Am nächsten Morgen weckte sie die Sonne, die genau vor ihrem Fenster am Horizont erschien und den neuen Tag in ein warmes, oranges Licht tauchte.
Oh, wie schön!
Allzu gerne wäre sie noch liegen geblieben und hätte zugesehen, wie sie zur Gänze emporstieg, aber ihre Blase drückte und außerdem war da dieses unangenehme Ziehen, das sie schon ein oder zweimal in der Nacht gespürt hatte. Nun, die Heilerin hatte was von Senkwehen gesagt, das würde sich sicherlich geben.
Da sie schon mal aufgestanden war, probierte sie auch gleich die Dusche mit ihren unzähligen Düsen aus. Unglaublich, was es da alles gab und so blieb sie auch deutlich länger, als sie normaler Weise brauchte und rief damit ihren ständig besorgten Ehemann auf den Plan, „Was machst Du da so lange?", fragte er und steckte misstrauisch seinen Kopf in die Duschschnecke.
„Forschen", antwortete Hermine keck und zog ihn kurzerhand unter den dampfenden Strahl unzähliger Düsen und Ventile.
Gut, dass er nur eine Boxershorts trug, sonst hätte er sicherlich stärker protestiert, so aber beteiligte er sich doch gerne an weiteren Forschungsprojekten.
Hach! Hatte sie schon erwähnt, dass das Leben schön war?!
„Warwick hat übrigens geantwortet", informierte er sie eine halbe Stunde später, während er sich die Haare trocken rubbelte.
„Oh", Hermine nahm die Zahnbürste aus dem Mund, „was schreibt er denn?"
„Dass Du mit Deiner These gar nicht so verkehrt lagst", seufzte Severus und schlüpfte in sein Hemd, „Der Stuhl war ein Geschenk seiner Frau und dieses Geschenk hat leider einige Tücken!"
„So? Welche Tücken denn?", fragte Hermine allarmiert.
„Er hat ein Vermögen gekostet und wir kommen hier nicht vor Dienstag weg."
„Das sind ja noch vier Tage", rechnete Hermine erfreut nach, das mit den Kosten interessierte sie nicht weiter, immerhin waren sie schon von den Malorys beglichen worden, „und warum erst dann?"
„Weil Warwicks Frau Maggy es leid war, dass ihr Mann ständig alle Urlaube entweder absagte oder verkürzte, nur weil wieder mal irgendetwas im Ministerium schief gegangen war."
„Und da hat sie dafür gesorgt, dass er dieses Mal nicht weg kann", schloss Hermine grinsend.
„Ja, sie hat extra darauf bestanden, dass der Veranstalter eine sichere Sperre in die Portschlüssel einbaut, die nicht zu knacken ist."
„Sehr schön!", meinte Hermine und putze vergnügt ihre Zähne weiter, bevor ihr noch eine Frage in den Sinn kam, „Und warum sitzen wir jetzt hier und nicht dieser Cyrus und die junge Hexe von der Feier?"
„Nun, das ist eine weitere Sicherung", zuckte Severus mit den Schultern, „nur der richtige Partner hat den Zugang."
„Und da Du unerwartet der erste warst", ergänzte Hermine begeistert, „konnte weder Cyrus noch die junge Frau hindurchgelangen."
„Richtig, denn dieses Vorrecht genießen nur Paare", er küsste sie schnell auf die Stirn, „Und nun beeil Dich, das Frühstück steht schon ewig auf dem Tisch!"
„Ach, Severus", murrte Hermine, „nun hetz doch nicht so, wir haben immerhin Urlaub!"
Und das war wirklich wundervoll. Sie verbrachten den Tag mit einem langen Strandspaziergang, der zwar nicht sehr weit ging, weil Hermine immer wieder stehen bleiben musste, um auszuruhen - das mit ihrer Kondition wurde auch nicht wieder besser - aber es war trotzdem sehr schön.
Dann nahm sich Severus Zeit in aller Ruhe ein gutes Dinner zu kochen, während Hermine erst ein kleines Nickerchen auf der Terrasse machte und anschließend ausgiebig schwimmen ging.
Sie hätte nicht sagen können, wann sie sich je glücklicher und zufriedener gefühlt hätte, wenn da nicht dieses ärgerliche Ziehen gewesen wäre, dass zwar nur ab und an, aber dennoch unangenehm spürbar kam und ging.
Severus erzählte sie davon natürlich nichts, er würde nur in Panik verfallen und sie verrückt machen mit seinen Sorgen. Nein! Das Ziehen war auszuhalten und wirklich nur ein kleiner Wehrmutstropfen in diesem wunderbaren Paradies.
In der nächsten Nacht schlief sie nicht so gut, wie in der davor, denn die Beschwerden gingen einfach nicht weg. Verflixt!
„Warum schläfst Du nicht?", erkundigte sich Severus gegen drei Uhr.
„Weiß nicht", log sie.
„Hast Du Schmerzen? Fehlt Dir etwas?", fragte er natürlich sofort und richtete sich erschreckt auf.
„Nein, nur ein kleines Ziehen, hör auf Dich zu sorgen und schlaf!"
„So? Ein kleines Ziehen?", Severus schien alles andere als beruhigt.
„Wahrscheinlich Senkwehen, kein Grund zur Panik, wirklich!", versuchte sie es erneut und drehte sich von ihm weg.
Natürlich glaubte er ihr nicht, sie merkte sehr genau, dass er den Rest der Nacht damit verbrachte sie zu bewachen. Irgendwann gegen fünf schlief sie dann doch noch mal ein und wachte auch erst wieder auf, als Severus ins Schlafzimmer kam, um nach ihr zu sehen.
„Wie spät ist es?", nuschelte sie und blinzelte in die helle Morgensonne, die ihren Weg zwischen den Lamellen der Fensterläden hindurch fand, die Severus anscheinend am Morgen geschlossen hatte und ihre Nase kitzelte.
„Schon gegen neun", antwortete Severus und setzte sich auf die Bettkante, „was macht das Ziehen, ist es weg?"
„Hm, ich glaube schon", überlegte Hermine und horchte in sich hinein. Nein, kein Schmerz mehr! Wunderbar, hoffentlich blieb es auch so.
„Gut", atmete Severus erleichtert auf, „denn ich habe in der Zwischenzeit Poppy kontaktiert und sie meinte, dass dies auch die ersten Vorboten für die richtigen Wehen sein könnten und dass Du Dich schonen sollst!"
„Du hast Poppy belästigt, nur weil es in meinem Bauch zwickt?", konnte Hermine die Überfürsorglichkeit ihres Mannes nicht fassen.
„Natürlich!", antwortete Severus lapidar, „Am besten Du bleibst im Bett, ich hole das Frühstück hierher."
„Quatsch", wehrte Hermine ab, „mir fehlt nichts, ich stehe jetzt auf, werde mich waschen und anziehen und dann werden wir überlegen, was wir mit diesem herrlichen Tag anstellen."
„Hermine Granger!", schimpfte Severus, „Du bist unvernünftig und eigensinnig!"
„Ja, ja", machte die so Gescholtene unwirsch, „und nun lass mich aufstehen, ich muss mal!"
Nur widerwillig kam Severus ihrem Wunsch nach, half ihr aber immerhin aus dem Bett heraus. Das war auch schon mal einfacher gegangen.
Im Bad aber bemerkte sie dann mit echtem Schrecken, dass sie leicht blutete. „Severus!", rief sie bestürzt und es dauerte keine zwei Sekunden, da stand er auch schon neben ihr, „Was?"
„Vielleicht sollten wir doch noch mal Poppy stören und sie fragen, was wir tun müssten, wenn es doch schneller losgehen würde, als gedacht."
„Wie? Was ist geschehen?", er wurde weiß wie die Wand.
„Ich kann mich irren, aber ich glaube, dass ich in dem Buch über Schwangerschaft und Geburt gelesen habe, dass eines der Zeichen für einen baldigen Beginn die Loslösung eines blutigen Schleimpfropfens ist."
„Großer Merlin! Ich wusste es!", stöhnte Severus und war schon verschwunden, um eine Nachricht an Hogwarts Heilerin zu schreiben.
Hermine setzte sich derweil erst einmal auf den Wannenrand und versuchte ihren Herzschlag zu beruhigen. Nun, vielleicht blieben ihnen ja auch noch einige Tage, denn es hatte auch in dem Buch gestanden, dass dieser Pfropfen nicht unbedingt unmittelbar vor der Geburt abgehen müsse. Das Fehlen des Ziehens und sonstiger Schmerzen oder Beschwerden schien ihre Vermutung zu bestätigen und so raffte sie sich schließlich auf, wusch sich und zog sich an.
Sie ließ sich gerade hinter dem Frühstückstisch nieder, da kam Severus mit der Antwort wieder.
„Und?"
„Sie sagt, dass Du Dich unbedingt schonen müsstest und wenn das Bluten stärker würde, soll ich sie sofort kontaktieren, und wenn das Ziehen wiederkäme, sollst Du genau notieren, in welchem Abstand es kommt und wie lange es dauert", er sah von dem dicht beschriebenen Pergament auf, „Sie hat mir einige Prüfzauber notiert und vorsorglich den Stuhl nach Hogwarts bringen lassen."
„Sie scheint mir ähnlich aufgeregt, wie Du!", murmelte Hermine und schüttete sich eine Tasse Tee ein.
„Das ist doch auch kein Wunder", rief Severus und raufte sich die Haare, „das ist immerhin unser erstes Kind und bei Poppy ist es schon gute vierzig Jahre her, dass sie ihren Sohn bekommen hat und als Heilerin immerhin schon über zwanzig Jahre, dass sie eine Geburt geleitet hat."
„Ach ja", erinnerte sich Hermine und butterte sich ein Toast, „war das nicht bei dieser Schülerin, die ihre Schwangerschaft so geschickt verheimlicht hat, weil sie Angst hatte von der Schule geworfen zu werden?"
„Ja, das war ein echter Skandal", nickte Severus und sank auf den Stuhl ihr gegenüber, „der Vater dieser nicht besonders schlauen Hufflepuff war nämlich ein frühreifer Slytherin der fünften Klasse."
„Sehr peinlich!", bemerkte Hermine süffisant, „Wie gut, dass die aktuelle Schwangere Hogwarts doch als recht kluge Person bekannt ist."
„Was sehr zu bezweifeln ist", grollte Severus und schaute sie mit finsterem Blick an, „denn sie hat sich ebenfalls mit einem Slytherin eingelassen, sogar mit einem überreifen!"
„Die überreifen Früchte sind ja meist die süßesten!", kicherte Hermine, was Severus zu einem erschütterten Augenrollen veranlasste.
Den Morgen verbrachte sie dann ganz brav auf der beschatteten Terrasse bei einem durchaus spannenden Krimi, der sich in einem der beiden Bücherregale im Flur gefunden hatte und trank emsig einen Tee, von dem Severus und Poppy der Meinung waren, dass er Wehen hemmend sei. Nun, er schmeckte nicht schlecht und wenn es ihn beruhigte, dann war das doch schon ein Erfolg.
Severus ärgerte es übrigens unglaublich, dass sich im ganzen Haus und auch in der Umgebung kein einziges Heilkraut sehen ließ. Nichts, gar nichts aus dem man einen Trank hätte brauen können, egal ob gegen eventuell einsetzende Wehen, noch zur Stärkung oder gegen die wohl zu erwartenden Schmerzen.
Er war sehr unleidlich deswegen, allerdings bemühte er sich auch sehr ihr nicht zu arg auf die Nerven zu gehen, sondern kramte seine Spionkenntnisse aus und bewachte sie äußerst diskret aus der Ferne. So vergingen auch der Nachmittag und der Abend und als sie zu Bett ging, war sie schon fast überzeugt, dass alles nur falscher Alarm gewesen wäre. Trotzdem sah sie von einem Besuch in diesem verlockenden Whirlpool ab, man musste sein Glück nicht zu sehr herausfordern, immerhin sollte ihr Kind in Hogwarts geboren werden, mit Poppy Pomfreys Unterstützung, die extra einen Auffrischungskurs in Geburtshilfe gemacht hatte und nicht auf einer Insel irgendwo in der Südsee.
Egal wie paradiesisch es hier war! Basta!
