A/N: Die ersten Rewievs! Hurray! (führt Siegestanz auf:) Danke an urseli, mirelyn und den Gast names Smile? für eure lieben Worte, sie haben wirklich geholfen dieses Kapitel zu schreiben. Meine erste PsychoKlausur hab ich jetzt auch überstanden (überlebt trifft's eher), also hab ich keine Entschuldigung mehr, nicht zu schreiben und das ist dabei entstanden:) hoffe es gefällt euch, ich liebe es Lizzie/Darcy Szenen zu schreiben:) und wie immer:

Disclaimer: Wenn es jemanden gibt, dem Jane Austens geniales Werk gehört, dann garantiert keiner 19-jährigen Psychologiestudentin, also Nein, mir gehört nichts davon :(

Kapitel 3

Wer zur Hölle hat dir erzählt, das Leben sei fair?

Eine der ersten Lektionen, die man im Leben lernt, ist die Tatsache, dass es alles andere als fair ist. Mit anderen Worten: Das Leben ist ein Miststück und es streckt dir gerne die Zunge heraus.

Nun, wenn man erst sechs Jahre alt ist und quengelt, warum die anderen in der Schule denn länger fernsehen dürfen, formulieren Eltern den Satz gerne mal in ein entnervtes Stöhnen und „ist halt so" um (letzteres kannte Lizzie eher von ihrem Vater, ihre Mutter hielt lieber eine ihrer Tiraden über die Undankbarkeit ihrer zweiten Tochter), wie auch immer, die Botschaft war die gleiche: Finde dich damit ab und mach das Beste draus.

Und das hatte sie getan, sie hatte es durch ihre verrückte Familie und ihre Schulzeit geschafft, egal was für ein Miststück das Leben sein konnte und sich einen Studienplatz in einer der besten Universitäten überhaupt gesichert. Lizzie wusste, wie man sich mit biestigen Widrigkeiten herumschlug, seien es drohende Deadlines, miese Freunde oder das absolute Arschloch von allen: Mathe.

Aber das hier schlug noch einmal alles.

Sie stand da, Mund halb offen, barfuß in einem knielangen Seidenkleid, gegenüber dem Mistkerl von Professor, dem sie nun ein Wochenende voller Recherche und Schreibarbeit zu verdanken hatte.

Professor W. Fucking Darcy. Der, nur nebenbei bemerkt, mit Vornamen anscheinend William hieß.

Er schien sich als Erster zu erholen.

„Miss Bennet", brachte er hinaus, deutlich unbehaglich. Charlies Blick wanderte irritiert von einem zum anderen.

„Professor", erwiderte Lizzie, immer noch die Arme vor der Brust, ein spöttisches Lächeln kroch ihre Lippen hinauf.

„Ihr kennt euch?", fragte Charlie gutmütig, bevor er begriff. „Warte...Professor?" Sein Kopf rotierte zu Darcy, der nun wieder in seine übliche ausdruckslose Maske gefunden hatte.

„Jup", machte Lizzie. „Mein Professor für Ethik..."

„Ach Lizzie, beschwerst du dich immer noch über diesen Idioten?", mischte sich Jane auf einmal aus der Küche ein und kam ebenfalls in den Flur. Sie blieb ein wenig abrupt stehen, als sie den Neuankömmling erblickte, der fließende, weite Rock ihres cremefarbenen Kleides wehte um ihre Knie.

Lizzie grinste. „Wie's aussieht."

„Oh", machte Jane und auch ihr Blick rotierte zwischen Lizzie und Darcy hin und her, bevor es ihr dämmerte. „William... er ist dein Professor?", fragte sie ungläubig. Lizzies Grinsen wurde noch breiter.

„Jup. Nicht wahr, Professor?" Sie blickte zu Darcy, dem das Ganze sichtbar unangenehm war.

„Äh", machte dieser, während Charlie sich vor Lachen fast nicht mehr einkriegte. Jane sah verwirrt und ein wenig nervös aus und man konnte ihr ansehen, dass es ihr extrem peinlich war, Darcy einen Idioten genannt zu haben.

„Herzlich Willkommen, William", bekam sie dann schließlich heraus und trat zu Charlie.

Darcy bekam so was wie ein Nicken zustande und schüttelte Jane die Hand.

„Oh Oh", machte dann Charlie und sah aus, als wäre er wieder einem Lachkrampf nahe. „Wenn du ihr Professor bist, Darcy, ist sie dann die Studentin, über die du dich beschwert hast? Die, die sich über deine Krawatte lustig gemacht-" Hier schnitt ihm ein indigniert aussehender Professor das Wort ab, indem er ihm seine Tasche in die Magengegend drückte.

Lizzie unterdrückte nur mit Mühe ein Schnauben, als sich die ganze Gesellschaft (ein keuchender Charlie, ein versteinert aussehender Professor und Jane, der die ganze gespannte Atmosphäre mehr als unangenehm war) auf den Weg ins Wohnzimmer machte.

„Oh Lizzie, du hast ja gar keine Schuhe an!", rief Jane aus, als sie an ihr vorbeiliefen. Ihre Schwester sah hinunter zu ihren bloßen Füßen auf den dunklen Holzdielen und begutachtete sie mit hochgezogenen Augenbrauen, als überraschte sie die Tatsache.

„Du hast mir keine gegeben", erwiderte sie dann, immer noch das spöttische Lächeln um die Lippen.

„Und das hat dich davon abgehalten welche von mir zu klauen?" Jane zog eine Augenbraue hoch. „Das tut es doch sonst auch nicht."

„Hey, das waren meine Schuhe!", rief Lizzie empört aus. „Ich hab sie mir nur zurückgeholt, nach dem du sie in deinem Schrank versteckt hast!"

Jane zog eine perfekt gezupfte Augenbraue nach oben. „Darf ich dich daran erinnern, Lizzie, dass du sie zuvor schon einmal von mir geklaut hattest?"

Lizzie verzog die Lippen zu einem Schmollmund. „Ich hab sie nicht geklaut."

„Nein, ich hab sie dir zum Abschlussball geliehen, nachdem du in letzter Minute beschlossen hast, doch noch hinzugehen!"

„Oh Oh", rief Charlie und stieß Darcy in die Seite, der dunkelhaarige Mann verzog keine Miene. „Das hört sich nach Geschwisterliebe an, was Mann?"

„Was immer du sagst, Bingley", antwortete dieser knapp, die dunklen Augen auf die Bennet-Schwestern gerichtet.

Lizzie warf ihm einen finsteren Blick zu, der Mann war eine verdammte Statue, bevor ihre Augen aufleuchteten und ihre Lippen sich zu einem amüsierten Lächeln verzogen.

„Bingley?", fragte sie und ihr Lächeln wurde, wenn möglich, noch breiter. „Ach wie süß, seid ihr ehrlich welche von den Typen, die sich nur beim Nachnamen nennen?"

Sie legte den Kopf schräg, als Charlie (wieder) zu Lachen anfing, der Professor jedoch hob nur indigniert das Kinn an. „Ich verstehe nicht, was daran so komisch ist, Miss Bennet."

„Keine Sorge", sie lachte, doch ihre Augen blitzten. „Es ist vollkommen normal für Sie, das nicht zu verstehen. Hat etwas, mit männlichem Stolz zu tun und der Unfähigkeit sich Gefühle einzugestehen."

„Lizzie", hörte sie Jane zischen, doch sie winkte bloß lächelnd ab. „Solange ihr nicht anfangt mich und Jane, Bennet 1 und Bennet 2 zu nennen, hab ich kein Problem damit."

„Moment mal", warf Jane ein, dich sich nun zu Charlie gestellt hatte, einen Arm um seine Taille geschlungen. „Hab ich das richtig verstanden? Ich bin Bennet 2?"

Lizzie zuckte mit den Schultern. „Ich bin einfach so viel cooler, als du."

„Hey, ich bin die ältere von uns beiden!", beschwerte sich Jane, aber ihr amüsiertes Lächeln brach doch durch.

„Großartigkeit geht vor Alter", erwiderte Lizzie mit einem Seitenblick auf Darcy, dessen eingefrorene Pose zeigte, dass er am liebsten überall, nur nicht hier gewesen wäre.

„Heißt es nicht eigentlich: Alter geht vor Schönheit?", konterte Jane immer noch lächelnd (ein Grinsen, das von Charlie gespiegelt wurde, während Darcy's Eismiene den perfekten Kontrast zur anderen Seite bildete.

Man sollte die drei fotografieren und das Bild „Happy Happy and Frustrated" nennen, überlegte sie, erheitert bei dem Gedanken an die Gesichter der hypothetischen Galeriebesucher.

„Aber nein", erwiderte sie. „Dann würdest du ja in beiden Kategorien gewinnen."

„Da muss ich ihr zustimmen", wisperte Charlie, der sein Lachen halbwegs unter Kontrolle gebracht hatte, in Janes Ohr. „Zumindest, was Letzteres betrifft."

Janes Gesicht nahm bei Charlies Kompliment eine interessante Rottönung an, die entfernt an die einer Tomate erinnerte. Irgendeinen Nachteil muss blasse Haut ja haben.

Sie stahl einen Blick zu Darcy, der die ganze Szene bloß mit finsterer Miene verfolgte und verdrehte innerlich die Augen.

„Wir können uns auch abwechseln", schlug sie vor und tänzelte von einem Fuß auf den anderen. Jane lachte. „Wir besorgen dir erst mal ein Paar Schuhe, Bennet 1."

„Sehr wohl, Bennet 2", erwiderte Lizzie und verbeugte sich tief vor Charlie und Darcy, bevor sie Jane hinterher hüpfte.

„Das ist nicht dein Ernst, Jane!" Lizzie sah entsetzt von dem geduldig lächelnden Gesicht ihrer Schwester hinab zu den absolut mörderischen High Heels, die sie ihr hinhielt. „Soll ich mir etwa beide Knöchel brechen?"

„Das sind keine 7 Zentimeter, Lizzie, du wirst es überleben", versicherte Jane ihr. „Außerdem, sieh mal, sie haben ein Band um die Mitte, du wirst also nicht herausfallen."

„Danke für die Albträume, Janie", murmelte Lizzie, während sie das Seidenband beobachtete (es war blau, genau wie ihr Kleid). „Jetzt fürchte ich mich nicht nur davor, mit den Teilen umzuknicken, sondern auch davor, einfach vorne herauszufallen und mir die Nase an einer dieser Granitplatten in der Küche zu brechen."

„Komm schon, zieh sie an", bettelte Jane sie praktisch und sah sie aus großen, blauen Augen an. Kein Wunder, dass Charlie Wachs in ihren Händen ist, es klappt bei mir ja auch jedes Mal...

„Na gut", stimmte Lizzie grummelnd zu. „Aber du übernimmst die Arztkosten, okay?"

„Okay", stimmte Jane glücklich ein und pflanzte Lizzie einen Kuss auf die Schläfe, bevor sie in Richtung Küche entschwand.

„Die Dinge, die ich für meine Schwester tue...", murmelte Lizzie, während sie sich in die Schuhe zwängte. Genau wie sie befürchtet hatte, gab das Seidenband so überhaupt keinen Halt.

Erst schwankend und dann zunehmend zuversichtlicher bahnte sie sich ihren Weg ins Wohnzimmer, wo Charlie und Darcy schon auf Zweien der drei Sofas Platz genommen hatten.

Sie ließ sich ein wenig undamenhaft auf die Couch gegenüber Darcy fallen und bewegte langsam ihre Füße. Sie lebten noch, Gott sei Dank.

„Willst du was trinken, Lizzie?", fragte Charlie und deutete auf die Flaschen, die auf dem niedrigen Couchtisch standen. Überlass es Upper-Class-Kids den Alkohol zu besorgen...

„Klar", erwiderte sie. „Was habt ihr denn da?"

„Whiskey, Rum, Brandy...", zählte Charlie auf und schwenkte sein eigenes Glas, zur Hälfte gefüllt mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit.

„Hört sich an, als wären wir in so einem hochexklusiven Herrenclub...", lachte sie. Darcy und Charlie sahen sich an. „Oh mein Gott, wir sind in einem Herrenclub!", rief sie dann aus, die grünen Augen weit aufgerissen.

Charlie lachte auf. „Tut mir Leid, wenn ich dich enttäuschen muss, aber deine und Janes Anwesenheit läuft dem einfach zuwider."

Lizzie lachte. „Tut mir Leid euer Freitagabendritual zu torpedieren." Sie fing den Blick des Professors auf und zwinkerte. „Nicht eifersüchtig werden."
Die dunklen Augen weiteten sich kaum merklich bei ihren Worten und sie sah zu ihrem außerordentlichen Erstaunen, wie sich die Muskeln in seinem Gesicht mit einem Schlag verhärteten, als würden innerlich zahlreiche Stahltore mit Karacho heruntergelassen. Der Typ hat definitiv Probleme...

„Also, was nimmst du?", fragte Charlie und Lizzie riss ihren Blick von Darcy los.

„Habt ihr Cola da?", fragte sie und beäugte den Rum ein wenig skeptisch.

„Klar", antwortete Charlie. „Brauchst du Koffein, oder was ist los?"

„Koffein ist immer gut", erwiderte Lizzie. „Aber ich fürchte, ohne Cola krieg ich keines von diesen Teilen hier runter." Sie schnitt eine Grimasse. „Ehrlich, das Zeug geht nur in Shots."

Charlie lachte, Darcy starrte. „Soll ich dir was aus der Küche holen?"

„Oh ja, bitte." Sei blickte auf ihre Füße. „Ich bin mir noch nicht so sicher, ob ich diesen Abend überleben werde."

„Warum ziehen Sie dann diese Schuhe an?"

Lizzie sah auf, überrascht darüber, dass Darcy anscheinend seine Stimme wiedergefunden hatte. Sie lachte.

„Ein Tipp, Professor." Sie lehnte sich ein Stück nach vorne. „Stellen Sie nie Frauen und ihre Schuhe in Frage."

Seine Miene blieb unbewegt. „Das ist schon der zweite Ratschlag, den sie mir geben, Miss Bennet."

Lizzie seufzte. „Tja, Sie sollten ihm ebenso folgen, wie dem Ersten, Professor."

Er zog eine Augenbraue hoch und aus irgendeinem Grund ärgerte sie das, doch bevor sie etwas erwidern konnte, war Charlie wieder mit der Cola da.

Sie füllte die Mischung in eines der Gläser, die auf dem Tisch standen, hielt auf dem Weg zum Mund jedoch inne und starrte eine Weile versonnen auf die dunkle Flüssigkeit.

„Was ist los, Lizzy?", fragte Charlie, der ihr sein Glas zum Toast hingehalten hatte.

„Hmm, ich überleg nur grade ob ich diesen Abend lieber für Alkohol oder Schmerzmittel gehe", erwiderte sie, ohne den Blick vom Glas zu heben.

„Nun, Sie sollten auf keinen Fall beides zusammen nehmen", begann Darcy, der Blick aus seinen Augen war noch finsterer, als zuvor.

„Wieso?", fragte Jane, die aus der Küche ins Wohnzimmer gekommen war. Sie balancierte ein Tablett mit der einen und ein Weinglas mit der anderen Hand und ließ sich neben Charlie nieder, der sofort einen Arm um ihre Schultern schlang.

„Weil deine Leber sonst Frikassee ist", erwiderte Lizzie an Darcys Stelle, entnervt von dessen arrogantem Tonfall und nahm einen tiefen Schluck. Schmerzmittel würden nicht ausreichen, um diesen Abend zu überstehen.

Jane sah von einem zum anderen und dann zu Charlie, der mit den Schultern zuckte.

„Oh", sagte sie dann ein wenig vorsichtig. „Das hört sich nicht gut an."

Darcy verdrehte die Augen bei ihren Worten, etwas, das den wütenden Funken in Lizzies Magen nur noch weiter entfachte.

„Man wird allerdings auch schneller betrunken", warf sie dann ein und zwinkerte Jane und Charlie zu.

„Ein schwacher Trost dafür, dass bei zu häufigem Gebrauch eine Lebertransplantation erforderlich ist" Das war Darcy. Schon wieder.

„Reg dich ab, Darcy", mischte sich Charlie ein, der ebenfalls Janes verwirrten Blick mitbekommen hatte und Lizzie spürte eine jähe Zuneigung zu dem neuen Freund ihrer Schwester in sich aufsteigen.

„Keine Sorge, Professor", fügt sie hinzu. „Nach Ihrem Vortrag wird hier niemand mehr auf die Idee kommen, Paracetamol mit Alkohol zu mischen."

Und wenn, dann wird es Ihr Drink sein...

Eine Weile herrschte Schweigen, nur unterbrochen von Charlies gutmütigen Versuchen ein Gespräch in Gang zu bringen, als Jane auf einmal aufsaß und Darcy fragte, was er denn trinken wollte. Lizzie sah überrascht auf und bemerkte, dass der Professor der Einzige in der Runde ohne Glas in der Hand zu sein schien.

„Ich trinke nicht", erwiderte dieser auch schon knapp und presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen.

Lizzie lachte auf. „Sie sollten aufpassen, was Sie sagen, Professor."

Der düstere Blick richtete sich auf sie, sein Hand umklammerte die Sofalehne, bis seine Knöchel weiß hervortraten.

„Und warum das?", fragte er, seine Stimme klang angespannt.

„Nun Sie sind nicht gerade eindeutig, Professor. Wollten Sie sagen, dass Sie a) überhaupt nicht trinken, b) keinen Alkohol trinken oder c) im Moment nicht durstig sind? Das Leben ist schon kompliziert genug, Sie sollten nicht die Leute auch noch dazu zwingen Ihre Sätze zu entziffern."

„Und schon wieder sagen Sie mir, was ich zu tun habe, Miss Bennet", erwiderte er und verzog die Lippen zu einem knappen Lächeln, das seine Augen nicht erreichte.

„Was soll ich sagen, Professor, Sie bringen, wie es scheint, das Schlimmste in mir hervor." Sie erwiderte seinen Blick, die Augenbraue provozierend hochgezogen.

„Darcy trinkt keinen Alkohol", mischte sich dann Charlie ein, während er sein eigenes Glas nachfüllte. „Schon seit Ewigkeiten nicht mehr."

„Ach ja?" Lizzie wandte ihren Blick wieder Darcy zu. „Und warum die Abstinenz?"

„Sie sind Medizinstudentin, ich denke, Sie kennen die physiologischen Folgen."

„Sie haben ein Alkoholproblem?" Ihre Braue zog sich, wenn möglich, noch höher in ihre Stirn. Darcy ließ so etwas wie ein Seufzen hören.

„Nein, Miss Bennet, und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie das meine Privatsache bleiben ließen."

Lizzie legte den Kopf schräg, so als müsste sie darüber nachdenken. „Na gut", sagte sie dann schließlich, bevor sich ein kleines schmales Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete. „Aber nur, wenn Sie auch meine Privatsphäre beachten, Professor."

Darcy starrte sie an, ein wenig verblüfft, wie es schien und fand nicht sofort Worte, um ihr zu antworten.

Jane und Charlie, die dem Austausch wie einem Tischtennismatch gefolgt waren, sahen beide ebenfalls ein wenig erstaunt an, bevor Charlie sich als Erster erholte.

„Ihr siezt euch immer noch?", fragte er, ein wenig ungläubig und wenig eloquent. Darcy riss seinen Blick von Lizzie los, die sich mit einem Seufzen in die Kissen zurückfallen ließ und machte Anstalten seinem Freund zu antworten, als es an der Tür klingelte.

„Das muss Caroline sein", rief Charlie mit einem Blick auf seine Uhr. „Sie wollte früher hier sein, um Jane zu treffen."

„Dann werde ich mich umziehen gehen", kündigte Darcy an und stand ebenfalls auf. Seine Miene war ausdruckslos.

„Ich schick sie dann zu dir ins Schlafzimmer!", rief Charlie mit einem Lachen aus dem Flur. Darcy antwortete nicht, sondern machte sich auf den Weg zu den Gästeschlafzimmer mit einer Geschwindigkeit, die Lizzie überlegen ließ, ob „fluchtartig" ein angemessenes Adjektiv dafür wäre.

Sie hörte Caroline Bingley lange bevor sie ins Wohnzimmer kam und selbst jetzt, zwei Stunden später dröhnte ihre Stimme noch immer in Lizzies Kopf.

Es gab ein paar Dinge an Menschen, mit denen Lizzie Bennet einfach nicht klarkam. Zum einen waren das Gerüche, abgesehen von den offensichtlichen Dingen wie Mundgeruch und Schweiß (Zwiebeln kamen an dritter Stelle), hatte sie ein dringendes Problem mit parfümierten Waschmitteln.

Es ging dabei noch nicht mal um die Duftnote (obwohl Jasmin-Hyazinthe eine wirklich schräge Mischung war), sondern mehr um die Tatsache, dass es so dermaßen künstlich roch, dass sich ihre Nase zusammenzog und sie glaubte einen Schnupfen zu bekommen (und wenn es etwas gibt, was Medizinstudenten nicht ausstehen können, dann ist es, wenn sie krank werden).

Zum anderen anderen war es der Musikgeschmack mancher Menschen. Wirklich, wenn jemand vorhatte sie zu foltern, benötigte er nicht mehr als einen CD-Player und einen Haufen Techno Schrägstrich HipHop Schrägstrich Charts Lieder, um sie in den Wahnsinn zu treiben.

Und es gab nie genug Alkohol um eine Party zu überleben, die aus solchen Liedern bestand.

Aber es gab eine Sache, die beide diese Eigenschaften übertreffen konnte und das waren Stimmen.

Jedes Mal, wenn sie jemandem zu hören musste, dessen Stimme auf die ein oder andere Art und Weise an ihren Nerven kratzte, musste sie sich festhalten, um die Leute nicht anzufauchen, einfach die Klappe zu halten.

(Sie hatte in der Grundschule von ihrer Lehrerin einmal einen Verweis bekommen, weil sie sich bei dem Vortrag einer Mitschülerin, die mit ausdrucksloser, schleppender Stimme über Elizabeth I intonierte, die Ohren zugehalten hatte).

Als also Caroline Bingley, ein 1,80 m großes, spindeldürres Klappergestell mit blonden Haaren und definitiv mehr als einer Brust-OP, hereingestelzt kam, musste Lizzie wirklich an sich halten, um die Handlung aus der Grundschule nicht einfach zu wiederholen.

„Haalloooo, Schäääätzchen!", rief sie, als sie Jane erblickte und pustete mit gespitztem Lippenstiftmund zwei Luftküsschen in die nähere Umgebung von Janes Wangen. „Es ist soooo guuut, dich eeeeendlich keeennenzulernen!" Mit klimpernden Wimpern und einer Stimme die in ihrer Oktavbreite der ihrer Mutter Konkurrenz machte (an besonders introvertierten Tagen, fragte Lizzie sich manchmal ob ihre Reizbarkeit, was Stimmen betraf auf Mrs Bennet zurückzuführen war) gab Caroline Jane einen Rundumcheck, bevor sie sie für „absolut entzüüüückend" erklärte und dann fragte, wo denn der liebe „Daaarcy", wäre.

„Er ist geflohen", erklärte Lizzie, bevor einer der Anderen einspringen konnte und Carolines Blick rotierte zu der bislang unbekannten Sprecherin.

„Und wer bist duuu?", fragte sie, Lippen in O-Form erstarrt.

„Elizabeth Bennet", erklärte Lizzie, die irgendwie das Gefühl hatte, sich mit vollem Namen vorzustellen zu müssen. „Janes Schwester."

„Wie..." Lizzie konnte sehen, wie sie überlegte und der Blick von Charlies Schwester wanderte von dem blauen Seidenkleid mit den Perlenschnüren zu den, mit einem Seidenband geschnürten Schuhen. „...niedlich", sagte sie dann und gab Lizzie die Hand.

Lizzie schüttelte sie, der Blick von Carolines Augen blieb trotz des übersprudelnden Lächelns kalt und sie fühlte sich an einen nassen Fisch erinnert.

Das war vor zwei Stunden gewesen und mittlerweile war die Party in vollem Gange. Darcy war irgendwann aus seinem Schlafzimmer wieder hervorgekommen, nur damit sich Caroline wie eine Klette um seinen Hals hatte hängen können. Lizzie hatte es mit einem amüsierten Grinsen und eindeutiger Befriedigung registriert.

Aus der Willkommensparty, die eigentlich mehr eine Art sittsames Zusammensein hatte sein sollen, war nun eine vollwertige Party mitsamt Musik und Tanzfläche geworden und Lizzie bemerkte zu ihrem Erstaunen, dass erfolgreiche Businesstypen und Anwälte sich mit ein bisschen Alkohol ebenso aufführten, wie abgebrannte Studenten.

Jane tanzte unterdessen mit einem Tablett an Snacks durch die Menge oder wurde von Charlie seinen Freunden vorgestellt, wie auch immer, sie strahlte und das kompensierte fast, fast, Lizzies schmerzende Schuhe.

Sie hatte nach dem Tanzen eine Zeit lang eine Pause eingelegt, sie war es einfach nicht gewöhnt mit so hohen Absätzen zu tanzen und so passierte es, dass sie diese eine Konversation belauschte, die sie wahrscheinlich nicht hatte hören sollen.

„Ich weiß nicht, was du dir dabei gedacht hast, Charlie." Das war Darcys Stimme. Anscheinend war er Caroline zumindest für den Moment losgeworden, denn die befand sich auf der anderen Seite des Raumes inmitten einer Gruppe ebenfalls leicht schräg stehender Hungerhaken.

„Und ich weiß nicht, was du hast, Mann. Das hier ist doch eine super Party."

„Ebendrum. Eine Party. Du sagtest, das wird ein kleine Willkommensparty für deinen neuen Engel, nicht ein solches Event."

„Ach komm, Darcy, entspann dich!", forderte Charlie ihn auf. „Trink etwas und dann geh tanzen."

„Du weißt, ich trinke nicht, Charlie. Und deine Schwester ist gerade beschäftigt."

„Dann tanz mit jemand anderem, Mann, nur komm aus deiner Höhle heraus!" Zugegeben Charlie hatte zudem Zeitpunkt schon einiges intus, daher war sein Ausdruck vielleicht nicht mehr der Beste.

„Verlang das nicht von mir! Du weißt genau, was für eine Strafe es wäre mit jemandem tanzen zu müssen, den ich nicht kenne."

Ach und mit Caroline Bingley tanzen zu müssen ist keine Strafe?

„Warum tanzt du nicht einfach mit Lizzy? Sie ist deine Studentin, du kennst sie."

„Genau, Charlie, sie ist meine Studentin."

„Sie ist süß", warf Charlie ein.

„Sie ist ganz passabel, aber nicht hübsch genug, um mich zu reizen. Abgesehen davon, sie ist unglaublich nervig und es ist nicht meine Aufgabe kleine Mädchen zu trösten, die von ihrem Tanzpartner sitzen gelassen worden sind." Na vielen Dank auch, Darcy, in welchem Jahrhundert lebst du bitte?

„Ach was, Darcy, deine Arroganz wird dich irgendwann noch in den Arsch beißen."

„Wohl eher nicht, Bingley. Geh du nur zu deinem Engel, du verschwendest hier bloß deine Zeit."

Das war es gewesen. Die ganze Zeit hatte sie hinter der halb offenen Schranktür gestanden, beschäftigt damit Charlies iTunes zu durchforsten und hatte jedes Wort mitgekriegt. Sie überlegte, ob sie zu ihm hingehen sollte, um ihm zu sagen, dass er ein Arsch war, aber sie überlegte es sich anders und knallte einfach die Schranktür zu, nachdem sie Charlies Playlist modifiziert hatte.

Darcy fuhr beinahe herum und starrte sie erschrocken an, während sie grinsend an ihm vorbei auf die Tanzfläche marschierte.

Sie tanzte eine ganze Weile, bevor ihre Füße wieder anfingen zu schmerzen.

„Ich brauche was zu trinken", sagte sie zu niemandem Bestimmten und stakste in die Küche, um sich einen Nachschub an Cola und Rum zu holen und bemerkte erst gar nicht, dass da noch jemand in er Küche saß, bis sie die Kühlschranktür schloss und sich zur Anrichte umdrehte.

„Darcy, verdammt", rief sie aus und versuchte ihren Herzschlag zu beruhigen, den der im Halbschatten sitzende Professor völlig aus dem Takt geworfen hatte.

„Leiser bitte", erwiderte der knurrend und nahm ein Schluck aus seinem Glas. Wasser, natürlich, er trank den ganzen Abend schon nichts anderes.

„Haben Sie Angst, dass ihre Verlobte sie findet?", fragte sie mit einem Grinsen und füllte ihr Glas mit Cola auf.

„Sie ist nicht meine Verlobte", spie er praktisch aus und knallte das Glas auf die Anrichte.

„Leiser, Professor, sonst werden Sie noch gefunden", spottete sie. „Die Tatsache, dass sie noch nicht einmal fragen, von wem ich spreche, sagt schon alles."
„Ach wirklich?", fragte Darcy und Lizzie registrierte, dass er die Ärmel seines Hemdes bis über den Ellbogen geschoben hatte. Er hatte wirklich hübsche Unterarme, obwohl sie keine Ahnung hatte, warum ihr das auffiel.

„Jup, Verleugnung ist ein Fluss in Ägypten." Er sah sie an und sie sah seine Augen in der Dunkelheit beinahe funkeln.

„Ich leugne nicht", erwiderte er und betonte jedes Wort einzeln.

Sie lachte kurz. „Natürlich nicht, Professor. Das würde ja allem widersprechen, was Kant je gesagt hat."

„Ich bin kein Vertreter von Kants Philosophie, Miss Bennet." Seine Finger tippten rhythmisch gegen die Kante der Herdplatte, vor der er saß.

„Tatsächlich?" Sie zog eine Augenbraue hoch. „Das hat sich gestern Morgen aber noch ganz anders angehört."

„Ich sagte, ich bin kein Vertreter seiner Philosophie, Miss Bennet, nicht dass er nicht ein paar sehr interessante Ideen und Ansätze hat."

„Also mit anderen Worten, Sie lassen uns ein ganzes Wochenende darauf verschwenden ein Essay über den kategorischen Imperativ eines Philosophen zu schreiben, von dem Sie denken, dass seine Ideen ein Haufen Scheiße sind?"

„Das habe ich nicht gesagt", erwiderte er, nun eindeutig in der Defensive.

„Nein, aber das werden sie am Montag, nachdem wir Studenten das ganze Wochenende für diese Sisyphusarbeit herausgeschmissen haben." Allmählich wurde sie wirklich wütend.

„Wir sollten wirklich Regeln für dieses Arrangement aufstellen", bemerkte der Professor anstelle einer Antwort, während sie ihr Glas umklammert hielt.

„Meinen Sie?", fragte sie und nahm einen tiefen Schluck.

„Ja, wie Charles sagte, wir siezen uns immer noch und das wird auf die Dauer ein wenig seltsam werden."

„Wirklich?", wiederholte sie ein wenig ironisch.

„Wir könnten uns einfach darauf einigen, dass wir Berufliches und Privates klar trennen. Wenn wir uns so sehen, bin ich nicht ihr Professor und Sie brauchen mich nicht dementsprechend anzureden."

„Und wie nenne ich Sie dann?", fragte Lizzie mit dem Hauch eines Lächelns.

Darcy zuckte mit den Schultern. „William vielleicht, oder Darcy, mir ist das egal."

„Na gut, Darcy dann." Er verzog die Lippen zu so was wie einem Lächeln und nickte knapp.

„Und wie darf ich Sie nennen? Lizzie, vielleicht?" Sie legte den Kopf schräg, als müsste sie nachdenken.

„Nein, ich denke nicht", erwiderte sie dann, genau in dem Moment, in dem ein neues Lied einsetzte (eines ihrer Lieblingslieder, das sie zu ihrem Erstaunen auf Charlies Ipod gefunden hatte). Darcy sah ein wenig verwirrt aus.

„Und warum nicht, wenn ich fragen darf?"

Lizzie zuckte mit den Schultern. „Nur die Typen, mit denen ich schlafe, oder mit denen ich befreundet bin, dürfen mich so nennen, da wir allerdings keines von beidem sind, schlage ich vor, Sie bleiben einfach bei Miss Bennet."

Er zog den Kopf zurück, seine Miene eine undurchdringliche Maske. Lizzie grinste und griff nach ihrem Glas, das noch halb voll war.

„Du hast doch nicht vergessen, Darcy, dass ich gerade mal „passabel" bin, oder?" Sie lehnte sich leicht zu ihm hinab. „Also, nachdem wir das geklärt haben, werde ich jetzt definitiv was trinken, ohne dass ich Angst haben muss, es könnte meine Note beeinflussen, nicht wahr?" Sie verengte ihre Augen.

„Das ist nämlich unser Deal, Darcy. Berufliches und Privates getrennt, du hast als Professor keine Ahnung, was ich in meiner Freizeit tue und es wird nicht die Art verändern, wie du mich bewertest okay?" Der Professor sah sie bloß an, eine Miene aus Eis auf seinem Gesicht.

„Viel Spaß noch mit deiner Verlobten!", rief sie dann, bevor sie wieder zurück auf die Tanzfläche lief und die letzten zehn Minuten in einem Strudel aus Körpern, Licht und Musik vergaß.

Nimm das, Miststück!

A/N: Das Lied, das am Schluss läuft, ist Planetary von My Chemical Romance (they're so fucking awesome!), hört auf jeden Fall rein, wenn man die Lyrics mit Lizzy/Darcy im Hintergrund hört ist das verdammt genial (die Ironie bringt mich dabei fast um, na gut, vielleicht nur mich, aber wie meine Mama sagt, ich bin seltsam:)

Hoffe es hat euch gefallen und: Reviews appreciated:)