habe ich gesehen, dass du nicht auf Dämonisch schreibst – das solltest du mal versuchen." Rin folgte der Anweisung (obwohl das normalerweise nicht so sein Ding war) und erweiterte seine Notizen mit dem, was er gerade gelernt hatte. Sollte er mal Zeit haben, würde er alles aufschreiben; zumindest nahm er sich das vor. In den Schulbüchern die er hatte, stand nichts davon und wenn er es vergessen würde, wäre all das unter Umständen verloren. Das konnte er nicht zulassen.

Auf Dämonisch zu schreiben war ungewohnt, aber unterschied sich aus seiner Sicht nicht zu stark von Japanisch, sobald er sich einmal daran gewöhnt hatte.

Als er fertig war, machten sie sich auf den Weg in den Regierungsbezirk des Geisterreiches.

*Nur als Anmerkung, ich verwende teileweise das Aussehen, das Rin später im Manga bekommt. Den Teil, den ich nicht gelesen habe, sondern wofür ich nur gespoilert bin und die Raws habe. Egal, er sieht mit weißem Haar mit hellblauen Spitzen cool aus, finde ich.

**Seine Augen sind geschlitzt, weil es Morgen ist und nicht weil er gerade wütend ist. Wenn er sauer ist, deformieren sich seine Iris (sieht man im Manga und im Anime). Warum die Tageszeit wichtig ist? Katzen haben unterschiedlich große Pupillen je nach Lichteinfall, also wenn es dunkel wird, weitet sich seine, deshalb kann er im Dunkeln besser sehen. Gilt für alle Dämonen, übrigens.

*** Mit Kuro scheint es im Canon Telepathie zu sein – ich ändere das hier einfach zur Dämonensprache, die alle Dämonen beherrschen. Versteht es als Telepathie oder sonst was, Rin kann es, weil er dämonisches Blut hat.

Außerdem, vielleicht fragt sich jemand, warum Rin keine Suffixe verwendet – im Manga /Anime ist er recht unhöflich, deswegen lasse ich das bei ihm auch aus.