Kapitel 4
„Harry, es ist mitten in der Nacht! Du darfst gar nicht hier sein!", zischte Hermine leise, als Harry sie wach gerüttelt hatte. „Ja, ich weiß und es tut mir auch schrecklich Leid, dass ich dich wecke, aber es ist wichtig!", sagte er drängend und leise, damit die anderen Mädchen im Schlafsaal nicht aufwachten.
„Jaja, schon gut!", meinte Hermine als Harry ungeduldig an ihrem Arm zog, „Kann ich mir wenigstens was anderes anziehen?". Harry nickte und verschwand aus dem Raum.
Als Hermine die Treppe zum Gemeinschaftsraum hinabstieg, sah sie Harry und Ron mitten im Raum stehen. Harry tippte undgeduldig und nervös mit dem Fuß auf dem Boden und Ron sah einfach nur müde und genervt aus. Er gab sich auch keine Mühe dies zu verbergen.
Während Hermine die letzte Stufe erreichte, drehten sich die Jungs zu ihr um und Ron gähnte laut. „Was ist denn nun los, Harry?", fragte Ron matt. „Ich muss euch etwas erzählen, ich hatte einen seltsamen Traum diese Nacht.", fing Harry an, wurde aber von Hermine unterbrochen: „Schon wieder Ginny?". Ron sah verdutzt erst zu Hermine und dann zu Harry, sagte aber nichts.
„Nein. Diesmal war es anders. Es hatte nichts mit ihr zu tun. Es war wie damals.. Als ich von Voldemort träumte. So real und wirklich!".
Ron und Hermine sahen sich an. „Aber Harry, Du-weißt-schon-wer - also Voldemort- ist tot!", sagte Ron und Hermine beobachte Harry genau. Dieser antwortete: „Ich weiß und diesmal hatte es nichts mit ihm zu tun!". Langsam ging Harry zum Fenster. Der Wind und der Regen peitschten gegen das Fenster. „Irgendetwas ist da draußen. Es bildet sich eine neue Verschwörung, ich spüre es.", Harry wusste, dass es komisch klingen musste, doch er wusste, dass er Recht hatte.
Plötzlich hörten die Drei, wie sich hinter ihnen das Portraitloch öffnete. Als sie sich umdrehten, erblickten sie Ginny. Diese sah die Drei komisch an und fragte: „Was ist hier los?". Kurz sahen die Drei sich fragend an und schließlich beschloss Hermine, ihr die Wahrheit zu sagen. „Es geht um Harry. Er hat wieder solche Träume, aber diesmal nicht von Voldemort." Als Ginny das hörte, sah Harry kurz Angst um ihn in ihren Augen aufblitzen. Einen Sekundenbruchteil später war jedoch wieder der gefühllose Ausdruck in ihren Augen zu erkennen. „Wir gehen jetzt hoch in Dumbledors Büro. Dort zeige ich euch meinen Traum im Denkaruim.", meinte Harry und als er fast am Ausgang angekommen war, hörte er Ginny's Stimme sagen: „Ich komme mit!". Erst wollte Harry wiedersprechen, doch dann entschied er sich dagegen. Sie war schließlich alt genug.
Die Vier machten sich nun auf den Weg zu Dumbledors Büro, darauf bedacht nicht entdeckt zu werden, denn eigentlich durften sie um diese Uhrzeit gar nicht in den Korridoren sein.
Auf dem Weg ließ sich Hermine ein wenig zurückfallen. Ginny spürte ihren Blick und auch sie verlangsamte ihre Schritte ein wenig.
„Ginny, warum warst du nicht im Bett? Wo warst du?", fragte Hermine besorgt. Ginny antwortete leise: „Ich war im Raum der Wünsche. Ich wollte nicht gefunden werde, dafür war der Raum der perfekte Ort."
„Warum? Warum wolltest du nicht gefunden werden, Ginny? Was ist passiert?", fragte Hermine weiter, mit drängender Stimme. „Ich..ich habe geweint, die ganze Zeit. Wegen ihm!", Ginny deutete mit einem Kopfnicken auf Harry, der neben Ron vor ihnen lief und nichts vom Gespräch der beiden Mädchen mitbekam.
Leise erzählte Ginny von dem Gespräch mit Harry am See und von der Begegnung mit Cho. Mitfühlend hörte Hermine zu und ihr wurde klar, dass Ginny Harry noch liebte, genauso sehr wie letztes Jahr, wenn nicht sogar noch mehr. Schließlich musste sie schwören, niemals mit Harry darüber zu reden.
Als die Gruppe in Dumbledors Büro ankamen, zeigte Harry den Anderen die Erinnerung an seinen Traum.
„Was hat das zu bedeuten?", fragte Ginny, nachdem sie sich den Traum angesehen hatten. Keiner antwortete ihr. Eine Weile herrschte Stille, bis Hermine mit den Worten: „Ich muss schnell in die Bibliothek!" verschwand. Die anderen Drei sahen ihr verdutzt hinterher.
Am Morgen trafen die Drei Hermine beim Frühstück wieder. Sie hatten die ganze Zeit bis zum Morgen nicht schlafen können, also saßen die Drei am Kamin und dachten über den Traum nach. Ginny und Harry vermieden es miteinander zu reden, aber ein paar Mal sahen sie sich gegenseitig an, wenn sie glaubten, dass der andere es nicht merkte.
Hermine hatte die ganze Zeit in der Bibliothek verbracht und teilte den anderen nun aufgeregt ihre Ergebnisse mit. Doch bevor sie anfangen konnte zu reden, meinte Harry sie sollten sich einen weniger öffentlichen Platz suchen, denn hier war die Gefahr zu groß, dass jemand etwas mitbekam.
Als sie im Klassenzimmer für Zauberkunst angekommen waren, verriegelte Harry die Tür und legte einen „Muffliato" über den Raum, sodass niemand sie belauschen konnte.
Da legte Hermine auch schon los: „Also, ich habe etwas zu diesem Schwarzen Kreis in den Büchern gefunden. Man kann ihn mit einem bestimmten Ritual ‚aktivieren', um gigantische Kräfte freizusetzten, die denjenigen, der das Ritual ausführt, zum mächtigsten Magier überhaupt machen! Keine Macht ist vergleichbar mit der, die durch den Kreis freigesetzt wird. Der Kreis muss durch einen Ring an die irdische Kraft gebunden sein, sagt man. Dieser Ring wurde über Jahrhunderte hinweg gesucht, aber nie gefunden. Deswegen ist es auch nur ein Mythos."
Die anderen Drei, die gespannt zugehört hatten, starrten Hermine an. „Vielleicht war es doch nur ein Traum und hatte nichts zu bedeuten..", meinte Ron, doch Harry bekräftigte noch einmal, dass er der Überzeugung war, dass es ein Zeichen war. „Ihr glaubt mir doch oder?", fragte er die Anderen. Hermine nickte sofort, Ron sah seine Schwester kurz an, die dann schließlich auch nickte und letztendlich sagte er: „Ja, ich glaube dir, Harry! Aber das alles ist doch verrückt! Der Krieg ist gerade erst vorbei!". Harry nickte und meinte: „Ja, Ron, ich weiß. Aber es ist unsere Aufgabe, den Ring zu finden, bevor es dieser Alan mit seinen Anhängern tut!".
„Aber warum wir, Harry? Erzähl McGonagall davon, die wird sich darum kümmern!", sagte Ron, doch Harry erwiderte: „Nein, das ist wieder einmal meine Sache!". Ron schüttelte kurz den Kopf, aber dann gab er nach: „Und was machen wir jetzt?".
Harry sah allen dreien kurz in die Augen. „Ich schätzte, wir besuchen Nicholas Flamell."
