Dieses Kapitel ist gewidmet – Trommelwirbel: mrs. spookiness!
schnuftigirl: du machst mich wirklich ganz verlegen – weiß immer noch nicht so genau, ob ich vor Freude in die Luft springen soll, oder mein tomatenrotes Gesicht irgendwo verberge – danke!
Sepsis: locker bleiben, Sev gehört mir – ähm, Quatsch, natürlich Hermione!
Majin Micha: Siehe Kapitel 3. „Wie alt bist du? Neunundzwanzig?" Severus wich den brennenden Augen des Werwolfs aus. „Fast", murmelte er. In den meisten ffs hat Sev am 09.01. Geburtstag (woher auch immer dieses Datum stammt; aber ich behalte das jetzt mal bei), also ist er jetzt 28 Jahre und 10 Monate. Und wie ich bereits oben erwähnte, Sev gehört (grummel, grummel) Hermione…
Ein ruhiges Chap – die Ruhe vor dem Sturm sozusagen…
4. Kapitel
Den nächsten Vormittag – es war Sonntag – verbrachte sie am Ufer des Sees. Es war kalt und windig, ab und zu nieselte es, aber ein simpler Wärmezauber schaffte ihr eine behagliche Ruhezone, und sie brauchte ein wenig Einsamkeit, um nachzudenken. Sie war einige Monate nicht mehr hier gewesen, aber sie war dankbar, dass sich zumindest die äußerlichen Gegebenheiten hier nicht geändert hatten.
Dem Schulleiter war bewusst, dass sie Harry und Ron alles erzählen würde, aber er hatte sie gebeten, ihre Verwandtschaft nicht überall publik zu machen. Es war schließlich auch ihre Privatsache, und sie akzeptierte das.
Sie blickte über den sich kräuselnden See. Zwei Tentakel des Riesenkraken dümpelten an der Oberfläche. Hermione lehnte sich bequem an den Stamm der Weide zurück, die genau am Ufer stand. Hier war sie geschützt vor allen neugierigen Blicken, hier hatte sie oft die Zeit mit Nachdenken oder Hausaufgaben verbracht, wenn sie nicht gestört werden wollte.
Sie sah auf ihre Hand. Sie hatte gestern vergessen, den Schnitt zu verschließen, und so war jetzt eine kleine Wunde erkennbar. Es spielte keine Rolle. Sie hatte Madam Pomfrey eine Probe ihres Blutes zum Untersuchen gegeben, aber bis jetzt hatte die Medihexe noch nichts Besonderes finden können. Verdammte Prophezeiung!
Sie dachte über Severus Snape nach, ihren ehemaligen und wahrscheinlich demnächst wieder aktiven Lehrer für Zaubertränke.
Sie erinnerte sich an all die Gemeinheiten, mit denen er sie und ihre beiden Freunde bedacht hatte, an das völlig offensichtliche Bevorzugen seines eigenen Hauses, seine harsche und abweisende Art, seine Neigung zu provozieren, zu verhöhnen, zu ungerechten Aktionen und das Verteilen von Strafarbeiten.
Hermione seufzte. Er hatte einen Oskar verdient. Nicht das irgendein Zauberer wusste, was ein Oskar war. Aber verdient hatte er ihn definitiv. Für die Rolle seines Lebens.
Trotz der Tatsache, dass er zweifellos der am meisten gehasste und gefürchtete Lehrer auf Hogwarts war, hatte er es fertig gebracht, ihnen immer diejenigen Dinge zu lehren, die sie gerade am nötigsten brauchten.
Ob es der Trank zur Schärfung der Konzentration war, der Zauber zum Entwaffnen seines Gegners oder einfach nur, ständig auf das Unerwartete gefasst zu sein.
Er war es, der jederzeit versucht hatte, sie aus lebensgefährlichen Situationen zu retten, auch wenn er das hervorragend hinter einem abfälligen Grinsen und gewaltigem Punkteabzug verbarg.
Und wahrscheinlich war es auch ihm zu verdanken, dass sie die Horkruxe innerhalb weniger Monate entdeckt hatten, denn manches Mal schienen ihnen die Hinweise geradezu glücklich in den Schoß gefallen zu sein.
Professor Dumbledore und sie hatten gestern Abend noch lange zusammen gesessen, selbst als der Tränkemeister tief eingeschlafen war. Es war ihr unangenehm gewesen, in dem Quartier ihres Lehrers am Kamin zu sitzen, aber der Direktor schien sich hier wohl zu fühlen, und wahrscheinlich wollte er noch eine Weile da bleiben, falls Snape doch noch einmal erwachen und etwas brauchen sollte.
Sie schnaubte. Da hätte er sich überhaupt keine Sorgen machen müssen. Bei dem Rausch, den Snape hatte, wäre es ein Wunder, wenn er vor heute Abend wieder erwachen würde. Fast musste sie bei dem Gedanken an den Kater, der ihn erwartete, grinsen.
Der Schulleiter hatte sie wie seinesgleichen behandelt. Das war nichts neues, aber es schmeichelte ihr trotzdem. Er hatte ihr anvertraut, dass er den Schulalltag so normal wie möglich verlaufen lassen wollte. Soweit das jedenfalls möglich war, denn es würde einige Veränderungen geben müssen.
Sowohl er als auch Professor McGonagall würden immer öfter fehlen, so auch Professor Flitwick. Sie würden im Dienste des Ordens unterwegs sein. Und da Severus Snape verletzungsbedingt noch einige Zeit ausfallen würde, müsste man improvisieren.
Das war der Punkt, an dem sie ins Spiel kam. Es hatte ihn offensichtlich Überwindung gekostet, aber dann hatte er sie gefragt, ob es ihr etwas ausmachen würde, ab und zu den Unterricht in den unteren Klassen zu übernehmen. Sie hatte ihn nur überrascht angesehen.
„Sehen Sie, Miss Granger, sie sind die Nummer Eins hier auf Hogwarts, und Sie haben schon langjährige Erfahrungen im Unterrichten ihrer eigenen Klassenkameraden. Es ist nur noch ein kleiner Schritt weiter, nicht wahr? Und hatten Sie nicht sowieso überlegt, einmal Lehrer zu werden? Mir schien, die Tätigkeit eines Aurors haben sie bereits vor einem Jahr verworfen…"
Er zwinkerte.
Deshalb saß sie jetzt hier und zerbrach sich den Kopf darüber, wie es wohl sein würde, auf einmal selbst vor einer Klasse zu stehen, selbst wenn es nur die Erst- bis Viertklässler betraf.
Natürlich, hatte ihr der Direktor versichert, würde sie sämtliche benötigten Unterlagen der verantwortlichen Lehrer erhalten, wenn sie diese Aufgabe übernehmen würde, und sie könnte jederzeit mit Problemen zu einem der anwesenden Lehrer kommen. Und doch… Es würde schwierig werden.
Und genau deswegen würde sie auch zusagen. Sie konnte einer solchen Herausforderung nicht widerstehen. Nachdem sie mit Ron und Harry die verbleibenden Horkruxe aufgestöbert und mit Hilfe des Ordens zerstört hatte, befand sie sich in einem Zustand des Wartens und Angespanntseins.
Nach all der Hektik, der Gefahr und der ständigen Wachsamkeit war es jetzt seltsam, wieder zurück zu sein und normalen Unterricht zu bekommen.
Sie machte sich keine Sorgen darüber, dass sie hinterher hinken könnte, weil sie die erste Zeit des Schuljahres gefehlt hatte; überhaupt war sie in Hinsicht auf ihren Abschluss tatsächlich viel abgeklärter geworden.
Hermione sah auf die Uhr und fuhr sich sinnend durch die Haare. Es wurde Zeit zu gehen. Sie hatte schon das Frühstück verpasst, und sollte sie auch zum Mittagessen fehlen, würden Ron und Harry wahrscheinlich die gesamte DA mobilisieren, um sie zu suchen und aus vermeintlicher Gefahr zu retten.
Sie lächelte, als sie dem Pfad zum Schloss folgte. Es war schön, solche Freunde zu haben. Und offenbar hatte sie sogar einen Ritter. Ihrer war kein strahlender Held in einer weißen Rüstung.
Sie war die Lady des Schwarzen Ritters. Dieser Gedanke brachte sie tatsächlich zum Lachen.
Professor Dumbledore wartete, bis die meisten ihr Essen beendet hatten, um seine Ankündigungen zu machen. Es gab einiges Geraune und Getuschel, als er ihnen mitteilte, dass Hermione Granger einige Unterrichtseinheiten übernehmen würde und deshalb den Status des Headgirls abgab.
Hannah Abbot würde stattdessen Schulsprecherin werden. Das Mädchen aus Hufflepuff wurde rot vor Stolz.
SSHGSSHGSSHGSSHG
Hermione räumte gerade den Raum des Headgirls auf, als Professor McGonagall anklopfte und eintrat. „Sie können auch hier bleiben, Miss Granger, das wissen Sie", sagte sie. „Miss Abbot hat angeboten, sich den Raum mit Ihnen zu teilen."
Hermione nickte. „Ja, aber um ehrlich zu sein, ich bin ganz froh, wenn ich wieder in den Gryffindorturm zurückkehren kann. Hier bin ich doch recht weit ab vom Schuss."
„Miss Granger, würden Sie mich bitte in den Kerker begleiten, sobald Sie hier fertig sind?"
Sie runzelte die Stirn. „Blutet Professor Snape wieder?"
Professor McGonagall lächelte dünn. „Nein, von einem fürchterlichen Hang-over abgesehen, geht es ihm erstaunlich gut. Er ist nur noch sehr schwach und Albus – Professor Dumbledore – war der Meinung, es sei einfacher, sich unten zu treffen, als ihm zuzumuten, zu uns zu kommen."
„Ich glaube, es ist keine gute Idee mitzukommen. Er war gestern Abend nicht sehr erfreut, mich zu sehen. Ich fürchte, das wird heute nicht anders sein", wandte Hermione unbehaglich ein.
„Er wird sich daran gewöhnen müssen. Da Sie jetzt quasi zum Personal gehören, Hermione, ist es unumgänglich, dass Sie sich öfter über den Weg laufen werden, zumal Sie beide gezwungen sein werden, eng zusammen zu arbeiten."
Sie konnte ein leises Seufzen nicht ganz unterdrücken. „Ich glaube nicht, dass mir gefällt, was Sie hier andeuten, Professor." Sie ließ noch einen letzten Blick über den Raum schweifen, um sicher zu gehen, dass sie nichts vergessen hatte. „Gehen wir."
Die Luft im Kerker war heute nicht whiskeygeschwängert, sie war frisch und minzig. Die Hauselfen hatten offenbar ihre eigene Magie verwandt, um die Räume durchzulüften und die Spuren der nächtlichen Aktionen des Tränkemeisters zu beseitigen. Auch der Hausherr selbst befand sich in weit besserer Verfassung als in den letzten Tagen.
Seinen Kater hatte er offensichtlich mit einem Trank überwunden, und auch wenn seine Bewegungen vorsichtig waren und sein Gesicht noch bleicher als sonst, dann konnte man das getrost auf seine Verletzungen schieben.
Als Hermione und Professor McGonagall eintraten, waren er und Dumbledore gerade dabei, Tee zu trinken und über etwas zu debattieren. „Du meine Güte", stöhnte Snape und rieb sich die Stirn. „Meine Nemesis!"
Hermione war sich nicht ganz sicher, doch sie hoffte, er meinte Professor McGonagall und nicht sie. Sie straffte sich und ging zu dem Tränkemeister hinüber. „Professor", begann sie und sah ihm in die Augen. „Ich möchte Ihnen danken. Sie haben mir das Leben gerettet und Ihres fast verloren und…"
Er hielt eine Hand hoch, um sie zu stoppen. „Bitte!", sagte er scharf. „Verschonen Sie mich mit Gryffindorschem Ehrgefühl und pathetischen Dankbarkeitsäußerungen!"
Hermione unterdrückte ein Gefühl aufkommenden Ärgers. Anstatt die Sache auf sich beruhen zu lassen, beugte sie sich vor, legte ihre Hände auf die Lehne seines Sessels und fuhr fort, als hätte er nichts gesagt.
„Danke auch dafür, dass Sie auf ein eigenes Leben verzichtet haben, um gegen die Dunklen Mächte zu kämpfen. Danke, dass Sie uns beigebracht haben, auf eigenen Füßen zu stehen. Und nicht zuletzt danke dafür, dass Sie immer versucht haben, uns zu schützen."
„Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden!"
Sie sah ihn nur an und streckte ihre Hand aus. „Danke!" Er musterte sie so lange, bis sie rot wurde und ihr Arm drohte schwer zu werden. Bevor ihre Hand endgültig herunterfiel, fing er sie mit überraschender Schnelligkeit auf.
Beide keuchten überrascht auf, als glühende Hitze ihre Haut zu verbrennen schien und ließen los, als hätten sie eine heiße Herdplatte berührt.
„Was haben Sie getan?", fragten sie unisono, und es wäre lustig gewesen, hätten sie nicht den identischen entsetzten Ausdruck im Gesicht gehabt.
„Was ist passiert?", fragte Professor McGonagall alarmiert.
„Er…"
„Sie…"
Sie begannen zur selben Zeit und brachen gleichzeitig ab, um sich wütend anzufunkeln. Albus Dumbledore seufzte. „Kommt schon, Kinder, ist etwas geschehen?"
„Sie hat mich verbrannt", sagte Snape schnell und streckte seine Hand vor. Der Schulleiter betrachtete sie aufmerksam.
„Nein, er hat mich verbrannt!", empörte sich Hermione und öffnete und ballte ihre Hand zu einer Faust.
„Nun, Severus, sieh selbst hin. Da ist nichts", sagte Dumbledore und wechselte einen Blick mit Minerva McGonagall, die Hermiones Hand einer kurzen Musterung unterzog. Sie schüttelte den Kopf.
„Verdammt…"
Severus verschluckte einen weiteren Fluch. Albus hatte Recht. Da war nichts. Aber er hätte schwören mögen, dass sich Feuer durch seine Handfläche fraß, als er sie berührt hatte, und ihrer Reaktion nach zu urteilen, hatte sie ähnliches empfunden. „Was geht hier vor?"
Professor Dumbledore strich sich ratlos über seinen Bart. Dann blickte er über seine halbmondförmige Brille auf den dunklen Mann.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht hängt das alles mit der Prophezeiung zusammen. Blut um Blut und Blut für Blut. Das ist klar, ihr habt beide füreinander geblutet. Schlau, mutig und treu. Das trifft auch auf euch beide zu. Die geheime Kraft der Zwei… Wir wissen noch nicht, was das bedeutet, oder?"
„Wunderbare Sache", höhnte Severus. „Die geheime Kraft sich gegenseitig zu zerstören. Als ob Miss Granger dafür geheime Kräfte bräuchte. Aber wie bezeichnend, dass es durch Feuer passiert, oder? Ich meine, schließlich hat sie ja schon vor ein paar Jahren versucht, mich abzufackeln!"
„Es war nur Ihre Robe, Sir!", verteidigte sie sich. „Und es war auch nur, weil ich dachte, dass Sie Harry verfluchen!"
„Ohhhhhh, dann ist es natürlich okay, ein Mitglied des Lehrkörpers anzuzünden. Vielleicht hätten sie einfach mal fragen sollen, Sie kleine Besserwisserin! Sonst kann man Sie vom Fragen ja auch nicht abhalten!"
„Und Sie hätten mir sicher eine wahrheitsgemäße Antwort gegeben, nicht wahr, Professor! Herrgott, ich war zwölf Jahre alt. Seien Sie doch nicht so nachtragend!"
Severus schnappte nach Luft. Was bildete sich diese kleine Know-it-all eigentlich ein? Wider Willen jedoch war er beeindruckt.
Seine Augen begannen zu funkeln, und Hermione machte sicherheitshalber einen Schritt zurück. Natürlich waren Gryffindors mutig, aber sie wussten auch, wann es Zeit für einen strategischen Rückzug war.
Zu spät.
Ohne nachzudenken – was selten vorkam, aber nicht wirklich verwunderlich war nach all den Geschehnissen der letzten Tage – fasste sie der Tränkemeister mit beiden Händen an den Handgelenken. Wieder durchzuckte beide der Schmerz des Verbrennens, doch noch bevor Severus loslassen konnte, passierte etwas Seltsames.
Ein helles blaues Licht, wie ein Elmsfeuer, lief über ihre beiden Arme, und der Schmerz hörte abrupt auf. Kleine Flammen tanzten über ihre Körper, spiegelten sich in ihren fassungslosen Augen und knisterten in ihren Haaren. Dann verschwanden sie ebenso plötzlich wie sie aufgetaucht waren.
„Was war das?", fragte Severus mit leiser Stimme. Er hielt Hermione noch immer fest umklammert, und sie stöhnte leise. Hastig ließ er los, und sie rieb ihre Handgelenke. Dunkel waren seine Fingerabdrücke auf ihrer Haut zu erkennen.
„Es tut mir Leid", murmelte der Tränkemeister betroffen. Hermione lief ein Schauer über den Rücken. Seine Stimme war dunkel und samtig und ehrlich.
„Du meine Güte", fasste sich schließlich Professor McGonagall. „Das war absolut faszinierend. Hat es immer noch gebrannt?"
Hermione schüttelte den Kopf, sowohl um ihre Gedanken wieder zu klären als auch zu verneinen. „Nur im ersten Moment. Dann war es vorbei. Aber …?"
„Die Vereinbarkeit des Blutes", erklärte Dumbledore langsam.
Die anderen starrten ihn an. Dann schnappte Hermione nach Luft. „Ich habe darüber gelesen", wisperte sie. „Das war ein Aufsatz von Nicolas Flamel in irgendeinem Fachbuch, nicht wahr? Ein Aufsatz in… in was? Angewandte Zauberkunst im Wandel der Zeiten, glaube ich."
Der Schulleiter nickte langsam. „Richtig. Und können Sie sich noch erinnern, um was es dabei ging?"
Sie versuchte sich zu konzentrieren. „Also… es ging um eine Diskussion darüber, ob es möglich ist, die Magie oder Zauberkraft von zwei oder mehr Personen zu verbinden und damit zu verstärken. Das wäre nützlich bei zum Beispiel der Bekämpfung von Drachen oder Riesen.
Da bringt es überhaupt nichts, von mehreren Seiten einen Stupor loszuschicken, denn das stört diese Wesen nicht wirklich, egal wie viele Zauberer auf sie losgehen. Aber wenn jetzt dieselben Zauberer in der Lage wären, ihre Kräfte zu verdoppeln oder zu vervielfachen, wäre es möglich, diese Wesen zu betäuben."
„Miss Granger!", stöhnte Severus Snape. „Sie sprechen hier nicht mit Longbottom. Kommen Sie doch zur Sache!"
„Na, ja, jedenfalls geht die fast einhellige Mehrheit der herkömmlichen Schulweisheit dahin, dass es keine Möglichkeit gibt, seine Kräfte mit anderen zu verbinden und somit zu verstärken. Nicolas Flamel war da anderer Meinung. Wenn ich das richtig in Erinnerung behalten habe" –
„Zweifellos…", warf Severus spottend ein.
„…dann schrieb er, bei der richtigen Zusammensetzung des Blutes, der so genannten Vereinbarkeit des Blutes, ist das durchaus möglich. Als Beispiel führte er sich und seine Frau an, sie hätten es zusammen durch ihre Blutsverbindung geschafft, den Stein des Weisen zu erschaffen."
In ihrem Inneren erschien die Seite des Buches, in dem sie darüber gelesen hatte, und sie zitierte den letzten Satz von Nicolas Flamel: „Wenn zwei Zauberer mit dem richtigen Blut sich verbinden, entsteht aus ihrer Magie etwas größeres als nur die Summe ihrer Teile."
Severus verschränkte die Arme vor der Brust. „Das hört sich schon fast wieder wie die Reinblütertheorie an", grollte er.
Dumbledore schüttelte den Kopf. „Du irrst dich, mein Junge. Nick war der toleranteste Mann, den ich je gekannt habe. Außerdem war er selbst auch nur halbblütig, und seine Frau Perenelle war sogar muggelstämmig, obwohl sie, genau wie unsere Hermione hier, eine sehr mächtige Hexe war."
Severus nickte kurz. „Ich weiß", gab er zu.
„Und was bedeutet das jetzt für uns?", fragte Hermione.
„Im Moment erst einmal gar nichts", antwortete Professor Dumbledore, wohl wissend, dass beide protestiert hätten, wäre er mit dem Vorschlag, der sich gerade in seinem Kopf formte, herausgerückt.
Ich muss sie dazu bringen, damit zu experimentieren, dachte er. Und er hatte auch schon eine Idee, wie das gehen könnte. Aber immer ein Schritt nach dem anderen.
Und wie auf ein Stichwort hörten sie ein energisches Pochen an dem kleinen runden Fenster, welches sich auf der anderen Seite des Raumes ziemlich weit oben befand.
Severus erhob sich eilig und taumelte kurz. Nein, er war noch nicht in bester Verfassung, und es ärgerte ihn. Eine Hand schob sich unter seinen Ellenbogen und verharrte dort, bis er wieder gerade stehen konnte. Ein Blick zur Seite bewies ihm, dass es tatsächlich Hermione Granger war, die ihn sicherte.
Mut hatte sie ja, die kleine Löwin, dass sie es wagte, ihn neuerlich zu berühren, nachdem, was die beiden letzten Male passiert war. Eben jetzt geschah gar nichts. Seine Augenbraue wanderte sinnend nach oben. Also nur bei direktem Körperkontakt, hm? Interessant.
Es war gut, dass er so groß war. Selbst er musste sich strecken, um das Fenster zu öffnen. Ein dunkler Schatten huschte hindurch, kreiste kurz über dem Tränkemeister und landete dann auf dem auffordernd ausgestreckten Arm.
„Hallo, Amigo!", sagte er sanft und streichelte den dunklen Kopf.
„Kjuck!", antwortete der Vogel und hielt ihm den Fuß hin.
Severus kehrte mit dem Vogel und der Nachricht zu den anderen zurück.
„Amigo!", begrüßte ihn auch Dumbledore.
„Kjuck", machte der Vogel wieder, erhob sich und segelte erst elegant zu ihm, dann zu Minerva McGonagall hinüber. Schließlich kreiste er prüfend über Hermione.
Vorsichtig streckte auch sie ihren Arm aus. Er landete und starrte sie aus gelb umrandeten dunklen Augen an. Langsam näherte sie sich mit einem Finger seinem Kopf und begann behutsam sein Gefieder zu streicheln. Seine schwarzen Federn gingen in eine blaugraue Oberseite über, seine Brust war cremefarben mit dunklen Punkten.
Der Vogel plusterte sich ein wenig auf. „Wer bist denn du, mein Schöner?", flüsterte sie ihm zu.
„Das ist Amigo, ein Wanderfalke", erklärte Professor McGonagall. „Er gehört Severus."
„Er gehört mir nicht", wandte Snape abwesend ein, während er das Pergament an Professor Dumbledore weiterreichte. „Er gehört nur sich selbst."
„Ich wusste gar nicht, dass Falken auch Briefe befördern", sagte Hermione.
„Im Prinzip nicht. Amigo erfüllt mir nur ab und zu einen Gefallen", antwortete der Tränkemeister.
„Amigo, hm? Sind sie schon lange befreundet, Sir?" Die Frage war harmlos, aber er hatte den Eindruck, dass ein neckender Unterton in ihrer Stimme mitschwang, während sie weiterhin zärtlich über die Federn des Falken strich. Amigo schien sich außerordentlich wohl zu fühlen. Statt seines üblichen „Kjuck" stieß er leisere, sanftere Töne aus.
Severus stützte seinen Kopf in seine Hand und beobachtete das ungleiche Paar, das Mädchen und den Falken. „Ich glaube", sagte er schließlich sinnend, „er sieht sich gerade anderweitig nach einem Freund um."
„Man kann auch mehr als nur einen Freund haben, wissen Sie?", murmelte sie leise.
„Nein, weiß ich nicht", antwortete er noch leiser, fast nur noch wispernd, so dass sie nicht sicher war, ob er das wirklich gesagt hatte.
Auch Minerva McGonagall hatte schließlich den Brief durchgelesen und reichte ihn an Hermione weiter. Sie überflog kurz die Zeilen. Er war von Kingsley Shacklebolt.
Moody und er hatten den jungen Malfoy befragt – danke, Snape, dein Veritasserum war sehr nützlich! – und der Sohn von Lucius hatte ihnen die Adressen und Beschreibungen von nicht weniger als sechs Häusern und Grundstücken gegeben, die nirgendwo geführt wurden.
Vier befanden sich in England, zwei in Frankreich. Da würde viel Arbeit auf den Orden und die Auroren zukommen.
Albus Dumbledore beugte sich ein wenig nach vorn und goss sich eine weitere Tasse Tee ein. „Severus, Hermione, wir müssen uns auf euch verlassen können", sagte er schließlich ernsthaft, kein Zwinkern war in seinen Augen.
„Morgen werden Minerva, Filius, Harry, Ron und ich Hogwarts verlassen. Somit seid ihr jetzt hier verantwortlich. Der Schulbetrieb muss so normal wie möglich weiterlaufen. Severus, ich soll dir von Poppy ausrichten, dass du es auf keinen Fall wagen sollst, vor nächster Woche mit dem Unterrichten zu beginnen, du musst dich noch schonen."
„Harry und Ron dürfen mit, und ich muss hier bleiben?", fragte Hermione verletzt. Der Falke rückte näher an sie heran und plusterte sich kurz auf.
„Hermione! Wir brauchen jeden, dem wir trauen können und der kämpfen kann. Harry allein für den Fall, dass wir Voldemort aufstöbern. – Denk nicht einmal daran", unterbrach sich Professor McGonagall scharf, als sich die braunen Augen verdunkelten; sie kannte ihre Schülerin sehr gut.
„Dass du hier bleibst, liegt nicht daran, dass du nicht vertrauenswürdig bist oder nicht kämpfen kannst, sondern hat zwei sehr gute Gründe: Erstens bist du die einzige unter den Schülern, die auch die Rolle eines Lehrers übernehmen kann, und zwar in ausnahmslos jedem Fach.
Und zweitens: Du bist offensichtlich auch die einzige, die dafür sorgen kann, dass unser Severus nicht verblutet, falls seine Wunde wieder aufplatzen sollte."
Ein Grollen drang aus der Kehle des Tränkemeisters. Sie saßen noch bis tief in die Nacht zusammen, um die organisatorischen Dinge zu klären, die unweigerlich auf sie zukommen würden.
SSHGSSHGSSHGSSHG
Am nächsten Morgen erwachte Hermione mit einem Druck in ihrer Brust. Ron und Harry, ihre beiden besten Freunde, sowie die Hälfte der Lehrer waren weg. Sie waren wieder einmal in Gefahr, doch diesmal war sie nicht dabei.
Trotz allem war es nicht fair. Sie konnte hier, in der relativen Sicherheit des Schlosses bleiben, während ihre Freunde jeden Moment auf Todesser treffen konnten und wahrscheinlich auch würden.
Man erwartete von ihr, dass sie Unterricht gab, und sie erwartete von sich selbst, trotzdem noch mit dem Stoff hinterher zu kommen. Sie seufzte. War das alles wirklich noch so wichtig?
Ja, gab sie sich selbst trotzig die Antwort, es war wichtig. Man durfte Voldemort nicht gestatten, die Bildung zu zerstören. Es war wichtig, selbstständig denkende Menschen zu erziehen.
Das Frühstück in der Großen Halle war stiller als sonst. Die Schüler hatten natürlich die Abwesenheit so vieler Lehrer und auch Rons und Harrys bemerkt und tuschelten entweder leise miteinander oder schwiegen gedankenvoll.
Ginny ließ sich neben Hermione plumpsen. „Hi, Mione", murmelte sie leise. Sie war kein Morgenmensch, und sie machte sich Sorgen um ihren Bruder und ihren Freund.
„Wie geht es Bill und Fleur?", fragte Hermione, in der Hoffnung, sie ein wenig abzulenken.
Ginny lächelte schwach. „Neverending Love", brummelte sie mit vollem Mund. Sie hatten tatsächlich im Sommer bei den Weasleys eine große Hochzeit gefeiert, bevor sie aufgebrochen waren, um die Horkruxe zu suchen.
Wider Erwarten war es ein schönes Fest gewesen, obwohl es so kurz nach dem angeblichen Mord an Dumbledore war.
Der Wieselbau hatte magisch vergrößert werden müssen, um all die Leute aufnehmen zu können; alle, die Hermione kennen- und schätzen gelernt hatte, waren erschienen. Die Weasley-Zwillinge Fred und George hatten keine trübe Stimmung erlaubt, ihre Scherze brachten auch noch den Letzten zum Schmunzeln.
Hermione hatte beobachtet, wie sich Tonks und Remus Lupin geküsst hatten.
„Mione?"
„Hm?"
„Läuft da eigentlich was zwischen Ron und dir?", fragte Ginny. Hermione war ihre beste Freundin, und sie hätte nichts dagegen gehabt, aber sie wollte es wissen.
„Ganz ehrlich?"
„Na klar!"
Hermione seufzte. „Ich weiß nicht. Ich liebe ihn, das weiß ich. Aber er ist für mich der Bruder, den ich nie gehabt habe, und manchmal glaube ich, er ist mein kleiner Bruder, wenn du verstehst, was ich meine."
Ginny prustete ein wenig in ihren Kürbissaft. „Also no Sex?"
„Das wäre Inzest, oder?" Hermione schüttelte sich und sah zum Lehrertisch hinüber. Es war seltsam zu sehen, dass da nur Madam Pomfrey, Madam Pince und die Professoren Vector und Sprout saßen.
Der Rotschopf folgte ihrem Blick. „Ist er wirklich wieder da?"
„Wer?"
„Snape!"
„Ja, Ginny, der ist tatsächlich wieder da. Und ich denke, ab nächste Woche wird er wieder unterrichten. Wenn er sich überhaupt solange an die Anweisungen von Madam Pomfrey hält."
„Harry hat mir einiges erzählt. Er sagt, Snape ist noch total jung. Nicht einmal dreißig."
„Ja, kaum vorstellbar, oder? Hey, Moment mal, wann hat er dir das erzählt? Und vor allem, wo?" Sie mussten sich noch in der letzten Nacht getroffen haben…
Ginny grinste nur, ignorierte aber die Frage. „Ich bin gespannt, wie er aussieht, wenn der Vielsafttrank seine Wirkung verliert", sagte sie. „Wenn das alles wahr ist, was Harry so erzählt hat, meinst du, dass er dann immer noch so ein Ekel sein wird?"
„Keine Ahnung", sagte Hermione gedankenvoll. „Sieh mal, es ist ja nicht so, dass er nur geschauspielert hätte. Das könnte kein Mensch über eine so lange Zeit. Er hat sich wahrscheinlich zu genau dem Menschen entwickelt, als der er uns erschien. Oder so… Ich weiß es nicht, ehrlich, Ginny."
Sie sah auf die Uhr. „Ich muss jetzt los, habe gleich die Hufflepuff und Ravenclaw Erstklässler in Zaubertränke."
Ginny grinste. „Na, dann viel Glück, Professor Granger!"
SSHGSSHGSSHGSSHG
Sie hatte erwartet, nervös zu sein, und das war sie auch. Aber andererseits – es machte Spaß!
Hermione hatte sogar einen Augenblick überlegt, Snapes Antrittsrede loszulassen, von wegen Ruhm in Flaschen abfüllen und den Tod verkorken und so, aber allein der Gedanke daran ließ sie schon innerlich vor Lachen beben, und sie traute es sich nicht zu, das Ganze tatsächlich laut und ernsthaft auszusprechen.
Andererseits konnte es nicht schaden, wenigstens einiges aus ihrer ersten Stunde abzufragen. Die Kids waren immerhin schon zwei Monate hier, das würden sie wahrscheinlich wissen.
„Mr. Snyder, was bekomme ich, wenn ich einem Wermutsaufguss geriebene Affodillwurzel hinzufüge?"
Der kleine blonde Ravenclaw überlegte einen Augenblick. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ähm, Miss Granger, Ma´m, aber ich glaube, daraus wird ein extrem starker Schlaftrunk gebraut?"
„Sehr gut, Mr. Snyder, fünf Punkte für Ravenclaw. Tatsächlich entsteht daraus ein so starker Schlaftrank, dass man ihn auch den Trank der Lebenden Toten nennt. Woher wussten Sie das, Mr. Snyder?"
Der Junge wurde rot. „Meine Mom arbeitet als Medihexe am St. Mungos", antwortete er.
Hermione lächelte. Ein wenig Freundlichkeit konnte nicht schaden, schon gar nicht, wenn Snape irgendwann einmal so fit sein würde, dass er wieder Vollzeit unterrichtete.
„Gut, gut. Kann mir hier vielleicht jemanden sagen, was ein Bezoar ist?" Sie blickte in die Runde. Keiner rührte sich. „Niemand? Nun, dann Federn und Pergament raus und mitschreiben."
Sie dozierte nicht lange, nur soweit, dass die jungen Schüler einen groben Überblick über die Aufgaben des Zaubertrankunterrichtes bekamen und sie verkniff sich – wieder mit einem inneren Lächeln – eine Bemerkung über „albernes Zauberstabgefuchtel".
Dann stellte sie die Schüler in Gruppen zusammen, wohlweislich so, dass immer ein Ravenclaw mit einem Hufflepuff zusammenarbeiten musste, und ließ sie einen einfachen Trank zum Aufhellen der Stimmung brauen.
Zum ersten Mal bekam sie ein Gefühl dafür, welch eine Beobachtungsgabe der Tränkemeister haben musste, um alles im Blick zu behalten. Natürlich ist es nicht gerade hinderlich, dabei aus einer Höhe von mindestens einsneunzig herabzuschauen, dachte sie, als sie ein kleines Hufflepuffmädchen davon abhielt, ihren Kessel zu überhitzen.
Hermione tadelte nicht, sondern befragte die Kleine, welche Konsequenzen hätten entstehen können. „Der Trank hätte explodieren können", antwortete sie schüchtern.
„Richtig, Miss Elcott. Und was wäre dann passiert?"
„Wir hätten uns verbrannt!", platzte ihr Ravenclawpartner dazwischen.
„Genau. Und nicht nur das, die Wirkung des Trankes wäre umgekehrt und statt eines Stimmungsaufhellers zu erhalten, wären wir alle mit hängenden Köpfen und Trauermienen hier heraus geschlichen", bestätigte Hermione, als sie weiterging und über die Schultern der Schüler sah, um die Fortschritte zu begutachten.
Vereinzeltes Gelächter belohnte ihre Worte, und als Hermione sie weiterarbeiten ließ und ihnen dabei Fragen stellte, waren die Antworten schon bedeutend lebhafter.
Sie war erstaunt, als die Doppelstunde zu Ende war. „Eure Hausaufgabe: Ein Essay über das Finden und Verwenden der Silbernen Nachtknolle bis zum Donnerstag, Herrschaften. Mir ist egal, wie lang es ist, aber es muss alle notwendigen Informationen enthalten", erklärte sie und entließ die Klasse.
Sie atmete tief durch. Sie hatte tatsächlich ihren ersten Unterricht gehalten. Und es war nicht halb so schlimm, wie sie erwartet hatte. Sie überflog kurz ihren eigenen Stundenplan.
Sie hatte jetzt selbst wieder Unterricht, eine Stunde bei Professor Sprout, danach noch eine Stunde Arithmantik. Und nach dem Mittagessen die erste richtige Herausforderung, eine Doppelstunde Verwandlungen bei den Drittklässlern von Gryffindor.
„Na, Professor, wie ist es heute gelaufen?", fragte Ginny, als sie sich zum Abendessen wieder neben Hermione setzte.
Hermione wurde rot und grinste dann stolz. „Prima", wisperte sie. „Es macht wirklich Spaß. Und nenn mich nicht immer Professor. Das ist echt peinlich!"
Ginny kicherte. „Ich habe vorhin ein paar deiner Drittklässler über dich reden hören. Die Hermione ist total coooooooooool", äffte sie dann mit verzückter Stimme nach. „Hast du sie wirklich ein Nadelkissen in einen Nagelbett für einen Fakir verwandeln lassen?"
Hermione nickte. „Ich habe ihnen gesagt, wenn es einer schafft, laufe ich mit bloßen Füßen rüber." Ein breites Grinsen war auf ihrem Gesicht.
Auch Ginny lachte laut auf. „Und? Hat´s jemand geschafft?"
„Fast alle", antwortete Hermione.
„Oh, oh, deine armen Füße…"
Hermione beugte sich zu ihr herüber und flüsterte: „Blödsinn, ein einfacher Luftkissenzauber mit einem winzigen Leviosa hat mich zu einem echten Helden gemacht!"
„Du bist also mehr oder weniger drübergeschwebt, hm? Sehr schlau, Professor…"
Sie wurden unterbrochen, als ein Vogel zwischen den Tischen hindurch schoss und auf Hermione zuhielt. Sie sah überrascht auf. „Hallo Amigo, mein Schöner!" Er begrüßte sie mit seinem inzwischen vertrauten „Kjuck!" und hielt ihr seinen Fuß hin.
Dann marschierte er würdevoll von ihrem Arm auf ihre Schulter und starrte mit seinen dunklen Augen auf die Reihen der Schüler, während er sich mit seinem Gefieder an Hermiones Gesicht schmiegte.
„Mensch, Mione, der ist ja abgefahren! Wer benutzt denn einen Falken zum Briefeschicken?", fragte Dean Thomas, der ein paar Plätze von ihnen entfernt saß.
Hermione streichelte sanft über Kopf und Flügel des Vogels. „Es ist von Snape", flüsterte sie Ginny zu. „Er will mich nach dem Abendessen sehen. Nicht so wichtig, Dean", wimmelte sie ihren Klassenkameraden ab.
Sie hatte keine Lust, allen zu erklären, dass sie heute Abend noch von dem Tränkemeister erwartet wurde. Das hätte nur zu unendlichen Fragen und Mutmaßungen geführt, und sie hatte keine Lust zu langen Erklärungen.
„Was will er denn?", wisperte Ginny zurück, während sie Amigo vorsichtig eine Weintraube anbot. Der Falke wandte seinen Schnabel ab und rieb ihn sanft an Hermiones Wange, als wollte er fragen, ob das okay wäre.
„Mich brauchst du wirklich nicht fragen, mein Schöner", sagte Hermione. „Ich denke, du gehörst nur dir selbst, hm? Ach so, warte mal: darf ich vorstellen, meine beste Freundin Ginny Weasley. Ginny – Amigo, Amigo – Ginny!"
Der Rotschopf lachte vor Freude, als der Falke daraufhin graziös die ihm angebotene Weintraube annahm. „Möchtest du nicht zurück? Er erwartet doch wohl keine Antwort, es ist ja sowieso gleich Zeit, also flieg schon!"
Amigo sah sie nur an, dachte aber gar nicht daran, wieder zu verschwinden, sondern rückte nur noch näher an sie heran. „Du bist ein süßer Bursche, ganz anders als der Besitzer deiner Räumlichkeiten", murmelte Hermione, als sie mit Ginny die Große Halle verließ und sie sich dann in der Eingangshalle trennten.
