Da bin ich wieder!
Hoffentlich efällt euch das Kapitel und ihr lasst einen kleinen Kommi da.
LG Lily-Flower
Kapitel 4
"...ist tot..." Die Szene verblasste und die Frau, die die Schreckensnachricht immer überbrachte, verschwand. Schlagartig war ich hellwach.
Schon wieder dieser Traum! Mein Vater... tot, umgebracht. Warum? Was hatte das zu bedeuten? Warum sah ich meinen Vater tot? Er lebte doch noch!
Warum kam immer dieselbe Person, dieselbe Frau, die mir die Nachricht überbrachte? Wer war sie? Warum ausgerechnet sie?
Ich seufzte resigniert auf. Zu viele Fragen, deren Antworten ich nicht kannte. Die einzige Chance, die Bedeutung des Traums herauszufinden, waren die Wahrsagestunden.
Abrupt setzte ich mich auf. Da durchzuckte ein scharfer Schmerz meinen Kopf und ich fiel mit einem erstickten Schrei zurück in mein Kissen.
Alles drehte sich und mir war schlecht. Wenn doch nur endlich dieser Traum aufhören würde. Jede Nacht raubte er mir den Schlaf, jede Nacht wurde es schlimmer. Und jeden Morgen wachte ich mit diesen verdammten Kopfschmerzen auf. Vielleicht sollte ich doch zu Madam Pompfrey gehen und mir einen Trank für traumlosen Schlaf geben lassen. Dann könnte ich wenigstens eine Nacht durchschlafen.
Ich startete einen zweiten Versuch mich aufzusetzen. Ich kam mir zwar immer noch so vor, als wäre ich mit dem Kopf gegen eine Wand geknallt, doch ich stand trotzdem langsam auf. Meine Beine fühlten sich an wie Gummi und ich hielt mich schnell am Bettpfosten fest, um wenigstens ein bisschen Halt zu haben.
Benommen torkelte ich Richtung Schrank. Plötzlich stieß ich mit meinem Fuß voll gegen etwas Hartes. Fast hätte ich vor Schmerz laut aufgeschrien.
"Verdammter Mist!" fluchte ich leise vor mich hin, presste eine Hand gegen den schmerzenden Fuß und betete, dass der Schmerz bald nachließ.
Schließlich setzte ich den Weg zum Schrank humpelnd fort.
Als ich die Schranktür öffnete, hätte ich mir um Haaresbreite auch noch meinen Kopf angeschlagen. Merlin sei Dank, dass die Tür mich knapp verfehlte, mein Kopf tat sowieso schon genug weh.
Blind tastete ich in meinem Schrank herum und suchte den Beutel mit den Tränkephiolen, den Mum mir für Notfälle gegeben hatte. Darin war ein Kopfschmerzmittel oder ähnliches.
Endlich fand ich ihn und zog ihn heraus.
Doch als ich ihn fast draußen hatte, rutschte er mir plötzlich aus der Hand. Schnell griff ich mit der anderen Hand danach und schaffte es gerade noch, den Beutel aufzufangen, bevor er Bekanntschaft mit dem Boden machte. Ein Glück, sonst wären die ganzen Phiolen futsch.
Was war ich heute nur für ein Troll?
Schnell nahm ich die Phiole mit dem Kopfschmerztrank, träufelte ein paar Tropfen auf meine Zunge und schluckte.
Hoffentlich wirkte er bald.
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"Morgen ihr beiden", rief Alice uns fröhlich zu und ließ sich neben mich fallen.
"Ratet mal wer schon die ganze Zeit hierher schaut...", raunte sie, sodass es nur Lily und ich mitbekommen konnten.
"Oh, nein, bitte nicht Potter..." Lily sah genervt von ihrem Buch auf.
"Nein, es ist nicht Potter, aber du liegst von der Richtung her nicht falsch..."
Alice grinste heimlichtuerisch.
"Es scheint so als habe es der liebe Black auf unsere Jeanne abgesehen!"
Mir blieb mein Bissen im Hals stecken und Lily verschluckte sich, als sie gerade einen Schluck Kürbissaft trinken wollte und bekam einen Hustenanfall.
"Was?" fragte ich Alice entsetzt als ich wieder einigermaßen Luft bekam.
"Okay, noch mal für dich, Jeanne", setzte Alice erneut an und grinste noch breiter. "Sirius Black, Mädchenschwarm von Hogwarts, schaut dich schon seit mehr als fünf Minuten - solange bin ich schon in der großen Halle, es könnte also noch länger sein, und er hat bis jetzt noch nirgendwo anders hingeschaut - mit einem ... mhhh ... gewissen Blick an, tu comprends?"
Lily neben mir fing schallend an zu lachen.
Das konnte nicht wahr sein!
Langsam lehnte ich mich zurück und sah zur Seite. Oh nein, oh nein! Sirius Black zwinkerte mir wirklich zu.
Auf einmal verlor ich das Gleichgewicht. Verzweifelt versuchte ich mich irgendwo festzuhalten, zog fast Lily mit runter und kippte schließlich wild rudernd rückwärts von der Bank.
"Oh Gott, Jeanne!" rief Lily entsetzt.
"Alles ok?" fragte Alice bestürzt und half mir auf.
"Ja, ja, alles ok", sagte ich, mein Gesicht glühte.
Warum war ich heute Morgen nur aufgestanden? Warum nur? Dieser Tag brachte nur Unglück!
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Der Unterricht verbesserte meine Stimmung auch nicht unbedingt.
Als erstes hatte ich Zaubertränke, eine Doppelstunde! Ich hätte den Weg dort hin liebend gerne nicht gefunden. Doch in den Kerker gab es keine sich bewegenden Treppen und das Zaubertränke-Klassenzimmer war wirklich nicht zu übersehen. Außerdem war es keine gute Idee, bei Professor Slughorn zu spät zu kommen. Er war der Hauslehrer der Slytherins und bevorzugte sie ausnahmslos. Die Schlangen konnten sich bei ihm alles leisten. Die Hufflepuffs, Ravenclaws und besonders uns Gryffindors konnte er überhaupt nicht leiden. Und so zog er allen auch liebend gern Punkte ab.
Es gab nur eine Ausnahme: Lily. Sie war ein Ass in Zaubertränke und so einer von Slughorns Lieblingen. Er mochte sie sogar noch mehr als manche seiner geliebten Slytherins. Ihr würde er wahrscheinlich alles, aber wirklich alles durchgehen lassen.
Leider hatte ich nicht das Glück, so begabt in Zaubertränke zu sein.
Der Trank, den wir gerade brauen sollten, musste lilafarben sein. Lilys strahlte natürlich im perfekten Lila, meiner war grasgrün.
Ich atmete erleichtert auf, als er doch noch violett wurde.
Zaubertränke war die Hölle, da musste ich Alice zustimmen. Ihr Trank war noch schlimmer als meiner vor einigen Minuten. Er war feuerrot und brodelte stark. Dieser Trank würde mit hundertprozentiger Sicherheit bald in die Luft gehen!
Vor meinem inneren Auge sah ich schon meine Einlieferung in den Krankensaal, vollkommen mit rotem Zaubertrank bespritzt. - Ich hatte keine Ahnung wie ich Alice helfen konnte und überlegte mir schon fieberhaft, wo ich in Deckung gehen sollte.
Gerade noch rechtzeitig warf Lily etwas in Alice' Kessel und wies sie an, dreimal im Uhrzeigersinn zu rühren. Dann flüsterte sie ihr weitere Tipps zu. Der Trank färbte sich mit der Zeit tatsächlich lila.
Am Ende der Stunde gaben wir beide, Alice und ich, doch noch einen passablen Trank ab. Als Professor Slughorn Lilys Trank sah, schwärmte er in den höchsten Tönen und Gryffindor gewann 50 Hauspunkte. Doch davon waren sofort wieder 10 Stück weg, weil Blacks Trank explodierte.
Verteidigung gegen die dunklen Künste hatte ich heute zum ersten Mal, da die Lehrerin erst sonntagabends angekommen war.
"Schon wieder eine neue Lehrerin...", murrte Alice.
"Schon wieder?" fragte ich erstaunt.
"Ja, wir haben jedes Jahr eine neue Lehrerin oder einen neuen Lehrer", erklärte Lily. Flüsternd fügte sie hinzu: "Als läge ein Fluch auf dem Posten..."
Dann rauschte auch schon die Lehrerin ins Klassenzimmer.
Sie stellte sich als Professor Worthington vor, war ziemlich jung und voller Elan. Ich schätzte sie mit ihren hellbraunen Haaren, die in einer Hochsteckfrisur auf ihrem Kopf thronten, auf ungefähr Mitte bis Ende zwanzig.
"Nun, diese Stunde werden Sie sich duellieren. Das ist eine gute Übung und Sie können mir zeigen, was Sie schon alles können.
Bitte schreiben Sie Ihren Namen auf einen Zettel und geben Sie ihn zu mir nach vorne."
Rascheln erfüllt den Raum als alle Zettel herausholten, dann das Kratzen vieler Federn.
Schließlich zog Professor Worthington immer zwei Zettel und las die Paare laut vor.
Ich musste mich mit einer gewissen Bellatrix Black duellieren.
Als alle Paare festgelegt waren, verschwanden auf einen Wink alle Tische und Stühle und eine Bühne erschien.
Dann rief sie die Ersten auf. Sie verbeugten sich voreinander, dann begann das Duell.
"Pass auf dich auf, mit Bellatrix ist nicht zu spaßen."
Erschrocken fuhr ich herum. Da stand Sirius Black und sah mich ernst an. Ernst! Nicht das typische Black'sche Grinsen, keine Anmache.
"Was?" fragte ich perplex.
"Bellatrix, meine Cousine, nimm dich lieber vor ihr in Acht. Sie ist in Slytherin. Sie wird nicht fair kämpfen." Er sah mich wirklich besorgt an.
Doch dann gewann sein typisches Lächeln wieder die Oberhand. "Übrigens: toller Stunt heute Morgen beim Frühstück", sagte er und verschwand in der Menge.
Ich spürte, wie mir schon wieder die Hitze in den Kopf stieg. Arrrg... wie ich ihn für seine Überheblichkeit hasste!
"Jeanne Leblanc?" fragte eine Stimme.
"Ja?"
Als ich mich umdrehte, blickte ich in gefährlich blitzende, dunkle Augen. Doch das Mädchen lächelte. Sie war schlank und hatte schöne, schwarze Haare, die ihr in wilden Locken über die Schultern fielen.
"Freut mich dich kennen zu lernen", sagte sie und reichte mir die Hand. "Ich bin Bellatrix Black, deine Duellierpartnerin."
Mir fiel fast die Kinnlade runter. Sie LÄCHELTE mich an! Sie FREUTE sich mich kennen zu lernen! Sie war eine Slytherin, ich eine Gryffindor.
Was hatte ihr Cousin gesagt? Sie sei gefährlich?!
Was war nur mit den Blacks heute los? Waren sie verhext?
Ich versuchte schnell meine Überraschung zu überspielen und lächelte freundlich zurück.
"Du kommst aus Frankreich, nicht wahr?" fragte mich Bellatrix.
"Ja."
"Woher dort?" fragte sie weiter.
"Aus der Bretagne", antwortete ich.
Sie plauderte weiter als wäre es das normalste der Welt. Verrückt, einfach verrückt!
Dann wurden wir aufgerufen.
"Viel Glück!" sagte Bellatrix.
"Danke... dir auch."
Sie ging links auf die breite Bühne, also ging ich auf die rechte Seite. Wir verbeugten uns in der Mitte und gingen dann jeweils an ein Ende.
"Nicht verletzen, nur entwaffnen. Wenn ich auf drei gezählt habe, könnt ihr beginnen.
Eins...zwei...DREI!"
Sofort feuerte Bellatrix einen Fluch ab. Ich blockte ihn und versuchte sie zu schocken. Sie blockte den Fluch ebenfalls. Immer schneller feuerten wir gegenseitig Flüche ab. Blocken, nächster Fluch, wieder blocken. Bellatrix feuerte mehrere Flüche nacheinander ab. Ich musste sie blocken und hatte keine Möglichkeit, Flüche zurückzuschicken. Verdammt, sie war gut! Aber fair, keine schwarzmagischen Zauber.
Ich änderte meine Taktik. Dem nächsten Fluch wich ich aus und feuerte gleichzeitig einen Schockzauber auf Bellatrix ab. Fast, aber leider nur fast hätte ich sie erwischt, weil sie nicht damit gerechnet hatte, doch sie beschwor gerade noch rechtzeitig einen Schutzschild herauf.
Daraufhin feuerte sie noch schneller weitere Flüche auf mich ab.
Ein Stolperfluch ließ mich hinfallen und ich dachte schon ich hätte verloren, als mir plötzlich eine Idee kam. Schnell rollte ich zur Seite, um einer Ganzkörperklammer zu entkommen. Dann schickte ich einen Schockzauber los und direkt danach einen Verwirrungszauber. Sie blockte den Schockzauber, doch der Verwirrungszauber traf sie mitten in den Bauch.
Ich jubelte innerlich und versuchte Bellatrix zu entwaffnen, aber der Zauber verfehlte sie knapp. Und schon hatte sie den Verwechslungszauber wieder abgeschüttelt und schoss weitere Flüche ab, die ich blockte.
"Genug!" beendete Professor Worthington das Duell. "Die anderen wollen auch noch drankommen", meinte sie lächelnd. "Das war eine sehr gute Leistung, Miss Black und Miss Leblanc. 10 Punkte für Slytherin und 10 für Gryffindor."
Ich verließ die Bühne und das nächste Paar fing an sich zu duellieren. Da kam Bellatrix noch einmal auf mich zu.
"Du warst gut", sagte sie anerkennend.
"Danke, du aber auch."
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Die Astronomie-Theoriestunde ging an mir vorbei wie im Traum.
Das komische Verhalten der beiden Blacks ging mir nicht aus dem Kopf. Doch mehr als Sirius' Warnung verwunderte mich Bellaxtix' Freundlichkeit. Es wollte mir nicht einleuchten, warum Bellatrix Black so nett zu mir gewesen war. Warum sollte sie auch? Ihr lieber Cousin hatte mich ja sogar vor ihr gewarnt. ,Sie wird nicht fair kämpfen.' Das hatte er gesagt. Doch sie war freundlich und hatte keine Tricks verwendet.
"Jeanne, kommst du?" Ich schrak aus meinen Gedanken. Ich hatte überhaupt nicht gemerkt, dass die Astronomiestunde schon zu Ende war. Alle anderen hatten den Raum schon verlassen. Nur Mel stand noch wartend in der Tür.
"Oh, ja klar", sagte ich, schnappte mir meine Tasche und ging mit ihr zur großen Halle.
"Sag mal, was ist denn mit dir los? Du bist so still. Hat die Black dich doch verhext?" fragte Mel und stopfte munter Essen in sich hinein.
"Ach was. Kein einziger Fluch hat mich getroffen. Aber das ist ja gerade das Komische..."
"Wer versteht die schon... hier", sagte sie und legte mir ein Stück Hähnchen auf den Teller. "Probier mal, das schmeckt gut."
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In Kräuterkunde hatte ich keine Zeit nachzudenken. Professor Sprout war auch neu und ließ uns kaum Zeit zum Verschnaufen.
Je zu zweit hatten wir eine fangzähnige Geranie vor uns stehen. Ich musste mit Black arbeiten. Er hatte es irgendwie so gedreht, dass James und Remus zusammen arbeiteten und da Peter keinen ZAG in Kräuterkunde geschafft hatte, war er nicht hier. Also musste ich Black ertragen.
"Passen Sie auf, diese Geranie wird nicht umsonst ,fangzähnig' genannt. Wenn Sie ihr zu nahe kommen, beißt sie zu", warnte Professor Sprout.
Dann gab sie uns genaue Anweisungen und kontrollierte akribisch, dass wir auch ja nichts Falsches machten. Wir sollten sie zuerst umtopfen, danach zur richtigen Zeit und in den richtigen Abständen gießen.
Nach der Doppelstunde war ich total erledigt. Aber ich freute mich schon auf die schnarchlangweilige Geschichtsstunde bei Professor Binns, dem einzigen Geist, der Unterricht gab. Da konnte ich etwas Schlaf nachholen.
Danke fürs Lesen!
