3. Erster Tag

Max schien es nicht eilig zu haben, den schwarzen Schulumhang anzuziehen, er meinte, die Dinger wären megaout.

Ganz im Gegensatz zu seiner Abteilgefährtin. Mit einem verstohlenen Lächeln strich sie über den Stoff, er fühlte sich gut an, weich, warm und doch leicht. Sie wusste, dass die Wintervariante viel schwerer sein würde, dafür konnte man in ihr aber auch Hogwarts zugige und eiskalte Winter gut überstehen.

Sie besaß jeweils drei solcher schwarzen Umhänge, aber dieser hier war etwas besonderes, denn er hatte ihrer Mum gehört. Sie hatte ihn, weil sie doch etwas kleiner gewesen war, erst in ihrem zweiten Hogwartsjahr getragen und Grandpa, der nicht gut etwas wegwerfen konnte, hatte ihn vor einem halben Jahr aus dem großen Schrank auf dem Speicher gefischt und ihr gegeben.

Vor lauter Stolz und Vorfreude hatte sie ihn sogar heimlich mit ins Bett genommen. Sera hatte zwar darüber gelacht, aber das war ihr egal gewesen. Sie liebte diesen Umhang. Dabei hatte sie manche Schülerin darüber klagen gehört, dass die Hogwartsumhänge so langweilig wären, denn außer dem viergeteilten Wappen war er schwarz und schmucklos.

Ihr gefiel das, wahrscheinlich ein Gen ihres Vaters, der für seine Vorliebe für die Farbe Schwarz weithin bekannt war. Außerdem würde, sobald der sprechende Hut seine Wahl getroffen hatte, noch das Erkennungszeichen einer der vier Häuser erscheinen und auch ihre Schuluniform, die sie erst morgen bekommen würde, hätte die jeweilige Farbe des Hauses.

Eileen musste schlucken, da war es wieder, das große Problem, dass sie trotz aller Vorfreude in den letzten Wochen und Monaten hin- und hergewälzt hatte.

„Was ist los?", erkundigte sich Max, der wohl bemerkt hatte, dass sie etwas beschäftigte.

„Es ist nichts weiter", log sie, aber als sie das ungläubige Gesicht ihres zukünftigen Schulkameraden sah, seufzte sie tief und gab leise zu, „Ich bin etwas aufgeregt in welches Haus ich kommen werde!"

„Ach, diese Häuserkiste", erinnerte sich Max, „Professor Mc G. hat davon erzählt. Irgend so eine alte Mütze soll das entscheiden."

Eileen musste lachen und korrigierte ihn belustigt „Ja, der Sprechende Hut!"

„Oder so! Und was macht Dir daran Kummer?"

„Es ist so, dass für einen Hogwartsschüler das Haus eine lebenslange Bedeutung hat. Es ist wie eine zweite Familie…"

„Und?"

„Und alle Eltern möchten gerne, dass die Tochter oder der Sohn in das Haus kommt, in dem auch sie selbst schon gewesen sind", Eileen sackte etwas in sich zusammen.

„Verstehe", nickte Max, „und wo waren Deine Eltern?"

„Das ist ja das Problem, meine Mutter war in Gryffindor und mein Vater in Slytherin."

Max ging ein Licht auf und er funkelte sie lächelnd an, „Tja, da hast Du dann wohl echt ein Problem."

„Ja, kann man so sagen", murmelte Eileen und starrte auf ihren Schoß.

„Du wirst es wohl abwarten müssen, wie dieses sprechende Ding sich entscheidet oder Du musst es vorher bestechen oder überlisten!"

„Das geht nicht", schüttelte Eileen den Kopf, „aber meine Mum sagt, man kann mit ihm verhandeln!"

„Ah ja, aber wo willst Du selbst hin?", kam Max zu der alles entscheidenden Frage.

„Das ist schwierig", seufzte Eileen, „Jedes Haus ist o.K., aus allen sind große Zauberer und Hexen hervorgegangen, aber…", sie stockte, weil sie sich nicht sicher war, dass sie mit diesem Jungen, den sie gerade mal einige Stunden kannte, solche Gedanken teilen wollte.

„Aber was?"

„Ich denke, ich…" begann sie wieder, wurde aber von einer Antwort entbunden, als der Zug in den Bahnhof von Hogsmeade einlief, „Wir sind da!", rief sie und sprang mit laut klopfendem Herzen auf.

„Na, dann woll`n wir mal!", murmelte Max, schenkte ihr aber noch einen schnellen, prüfenden Blick, bevor er seinen Trolly aus dem Fach hob und sich dann nach Eileens Schrankkoffer umsah.

„Warte ich helfe Dir!", bot er an.

„Nicht nötig!", antwortete Eileen lächelnd, zückte ihren Zauberstab und ließ ihren Koffer sanft zu Boden schweben.

„Cool!", befand Max beeindruckt und schulterte seinen Rucksack, „Müsste ich das auch können?"

„Nein, woher denn, Du bist ja nicht in einer Zaubererfamilie aufgewachsen", lachte Eileen, „aber Du wirst es in nächster Zeit lernen!"

„Na, wir werden sehen!", seufzte er, anscheinend war er von seinen magischen Fähigkeiten nicht besonders überzeugt.

Der Zug bremste mit lautem Quietschen und stand nach einigem Rucken still. Auf dem Flur machte sich ein wildes und aufgeregtes Treiben breit. Alle Schülerinnen und Schüler versuchten so schnell es ging den Zug zu verlassen, was mit all dem sperrigen Gepäck und den Käfigen mit Tieren nicht so einfach war. Aber schließlich gelang es doch und auch Max und Eileen stiegen als eine der letzten die zwei Tritte zum Bahnsteig hinab.

Der junge Musiker schaute sich im Dämmerlicht des frühen Abends mit gerümpfter Nase um, „Was für ein Kaff!", war sein vernichtendes Urteil.

„Klar", bestätigte Eileen grinsend und winkte verstohlen einem hünenhaften Kerl mit Zottelbart und wildem Haar zu, „Gegen New York ist das hier natürlich nichts, aber es hat Charme und es gibt tatsächlich einige unglaublich gute Läden hier!"

„Vielleicht, aber wenn hier nicht der Hund begraben ist, dann weiß ich es echt nicht!"

„Dann sei froh, denn Du darfst im ersten Jahr eh noch nicht hier hin!", kicherte Eileen und zog ihn in Richtung des gigantischen Mannes, der jetzt mit dröhnender Stimme nach den Erstklässlern rief.

„Das ist übrigens Hagrid, er ist der Hüter der Schlüssel und Ländereien Hogwarts und unterrichtet ‚Pflege magischer Tierwesen'. Er ist ein toller Freund!"

„Er sieht … riesig aus!", stammelte Max und schaute Hagrid von oben bis unten bang an.

„Das liegt daran, dass er ein Halbriese ist!", flüsterte Eileen und sammelte sich mit ungefähr 25 bis 30 weiteren Mädchen und Jungen, von denen die meisten den Lehrer für ‚Pflege magischer Tierwesen' genauso kritisch musterten wie Max.

„Hallo zusammen, ich bin Rubeus Hagrid", strahlte er alle an und zwinkerte Eileen fröhlich zu, „herzlich willkommen hier in Hogsmeade, wir fahren jetzt mit den Booten gemeinsam über den See rüber zum Schloss. Lasst Euer Gepäck hier stehn, das lad ich fix auf eine der Kutschen."

Max starrte entsetzt Eileen an, „Ich werde mein Cello bestimmt nicht diesem Riesen anvertrauen. Hast Du seine Hände gesehen?", wisperte er entschieden und zog seinen Instrumentenkoffer näher zu sich heran, als Hagrid schon damit begann fünf Koffer auf einmal in eine große leere Kutsche ohne Zugtier zu verstauen.

„Halbriese", berichtigte ihn Eileen, „Du kannst ihn ja fragen, ob Du es doch mitnehmen darfst. Aber ich würde mir das überlegen, denn wenn es ins Wasser fällt, ist es bestimmt hin!"

Das schien ein Argument, denn als wenig später Hagrid auch nach dem Cellokoffer griff, händigte Max ihn mit sichtlicher Überwindung aus, „Passen Sie aber gut darauf auf, es ist ein Regazzi", mahnte er mit besorgter Stimme.

„Warte Hagrid", bat Eileen leise und zückte ihren Stab, „Ich lege noch einen Schutzzauber darüber, dann kann nichts mehr schief gehen!"

„Unsere Eileen!", strahlte Hagrid, „Wie Deine Mum!", dann beugte er sich aber ganz tief zu ihr herab und erkundigte sich flüsternd, „Aufgeregt?"

„Hm!", nickte sie, worauf der Halbriese seine schwere Pranke mitfühlend auf ihre Schulter fallen ließ und sie somit in die Knie zwang, „Wird schon!"

„Woher kennst Du ihn eigentlich?", erkundigte sich Max mit zusammengezogenen Augenbrauen.

„Ich kenne ihn schon seitdem ich geboren wurde, er und meine Mutter sind eng befreundet", erläuterte Eileen und wich doch dem Blick seiner blauen Augen aus.

Bald war alles Gepäck verstaut und Hagrid führte sie an das nahe Ufer eines großen und weitläufigen Sees. Dort lagen viele kleine Boote mit entzündeten Lichtern an der Spitze, denn es war mittlerweile schon fast ganz dunkel geworden.

Hagrid hatte ein Boot für sich alleine und als alle heil in den Barkassen saßen, zog er einen rosa Regenschirm aus seiner Felljacke und streckte ihn mit dem Befehl, „Los!" aus, und sogleich setzten sich alle Boote wie von Zauberhand in Bewegung und glitten sanft über den schwarzen See.

„Na, so eine Ruderpartie ohne Rudern ist doch schon mal nett!", befand Max leise und lehnte sich gemütlich zurück. Eileen aber suchte aufmerksam den Horizont ab, denn sie wollte auf keinen Fall den richtigen Augenblick verpassen. Immer wieder hatte ihre Mum, aber auch ihr Dad, Onkel Harry und Tante Ginny davon geschwärmt.

„Da!", rief sie aufgeregt, als sich die Boote gerade um eine Landzunge herumbewegten und stupste Max an.

„Was? Ohh…! Wow!", entwich es ihm und vielen anderen auch und sie hatten alle recht, der Anblick des hell erleuchteten, mächtigen Schlosses direkt vor ihnen nahm einem schlichtweg den Atem.

Genau so hatte sie sich das vorgestellt! Ganz genau so! Wunderschön!

Schon unzählige Male hatte Hagrid sie gefragt, ob sie nicht mit ihm diese Tour machen wollte, aber immer wieder hatte sie abgelehnt, denn sie wollte sich dieses Erlebnis für den heutigen Tag aufheben und es hatte sich wahrlich gelohnt.

Leider viel zu schnell für ihren Geschmack steuerten die Boote den breiten Steg des Bootshauses an und sie sah bereits von weitem die schmale, lange Gestalt von Professor McGonagall dort auf sie warten. Auch sie begrüßte die Neulinge herzlich, wenn auch deutlich förmlicher und distanzierter, als es Hagrid getan hatte, aber der wohlwollende Blick auf das große, schwarzhaarige Mädchen mit den pechschwarzen Augen war der gleiche wie bei ihrem Kollegen.

„Ist Professor Mc G. auch mit Deiner Mutter befreundet?", wisperte Max belustigt, als die stellvertretende Schulleiterin sie in Zweierreihen zügig die Treppen hinauf führte.

„Ja, tatsächlich, aber auch mit meinem Dad", flüsterte Eileen zurück, als sie durch eine beeindruckende Eingangshalle auf eine reich verzierte doppelflüglige Türe zu schritten, hinter der ein summendes Stimmengewirr davon zeugte, das die anderen Schülerinnen und Schüler bereits angekommen waren.

Kurz davor blieb die Professorin stehen und sah die Schar der Mädchen und Jungen vor ihr eindringlich an, „Meine Damen und Herren, Sie werden gleich in die große Halle geführt, wo wir gemeinsam das Bankett zum Schuljahresbeginn einnehmen werden. Aber vorher müssen wir noch herausfinden, zu welchem Haus Sie gehören werden", dann erklärte sie noch mal in etwa das Gleiche, was Eileen bereits Max im Zug erzählt hatte und öffnete dann die Türe.

Das Summen wurde schlagartig um ein vielfaches lauter, verstummte aber, als Professor McGonagall mit der verschüchtert aussehenden Gruppe neuer Schüler eintrat. Eileen begannen die Knie zu schlottern und so nahm sie auch ein erneutes tief beeindrucktes „Wow" von Max nicht wahr, der von der Decke des Raumes ganz begeistert war, sondern hatte nur Augen für den Hocker der vor dem erhöhten Lehrertisch stand und den alten, verschlissenen Spitzhut, der darauf lag und auf sie wartete.

„Igitt!", hörte sie ein blondes Mädchen mit Ringellöckchen zwei Reihen vor sich flüstern, „können die sich hier nicht was Anständiges leisten!"

„Wer weiß was da drin lebt", stimmte ihr eine sehr dralle Brünette mit Pferdeschwanz angewidert zu und zog ein Stück Schokolade aus der Tasche. Professor McGonagalls strenger Blick versagte ihr aber den Genuss und sie steckte es schnell zurück in die Tasche.

„Die sieht ja alles!", murmelte sie enttäuscht.

Der alte Hut begann sich zu regen und zwei Jungs vor ihr sprangen erschrocken einen Schritt zurück, als er auch noch begann mit knarzender Stimme zu singen.

Eileen hatte schon viele Auswahlzeremonien erlebt und jedes Mal dem Lied der weisen Kopfbedeckung aufmerksam gelauscht, aber heute ging das einfach nicht. Ihr wilder Herzschlag rauschte in ihren Ohren und sie glaubte, schon leicht panisch, jeden Augenblick vor lauter Angst in Ohnmacht zu fallen.

Hilfesuchend sah sie sich um und ihr Blick glitt automatisch zu dem erhöhten Lehrertisch, direkt vor ihr. Sofort fand sie die haselnussbraunen Augen die sie gesucht hatte. Die dazugehörige Frau Mitte Dreißig, mit braunem Lockenhaar, die auf einem großen, reichverzierten, goldenen Stuhl saß, lächelte ihr kurz beruhigend zu.

Max, der von den gesanglichen Fähigkeiten des sprechenden Hutes augenscheinlich nicht besonders beeindruckt schien, war ihrem Blick gefolgt und flüsterte leise in ihr Ohr, „Wer ist das?"

„Das ist Professor Hermine Granger. Die Schulleiterin!", antwortete Eileen und erwiderte das kurze Lächeln, wenn auch recht zittrig.

„Genau, sie war auf einer der Karten! Sie ist aber noch ziemlich jung für eine Schulleiterin", stellte Max überrascht fest und er besah sich die Direktorin eingehend, „Außerdem sieht sie gut aus!", fügte er nachdenklich hinzu, „Sie erinnert mich an wen…"

Max Gedankengänge wurden rüde unterbrochen, als sich eine lange Nase und zwei durchdringende schwarze Augen in sein Blickfeld schoben. „Oh", entwich es ihm erschrocken, „Da ist dieser finstere Zauberer von der anderen Froschkarte."

„Professor Severus Snape", wisperte Eileen und musste schlucken, denn der Blick des grimmigen Professors verlor erst nichts von seiner Grimmigkeit, als sich ihre Blicke trafen. Er schien irgendwie angespannt, seine Kieferknochen arbeiteten unruhig, dann aber zuckte seine linke Augenbraue kurz empor und Eileen hatte verstanden.

„Er hat genau so schwarze Augen wie Du!", bemerkte Max.

„Hm", machte Eileen abwesend, denn jetzt war das Lied des sprechenden Hutes zu Ende und Professor McGonagall bat die Erstklässler einer nach dem anderen in alphabetischer Reihenfolge nach vorne.

Die ersten drei wurden nach Ravenclaw und Hufflepuff verteilt und das zimperliche Mädchen mit den Ringellöcken, eine Grace Fillingham kam nach Slytherin.

Dann sah Professor McGonagall sie kurz an und räusperte sich, bevor sie laut und deutlich „Eileen Granger-Snape", aufrief.

Sofort verstummten auch die letzten Jubelrufe der Slytherins über den Neuzugang von Miss Fillingham. Alle kannten die hochgewachsene hübsche Erstgeborene der Schulleiterin und des gefürchteten Tränkemeisters und natürlich war ganz Hogwarts gespannt, zu welchem Haus der sprechende Hut sie mit dieser Familienkonstellation wohl stecken würde. Wenn man den Behauptungen von James Potter glauben wollte, wurden sogar schon Wetten abgeschlossen und es stand 70 zu 30 für Gryffindor.

Aus Eileens Gesicht wich jeder klägliche Rest an Farbe und sie musste all ihre Kraft aufwenden, um auf den wenigen Metern zu dem Hocker nicht zu stolpern oder doch noch in Ohnmacht zu fallen.

Nach außen ungerührt, aber im Inneren mehr als zittrig nahm sie den altersschwachen Hut von Professor McGonagall entgegen und setzte ihn sich auf den Kopf. Er war riesig und sackte ihr fast bis zum Kinn hinunter. ‚Hätte ich jetzt mal die Nase meines Dads, wäre er nicht so tief hinuntergerutscht', ging es ihr unglaublicherweise durch den Sinn.

„Wohl wahr", piepste eine dünne Stimme lachend in ihrem Kopf, „da bist Du ja, ich habe schon auf Dich gewartet."

„Hallo", dachte Eileen etwas einfallslos, aber ihr Kopf war einfach wie leergefegt.

„Ja, wie Deine Mum sagte", murmelte die Stimme in ihrem Kopf, „Klugheit und Begabung im Überfluss, ein gutes und mitfühlendes Herz, Ehre und Mut, Besonnenheit und Güte", zählte er auf und Eileen wurde rot, „es gäbe eigentlich keinen Zweifel über mein Urteil, aber das weißt Du ja selbst, nicht wahr."

Eileen schloss die Augen und dachte eindringlich, „Es ist nur, wegen…, Du weißt schon…"

„Ja, ja, die Oberschlange. Die wickelt Euch Grangers ja mit Leichtigkeit um den Finger!", dann seufzte er, „Hast Du Dir das auch gut überlegt?"

„Ja, habe ich, ehrlich."

„Gut", gab er nach, „wenn Du Dir sicher bist! Dann eben SLYTHERIN!"

Als Eileen den Hut vorsichtig von ihrem verschwitzen Kopf hob, brach ein unglaublicher Jubel am Tisch der Slytherins los und ein hörbar enttäuschtes Aufstöhnen von Seiten der Gryffindors. Ihr Blick aber galt nur der Frau und dem Mann am Lehrertisch.

Ihre Mutter schien zwar etwas bekümmert, aber sie zwinkerte ihr trotzdem liebevoll zu und formte stumm die Worte „Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz". Aber als sie dann in das Gesicht ihres Vaters schaute, wusste sie, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, denn sie hatte ihn noch nie öffentlich so glücklich Strahlen gesehen.

Auf dem erstbesten freien Platz am Tischende der Slytherins ließ sie sich erleichtert nieder und atmete erst einmal tief ein und aus, bevor sie überhaupt wahrnahm, dass ihre neuen Hausgenossinnen und Hausgenossen sie begeistert feierten.

Auch die restliche Auswahlzeremonie verging für Eileen wie in Trance, sie bekam aber noch mit, dass aus Max Liebermann ein Hufflepuff wurde und sie winkte ihm kurz zu, als er zu seinem Tisch, genau neben dem der Slytherins ging.

Als auch der letzte Erstklässler, ein gewisser Liam Wicon zu Gryffindor eingeteilt war und Professor McGonagall den sprechenden Hut und auch den Hocker weggebracht hatte, erhob sich Professor Granger und bat um Ruhe.

„Liebe Schülerinnen und Schüler, ein herzliches Willkommen Ihnen allen. Ich freue mich sehr, dass wir uns alle zu einem neuen Schuljahr wiedersehen, obwohl es sicherlich zwei oder drei unter Ihnen gibt, die gerne noch länger Ferien gehabt hätten", sie schenkte ihrem Mann neben sich einen bezeichnenden Blick, den er gekonnt ignorierte, bevor sie lächelnd fortfuhr, „Da Sie eine lange Reise hinter sich haben, sicherlich alle Hunger haben und müde sind, halte ich keine langen Reden, sondern wünsche einen guten Appetit!"

Damit setzte sie sich wieder und es erschienen wie von Geisterhand die wundervollsten Speisen und es wurde sehr ruhig in der großen Halle von Hogwarts, denn jetzt wurde gefuttert was das Zeug hielt.

Eileen aber beugte sich unauffällig etwas zurück, denn sie hatte natürlich längst den braunen Lockenkopf ihrer Schwester Sera und den kastanienbraunen Schopf ihrer Schwester Lillian entdeckt. Sera sah immer noch eindeutig schockiert aus, sie war für Gryffindor gewesen, lächelte ihr aber tapfer zu. Lillian grinste sie dagegen frech an und sah mit ihrer neuen Zahnlücke sehr verwegen aus.

„Morgen vor dem Frühstück", bedeutete Eileen ihren Schwestern und Lillian reckte verstehend den Daumen empor.

Dann drehte sie sich um und rief leise Max an, „Alles klar?"

Der grinste zurück, „Sicher, Miss Granger-Snape!"

„Für Dich immer noch Eileen, wenn ich bitten darf!"

„Warum hast Du nichts gesagt?", fragte er leicht vorwurfsvoll und musterte sie eingehend.

„Was sollte ich denn sagen?"

„Na vielleicht, dass Du die Tochter dieses beängstigenden Tränkespions bist und die der hübschen Schulleiterin!", er wies mit dem Daumen Richtung Lehrertisch.

„Dann hätte ich Dir auch erzählen müssen, dass Professor McGonagall meine Patin ist und James der älteste Sohn von Harry Potter, dem besten Freund meiner Mum?"

„Ja", nickte er langsam, „wäre hilfreich gewesen!"

„Das nächste Mal, ich versprech´s!"

„Wann wird das denn sein?"

„Morgen während des Unterrichts wahrscheinlich, aber ganz bestimmt vor dem Abendessen, wenn Du Lust hast!", schlug Eileen vor.

„Gut, geht klar!", stimmte Max zu und widmete sich wieder den verlockenden Speisen auf seinem Teller. Eileen war es, als wenn sie ihn noch etwas wie „Der Service hier ist der Wahnsinn", hätte murmeln hören.