Chapter 4 – Bran(d)

Albus sah kurz auf seinen Stundenplan, während er zurück ins Schloss schritt. Wie er feststellte, hatte er nun eine Doppelstunde Zaubertränke – glücklicherweise ohne Tracey. Danach war sein kurzer erster Schultag auch schon wieder vorbei. Er dachte an James und daran, dass dieser nun Verteidigung gegen die dunklen Künste hatte, und somit auch eine erste Gelegenheit, Bran Corey kennen zu lernen. Al wusste, dass sein Bruder heute mehr Stunden hatte als er und dass er ihn erst zum Mittagessen wieder sehen würde. Dennoch fand er, dass sie deutlich mehr Zeit miteinander verbrachten als sonst. Immerhin war James in den letzten beiden Jahren nur über die Ferien zu Hause gewesen.

Aus seinen Gedanken gerissen wurde er von der Stimme eines Mädchens, die überraschend hinter ihm erklang. Noch ehe er sich umdrehen konnte, tauchte Rose neben ihm auf. „Wollen wir nicht bei Hagrid vorbeisehen?", fragte sie mit einem Nicken in Richtung der Hütte des Wildhüters. Hagrid hatte ihn zwar erst für Freitag zum Tee eingeladen, doch erschien ihm der Vorschlag wie eine ganz gute Idee. Aber... „Wir müssen doch zu Zaubertränke", seufzte er und Rose zuckte mit den Schultern. „Wir haben noch ein paar Minuten Zeit. Komm schon." Sie war bereits losgerannt und Albus hatte keine andere Wahl, als ihr hinterherzulaufen. Hagrid stand, wie Albus erst jetzt bemerkte, neben der Hütte und düngte das Kürbisbeet.

„Hey, Hagrid", begrüßte die Rothaarige den Wildhüter, welcher sie offenbar erst jetzt bemerkt hatte. Überrascht blickte er auf und lächelte. „Hallo! Habt ihr keinen Unterricht?", fragte er, offensichtlich ein wenig verwirrt. „Doch", meinte Albus. „Aber erst gleich. Was düngst du da, Hagrid?", fragte er und fühlte sich ein wenig an die letzte Stunde erinnert, als sie das Flussgras gezüchtet hatten. Doch es war kein Flussgras, was da wuchs: Noch war nicht viel zu sehen, doch einige kurze, blassgrüne Pflanzen, die aussahen wie Tentakel, sprossen aus der Erde. „Das werden Quallenblumen", meinte Hagrid nur und Al beschloss, nicht nachzufragen. Auch Rose schien zu verstehen; sie beide hatten Hagrids Tonfall bemerkt. Es war jene Stimme, die man benutzte, wenn man über etwas Geheimes sprach. Etwas, über das man eigentlich nicht reden durfte.

Hagrid schien etwas sagen zu wollen, doch ein Geräusch von Flügelschlägen unterbrach ihn. Hedwig, der Waldkauz, der eigentlich ein Männchen war, ließ sich auf Als Schulter nieder. Er trug einen kleinen Brief im Schnabel, an den jungen Potter adressiert. Jetzt, wo Hedwig seinen Besitzer erst einmal gesehen hatte, hatte er wohl beschlossen, den Brief sofort zu überbringen. „Von wem ist der?", fragte Rose, doch Al gab keine Antwort. Er hatte die Handschrift seiner Mutter auf dem Umschlag erkannt und freute sich, dass sie ihm bereits so früh schrieb. Um was es wohl ging? Vielleicht hatte er etwas daheim vergessen oder es waren nur liebe Grüße von zu Hause. Als Al den Brief geöffnet hatte, wurde er dennoch überrascht. Der Brief war relativ kurz, und auf den ersten Blick sah er, dass sich die Handschrift gegen Mitte des Briefs änderte; offensichtlich hatte sein Vater ab dort weiter geschrieben. Hastig begann Al zu lesen.

Lieber Al,

wir hoffen, es geht dir und deinem Bruder gut. Wir haben von Neville gehört, dass du in Gryffindor bist – Herzlichen Glückwunsch dazu. Ich hoffe, dein erster Schultag war schön, und vielleicht hast du auch schon Freunde gefunden. Grüße bitte auch James und Rose von uns. Sag deiner Cousine auch, dass Ron und Hermine ihr bald schreiben werden. Hier zu Hause ist es wie immer, nur ruhiger. Hugo ist zurzeit oft hier; er und Lily finden es wirklich unfair, dass du jetzt schon in die Schule kannst.

An dieser Stelle hatte seine Mutter aufgehört zu schreiben. Ginny hatte offensichtlich Harry weitermachen lassen.

Anbei schicke ich dir einen weiteren Brief. Ich möchte, dass du ihn Bran Corey gibst. Achte unbedingt darauf, dass du ihn unter vier Augen sprichst. Erzähle bitte auch deinem Bruder nicht davon.

Alles Liebe

Mum und Dad

Albus war erstaunt. Erst jetzt bemerkte er den versiegelten Brief, der zusammen mit diesem im Umschlag gesteckt hatte. Der Brief an Corey war noch in einem eigenen Umschlag und ein wächsernes Siegel verschloss ihn. Weder ein Absender noch ein Empfänger waren darauf geschrieben. Albus fragte sich, warum seine Eltern ihm und nicht James den Brief anvertraut hatten, doch eigentlich war die Antwort offensichtlich. Sie wollten, dass die Sache geheim blieb. Top Secret. Sein Bruder hätte sofort die Lovegoods in die Sache hineingezogen. Doch hatte nicht auch Albus gerade Rose und Hagrid um sich? Sollte er ihnen den Inhalt des Briefes vorenthalten? So wie es aussah, blieb ihm keine andere Wahl. „Lass uns gehen", meinte er zu seiner Cousine. „Bis dann, Hagrid." Auch die fragenden Blicke von Rose ignorierte er und sie schien erneut zu verstehen, dass das einer der Momente war, in denen man nicht nachfragen durfte, weil man keine Antwort erhalten konnte.

James war nach dem merkwürdigen Gespräch mit Teddy Lupin gemütlich weitergeschlendert, auf dem Weg in das nächste Klassenzimmer. Kurz bevor sie es erreicht hatten, gesellte sich Noah wieder zu ihnen und Helena erzählte prompt von dem Gespräch. Noahs Antwort darauf war nur ein verwirrter Blick und ein Schulterzucken; auch er konnte sich offensichtlich keinen Reim darauf machen und so betraten sie das Klassenzimmer. Sie suchten sich drei Plätze in der vordersten Reihe und hatten Glück, dass es die anderen wohl vorzogen, sich weiter nach hinten zu setzen. Natürlich wussten sie alle nichts von den Gesprächen, die James belauscht hatte und von dem merkwürdigen Auftrag, den Ted anscheinend zu erledigen hatte.

So laut und aufgeregt das Gemurmel in dem kleinen Raum auch gewesen war, es war trotzdem mit einem Mal verstummt, als Corey eintrat. Es lag wohl an dieser Ausstrahlung, die er besaß; er wirkte nicht Furcht einflößend oder besonders streng, aber dennoch schaffte er es, ohne Worte den Respekt der Schüler zu gewinnen. „Guten Tag", begrüßte sie die Stimme aus dem Abteil der Lehrer; die helle Stimme, die James erst jetzt wieder ins Gedächtnis rief, wie jung Bran Corey war. James schätzte ihn auf Anfang oder Mitte 20 und umso verwunderlicher war es, wie er eine solche Ausstrahlung besitzen konnte. Er wirkte sympathisch und dennoch beschloss James, noch abzuwarten, bevor er ein Urteil fällte.

„Wie ihr sicherlich wisst, ist mein Name Bran Corey. Ich werde euch in Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten. Als allererstes solltet ihr euch darüber klar werden, was ihr in diesem Kurs erreichen wollt. Ich zum Beispiel möchte, dass ihr euch verteidigen könnt, und dass ich auch nach Ablauf dieses Schuljahres noch am Leben und bei bester Gesundheit sein werde." Einige wenige Schüler lachten, darunter auch James und Noah, und einen Moment später bereute er es. Doch Corey lächelte nur. „Lacht, wenn euch danach ist. Ihr solltet euch nicht dafür schämen; Lachen ist oft das Einzige, das euch helfen kann, euch zu verteidigen." Er erntete diesmal jedoch kein Gelächter, sondern nur einige skeptische Blicke – diesmal war keiner der Drei unter denen, die reagierten. „Lachen soll uns helfen, uns zu verteidigen?", fragte Jack nach und immer noch war Coreys Lächeln zu sehen, selbstbewusst und keineswegs arrogant.

Er setzte zu einer Antwort an, doch Helenas Arm war nach oben geschnellt. Sie hatte ein Lächeln auf ihrem Gesicht, das irgendwie abwesend wirkte, und auf einen Schlag war sie ihrer Mutter ähnlicher denn je. „Ja, Miss..." „Lovegood", stellte sich Helena vor. „Optimismus ist eine Eigenschaft, die viele dunkle Wesen fürchten. Dementoren zum Beispiel. Witzigkeit im Übermaß ist des Menschen größter Schatz." Corey sah nun gar nicht mehr wie ein Lehrer aus; sein Lächeln war breiter geworden und er wirkte nun eher wie ein guter Freund, der mit einem sprach. Er wies eine merkwürdige Ähnlichkeit zu Teddy auf. „Richtig, Miss Lovegood. Ein schönes Zitat, von Rowena Ravenclaw persönlich. Woher kennen Sie es?", fragte er sie und Helena antwortete: „Von meiner Mutter."

Corey fragte nochmals nach, ob jemand Fragen hatte, doch niemand äußerte welche. Dann begann er, seinen eigentlichen Vortrag weiterzuführen. „Dunkle Magie gibt es in vielerlei Formen und Arten, und wir werden versuchen, sie alle kennen zu lernen. Wir werden dunkle Geschöpfe ebenso intensiv durchnehmen wie Flüche. Wir werden uns gegen Irrwichte verteidigen und diverse Schutzzauber ausprobieren. Und ihr werdet lernen euch zu duellieren." Bei diesen Worten wurden vor allem die Augen der Jungs ein Stück breiter; Noah und James sahen sich grinsend an. „Aber lasst euch nicht täuschen", fuhr Corey fort. „Magische Duelle sind kein Spiel. Im Unterricht droht euch keine Gefahr, doch wenn diese Zauber wirklich einmal notwendig werden, ist der Spaß vorbei. Eure Ängste werden euch einholen."

Keiner lachte mehr. Auch die begeisterten Gesichter der Jungs waren verschwunden. Alles war ruhig. Plötzlich ließ Bran Corey wie aus dem Nichts eine Kiste vor ihnen erscheinen, etwa in der Größe eines Eulenkäfigs. Sie schien sich schwach zu bewegen und offensichtlich war etwas darin gefangen. „Euch muss bewusst werden, was es heißt, seinen Ängsten gegenüberzustehen. Ihr müsst sie bekämpfen und euch nicht von der Angst überrollen lassen. Sonst seid ihr tot." Und er öffnete die Kiste mit dem Irrwicht, und James wusste nicht einmal, woher er den Namen des Geschöpfs kannte, das gerade in die Freiheit entlassen wurde.

Eine Frau stieg aus der Kiste empor, wunderschön und mit hüftlangem, glattem weißem Haar. Ihr Blick war fest auf Corey gerichtet, und dieser blickte zurück, und erst jetzt bemerkte James, dass die Augen der Frau rot waren. Sie war komplett in weiße Gewänder gehüllt und ließ plötzlich einen Schrei hören, der irgendwie bedrohlich klang. Corey hob seinen Zauberstab, konzentrierte sich einen Moment und rief: „Riddikulus!" Die Todesfee verstummte eine Sekunde lang, dann wurde ihr Schrei zu dem grotesken Quaken eines Frosches. Corey schien entspannt und schickte nun die Schüler einen nach dem anderen nach vorne.

Die Stunde war sehr aufregend; James hatte es noch nie mit einem Irrwicht zu tun gehabt und plötzlich verstand er, wie Lachen einen vor dem Tode bewahren konnte. Vor ihm war gerade Helena an der Reihe; sie murmelte leise „Witzigkeit im Übermaß ist des Menschen größter Schatz", ehe sie mit einem gezielten Schlenker ihres Zauberstabs den Irrwicht, der die Gestalt eines Geschöpfs angenommen hatte, das James nicht kannte, lila färbte. James trat vor und in diesem Moment läutete die Schulklingel. Er seufzte, doch Corey lächelte und meinte: „Mach weiter, wenn du willst." Er war der Letzte, soweit er sehen konnte, und grinsend trat er wieder einen Schritt vor. Der Irrwicht bemerkte ihn – doch noch ehe er sich verwandeln konnte, hatte er sich zur Tür gewandt. Er verwandelte sich in ein großes, skelettartiges Geflügeltes Pferd, das James als Thestral erkannte. Die Tür öffnete sich und zu seiner Überraschung erblickte James seinen Bruder, der völlig überrascht auf den Irrwicht starrte.

Riddikulus!", erklang erneut Coreys Stimme und der Irrwicht vor Albus verpuffte und die Kiste schloss sich wieder und verschwand. „Stunde zu Ende", keuchte Corey sichtlich geschockt und James rannte sofort zu seinem Bruder. „Du Depp! Was machst du hier, verdammt?", fragte er ihn und Al schaute ihn sichtlich erbost an. „Die Stunde war zu Ende und ich muss zu Professor Corey." „Zu mir?", fragte dieser, denn er war soeben neben den beiden aufgetaucht. „Ja. James, kannst du uns bitte allein lassen?" James schüttelte den Kopf. „Nach der Nummer eben? Niemals. Helena, geh schon mal... Noah, wir sehen uns beim Mittagessen." Die beiden zögerten, verließen aber dann doch das Zimmer und Al schloss die Tür.

„Ich soll Ihnen das hier geben", meinte er und streckte Corey den Brief entgegen. „Von meinem Vater." Der Professor nickte und wies dann auf eine Tür hinter ihm. „Kommt doch bitte mit in mein Büro. Ich bin sicher, du musst dich ein wenig beruhigen, und dein Bruder will sicherlich nicht von deiner Seite weichen." „James, du hast jetzt Muggelkunde, das weiß ich genau." James lachte. „Ich lass dich ganz bestimmt nicht alleine mit... Professor Corey." Dieser lächelte wieder und James' Sympathie für ihn schwand mit jeder Sekunde. Zu dritt betraten sie das Büro, welches hinter dem Klassenzimmer lag.

Es war ein kleiner Raum, schlicht eingerichtet. Ein Schreibtisch befand sich hier, gemeinsam mit zwei Stühlen, die mit einer Bewegung von Coreys Zauberstab zu dreien wurden. „Setzt euch", forderte er sie auf und sie kamen dieser Bitte nach. Al entschied sich dagegen, Corey direkt ins Gesicht zu sehen und er bemerkte, dass auch James in Richtung Schreibtisch starrte. Kurz fragte sich der Elfjährige, ob sich sein Bruder wirklich so schlimme Sorgen machte. Ja, es war ein kurzer Schock gewesen, wie der Irrwicht in Form eines Thestrals vor ihm gestanden hatte – doch sichtbar war dieses Ding gar nicht mehr so furchteinflößend gewesen, wie James es behauptet hatte.

Albus' Blick verharrte auf dem kleinen Schreibtisch, welcher recht sauber und ordentlich aussah. Es war nicht viel zu sehen; einige Briefe, geöffnet und ungeöffnet, lagen neben einigen Rollen unbenutztem Pergament und einem Tintenfass mit strahlend blauer Tinte, welche sich so sehr von der smaragdgrünen Schultinte unterschied. Das Einzige, das auf den ersten Blick nichts mit Coreys Beruf zu tun hatte, war ein Foto, welches am Rand des Schreibtisches stand. Es zeigte einen Bran Corey im Teenageralter, mit einem Schulumhang, den ein Vertrauensschülerabzeichen und das Wappen des Hauses Ravenclaw schmückten. Er stand neben einem Mädchen, ungefähr in seinem Alter, welches ebenfalls ein Vertrauensschülerabzeichen trug, gepaart mit dem Wappen von Slytherin.

Al stutzte einen Moment lang, erinnerte sich dann allerdings wieder an die Worte, die sein Vater ihm am Bahnhof King's Cross ans Herz gelegt hatte. Die Beziehung zwischen den Häusern hatte sich geändert, Slytherins konnten durchaus mit Gryffindors oder Ravenclaws befreundet sein. Wenn er das Alter von Corey richtig schätzte, war zu dessen Schulzeit der Krieg bereits vorüber gewesen. Aber wer war diese unbekannte Slytherin, mit der der Lehrer lachend vor dem See von Hogwarts posierte? Al beschloss wieder einmal, nicht nachzufragen. Er war immerhin wegen dem Brief hier, den er Corey von seinem Vater hatte geben sollen.

Doch auch darüber sprachen sie nicht. Stattdessen verstaute der Lehrer den Brief in einer Schublade und wandte sich dann zu James. „Ich werde dich für Muggelkunde entschuldigen. Und entschuldigen möchte ich mich auch bei dir", sprach er nun Al an. „Ich sollte das nächste Mal besser aufpassen, wenn ich eine Klasse mit Irrwichten arbeiten lasse. Willst du mir vielleicht verraten, warum du Angst vor Thestralen hast? Wen hast du sterben sehen?" Der Junge war verwirrt über diese recht intime Frage und beschloss doch, sie zu beantworten. „Niemanden. Ich kann sie nicht sehen – also, normalerweise nicht. Ich... Eine Tante von mir hat mir mal ein Märchen darüber erzählt", log er. Er wollte nicht zugeben, dass sein Bruder ihm diese Angst eingeredet hatte. Corey schien es nicht zu glauben, doch beließ er es erstmal dabei.

Er betrachtete den Brief, den Albus ihm überbracht hatte, ohne ihn jedoch zu öffnen. „Professor, was...", wollte dieser bereits nach dem Inhalt des Schreibens fragen, als ihm jedoch wieder bewusst wurde, dass sein Vater diesen geheim halten wollte. Es würde ihm schon missfallen, dass James und somit bald auch die Lovegood-Zwillinge von dem Brief selbst wussten. „Ja?", fragte Corey jedoch lächelnd nach und Al suchte nach einer Frage, die er stattdessen stellen konnte. „Ich dachte nur... Kann es sein, dass ich diese Frau schon mal gesehen habe?" Er zeigte auf das Bild von Bran und dem Mädchen aus Slytherin. Der junge Lehrer lächelte – schon wieder. Langsam kaufte auch der jüngere Potter-Bruder dem Mann die gute Laune nicht mehr ab. „Das glaube ich kaum. Es ist eine alte Mitschülerin von mir – wie du sehen kannst, waren wir beide Vertrauensschüler. Aber möglicherweise erinnert sie dich ja an jemanden, den du kennst."

Er betrachtete das Bild mit einem Gesichtsausdruck, den Albus nicht wirklich deuten konnte. Vielleicht war der Lehrer nur in Erinnerungen versunken, aber irgendwie sah er traurig aus. Wahrscheinlich ging nur Als Fantasie mal wieder mit ihm durch... „Gibt es sonst noch was?", fragte James und unterbrach somit die Gesprächspause auf eine etwas unhöfliche Art. „Ja, eine Kleinigkeit", antwortete Corey. Er zog seinen Umhang aus und legte ihn über seinen Stuhl, ehe er aus einer der Schreibtischschubladen etwas herauskramte.

James' Blick fiel auf den Arm des Lehrers, wo ein seltsames Zeichen prangte. Es schien eingebrannt zu sein, wie bei Kühen. Das Zeichen sah aus wie ein Kreuz, umgeben von einem Kreis. In jeder der vier Ecken des Kreises war ein Symbol zu sehen. Vom Aufbau her ähnelte das Zeichen stark dem Wappen von Hogwarts. Doch das Brandmal zierte weder ein Löwe, noch ein Dachs, ein Adler oder eine Schlange. In der linken oberen Ecke prangte etwas, das aussah wie eine Krone. Oben rechts war eine Art Oval zu sehen, während unten links ein Dreieck gezeigt wurde. Unten rechts schließlich war das deutlichste der Symbole abgebildet: Es hatte die Form eines Totenschädels. James wurde beim Anblick des Brandmals skeptisch; jedoch beschloss er, den jungen Mann nicht darauf anzusprechen.

Corey jedenfalls schien es nicht zu stören, dass die Jungen sein Mal sahen – bedeutete das, dass es nichts Schlimmes war; kein tödliches Symbol wie der Totenschädel von Voldemorts Anhängern? Bevor James zu einer Antwort kam, hatte Bran gefunden, wonach er gesucht hatte. Er reichte Albus eine Tafel Schokolade, wieder lächelte er und seltsamerweise zog er sich wieder den Umhang über. Hatte er bemerkt, wie James auf das Brandmal gestarrt hatte? Keiner der beiden Brüder konnte es mit Sicherheit sagen. „Iss sie, und es wird dir besser gehen. Nun, ihr könnt gehen."

Mit einer Kopfbewegung wies er sie zur Tür. Er lächelte nicht.