Kapitel 4

Lucifer betrat seine Wohnung oberhalb des Lux und ließ sich auf die Couch fallen. Noch immer war er nicht wieder Top Fit, ansonsten hätte er sich liebend gerne dem Ermittlerteam angeschlossen. Es wäre sicher hochinteressant gewesen ein Verbrechen zu bearbeiten in das er selbst verstrickt war. Aber in der Stimmung war er noch nicht wieder. Die kleine ‚Operation' hatte doch mehr von seiner Kraft geraubt als er angenommen und gehofft hatte. Auch war der kleine Probeflug wohl eine nicht so sinnvolle Idee gewesen. Erstens hatte es ihn geschwächt, andererseits war er sich sicher das der Händler ihn gesehen hatte. Und er wollte auf keinen Fall das Gerüchte entstanden und diese dann an Amenadiels Ohren gelangten. Dann wäre das schöne Überraschungsmoment futsch und diesen wollte er sich eigentlich noch ein wenig bewahren.

Jetzt jedoch war es bereits Mittag, er hatte den ganzen Morgen noch auf der Couch gedöst ohne wirklich gemerkt zu haben wie er weggedriftet war. Na komm Lucifer auf mir dir, spornte er sich selbst an und erhob sich. Er streckte sich und als er im Spiegel den Blick an sich herab schweifen ließ fiel ihm auf das er auch noch nicht die Zeit gefunden hatte sich zu duschen und die Blutspuren wieder zu beseitigen. Decker würde sicher kommen um ihn zu befragen. Sie war eine kluge Polizistin, sie würde die Verbindung zumindest in Betracht ziehen.

Mit neuen Klamotten – den alten Anzug hatte er dann doch lieber weggeschmissen – verschwand Lucifer nun in dem abgetrennten Badezimmer und ließ warmes Wasser über seinen Körper fließen. Es tat erstaunlich gut und er kreiste ein wenig mit den Schultern. Sie taten weh, ein Nebeneffekt davon was er sich gestern angetan hatte. Auch bei dem Teufel brauchten Wunden durch Dämonen Klingen verursacht eine gewisse Zeit um vollständig zu heilen. Zumindest waren die Narben verschwunden und nichts deutete mehr darauf hin, dass er sich vor einiger Zeit noch die Flügel aus dem Rücken hatte schneiden lassen. Die Narben die er Chloe gezeigt hatte waren Geschichte, sie würde ihm jetzt garantiert nicht mehr glauben das er der Teufel war. Obwohl hätte sie das sowieso jemals? Immerhin war er vor ihren Augen mehrmals angeschossen worden und hatte keinen Kratzer davongetragen.

Er nahm das leise Surren des Fahrstuhls war. Das musste Chloe sein. Schnell zog er sich an, immerhin wollte er sie nicht direkt wütend machen. Noch einmal kreiste er die Schultern, dann zog er die Anzug Jacke zurecht und trat seinem Besuch entgegen. „Ah Detective Douche" begrüßte Lucifer direkt Chloes Ex-Mann mit einem Grinsen, als er ihn neben ihr stehen sah. Dan lächelte kurz gezwungen, er hasste es wenn Lucifer ihn so nannte, besonders, wenn andere Polizisten dabei waren. Und er war sich sicher der Besitzer des Lux machte das ganz bewusst mit voller Absicht. „Lucifer Morningstar haben Sie einen Augenblick Zeit, wir müssen Ihnen ein paar Fragen stellen" erklärte Chloe mit fester Stimme und sah den dunkelhaarigen Mann vor sich dabei aufmerksam an. „Natürlich Detective" meinte Lucifer charmant lächelnd „Wollen wir uns setzen?" Er deutete auf die Couch, auf der heute Morgen seine Schwäche auskuriert hatte und Chole und Dan folgten seiner Einladung.

Der Höllenfürst setze sich ihnen gegenüber und ließ sich demonstrativ entspannt in die Kissen sinken „Also Detectives, was wollen sie?" Er legte leicht den Kopf schief und musterte sie. „Heute Morgen waren wir an einem Tatort" begann Chloe fast zaghaft „Oh ja ich habe davon gehört, tut mir wirklich leid, dass ich nicht da war, aber ich habe mich wirklich nicht gut gefühlt" „Lucifer darum geht es nicht. Du bist TATVERDÄCHTIG" „Ich?" erkundigte sich Lucifer amüsiert. „Das wird ja noch zur Gewohnheit. War ich das nicht schon mehrmals? Ich dachte das müsse langsam langweilig werden" er lachte. „Aber ich helfe euch gerne den Fall aufzuklären, sobald ihr eingesehen habt das ihr mich wieder einmal zu Unrecht beschuldigt." „Wir müssen eine Gegenüberstellung machen" sagte Dan „Ihr müsst mit aufs Revier kommen" Lucifer legte den Kopf nun auf die andere Seite. „Euer Ernst? Aber nun gut"

Später auf dem Revier ließ er brav alles mit sich machen, sie stellten ihn mit anderen Männern in einen Raum und jeder bekam eine Nummer in die Hand gedrückt. Dann wartete er, während Chloe Mr. Ruschetto vor die Scheibe führte. Der Mann brauchte nur wenige Sekunden bevor er anfing zu schreien und mit dem Finger wild auf Lucifer deutete „Teufel, er ist der Teufel. Er ist der Teufel" Carmen wurde sofort wieder weggebracht, keiner der Officers wollte ihm glauben, dass er den Teufel gesehen hatte und so landete der Mann in einer Nervenanstalt um seine Krankheit zu heilen. Nur Chloe war ein wenig misstrauisch. Sie hielt den Mund, aber etwas war faul an der Sache. Carmen war bereits der zweite der Lucifer als Teufel bezeichnete und mit der Diagnose des Wahnsinns in eine Anstalt gebracht wurde. Was also hatte der attraktive Clubbesitzer teuflisches an sich? Klar er beteuerte immer der Teufel zu sein, aber sie war sicher das dies nur eine von seinem Namen herrührenden Angewohnheit war, die er gern nutze um leichtgläubige Menschen zu erschrecken. Aber beide waren nicht so dumm gewesen, das wusste sie. Bei ersten man konnte sie sich sogar kaum noch an die Ereignisse erinnern, da sie selbst angeschossen worden war. Lucifer war heil davongekommen. Er kam immer davon, egal was es war. Eine Schießerei aus dem Auto heraus, eine Kabbelei mit einem Mörder und seiner Schusswaffe oder ein Zusammentreffen mit ein paar Rappern die ein meterlanges Vorstrafenregister besaßen. Chloe kam nicht darum herum als festzustellen das hier irgendwas nicht mit rechten Dingen zu ging. Und sie würde schon noch das Geheimnis von Lucifer Morningstar lüften, aber fürs erste musste sie den Mann gehen lassen.

„Bis morgen Detective, ich habe die Arbeit mit ihnen vermisst" sagte er, zwinkerte ihr kurz zu und verschwand dann aus dem Polizei Revier. Chloe sah ihm hinterher, gespannt auf den morgigen Tag.