Titel: Cold Heart
Kapitel: Spuren der Vergangenheit
Autor: dedlit
Anzahl: 4/7
Genre: Romance, Drama;
Pairing: Shego/Ron

Ron kam erschöpft nach Hause, er ließ sich fix und fertig in seinen Sessel fallen. Dieser Tag war ein Horrortrip gewesen. Cavalcanti hatte versucht ihn mit dem einen oder anderen Vertragstrick zu überlisten, doch gelungen war ihm das zum Glück nicht, dann wollte Gonzaga (der Vorstandsvorsitzende) noch mit ihm einige Arbeiten besprechen, dann hatte er noch so einiges an Papierkram zu erledigen, dann musste er seine Akten noch für die nächste Konferenz bereitlegen und ordnen usw. usw.

Er hatte noch immer keine Sekretärin und so musste er alles alleine machen. Gonzaga hatte ihm zwar schon des Öfteren geraten sich Hilfe zu holen, doch Ron hatte immer abgelehnt.
Der Grund war einfach….. Rufus. Sein Nacktmull war schon vor eineinhalb Jahren gestorben, doch er war immer sein treuester Wegbegleiter und einen Ersatz gab es für ihn einfach nicht.

Er schreckte plötzlich aus seinen Gedanken, als er zwei Hände spürte, die zaghaft seine Schultern massierten. Ron ließ dies ohne viele Widerworte zu und gab sich dem angenehmen Gefühl eine zeitlang hin. Wie lange es wohl schon her war, dass er nach Hause gekommen ist und jemand dort war, der ihn erwartete?

Nach einiger Zeit drehte er sich um und blickte in Shegos Gesicht. Diese sah ihn aus großen Augen an. Ron fiel auf, dass sie eigentlich so gut wie nichts sprach und mit ihren traurigen Augen…..
Ron verbannte diese Gedanken in die hinterste Ecke seines Gedächtnisses. „Tut mir Leid Shego, aber ich hatte einfach noch keine Zeit Kleidung für dich zu besorgen.", er entschuldigte sich mit einem Lächeln und verschwand dann in die Küche, um sich einen Apfel zu holen.

Als er zurückkam, saß Shego neben seinem Sessel auf dem Boden. Ron ging sofort zu ihr hin. „Du musst doch nicht auf dem Boden sitzen, für was habe ich denn ein so großes Sofa?", er schüttelte tadelnd den Kopf, lächelte aber noch. Während er den Fernseher aufdrehte, blätterte er durch das Abendblatt. Dann vernahm er ein leises grummeln. Ron sah auf und Shego lief leicht rot an. Ihm dämmerte, was da soeben gegrummelt hatte.

Er legte seine Zeitung sofort beiseite und nahm Shego bei der Hand um sie hinter sich in die Küche zu ziehen. Diese sah ihn ängstlich an.
Doch Ron begann schon in den Kästen herumzustöbern und wenige Minuten später stand ein kleines Abendessen auf dem Tisch. Spiegeleier, Brot und Tee. Mehr Nahrungsmittel (zumindest essbare) hatte er nicht gefunden.

Ron rückte der schwarzhaarigen einen Sessel zurecht und ließ sich dann mit seiner Zeitung ihr gegenüber nieder. Nur der laufende Fernseher durchbrach die Stille. Als Ron das nächste Mal aufsah, hatte Shego nichts von dem, das er ihr hingestellt hatte angerührt.
„Wartest du bis es kalt wird?" Ron grinste sie an und schüttelte den Kopf. Shego griff vorsichtig nach dem Besteck, sie trug wieder den roten Pulli und musste aufpassen, dass sie die Ärmel nicht eintauchte.

Ron bemerkte ihre zittrigen Bewegungen und als ihr schließlich die Gabel kurz aus der Hand rutschte fragte er nach. „Ähm stimmt etwas nicht?"
Shego schüttelte den Kopf und nuschelte ein: „Alles in Ordnung."

Doch Ron sprang auf, er hatte wirklich viel Geduld, aber damit er Shego helfen konnte musste er erfahren, warum sie so nervös war. Als er mit einer Hand ihr schmales Handgelenk umschloss, damit sie ihn ansah, gab sie einen leisen Schmerzenslaut von sich. Ron schob den Pullover zurück.

Ihre Handgelenke waren leicht angeschwollen und tiefe Einschnitte zierten sie, einige waren noch nicht so alt, aber andere dieser Wunden mussten schon vor längerer Zeit dort gewesen sein. Shego entzog, mit Tränen in den Augen, ihre Hand und stürmte aus dem Apartment.

Ron blieb kurz geschockt in der Küche stehen und lief ihr dann nach. Er raste die Treppen hinunter und fand sie im dritten Stockwerk zusammengekauert liegen. Sie musste gestolpert sein, denn sie hatte eine kleine Platzwunde auf dem Kopf.
Ron war nun mehr als verwirrt. Eine schüchterne Shego, eine Shego die kaum redet, eine Shego die unterwürfig ist und nun auch noch eine Shego die schwach ist?
Er fragte sich nun ernsthaft, ob das wirklich Shego war.

Zusammengekauert lag sie am Ende der Treppe und Tränen strömten ihre Wangen hinunter. Ron lief zu ihr und kniete sich neben sie. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er sie vorhin so angefahren war. Vorsichtig hob er sie hoch. Sie musste abgemagert sein, denn sie war leicht wie eine Feder. Shego wehrte sich und Ron setzte sie auf einer der Stufen ab. Er zog ein Stofftaschentuch hervor und tupfte vorsichtig ihr Gesicht ab.
„Es tut mir Leid, ich wollte dir nicht weh tun." Sanft nahm er ihre Hände und wollte sie genauer ansehen, doch sie zog sie weg und versteckte sie in ihrem Schoss.

Shego rückte ein Stück von ihm ab. „Wieso tust du das? Willst du mich noch mehr demütigen, als du und Kim es schon getan habt?", nun sprang sie auf und schrie ihn mit rauer Stimme an, „Was ist das für ein krankes Psychospielchen!"

Ron blickte zu ihr auf. „Ich weiß ehrlich nicht was du meinst."
Shego schien nun wütend. „Erst bringt ihr mich in diese Hölle, dann holst du mich hinaus, mimst einen auf nett und freundlich….." Ron unterbrach sie. „Wou, dass geht jetzt zu weit, was habe ich mit Cavalcanti zu schaffen?"

„Du und Kim Possible, ihr habt mich in dieses Gefängnis gebracht!"

Ron traf diese Erkenntnis wie ein Schlag. Es stimmte, da er sie ins Gefängnis gebracht hatte, trug er wohl einen Teil der Schuld…. natürlich hatte Shego Dinge getan, die man nicht einfach gutmachen konnte, aber dieses Schicksal……

„Was ist in diesem Gefängnis passiert?" Ron sah sie ernst an.

„Meinst du vor oder nachdem sie mir meine Kräfte gestohlen haben?", Shego sprach nun wieder mit gebrochener Stimme. Das Blut aus ihrer Kopfwunde rann nun bis zu ihrem Kinn. Ron stand auf, er war um einen guten Kopf größer als sie, vorsichtig tupfte er mit seinem Taschentuch ihre Kopfwunde ab. „Tut mir Leid, dass so etwas passiert habe ich nie gewollt."

Er hob sie vorsichtig hoch, doch sie wehrte sich nicht. „Ich denke wir sollten oben weiterreden."

to be continued