Kapitel 4: Kommt es anders
Die Türklingel schellte laut. Hermine richtete sich träge auf, und schlurfte zur Türe.
Ohje wer ist denn das jetzt?
"Trau dich ruhig aufzumachen, bekommst so oder so Ärger dafür das du uns sitzen lassen hast!" ,hörte sie von draußen rufen.
Als sie öffnete grinste ihr freudestrahlend Luna entgegen, binnen weniger Sekunden erfror ihr Grinsen aber, nach einem Blick auf ihre liebe Freundin.
"Das...das war nur ein Scherz Süße!"
"Komm rein", kam es stöhnend von Hermine.
Wortlos betrat Luna das kleine Zimmer. Hermine wohnte in einer kleinen Zwei- Zimmer Wohnung,
vollgestopft mit Möbeln, so das es noch enger wirkte als es wirklich war.
Luna setzte sich auf ihren Stammplatz, einem roten Ledersessel, hob die Beine auf den Tisch und starrte Hermine an.
Diese legte sich gegenüber auf die schwarze Ledercouch, schaute aus dem Fenster und bemerkte das es angefangen hatte dunkel zu werden.
Sie schwiegen sich mehrer Minuten an, bevor Luna sich räusperte und fragte:
"Und? Willst du mir erzählen was passiert ist?"
In Lunas Kopf sponn sich schon alles mögliche zusammen, es musste wirklich schlimm sein, die roten Striemen im Gesicht ihrer Freundin und die verquollenen Augen verrieten das diese bitterlich geweint haben musste.
Wie zur Bestätigung, heulte Hermine herzzerreißend los.
"Ha...ha...ha...gi... gi..."
"Beruhig dich erstmal Süße!", Luna kramte in ihrer Tasche, suchte ein Taschentuch raus, setzte sich auf die Couch und reichte es Hermine.
Sie schob Hermine so zurecht das diese mit dem Kopf Platz auf ihrem Schoss fand, und sprach mit ruhiger Stimme auf Hermine ein.
"Ruhig... tief Luft holen, schnäuze, ausatmen und ganz langsam erzählen."
Sehr liebevoll strich sie sanft über Hermines Kopf und sah zu wie diese sich langsam fing.
"Schau mal welch schöner Sonnenuntergang", versuchte sie ihre Freundin abzulenken, und während diese das orangerote Spektakel betrachtete, stand Luna kurz auf und machte zwei Tassen Tee.
"Fenchel, den magst du doch so gerne. Nimm einen Schluck und erzähl in Ruhe was passiert ist."
Hermine nickte. Sie nahm einen kräftigen Schluck und begann dann mit zittriger Stimme zu erzählen.
Hin und wieder hörte man ein schluchzen, aber Luna war froh das wenigstens die Tränen versiegt waren.
"Und dann hab ich sie geschlagen... ich weiß nur noch das ich rot gesehen hab. Es war schrecklich. Wieso sie? Wieso mit ihm?"
Bestürzt, über das soeben gehörte, schwieg Luna.
Wie unfassbar das für sie war! Das Ginny und Harry, Hermine soetwas antun konnten. Der Gedanke war schrecklich.
Und wie bei Salazar sollte sie ihre beste Freundin nun trösten?
"Süße, wie zur Hölle hast du es geschafft da rauszukommen? So in rage muss dir das wohl schwer gefallen sein sie am Leben zu lassen... oder... halt...sie, sie sind doch nicht tot oder?", keuchte Luna entsetzt auf. In Gedanken sah Sie schon die Dementoren von Askaban auf dem Weg zu Ihnen.
Für einen kurzen Moment war Hermine danach zu lachen.
Die is ja wirklich niedlich... das sie echt denkt ich könnte sowas tun...aber gute Frage. Wie bin ich da raus gekommen?
"Da war jemand, der mich rausgebracht hat."
Malfoy... Draco Malfoy.
Wieso hat er das getan?
"Aha und wer ist dieser ominöse Mensch gewesen?"
"Draco Malfoy.", erwiderte Hermine kleinlaut.
Luna war völlig erstaunt: "Malfoy? Was echt?"
Hermine nickte.
"Dann werde ich ihm morgen gleich mal dafür danken. Malfoy... unglaublich! Mal was anderes... du weisst ich bin für dich da! In jeder Situation. Wie willst du nun weitermachen?"
"Wie meinst-"
"Na du weisst schon", unterbrach sie ihre Freundin,"Wir gehen alle auf die gleiche Schule... da ist es nicht so einfach mit auf dem Weg gehen.
Bei Ginny vielleicht schon... aber du sitzt neben Harry."
Oje, scheisse!
"Ich weiss nicht wie ich das machen soll. Ich will nicht neben ihm hocken, geschweige denn ihn überhaupt sehen."
"Na das sehen, wird wohl kaum ausbleiben. Aber ich biete dir gerne an die Plätze zu tauschen. Dann bist ihn wenigstens vorübergehend los."
"Ich denke ich werd mich eh erstmal krankschreiben. Ich fühl mich beschissen."
"Ja klar... tut mir leid das jetzt zu sagen, aber so siehst du grad auch aus."
Hermine lächelte Luna zu: "Ich danke dir."
"Nicht hierfür! Ich weiss zwar nicht was eine bestimmte Person von Freundschaft denkt, aber ich denke ich weiß was ich als Freundin tun soll und unterlassen hab.", kam es flüsternd von Luna,"Weisst du was wir jetzt tun?"
Hermine blickte Luna fragend an. Luna schwang den Zauberstab.
Innerhalb paar Minuten leerten sich Hermines Schränke und alles Essbare erschien auf dem Tisch.
"Ich weiss wie Liebeskummer wirkt. Und da ich nicht die ganze Zeit bei dir sein werde, und du die Zeit die du alleine bist, eh nichts Essen wirst..."
Sie unterbrach... überlegte kurz... "Ahja... mach deinen Muggelapperat an vielleicht kommt ja was schönes zum schauen."
Lachend nickte Hermine. "Den Fernseher."
"Ja genau den Fernseher, letztes mal wars lustig, los wir schauen jetzt so Zeugs an!"
Luna will mich ablenken... na gut, tun wir ihr die Freude auch wenns nichts bringt, meine Ruhe hab ich noch früh genug.
Sie schaltete den Fernseher ein.
Und während sie sich einen Film anschauten, aß sie sich gemeinsam mit ihrer Freundin durch ihr gesamtes Repertoire von Süssigkeiten.
Draco machte eine grimmige Miene. Das Treffen mit Majestra ging nicht wie gewünscht aus.
Die hat Nerven! Verlangt da einfach ihre Sachen zurück... und lässt es sich nicht nehmen, auch noch groß von ihrer "Ach so tollen Beziehung" zu reden. Hmpf.
Die hab ich abgehakt die dumme Schlampe... soll sie glücklich werden. Vorallem nach den Pralinen die ich ihr geschenkt habe.
Draco lachte laut auf.
Wenn die wüsste! Morgen wird die nen schönen Schock bekommen, wenn die sich im Spiegel betrachtet.
Er klopfte sich selbst noch einmal auf die Schulter für seine brilliante Idee, zupfte seinen Umhang zu recht und trat ein in Malfoy Manor.
Das Abendessen, oje!
Er betrat den Salon, wo er seinen Vater vorfand.
"Ich bin angekommen, Vater!"
Lucius Malfoy sah weder auf, noch zeigte er sonst eine Regung. Den Blick fest auf die Pergamente in seiner Hand, befahl er Draco sich zu setzten.
Draco nahm Platz auf einem mit dunkelgrünem Samt bezogenen Sessel.
"Weisst du was das ist?"
"Nein, Vater.", antwortete Draco wahrheitsgemäß.
"Es hat mich heute morgen erreicht. Von der Mysteriumsabteilung."
Malfoy schluckte. Der Ton seines Vaters war hart, er wusste nur zu gut das sein Vater sauer war.
Oje...oje...oje...oje... er bringt mich um.
Flüchte am besten durchs Fenster. Tu irgendwas! Aber sitz hier nicht so untätig rum.
Doch er fühlte sich wie gelähmt.
"Ich wollte meine Beziehungen spielen lassen um es dir etwas zu erleichtern. Als Antwort bekam ich dass weder du, noch sonst ein Malfoy, momentan dort arbeitet. Ich kann mir nicht erklären wieso sie mir soetwas ausrichten. Du vielleicht?"
"Sir, ich-"
"Schweig! Du hast mich lächerlich gemacht! Zum Gespött! Was hast du geglaubt wie lange du mich so an der Nase herumführend kannst, Draco?"
Draco erhob sich aus seinem Sessel.
"Es tut mir leid, Vater! Ich wollte euch zu keiner Zeit lächerlich machen. Es... es war nur so... das... Vater ich wollte dort nicht arbeiten.
Zumindest jetzt noch nicht. Könnt ihr dies nicht verstehen? Ich mache meine Ausbildung am Mysticcollege. Und das auch sehr gut. Nächstes Jahr kann ich schon im Ministerium anfangen, und mir steht die ganze Welt offen. Ist das denn nicht genug? Sollte mein Beruf denn nicht mir Freude machen?"
Oh, ich hoff es hat überzeugend geklungen, so fühl ich mich nämlich im Moment nicht.
"Mutig, Draco, mutig."
Puuuh...
"Mir so entgegen zu treten, nachdem du schon längst erwischt wurdest."
Hmm, der Schuss ging nach hinten los.
"Wärst du früher zu mir gekommen, wäre es eine ganz andere Situation gewesen. Aber so...
Nur damit du es weisst. Ich habe nichts gegen deine Berufswahl. Das Veranstaltungskomitee bietet eine Menge Vorteile. Wundert mich das du dich dafür interessierst. Es geht mir aber darum, das du gelogen hast! Deine Mutter und mich so hinters Licht zu führen! Sowas dulde ich nicht, Draco und das weisst du!"
"Es tut mir aufrichtig Leid Vater, bitte, verzeiht mir!"
Kapitulieren ist besser als Krieg.
"Nun gut, es ist passiert. Zur Strafe wird dir dein Konto bis für ungewisse Zeit gesperrt. Allerdings... sollte soetwas nochmal vorkommen, enterbe ich dich. Damit das klar ist. Ich brauche keinen Sohn der keinerlei Respekt vor mir hat, und lügt nur um seinen Willen zu bekommen! Und geh und entschuldige dich bei deiner Mutter! Dann kommt zum Essen!"
Ohne Widerrede machte Draco sich auf den Weg ins Gemach seiner Mutter.
Das ist ja fast richtig gut gelaufen... wieso hatte ich nur so eine Angst?
Noch während dem laufen spürte er richtig wie ein Stein von seinem Herzen fiel.
Manchmal kommt es eben doch anders als man denkt!
