"Was tust du da?" schrie Kirk. "Bist du jetzt verrückt geworden?"
T'svai drehte sich betont ruhig zu ihm um, ihr Gesicht verschlossen.
"Nein, ich bin nicht verrückt, Jim. Ich borge mir nur dein Schiff aus."
"Du borgst dir.. was ist mit der Mannschaft?"
"Keine Sorge. Es sind ja nur wenige an Bord. Fast alle schlafen und sind ebenso wie du in ihren Quartieren eingesperrt. Zwei Ingenieure musste ich mit dem Nackengriff überzeugen, dass sie zu müde zum Weiterarbeiten sind, aber sie werden sich wieder erholen. Um dir das mitzuteilen, habe ich dich kontaktiert. Ich weiß, dass du dir Sorgen um Crew und Schiff machst."
Kirk atmete auf, ließ sich seine Erleichterung aber nicht anmerken. "Wie gnädig von dir. Und was willst du mit der Enterprise? Heilkräuter sammeln?"
T'svai hob eine Augenbraue. "Natürlich nicht, Jim. Ich will nur ein paar vulkanische Kreuzer aus dem Orbit von She-ren vertreiben."
"Du willst WAS? Du wirst einen Krieg zwischen Vulkan und der Erde provozieren und was das bedeutet, wissen wir beide." Er versuchte, an ihr Gewissen zu appellieren.
"Nein. Die Föderation wird schnell merken, dass dieses Schiff entführt wurde. Und hoffentlich wird sie dabei aufmerksam auf die Missstände, die auf She-ren herrschen. Vulkan unterdrückt unsere Kultur, beherrscht unser Leben, unseren Luftraum und den Orbit, als wären wir ihre Sklaven."
"T'svai, das mag ja sein. Aber du begehst damit ein Verbrechen, du.." er erstarrte mitten im Satz, als ihm etwas klar wurde. "Du hast das von Anfang an geplant, oder? Man übernimmt nicht einfach so spontan ein Raumschiff ohne umfangreiche Vorbereitungen. Und du brauchtest Sicherheitscodes, die nur ich kenne. Das Schachspiel.. du hast mich damit ins Resort gelockt und bewusst verführt. Meine Gedanken gelesen. Du hast mich nur benutzt!"
T'svai schwieg eine Weile und starrte auf die Sterne, die auf dem Hauptschirm blinkten. "Das ist wahr Jim, und es tut mir leid. Vor allem, weil du mir nicht gleichgültig bist. Aber sein wir ehrlich, du hast mich doch genauso benutzt."
"Ich habe dich benutzt? Wie meinst du das? Ich habe dir nie eine Beziehung versprochen, wenn du darauf hinaus willst." verteidigte sich Kirk.
"Es war mir immer bewusst, dass du nur eine Affaire wolltest. Aber es ist mehr als das. Du hast mich nur begehrt, weil ich IHM ähnelte. Das ist mir inzwischen klargeworden. Du konntest oder wolltest keinen Schritt auf ihn zu machen, also hast du dir jemanden gesucht, der seine körperlichen Eigenschaften in sich vereint oder zumindest einen großen Teil davon. Als du meine Ohren liebkost hast, sah ich sein Gesicht in deinen Gedanken.. Natürlich erleichterte das meinen Plan erheblich." Sie lächelte traurig. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so weh tut."
Kirk schwieg betroffen. Er gestand sich ein, dass sie recht hatte. Er hatte beide, Spock und T'svai, verletzt, ohne es zu wollen. Er verhielt sich wie ein Elefant im Porzellanladen und trampelte auf den Gefühlen anderer herum. "Es tut mir leid, T'svai, lass uns.."
Sie drückte einen Knopf und die Videoverbindung brach zusammen.
***
Kirk saß erschüttert in seinem Sessel, das deaktivierte Terminal anstarrend. Wie konnte es nur so weit kommen? Und was konnte er tun, um dieses Drama zu beenden, bevor es zur Katastrophe kam?
Er war sich keineswegs so sicher wie T'svai, dass das hier friedlich ausgehen würde. An Bord vulkanischer Kampfkreuzer saßen keine Diplomaten, sondern Krieger, die vermutlich nicht viele Fragen stellten, bevor sie schossen. Und er bezweifelte, das T'svai allein das Schiff steuern und die Verteidigungsanlagen bedienen konnte. Bis irdische Schiffe den Kampf bemerkten und zur Hilfe kamen, konnte es zu spät sein. Wobei die Alternative, DASS sie rechtzeitig kamen und in den Kampf eingriffen, fast noch schlimmer war. Es konnte Vulkanier und Menschen zu Feinden machen und die Föderation spalten.
Nervös ging Kirk auf und ab und suchte nach Möglichkeiten, zumindest aus seinem Quartier herauszukommen. Da kam ihm eine Idee. Er hatte einen Phaser und konnte versuchen, eine Öffnung in die Wand zum Korridor zu brennen. Es würde eine Weile dauern, aber eine andere Möglichkeit sah er nicht.
Gerade als er anfangen wollte, spürte er unvermittelt ein Kribbeln in seinem Kopf. Er ließ den Phaser sinken, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Gefühl.
Kirk visualisierte, wie jemand seine Kabinentür öffnete und eintrat. Es war Spock. Ihm stockte der Atem, als er den Vulkanier vor sich sah. Er sah ihn nicht nur. Er empfand seine Empfindungen, erinnerte sich an seine Erinnerungen, dachte seine Gedanken. Spock träumte dieses Mal nicht und er schien alle geistigen Abschirmungen fallen gelassen zu haben. Kirk hatte Mühe, die Vielzahl an Eindrücken zu verarbeiten, die in immer schnellerer Geschwindigkeit auf ihn einprasselten. Sein Kopf dröhnte. "Stop!" rief er, innerlich und in Wirklichkeit, denn es fiel ihm schwer, beides getrennt zu halten.
Sofort verringerte sich die Flut an Informationen, die von Spock ausgingen. "Es tut mir leid, Captain. Es war unlogisch, Ihre menschlichen Kapazitätsgrenzen zu ignorieren." Kirk lachte. Er war so glücklich, Spock zu sehen und zu hören, dass er noch der Alte war. Trotz all dem Neuen, das er nun über ihn wusste. Wie gerne würde er ihn jetzt umarmen. "Das ist durchaus möglich, Jim." Spock trat auf ihn zu und legte seine Arme um ihn. Kirk spürte die Berührung nicht wirklich. Aber Zärtlichkeit. Und Sehnsucht..
"Wie kommt es, dass du plötzlich Kontakt aufnimmst, Spock? Du hattest offenbar schon lange eine Verbindung zu mir, sie aber immer verborgen." Eine Welle von Scham und Schuldgefühlen strömte ihm entgegen. "Es ist schon gut, Spock." wehrte Kirk ab. "Erklär es mir nur."
"Es war nicht meine Absicht, das Band zwischen uns herzustellen, Jim. Wie du weißt, musste ich vor einigen Monaten eine Geistesverschmelzung zwischen uns initiieren, um in dir belastende Erinnerungen an eine Mission zu löschen. Dabei sah ich gewisse Bilder von mir.. sehr eindeutige Bilder."
Wieder flossen Spocks Schuldgefühle durch die Verbindung. "Sie standen für Träume und Wünsche, die meinen eigenen entsprachen und in dieser Situation, durch unsere emotionale Übereinstimmung und die körperliche Nähe bildete sich selbstständig das Band. Ich versuchte es zu kappen, aber das bereitete mir Schmerzen und deine Mentalwerte sanken dabei auf ein gefährliches Niveau."
"So habe ich nur eine stabile Abschirmung errichtet und das Band bestehen lassen. Meine einzige Entschuldigung ist, dass ich nie versucht habe, es wirklich zu nutzen. Zum Beispiel, um mehr von dir zu erfahren, als du mir sagen wolltest. Das wäre wirklich unehrenhaft gewesen."
Spock fuhr fort, obwohl es ihm sichtlich schwer fiel: "Ich weiß, ich hätte mit dir reden sollen, einen Heiler hinzuziehen.. aber ich konnte nicht. Mir selbst einzugestehen, was ich für dich empfinde, fiel mir schwer genug, denn als Vulkanier sollte ich mehr Kontrolle über meine Gefühle haben. Aber es dir oder gar anderen zu offenbaren - das war mir unmöglich. Erst als ich heute aus meinem Traum erwachte und spürte, dass die Abschirmung von deiner Seite geöffnet worden war, dass du du also wissen musstest, wie es um mich steht, ging ich diesen Schritt."
Kirk nickte und gab Spock zu verstehen, dass er ihm nichts nachtrug. Er war erleichtert, dass wieder Ehrlichkeit und Klarheit zwischen ihnen herrschte. Er hatte gar nicht bemerkt, wie sehr ihn die Situation belastet hatte, doch nun fühlte er sich befreit. Alles andere, was sie beide persönlich betraf, musste warten.
"Spock, wo bist du jetzt?" Er spürte Verwunderung über den Themenwechsel im Vulkanier. Dann standen sie plötzlich in ihrem Ferienhaus auf Gamma II und Kirk sah Spock in seinem Zimmer auf dem Boden meditieren. "OK, du musst schleunigst Kontakt zur Sternenflotte aufnehmen."
Er wollte Spock gerade erklären, was in der Zwischenzeit passiert war, da fiel ihm ein, dass es ja viel einfacher ging. Er erinnerte sich gezielt an das Gespräch mit T'svai und fasste nach Spocks Hand, um ihn zu adressieren. Dabei ließ er auch die Szene nicht aus, in der T'svai ihn beschuldigt hatte, sie als Ersatz für Spock benutzt zu haben.
Spock zuckte unmerklich zusammen, dann nickte er. "Ich werde sofort das Sternenflottenkommando und den Föderationsrat kontaktieren. Ich habe ja versucht, dich zu warnen, diese She-ren sind unberechenbar und gehören dringend unter strengere Kontrolle."
"Ich glaube nicht, dass das eine Lösung des Problems wäre, Spock. Im Gegenteil, meinem Eindruck nach übt Vulkan zuviel Kontrolle auf seine Kolonie aus und sollte lieber akzeptieren, dass sich dort ein eigenständiges Volk entwickelt hat, das Wert auf seine Unabhängigkeit legt. Es hat einen ausgeprägten Stolz, der nicht zuletzt sicher auch in seinen vulkanischen Ursprüngen wurzelt."
Nachdenkliches Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, bis Spock die Verbindung beendete, um die Behörden zu informieren.
***
Doch Kirk konnte und wollte nicht ruhig abwarten, ob rechtzeitig eine diplomatische Lösung gefunden wurde. Er musste selbst handeln. Erneut hielt er den Phaser auf die Wand und begann nun, langsam ein kreisrundes Loch hineinzubrennen. Mit der Zeit wurde es immer heißer im Raum und er begann zu schwitzen. Schließlich hörte der Phaser auf zu strahlen, offenbar hatte der Emitter seinen Geist aufgegeben. Er warf ihn weg und trat mit einem Fuß nach dem, was an der Stelle von der Wand noch übrig geblieben war. Und wirklich, sie brach weg und der Weg durch die Öffnung wurde frei.
Kirk quetschte sich hindurch und fluchte über die erhitzen Ränder des Loches, die seine Uniform und Haut verbrannten. Aber das war jetzt unwichtig, er konnte nicht warten, bis sie sich abkühlten. Er sah sich vorsichtig auf dem Korridor um, aber wie zu erwarten, war niemand zu sehen. Er konnte nicht sicher sein, dass T'svai keine Komplizen hatte und war deshalb weiterhin auf der Hut, während er in Richtung Sekundärbrücke lief.
Denn das war sein Plan: Die Hauptsteuerung, die T'svai nutzte, zu deaktivieren und die Enterprise über die sekundäre Steuerkonsole aus der Gefahrenzone zu bringen.
Doch als er den Turbolift erreicht hatte, ging plötzlich ein gewaltiger Ruck durch das Schiff. Er wurde gegen die Wand geschleudert und fiel auf den Boden. Das Licht flackerte und der automatische Alarm begann zu schrillen. Offenbar hatten Kampfhandlungen begonnen, es blieb keine Zeit mehr. "Brücke" rief er instinktiv und der Lift setzte sich in Gang. Als die Türen sich öffneten, sprang er in einem weiten Satz heraus und sah sich hektisch um, ob T'svai ihn erwartete. Er wusste, er musste ihrem Nackengriff zuvorkommen, sonst hatte er keine Chance.
T'svai hatte anderes zu tun. Sie rannte zwischen den Konsolen herum und versuchte hektisch, die Systeme in Gang zu halten und Kontakt zu den drei vulkanischen Kreuzern aufzunehmen, die auf dem Hauptschirm zu sehen waren. Sie war schweissüberströmt. Kirk überlegte nicht lange, sondern stürzte an die Steuerkonsole und leitete ein Standardausweichmanöver ein, so dass der nächste Torpedo sie verfehlte.
T'svai sah zu ihm hinüber und Verblüffung stand in ihrem Gesicht. Zögernd nickte sie ihm dann zu. Für ein Gespräch hatten sie keine Zeit, denn die Kreuzer gingen erneut auf Angriffskurs und sie hatten alle Hände voll zu tun, sie abzuwehren. Wie lange konnten sie so noch durchhalten? fragte sich Kirk. Ihre einzige Chance war Flucht, aber die Vulkanier hatten offenbar anderes im Sinn und fingen jeden Fluchtversuch ab.
Plötzlich hörten die Kampfkreuzer auf zu feuern und drehten ab. Kirk konnte es kaum glauben. Bis er begriff, dass Spock rechtzeitig den Rat hatte informieren können. Und was überraschender war: der Rat hatte dieses eine Mal offenbar ohne bürokratische Zeitverzögerung reagiert und dem vulkanischen Geschwader Befehl zum Abzug gegeben.
T'svai fiel erschöpft in einen Sessel, verbarg das Gesicht in ihren Händen. Als sie aufsah, standen Tränen in ihren Augen. "Es tut mir leid, Jim. Ich wollte ein Zeichen setzen, aber ich weiß jetzt, dass es ein Fehler war." Sie sah auf den Hauptschirm. Ihr Heimatplanet war dort zu erkennen, seine Kontinente und Ozeane. Und vulkanische Schiffe, die ihn umkreisen. "Nicht meine Ziele sind falsch, aber was ich bereit war, dafür zu tun. Eigentlich wusste ich es schon von Anfang an, darum habe ich auch keinen meiner Freunde hineingezogen. Aber ich war verzweifelt."
Kirk ging zu ihr hinüber und nahm ihr als erstes den Phaser ab, was sie willenlos geschehen ließ. Dann sagte er "T'svai, ich werde alles versuchen, damit die Föderation sich mit den Zuständen auf She-ren beschäftigt. Vielleicht kann ich etwas erreichen, du weißt, ich habe Einfluss und Beziehungen. Aber dass du vor ein Gericht kommst, kann ich nicht verhindern." Die Vulkanierin nickte resigniert und ließ sich von ihm in eine Arrestzelle führen.
Danach kehrte er auf die Brücke zurück, loggte sich im Zentralcomputer ein und entriegelte die Mannschaftsquartiere. Über das Intercom informierte er die anderen darüber, was passiert war und dass sie außer Gefahr waren. Er lehnte sich in seinem Kommandosessel zurück und fühlte sich endlich wieder als Herr über sein Schiff.
***
Als sie in den Orbit von Gamma II zurückkehrten, erwartete sie ein Feuerwerk an Funksprüchen. Natürlich war bemerkt worden, dass die Enterprise vorzeitig den Raumhafen verlassen hatte und es herrschte Chaos. Kirk konnte die Wogen glätten und gleich neue Reparaturaufträge vergeben, denn das Schiff hatte im Kampf einige Schäden erlitten. Sie würden noch mehr Zeit auf Gamma II verbringen müssen, was ihm nicht wirklich leid tat.
Er saß in seinem Quartier und wollte gerade die Sternenflotte kontaktieren, um neue Befehle entgegenzunehmen. Da öffnete sich die Tür und Spock trat ein. Sein Spock, dieses Mal in Fleisch und Blut.
Kirk stand auf und konnte nichts sagen oder denken. So viel stand jetzt zwischen ihnen, soviel verband sie. Er trat auf den Vulkanier zu, sah fragend in seine Augen. Dann fielen sie sich gleichzeitig in die Arme. Die Umarmung übertraf jede Vorstellung, die er sich zuvor davon gemacht hatte. Er spürte Spocks körperliche und seelische Kraft, fühlte sich beschützt und geborgen. Die Sorgen der vergangenen Tage fielen von ihm ab, nichts konnte ihm mehr etwas anhaben.
Als Kirk den Kopf hob, sah er die verlockend schmalen Lippen des Vulkaniers vor sich und konnte nicht anders, als sie zu berühren. Einen Moment lang spürte er, wie Spock seinen Kuss erwiderte, sich fallen lassen wollte. Doch mit einer enormen Willensanstrengung drückte der Vulkanier ihn wieder von sich.
"Was ist los, Spock?" fragte Kirk atemlos. Er wusste doch, wie sehr ihn der Vulkanier wollte. Warum machte er nun wieder einen Rückzieher?
Spock sah ihn an, Traurigkeit in den Augen, die wohl außer Kirk niemand hätte erkennen können, denn die Miene des Vulkaniers blieb gewohnt ungerührt. "Captain.. Jim. Ich weiß, dass du mich begehrst, schon seit Monaten. Die Geistesverschmelzung damals, von der ich dir berichtete, hat es mir gezeigt. Aber es hat dich nicht daran gehindert, dich mit anderen Personen zu vereinen, T'svai war nur eine davon. Vor mir bist du geflohen und anderen hast du deinen Geist und Körper geradezu wahllos zur Verfügung gestellt. Warum?"
Kirk strich nervös sein Haar zurück. Er wusste, er musste jetzt ehrlich sein, sonst hatten sie keine Chance. "Es ist mehr als Begehren, Spock. Ich denke, ich liebe dich. Auch wenn ich früher einmal glaubte, das könnte mir nie passieren. Ich fühle mich nur in deiner Nähe vollständig, ich vermisse dich, wenn wir getrennt sind. Als Freund und Offizier bist du immer an meiner Seite."
Er dachte an all die Momente, wo Spock ihm beigestanden, einige Male sogar sein Leben gerettet hatte. An all die Stunden ihrer begrenzten Freizeit, die sie miteinander verbracht hatten. Selbst Schweigen war nie unangenehm zwischen ihnen, er fühlte sich immer wohl in Spocks Nähe.
"Aber was geschieht, wenn wir ein Paar werden? Beruf, Freundschaft und Liebe würden sich vermischen. Und du weißt, wie es in Beziehungen läuft, es gibt immer mal Streit, der sehr verletzend sein kann. Auch eine Trennung liegt im Bereich des Möglichen. Könntest du mich in solchen Situationen noch als Captain akzeptieren, meine Befehle befolgen? Würde unsere Freundschaft das überstehen? Ich habe Angst, dich zu verlieren, Spock."
Spock atmete tief durch. "Ich werde mich niemals von dir trennen, Jim. Daran gibt es für mich keinen Zweifel. Du bist mein T'hy'la, das bedeutet für Vulkanier Zusammengehörigkeit bis in den Tod und darüber hinaus. Wenn deine Liebe für mich einmal endet, würde mir das Schmerzen bereiten, aber es würde nichts ändern. Nichts an meiner Liebe, nichts an meiner Freundschaft und nichts an meiner Loyalität dir gegenüber."
Er zog Kirk erneut in seine Arme und umschloss ihn mit der Nähe und Sicherheit, die er brauchte. Sie küssten sich und dieses Mal gab es nichts mehr, was sie trennte. Ihre Zungen berührten und umschlangen sich. Ihre Körper drängten sich aneinander. Fieberhaft entkleideten sie sich, suchten die nackte Haut des anderen. Spock hob Kirk hoch, legte ihn sanft, aber bestimmt auf das Bett. Er erkundete mit seiner Zunge und Händen den menschlichen Körper, den er bisher nur aus Träumen kannte. "T'hy'la" flüsterte er voller Zärtlichkeit und Verlangen.
Da nahm Kirk Spocks Hand und führte sie an sein Gesicht. "Komm zu mir" bat er. Spock fand sofort die Verschmelzungspunkte und ließ all seine Erregung in die Verbindung fließen. Er fühlte, wie Kirk unter ihm erbebte und sich stärker an ihn drückte, fordernd und ungeduldig. Zuerst tröpfelnd, dann in einem immer stärker werdenden Strom überflutete nun Kirks Lust den Geist von Spock. Die Intensität der Übertragung überraschte den Vulkanier. Er hatte nicht erwartet, dass ein Mensch dazu fähig war.
Kirks Gefühlsstrom nahm weiter zu und wenige Sekunden später konnte Spock nicht mehr denken. Er stand in Flammen. Seine Hormone wallten, sein Penis war hart wie Stein, alle Muskeln waren angespannt. Er bewegte sich wie suchend auf dem nackten Körper seines Partners, sich an ihn pressend, sich verzehrend vor unendlicher Begierde und nur noch zurückgehalten von einem letzten Faden der Sorge, dem Menschen weh zu tun. Kirk spürte unbewusst dieses Hemmnis und er schrie durch ihr Band "KOMM!".
Der Faden zerriss und Spock drang in ihn ein. Kirk nahm ihn in sich auf, fühlte den Schmerz, aber er war willkommen. Sie waren vereint, in Geist und Körper. Endlich. Er hatte die Augen geschlossen, doch er sah Spock vor sich, vertraut und so nah wie noch nie. Sie bewegten sich im Einklang, jedes Gefühl gleichzeitig wahrnehmend, jeden Wunsch spürend, bevor er formuliert war.
Der anfängliche Schmerz war längst lustvollen Empfindungen gewichen, die mit jeder Bewegung Spocks zunahmen. Sie taumelten auf den Höhepunkt zu und als Kirk fühlte, wie er kam, nahm er Spock mit auf die Reise. Ihre Körper zuckten, ihr Sperma ergoss sich. Wogen der Ekstase umspülten ihr mentales Band.
Das Band veränderte sich in diesem Moment, es öffnete sich weiter in beide Richtungen und verstärkte seine Verankerung im Geist des Menschen und dem des Vulkaniers. Sie bemerkten es mit Freude, aber sie waren zu überwältigt und erschöpft von ihrer Vereinigung, um sich darüber auszutauschen. Fest umschlungen fielen sie in einen tiefen Schlaf.
***
Als Kirk am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich körperlich gerädert, aber zufrieden und ausgeglichen wie noch nie in seinem Leben. Leider war er allein im Bett. Hatte Spock schon seinen Dienst angetreten? Zuzutrauen war es ihm, obwohl er nicht offiziell eingeteilt war. Ob er sich auf der Brücke befand?
Kirk hatte sich diese Frage nur rhetorisch gestellt, doch es bildete sich eine Antwort in seinem Geist: Spock war in einer Arrestzelle. Kirk war sich darin sicher und er ahnte, dass diese Information aus ihrer Verbindung stammte, obwohl er nicht bewusst einen Kontakt initiiert hatte.
Aber was tat Spock in der Arrestzelle? Darauf bekam er keine Antwort und er machte sich Sorgen. Eilig zog er eine Uniform an und verließ sein Quartier. Er begegnete unterwegs mehreren Besatzungsmitgliedern, die ihn über die Geschehnisse des letzten Tages befragen wollten, aber er vertröstete alle. Er würde später im Konferenzsaal eine offizielle Ansprache vor der gesamten
Mannschaft halten, dann musste er nicht alles immer wieder neu erklären.
Bei den Arrestzellen angekommen, eilte er auf diejenige zu, in der T'svai eingesperrt war. Er hoffte, dass Spock ihr nichts antat, obwohl er das seinem Geliebten eigentlich nicht zutraute. Aber er wusste nun, zu welchen starken Emotionen der Vulkanier fähig war. Als er an der Zelle angekommen war und hineinschaute, legte sich ein breites Lächeln über sein Gesicht.
T'svai und Spock saßen sich gegenüber, zwischen ihnen stand ein dreidimensionales Schachbrett. Spock zog gerade eine Augenbraue hoch und überdachte offenbar seinen nächsten Zug. Was mochte den Vulkanier dazu bewegt haben, seine Meinung über die junge Frau zu ändern? Sie würden später darüber sprechen. Kirk schloss das Bild der She-ren und des Vulkaniers, die freundschaftlich an
einem Tisch saßen, in sein Herz ein. Es machte Hoffnung für die Zukunft der beiden Völker.
Er begab sich glücklich auf den Weg zur Brücke und schickte dabei einen spontanen Gedanken an Spock. "Ich würde gern mit dir zusammen noch ein paar Tage auf Gamma II verbringen. Was meinst du dazu?"
Kurz darauf fühlte er die Antwort.
"Ich werde da sein, Jim."
ENDE
