Kapitel 4 – All revved up with no place to go

Hermione erwachte im Morgengrauen und fühlte sich wunderbar erholt. Ihr Wecker hatte noch nicht geklingelt, also blieb sie, wo sie war und genoss ein paar zusätzliche Minuten im Bett. Irgendwann in der Nacht hatten sie und Snape sich beide umgedreht und nun schmiegte sie sich an seinen Rücken und hatte ihren Arm um ihn geschlungen. Sie streichelte sanft den weichen Stoff seines T-Shirts. Sie hatte nicht widerstehen können, als sie es online entdeckt hatte. Sie hatte allerdings wirklich nicht erwartet, dass sie zu sehen bekäme, dass er es trug.
Sie war von seinen Handlungen am vergangenen Abend überrascht gewesen, aber sie musste zugeben, dass er Recht hatte. Nach seiner unerwarteten Umarmung hatte sie sich entspannt und so bequem neben ihm geschlafen als wären sei seit Jahren zusammen. Wer hätte gedacht, dass Severus Snape ein Kuschler im Bett war? Sie kicherte leise, der Ton wurde von seinem Rücken gedämpft.
„Das ist etwas befremdlich, weißt du das?", grollte Snapes leise Stimme. „Aufzuwachen und merken, dass eine Frau über mich lacht."
„Nicht halb so befremdlich wie zu entdecken, dass die gefürchtete Kerkerfledermaus T-Shirts mit unanständigen Sprüchen trägt und es genießt, zu kuscheln", gab sie zurück.
„Ich bin undercover", antwortete er ohne mit der Wimper zu zucken. Er rollte sich auf den Rücken und Hermione rückte ein Stück, bevor sie sich auf dem Ellbogen abstützte und auf ihn herabsah. Er sah so entspannt aus, wie sie ihn noch nie gesehen hatte, und ein leichtes Lächeln spielte um seinen Mundwinkel. Sie fühlte eine plötzliche Welle der Zuneigung für diesen komplexen Mann, den sie seit Jahren kannte, aber den sie erst jetzt wirklich kennenlernte.
Piep, piep. Ihr Wecker. Sie entfernte sich widerwillig von Snape und griff auf ihren Nachttisch, um ihn auszuschalten. Sie setzte sich dann auf und streckte sich gähnend, die Hände hoch über ihrem Kopf erhoben. Sie bemerkte, dass Snapes Augen zu dem Stückchen nacktem Bauch flackerten, das von ihren Bewegungen freigegeben wurde.
„Zeit aufzustehen, fürchte ich", sagte sie.
„Dann ab mit dir, Weib. Ich werde mich nicht aus diesem Bett bewegen, bevor ich Kaffee rieche", antwortete Snape gebieterisch.
Hermione stand auf und zeigte warnend mit dem Finger auf ihn.
„Nur um das klarzustellen: Ich stehe auf und mache Kaffee, weil ich welchen will, nicht weil ich dir gehorsam bin."
„Oh, keine Sorge, ich würde dich niemals dahingehend beschuldigen."
Hermione streckte ihm die Zunge heraus und stolzierte aus dem Zimmer, sich vollkommen darüber bewusst, dass ihre Shorts hochgerutscht waren und ihm einen fantastischen Blick auf ihren Hintern erlaubten.
Snape ließ den Kopf auf das Kissen fallen und stöhnte. Er hoffte, dass sie sich mit dem Kaffee Zeit ließe. Es würde mindestens zehn Minuten dauern, bis er in einem Zustand wäre, sich bewegen zu können.

„Was zur Hölle ist das?"
Snape blickte Hermione finster an, als sie die Autotür für ihn öffnete. Die Luft am frühen Morgen war kalt und die Stadt begann, um sie herum aufzuwachen.
„Es ist ein Auto. Ein Jaguar XK, um genau zu sein. Sag mir nicht, dass du ihn nicht hier draußen parken sehen hast."
„Ja, ich weiß, dass es ein Auto ist, und ja, ich hatte es bemerkt. Ich wusste nur nicht, dass es deins ist. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass eine lange Autofahrt eine der Folterungen ist, die ich an diesem Wochenende ertragen muss."
Hermione verließ ihre Position an der Beifahrertür und warf stattdessen ihre Taschen in den Kofferraum.
„Steig einfach ins Auto! Jetzt!", zischte sie.
Snape blickte erneut finster drein, als er seine langen Glieder beugte und in den Sportwagen einstieg. Hermione glitt auf den Fahrersitz und drehte sich zu ihm.
„Hast du vergessen, dass wir wahrscheinlich beobachtet werden?"
„Ja, hatte ich", gab er zu und überraschte sie dadurch. „Ich war unangenehm überrascht. Wie lange werden wir brauchen, um den ganzen Weg bist in die Mitte von Wales zu fahren?"
„Um die vier Stunden, abhängig vom Verkehr", antwortete Hermione.
„Also warum können wir nicht den größten Teil des Wegs apparieren und nur die letzten paar Meilen fahren? Und übrigens gehe ich davon aus, dass du fahren kannst, und das nicht ein schlecht entwickeltes Magie-Muggel-Hybridfahrzeug ist."
„Vollkommen unmagisch, und ich bin ein ausgezeichneter Fahrer. Und ich mag es, zu fahren. Das ist ein fantastisches und sehr teures Auto und es muss nach diesem Wochenende zurückgegeben werden. Ich werde mir genauso wenig einen im echten Leben leisten können wie ein Bowtruckle einen Scheiterhaufen überleben kann, also werde ich es ausnutzen, ihn jetzt zu haben, und jede einzelne Meile fahren, die ich kann. Du hast nicht etwa Angst, oder?" Hermiones Augen weiteten sich ärgernd.
„Ich bin selten in Autos gereist und ich habe das Gefühl nie genossen", gab Snape widerstrebend zu.
„Du hattest gestern im Taxi kein Problem", gab Hermione zurück.
Snape sah sie direkt an.
„Gestern war ich … abgelenkt."
Hermione lächelte schelmisch.
„Tja, ich empfehle dir wärmstens, heute nicht den Versuch einer Ablenkung zu unternehmen, oder ich werde sehr wahrscheinlich einen Unfall bauen. Ehrlich", fuhr sie fort, ernster, „ich bin ein guter und sicherer Fahrer und ich verspreche, dass ich dich in einem Stück dort hinbringen werde."
Sie legte den Sicherheitsgurt um und zog die Augenbrauen hoch, bis er das selbe tat.
„Wunderbar. Und jetzt festhalten."

Sie drehte den Zündschlüssel im Schloss und grinste über den angespannten Ausdruck auf seinem Gesicht, als das Auto mit dröhnendem Geräusch zum leben erwachte. Sie ließ den Motor kurz aufheulen.
„Bereit?"
„Ich lege mein Leben in deine anscheinend geschickten Hände."
„Das höre ich doch gerne. Wales, wir kommen!"
Sie löste die Handbremse und beschleunigte nach einem kurzen Blick in den Spiegel laut die Straße entlang.
Nach einer Stunde des Fahrens war Snape ein wenig überrascht, dass er entspannt war und beinahe eine gute Zeit hatte. Der Sitz war bequem, es gab mehr Beinfreiheit als er erwartet hatte, und das Fahrzeug roch wunderbar nach Leder und Hermiones Parfum. Er war sich ziemlich sicher, dass ihr anfängliches Überschießen in den am frühen Morgen verlassenen Straßen der Stadt nur ein spitzbübisches Manöver war, um ihm Angst einzujagen, und als sie auf der Autobahn angekommen waren, hatte sich ihr Fahrstil verändert zu unangestrengter Kompetenz. Nicht länger um sein Leben bangend hatte er sich zurückgelehnt und die entspannte Kraft ihrer Hände bewundert, mit denen sie das Lenkrad und den Schaltknüppel bediente. Nicht zu erwähnen, dass ihr kurzer Rock nach oben rutschte, wenn sie die Pedale trat. Er löste seine Augen schnell davon, als er realisierte, worauf er sie richtete, nur um Hermiones amüsiertem Blick zu begegnen.
„Genießt du die Aussicht, Steven?"
„Sehr. Ich hatte nicht gewusst, dass Berkshire so nett anzusehen ist."
„Hmm. Im Handschuhfach ist Musik, wenn du Ablenkung brauchst."
Snape folgte ihrer Geste in Richtung des kleinen Faches unter dem Armaturenbrett. Er öffnete es und zog eine Mappe voller CDs heraus. Er sah auf die silbernen Scheiben und drehte sie im Licht, um die Titel lesen zu können.
„Black Sabbath? Sind das Muggel oder welche von uns?"
Hermione lachte leise.
„Muggel, obwohl ich glaube, dass der Frontsänger es sich anders wünscht. Bestimmt hast du von ihnen gehört? Es gibt sie seit den Siebzigern."
„Seltsamerweise war Muggelmusik nicht das Hörmaterial der Wahl im Slytheringemeinschaftsraum während dieser Zeit."
„Gutes Argument."
„Aha! Das kenne ich!"
Er zog eine CD aus der Mappe. Hermione streckte die Hand danach aus und schob es in den CD-Player, ohne hinzusehen. Sekunden später erfüllte der Klang eines einzelnen Cellos das Auto.
Hermione stieß einen langen Seufzer aus und legte ihren Kopf zurück an die Kopfstütze.
„Bach! Oh, ich liebe dieses Stück. Cello Suite Nummer ein, denke ich?"
„Fünf Punkte für Gryffindor. Einer von uns, natürlich."
„Bach war ein Zauberer?"
„Selbstverständlich. Es gibt keine Möglichkeit, dass ein Muggel diese Menge an Musik in nur einer Lebensspanne komponieren könnte."

Es war bereits später Vormittag, als Hermione durch die kunstvollen Tore auf Penbryn Hall einfuhr. Das Haus war nicht direkt zu sehen, als sie durch die von Birken gesäumte Zufahrtsstraße fuhren. Gepflegter Rasen dehnte nach allen Seiten hin aus und in der Ferne konnte man äsende Rehe entdecken.
„Wirklich gut zu wissen, dass Kriminalität sich nicht lohnt", bemerkte Snape, der seine Umgebung begutachtete.
„Wenn ich irgendetwas dafür tun kann, wird sie das nicht mehr länger", antwortete Hermione finster. Dann schenkte sie Snape ein strahlendes Lächeln. „Ich hatte dir gesagt, dass du heil hier ankommen wirst, oder?"
Snape hob eine Augenbraue.
„Es ist immer noch genügend Zeit, damit eines dieser Rehe uns vor das Auto springen kann."
„In diesem Fall wird es heute Abend Wildbret geben", gab Hermione fröhlich zurück.
Sie war erfreut, dass Snape seinen Anfall anscheinend echter Nervosität am Beginn der Reise überwunden hatte. Wenn man bedachte, wie groß die Abgabe der Kontrolle war, hätte sie nicht überrascht sein dürfen. Merlin wusste, dass sie dieses Gefühl nachempfinden konnte. Einer der Gründe, warum sie Autofahren so sehr liebte, war, dass sie die vollkommene Herrschaft von Mensch über Maschine erleben konnte – in deutlichem Gegensatz zu dem extremen Mangel an Herrschaft, die sie jedes Mal fühlte, wenn sie einen Besen bestieg. Sie hatte überlegt, Snape die Geschichte über ihre Nahtoderfahrung mit einem unvorsichtigen Hanggleiter zu erzählen, aber hatte sich dazu entschieden, den Anschein von Kompetenz noch ein wenig länger aufrechtzuerhalten.
Die nächste Kurve gab den Blick auf Penbryn Hall frei. Hermione hatte Fotos davon gesehen, aber sie war trotzdem nicht auf die pure Schönheit des georgianischen Herrenhauses vorbereitet, das vor der Kulisse der kambrischen Berge stand. Der helle graue Stein wurde von der Julisonne angestrahlt und im Zentrum des geschotterten Vorplatzes glitzerte das Wasser einer Fontäne.
„Wow", sagte sie. „Ich habe eindeutig den falschen Job."
„Ich glaube, dass du bemerken wirst, dass es eher daran liegt, dass du die falschen Eltern hast", antwortete Snape beißend.
Sie parkte auf einer Seite zwischen einem verbeulten Land Rover und einem neuen BMW. Sie tätschelte Snapes Knie.
„Angekommen. Du bist in Sicherheit."
„Ich habe keinen Augenblick an dir gezweifelt", antwortete Snape, als er seine Tür öffnete.
„Warte kurz!", sagte Hermione scharf und legte ihre Hand auf seinen Arm, um ihn zu stoppen. „Es gibt eine Überwachungskamera über der Eingangstür – kannst du sie sehen?" Sie zeigte auf die Vorderseite des Hauses.
Snape sah in die Richtung, in die sie wies, und nickte kurz.
„Ich sehe sie. Was schlägst du vor?"
Hermione runzelte kurz die Stirn.
„Es sollte keine Probleme geben, solange du dein Gesicht davon abgewandt hältst."
„Willst du andeuten, ich hätte ein unverwechselbares Profil?"
„Gewisse Elemente deiner Physiognomie sind recht gut wiederzuerkennen, ja. Es würde unsere Pläne ein wenig über den Haufen werfen, wenn man dich auch nur im Ansatz erkennen würde, bevor wir überhaupt durch die Haustür gekommen sind."
„Na schön, dann werde ich meinen Kopf geneigt halten, als ob ich mich meiner geschätzten Ehefrau unterwerfe."
Und Snape war aus dem Auto heraus, bevor Hermione eine passende, schneidende Antwort auch nur denken konnte.
Sie lachte kurz über sich selbst, als sie sich ihm hinten am Auto anschloss, um ihre Tasche aus dem Kofferraum zu holen. Sie blieben kurz gemeinsam stehen, und Hermione sah auf die elegante Fassade des Hauses, während Snape Hermione ansah.
„Bereit, Weib?"
Hermione begegnete der Herausforderung in seinen Augen und nickte.
„So bereit wie noch nie, Steven."

Sie erklommen die schmalen Stufen aus Stein zu der zwischen Säulen gelegenen Eingangstür, und Snape drehte sein Gesicht gewissenhaft aus dem Bereich der Kamera. Er legte seine Hand kurz an Hermiones Taille, als führte er sie. Ihr Magen drehte sich vor Nervosität beinahe um, aber sie zog eine kleine Beruhigung aus dem Körperkontakt. Sie drückte auf den emaillierten Klingelknopf und hörte ein lautes Geläut innerhalb des Hauses ertönen.
Nur Sekunden später wurde die Tür von einem in schwarz und weiß uniformiertem Hausmädchen geöffnet. Sie war rundlich und Anfang zwanzig und sie grüßte sie mit einem herzlichen Lächeln.
„Hallo auch!", sagte sie mit starkem walisischen Akzent. „Willkommen auf Penbryn Hall."
Hermione erwiderte das Lächeln.
„Jane Eastwood und Steven Singer. Ich glaube, Mrs Markov erwartet uns."
„Das tut sie bestimmt", antwortete das Mädchen, öffnete die Tür vollständig und winkte sie hinein. „Es ist wundervoll, dass sie Gesellschaft bekommt. Die meiste Zeit ist es hier so ruhig und ich bin einfach so aufgeregt wegen diesem Wochenende! Wir waren wahnsinnig beschäftigt damit, alles fertig zu machen, und natürlich gibt es heute Abend das große Dinner und –"
„Ich denke, unsere Gäste haben es verstanden; danke, Ceri", unterbrach sie eine leise, kultivierte Stimme von hinter ihr.
Ceri wirbelte herum und schlug sich ihre Hand vor den Mund.
„Oh, es tut mir leid, Mrs Markov. Ich rede wieder zu viel, oder?"
Hermione sah Helen Markov interessiert an. Sie war in den späten Vierzigern, schmal gebaut und trug ihre mausbraunen Haare in einem kurzen Bob. Sie trug einen vernünftigen Tweedrock und eine kurzärmlige cremefarbene Bluse. Ihre Augen waren sanft und sie lächelte das aufgeregte Hausmädchen freundlich an.
„Es ist in Ordnung, Ceri. Würdest du bitte in die Küche hinuntergehen und dafür sorgen, dass Tee im Empfangssalon serviert wird?"
„Ja, Mrs Markov."
Ceri schenkte Hermione und Snape ein kurzes Grinsen, als sie davoneilte.
Sie könnte eine gute Informationsquelle sein, dachte Hermione.
„Ich bitte dafür um Entschuldigung", fuhr Helen fort und schloss zu ihnen an der Tür auf. „Wie Sie bestimmt verstanden haben werden – ich bin Helen. Sie müssen Jane sein." Sie hielt Hermione die Hand hin.
„Ich freue mich so, dich endlich zu treffen, Helen", antwortete Hermione und schüttelte die angebotene Hand. „Das ist mein Mann, Steven."
Snape nahm Helens ausgestreckte Hand und hob sie kurz an seine Lippen.
„Erfreut, Sie zu treffen, Mrs Markov."
Hermione beobachtete amüsiert die altertümlichen Manieren, die Snape an den Tag legte. Snape der Charmeur? Wer hätte das gedacht? Helen schien jedoch im Stillen erfreut, als sie sie weiter in die hohe Eingangshalle führte. Der Fußboden war aus Marmor und ihre Schritte hallten durch den riesigen Raum.
„Du hast ein sehr beeindruckendes Heim, Helen", bemerkte Hermione.
„Ich werde euch später eine Führung geben, wenn ihr möchtet", antwortete Helen. „Ich zeige euch aber jetzt zuerst euer Zimmer, danach wird es Tee geben."
„Das klingt wundervoll, danke", antwortete Hermione warm.
Sie gingen durch die Eingangshalle, während sie Smalltalk über ihre Reise und das Wetter hielten. Ein von Säulen gesäumter Durchgang auf der rechten Seite führte zu einer imposanten Steintreppe, die zu einem großen Buntglasfenster hinaufführte, bevor sie sich zweiteilte. Sie erklommen die Stufen, wandten sich auf dem Absatz nach links und folgten Helen durch einen mit luxuriösen Teppichen ausgelegten Flur.
Nachdem sie mehrere Türen passiert hatten, hielt Helen an und öffnete eine.
„Hier sind wir", sagte sie. „Ich habe für euch das Blaue Zimmer bestimmt. Ich hoffe, ihr mögt es."
Hermione stand im Türrahmen und blickte in dem übermäßig dekorierten Zimmer umher. Sie sah die kunstvoll verzierte chinesische Papiertapete, dunkle Holzmöbel und ein Himmelbett. Die Stoffe und Wandbehänge waren allesamt, nicht überraschend, in verschiedenen Blautönen gehalten.
„Wow", sagte sie. „Ich werde mich fühlen, als sei ich in einem Jane-Austen-Buch, wenn ich hier schlafe. Es ist wunderschön."
Helen lächelte erfreut.
„Danke. Das ist eins meiner Lieblingszimmer. Es gibt ein angrenzendes Badezimmer, was ein Luxus ist, von dem Elizabeth Bennet nicht einmal träumen konnte. Nun, kommt erst einmal hier an; danach könnt ihr euch mir zum Tee im Empfangssalon anschließen. Das ist die Tür direkt rechts am unteren Ende der Treppe."
Hermione und Snape bedankten sich bei ihr und sie eilte den Weg durch den Flur zurück.

Die zwei betraten das Zimmer und stellten ihre Taschen an der Tür ab. Hermione holte ihr Telefon aus ihrer Tasche und begann, den Raum abzusuchen, während Snape zum Fenster ging.
„Ich checke nur schnell meine Nachrichten", sagte sie, während sie herumlief und den Bildschirm aufmerksam beobachtete. Der Alarm für eine Abhörwanze leuchtete auf, als sie sich dem Bett näherte, und sie lokalisierte den Fuß einer unglaublich hässlichen Tischlampe als Quelle des Signals. Sie fuhr im Rest des Zimmers fort, fand aber nichts mehr. Sie ging in das angrenzende Badezimmer, das mindestens doppelt so groß war wie das Badezimmer in ihrem Cottage. Dort gab es auch keine Wanzen.
Sie veränderte die Einstellung des Telefons und tippte schnell eine Notiz auf dem Bildschirm, als sie ins Schlafzimmer zurückkehrte: Eine Abhörwanze neben dem Bett. Keine Kameras. Badezimmer ist sicher.
Sie ging zu Snape und hielt ihm das Telefon hin. Er blickte durch auf den Bildschirm und nickte ein Mal.
„Also dann", sagte sie entschieden. „Lass uns auspacken."
„Ist das wirklich notwendig?", fragte Snape. „Wir sind doch nur für dieses Wochenende hier."
„Du kannst deine Kleider nicht in der Tasche lassen. Sie werden zerknittern. Na komm – es dauert nur ein paar Minuten."
Hermione unterdrückte ein Lächeln, als Snape seine Tasche auf das Bett stellte und den Reißverschluss mit finsterer Miene öffnete. Die Tarnung als nörgelnde Ehefrau könnte sich als recht unterhaltsam herausstellen.
Snape versuchte, sich daran zu erinnern, wann er zum letzten Mal eine Tasche von Hand statt magisch ausgepackt hatte. Er vermutete, dass es bei seiner letzten Reise von Hogwarts nach Hause gewesen sein musste, bevor er volljährig geworden war. Selbst damals hatte er sich über die Ineffizienz geärgert.
Mit dem Anzug über den Arm gelegt öffnete er die Tür eines riesigen Mahagoni-Kleiderschranks. Er hoffte, dass Hermione nur höflich gewesen war, als sie ihre Bewunderung für den Stil des Raums ausgedrückt hatte. Es war für seinen Geschmack viel zu verspielt und hochstilisiert. Als er seinen Anzug auf einen Bügel hängte, stellte sich Hermione mit Schwaden von grüner Seide über der Schulter neben ihn. Sie lächelte ihn an, als sie das Kleid (ah, das war es also) neben seinen Anzug hängte.
„Gefällt dir die Farbe?", fragte sie.
„Sehr angemessen. Sind wir hier fertig?"
„Ja, Liebling. Lass uns gehen und diesen Tee suchen, wollen wir?"
Ich war es nicht, der die Verzögerung verursacht hat. Und hör auf, mich Liebling zu nennen. Mit einiger Schwierigkeit behielt Snape seine Gedanken für sich und ergriff Hermiones angebotene Hand, als sie das Schlafzimmer verließen.
Helens Anweisungen folgend fanden sie den Empfangssalon. Er war in einer entspannteren und komfortableren Weise als die Teile des Hauses dekoriert, die sie schon gesehen hatten, und sah mehr aus wie ein Raum, in dem gelebt wurde, anstatt dass er zur Schau gestellt wurde, dachte Snape. Als sie den Raum betraten, stellte Helen gerade einen Behälter mit Medikamenten neben das Tablett mit dem Tee auf den Beistelltisch.
„Tabletten gegen Migräne, bevor ihr fragt", sagte sie mit einem Lächeln. „Ich habe schrecklich darunter gelitten, aber Yuri hat mir diese hier gebracht, als er zum zweiten Mal das Wochenende bei uns war. Das war das Wochenende, an dem mein Vater …" Sie unterbrach sich. „Da habe ich realisiert, welch netter und umsichtiger Mann Yuri ist, und ich habe seither keinen Migräneanfall mehr gehabt."
„Das ist sehr beeindruckend", antwortete Hermione. „Migräne ist ausgesprochen schwierig zu behandeln."
„Ich weiß", antwortete Helen. „Mein Arzt hatte alles versucht, aber Yuri sagt, dass die von einem russischen Pflanzenkundigen kommen, und dass ich sie zweimal am Tag nehmen muss, und voilà – keine Kopfschmerzen mehr."
Snape streckte seine Hand aus.
„Würde es dich stören, wenn ich sie mir ansehe? Ich interessiere mich mit meiner Forschung auch für Pflanzenheilkunde, und berufliche Neugier ist etwas Schreckliches." Er lachte kurz selbstironisch.
Helen gab ihm die Flasche.
„Natürlich. Allerdings sind es bloß kleine grüne Pillen – ich bezweifle, dass du irgendetwas über sie erfahren wirst, indem du sie ansiehst."
„Oh, aber mein Mann hat eine wirklich talentierte Nase", sagte Hermione.
Snape öffnete die Flasche und schloss die Augen, als er tief einatmete.
Mutterkraut, natürlich, gegen die Kopfschmerzen. Und Pestwurz auch dagegen. Ingwer gegen Übelkeit. Mondstein für emotionale Ausgeglichenheit. Und einen Hauch von Aschwindereiern. Das erklärt einiges, dachte er. Markov gab seiner Frau einen Liebestrank. Verachtenswert, aber recht clever – die niedrige Dosierung hatte für eine subtile Entfaltung der Wirkung gesorgt, die sich ohne Zweifel für Helen völlig natürlich anfühlte, und da die Tabletten auch wirklich gegen ihre Kopfschmerzen halfen, würde sie sie einfach weiterhin regelmäßig nehmen, ohne Verdacht zu schöpfen.
Snape öffnete seine Augen und stellte fest, dass Helen und Hermione ihn mit belustiger Neugier ansahen. Er schraubte den Deckel wieder auf die Flasche und gab sie Helen zurück.
„Ich kann verstehen, warum sie wirken"; sagte er. „Ich konnte Mutterkraut und Pestwurz darin feststellen, die bekannte pflanzliche Mittel gegen Kopfschmerzen sind, und Ingwer, um Übelkeit zu verhindern. Ich nehme an, dass es die genaue Kombination der drei ist, die den Pillen ihre Effizienz verleiht."
„Ich bin fasziniert, dass du das alles nur vom Geruch her sagen kannst", sagte Helen.
„Bloß eine Sache von mehr Jahren der Übung als ich mich gerne erinnern möchte", antwortete Snape. „Und immer ein nützlicher Partytrick." Nicht zu erwähnen ein buchstäblicher Lebensretter bei mehr als einer Gelegenheit.

Helen hielt ihr Wort und machte nach dem Tee mit ihnen eine ausgedehnte Tour durch das Herrenhaus. Hermione verlor nach der Nummer sieben den Überblick über die Schlafzimmer. Ihre Gastgeberin war ein informativer und amüsanter Führer, als sie erklärte, wie ein Vorfahr das Haus im frühen neunzehnten Jahrhundert gebaut hatte und dafür seinen Reichtum benutzte, den er sich durch den Wollhandel während der Napoleonischen Kriege erarbeitet hatte.
„Ich muss gestehen, dass das Haus über die letzten Jahrzehnte etwas herunterkommen war, aber als wir geheiratet haben, hat Yuri geschworen, ihm wieder zu seiner früheren Pracht zu verhelfen, und er hat viel Zeit und Geld in diesen Ort gesteckt. Er liebt ihn so sehr wie ich", erklärte sie, als sie die Treppen in die Eingangshalle hinunterstiegen. Sie führte sie nach links, von der Eingangstür aus gesehen. „Hier ist der Speisesaal."
Der Raum wurde von einem weitläufigen Tisch dominiert, dessen schimmernde Mahagonioberfläche zu einem spiegelartigen Glanz poliert worden war.
„Unnötig zu sagen, dass wir hier drin nicht oft essen!", sagte Helen lachend. „Es ist ein bisschen groß für uns beide. Aber es sieht wundervoll aus, wenn der Tisch für ein formelles Dinner gedeckt ist, so wie es heute Abend sein wird."
„Ich freue mich darauf", sagte Hermione warm. „Ich hoffe nur, dass mein Kleid elegant genug ist."
„Ich bin sicher, dass du absolut bezaubernd aussehen wirst", murmelte Snape laut genug, dass Helen es hören konnte, und sie lächelte die zwei nachsichtig an.
„Dein Mann ist ein echter Charmeur, nicht wahr? Er erinnert mich an meinen liebsten Yuri."
Hermione fragte sich kurz, aus welchem Grund er mehr beleidigt sein würde: Charmant genannt oder mit einem Waffenhändler verglichen zu werden, der außerdem verdächtig wurde, ein Dunkler Zauberer zu sein. Vermutlich ersterer.
Helen deutete auf die Tür am hinteren Ende des Speisesaals.
„Die führt zu den Vorratsräumen, in den Waschkeller und zur Küche, aber ich wage es im Moment nicht, euch dorthin zu bringen. Wenn die vergangenen Male ein Indikator sind, dann wird meine Haushälterin, Mrs Bowen, eine Szenerie des kontrollierten Chaos' der Vorbereitung auf heute Abend überwachen, und Unterbrechungen werden nicht gern gesehen sein."
„Sie klingt ein wenig furchteinflößend."
Helen verzog das Gesicht.
„Sie kann vollkommen furchterregend sein, wenn sie will. Sie führt den Haushalt hier seit vierzig Jahren, das meiste davon ganz allein, und sie hat recht eindeutige Ansichten, wie die Dinge erledigt werden sollen. Sie war fürchterlich beleidigt, als Yuri darauf bestand, mehr Personal einzustellen, aber ich denke, dass sie nun im Geheimen die neuen Möglichkeiten zur Einschüchterung liebt, die sich ihr bieten. Die arme Ceri bekommt den Großteil davon ab, aber sie ist glücklicherweise so dickhäutig wie geschwätzig. Der Gärtner, auf der anderen Seite, ist eine sensiblere Seele – ich habe ihn mehr als einmal dabei erwischt, wie er sich in den Hortensien versteckt hat. Und nach aktuellem Stand haben wir vier Putzfrauen verbraucht. Aber unter dem Ganzen ist sie eigentlich eine sehr liebe Seele – meine Mutter starb, als ich zehn war, und Mrs Bowen hat mich quasi unter ihre Fittiche genommen."
Hermione begann, ein irgendwie trauriges Bild von Helens Leben zu bekommen. Ein Einzelkind, in diesem riesigen Haus mit nur ihrem Vater und der Haushälterin alleingelassen, hatte sich mit dem Leben als alte Jungfer abgefunden. Bis sie von einem exotischen Fremden im positiven Sinn umgehauen worden war, in den sie vernarrt war. (Obwohl sie einige Zweifel über die Gründe dafür hatte, durch den Ausdruck auf Snapes Gesicht, während er Helens Migränetabletten untersucht hatte.)
Und in den nächsten vierundzwanzig Stunden würde Hermione ihr wahrscheinlich den Ehemann wegnehmen. Merlin, dieser Job war manchmal wirklich hart.
Sie schielte zu Snape, der Helen mit so etwas wie Mitgefühl in seinen dunklen Augen beobachtete. Als sie ihrem Gastgeber zurück in die Eingangshalle folgte, legte er seine Hand kurz auf Hermiones Schulter und drückte sie leicht. Durch diese Geste erkannte sie, dass er genau wusste, wie sie sich fühlte.
Nach dem Speisesaal führte Helen sie quer hinüber zur der Eingangstür gegenüberliegenden Seite.
„Das ist Yuris Büro", sagte sie, während sie die Tür öffnete und ihnen bedeutete, einzutreten. Es war wie ein altmodisches Arbeitszimmer eines Gutsherrn möbliert, mit Gemälden von Jagdszenen an der Wand, einigen bequemen lederbezogenen Lehnstühlen vor dem Kamin und einem großen antiken Schreibtisch. Die einzigen Dinge, die nicht dazu passten, waren der Flachbildschirm und die Tastatur des Computers auf einer Seite des Schreibtisches.
„Wohin führt diese Tür dort?", fragte Hermione, auf die andere Seite des Raumes deutend.
„Welche Tür?", fragte Helen, direkt darauf blickend.
Ah, Muggelabwehrzauber, dachte Hermione. Sie fuhr schnell fort, zu sprechen.
„Entschuldige, ich nahm an, dort wäre eine Tür, so wie die im Speisesaal. Vielleicht übertapeziert?"
Helen sah kurz verwirrt aus.
„Ähm, du hast Recht, dort war mal eine Tür." Ihre Miene hellte sich auf. „Ich erinnere mich jetzt. Yuri hat sie zumauern lassen, als er sein Zimmer renoviert hat. Sie führt zum spiegelverkehrten Gegenstück des Küchenflügels, aber wir haben ihn jahrelang nur als Abstellraum benutzt und die Bausubstanz ist mittlerweile unsicher. Wir renovieren ihn vielleicht in der Zukunft, aber fürs Erste ist es sicherer, wenn er versperrt ist."
Weil sie sah, dass Helen noch etwas aufgewühlt aussah, hakte sich Hermione bei ihr unter.
„Also, ich bin mir sicher, dass es in einem Haus wie diesem eine wundervolle Bibliothek geben muss."
Snape ging auf Helens andere Seite.
„Ich fühle mich genötigt, Sie zu warnen, dass sie größte Schwierigkeiten haben, meine Frau von dort zu entfernen, wenn Sie sie die Bibliothek betreten lassen."
Angemessen ablenkt lachte Helen, als sie den Schlupfwinkel ihres Mannes verließen.

Das Haus hatte tatsächlich eine prächtige Bibliothek, von der sich Hermione mit nur mäßigem Protest entfernen ließ. Nach einem kurzen Blick in das Wohnzimmer und den Salon hatten sie das Haus über die hintere Terrasse verlassen, um den einwandfrei angelegten Garten zu sehen. Hermione und Helen plauderten angeregt über Gartenbau, während sie zwischen den farbenfrohen Blumenbeeten entlang schlenderten und Snape etwas hinter ihnen her trottete. Er fragte sich träge, wann Hermione ihr offensichtliches Wissen über Gärtnern nach Muggelart erlangt hatte.
Es gab nun keinen Zweifel mehr für ihn, dass Markov ein Dunkler Zauberer war. Die Tabletten mit dem Liebestrank könnte er möglicherweise von einer anderen Quelle erhalten haben, aber der Muggelabwehrzauber auf der Tür im Arbeitszimmer erübrigte die Frage. Die einzigen Mysterien waren nun noch Markovs tatsächliche Identität und was genau hinter dieser verborgenen Tür lag. Dass Markov anscheinend keinen Grund sah, etwas anderes als Anti-Muggel-Magie zu benutzen, zeugte von einer gewissen Arroganz, sinnierte Snape. Er war offensichtlich übermäßig sicher, dass niemand aus der Zauberwelt seine Tarnung durchdringen konnte. Was es umso befriedigender machen würde, ihn zu verhaften.
Helen und Hermione hielten ein Stück vor ihm an und warteten darauf, dass er zu ihnen aufschloss.
„Helen sagt, dass sie zurück zum Haus gehen muss, um das Mittagessen zu organisieren, aber wir können zu den Ställen gehen und sie uns ansehen. Sollen wir?", fragte Hermione.
„Das wäre schön", antwortete Snape. Und es gäbe uns eine Gelegenheit, unsere Notizen zu vergleichen.
Helen lächelte sie an.
„Perfekt. Nun, in diesem Fall sehe ich euch um ein Uhr im Salon zum Mittagessen wieder. Die anderen sollten bis dahin hier sein. Und wir können heute Nachmittag reiten gehen, wenn ihr Lust habt – wie ihr sehen werdet, haben wir eine große Auswahl an Reitpferden."
„Wir sind sehr dankbar für deine Gastfreundschaft, Helen", sagte Snape, seinen Kopf höflich neigend.
„Danke, Helen", stimmte Hermione zu. Ihre Gastgeberin murmelte ihre Erwiderung und eilte zurück zum Haus, wo sie ohne Zweifel der formidablen Mrs Bowen begegnen würde.
Snape hielt Hermione seinen Arm hin.
„Dann komm mit, Weib. Lass uns sehen, welche feinen Exemplare der Rasse der Pferde auf uns warten."
Hermione nahm mit einem Grinsen seinen Arm, als sie begannen, langsam in Richtung der Ställe zu gehen.
„Du klingst wie der reine Inbegriff eines Gentlemans vom Lande."
„Wie das genaue Gegenteil wohl eher, aber ich bin froh, dass mein Schauspiel überzeugt. Also, was haben wir an diesem Morgen erfahren?"
„Du zuerst. Ich rate mal, dass Helens Migränetabletten nichts dergleichen sind?"
Snape schüttelte seinen Kopf.
„Sie sind, da bin ich sicher, wirklich sehr effektiv gegen ihre Kopfschmerzen. Aber sie beinhalten außerdem einen schwachen Liebestrank."
Hermione stieß ihren Atem in einem langen Seufzer aus.
„Ich hatte es mir gedacht. Arme Frau. Es ist aber nichts darin, dass ihre Gesundheit gefährdet, oder?"
„Ich konnte nichts feststellen, nein."
„Das ist wenigstens etwas. Ich hatte ein wenig befürchtet, dass wenn Markov sich ihres Vaters entledigt hatte, er dasselbe mit ihr tun wird. Wir sind doch der Ansicht, dass er ihren Vater umgebracht hat?"
„Nun, das Timing lässt den Verdacht durchaus zu. Wenn ich richtig interpretiere, was sie sage, dann war Markov ein Wochenende hier bei ihnen, und dabei hat er das Haus gesehen und Helen getroffen. Dann kam er für ein zweites Wochenende zurück, und zu diesem Zeitpunkt hat er begonnen, Helen den Liebestrank zu geben, und ihr Vater starb passenderweise. Herzanfall, hieß es doch?"
Hermione nickte.
„Es gibt eine große Anzahl an Methoden, die ein geschickter Tränkebrauer nutzen kann, um eine Herzattacke derart herbeizuführen, dass sie in der Muggelmedizin nicht entdeckt werden können", fuhr Snape fort. „Fingerhut, Oleander, Germer, Ginster, der Cerberusbaum – und das sind nur die Pflanzen. Unglücklicherweise denke ich, dass du Mühe haben wirst, seine Schuld bei diesem Vorfall zu beweisen."
„Dann müssen wir eben mehr Beweise gegen ihn finden", sagte Hermione mit entschiedener Stimme. „Zu diesem Punkt denke ich, dass die verschleierte Tür in seinem Arbeitszimmer zu etwas interessantem führt. Lag es nur an mir oder ist es wirklich ein bisschen seltsam, dass die Tür nur mit einem Muggelabwehrzauber versehen ist?"
Snape hob seine Mundwinkel. „Nun, das wird davon abhängen, was dahinter liegt. Es könnte nur eine beeindruckende Sammlung von Pornografie sein, die er vor seiner Frau verstecken will."
Hermione sah ihn unverwandt an.
„Aber", fuhr Snape fort, „wenn unsere Annahme, dass es sein Labor ist, korrekt ist, dann ist der Mangel an Sicherheitsvorkehrungen vielsagend. Wir haben es mit jemandem zu tun, der arrogant genug ist, davon auszugehen, dass er kein Risiko hat, von jemandem aus der Zauberwelt entdeckt zu werden. Dieser Mangel an Angst ist für einen Todesser eher ungewöhnlich. Jeder von ihnen, der eine halbe Hirnzelle hat – und Markovs Fähigkeiten in der Tränkekunst sprechen für eine überdurchschnittliche Intelligenz – wird einige Dekaden damit verbracht haben, entweder vor Voldemort zu zittern, oder vor den Auroren zu zittern, oder vor dem Verrat von Ihresgleichen zu zittern. Paranoia gehören automatisch dazu. Die einzigen Ausnahmen waren diejenigen, deren Rang hoch genug war, um sich ihrer Position in Voldemorts Kreis oder in der grundsätzlichen Hicharchie der Zauberwelt, oder sogar beidem, vollkommen sicher zu sein."
„Aber ich dachte, alle von Voldemorts engsten und treusten Anhängern wären bereits bekannt?", fragte Hermione.
„So hatte ich es auch aufgefasst. Habt ihr die Möglichkeit bedacht, dass Markov tatsächlich ein Russe ist? Es gab eine Anzahl Dunkler Zauberer auf dem Kontinent, die locker mit Voldemort verbündet waren, sich jedoch nie ganz seiner Sache verschrieben hatten."
Hermione runzelte die Stirn.
„Wenn das der Fall ist, wie wahrscheinlich ist es, dass du ihn identifizieren kannst?"
„Es ist noch immer vollkommen möglich. Bei seinem Können in der Tränkekunst bin ich ihm vielleicht sogar auf professioneller Ebene begegnet. Aber, um ehrlich zu sein, ich denke, dass weniger wichtig ist, wer er ist, sondern viel mehr, was er ist – ein Dunkler Zauberer, der einen gefährlichen Zaubertrank als Waffe entwickelt hat, die er an Muggel verkauft, der mindestens einen Mann umgebracht hat, und der eine entzückende Frau betrügt, die das wirklich nicht verdient."
„Sollte ich eifersüchtig sein?", fragte Hermione mit erhobenen Augenbrauen.
„Nein, ich denke, du brauchst keine Angst zu haben. Du hast die besseren Vorzüge." Er unterbrach sich für einen kurzen Moment und beobachtete, wie Hermiones Augen sich gefährlich verengten. „Deine Bibliothek ist zum Beispiel interessanter."
Hermione lachte und drückte seinen Arm.
„Ich liebe einen Mann, der nur einspurig denkt."

Ihr Spaziergang führte sie schließlich zum Stallhof mit seinem von einem Uhrturm gekrönten Eingangsbogen. Als sie durch den Bogen liefen, fanden sie sich auf einem großen Hof wieder, der auf drei Seiten von offenen Pferdeboxen begrenzt wurde. Mindestens die Hälfte davon waren belegt, und mehrere Paare Pferdeaugen folgten ihrem Weg über den Hof. Ein älterer Mann mit Schiebermütze kam auf sie zu und Hermione stellte mit Erheiterung fest, dass er die Karikatur eines alten Stallburschen war – klein, drahtig und mit O-Beinen. Sie versuchte zu entscheiden, ob das Bild durch einen irischen Akzent oder die undeutliche Aussprache des Südwestens vervollständigt werden würde, und war deshalb etwas enttäuscht, wenn er sie mit unmissverständlichem lokalem Einschlag begrüßte.
„Meine Enkelin hat mir gesagt, dass ihr angekommen seid", sagte er. „Ceri. Von oben im Haus."
„Oh, ja", sagte Hermione. „Sie scheint ein nettes Mädchen zu sein."
„Nett, aber sie kann mit ihrem Gerede den Arsch einer Antilope abkauen. Ich bin Huw. Reitet ihr zwei später?"
Hermione drehte sich zu Snape, der ihren Blick mit einer Herausforderung in seinen Augen erwiderte.
„Ich bin dabei, wenn du es bist", sagte er.
Hermione wandte sich zurück zu Huw. Etwas zaghaft sagte sie:
„Ok. Aber ich warne Sie, ich bin nicht mehr geritten seit ich ein Kind war, und ich war damals nicht besonders gut. Ich brauche das equine Äquivalent zu einem Morris Minor."
Huw lachte leise und kehlig.
„Dann fährst du so einen?"
Snape mischte sich ein.
„Nein, sie hat einen Jaguar, mit dem sie fährt wie der Teufel, also habe ich keine Ahnung, warum der Gedanke an ein Pferd sie beängstigt."
„Ich vertraue den Bremsen meines Jaguars – Tiere sind nicht so ganz vorhersehbar", gab Hermione zurück. „Ich fühle mich einfach wohler mit Pferdestärken als mit der Stärke der Pferde, wenn du weißt, was ich meine."
„Keine Bange, Bach", sagte Huw beschwichtigend. „Ich hab genau das Richtige." Er führte sie zu einer nahegelegenen Box. „Darf ich vorstellen: Violet. Sie ist fast zwanzig und lief seit fünf Jahren nicht schneller als Trab. Sie war zu ihrer Zeit ein gutes Jagdpferd, aber Helen hält sie sich heutzutage eigentlich nur noch als Lieblingstier."
Hermione und Violet beäugten einander zweifelnd. Hermione streckte ihre Hand aus und rieb sanft die Nase des Pferdes, woraufhin die Schimmelstute ihre Augen schloss und leise ausatmete und für jedermann aussah, als würde sie einnicken. Hermione grinste.
„Sie wird gehen."
Huw rieb sich die Hände und wandte seine Aufmerksamkeit Snape zu.
„Und was ist mit dir?"
„Um bei den mechanischen Analogien zu bleiben: Gute Bremsen sind wichtig, aber ich hätte nichts gegen etwas zusätzliche Beschleunigungskraft einzuwenden."
„Ah, in diesem Fall denke ich, dass du Samson mögen wirst."

Sie folgten Huw zu einem Stall am entgegengesetzten Ende des Hofs, wo ein riesiges schwarzes Pferd mit einer schiefen weißen Blesse sie von oben herab ansah.
„Sanft wie ein Lämmchen, aber rennt den ganzen Tag, wenn du es von ihm willst."
Snape tätschelte kurz Samsons Hals, aber beide zuckten zusammen, als es in der angrenzenden Box laut krachte.
„Benimm dich, Turpin", knurrte Huw, während er über die Tür blickte. Hermione spähte aus sicherer Entfernung über seine Schulter und sah ein fuchsbraunes Pferd, das mit den Hufen gegen die hintere Stallwand stieß.
„Er scheint nicht glücklich zu sein", bemerkte sie.
Huw schüttelte den Kopf.
„Zu viel Temperament und zu wenig Training. Mr Markov hat ihn gekauft, damit Mr Price ihn reiten kann. Wir tun unser Bestes mit ihm, aber …" Er zuckte mit den Schultern.
Snape ging zu Huw hinüber und stellte sich neben ihn.
„Trotzdem, er ist eine Schönheit, nicht wahr?"
Er streckte seine Hand über die Tür in Richtung Turpin, der sie misstrauisch ansah.
„Sei vorsichtig", warnte der Stallknecht. „Er hat zwei der Pfleger ganze Stücke abgebissen."
Snape hielt seine Hand still und nach für nach kam das Pferd näher, die Ohren flach am Kopf angelegt und mit ärgerlich hin- und herwischendem Schweif. Hermione ging nervös einen Schritt zurück. Als das Pferd nahe genug war, legte Snape seine Hand sehr sanft auf dessen Hals und nahm vorsichtig Augenkontakt auf. Hermione fühlte sich daran erinnert, wie Harry Seidenschnabel das erste Mal begrüßt hatte. Turpin schnaubte und Snape murmelte ihm leise Worte zu. Die Spannung entwich aus dem Körper des Pferds, seine Ohren stellten sich wieder nach vorne und zögernd stupste er an Snapes Schulter.
Huw pfiff leise.
„Hab noch nie gesehen, dass er das macht. Du kannst gut mit Pferden, Kumpel."
Snape wandte seinen Kopf zu ihnen, während seine Hand noch auf Turpins Hals lag. Er lächelte leicht.
„Das konnte ich mal. Es ist gut zu wissen, dass ich meinen Touch nicht verloren habe."
Hermione war fasziniert. Hatte Snape nur die Hippogreiftechnik adaptiert oder hatte er eine geheime Vergangenheit als Pferdeflüsterer? Sie würde ihn später fragen, entschied sie. Sie sah auf die Uhr.
„Komm jetzt, Robert Redford", sagte sie. „Wir müssen zum Mittagessen zurück ins Haus gehen."
Ein leicht verwirrter Ausdruck erschien ob dieser Anrede auf Snapes Gesicht, aber er klopfte Turpin ein letztes Mal auf den Hals und kam zu ihr herüber.
„Wir sehen dich dann später", sagte sie zu Huw.
„Genießt das Mittagessen, ihr beide", sagte er, während er mit einem kurzen Winken über den Hof davonlief.
Snape legte ihr lässig seinen Arm um die Schultern, als sie zurück zum Haus gingen.
„Robert wer?", murmelte er in ihr Ohr.
„Redford. Schauspieler. Kann mit Pferden", antwortete Hermione kurz und bündig. „Wo hast du diesen kleinen Trick gelernt?"
„Ergebnis einer fehlgeleiteten Jugend."
„Solange du ihn nicht mit dem Imperius belegt hast."
„Das wäre ein wirklich verabscheuenswürdiges Ding, wenn man das täte. Und unnötig. Pferde sind simple Kreaturen. Projiziere ein Bild von süßem, grünen Gras in ihren Kopf und sofort beruhigen sie sich."
Hermione schob ihren Arm um seine Taille.
„Beeindruckend. Erzähl mir mehr von deiner fehlgeleiteten Jugend."

Snape sah auf sie herunter, Amüsement in seinen Augen.
„Das ist sehr kuschelig. Falls wir Zuhörer haben, nehme ich an?"
„Natürlich", antwortete Hermione und beschloss, ihn nicht darauf hinzuweisen, dass er zuerst seinen Arm um sie gelegt hatte. „Und wechsle nicht das Thema. Ich will etwas über deine frühere Karriere als Cowboy hören."
Snape lachte leise.
„Das ist ein wenig übertrieben. Neben dem Haus meiner Eltern lag Brachland, das die Zigeuner oft nutzten, um ihre Pferde grasen zu lassen. In einem Sommer – ich denke, ich war zehn – gab es dort eine Herde nicht eingerittener Hengstfohlen. Einige der Jungs der Gegend wetteten, wer länger oben bleiben könnte. Ich habe eine Woche damit verbracht, mich nachts hinzuschleichen um zu üben, und habe den Trick gelernt, den du vorhin gesehen hast. In der folgenden Woche habe ich der Gruppe Jungs jeden Penny abgenommen, den sie hatten. Ich bin mir sicher, dass man mir das heute nicht mehr ansiehst, aber ich war ein wirklich unansehnliches Kind, so abgemagert wie hässlich." Er verzog die Lippen zu einem trockenen Lächeln.
„Ich kann es nicht glauben", warf Hermione ein.
Snape sah sie skeptisch an.
„Lügnerin", sagte er. „Die anderen Jungs waren überzeugt, dass ich nicht in der Lage wäre, auf nur einem der Jährlinge länger als eine Sekunde zu bleiben, aber ich hatte viel Vergnügen dabei, ihnen sowohl diese Illusion als auch ihr Geld zu nehmen. Sie waren wunderbar dumm, und es hat vier Pferde gebraucht, bis sie darauf kamen, dass etwas nicht ganz … normal war, bei dem, was ich tat. An diesem Punkt rannte ich weg, bevor sie mich grün und blau prügeln konnten. Ich erinnere mich wohl, dass das der Tag war, an dem ich auch meinen ersten stablosen Desillusionierungszauber anwandte."
Hermione lachte.
„Frühreifes Blag, hm?"
Snape sah sie streng an.
„Die Worte „Esel" und „Langohr" kommen mir in den Sinn."
„Du magst Recht haben", gab Hermione zu. „War das das gesamte Ausmaß deiner Reitabenteuer?"
Snape schüttelte seinen Kopf.
„Nein, ich bin nachts recht oft weggeschlichen und habe mir für ein paar Stunden ein Pferd geliehen. Das Brachland wurde bebaut, als ich etwa fünfzehn war, also war das das Ende davon."
„Also, ich freue mich darauf, später dein Können zu bewundern." Hermione kam ein plötzlicher Gedanke, und sie kämpfte darum, dass Grinsen zu unterdrücken, dass ihre Lippen auseinanderzog.
„Was jetzt?", fragte Snape warnend.
Hermione grinste, als sie antwortete:
„Ich habe mich nur daran erinnert, was ich noch bewundern werde. Die Jeans, die ich für dich mitgebracht habe, könnten von der Sorte sein, die recht eng sind." Sie zuckte mit den Schultern bei seiner leicht geschockten Miene. „Es ist nur gerecht, dass ich einen guten Blick auf deinen Hintern haben werde – denk nicht, dass ich nicht bemerkt habe, wie du meinen anstarrst."
Seine Augen funkelten humorvoll.
„Ich habe nicht gestarrt, wie du es so unelegant ausgedrückt hast. Ich habe ihn im Geist wissenschaftlicher Forschungen betrachtet."
„Wirklich?"
„Natürlich", antwortete er von oben herab. „Ich war hauptsächlich neugierig, ob die vielen Jahre, die du in der Bibliothek damit verbracht hast, auf deinem Hintern zu sitzen, ihn in irgendeiner Weise deformiert haben."
„Bist du schon zu einem Ergebnis gekommen?"
Merlins Eier, er macht Witze, oder? Nur mit Schwierigkeiten widerstand sie dem absurden Drang, auf ihre eigene Rückseite zu schielen.
„Es ist noch zu früh, um etwas zu sagen. Ich denke, ich brauche noch mehr Beobachtungen, bevor ich eine Entscheidung treffen kann."
Hermione lächelte ihn süß an.
„Beobachte nur zu. Ich fürchte allerdings, dass ich eine Enttäuschung erleben werde – Muskeltonus ist eines der ersten Dinge, die mit dem Alter nachlassen, und ich fürchte ein wenig, dass deine Rückseite so schwabbelig wie dein Verstand geworden ist."
Snape sah ihr aufmerksam ins Gesicht.
„In diesem Fall werde ich mich nicht dazu entschließen, zu erwähnen, dass du seit fünfzehn Minuten einen Streifen Pferdemist auf der Wange hast."
Hermione zuckte mit der Hand zu ihrem Gesicht und gleichzeitig leuchteten Snapes Augen triumphierend, und in ihrem Kopf dämmerte die Erkenntnis. Mist, er hat mich reingelegt.
„Eins zu null für mich, denke ich", fuhr er leichthin fort. „Schwabbeliger Verstand, natürlich."
Sie hatten mittlerweile die Stufen erreicht, die zur Terrasse an der Rückseite des Hauses führten. Die Verandatüren des Salons waren offen und ein plötzliches, hohes, heiseres Gelächter drang an ihre Ohren.
„Entweder hat Mrs Bowen Ceri schlussendlich so provoziert, dass sie einen hysterischen Anfall hat, oder die anderen Gäste sind angekommen", bemerkte Hermione, als sie am unteren Ende der Treppe anhielten.
„So amüsant ersteres wäre, gehe ich von letzterem aus", sagte Snape. „Na dann komm, Weib, weiter im Programm."
Hermione drückte kurz ihren Arm enger um Snapes Taille und war beruhigt, einen erwidernden Druck um ihre Schultern zu spüren. Wortlos unterstützt erklommen sie die Stufen, um ihre Maskerade als Pärchen fortzusetzen.


A/N: „Bach" ist ein walisischer Kosename, der „Kleine/Kleines" bedeutet und oft von der älteren Generation benutzt wird.

Ein Morris Minor ist ein Auto, das mindestens bis in die 1980er vorzugsweise von älteren Damen und Kirchenmännern gefahren wurde.

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