Kapitel 4: … in der die Rettung kommt.

Ich weiß nicht, wie lange ich, auf den Fremden niederblickend und ihm hin und wieder den Schweiß von der Stirn wischend, dasaß. Irgendwann hörte ich leise Stimmen und Schritte, die näher kamen.

Zu meiner großen Erleichterung waren es Remus und Tonks, die gekommen waren, um mich abzuholen. Die Schlacht und der Krieg waren vorbei. Der Dunkle Lord endgültig besiegt.

Remus und Tonks kamen näher, blieben aber ruckartig stehen, als sie das Gesicht des Mannes vor mir sahen.

„Er lebt noch?" fragte Remus. Ich nickte. „Ja, gerade noch so. Er braucht dringend einen blutbildenden Trank. Irgendeine große Schlange muss ihn gebissen haben und er hat viel Blut verloren. Zum Glück konnte ich das Gift neutralisieren. Du hast mir nicht zufällig neben der Murtlap-Essenz auch noch ein Gegengift in meine Tasche gesteckt?"

Remus schüttelte den Kopf und zog seinen Zauberstab. Er flüsterte ein „Mobilicorpus" und der Mann begann zu schweben. Sein Griff um meinen Arm lockerte sich nur kurz, dann wurde er wieder fester, obwohl der Mann nach wie vor Bewusstlos war.

Während wir gemeinsam zum Schulgebäude liefen, fragte ich Tonks, ob sie den Mann kannten. Ihrer Reaktion nach musste das der Fall sein. Dora nickte und brummte ein „Snape".

Dies war also der berüchtigte Professor Severus Snape. Der aktuelle Schulleiter, Mörder des ehemaligen Schulleiters Albus Dumbledore und Todesser. Er war es aber auch, der mir einige Bücher zukommen hatte lassen, die mir in den letzten Stunden hilfreich waren; der es mir ermöglicht hatte, in Hogwarts bleiben zu können und Unterricht zu bekommen. Und ich könnte fast wetten, dass er es auch war, der mir das Gegengift zugesteckt hatte, auch wenn ich nicht wusste, wie er das getan hatte.

„Wer ist eigentlich Evans?" wollte ich dann noch wissen.

„Warum willst du das wissen?" fragte Remus überrascht.

„Als er kurz bei Bewusstsein war und mich ansah, sagte er diesen Namen", erklärte ich.

„Oh! Nun, Evans war der Mädchenname von Harrys Mutter" antwortete Remus und sah mich kurz an. „Irgendwie siehst du ihr sogar ein wenig ähnlich – rötliche Haare, grüne Augen …"

„Aha. Nun, wenn er mich mit ihr verwechselt hat, würde es zumindest das", ich deutete auf seine Hand, die meinen Arm immer noch umklammerte, „erklären."

Ich wollte noch hinzufügen, dass meine Ähnlichkeit – zumindest was die Haarfarbe betraf – in zwei Wochen nicht mehr ganz zutraf. Ich hatte meine Haare nämlich mit einer Muggel-Tönung behandelt und diese sollte in zwei Wochen rausgewaschen sein.

Ich sagte es jedoch nicht. Wir hatten Hogwarts erreicht und mir verschlug es die Sprache. Lupin und Tonks hatten versäumt, mich auf den Anblick vorzubereiten. Der Krieg war gewonnen, aber zu welchem Preis?

Schweigend gingen wir an den Toten vorbei. Es waren viele … so viele! Einige von ihnen kannte ich. Ich spürte, wie mir die Tränen kamen. Wie musste es erst für die anderen sein, die sie so viel besser gekannt hatten als ich?