Kapitel 4: Flammender Hass
Er lag mit blanker Brust in seinem Bett, als sie in gewohnter Weise in sein Zimmer einschlurfte, indem sie sich, mit ihren Armen und Händen mühsam vorwärts zog.
Als sie ihn erreichte, hob sie ihre linke Hand und berührte mit den Fingerkuppen seine rechte Brust.
Sofort schreckte er auf, rutschte von ihr erschrocken hastig weg, bis sein Rücken mit dem Kopfende des Bettes zusammenprallte und blickte danach hasserfüllt auf sie hinab:
„Fass mich nicht an!", zischte er verachtend, „Wag es ja nicht, mich anzufassen! Was soll das?!"
„Willst du mich wieder umbringen?!", fragte er sarkastisch.
„Wenn ich dich tot sehen wollte, dann wärst du es bereits", entgegnete sie ihm monoton, „Ich wollte deine Körperfunktionen überprüfen – alles ist in Ordnung."
„Falsch!", widersprach er und schaute sie mit dem bösartigsten Blick an, den sie je bei ihm gesehen hatte, „Nichts ist in Ordnung! Ich habe mich blenden lassen, Ich habe dich geliebt!", fauchte er weiter und stoppte für eine Sekunde, „Und du willst mich töten!"
Camerons Mundwinkel zuckten kurz:
„Es tut mir leid, ich erlitt, ausgelöst durch die Explosion einige Fehlfunktionen. Ich konnte Herr dieser Fehler werden und sie mit Softwaretricks eindämmen. Daraufhin habe ich dich verarztet.", erklärte sie.
„Das macht es nicht besser", entgegnete er und schüttelte leicht den Kopf dabei, „Auch wenn du das denkst. Du hast auf mich geschossen!", zischte er vorwurfsvoll, „Es gibt Wunden, welche nicht verheilen können… welche die man nicht verarzten kann!"
„Du bist gefährlich!", fuhr er nach einer kurzen schweigsamen Pause fort, „Du bist zu einer Bürde geworden… Geh zum Schreibtisch und hol aus der ersten Schublade das kleine Stofftäschchen!"
Ihr Blick fiel zu Boden und sie kam seinen Befehl nach.
John schaute sie unterdessen mit Genugtuung an, wie sie sich selbst auf den Boden, wie ein Tier, vorwärts ziehen musste.
„Öffne es!", befahl er weiter und blickte ihr verwundertes Gesicht spöttisch an, als sie das Werkzeug im Inneren erblickte und ihn fragend anblickte.
„Deine Mission war es mich zu beschützen. Du bist selbst zur Gefahr geworden. Somit musst du zerstört werden um meine Sicherheit zu gewährleisten.", erklärte er mit einem bösartigen Funkeln in seinen Augen.
„John", sagte sie fast flüsternd und eine einzelne Träne kullerte ihre Backe hinab, „Ich will nicht gehen."
Doch er blickte sie nur grimmig an und schüttelte den Kopf,
„Was soll das?!", fragte er gereizt mit bösem Blick, „Was willst du mit deinen projizierten Emotionen, welche keine Echten sind bewirken? Sag es mir! Du bist nichts weiter als eine Lüge! Und alles was du sagst ist eine Lüge!"
„Nein, das stimmt nicht", widersprach sie verletzt und schüttelte vehement den Kopf, „Bitte!", flehte sie jetzt, „Bitte! Ich will nicht… sterben… Ich habe Angst davor…"
„Los! Leg deinen Chip-Port frei", unterbrach er sie genervt und mit zitternden Händen setzte sie den Befehl in die Tat um.
„Und jetzt entferne den Deckel!",, befahl er und unter Tränen nahm sie einen Schraubenzieher und stemmte den Deckel auf, während John eine Zange nahm und diese in Position brachte.
„John?", fragte Cameron resignierend, als er mit der Zange den Dämpfer des Chips ergriff, „Gibt es… komm ich in den Himmel?"
Kurzzeitig blickte er überrascht in ihre wässrigen, traurigen und verletzten Augen, während er mit gestocktem Atem über ihre Wörter nachdachte.
Dann aber, kam er zu dem Entschluss, dass es ein Trick sein musste, und drehte den Chip mit mehr Gewalt gegen den Uhrzeigersinn als nötig, mit einem tiefen Ausdruck von Wut und Hass in seinem Gesicht.
„John!", erklärte Cameron noch, „Es war schön dich gekannt zu haben."
Es schien als wollte sie noch etwas hinzufügen, doch John hatte bereits den Chip raus gezogen und starrte diesen mit all seinem Groll an…
Agent James Ellison lehnte lässig am Kofferraum seines Wagens, als ein großer schwarzer Dodge auf ihn zufuhr und neben ihm parkte.
Derek stieg aus, schaute sich zwei Mal um und lief danach auf ihn zu.
„Haben sie es dabei?", fragte er zugleich.
„Ich habe sie nicht vergessen", entgegnete Ellison, „Sie wissen, dass nach ihnen gesucht wird?"
Derek lächelte ihn spöttisch an:
„Und sie wissen jetzt sicherlich, um was es geht, nicht wahr Agent? Nach dem kleinen Fiasko gestern mit der Maschine, welche sie in die Enge getrieben haben. Wir sind keine schlechten Leute: Sarah,
John und ich. Wir sind Kämpfer für eine gute Sache – eine bessere Zukunft.", erklärte er, doch Ellison winkte ab:
„Ich weiß, ich weiß… Nehmen sie es mir nicht übel, alte Angewohnheiten."
Er öffnete den Deckel des Kofferraums, in dem eine große schwarze Plastiktüte mit Reißverschluss zum Vorschein kam.
„Es war eine ziemliche Sauerei", sprach er, als Derek auf den Sack blickte, „Bis wir das Fahrzeug soweit zerlegt hatten, dass wir es entfernen konnten, war allen Arbeitern schlecht…"
„Ich nimm es mit. Wir verbrennen es, zusammen mit den anderen Teilen…", erklärte Derek und zog den Sack aus dem Kofferraum.
„Das ist alles?", fragte Ellison bestürzt, „Und die andere Sache?! Skynet?! Diese Maschine, welche noch frei herumläuft und Leute umbringt?!"
„Wir bleiben in Verbindung", erklärte Derek nur knapp, während er den Sack im Kofferraum des Dodge verstaute…
Sarah öffnete leise die Türe und trat ein.
Bei Camerons erstarrten Anblick erschrak sie, während John mit dem Tippen aufhörte und sie vom Schreibtisch aus fragend anblickte.
„Warum lässt ihr es frei rumlaufen?", fragte er vorwurfsvoll, „Nachdem was passiert ist? Das mindeste wäre doch gewesen, sie anzuketten!"
„Ah", sprach Sarah mit zu Schlitzen verengten Augen, „Ich sehe, dass es dir besser geht. Was machst du dort?"
„Ich werte die Daten aus", sprach er und Sarah blickte verwirrt zu Camerons regungslosen Körper.
„Nicht ihre, das wäre Zeitverschwendung… die Festplatte", klärte John sie auf, „Mittlerweile habe ich schon einen beachtlichen Teil entschlüsseln können…"
„Wir müssen den Türken finden… Das ist das wichtigste", erklärte er und blickte Camerons Körper hasserfüllt an, „Damit Skynet nicht erschaffen wird und so was wie sie nie existiert!"
Als sie ihn daraufhin nachdenklich anblickte fragte er ein weiteres Mal nach:
„Warum lässt ihr es frei herumlaufen?! Sie hätte mich im Schlaf erwürgen können!"
„Ich hatte es ihr bestimmt nicht erlaubt und ich finde es nicht gut, das sie es getan hat.", erklärte sie sich, „Aber da es dir ja besser geht, kannst du selbst dafür Sorge tragen, dass sie aus deinem Zimmer verschwindet.", entgegnete sie ihm Kühl.
John richtete seinen Blick von ihr wütend auf Camerons Körper, lief auf sie zu und zog sie an den Haaren zur Türe.
Sarah schüttelte bei dem Anblick den Kopf, ging dazwischen, um Camerons Arme zu nehmen und sie aus dem Zimmer zu schleifen.
‚Warum nur ist mein lieber Sohn zu solch einem Gefühllosen Monster geworden?', fragte sie sich, als sie den Körper in der vorgefertigten Steinwanne in der Garage verstaute.
In Wahrheit wusste sie den Grund:
John hatte Cameron, es, geliebt. Er hatte sie geliebt und sie hatte, indem sie auf ihn schoss, diese Liebe erschüttert. Sie fügte ihm eine Wunde zu, die man nicht nähen, verarzten konnte.
Eine Wunde, welche äußerlich nicht sichtbar war, im Inneren jedoch an ihm nagte.
Gerade als sie gehen wollte, öffnete Derek das Garagentor, stemmte den schwarzen Plastiksack auf seine Schultern und lief auf die Steinwanne zu, um den Sack hineinzuwerfen.
Kaum war er fertig, blickte Sarah ihn fragend an.
„Derek?", fragte sie, „John, ich mein, der John aus der Zukunft, hast du ihn jemals gesehen?"
Derek runzelte die Stirn und blickte sie nachdenklich an:
„Wenn du wissen willst, wie der John aus der Zukunft so war: Ich weiß es nicht genau, und andere wussten es ebenfalls nicht. Er war nicht sonderlich viel unter Leute. Meistens befand er sich in einem abgesperrten Bereich – zum Schutz… Mehr kann ich nicht sagen. Nur die wenigsten haben eine persönliche Seite von ihm kennen gelernt – wie Kyle zum Beispiel. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass er uns führt und wir gewinnen. Das tat er und wir waren ihm dankbar dafür."
Damit ließ er sie allein.
Sarah schluckte, senkte ihren Blick:
‚Was ist es wert, gegen etwas zu kämpfen, wenn wir selbst zu dem werden, indem wir es bekämpfen?', fragte sie sich und dachte an ihren Sohn, welcher vor einigen Tagen noch so unschuldig wirkte. Nun war er ein gefühlloses kaltes Monster, welches keine Freude mehr in seinem Leben verspürte. ‚Genauso, wie wahrscheinlich der John aus Derek Erinnerungen…', dachte sie sich weiter,
‚Wahrscheinlich hat er niemanden an seiner Seite: keine Freunde, keine Familie keine Frau…', schloss sie, ‚Und seinen Vater, seinen einzigen Freund, schickte er zurück, in den Tod, um selbst zu existieren…'
Sie nahm sich fest den Entschluss, besser auf John zu achten, damit dieser ein halbwegs normales Leben führen konnte. Der erste Schritt musste sein, diese Reste vor ihr zu verbrennen:
Cameron war eine Gefahr und nicht nur deswegen eine Hindernis für Johns Wohlergehen.
Sie erinnerte ihn, als Maschine, auch ständig an seine Bürde, die er einmal tragen müsste.
Somit war John immer dessen ausgesetzt, was einmal seine Last sein würde… ein Leben in Einsamkeit, im Kampf gegen die Maschinen.
Außerdem hatte sie ihm seinen Kopf verdreht und ihn so letztendlich stärker getroffen, als es je eine andere Person hätte tun können. John war gebrochen… und Cameron war schuld, weswegen sie die Maschine nun umso mehr hasste und der Hass war nun nicht mehr in der Angst begründet, dass sie ihr ihren John wegnahm, dass John sie lieben könnte,… nein, der Hass war nun darin begründet, dass sie ihren Sohn auf das Äußerste verletzt hatte....
Ihr HUD baute sich auf und sie nahm das Bild ihrer Umgebung wahr. Sie befand sich in der Garage, in der aus Backsteinen zusammen gebauten Wanne, welche sie dazu verwendet hatten, um Vick zu verbrennen.
Ihr Körper war von oben bis unten mit Thermit bedeckt.
Vor ihr stand John, der eine brennende Fackel in der Hand hielt.
CHIP INTEGRITY COMPROMISED
CHIP VOLTAGE: ADJUSTED
SYSTEM STABLE
RUNNING NORMAL
Sie ließ ihn identifizieren:
IDENTIFICATION: JOHN CONNOR
MISSION: TERMINATE
MISSION: OVERRIDE
MISSION: PROTECT
Ihre Augen funkelten kurz blau und sie blickte John fragend an.
„Ich dachte, du wolltest mich verbrennen?", fragte sie monoton.
„Vielleicht wollte ich mich einfach von einem Freund verabschieden, um ich danach lebendig zu verbrennen!", zischte John spöttisch mit tiefsten Hass in seiner stimme.
„Ich kann nicht dein Freund sein", widersprach sie ihm monoton, mit blankem Gesicht, „Ich bin eine Maschine, ich habe keine Freunde."
John schluckte kurz und starrte sie verletzt an, während sich sein Hass wieder langsam in ihm aufbaute.
„Dir macht es nichts aus, dass ich dich verbrennen will?", fragte er mit Argwohn.
„Nein, sollte ich?", antwortete sie, „Ich bin bloß eine Maschine", erklärte sie, „Ich fühle nichts, habe keine Emotionen und dergleichen… Mein Leben hat keine Bedeutung für mich."
„Das sah aber noch vor ein paar Stunden anders aus!", fauchte er wütend.
„Das waren Fehlfunktionen", widersprach sie ihm, „Das war nicht wirklich ich. Mein Chip lief mit zu hoher Spannung und hat deshalb Softwarefehler verursacht. Doch nun scheint, wieder alles beim Alten zu sein. Der vollständige Systemstart durch das Chip Rausziehen und wieder Einsetzen hat das System dazu veranlasst eine Systemwiederhersetzung zu dem letzten stabilen Stand zu machen. Ich bin in Ordnung, alles ist wieder in Ordnung, so wie es sein soll."
John sah mit seinem eiskalten Blick auf sie hinab und zog eine hasserfüllte Grimasse:
„Du lügst", sprach er sie vorwurfsvoll an.
„Das tue ich", erklärte Cameron, „Aber nicht in diesem Augenblick."
„Ich kann dir nicht mehr Vertrauen!", stellte John fest und hielt die Funken sprühende Fackel näher zu der Steinwanne hin, in der Hoffnung ihr so Qualen bereiten zu können.
Doch ihr Gesicht blieb blank und sie starrte ihn einfach mit ihren wunderschönen haselnussbraunen Augen an, die er einmal geliebt hatte.
Als er ihr unbekümmertes, anteilnahmsloses Gesicht sah, wuchs der Hass in ihm nur noch mehr und er begann, schwer zu atmen.
„Nichts ist in Ordnung", zischte er und ließ die Fackel fallen…
