Und das wäre dann Kapitel 4
Kapitel 4
Am nächsten Morgen betraten wir ziemlich früh die Drachentrainingsarena. Grobian begrüßte uns, während Hilja und ich ein wenig zurück blieben. Ich wäre am liebsten gleich wieder hinaus gerannt. Die anderen Jugendlichen prahlten damit, was für sie alles in diesem Training drin war.
„Ja! Ne schöne Narbe sollte schon dabei rausspringen!", hörte ich Astrid sagen.
„Ja klar … Schmerzen. Super!", war meine vor Sarkasmus triefende Antwort darauf. Hilja musste gegen ihren Willen lachen.
„Du wirst auch mal durch Sarkasmus im falschen Moment sterben", kicherte sie. Taffnuss drehte sich genervt zu uns um: „Na toll. Wer hat'n die reingelassen?"
Grobian ignorierte ihn und begann mit dem Unterricht.
„Und los geht's! Der Rekrut, der sich am besten schlägt, der hat die Ehre, die Tötung seines ersten Drachens vor dem ganzen Dorf ausführen zu dürfen!" Bei dem Wort Tötung fuhr ich unbemerkt von den anderen zusammen.
Rotzbakke prustete los. „Hicks hat bereits 'n Nachtschatten erlegt! Ist er damit disqualifiziert? Oder … kann ich in die Klasse mit den coolen Wikingern?"
Während Grobian zu mir kam, stieß Hilja Rotzbakke ihren Ellbogen schmerzhaft in die Seite.
„Hey! Es gibt nur diese Klasse. Wenn du mit mir oder meinem Bruder nicht klar kommst, dann kannst du das Training gerne verlassen. Entgültig. Noch bevor es angefangen hat."
Grobian hatte mich erreicht und versuchte, mich aufzumuntern.
„Keine Panik. Du bist schmächtig und klein. Damit bist du als Ziel uninteressant. Die denken, du wärst gestört oder krank und halten sich eher an die wikingermäßigen Kollegen als an dich!" Er lachte.
Am liebsten hätte ich so was gesagt wie: „Vielen Dank, das hat mir jetzt echt geholfen." Ich hielt mich aber zurück, weil die anderen dann nur wieder bissige Kommentare für mich gehabt hätten.
Grobian stand nun vor der ganzen Klasse.
„Hinter diesen Toren sind nur ein paar von den vielen Drachenarten, gegen die ihr kämpfen lernt:
Der Tödliche Nadder."
Fischbein, der neben mir stand, murmelte Drachenstatistiken vor sich hin. Laut genug, damit ihn alle hörten.
Geschwindigkeit 8, Panzer 16."
„Der Wahnsinnige Zipper."
„Über 11, Tarnfaktor 2."
„Der Riesenhafte Alptraum."
„Feuerkraft 15!"
„Der Schreckliche Schrecken."
„Angriff 8, Gift 12."
Grobian hatte genug. „Hörst du jetzt mal auf!", fuhr er Fischbein an und fuhr dann fort, als wäre nichts gewesen: „Und. Der Gronckel!"
„Beißkraft 8", flüsterte mir Fischbein jetzt ins Ohr, statt es allen zu erzählen.
Grobian legte die Hand auf den Hebel, der das Tor zum Käfig des Drachen öffnen würde. Rotzbakke schien panisch zu werden.
„Öh Halt! Willst du uns nicht erst was vorführen?"
Nee. Das ist Grobian, er glaubt an die Praxis.
„Die beste Schule ist und bleibt die Praxis", sagte Grobian keine Sekunde später und legte den Hebel um. Der Gronckel schoß heraus und flog zielstrebig auf einen Haufen Felsbrocken zu, der in der Arena lag. Er schluckte sie hinunter und begann dann, hinter uns herzujagen und Lava zu speien, während wir uns im Ring verteilten.
„Unser Thema heute: Überleben! Wer sich anspeien lässt, der ist raus."
Ja, du hast gut reden. Wenn du den Gronckel nicht auf uns gehetzt hättest, müssten wir jetzt nicht um unser Leben rennen.
„Schnell! Was braucht ihr zuallererst?"
Woher sollten wir das denn wissen?
„Einen Arzt?", hörte ich mich selber rufen. Ganz toll gemacht, Hicks. Kommt bei den anderen bestimmt super an.
„Fünffache Geschwindigkeit?!"
Alles klar. Fischbein klang auch nicht besser. Das ist ein wenig beruhigend.
„Einen Schild!", rief Astrid selbstsicher.
„Schild! Holen!"
Schon unterwegs.
„Wichtigstes Teil eurer Ausrüstung ist der Schild. Müsst ihr euch entscheiden zwischen Schwert oder Schild: Nehmt den Schild."
Grobian kam zu mir und half mir, den Schild hochzuheben. Dann schickte er mich zurück zu den anderen.
Danke, Grobian. Das Schupsen wäre echt nicht nötig gewesen.
Wie aus dem nichts stand Hilja neben mir.
„Wie läuft's denn bei dir so?", fragte sie, etwas Spott klang in ihrer Stimme mit.
„Ganz toll … Wozu bin ich überhaupt hier?"
„Um die Aktion von gestern zu vergessen?"
„Danke. Daran hatte ich schon gar nicht mehr gedacht."
Ich ging ein paar Schritte von ihr weg und folgte Grobians Anweisungen, mit den Schilden Lärm zu machen. Raff und Taff waren in der Zwischenzeit von dem Gronckel abgeschossen worden und standen wartend am Rand.
Der Trick mit dem Krach funktionierte tatsächlich, denn der Gronckel sah ziemlich verwirrt aus und schüttelte immer wieder den Kopf.
„Kein Drache kann unbegrenzt Feuer speien. Wie viel Schuss hat ein Gronckel?"
Grobian konnte einem echt auf die Nerven gehen.
Als der Gronckel auf mich zuflog, nahm ich die Beine in die Hand und versteckte mich hinter einer der Barrikaden, die für andere Unterrichtseinheiten bereitstanden. Ich bekam nur noch mit, wie Fischbein abgeschossen wurde und sich zu den Thorstons gesellte.
„Hicks! Du bist dran!"
Ich kam vorsichtig hinter der Barrikade hervor, nur um fast von dem Gronckel abgeschossen zu werden. Also versteckte ich mich wieder.
Rotzbakke war der nächste, der rausflog. Das bedeutete, dass nur noch Astrid, Hilja und ich übrig waren. Wie hatte ich das bitte geschafft?
Hilja wurde fast getroffen, konnte aber ausweichen. Jetzt nahm der Gronckel mich in Visier. Erschrocken ließ ich den Schild fallen und versuchte, vor dem Drachen davonzurennen.
„Einmal speit er noch! HICKS!" Grobian klang besorgt. Kein Wunder. Der Gronckel verfolgte mich immer noch und trieb mich jetzt in die Enge. Doch bevor er schießen konnte, rieß Grobian ihn mit seinem Haken weg und die Lava schlug nur knapp über mir in die Wand ein.
„Und das war'n sechs! Geh jetzt ab ins Körbchen, du verpickelte Knackwurst!"
Während Grobian den Gronckel wegsperrte, kam Hilja zu mir, ließ sich neben mir auf die Knie fallen und umarmte mich ganz fest.
„Musstest du mich so erschrecken?", fragte sie, den Tränen nahe.
„Es ist doch alles gut", versuchte ich, sie wieder zu beruhigen.
Grobian kam zurück.
„Denkt dran! Ein Drache ist immer." Er drehte sich zu mir und sah mir direkt in die Augen. „Immer darauf aus, zu töten."
Diese letzten Worten stimmten mich nachdenklich. Ich sah kurz auf die immer noch qualmende Wand der Arena und sprang auf.
„Hicks! Wo willst du hin?"
Hilja versuchte, mir zu folgen, aber ich war schon zu weit weg. Egal was alle anderen davon halten würden, ich musste noch mal in den Wald.
Was haltet ihr von Hilja? Ich persönlich bin total begeistert von ihr. Ich hab sie nicht besonders geplant, sondern lass mich einfach überraschen, was beim Schreiben so passiert
