4. Kapitel
"Guten Abend", begrüßte Holmes den Mann an der Rezeption. "Ich habe hier ein Zimmer und einen Tisch für ein Abendessen reserviert, auf den Namen Mr. Theodor Smith." Der Mann sah in einem großen Buch nach. "Ja, das stimmt. Sie haben Tisch Nr. 20 reserviert, nicht wahr?". "Genau", nickte Holmes. "Gut. Wenn Sie bitte dem Ober dort folgen würden... er bringt Sie zu Ihrem Tisch." "Danke", er nickte dem Mann noch einmal freundlich zu und gemeinsam folgten sie dem Ober.
Der Tisch, zu dem er sie führte, lag in einer versteckte Nische, in die nur gedämpft das Licht der prächtigen Kronleuchter drang, die an der Decke angebracht waren.
Unter den Gästen, die alle prächtige und teure Kleider trugen, war auch die ein oder andere prominente Person anwesend, die hier in diesem Hotel den Valentinstag mit ihrem Partner verbrachte.
Das Hotel war auch passend im Zeichen der Liebe dekoriert: Am Eingang zum Restaurant standen rechts und links zwei Amor Statuen aus Gold und die Servietten waren in Herzform, wie Watson beim hinsetzen bemerkte.
"Darf ich Ihnen zum Auftakt des Menüs eine Flasche Wein reichen?", fragte der Ober und Holmes warf Watson einen Blick zu. "Was meinen Sie?", fragte er. "Ich weiß nicht..." "Nun kommen Sie, machen Sie einen Vorschlag!", forderte Holmes seinen bescheidenen Freund auf. Watson schluckte. Nun ja, wenn Holmes ihn so fragte...
"Ein Rotwein wäre nicht schlecht, oder?", fragte er an Holmes gewandt, bemüht seine Stimme ruhig klingen zu lassen. "Ja", Holmes wandte sich an den Kellner. "Einen Rotwein bitte." "Wie Sie wünschen, kommt sofort", der Ober verschwand.
Inzwischen studierten die beiden Freunde die Speisekarte und nachdem der Wein gebracht, eingeschenkt und das Essen bestellt worden war, konnte Watson es nicht mehr aushalten.
"Holmes, ich möchte jetzt gerne wissen, warum sie das alles hier für mich machen.. ich meine, es ist ja nicht gerade eine alltägliche Überraschung und..."
Der Detektiv stellte sein Glas ab und sah Watson geradewegs in die Augen. Wie auf Kommando verstummte der Arzt und senkte beschämt den Blick. "Entschuldigen Sie... ich hätte wissen müssen, dass Sie den Grund erst am Ende nennen wollen..." "Sie müssen sich nicht entschuldigen", unterbrach ihn Holmes. "Sie wollten nur wissen, warum ich das hier mache und es ist Ihr gutes Recht, das zu erfahren." Er schluckte schwer und griff wieder nach dem Weinglas und nahm einen Schluck. "Nur wäre es mir wirklich lieber, wenn Sie den Grund erst nach dem Essen auf unserem Zimmer erfahren... ich hoffe, Sie verstehen das." "Ja, natürlich", Watson lächelte ihn an. "Ich kann warten." "Danke", unsicher lächelte Holmes zurück und sein Freund bemerkte, wie sich seine Gesichtszüge entspannten.
"Er hat Angst mir den Grund zu sagen", erkannte er und zu dem Herzklopfen kam jetzt noch ein Ziehen in der Magengrube...
Beim Essen konnte Watson wieder mal kaum die Augen von Holmes lassen. Er verstand selbst nicht, wie es passieren konnte, dass er sich in ihn verliebt hatte. Vorher hatte nie auch nur ansatzweise ein Mann diese Gefühle bei ihm auslösen können, wie es Holmes tat. Das hatte er vom ersten Augenblick an getan und auch die Entdeckung seiner schlechten Seiten hatte nichts daran ändern können. Selbst die Tatsache, dass er oftmals kalt wie ein Eisblock war und ihn damit zur Raserei brachte, nicht.
Es ist verrückt, dachte Watson und lächelte still in sich hinein. Einfach verrückt...
