Wenn Jax gedacht hätte, das sich nun alles zum Positiven verändern würde, so hatte er deutlich falsch gedacht. Denn mit jedem Tag folgte eine Hiobsbotschaft auf die nächste und er wusste nicht welches Problem er als Erstes angehen sollte. Zwar wollte Jax aus den Waffengeschäften raus, aber das ließen die Iren nicht zu. Sie sendeten eine Botschaft, die sie alle vernichtet hätte, wenn dem Präsidenten die Falle nicht aufgefallen wäre. Da sie das Clubhaus in die Luft gejagt hatten. Jedoch war das noch nicht alles. Die Staatsanwaltschaft ermittelte im Moment auch gegen SAMCRO und sie durften sich keine Fehltritte leisten. Und als wenn das nicht alles schon reichen würde, so kam noch der Amoklauf an einer Schule dazu, wo eine Waffe von ihnen benutzt wurde. Jax machte sich dafür verantwortlich, was er allerdings niemanden sagte. Nero hing ihm dann auch noch in den Ohren, weil er in etwas rein gezogen wurde, was er nie wollte. Und als wenn das nicht schon genug war, was auf seinen Schultern lastete, so spürte er das es zwischen ihm und Tara zu Ende ging. Denn je mehr er versuchte auf sie zu zugehen, desto weiter entfernte sie sich. Das einzige positive war das seine Alpträume aufgehört hatten. Wenn er überhaupt die Zeit und den Kopf frei bekam um zu schlafen. Denn auch wenn er es nicht sollte, so hielt er die größten Probleme vor den anderen verschlossen und versuchte sie allein zu lösen. Trotzdem bemerkte er, dass die Jungs wussten was vor sich ging und sie sich genauso Sorgen machten.

Trotzdem schaffte es Jax noch Opie einen Besuch im Kloster abzustatten. Denn das war auch der einzige Ort wo er abschalten konnte und sich um nichts Sorgen machen musste. Bei jedem Besuch ging es seinem besten Freund immer ein wenig besser und bald brauchte er den Rollstuhl gar nicht mehr. Er hatte inzwischen auch sein eigenes Zimmer bekommen. Es ließ den Blonden positiv sehen, dass er ihn bald so wieder hatte wie er früher war. Jax hatte niemanden etwas davon gesagt das Opie noch am Leben war, auch wenn er immer kurz davor war. Immerhin musste er dafür eine Geschichte erfinden wohin er Stundenlang verschwand, ohne jemanden mit zu nehmen oder sich zu melden.

Oftmals war Jax zu früh da während Opie noch behandelt wurde. Dann nutzte er die Zeit und saß auf seinem Bett oder im Fenster und schrieb an seinem Tagebuch weiter. Dort landeten Dinge die er nicht aussprechen konnte und die einfach aus seinem Kopf raus mussten, weil er sonst noch verrückt wurde. Der Präsident der Sons of Anarchy wollte Opie von all den Geschehnissen in Charming auch nichts erzählen, um ihn nicht unnötig zu beunruhigen. Mit Sicherheit würde er sich dann nur noch mehr Sorgen machen und das wollte er verhindern. Immerhin sollte er sich darauf konzentrieren wieder ganz gesund zu werden. Deswegen saßen sie oftmals auch nur so draußen, manchmal in der Klosterkirche und da schwiegen sie einfach. Auch wenn der Ältere zu gern ein paar Neuigkeiten erfahren hätte. Jedoch wollte er Jax nicht dazu zwingen wenn er nicht reden wollte.

Der heutige Tag war wieder so ein Tag, wo alles eskalierte und Jax froh war einfach nur raus aus Charming zu kommen. Er hatte gerade erfahren das Tara die Schwangerschaft nur vorgetäuscht hatte und sie sich darauf vorbereitete sich von ihm scheiden zu lassen, sowie ihm die Kinder weg nehmen zu wollen. Er hatte daraufhin seine Sachen gepackt und Rat vor dem Haus postiert, damit sie nichts unternehmen konnte. Mit ihr konnte er nicht mehr in einem Haus leben und er fragte sich, wie er nur so blöd sein konnte und ihr alles glauben konnte was sie ihm je erzählt hatte. War überhaupt noch etwas die Wahrheit gewesen seit sie aus dem Gefängnis war? Die Frage stellte sich der zweifache Vater den ganzen Weg über, als er zu dem Kloster fuhr. Er wollte dort einen Abstecher machen bevor er seine Sachen nach Stockten brachte. Garantiert hatten die Mädchen im Diosa del Sur noch ein Zimmer für ihn frei. Aber zuvor wollte er Opie einen Besuch abstatten, um dabei etwas auf andere Gedanken zu kommen.

Mittlerweile fuhr er seine Harley in das Kloster rein und ließ seine Sachen dort liegen. Die Mönche kannten ihn mittlerweile und störten sich nicht mehr daran das er bei ihnen war, da sie wussten das er der Freund von Opie war, den sie bei sich aufgenommen hatten. Noch bevor er in die Innenräume gehen konnte, sagte man ihm, dass er im Rosengarten saß woraufhin sich Jax bedankte und sich dorthin aufmachte. Zwar wunderte er sich warum er bereits allein draußen war, aber wahrscheinlich wurde er drinnen wieder einmal verrückt. Jax machte sich mit schnellen Schritten auf den Weg dorthin und fand ihn dort vor. Allerdings war er nicht allein wie er sehen konnte. Bei ihm saß ein jüngerer Mönch und sie hatten Spaß zusammen. Der Blonde konnte noch nicht mal erklären warum ihm ausgerechnet das einen Stich im Herzen verpasste. Vielleicht deshalb, weil er Angst hatte seinen besten Freund an einen Mönch zu verlieren? /Jesus Chris... Werd erwachsen, Jax. Opie kann ja wohl reden mit wem er will!/ redete er sich in Gedanken ein und glaubte das es an seiner Schlaflosigkeit der letzten Tage lag. Weshalb er diesen versuchte weg zuschieben und setzte sich wieder in Bewegung um zu den beiden zu kommen.

Als die beiden Jax bemerkten stand der Mönch auf und meinte: „Ich sollte mich wieder an die Arbeit machen. Und erzähl ihm von deinen Fortschritten." Er grinste und zwinkerte Opie zu, ehe er an Jax vorbei ging und diesem ein lächeln schenkte. Der Präsident der Sons of Anarchy sah ihm nach, ehe er dann zu seinem Freund blickte. „Was...?" fing er an und konnte gar nicht die Frage zu Ende stellen. Da sah er wie Opie auf stand und ohne Krücken mit langsamen Schritten auf ihn zu ging, ihn in eine Umarmung schloss die er selber sofort erwiderte. „Du kannst wieder ohne Krücken laufen?" fügte er daraufhin hinzu und könnte sich ein lächeln nicht verkneifen. Es freute das es Opie nun so weit besser ging.

„Noch nicht all zu viel und ich soll mich auch nicht überanstrengen aber es geht schon." antwortete Opie und hatte genauso ein lächeln auf den Lippen wie sein Gegenüber. Doch das verschwand ganz schnell wieder als er den Zustand von Jax bemerkte. Er zog eine Augenbraue in die Höhe und fügte hinzu: „Du siehst müde aus. Wie lange hast du nicht geschlafen? Was ist los bei dir?" Nun begann sich der Ältere doch Sorgen zu machen. Bisher hatte er noch kein einziges Wort gehört was in Charming oder im Club los war und er hatte auch nicht nachgefragt. Doch jetzt wollte er zumindest eine Antwort haben. Allerdings konnte er dem Gesichtsausdruck von Jax entnehmen, dass er auch dieses mal nichts aus ihm heraus kriegen würde.

Jax wusste das die Frage kommen würde, denn seine Augenringe waren nicht zu übersehen. Aber dennoch wollte er Opie nicht sagen was los war, auch wenn er sich Sorgen machte. Das konnte er ihm ansehen. Zwar hätte er gern mit jemanden über die Probleme geredet, ganz besonders über die mit Tara, aber er wollte nicht dafür verantwortlich sein das sich sein bester Freund dadurch nicht mehr davon abhalten lassen würde zurück zu kommen. Und das konnte er gerade am allerwenigsten gebrauchen, da ihm sonst auch noch die Niners im Nacken hängen werden und dann sicher Opie nochmals erledigen würden, und das dann sogar richtig. Also musste er sich etwas einfallen lassen womit er Opie beruhigen konnte. „Thomas hat sich was eingefangen und schläft die Nächte nicht." antwortete er während er mit den Händen in den Hosentaschen zu der Bank ging und sich darauf fallen ließ ohne groß darüber nachzudenken. Allerdings bemerkte der Blonde an den hochgezogenen Augenbrauen des anderen das er ihm nicht glaubte. Allerdings stellte er trotzdem keine weiteren Fragen und setzte sich zu ihm.

Die nächsten Stunden verbrachte Jax schweigend neben Opie, während der darüber redete was in den letzten Tagen im Kloster passiert war. Nachdem zum dritten mal der Name Benny gefallen war hatte er nicht mehr zugehört. Das schien der Andere später zu bemerken und schlug ihm dann gegen die Schulter ehe er fragte: „Hey! Hörst du mir überhaupt zu?"

Jax musste kurz blinzeln, ehe er registrierte das sein Freund wohl mitbekommen hatte das er ganz woanders war. Konnte er sich da jetzt raus reden? Mittlerweile kam er zu dem Entschluss, dass es doch keine so gute Idee war überhaupt her zu kommen. Denn wie sollte er sich jetzt raus reden? „Natürlich. Ich bin nur müde", antwortete er dann versuchshalber aber bemerkte das Opie ihm das wirklich nicht abkaufte. Wobei es noch nicht mal ganz gelogen war.

„Ach wirklich? Ich bezweifle sehr stark das du in den letzten Tagen zu einem Kettenraucher mutiert bist. 10 Zigaretten in den letzten eineinhalb Stunden? Wirklich, Jax?" fragte Opie und mittlerweile hatte er keine Lust mehr auf irgendwelche Ausflüchte. Er wollte nicht sagen das er mitgezählt hatte, aber die Zigarettenkuppen auf dem Boden sprachen Bände. Und als Jax nicht antwortete holte der dunkelhaarige einmal tief Luft ehe er dann schließlich noch hinzu fügte: „Ok. Wir gehen jetzt in die Küche und trinken einen Kaffee und dabei erzählst du mir was bei euch los ist! Benny macht den besten Kaffee im ganzen Kloster!"

Genau den letzten Satz hätte Opie nicht sagen sollen. Denn genau das sorgte dafür, dass sich Jax jetzt doch nicht mehr beherrschen konnte und er aufsprang, ehe er es raus ließ was er die letzten Stunden versucht hatte zu verdrängen: „Benny... ich kann es langsam nicht mehr hören! Anscheinend hast du hier bereits Freunde gefunden und brauchst mich hier ganz und gar nicht mehr!" Jax Faust schloss und öffnete sich wieder, weil er sich wirklich versuchte zu beherrschen. Und letzten Endes schaffte er es doch und machte sich mit schnellen Schritten zurück zu seinem Motorrad. Dabei ließ er seinen Freund verwirrt zurück, ohne das er auch noch etwas darauf sagen konnte. Allerdings konnte er noch hören wie dieser nach seinem Namen rief, doch er blieb nicht stehen und fuhr auch einfach los, nachdem er sich seinen Helm aufgesetzt hatte.

Der Präsident der Sons of Anarchy war bereits ein paar Kilometer unterwegs, als sein Handy in seiner Hosentasche anfing wie wild zu vibrieren, als er aus dem Funkloch wieder draußen war und es wollte auch nicht mehr aufhören. Weshalb er an die Seite fuhr und anhielt ehe er sein Handy raus nahm. Auf dem Display konnte er erkennen das seine Mum und Nero mindestens ein Dutzend Mal versucht haben ihn zu erreichen. Doppelt so oft sogar auch Chibs welcher ihn eine Nachricht hinterlassen hatte. Diese hörte er ab und er hörte schon aus dem Tonfall heraus, das der Schotte ziemlich angepisst war und somit zu verstehen gab das er mit sofortiger Wirkung zur Werkstatt kommen sollte. „Shit!" fluchte er zu sich selber, ehe er das Handy zurück in die Hosentasche steckte und sich auf den Weg zurück nach Charming machte.

Jax fuhr so schnell er konnte zurück nach Charming, mit direktem Weg zur Teller-Morrow Autowerkstatt, wo auch früher einmal das Clubhaus der Sons of Anarchy stand. Bevor die Explosion das gesamte Gebäude ausgebrannt hatte, weswegen nun nur noch die Mauern dort standen und darauf warteten abgerissen zu werden. Als der Blonde zu dem Platz fuhr um sein Motorrad abzustellen, konnte er erkennen das Chibs auf 180 war während Juice und Tig ihn versuchten zu beruhigen. Aber als sie das Motorrad hörten hatte Jax alle Aufmerksamkeit auf sich und er konnte sehen wie Chibs die Hand von Juice, die sich auf seine Schulter gelegt hatte, weg schlug und auf ihn zu kam. „Was ist denn so dringend?" fragte Jax während er seinen Helm abnahm. Er konnte noch nicht mal unwissend tun, weil er selbst nicht wusste was überhaupt los war.

„Was ist denn so dringend? Weißt du eigentlich was hier los ist, Jackson? Wo steckst du die ganze Zeit?" fragte Chibs und war mächtig sauer. Ihm war schon aufgefallen das Jax ab und zu für Stunden verschwand. Jedoch hatte er nie nachgefragt. Allerdings platzte ihm mittlerweile nun doch der Kragen. Immerhin setzten sie alle in irgendeiner Weise ihr Leben aufs Spiel und Jax plante Sachen von denen selten jemand etwas erfuhr. Manchmal fragte der VP sich schon was in dem Jüngeren vor sich ging.

„Ich war gerade auf den Weg zum Diosa del Sur!" antwortete Jax und zeigte auf seinen Rucksack, den er aus seinem Haus mitgenommen hatte. Das war noch nicht mal gelogen, aber etwas in ihm drin sagte dem Blonden das Chibs ihm das nicht ganz abkaufen würde. Immerhin war er dafür viel zu lange weg gewesen und er konnte diesen dort auch noch gar nicht abliefern. Allerdings konnte er keine Erklärung abliefern wo er die anderen Tage war, wenn er bei Opie im Kloster war. Vielleicht sollte er Chibs das Geheimnis anvertrauen. Irgendjemand musste er es sagen. Erst recht als er plötzlich eine Faust im Gesicht hatte, von der er zu Boden geworfen wurde.

„Vielleicht solltest du uns endlich mal die Wahrheit sagen, Jackson! Keiner von uns will noch sein Leben aufs Spiel setzen!" fügte er daraufhin hinzu und zog Jax wieder hoch um ihn dann gegen den Abschleppwagen zu drücken. „Diosa del Sur liegt nicht am anderen Ende der Welt und hat kein Funkloch! Es ist nicht das erste mal das man dich nicht erreichen konnte!"

Der Blonde wehrte sich nicht da er wusste das er es verdient hatte und spuckte das Blut aus, was sich in seinem Mund gesammelt hatte. Aus den Augenwinkeln heraus konnte er sehen wie sich Tig in Bewegung setzte um Chibs von Jax zu befreien, doch er schüttelte nur den Kopf, da er nur dem Schotten etwas von Opie sagen wollte. Kurz schluckte er und sagte so leise das nur Chibs es hören konnte: „Ich war bei Opie. Chibs, er lebt!"

Chibs hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit. Allein schon weil er sich das nicht erklären konnte. „Ja... nein... was?" fragte er verwirrt und wusste nicht wie er darauf reagieren sollte. „Hast du was genommen, Jax?" fügte er hinzu und versuchte in seinen Augen etwas zu erkennen das auf Drogen oder Aufputschmitteln hinwies. Doch außer der Müdigkeit seines Gegenübers konnte er nichts erkennen.

Jax versuchte dem auszuweichen und suchte nun nach einer Erklärung die er ihm liefern konnte. „Ich habe nichts genommen! Opie lebt! Er war nicht tot und erholt sich in einem Kloster eine Stunde südlich von hier."

Der Schotte wusste nicht was er darauf sagen sollte. Jax sah nicht so aus als wenn er lügen würde. Schon gar nicht wenn es um Opie ging. Immerhin wusste er, dass der Jüngere mehr gelitten hatte als alle anderen. Aber es klang für ihn noch immer unrealistisch und er konnte es nicht glauben. Allerdings wollte er es überprüfen. Immerhin ging es auch für ihn um einen Freund und Bruder. „Du solltest zu deiner Mum. Sie macht sich Sorgen um dich." fügte er stattdessen hinzu ehe er selbst zu seinem Bike ging, um den Weg zum Kloster einzuschlagen, nachdem er seinen Helm aufgesetzt hatt