Auch hier entschuldige ich mich dafür, dass es so lange dauerete, doch wie gesagt, ein Rechnerproblem. Viel Spaß mit dem Kapitel:

4. St. Mungos

Der Taxifahrer staunte nicht schlecht, als sie mitten auf der Landstrasse noch vor dem Ort ausstiegen, doch er sagte nichts und fuhr davon. Die Beiden gingen ein Stück die Straße entlang, bis die Hecken den Einblick nahmen, und disapparierten nach Hause.

Im House of Seven Ways angekommen, half Neville Doro den Abend über bis spät in die Nacht beim Auspacken. Da Doro gleich die richtigen Plätze für ihre Habseligkeiten finden wollte, war es weit nach Mitternacht, bis die beiden ins Bett gingen.

Diesmal schlief Neville ohne den Trank ein, auch wenn er sich leise in den Schlaf weinte, aber er wollte sich nicht mehr ständig betäuben. Er musste sich seiner Trauer stellen.

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Der Hauself räumte gerade das Frühstücksgeschirr ab, als Neville nochmals in die Küche kam.

„Moory, Trevor ist wieder verschwunden. Wenn einer diese törichte Kreuzkröte findet, sperrt ihn bitte wieder in das Bassin in meinem Zimmer. Wir gehen jetzt meine Eltern besuchen und danach in die Winkelgasse einkaufen."

„Sir, Sie brauchen sich nicht bei mir abzumelden, nicht bei einem Hauselfen", antwortete der Angesprochene höflich.

„Ich weiß Moory, trotzdem …" Neville lächelte kurz und ging wieder zurück in die Halle.

„Kommst du endlich? Wenn wir nach dem Einkaufen noch ins St. Mungos wollen, müssen wir los." Dorothy stand ungeduldig neben dem Kamin und zupfte an ihren Haaren.

„Bin doch schon da. Trevor ist wieder weggelaufen."

„Sei doch nicht immer so oberehrlich, Neville. Du musst nicht jedem auf die Nase binden, was passiert ist. Sage doch einfach,Ich hatte etwas zu erledigen.' Damit sind die meisten zufrieden und man kann damit kleine Missgeschicke kaschieren."

„Man könnte meinen, du warst in Slytherin", scherzte Neville und lächelte seine Cousine an.

„War ich ja auch. Und jetzt komm." (B/N: OH!)

Neville war überrascht; das hatte er nicht gewusst. Dorothy war in Slytherin gewesen? Er hatte sie nie gefragt, doch aus irgendeinem Grund war er immer davon ausgegangen, sie sei ebenfalls eine Gryffindor.

Die Beiden flohten ins St. Mungos Hospital in ein eigens dafür vorgesehenes Zimmer. Zwei Auroren saßen auf Stühlen und spielten Karten.

„Die Herren haben eine seltsame Auffassung von Pflichtbewusstsein", rügte Doro die beiden.

„Hallo, McDonough, was machst du denn hier? Treibst du dich in deinem Urlaub im St. Mungos rum?", scherzte ein älterer Mann mit mausgrauem Haar. Er untersuchte Doro und Neville auf Anzeichen des Imperius Fluches oder des Vielsafttrankes.

„Alles in Ordnung, ihr könnt gehen."

Doro öffnete die Tür und Neville folgte ihr in die Eingangshalle. An der Tür zur Straße standen ebenfalls zwei Auroren, die ankommende Besucher und Patienten kontrollierten.

„Gehst du vor? Ich weiß nicht genau, wo Alice und Frank liegen." Doro machte ein etwas schuldbewusstes Gesicht und zuckte mit den Schultern. Neville übernahm die Führung und stieg schweigsam die breite Steintreppe hinauf.

Jeder Schritt schien ihm anstrengender und mühevoller zu sein als der vorherige. Was sollte er seinen Eltern sagen? Normalerweise hatte seine Gran die Gespräche geleitet. Genau genommen war er nie alleine mit seinen Eltern gewesen. Wie konnte er nur solch eine Memme sein? Hatte er tatsächlich Angst, zu seinen eigenen Eltern zu gehen? Entschlossen beschleunigte er seine Schritte, ging den Flur entlang, klopfte an der Tür und trat dann ein.

Sein Vater saß auf seinem Bett und starrte mit leerem Blick an die Wand. Alice Longbottom hingegen blickte aus einem der magischen Fenster, die einen großen, schönen Park zeigten.

‚Irgendwann wirst du so etwas wieder in natura sehen, das verspreche ich dir, Mum.' Neville musste seine Zornestränen bekämpfen.

Als er neben seine Mutter trat, wendete sie ihren Kopf auf und sah ihn an.

„Hallo Mum, schön, dich zu sehen; Dorothy ist dabei. Du weißt, Tante Maggies Tochter", grüßte Neville etwas steif. Doch als er ihr dann tief in die Augen sah, rann eine Träne seine Wange hinab und er umarmte sie herzlich.

‚Das ist alle so ungerecht, Mum, so ungerecht.'

„Frank, Alice", grüßte Doro kurz, die anscheinend auch nicht genau wusste, was sie tun oder sagen sollte.

Neville ließ seine Mutter los und umarmte seinen Vater, der die Liebkosung nicht erwiderte und auch sonst keine Notiz von den Besuchern zu nehmen schien.

„Dad, Mum, ich muss … ich muss euch etwas sagen. Gran … sie … sie ist …", er kämpfte tapfer gegen seine Tränen, doch sie liefen dick und schwer über seine Wangen. „Gran ist tot", stieß er schließlich hervor.

Er löste sich von seinem Vater, dem eine einzelne Träne aus dem Auge trat.

„Er scheint dich verstanden zu haben, Neville", flüsterte Doro leise.

„Oder seine Augen waren trocken vom ständigen an die Wand Starren. Verflucht seien sie, die Monster, die ihnen das angetan haben." Wütend ballte er die Fäuste.

Alice war indes neben Neville getreten und streckte ihm eines der kleinen Bonbonpapierchen hin, die sie ihm jedes mal schenkte - die, die er jedes Mal annahm und zuhause in einer Kiste vor seiner Großmutter versteckte.

„Soll ich es wegwerfen?", fragte Doro.

Neville biss sich auf die Unterlippe, bis er Blut schmeckte und schüttelte dann langsam den Kopf.

„Es ist doch das Einzige, was sie mir geben kann", sagte er sehr, sehr leise, doch Doro verstand. Sie fuhr ihm sanft über die Wange.

„Du solltest ihnen alles erzählen, was geschehen ist, in letzter Zeit", ermutigte sie ihn.

„Albus Dumbledore wurde ermordet", begann Neville ungestüm. „Dann ist das Chaos ausgebrochen. Jeder misstraute jedem. Alle erwarteten, dass die Todesser gleich noch einmal zuschlagen würden. Doch es tat sich nichts. Bis jetzt kam kein erneuter Anschlag."

„Wir wissen aber noch nicht, was wir davon halten sollen", fügte Doro hinzu. „Viele befürchten, dass sie sich für einen großen Angriff rüsten. Minister Scrimgeour hat die Sicherheitsmassnahmen stark erhöht. Die Winkelgasse und das St. Mungos sind abgesichert und mit Apperierschutzzaubern blockiert. In Hogsmead und Hogwarts sind Auroren stationiert und der Minister hat zwei Trolle als Leibwächter."

Kurz schwiegen alle, dann fuhr Neville fort.

„Doro wohnt jetzt bei mir, bis ich einundzwanzig werde, es war Grans Idee … und ich bin froh darum. Dann bin ich nicht so alleine."

„Zumal noch immer nicht feststeht, ob Hogwarts wiedereröffnet wird", fügte Doro hinzu.

„Nein, stimmt das? Davon wusste ich noch gar nichts. Sie wollen Hogwarts nicht mehr öffnen? Aber weshalb?"

„Minister Scrimgeour fürchtet, dass ein erneuter Angriff auf die Schule erfolgen könnte, um die Kinder zu entführen. Eltern, die Angst um ihre Kinder haben, lassen sich leicht lenken."

Neville seufzte und setzte sich auf einen der Stühle.

‚Am liebsten würde ich euch auch sofort mit nach Hause nehmen, dann wüsste ich, dass ihr in Sicherheit seid.'

Die Tür öffnete sich und die für seine Eltern zuständige Heilerin trat ein. Die blonden Haare streng zurückgekämmt, was ihrem spartanischen Aussehen noch mehr Autorität verlieh, lächelte sie kurz.

„Gut, sie zu sehen, Mister Longbottom, es wären da einige Dinge zu klären."

„Mrs Bluefirth", grüßte Neville höflich.

Die Hexe nahm sich einen Stuhl und setzte sich zu Neville.

„Ihrem Vater geht es … sagen wir, es geht ihm seit einiger Zeit schlechter. Wir wissen nicht genau, woran es liegt. Wir Heiler gehen davon aus, dass er dem Cruciatusfluch länger ausgesetzt war als ihre Mutter. Doch nun fällt uns nichts mehr ein … außer …"

Sie sah Neville an und er konnte erkennen, dass sie abwog, wie sie ihm ihre Erkenntnis am besten mitteilen konnte.

„Außer?", fragte er schließlich zaghaft, aber doch neugierig.

„Wir schlagen vor", sie senkte verschwörerisch ihre Stimme, „eine Muggelmethode ausprobieren."

Etwas unschlüssig starrte Neville sie an. War das nun gut oder nicht? Wie sollte er entscheiden, was die Heiler taten … wenn es das Falsche wäre, hätte er Schuld an den Folgen. Wenn es seinem Vater dann schlechter ginge oder er gar … nein, daran wollte er nun wirklich nicht denken.

Er bemerkte, dass Mrs Bluefirth immer noch auf dem Stuhl saß und ihn fragend ansah.

„Was könnte denn schlimmstenfalls passieren, wenn die Therapie nicht wirkt?" Eigentlich wollte er mit dieser Frage nur noch etwas Zeit zum Nachdenken gewinnen, doch die Antwort löste sein Problem.

„Wenn die Therapie nicht anschlägt, passiert gar nichts. Es geht Ihrem Vater dann einfach nicht besser."

„Weshalb fragen Sie mich dann, ob Sie diese Möglichkeit ergreifen sollen? Natürlich, ich möchte doch, dass es meinen Eltern so gut als irgend möglich geht."

„Viele Zauberer würden sich oder ihre Angehörigen nicht mit Muggelmethoden therapieren lassen …", antwortete Mrs Bluefirth lächelnd.

„Dann sind sie dumm", sagte Neville bestimmt. „Tun Sie alles Mögliche, um meinen Eltern zu helfen, egal ob magisch oder nicht."

Die Heiler sah ihn erfreut an und erhob sich, um zu gehen.

„Danke, Mister Longbottom, an ihnen könnte sich manch ein Zauberer eine Scheibe abschneiden."

Neville sah sie geschockt an. Die Heilerin lachte.

„Das ist nur ein Muggelsprichwort, keine Angst. Ich muss nun aber weiter, auf Wiedersehen!"

„Wir sollten auch langsam gehen, wenn wir noch in die Winkelgasse möchten", meldete sich Doro, die sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten hatte.

Sie verabschiedeten sich von Alice und Frank mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen, und verließen das Zimmer.

„Was hältst du davon, wenn wir in die Winkelgasse apperieren? Dann müssen wir uns nicht durch Muggellondon kämpfen."

„Aber Doro! Wir können doch nicht einfach vor aller Augen verschwinden." Neville musterte ihr Gesicht, und sie grinste verschlagen.

„Das ist der Vorteil, wenn man Auror ist. Meine Zauber werden nicht überprüft. Wir werden einfach in die kleine Seitenstraße gehen, die direkt hinter dem St Mungos liegt. Dort ist kein Durchgangsverkehr. Schau mich nicht an, als hätte ich plötzlich lila Augen, komm!"

Neville und Doro verließen das St Mungos durch die Eingangstür. Sie gingen ein Stück die Straße entlang, liefen um die Ecke und bogen dann in die kleine Seitengasse ab, von der Doro gesprochen hatte. Dort gab es nur Lagergebäude und selbst die hatten nur ganz kleine, teils blinde Fester. Somit konnten sie ungesehen verschwinden. Kurz sahen sie sich um und als niemand zu erspähen war, disapparierten sie gemeinsam.

tbc