Hermines Traum (1)
Traum Anfang
Die Sonne stand gerade im Zenit, als Hermine dem Wald immer näher kam. Die Baumkronen waren von leuchtendem Rot umgeben und eigentlich war es ein sehr schönes Bild, wäre sie nicht so verzweifelt gewesen. Sie wusste selbst nicht, warum sie weinte und warum sie sich ausgerechnet dem Verbotenen Wald näherte, aber sie überließ ihrer Intuition die Führung. Als sie nun einen ihr unbekannten Pfad einschlug, der direkt zu einem Zugang zwischen den nah aneinander stehenden Bäumen führte, überkam sie die Angst. Was machte sie hier? Doch trotz allem blieb sie nicht stehen und folge weiter ihrem Instinkt. Irgendetwas geschah dort, vor den Blicken Unwissender geschützt.
Als sie den Pfad passiert hatte und den Waldrand hinter sich gelassen hatte, sich jetzt mitten zwischen den Bäumen befand, wurde ihr klar, warum der Verbotene Wald verboten war. Hier lebten viele gefährliche Wesen, gegen die sie sich nicht (oder nur sehr eingeschränkt) wehren konnte. Jetzt zitterte sie auch noch. ‚Ganz ruhig, Hermine, es ist alles in Ordnung', versuchte sie sich selbst zu beruhigen, aber es funktionierte nicht. Jetzt sah sie eine große Lichtung, die jedoch nur stellenweise vom Mondlicht beleuchtet wurde. Mondlicht? Achso, die Sonne war ja schon untergegangen. Ihre Augen gewöhnten sich nun langsam an die Dunkelheit und sie erkannte mehrere Personen, die Pechschwarze Umhänge anhatten und mit ihren Zauberstäben auf einen Punkt zielten und immer wieder Flüche dahin abfeuerten. Eine von ihnen lachte hysterisch auf und mit schreckgeweiteten Augen erkannte Hermine Bellatrix Lestrange. Jetzt beäugte sie auch die anderen zwielichtigen Gestalten und mit großem Schrecken erkannte sie mehrere Todesser.
Sie schossen Flüche auf einen Werwolf ab, der auf einem Gestell festgeschnallt war und jämmerlich heulte. Es schien, als ob er etwas gewittert hätte, denn ganz kurz hob er die Schnauze, aber im selben Moment wurde er von einem Fluch getroffen. Er winselte kurz und wehrte sich noch mehr gegen die Fesseln, aber sie waren stärker als er. Plötzlich hörten die Todesser auf, ihn abzuschießen und einer von ihnen trat vor. Er hatte eine kleine Phiole in der Hand, die mit einer durchsichtigen Flüssigkeit gefüllt war. Ohne Angst zu zeigen schritt er zum Maul des Wolfs, öffnete die Flasche und tröpfelte ihm den gesamten Inhalt in den Rachen. Der Werwolf krümmte sich zusammen, soweit das auf Grund der Fesseln ging und schloss seine großen Augen. Die Zunge hing schlaff heraus und Hermine bekam Mitleid mit ihm. Die Person, die ihm den Trank eingeflößt hatte trat nun zurück und Hermine erkannte Snape. Sie selbst war hinter einem Baum verborgen und die Todesser nahmen keine Notiz von ihr. Jetzt trat Bellatrix vor und schaute den Wolf hämisch an. Warum fesselten sie ihn überhaupt? „Na Lupin, willst du uns jetzt zeigen, wo sich deine kleine Freundin versteckt? Oder sollen wir sie abfangen wenn sie dich das nächste Mal zur Hütte begleitet?", fragte sie mit einem Grinsen im Gesicht. Direkt danach schoss sie einen Fluch auf ihn ab, der den Wolf aufheulen ließ.
Lupin? Oh Gott, sie hatten Professor Lupin in ihrer Gewalt! Hermine bekam große Augen und ihre Arme verkrampfen sich. Sie suchte vorsichtig in ihrem Umhang nach ihrem Zauberstab, konnte ihn jedoch nicht finden. Verzweifelt schaute sie wieder dem schrecklichen Schauspiel zu und wünschte sich nichts mehr als ihm zu helfen. Selbst wenn er ein Werwolf war und sie wahrscheinlich am liebsten fressen würde, er war immer noch Remus Lupin und er war der netteste Lehrer, den sie kannte.
Auf einmal wandte der Werwolf seinen Kopf (soweit es eben ging) in ihre Richtung und sah sie aus flehenden Augen durchdringend an. Nein, da war kein wilder oder primitiver Ausdruck in seinen Augen gewesen. Er hatte sie direkt und ohne jede Verfälschung aus menschlichen Augen angesehen. Jetzt war Hermine vollkommen geschockt. Lupin war bei vollem Bewusstsein und sie quälten ihn! Sie wollte ihm mehr denn je helfen, aber auf einmal stand sie wie festgewachsen da und konnte sich nicht mehr bewegen. Sie hörte noch ein verächtliches Lachen von der Lichtung her kommend. Ohne nachzudenken schrie sie „Remus…", bevor alles um sie herum schwarz wurde.
Traum Ende
