Zwei Stunden später, als der Mistkerl wieder kam, war ich bereits am Heulen. Mein ganzes Gesicht war nass und ich schluchzte laut. Obwohl ich ihn eigentlich anschreien wollte. Aber es klappte nicht… ich konnte nicht…

„Mach es weg…", heulte ich als er vor mir stand und ich ihn aus verheulten Augen von unten anschaute. „H-Hol es… raus…"

„Hast du schon genug?"

„Verdammt! Hol es einfach raus!", schrie ich, ich konnte nicht mehr.

„Das geht auch netter.", gab er grinsend zurück und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Dann machte er zuerst die Fesseln los und holte anschließend das Teil aus mir raus. Ich fühlte mich echt erlöst… und jetzt nur noch schlafen… Der Mistkerl zog mir noch meine Hose an, was nicht unbedingt vergnüglich war, weil meine Oberschenkel noch immer wehtaten und mein Hintern jetzt sowieso. Und das enge Lackleder nicht besonders angenehm auf der Haut war gerade. Er drehte mich um - ich heulte noch immer - sodass ich auf der Seite lag und strich mir über den Rücken. Verdammt der soll mich schlafen lassen! „Und wirst du mir nun endlich verraten wie man unseren derzeitigen Oberherrscher loswird?"

„N-Nein, einem Hund wie dir werde ich niemals irgendwas sagen, klar?" Er schüttelte leicht den Kopf und gab ein unzufriedenes Geräusch von sich.

„Ich kann das Teil auch wieder da reinstecken, wo es eben war."

„Nein!", schrie ich protestierend und unter Tränen auf. Fuck! Das war scheiße! Ich hasste es zu heulen, und jetzt erst recht.

„Also?"

„Ich sag dir nichts…"

„Du willst es nicht anders oder?", fragte er und ich schwieg. So ein Arsch!

Er war kurz davor mir meine Hose doch wieder runterzuziehen, als sich jemand hinter ihm meldete und ihm mitteilte, dass ein wichtiger Gast angekommen sei. Der Mistkerl ließ mich los, rückte meine Klamotten zurecht, zerrte mich dann vom Boden hoch und übergab mich dem Typen.

„Hier, wenn ich zurück bin will ich, dass er gestanden hat."

„Wie Ihr wünscht, Meister."

Eigentlich war ich schon halbtot, als der Typ mich auf die Schulter packte, aber dann wurde alles nur noch schlimmer.

Er brachte mich in einen anderen Raum, einen anderen Folterkerker, an der Wand hingen wie üblich Folterinstrumente. Er legt mich dann auf dem Boden, vor einem großen Becken ab. Irgendwie schwante mir Übles.

Zu dumm, dass ich mich kein Stück rühren konnte.

„So Kleiner, wie wär´s mit Wahrheit rausrücken?"

„Ihr könnt mich mal…", war meine Antwort. Wie üblicher Weise.

„Vielleicht überlegst du es dir noch einmal?"

„Nein!"

Der Kerl packte mich an den Haaren, zerrte mich näher an das mit Wasser gefüllten Becken und tauchte mich hinein. Ich hielt die Luft an, obwohl ich mich erschreckte weil es so verdammt kalt war gelang es mir mich nicht daran zu verschlucken. Er zerrte mich wieder raus, sofort schnappte ich nach Luft.

„Und jetzt?"

„Nein!"

Und wieder wurde ich unter Wasser gedrückt. Scheiße, war das kalt! Wir waren zwar nicht besonders kälteempfindlich, aber mir wurde dennoch ziemlich kalt davon, außerdem begann mein Kopf wehzutun davon. Vermutlich fror mein Gehirn grad ein. Wieder wurde ich rausgezogen.

„Wir können auch so weiter machen, bis du sprichst."

„Ich hoffe du hast Zeit…", schaffte ich es noch zu sagen, bevor sich mein Kopf erneut unter Wasser befand und ich mich diesmal wirklich am Wasser verschluckte. Er zerrte mich wieder raus, hustend fluchte ich vor mich hin und erwähnte dabei die ganze Familie des Typens, selbst seine ungeborenen Enkelkinder.

Dieser verdammte Kerl! Er hatte einfach nicht aufgehört meinen Kopf unter Wasser zu drücken, und das obwohl ich mehrfach fast erstickt bin. Ich zitterte am ganzen Körper, weil mir kalt war. Ich war müde und erschöpft, ich hatte einfach genug… verdammt, ich wusste gar nicht wie es war wenn man fror… das war so untypisch, und lag wohl am Schlafentzug oder an der Folter oder keine Ahnung! Ich konnte gar nicht mehr klar denken. Ich hörte ihn nur laut lachen und dann wurde ich hochgezerrt und landete komplett im kalten Wasser. Vor Schreck schrie ich auf.

„Und jetzt? Sagst du es jetzt?"

„N-N-Nein!", brachte ich zitternd hervor, und schon drückte der Kerl meinen Kopf erneut unter Wasser. Als ich wieder oben war, befand sich der Oberarsch im Raum.

„Und wie sieht´s aus?"

„Nichts Meister."

„I-I-Ich h-hoffe d-du verreckst an e-einem g-grauen-h-haften T-T-Tod!" Er guckte zu mir runter.

„Wie schmeichelhaft.", gab er zurück und hockte sich neben dem Becken. „Ist dir etwa kalt?"

„N-N-Nein, i-ich zitter einfach s-so!"

Er streckte seinen Arm nach mir aus und holte mich aus dem kalten Wasser. Zitternd stand ich vor ihm, naja ich versuchte es, doch meine Beine gaben nach und ich fiel fast um. Der Mistkerl hielt mich fest, und da wo er mich anfasste brannte meine Haut.

„L-Lass m-mich los!" Doch anstatt mich loszulassen drückte er mich fester an sich. Meckerte seinen Foltermeister an, dass er mich fast umgebracht hat und trug mich dann raus in den anderen Kerker, wo ich mich sonst immer befand. Dort legte er mich erst mal ab. Ich zitterte noch immer wie verrückt und rollte mich zusammen.

Wenn mir grad nicht so kalt gewesen wäre, würde ich sicher was zickiges und beleidigendes sagen, aber ganz ehrlich es ging grad einfach nicht. Nicht in diesem Zustand.

Ich versuchte mich zu wehren als der Typ seine Hände auf mir hatte, aber nicht besonders lang. Ehrlich ich hab den Protest nach drei Sekunden aufgegeben und ließ ihn einfach machen, was er da vorhatte.

Er zog mir die nassen und kalten Sachen aus, und legte sie neben sich auf den Boden. Fuck, das war kein Deut besser. Naja vielleicht schon. Irgendwie.

Und dann fühlte ich seine Hand auf meinem Rücken, genau zwischen den Flügeln. Er zeichnete vorsichtig die Knochen mit dem Finger nach bis seine Hand sich dort befand wo ich sie am wenigstens wollte. Auf meinem Hintern. Dort ließ er sie kurz ruhen, bevor er mich zu sich umdrehte und mich ansah. Es war mir in diesem Moment nicht einmal peinlich nackt vor ihm zu liegen. Wenn einem so verdammt kalt ist und man gleich einschläft ist einem sehr vieles verdammt egal.

„Willst du nicht doch lieber reden?", fragte er.

„N-ein..."

„Ich hoffe du bist dir dessen bewusst, dass es nur noch schlimmer wird, wenn du nicht sprichst."

„Mir egal...", gab ich schwach aber dennoch zickig zurück. Er lachte leise auf.

„Du bist wirklich niedlich, so wie du deinen Stolz verzweifelt festhältst."

Seine andere Hand legte sich um meinen Nacken und hob meinen Oberkörper an, mit der anderen die eben noch auf meiner Hüfte lag, hielt er meinen Kopf fest und dann passierte es.

Seine Lippen lagen auf meinen, und ich konnte nichts dagegen tun, weil ich einfach keine Kraft hatte mich zu wehren. Er ließ wieder von mir ab. Leckte sich über die Lippen. Meine fühlten sich jetzt um einiges wärmer an. Vor Wut darüber, was er da eben gemacht hat wurde mir schwindelig, oder lag es an der Müdigkeit? Vielleicht auch an der Kälte.. ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, wie er mich wieder hinlegte und alles um mich herum schwarz wurde.

Dieser …. Ochse! Mir fiel nicht mal was Besseres ein, dabei war mein Wortschatz an Beleidigungen eigentlich weitaus größer. Das erste was ich gemacht hatte als ich wieder wach war, war mein den Mund abzuwischen. Bah! Ekelhaft! Wie konnte der nur?

Naja und das zweite was ich tat: Ich zog mich erst mal wieder an. Meine Sachen waren wieder trocken und außerdem war ich nicht gefesselt wie sonst auch immer. Schnell zog ich mir die Lacksachen an, und zog die Schnüren zu. Gut hinten an den Flügeln, da brauchte ich dann doch Hilfe. Bekanntlich wuchsen uns keine weiteren Arme dort. Aber das machte nichts, solang ich wenigstens nicht nackt war!

Ich lehnte mich an die Wand, sie war feucht und nass, und seufzte erst mal. Mal nachdenken. Ich war nicht gefesselt, ich war ausgeschlafen und ich war angezogen. Das hieß, ich könnt versuchen zu flüchten. Gut ich war zwar komplett Waffenlos, aber ich könnte mir mal die Gitter angucken. Gesagt – getan.

Ich begutachtete das Schloss und die Gitter, und kam zu dem Entschluss, dass hier wohl noch keiner geflohen war. Und wenn doch, dann hat man danach die Kerker modernisiert. So schnell kam ich hier also wohl doch nicht raus, wie erhofft.

Als die Tür aufging, bin ich fast vor Schreck zusammen gezuckt, aber es war nur das Mädel mit dem Essen. Hmm, da kam mir schon eine Idee. Sie stellte sich vor das Gitter und guckte mich ängstlich an. Oder neidisch, wer weiß.

„Ich hab hier wieder Essen für dich..."

„Und jetzt?"

„D-Du bist nicht gefesselt..."

„Und?"

„Ich weiß, d-dass du gefährlich bist." Ich schenkte ihr meinen freundlichsten und niedlichsten Blick, den ich drauf hatte.

„Ich tu dir doch nichts."

„Ich... Ich ruf lieber den Meister.", sagte sie und wollte sich gerade umdrehen.

„Nein! Nein warte, ich tu dir echt nichts. Ich geh ganz nach hinten, okay? Und wenn ich da bin, kannst du die Tür öffnen, und die Platte reinstellen." Ich guckte sie noch immer halbwegs freundlich an. Weh die dumme Gans haute ab!

„O-Okay, aber keine Tricks, klar?"

„Ich bin schon weg.", sagte ich und ging nach ganz hinten. Lehnte mich kurz an die Wand und bemerkte dann, dass sie nass war. Lieber doch nicht anlehnen. Ich hörte wie sie den Schlüssel im Schloss umdrehte und dann den kleinen Raum betrat. Und ich wäre sicher nicht einer der mächtigsten und stärksten Deava gewesen, wenn mich diese drei oder vier Meter aufgehalten hätten. Das Mädchen hatte es gar nicht kommen sehen, da lag sie schon bewusstlos auf dem Boden. Ein fester Schlag und sie war k.o gewesen. Armes Mädchen, dabei konnte sie gar nichts dafür, dass ihr Meister mich so unterschätzte. Naja, nicht mein Problem. Ich schnappte mir noch ein Stück Brot, steckte es mir in den Mund und schlich den Gang entlang, die Treppe hoch.

Keine Wachen weit und breit. War ja nicht besonders gut bewacht. Ich ging eine weitere Treppe hoch und dann stand ich vor einer Tür. Öffnete sie ganz leise einen Spalt weit und lugte raus. Keiner zu sehen. Ich öffnete sie ein Stück weiter und quetschte mich durch und dann schlich ich an der Wand entlang Richtung einer Tür die so aussah als wäre dort der Ausgang.

Ich hörte wie das Holz leise knackte und die Tür sich öffnete, schnell versteckte ich mich hinter einer Statue, die groß genug war um meinen Boss dahinter zu verstecken. Das Meister-Arschloch ging vorbei und bemerkte mich zum Glück nicht. Als er die Treppe runterging nutzte ich die Gelegenheit und rannte los, riss die Tür auf und lief an zwei Wachen vorbei in die Freiheit.

„Hey, stehen bleiben!", hörte ich einen von ihnen hinter mir her rufen, aber ich lief weiter auf einen Platz, eine Art Marktplatz, nur ohne Markt drauf. War verdammt groß da Platz, wie konnte ich den nie gesehen haben? Ich hatte zwar nicht wirklich Zeit mich umzusehen, aber die Festung war alles andere als klein. Der Himmel war klar und ich breitete meine Flügel aus.

Großer Fehler. Heftiger Schmerz ging durch meinen ganzen Körper und ich ging zu Boden, stütze mich mit den Händen ab. Fuck, das hatte noch ja ganz vergessen!

Das hatte sich angefühlt, als wär er glatt noch mal gebrochen worden, verdammt. Hinter mir hörte ich ihn lachen... ich hätte kotzen können. Ich drehte mich langsam um, und da stand er. In seiner vollen Pracht. Ich überlegte gar nicht lange, nahm den Schnee in die Hand, der auf dem Boden lag und warf das bisschen nach ihm.

Und verfehlte. Er sah mich zweifeln an.

„Zurück in die Zelle mit ihm.", ordnete er seinen Männern an. „Passt auf den Flügel auf."

Fünf Minuten später befand ich mich wieder an meinem Ausgangspunkt. Im Verlies. Angekettet. An der Wand. Toll.

Und natürlich tat der dumme Flügel weh... wie konnte es auch anders sein?

Verdammt ich wollte hier weg!