Danke für deine Reviews Marguerida! Um deine Frage zu beantworten: Ja, bei mir ist Al in Gryffindor.

Kapitel 4

Potter?

„James! James warte!", schrie Lily und stieß den Neuankömmling und Jas (falls das wirklich sein richtiger Name war) aus dem Weg um ihrem Verlobten hinterher zu rennen, der fluchtartig den Raum verlassen hatte. Lily sprintete durch einen der Nebenräume und kam beinahe schlitternd neben James zum Stehen, der vor einem Kamin stand und schwer atmend auf ein Bild starrte, das darüber hing. Lily selbst war es im ersten Moment überhaupt nicht aufgefallen, vor allem da der Raum voller Bilder war, doch als sie eine Hand auf James' Oberarm legte und nachsah vorauf er so gespannt starrte, lief auch ihr ein Schauder über den Rücken.

Das Bild zeigte eine Frau zierliche Frau von vielleicht 40 Jahren, mit noch immer flammend roten Haaren, das nur von einzelnen grauen Strähnen durchzogen war. Sie lächelte glücklich und küsste einen Mann auf die Wange, der ungefähr gleichalt sein musste und schwarze Haare mit ebenfalls vereinzelten silbrigen Strähnen hatte.

„Er sieht aus wie mein Dad.", flüsterte James und seine Stimme klang so gepresst, dass Lily sie kaum erkannte, „Er sieht wirklich aus wie mein Dad."

„Ich verstehe das alles nicht.", gestand Lily und zwang James dazu seinen hypnotischen Blick von dem Bild abzuwenden, indem sie ihre Arme um ihn schlang und ihn zu sich drehte.

„Ich… Glaubst du, dass du deine Eltern gut kennst?", fragte James mit gebrochener Stimme und schien ihr dabei nicht einmal in ihre Augen blicken zu können.

„Meine Eltern? Was hat das mit meinen Eltern zu tun?", fragte Lily irritiert und kam sich im selben Moment schon wieder furchtbar dumm vor, denn offensichtlich sprach James nicht von ihren Eltern sondern von seinen.

„Meine Eltern waren sehr lange zusammen. Sehr lange verheiratet bevor ich geboren wurde… was… was wenn mein Dad eine Affäre hatte?", wisperte James mit Tränen in den Augen, „Das würde doch alles erklären, oder? Warum Harrison ihm so ähnlich sieht und seine Kinder auch. Warum er offensichtlich gelogen hat, was seinen Namen und sein Aussehen anging und warum er immer so bemüht um uns war."

„James…", versuchte Lily seinen hastig vorgetragenen Redefluss zu unterbrechen.

„Ist doch wahr! Warum war er immer so… nett zu uns? Er hat uns erlaubt auf Teddy aufzupassen, hat uns Weihnachtsgeschenke gemacht, hat unsere Namen von Anfang an gewusst… Wenn er mein Bruder wäre würde das alles Sinn machen!", sprach James einfach weiter, ohne dass der den Einwand seiner Verlobten überhaupt zu bemerken schien.

„Und… und es würde auch erklären woher die anderen hier sofort wussten wer wir waren, als sie unsere Namen hörten…"

„James stop!", rief Lily und zwang James praktisch ihr in die Augen zu sehen, „Ich glaube nicht, dass es so einfach ist."

„Einfach? Die Frage ob mein Vater eine Affäre hatte und ich deshalb einen unehelichen Halbbrüder ist alles andere als einfach!", antwortete James hitzig, löste sich von Lily und begann nervös im Raum auf und ab zu marschieren.

„Nein, das ist es sicherlich nicht, aber das alles würde zum Beispiel nicht erklären, woher Jas, Al und die andere wussten was eure Animagusformen sind.", versuchte Lily zu ihm durchzudringen.

„Würde es doch, wenn sie und hier in der Zukunft kennen. Wenn die Harrisons sich wieder gemeldet haben und wir deshalb Kontakt haben, dann würden sie das alles wissen, oder nicht?", fragte James beinahe hoffnungsvoll und plötzlich verstand Lily worum es hierbei wirklich ging. James klammerte sich verzweifelt an den Gedanken, dass Harrison sein Bruder sein könnte, weil es bedeuten würde, dass er nicht seine gesamte Familie verloren hatte. Dass es noch andere Potters gab als ihn, dass er nicht völlig alleine und ohne Familie war.

„Und was hat es dann mit dem Tattoo auf sich? Und warum waren weder Harrison, noch Mia und Teddy auf der Karte des Rumtreibers?", flüsterte Lily behutsam und trat wieder näher an James heran, „Wir haben doch lange gewusst, dass sie ein Geheimnis hüten, dass viel größer ist, als wir uns vorstellen konnten."

„Und was… was machen wir denn jetzt?", fragte James und wirkte dabei so klein und verloren, dass Lily in am liebsten in ihre Arme geschlossen und nie wieder los gelassen hätte.

„Na was wohl? Wir fragen unsere schweigsamen Gastgeber. Wir erfahren schon was wir wissen wollen und wenn wir es aus ihnen raus prügeln müssen.", antwortete Lily uns musste dabei zu ihrer eigenen Überraschung sogar wieder etwas lächeln.

„Du hast recht.", stimmte James ihr aufgeräumt zu, „Die Antworten sind direkt vor unserer Nase. Wir müssen sie uns nur holen." Bei diesen Worten schlang er einen Arm um Lilys Taille und gemeinsam gingen die beiden zurück ins Esszimmer, in dem beinahe tödliches Schweigen herrschte.

„Was haben wir verpasst?", rief James und wirkte dabei tatsächlich so, als wäre überhaupt nichts Außergewöhnliches passiert. Lily musste sein Pokerface wirklich bewundern, dass sich wahrscheinlich in den vergangenen sieben Jahren als Rumtreiber zur Perfektion gesteigert hatte.

„Nicht.", antwortete Peter als einiger und musterte James, als habe er Angst, dass dieser gleich zusammenbrechen würde, „Die weigern sich zu reden und wir wollten nicht zu viel fragen bevor ihr wieder da wart."

„Okay, danke dafür Leute.", antwortete James lässig, ließ sich wieder auf seinen Stuhl sinken und richtete sich geschäftsmäßig an den Neuankömmling, so als wäre das alles hier ein alltäglicher Vorgang.

„Hi, mein Name ist James Potter, das ist meine Verlobte Lily Evans und ich hoffe, dass die anderen bereits höflich genug waren um sich vorzustellen. Und wer bist du?"

Der Angesprochene wand sich nervös auf seinem Stuhl, bevor er Lilu, neben der er jetzt saß, einen fragenden Blick zuwarf, den diese mit einem resignierten Nicken beantwortete. Dann räusperte er sich vernehmlich und sagte: „Freut mich sehr euch kennenzulernen. Mein Name ist Scorpius Malfoy."

Sirius, der eben noch nervös gekippelt hatte, kippte ruckartig nach vorne, musterte Scorpius von oben bis unten und fragte ziemlich unhöflich: „Malfoy? Verwandt mit Lucius und Narzissa?"

„Ja.", kam Scorpius' aggressive Antwort, „Ein Problem für dich?"

Gerade als Sirius den Mund öffnete, zweifellos um eine wenig freundliche Erwiderung loszulassen, hoben Al und James gleichzeitig die Hände und sagte: „Schluss damit."

„Okay… Das war gruselig.", flüsterte Peter in die darauf folgende Stille hinein und Lily stimmte ihm gedanklich zu. Was auch immer hier los war, es wurde von Minute zu Minute unheimlicher. Dann betrat Hugo das Zimmer, dessen Abwesenheit Lily bis dahin noch überhaupt nicht aufgefallen war, und sagte: „Alles klar, ich habe zwar Teddy nicht erreicht, aber seinen Kollegen und hab dann bei dem eine Nachricht hinterlassen. Er hat versprochen Teddy so schnell wie möglich zu benachrichtigen."

„Eine Nachricht? Sowas wie: Hilfe, wir haben Gäste aus der Vergangenheit und können Onkel Harry nicht Bescheid sagen, weil wir dann bald ebenfalls Vergangenheit sind?", fragte Rose.

„Oh bitte, Schwesterherz. Du kannst mir wirklich etwas mehr zutrauen.", antwortete Hugo augenrollend und ignorierte dabei das ungläubige Schnauben, das er als Antwort nicht nur von Rose, sondern auch von Lilu, Jas und Scorpius bekam. Nur Al schien nichts an der gegenwärtigen Situation amüsant zu finden.

„Teddy kommt also hierher? Und bis dahin schweigen wir uns nur an?", fragte Remus, den ersten Teil hoffnungsvoll, den zweiten eher nicht.

„Ganz ehrlich: Wir haben keine Ahnung wie unser Handeln die Vergangenheit beeinflussen kann, deshalb warten wir und hoffen, dass Teddy mehr Ahnung hat. Am besten wäre dafür eigentlich unser Dad, aber der ist noch auf Geschäftsreise und wird nicht so schnell hier sein können.", erklärte Al und sah Remus dabei beinahe mitleidig an.

„Toll. Was machen wir denn dann solange? Und anstarren? Oder uns weitere Namen ausdenken, denn ich nehme ja mal nicht an, dass ihr uns eure richtigen gesagt habt.", warf Sirius augenrollend ein und begann genervt wieder zu kippeln. Auch Lily kam dabei ein ungemütlicher Gedanke. Hatte sie nicht gedacht ein Echo zu hören, als sie vorhin auf ihren Namen geantwortet hatte? Konnte das etwas bedeuten, dass Lilu…

Doch ihr Gedankengang wurde unvermittelt unterbrochen, als Jas sagte: „Wir haben nicht gelogen was unsere Namen angeht, falls du das meinst. Wir haben nur die Wahrheit etwas verdreht."

„Verdreht? Wie heißt du dann wirklich?", fragte Peter und blickte hoffnungsvoll auf Jas, der allerdings nur die Stirn in Falten legte und Peter auf eine Weise ansah, die Lily bis jetzt nur bei einer Person jemals gesehen hatte.

„Schluss damit!", rief sie laut und war aufgestanden ohne es selbst zu bemerken. Alle zuckten zusammen und starrten sie entsetzt an.

„Dein Dad hat schon immer so komisch geguckt, wenn Peter ihm eine direkte Frage gestellt hat und du jetzt auch? Ich will jetzt endlich wissen, was hier los ist! Und wag es ja nicht mich anzulügen!", zischte sie wütend und hatte drohend den Finger auf Jas gerichtet, der aussah als hätte er einen Geist gesehen.

Genau in dem Moment als Jas den Mund öffnete um, wie Lily hoffte, zu antworten, schallte eine Stimme vom Flur her: „Hey Leute! Wo seid ihr?"

Überrascht hielten alle inne und Lily fragte sich gerade stirnrunzelnd, ob in diesem Haus eigentlich immer jeder einfach hereinkam ohne zu klingel oder ähnliches.

„Wir sind hier. Im Esszimmer!", rief Lilu laut und sah gleichzeitig ängstlich und gespannt aus.

„Mal ehrlich. Hab gerade eure Nachricht bekommen. Der Preis für die kryptischste Nachricht des Jahres geht eindeutig an Hu….", mit offenem Mund brach der Neuankömmling ab, als er das Esszimmer betrat und sein Blick auf die Zeitreisenden viel.

„Sagt mir, dass das hier nicht das ist wonach es aussieht.", zischte er so leise, dass Lily ihn kaum verstand und sie bemerkte, dass seine gefährlich blitzenden Augen augenblicklich zu Jas wanderten, der in seinem Stuhl bedeutend zu schrumpfen schien. Doch Lily hatte im Moment keine Zeit einen Gedanken an Jas zu verschwenden, völlig gebannt starrte sie auf den großen, selbstsicher wirkenden Mann, der direkt vor ihr stand. Sein ganzes Auftreten strahlte Sicherheit und Autorität aus, nur seine Haare nicht. Die waren nämlich von knall türkiser Farbe.

„Teddy?", flüsterte Remus ungläubig und Lily wandte sich um, um zu sehen, dass Remus genauso überrascht aussah, wie sie sich fühlte.

Langsam, fast gezwungen wanderte Teddys Blick zu Remus, dann zwang er sich ein Lächeln ab und antwortete: „Hallo Remus, es ist schon ziemlich lange her, oder?"

„Du… du erinnerst dich an und?", fragte Sirius und starrte atemlos auf den jungen Mann, den er vor ein paar Wochen noch auf dem Arm durch die Gegend getragen hatte.

„Nur an Bruchstücke, einzelne Bilder und Worte. Und natürlich an die Geschichten, die ich gehört habe. Z.B. über blaue Gesichter.", antwortete Teddy ruhig und wandte dabei seinen Blick nicht einmal für eine Sekunde von Remus' Gesicht, „Habt ihr Harry schon Bescheid gesagt?"

„Noch nicht.", antwortete Lilu, „Wir wussten nicht…"

„Ob ihr Ärger kriegt oder nicht ist dabei verdammt egal, Lily!", antwortete Teddy ruhig und Lily zuckte entsetzt zusammen, als sie ihre wage Vermutung von vorhin bestätigt sah, „Das hier geht weit über mein Wissen hinaus. Ruf deine Eltern, die haben weit mehr Erfahrung mit Zeitreisen als ich."

„Wer bist du?", fragte Remus und starrte Teddy noch immer wie gebannt an. Der seufzte jedoch nur schwer und sagte: „Lasst uns auf Harry warten."

„Dafür ist es jetzt zu spät.", wandte James ein, „Wir wissen schon zu viel, um uns im Ungewissen zu lassen. Ihr müsst uns jetzt eh alles sagen."

„Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und selbst wenn, ich hätte es lieber wenn Harry und Ginny dabei wären.", antwortete Teddy und massierte sich die Schläfen, als hätte er furchtbare Kopfschmerzen, während Lilu/Lily aufstand um ihrem Vater eine Nachricht zukommen zu lassen.

„Ginny. Ist das Mias richtiger Name?", fragte Peter und schien sich damit an die Information zu klammern, die im Moment am ungefährlichsten schien.

Teddy nickte nur, dann sagte er: „Rose, kannst du Victoire Bescheid sagen, dass ich heute hier essen werde und wahrscheinlich hier übernachte? Sonst macht sie sich noch sorgen."

„Klar.", antwortete Rose, stand auf und verließ den Raum.

Plötzlich schien alle Kraft aus Teddy zu weichen und erschöpft setzte er sich auf einen der freien Stühle.

„Und jetzt?", fragte Hugo, „Was machen wir jetzt?"

„Wir warten.", antwortete Al an Teddys Stelle, „Wir warten darauf, dass der Big Boss nach Hause kommt."