- Violet –
„I'm comin' up, so you better get this party started!", sang ich vor mich hin, denn endlich, ENDLICH war der Unterricht vorbei und alle machten sich bereit für unsere große Party! Auch in unserem Schlafsaal herrschte schon ein reges Treiben, denn jeder war damit beschäftigt, seine Outfits anzuziehen. Ich war schon beinahe fertig, nur noch die Haarfarbe musste ich mir überlegen.
Ich trug nämlich meine Haare hochgesteckt und gepudert, mit einer riesigen knallpinken Schleife und einer Sternchenhaarspange darin, dazu einen pinken, mit einer Schleife besetzten Halsreif, Sternchenohrringe in hellblau, ein hellblaues Korsett mit dazu passenden Puffärmeln und beides mit dunkelblauen Rüschen, wobei die Schleife von Korsett von einem frühlinghaften Grünton war. An meinen Armen fanden sich außerdem bunt gestreifte, mit Rüschen besetzte Armwärmer und ergänzt wurde das Outfit durch einen türkisfarbenen, vorne kurzen, hinten langen Rock mit roten Herzchen, wobei hinten, nah am gerüschten Saum, die karierten Worte „ROCK ON!" eingestickt waren und karierten Schleifchen an den Übergangsrändern. Meine Beine waren bedeckt durch ebenfalls bunt gestreifte Strapse und an meinen Füßen fanden sich karierte, mit Schleifchen besetzte Absatzschuhe. Nach kurzer Überlegung bekamen meine Haare einen himmelblauen Ton verpasst, durchsetzt mit roten Strähnchen.
Zufrieden blickte ich in den Spiegel und drehte mich dann um, um die Outfits der anderen zu betrachten.
Trixie hatte es tatsächlich geschafft, dem Motto und ihrem persönlichen Style gleichermaßen eins-a gerecht zu werden: Sie trug einen schwarzen, sehr ausgepolsterten und zudem sehr kurzen Rüschenrock, der gerade so ihren Hintern überdeckte, darunter eine Netzstrumpfhose und Stiefel ganz im Stil der Barocks, sie reichten bis zur Hälfte ihrer Oberschenkel und waren über und über mit schwarzen Rüschen bedeckt, wobei ihr Absatz circa zehn Zentimeter betrug. Als Oberteil trug sie (natürlich) eine Corsage, die aus dem gleichen Material wie ihre Schuhe (kein Lebewesen hatte für die Herstellung leiden müssen) gefertigt war und durch ein Netzoberteil mit ihren Samthandschuhen, die reichlich über die Ellebogen reichten, verbunden war. Auf ihrem noch weißer als gewöhnlich gepudertem Dekollteé, das durch die Korsage sehr hervorgehoben wurde, hangen etliche Kreuze und andere Symbole an Samtbändern um ihren Hals, auch trug sie massenweise schwere Ringe über ihren Samthandschuhen. Ihre Haare hatte sie hochtoupiert und in zwei gewaltigen Zöpfen an die Seiten stehen lassen. Geschminkt war sie wie üblich, nur dass sie den roten Lippenstift mit schwarzem Rand, den Eyeliner und natürlich die weiße Foundation noch breiter, extremer und übertriebener aufgetragen hatte, als gewöhnlich schon. Außerdem hatte sie schwarzen Eyeshadow aufgetragen und ihrer makellosen Fassade hier und da ein paar Schönheitsflecken verpasst, so dass sie noch blasierter aussah. In der linken Hand trug sie eine kleine, runde Handtasche, in der Linken einen niedlichen Schirm; beide Accessoires waren aus dem gleichen Stoff gefertigt wie Corsage und Schuhe. Alles in allem erinnerte ihr Aufzug an eine feine, reiche Vampirlady.
Und Em... „Em, du hast doch nicht ernsthaft gedacht, dass ich dich in deinem üblichen Outfit zur Party gehen lasse, oder?" Zögernd drehte sie sich um, die Verzweiflung sah man ihr dabei deutlich an. „Jetzt zier dich doch nicht so, das wird lustig!", mit diesen Worten zog ich sie zu meinem Koffer, wo sie sich ängstlich umblickend auf den Boden setzte. Ich tauchte immer weiter in meinen Koffer, bis ich schließlich bis zur Taille darin versunken war und siehe da, da fand ich auch schon das richtige Outfit! Für mich wäre diese Kombi natürlich viel zu harmlos und langweilig gewesen, aber für Em war es genau das Richtige! Unter anfänglichen Protesten ihrerseits begann ich sie einzukleiden... Noch ein bisschen hier, ein bisschen da... Ein bisschen Make-Up... Hier noch die Haare... Perfekt! So war unser nun knallrot angelaufenes Häschen bestens gerüstet für die Party. Jetzt konnte der Spaß richtig losgehen!
Die letzte, die ich ansah, als ich mit den anderen fröhlich singend und tanzend aus dem Raum ging, war Clarissa. Sie hatte ein eigentlich gar nicht mal so übles Kleid an; es war ein altes Barockkleid, mit ganz vielen kleinen Rüschen. Die Hüfte, welche bei ihr nicht vorhanden war, betonte sie ganz besonders mit der dazu passenden Korsage. Besonders die Farbe störte mich an diesem Kleid: es war neon-pink!!!!! Abgesehen von den paar weißen und leicht ins lila gehenden Rüschen war sie wie ein umherwanderndes Partylicht - also schrecklich! Zudem war ihr Ausschnitt so tief, sodass man ohne Probleme bis zu ihrem Bauchnabel sehen konnte. Ich würde sagen: Thema total verfehlt, aber ich musste sie zur Party lassen, sie war ja in unserem Haus.
– Emiley –
„Darf ich mich zu euch setzen?"
Ich hatte ein paar Minuten gebraucht, um mich zu Natalja und Jonathan durchzukämpfen, und ein paar weitere, bis ich mich dazu entschließen konnte, ihnen diese Frage zu stellen. Natalja hatte mir zwar oft genug versichert, dass sie und er nur als Freunde auf die Party gingen – ich hatte ihr allerdings schon beim ersten Mal aufs Wort geglaubt, ganz im Gegensatz zu Violet und Trixie –, aber trotzdem konnte ich nicht anders, als mich wie ein Eindringling zu fühlen. Sicherlich störte ich die beiden nur, denn mit Jonathan hatte ich in meinem bisherigen Leben vielleicht drei Sätze geredet. Zu meiner großen Überraschung lächelten sie mich jedoch beide freundlich an und rückten auf ihrer Sitzbank ein bisschen zusammen, um Platz für mich zu schaffen.
„Danke", murmelte ich und lief rosa an, was man bei dem Schummerlicht, das im Raum der Wünsche herrschte, zum Glück nicht bemerkte. Selbst ich musste anerkennen, dass meine beiden partyverrückten Freundinnen ganze Arbeit mit der Dekoration geleistet hatten – beziehungsweise die Horde von Dritt- und Viertklässlern, die ihnen einen Großteil davon mit Freuden und auch noch freiwillig abgenommen hatten. Trotzdem konnte ich mich nicht richtig entspannen. Ich machte mir nun mal nicht viel aus Partys: Man hörte laute Musik (die ich meistens nicht mochte), tanzte (was ich nicht konnte), ließ sich von anderen Leuten anstarren (die sich vermutlich fragten, was man auf dieser Veranstaltung zu suchen hatte) und betrank sich (was ich noch nie gemacht hatte, insofern also nicht beurteilen konnte). Sprich: Leute wie ich sollten sich an diesen Abenden am besten in ihrem Bett verkriechen und sich die Decke über den Kopf ziehen. Nicht, dass ich das früher nicht versucht hätte, aber nach all den Jahren wusste ich, dass es keinen Zweck hatte. Diese Party versprach jedoch von Anfang an schlimmer als je zuvor zu werden, was hauptsächlich daran lag, dass Violet meinen Versuch vereitelt hatte, in Jeans und Kapuzenpulli runterzugehen. Es war nur eine Sache von Sekunden gewesen: Hätte Clarissa nicht in diesem Moment die Badezimmertür aufgerissen und wäre in den Raum stolziert, hätte Vio sich nicht zu mir umgedreht und ich hätte ungehindert durch die Tür verschwinden können. Jetzt saß ich hier und trug stattdessen ein blaues Kleid, das zugegebenermaßen hübsch aussah, aber an mir die reine Verschwendung war. Und es war kurz. Viel zu kurz. Ich war ununterbrochen damit beschäftigt, es runterzuziehen. Und dass Vio mir auch noch eine Ladung Make-up verpasst hatte, machte die Sache nur noch schlimmer, denn jetzt musste ich krampfhaft aufpassen, die Wimperntusche nicht zu verschmieren.
„Wollt ihr was trinken?", schreckte mich Trixies Stimme aus meinen Gedanken. Sie war scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht und bot uns nun ein Tablett an, auf dem Becher mit einer undefinierbaren Flüssigkeit darin standen.
„Trixie, du weißt doch, dass ich keinen Alkohol vertrage", sagte Natalja geduldig und lächelte entschuldigend.
„Klar weiß ich das." Trixie verdrehte die Augen. „Deshalb frage ich euch doch, verdammt."
Natalja, Jonathan und ich warfen uns zweifelnde Blicke zu, dann griffen wir alle nach einem der Becher.
Ich nahm einen Schluck von dem Zeugs. Es schmeckte eklig, und an Nataljas Gesicht konnte ich sehen, dass sie dasselbe dachte.
„Schmeckt's euch nicht?", fragte Trixie und in ihrer Stimme klang Enttäuschung mit. „Ist eine Eigenkreation von Vio und mir."
Ich brachte es einfach nicht über's Herz und das war der Fehler. Anstatt ihr das Zeugs dankend zurückzugeben, würgte ich ein „Dochdoch, ist lecker" heraus und kippte den Inhalt des Bechers mit Todesverachtung in mich herein. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Natalja dasselbe tat.
Mit leicht zittrigen Händen stellte ich meinen Becher zurück auf ihr Tablett. „Super!", strahlte Trixie. „Dann viel Spaß noch!" Und mit diesen Worten verschwand sie wieder in der tanzenden und hüpfenden Menge.
In meinem Kopf drehte sich alles. Und nicht nur meine Gedanken wirbelten ziemlich wirr umher, sondern auch der ganze Raum schien plötzlich zu schwanken. Während ich noch versuchte, ruhig durchzuatmen, spürte ich plötzlich eine heftige Übelkeit in mir aufsteigen, die sich nicht zurückdrängen ließ. „Natalja…", stieß ich hervor, „ich glaub, ich muss…"
Ich sprang auf und stürzte auf die Tür zu, das sich irgendwo in der gegenüberliegenden Wand befinden musste, während ich das Gefühl hatte, mich kaum noch auf den Beinen halten zu können. Ich stolperte, wurde angerempelt, fiel fast auf den Boden… und dann hatte ich endlich den rettenden Ausgang gefunden. Ich wankte hinaus und lehnte mich mit geschlossenen Augen an die kühle Wand daneben, während der Eingang zum Raum der Wünsche wieder zuschlug und verschwand. Kaum, dass die Musik und das Gelächter verstummten und ich endlich wieder frische Luft atmen konnte, ebbte die Übelkeit ein bisschen ab. Ich rutschte an der Wand nach unten auf den Boden und legte den Kopf auf die Knie, während ich langsam ein- und ausatmete. Wie lange ich so dasaß, weiß ich nicht, nur, dass ich mich nicht wirklich besser dadurch fühlte. Anstelle der Übelkeit war mir jetzt schwindelig und auch die solide Wand hinter mir konnte mir nicht das Gefühl nehmen, in einer ziemlich wilden Achterbahn zu sitzen. Und das war kein schönes Gefühl.
Was mir noch weniger gefiel, war der Eindruck, dass ich langsam aber sicher die Kontrolle verlor.
Irgendwann nach einer Ewigkeit fiel mir plötzlich auf, dass all dies wohl eine Reaktion auf Trixies Höllengetränk zu tun hatte. Warum hatte ich es auch getrunken? Ich wusste doch genau, dass ich Alkohol noch nicht einmal in kleinsten Mengen vertrug, und das Zeug war definitiv nicht alkoholfrei gewesen.
Warum hatte ich es nur getrunken?
Weil ich angenommen hatte, dass Trixie die Wahrheit sagte, war die Antwort, die ich mir gleich darauf selbst geben konnte. Auf ihre Erklärung war ich wirklich gespannt.
„Emiley? Ist alles ok?", fragte plötzlich eine Stimme, die von oben zu kommen schien. Vielleicht aus den Wolken. Merlins Bart, ich fing an zu halluzinieren!
„Emiley?"
Vorsichtig öffnete ich die Augen einen Spaltbreit, die ich, wie ich jetzt bemerkte, panisch zugekniffen hatte, und schielte nach oben. Es war Remus. Sofort lief ich knallrot an. Dass er auch ausgerechnet jetzt hier vorbeikommen musste!
„Ja…alles…ok…", brachte ich hervor und versuchte, aufzustehen, was mir beim dritten Versuch endlich gelang. Das Problem daran war, dass ich nun das Gefühl hatte, der leiseste Windstoß könnte mich umwerfen.
„Bist du sicher?"
Ich schaffte es noch, zu nicken, dann spürte ich meine Beine unter mir wegknicken und taumelte gegen Remus, der mich geistesgegenwärtig festhielt. Ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass ich mich nun in einer Umarmung mit ihm befand und mich ziemlich krampfhaft an ihm festhielt. Das bedeutete im Klartext: Ich hatte meine Arme um ihn geschlungen und lehnte mich an ihn. Während ich wieder einmal versuchte, ruhig durchzuatmen, tauchte in meinem Hinterkopf der Gedanke auf, dass ich das hier am nächsten Morgen bereuen würde. Aber Trixies Teufelszeug hatte meinen Verstand genauso gründlich benebelt wie er mir die Kontrolle über meine Handlungen genommen hatte.
Ich spürte, wie Remus mir vorsichtig über den Kopf strich.
„Tut mir leid", murmelte ich. „Trixie hat gesagt, ihre Getränke wären ohne Alkohol… und ich hab einen ganzen Becher auf einmal getrunken… und deshalb ging's mir bis eben ziemlich beschissen."
„Und jetzt ist es wieder besser?"
„Ja…jetzt bist du ja da", nuschelte ich. „Zum Glück…bist du…hier…"
In diesem Augenblick wurde die Stille von lautem Lachen durchbrochen, als die Tür zum Raum der Wünsche aufflog und zwei Gestalten Hand in Hand hinausstolperten. Wer es war, erkannte ich erst, als sie in den Schein einer nahe stehenden Fackel traten: Sirius und Clarissa. Reflexartig ließ ich Remus los und taumelte zurück, aber zumindest Sirius hatte uns schon gesehen und Remus ein sehr zweideutiges Grinsen zugeworfen, bevor er mit Clarissa um die Ecke bog. Mein Gesicht brannte, und plötzlich fiel mir auch wieder Natalja ein. Natalja! Panik wallte in mir auf, denn ich wusste nur zu gut, dass Natalja als Veela Alkohol noch weniger vertrug als ich.
„Ich muss zu ihr!", stieß ich hervor und stürzte auf die Tür zu, die gerade vor meinen Augen zu verschwinden drohte, riss sie im letzten Moment noch auf, stürmte zurück in den Raum der Wünsche und sah mich suchend um. Wo war sie? Es war nicht gerade hilfreich, dass sich die Farben vor meinen Augen zu vermischen schienen und sich alles um mich drehte.
Dann sah ich sie.
Natalja Hijori Tsvetowna mitten auf der Tanzfläche.
Das war der Moment, an dem ich mich wirklich fragte, ob ich wirklich noch wach war.
Und das letzte, an das ich mich später erinnern konnte, war, dass sie auf mich zulief, mich an der Hand nahm und mit sich zog.
Danach – Filmriss.
- Natalja -
"Du siehst gut aus", stammelte Jonathan, als ich nun endlich, nach gefühlten acht Stunden, in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum trat.
"Danke, du aber auch", lächelte ich, "Ich glaube, das ist das erste Mal, dass deine Haare nicht nach Chaos aussehen."
Er fuhr sich durch die Haare und wollte gerade etwas antworten, als Christopher Flowers (alle nannten ihn nun Chris the Crazy), der in einer Gruppe von ungefähr sechs Jungs hinter uns stand, rief: "Oh krass, ey, er hat sie wirklich abgecheckt!!!"
Christopher, das musste man wirklich zugeben, war, wie sein Beiname schon sagt, wirklich ein wenig seltsam. Das Jahr zuvor hatte er illegal mit selbstgebrautem Unsterblichkeitstrank gedealt, der, sagen wir mal, nicht die Note "Ohnegleichen" bekommen hätte, und musste wegen der Folgen nun als Strafe ein Jahr länger auf Hogwarts bleiben. Genau, er war sitzengeblieben. McG nannte es eine Maßnahme zur Züchtigung und Formung eines besseren Charakters, der die Zauberwelt mit seinem angeborenen Talent für Handel sicherlich noch sehr beeindrucken konnte. Was genau das bedeutete, weiß ich nicht, jedenfalls behaupteten einige seiner ebenfalls spitzengebliebenen Kumpanen, er hätte damals einen kleinen "Unfall" mit dem Unsterblichkeitstrank gehabt, vielleicht war er ja deshalb so waghalsig, was spektakuläre "Moves" im Quiddich anbelangte?
Verwunderung und noch etwas für mich Unidentifizierbares lag in seiner Stimme; während ich also noch über diesen Ausspruch und seinen tieferen Sinn spekulierte, der übrigens, wie ich jetzt auch weiß, offensichtlich und ziemlich einfach zu erraten war, drehte sich Johnny wütend um: "Verschwinde, Flowers, ich hab dir doch gesagt, dass es kein Date ist!"
"Wer's glaubt, wird selig!", ertönte eine schrecklich hohe Stimme von irgendeiner anderen Seite des Raumes. "Oh Gott!", stöhnte ich, "Nicht doch! Ich kann Fingernagelgekratze an Tafeln nicht leiden!" Rita Kimkorn, unsere kleine Klatschtante, hatte in der ganzen Schule ihre "Informanten" und wenn sie sich mal für einen interessierte, dann war man bestimmt jede Woche auf irgendeiner Seite ihres "Daily Gossip" zu finden. Was mich nur erstaunte, waren die Massen von Mädchen UND Jungs, die sich ihren Blödsinn auch wirklich kauften.
Ich meine, wer bitte glaubt schon, dass ich in Wirklichkeit die Tochter eines russischen Mafia-Bosses bin, der an einem Apfelkern in seiner Luftröhre erstickt ist, und ich nun von meinem mit der Schule dubiose Geschäfte treibendem Onkel aufgenommen wurde, der mich an seinen Neffen verheiratet hat, welchen man nur unter dem Namen "Samy the Slicer" kennt. Oh stimmt ja, das absolute i-Tüpfelchen war meine angebliche Schwangerschaft letztes Jahr! Amüsant, nicht wahr?
So mit meinen Gedanken beschäftigt, merkte ich gar nicht, wie ich von Johnny in den Raum der Wünsche geschoben wurde; zielstrebig ging er auf einen Tisch weiter hinten im Raum zu.
"Hey, ich würde lieber weiter vorne sitzen!'', protestierte ich, Trixie und Vio hatten den Raum wirklich schön hergerichtet und ich wollte in einem dieser blauen Lichtkegel sitzen, keine Ahnung wieso, aber ich wollte es unbedingt.
Johnny schüttelte den Kopf. "Nein, tut mir leid, aber wenn wir da sitzen, sieht Marlie mich vielleicht und darauf kann ich getrost verzichten!"
"Oh, du hast recht, es wäre vielleicht besser, wenn wir ihr keine Gelegenheit bieten, ihre Qualitäten in Sachen Drama unter Beweis zu stellen."
"Du hast es erfasst."
Es stimmte - Marlie war eine furchtbare Drama-Queen, aber trotzdem verstand ich Jonathan nicht wirklich, weil sie das süßeste Mädchen in ganz Hogwarts war und ich den Eindruck hatte, dass er sie wirklich mochte. Man mag sich wundern, aber Johnny ist nicht so galant, wenn es um seine Partnerinnen geht. Aus diesem Grund beschloss ich, ihn gleich danach zu fragen.
Wir setzten uns nebeneinander an den Tisch und nachdem er etwas für uns bestellt hatte, (die Kellner waren Hufflepuffs, die unbedingt bei der "coolsten Party überhaupt" dabei sein wollten, auch wenn sie nur "Kellner- Boys" wären. In Wirklichkeit mögen sie aber nur Violet, die wirklich nicht zu nett zu allen sein sollte, weil besonders viele Jungs das, sagen wir mal, nicht richtig verstehen), fragte ich: "Johnny, willst du mir erzählen, warum ihr beiden nicht mehr ein Paar seid, vor den Ferien schien alles nämlich noch in Ordnung zu sein."
Er seufzte und es hörte sich schon fast frustriert an. "Hör mal Natalja aber…"
"Wag es ja nicht", meinte ich drohend, "Jonathan Henry Wellington, ich merke es, wenn man mir auszuweichen versucht!"
Noch ein Seufzten, dann schaute er mich endlich wieder direkt an: "Sie hat Schluss gemacht."
Ups! Wie kann man nur so dumm sein!
Toll gemacht, Natalja, du Trampel!
Ich wollte mich gerade bei ihm entschuldigen, da kam die Bedienung mit Butterbier, Kürbislimonade und zwei Tellern Frosch im Schlafrock.
Endlich wieder alleine, holte ich noch mal aus: "Johnny tut mir..." - Und schon wieder wurde ich unterbrochen, diesmal von einer wegwerfenden Handbewegung seinerseits.
"Es macht mir nichts aus, aber lass uns über was anderes reden ja?"
Hundert Punkte, Miss Feinfühlig, rief eine Stimme in meinem Kopf - es hörte sich wirklich
gleichgültig an, aber wenn er ein Allrounder ist, kann er auch gut schauspielern, dachte ich. Zum Glück rettete mich gerade in diesem Moment tiefster, schändlichster Dummheit Emiley aus der Situation, indem sich zu uns setzte. Wir plauderten ein bisschen, da bahnte sich auch schon DIE Katastrophe des Abends an. Ihr Name: Summer Trixibelle Knightley.
Aus Rücksicht, die ich im Nachhinein natürlich verfluche, kippte ich nämlich ihr kleines Mitbringsel hinunter wie Orangensaft; jetzt wäre es noch gut zu wissen, dass weder Emiley noch ich Alkohol vertragen. Ja genau, Trixie hatte die Stunde mit den goldenen Regeln im Umgang mit Veelas geschwänzt und wusste trotzdem genug, um mich ständig ihr "kleines, armes, hilfebedürftiges, naives magisches Supergeschöpf" zu nennen; sehr zu meinem Leidwesen, weil sie gelobt hat, mein "Überleben und meine Pflege und Aufklärung" zu sichern.
Emiley und ich kippten das Zeug also nichtsahnend hinunter, weil wir Trixie natürlich vertrauten und nicht annahmen, dass sie sich den Spaß mal erlauben würde. Jedenfalls stürzte Emiley schon nach wenigen Sekunden aus dem Raum hinaus und ließ mich da ganz allein zurück.
Hier liegt nämlich das Desaster: Veelas trinken einfach nicht, weil ihr Organismus den Alkohol nicht verarbeiten kann und danach verrückt spielt. Sprich: Sie werden waghalsig, größenwahnsinnig und beschwipst in einem Maße, das man sich einfach nicht vorstellen möchte.
Dementsprechend begann mein Kopf sich nun zu drehen. "Johnny…ich glaube das war irgendetwas Alkoholisches..."
Da wars schon zu spät, ich war in wenigen Sekunden so betrunken wie ein Muggel mit einigen Promille intus.
"Das glaube ich auch", hörte ich ihn sagen, dann wurde meine Aufmerksamkeit auf etwas Anderes gelenkt.
Die vielen bunten Lichter über der leeren Tanzfläche übten plötzlich eine unglaublich starke Anziehungskraft auf mich aus, es war fast so, als ob sie mich zu sich rufen würden… Die vielen schönen FarbenRot…Blau...Gelb...Grün und…PINK!!!!!!!!!!
Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass es wohl am Alkohol gelegen hat, dass ich dem pinken Kreisen auf dem Boden hinterherjagte und mich jedes Mal schrecklich ärgerte, wenn ich sie nicht zu fassen bekam.
Ich mag Pink nicht mal!!!! Gott, ist das peinlich!
Ich holte gerade zu einem fachgerechten verbotenen Crucio aus, da kam Johnny natürlich sofort auf die Tanzfläche, um mich zurückzubringen und zum Glück aufzuhalten. Tja, leider wollte die Betrunkene aber nicht so recht.
"Komm, Nat, wir müssen was gegen den Alkohol machen."
"Oh Mann, will aba nich", schmollte ich und versuchte mich seinen Armen zu entwinden. "Neee Schonnie, warste im Fitess-Centea oda wie? Lass mich doch ma los, ja? Bitte, ich schenk dir auch meinen Lieblings-Lolli, ja?"
Er zog mich von der Tanzfläche, die ich nun sogar mehr liebte als Schokocroissants. Als er mich da wegzog , sah ich wieder zu der schönen Tanzfläche mit den vielen! Pinken! Kreisen!, die ich endlich haben wollte!
Nur zu lacht ruhig, ich war eine Witzfigur und hätte locker jeden Comedian in die Tasche gesteckt. Bin ich froh, dass Alexej das nicht live miterlebt hat, er neckt mich bis heute noch damit und ich kann es ihm nicht verübeln...
Ich musste also zurück auf die Tanzfläche.
"Nee Schonni, lass uns n' bisschen Leben in die Bude bringen, iss ja laaangweilig, keiner tanzt, weißt du? Und das müssn ma unbedingt ändan, oda?''
Er hätte mich ganz bestimmt irgendwie runter von der Tanzfläche gekriegt, wenn in diesem Augenblick nicht eine völlig aufgelöste Marlene vor uns aufgetaucht wäre.
"Hey Marlie Johnnys Ex-Freundin Dingsdabumsda." (Der Nachname fiel mir nicht mehr ein.)
Sie ignorierte mich aber. "Ich kann es nicht glauben, es ist kaum zwei Wochen her und du flirtest hier schon mit dieser… dieser..."
"Wia flirten gar ned! Und isch heiße übrigends Nadalja Jori Tsvetowna!", lachte ich und fügte ein "Wir kennen uns, doch Mandy'' hinzu.
"Mein Name ist Marlene!!!", kreischte sie und rannte aus dem Raum.
"Oke oke, du muss ja nich gleich heulen, Mansy."
Der arme Johnny sah Marlie hinterher, drehte sich dann aber wieder mir zu, was mich fast wütend machte. Ich sage es ja :Besser kein Alkohol für Veelas.
Jedenfalls wollte er mir aufhelfen - ich saß auf dem Boden - aber ich schubste ihn von mir und zwinkerte ihm zu.
"Geh ma lieba hinerher, mein Freund, 'sch komm hier schon kla!"
Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich ihn besorgt und wütend zugleich; bevor ich mich versah, hatte er mich schon auf seine Arme gehoben und ging in Richtung Ausgang.
Ich betrachtete ihn, seine Augen hatten den selben entschlossenen Ausdruck wie die von Alexej.
"Schonni?"
"Ja?"
"Ich hab deine Augen lieb."
Er sah zu mir runter und lächelte. "Du musst jetzt aber ganz dringend zu Madame Pomfrey." Irgendwie schien es gekünstelt und mehr traurig als froh. Als dann Emiley an der Tür erschien, sagte ich: "Okay Lohnie, Em is ja da, die weiß, was zu tun is.''
"Ich glaube kaum."
"Klaaaaaaaa Schonni is ja gut, geh zu Mundy und vertrag dich wieder mit ihr, ja?"
Unnötigerweise zwinkerte ich ihm jetzt auch noch zu.
Er zögerte noch immmer.
"Jetz geeeeh, Schonnie, sonst denkt die noch ma wärn zusammen oda so, mir glaubt se ja ned."
Endlich setzte er mich vorsichtig ab.
"Natalja?"
"Ja, Schonnie?"
"...Wiir…ähm…sind..."
"Ja?"
"Pass bitte auf dich auf und mach nichts Dummes, ich bin gleich wieder da."
"Okay."
Als er endlich weg war, flitzte ich schnell zu Emiley, die soeben an der Tür erschienen war, ziemlich rot und ziemlich nervös aussehend.
"Eyyyy Emileeeyyyyy, lass uns dancen!!!"
Man stelle sich nun zwei total betrunkene Mädchen vor, die sich tanzend und ohne männliche Beschützer in einem Raum mit sechzig Prozent männlicher Singles auf der Tanzfläche bewegen, davon die eine der Schwarm der Schule und die andere die attraktive Freundin. Das Ergebnis: JAGT nach dem Motto "wer zuerst kommt, mahlt zuerst".
Die Tanzfläche füllte sich also mit Jungs, die die Sitaution ausnutzen wollten, wäre ich nicht so überzeugt gewesen nichts "Dummes" zu tun .
Okay, daraus wurde nichts, nach weniger als fünf Minuten saßen wir bei Flowers und seinem Freund Jeff Nicolson an der Bar und tranken hemmungslos.
"Hey Natalja!" Jeff war groß, gutaussehend und absolut nicht mein Typ, seine Arroganz war nämlich noch viel größer als die von Sirius und der hatte wenigstens Charme. "Na sieh mal einer an - Miss Brav-und-bin-vergeben betrunken auf einer Party."
"Was willste Jeffrey?", fragte ich genervt . "Nee, Em und isch ham keine Lust, deine Augenbrauen zu zupfen."
Der Trupp um ihn herum begann ihn lauthals auszulachen, sogar Em lächelte.
Mister Arrogant unterdrückte irgendetwas in Richtung "Du kleines…" und nahm dann noch einen Anlauf.
"Wollt ihr euch vielleicht zu uns setzten und was trinken?"
"Nö, ich trink ja schon."
Im Folgenden ging ich nach einer Flasche Wodka und drei Gläsern Schnaps eine komplett bescheuerte Wette mit ihm ein. Wie es dazu kam? Naja, also er meinte, wir wären zwar hübsch, aber feige - FEIGE!!
"Wetten wir doch einfach! Wenn wir gewinnen, müsst ihr mit uns Quiddich spielen, aber ohne Klamotten!''
Ich holte meinen Zauberstab heraus und hielt ihn unter sein Kinn, er korrigierte sich ziemlich schnell: "Okay, okay, nur in Unterwäsche.''
Emiley neben mir kicherte.
Ich würde mich nicht trauen, bei den Slytherins einzubrechen und "Gryffindor ist the best, fuck the rest" an die Wand zu schmieren?!
Wie das nun mal so bei betrunkenen Veelas ist, hatte ich jeden Sinn für Vernunft gegen Größenwahnsinn und Dummheit ausgetaucht, sprich: Ich klatschte sofort ein und machte mich mit Emiley auf den Weg. Beim Rausgehen rief ich ihm noch über die Schulter zu: "Du und deine kleinen Kindergartenfreunde, ihr solltet euch lieber schon mal das Fell abrasieren, ihr macht euch nämlich lächerlich, wenn ihr morgen nur in Boxershorts zum Unterricht kommt!"
Wir zogen also los, lachend polterten wir durch die Gänge und hatten unseren Spaß.
Als wir am Hogwarts-Emblem vorbeikamen, blieb Emiley plötzlich stehen und zupfte an meinem Ärmel.
"Hey Natalja, findest du es nicht auch traurig, dass die süßen Tierchen da oben so , so..."
Sie schaute mich mit ihren großen Augen traurig an und ich wusste, was zu tun war, irgendwie zumindest.
Ich nahm meinen Zauberstab und konzentrierte mich…
Ihr werdet später erfahren, was genau mit den "süßen Tierchen" passiert ist und dem Veritaserum-Popcorn und dem lebenden explosiven Gammelpudding, der spricht, und den magischen Schachfiguren…
Kurz, vor dem Raum angekommen, wandten wir unsere Aufmerksamkeit dem Passwortproblem zu, ohne das wir eben keinen Zutritt zum Gemeinschaftsraum hatten.
Irgendwie mussten wir uns das Passwort besorgen…und hatten unverschämt viel Glück, als ein mir bekannter Slytherin plötzlich auftauchte und uns bemerkte.
"Tsvetovna und Wood? Was macht ihr denn hier und wie seht ihr aus?!"
"Das ist die Chance!", flüsterte Emiley und schubste mich nach vorne. "Du musst das Passwort besorgen, sonst müssen wir...!"
Der Gedanke an Jeffs dreckiges Grinsen gab mir wieder Mut und ich schaffte es, wenigstens einigermaßen erfreut zu klingen.
"Oh Walter, was für ein Zufall, genau dich hab ich gesucht! Weiß du, ich hab nämlich ein Problem..."
Und dann trat ich einen Schritt vor und malte mit dem Zeigefinger ,,Natalja+Alexej'' auf seinen Umhang.
"Naja, du bist der Einzige, der mir helfen kann." Noch ein große-Hundeäuglein-Blick und die Sache war perfekt! Der arme Junge wurde angesichts so viel Aufmerksamkeit von mir ganz rot und nuschelte nur irgendwas davon, dass er "voll Schwein" habe und irgendwelche "andere" das nie glauben würden.
Ich lächelte , als er mit uns durch die magische Mauer gingen, der arme Junge würde jetzt erst mal ein Nickerchen machen.
"Jetzt kann die Party erst richtig losgehen!", sagte ich zu Emiley.
- Clarissa -
Nachdem ich von meinem treuen Begleiter Sirius abgeholt wurde, gingen wir sofort und ohne Umwege zum Partyraum. Auf dem Weg dorthin redeten wir nicht viel, nur über ein paar Mädchen, die er mal wieder toll fand und dass er der bestaussehendste Typ auf der ganzen Schule war. Aber genau deshalb hat er ja auch Mich gefragt, ob ich mit Ihm zur Party gehen will, weil ich das bestaussehendste Mädchen der Schule war! Deshalb würden wir auch perfekt zusammen passen, davon war ich überzeugt.
An dem Partyraum angekommen, bemäkelte ich sofort die Dekoration, welche nur aus alten Lumpen bestand, die jeder von irgendwelchen Trollen hätte klauen können und dann über noch ältere Lampen gehängt. Was gut war, dass es viele Tische gab, die auch weit auseinander standen, sodass ich gut in Ruhe mit Sirius reden konnte.
Kaum wollten wir uns hinsetzen, kamen auch schon Sirius' komische Freunde an: „Hey Sirius! Na, wen hast du uns denn da mitgebracht?", sagte einer von ihnen und sah mich so an, al ob ich was zu essen wäre. „Mach mal locker James, sie ist das schönste weibliche Wesen auf dieser Party heute, also euch gebe ich sie ganz sicher nicht." Dabei warf er seinen Freunden einen eindeutig zweideutigen Blick zu, den ich aber nicht ganz zuordnen konnte.
Als sie gingen, sah ich mich ein bisschen im Raum um, und wie die verschiedensten Leute jetzt angezogen waren. Ich sah wieder eine von den Leuten, die mit mir im Zugabteil saßen. Zwei standen gerade nebeneinander, die schönere von ihnen hatte einen Jungen, der aber ziemlich hässlich war, neben sich stehen. Hinzu kam dann eine andere, die zwei Gläser in der Hand hielt, diese den anderen gab und diese von ihren Empfängern komplett ausgetrunken wurden.
„Was gibt es denn da so interessantes?", frage mich mein Begleiter. „Ach nichts" antwortete ich schnell, doch ich sah noch in meinen Augenwinkeln die hässlichere von beiden aus dem Raum stürmen.
„Gut, dann wollen wir tanzen gehen?", und ihr könnt euch denken, wie ich wohl geantwortet habe: „Na klar doch".
So stürmten wir auf die Tanzfläche und ich schwang meine Hüften mit einer Leichtigkeit, die selbst Shakira in 20 Jahren nicht haben würde. Beim tanzen bestaunte ich Sirius' Körper, von dem vor ein paar Stunden noch weniger zu sehen war, weil dieser sein Jackett noch an hatte. In seinem halb durchgeschwitzten Hemd vom Tanzen, sah man seine gut gebaute Brust und die dabei liegenden Muskeln viel deutlicher, als ich es mir erträumt hätte.
Nach einer Weile fragte er mich, ob er was zu trinken holen sollte. „Ja, bitte, aber nicht von diesem Teufelszeug, dass das `Ich hab jeden Tag ne neue Frisur´- Mädchen", woraufhin er nur lachte und wegging.
Ich tanzte noch ein kurzes Weilchen weiter, bis ich mich von den anderen Tänzern, die, wie es schien, ohne Partner zu der Party gekommen waren, so sehr bedrängt fühlte, dass ich mich an unseren Tisch setzte. Da kam auch schon wieder Sirius, mit zwei Gläsern in der Hand, wovon er eins mir gab, das andere auf seinen Platz stellte. Nachdem wir schon die Gläser zur Hälfte geleert hatten, sagte er endlich etwas. „Und wie gefällt es dir bis jetzt hier?", fragte er mich komischerweise, denn diese Frage, die ich schon hatte tausend mal in einer Woche beantworten müssen, hätte ich nie im leben von einem so süßen Jungen erwartet. „Ganz okay" sagte ich schließlich. „Eigentlich wäre ich jetzt lieber wieder in Argentinien,...", doch er hielt mir den Mund zu und küsste mich einfach.
Nach diesem kurzen Schock nahm ich seinen ganzen haarigen Kopf in meine Hände und zog ihn noch mehr an mich. Ich umschlang mit meiner Zunge die seine, doch er stieß mich vorsichtig zurück und sagte ein bisschen aus der Puste und lachend: „Komm, lass und in mein Zimmer gehen!"
So stand ich auch lachend auf und ging Hand in Hand mit ihm aus dem Raum. Beim hinausgehen erzählte von einem Mädchen, das er mal abgeschleppt hatte und schon beim ausziehen der Bluse anfing zu heulen und schreiend aus dem Raum gerannt war. (Die Einzelheiten erspare ich euch mal ;D ) Als wir aus dem Raum der Wünsche gingen, sah ich ein paar Meter weiter einen von Sirius' Freunden mit dem Mädchen, das aus dem Rum gerannt war. Das Mädchen, das ich vorher als so schüchtern gesehen habe, lag nun Arm in Arm mit diesem Typen, aber ich dachte mir nichts weiter dabei und wir gingen schnell an ihnen vorbei.
Die Treppen, die wir hinaufstiegen schienen, nach dem alkoholischen Getränk, das er uns brachte, ein bisschen als ob sie wanken würden und ich hielt mich ganz fest an Sirius Arm und Körper gleichermaßen fest, um nicht umzufallen, denn das wäre die peinlichste Story des Jahrhunderts geworden. Ich sah schon die Modezeitschriften darüber lästern: „Tochter des berühmten Modelcoaches stürzt betrunken". Nein, das wollte ich ganz sicher nicht und klammerte mich so sehr an ihn, dass er sich selbst auch am Geländer festhalten musste.
Am Gryffindor - Gemeinschaftsraum angekommen, sagte er souverän das Passwort und wir traten ein. Es war niemand da, außer ein paar Erstklässlerinnen, die er schnell verscheuchte und aus dem Eingang, durch den wir eben kamen, wieder hinausrannten.
So konnten wir ganz ich Ruhe und uns gegenseitig anguckend in den Gemeinschaftsraum gehen und legten auf dem Weg dorthin auch schon unsere Mäntel und Jacken ab. Im Zimmer angekommen, setzte er sich auf sein Bett und ich setzte mich neben ihn, sodass er mir mein Kleid aufschnüren konnte, was er auch gleich daraufhin tat. Es geöffnet setzte ich mich mit gespreizten Beinen auf seinen Schoß, presste meine Lippen auf seine und öffnete langsam sein Hemd.
-Trixie-
Dieser Abend war genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Lustig, alkoholisiert und vor allem eins: laut. Genau nach meinem Geschmack! Ich hatte schon einiges getrunken, doch da ich von einigen früheren Exzessen abgehärtet war, machte mir das nicht so viel aus, ich war noch bei klarem Verstand, lediglich etwas angeheitert. Die Musik die in meinen Ohren dröhnte war zwar nicht hundertprozentig mein Geschmack (Vio hatte sie ausgewählt), aber trotzdem war ich in meinem Element. Ich begab meinen für den heutigen Abend zum Thema der Party besonders herausgeputzten Astralkörper auf die Tanzfläche und tanzte ein wenig alleine in meinem eigenen Tanzstil, wobei mich sofort einige unserer „heißen" Gryffindorjungen antanzten. Bei den männlichen Mitgliedern unseres Hauses gab es ein Problem: Sie ließen sich perfekt zwei stereotypischen Gruppen zuteilen. Zum einen gab es die überheblichen Machos, die sich selbst für absolut unwiderstehlich hielten und sich somit an jedes nur ansatzweise vernünftige Mädchen heranschmissen und es damit verekelten und zum anderen die verklemmten Moralapostel, die ihre Freizeit mit Lernen und Besserwissen verbrachten. Der zweite Typ hielt sich natürlich nicht auf der Tanzfläche auf, sondern saß, wenn er überhaupt zur Party erschienen war, mit einem alkoholfreien Cocktail, welche Vio eigentlich untersagen wollte, am Rand und sah verantwortungsbewusst drein. Der erste Typ hingegen war kräftig damit beschäftigt die weiblichen Tanzenden, welche wie immer in der Unterzahl waren, anzugraben.
Ich ignorierte einige der niveaulosesten Anmachsprüche, die ich je gehört hatte und bahnte mir tanzend einen Weg durch die Menge um einen meiner Freunde zu finden. Weder Emiley, noch Natalja waren irgendwo zu sehen. Die beiden waren heute Abend aber auch wirklich komisch gewesen…vielleicht hätte ich Vio doch fragen sollen, was sie in die Drinks gemischt hatte, die ich den beiden später angeboten hatte…? Egal, jetzt war es sowieso zu spät. Sie würden sich schon wieder auffinden lassen. Beim weiteren Umschauen fiel mir auf, dass der König des ersten Gryffindorstereotyps auch nirgendwo zu sehen war, sein bester Freund, Potter, saß allein in einer Ecke, okay, nicht ganz allein, neben ihm kauerte Pettigrew, die kleine Ratte, und versuchte den Mädchen unter ihre Reifröcke zu spähen. Dieser Perversling. Er war wirklich der einzige Gryffindor, der in keine der beiden Schubladen passte. Für Potter war sein heutiges Verhalten auch höchst ungewöhnlich. Normalerweise war er zusammen mit dem König der Überheblichkeit der erste auf der Tanzfläche und auch der, dessen Sprüche die beste Wirkung erzielten. Aber was sollte es? Was interessierten mich die gestörten Verhaltensweisen der sogenannten „Rumtreiber"? Dieser Name war immer wieder so lächerlich kindisch.
Im nächsten Moment packte eine kleine zierliche Hand die meine und riss mich zu ihr herum. Es war Vio. „Tanzen. Lassen wir es richtig krachen!", schrie sie in mein Ohr um die monströs laute Musik zu übertönen. Und wir tanzten. Und wie wir tanzten. Nach und nach verschwanden alle anderen von der Tanzfläche und sahen nur noch uns zu. Die Eleganz und Zauberhaftigkeit in der wir uns bewegten, unsere ganz unterschiedlichen Tanzstile, die unsere Persönlichkeiten widerspiegelten, brachten wir durch unser Geschick in eine perfekte Symbiose. Wir waren der Mittelpunkt der Party.
Doch dann fiel mir mitten im Tanz etwas ins Auge, was meine Hochstimmung verfliegen lies. In der Ecke in der Potter und Pettigrew saßen, hatte sich nun auch Remus Lupin niedergelassen. Und er sah aus, als wäre gerade jemand gestorben. „Sorry, Vio, tanz mal alleine weiter, ich komme bald zurück.", zischte ich ihr ins Ohr und verdrückte mich dann, nicht ohne dass ein paar der überheblicheren Typen versucht hätten mir Drinks anzubieten… Ich wimmelte sie ab und schlug mich dann zu den Dreien durch.
„Hey Remus!", keuchte ich außer Atem, denn das Tanzen war schon ziemlich anstrengend gewesen und mein extraordinäres Kleid schnürte mir noch zusätzlich die Luft ab.
„Hi", sagte er nur geknickt.
„Was ist mit dir los, du siehst aus als ob das letzte Exemplar des bengalischen Tigers ausgerottet worden wäre!"
„Hm", machte er nur.
„Remuus, da muss doch etwas sein. Willst du nicht darüber reden?", sagte ich voller Tatendrang.
„Nicht hier", murmelte er. „Gehen wir in den Gemeinschaftsraum." Mit diesen Worten stand er auf und machte sich auf, in Richtung Tür die durch den Wandbehang in den Korridor im siebten Stock führte.
Ich drehte mich noch einmal wehmütig zu Vio, die nun alleine auf der Tanzfläche war, umjubelt von ein paar Dutzend Verehrern. Was sollte es? Violet genoss es alleine im Mittelpunkt zu stehen, ich stahl ihr sonst nur die Show und Remus war jetzt eindeutig wichtiger.
Im Gemeinschaftsraum angekommen, war Remus schon da, er hatte sich wohl ganz schön beeilt. Ich lächelte ihm zu, er erwiderte ein schüchternes Lächeln und sagte „Gehen wir lieber hoch in unseren Schlafsaal, der wird leer sein. In euren können wir ja nicht und hier sind mir zu viele Mithörer…" Er deutete unauffällig, so dass sie es nicht sahen, auf eine Gruppe von Zweit- und Drittklässlern die ihrem Outfit nach zu schließen nicht auf der Party gewesen waren und den Abend zum lernen nutzten. Ich nickte.
Auf der Treppe fragte ich ihn, „Um was geht es denn?"
„Das ist echt kompliziert, weißt du?"
„Ich werde es schon verstehen… Ich komme zwar meistens nicht so herüber, aber ich verstehe schon noch von anderen Dingen etwas, als Naturschutz und der Kunst individuell zu sein!"
Er lachte, während ich die Tür zum Jungenschlafsaal mit einem Ruck aufschob.
„Nun gut, es geht um…", doch in diesem Moment brach er ab. Es war der Moment in dem er das Selbe erblickte wie ich, etwas was mich fast aus der Haut fahren ließ.
Auf dem Bett direkt vor der Tür saß Sirius Black. Auf seinen verfluchten Knien fläzte sich Clary, die Schlampe. Sie war gerade dabei mit ihren monströsen Krallen sein Hemd im Stile des Barocks aufzureißen. Die Lippen beider mir so verhasster Personen vibrierten und waren gerade dabei sich einander anzunähern, wobei man förmlich spürte, dass ihre Zungen dahinter nur darauf warteten sich gegenseitig zu verschlingen, ineinander überzugehen…
„SIRIUS BLACK! DU HEUCHLER! DU MISTKERL! DU ARSCHLOCH!", schrie ich ihn an, während ich in meiner Miniaturhandtasche nach meinem Zauberstab kramte um ihm sämtliche Verwünschungen an den Kopf zu werfen, die ich je bei Severus Snape gehört hatte.
„Trixie.", hörte ich eine beruhigende Stimme hinter mir und zwei kühle Hände hielten mich an den bloßen Armen fest, damit ich alles nicht noch schlimmer machen konnte. Remus hatte ich total verdrängt. Dieser Anblick, diesen Heuchler mit dieser Schlampe zu sehen, gab mir den letzten Rest. Ich wusste nicht wieso, ich hasste sie doch beide, aber irgendetwas störte mich… Black. Ich kannte ihn schon seit Jahren, irgendwas bedeutete er mir schon, wollte ich ihn vor der Schlampe beschützen? Oder wollte ich die Schlampe vor ihm beschützen? Ich hasste Clarissa, das war von der Sekunde unseres ersten Zusammentreffens an klar gewesen, aber irgendwie spürte ich doch eine gewisse Verbundenheit mit ihr. Und gerade das machte mich so wütend. Die beiden hatten meinen Ausbruch wohl mit einer gewissen Verzögerung in der Reaktionszeit bemerkt und starrten mich nun beide mit weit aufgerissenen Augen an. Zuerst sah ich in die hellblauen der Schlampe, dann in die tiefgrauen des Heuchlers. Ich war den Tränen nahe, ich wusste nicht wieso, aber was ich wusste, war, dass ich hier schnellstmöglich verschwinden musste, denn meine Gefühle konnte ich niemandem offenbaren.
Also rannte ich los, raus aus der Tür, die Treppe herunter, durch den Gemeinschaftsraum, raus aus dem Portraitloch, und durch die Gänge… ich wusste nicht wohin, ich wollte nur noch weg. Nicht in den Gemeinschaftsraum und nicht zur Party. Weg. Alleine sein. Oder zu jemandem, der mich versteht. Während ich so rannte, kamen mir die Tränen. Ich konnte sie nicht mehr zurückhalten.
Als ich einen alten Wandbehang erreichte, von dem ich wusste, dass dahinter ein Geheimgang lag, bleib ich stehen und ging dort hinein. Ich achtete nicht darauf, was dort drin war, ich wusste es. Einsam und verlassen, wie immer. Deshalb war dies mein Lieblingsort. Ich kuschelte mich an die Teppiche, weinte still und versuchte alles zu vergessen, was an diesem Abend geschehen war, der so schön begonnen hatte. Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Es war der Klang einer Gitarre. Ich drehte mich abrupt um. Hinter mir saß noch jemand in dem Geheimgang. Ein dünner, schwarzer Jemand, dessen schwarze Haare ihm über sein Gesicht fielen, während er lieblich an seiner Gitarre zupfte.
„Emerald?", fragte ich überrascht.
Er sah auf und warf sich die glatten, schwarzen Haare mit einer raschen Kopfbewegung zurück. Es war wirklich Emerald.
„Trixie?", fragte er, genau so überrascht wie ich.
Ich stand auf und setzte mich einige Stufen weiter oben neben ihn.
„Du hast geweint.", sagte er. Dies war eine Aussage, keine Frage, kein Vorwurf. Damit sagte er mir, ich konnte mit ihm darüber reden, wenn ich nur wollte, aber es auch sein lassen. Das war, was ich so sehr an ihm schätzte. Seine Einfachheit, seine Emotionalität und Rücksichtname. Ich rückte näher zu ihm hin. Er legte seine Gitarre beiseite und nahm mich in den Arm, das war, was ich jetzt brauchte, ich konnte mich ihm nicht öffnen, aber das brauchte ich auch nicht. Es war gut so. Ich sah ihm in seine wunderschönen schwarzen Augen, die wie Kristalle schimmerten und mir mehr sagten, als tausend Worte. Und alles auf dieser Welt erschien plötzlich einen Sinn zu geben, in dem Moment, als sich unsere Lippen berührten.
