Chapter 4: Il y a que la vérité qui blesse
(Nur die Wahrheit kann verletzen)
Trotz aller Bedenken, dass es sicherlich keine gute Idee war, entschloss man sich am Ende doch dafür, einen Ruhetag einzulegen.
Paris lockte mit allerlei aufregenden Sachen und selbst Shinichi konnte der Versuchung nicht lange wiederstehen. Einen Tag konnten sie in ihrer Ermittlung ruhig entbehren, jedenfalls hoffte er, dass nichts passieren würde…
Und so fand er sich in aller Herrgottsfrühe an der Seite des Diebes wieder, der in seiner Verkleidung überhaupt nicht wiederzuerkennen war.
Statt seiner dunklen Haare, zierte nun eine blonde Perücke seinen Kopf und seine Gesichtszüge waren soweit verfremdet, dass die asiatischen Züge fast vollkommen verschwunden waren.
So gesehen würde er wohl ohne Probleme auch als Europäer durchgehen.
Er summte die französische Nationalhymne, als er die Tür hinter ihnen abschloss und mit Shinichi an der Hand in Richtung Bushaltestelle ging.
Zu Fuß wäre der Weg in die Innenstadt nicht zu schaffen gewesen und Kaito hatte geplant, alle großen Sehenswürdigkeiten, die es zu besichtigen gab an diesem einen Tag abzuklappern, damit sie sich im Anschluss voll und ganz auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren konnten.
Shinichi graute es vor diesem Touristikmarathon, aber wenigstens würde er eine Weile abgelenkt sein und das war genau das, was er jetzt wollte. Er wollte wenigstens für diesen einen Tag ein ganz gewöhnlicher Junge sein, der nichts mit Verbrecherorganisationen und unzähligen Morden zu tun hatte.
Und wer weiß, vielleicht war Paris doch nicht so schlimm, wie er es sich immer vorstellte. Kaito würde sicherlich dafür sorgen, dass er diesen Tag nicht so schnell vergessen würde und er konnte nur hoffen, dass er es nicht bereuen würde, gerade ihn als seinen Stadtführer auserkoren zu haben.
„Weißt du, Tantei-san, manchmal muss man kein Hellseher sein, um zu wissen woran du gerade denkst." Sprach Kaito neben ihm und schien sich kaum das Grinsen verkneifen zu können, welches sich auf seinen Lippen bildete.
„Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Ich habe keinen hinterhältigen Tricks geplant."
„…jedenfalls jetzt noch nicht…" fügte Kaito flüsternd hinzu.
„Was war das?"
„Nichts, Tantei, absolut rein gar nichts…"
Das klang nicht sonderlich beruhigend…
Was hatte der Kerl jetzt wieder geplant?
„Oh schau mal! Da hinten kommt der Bus!"
„Nettes Ablenkungsmanöver Kaito, aber glaub ja nicht, dass ich so einfach meine Deckung aufgebe."
Shinichi würde sich hüten, besonders in der Gegenwart des wohl meist gesuchten Diebes der Welt.
Sie stiegen ein und fuhren in Richtung Zentrum.
Zu dieser Zeit waren die Straßen noch überraschend leer und so brauchten sie nicht lange, bis sie die Stadtmitte erreicht und von dem etwas unhöflichen Fahrer vor die Tür gesetzt wurden.
Am liebsten wären sie zwar noch eine Station weitergefahren, aber Kaito hatte ihm wohl mit seinem ständigen Dauergefrage den letzten Nerv geraubt.
„Du musst wirklich lernen, dich etwas zurückzuhalten. Wir können von Glück reden, dass er uns überhaupt so weit mitgenommen hat..." merkte Shinichi leicht genervt an.
„Ach Tantei...Es war einfach lustig zu sehen, wie sich seine Gesichtsfarbe so schnell ändern konnte.
Auch wenn ich zugeben muss, dass ich gedacht habe, dass er länger durchhalten würde. Europäer haben wirklich keine Gedult..." jammerte Kaito.
„Und deswegen hast du riskiert, dass er uns rauswirft?!"
„Im Leben muss man Opfer bringen. Und hier ist auch kein schlechter Ort, um mit unserer Tour anzufangen."
„Schon gut, solange du das nicht noch einmal machst."
„Ich kann nichts versprechen, schließlich muss ich die Leute hier so gut es geht studieren."
„Solange du das nicht zu auffällig machst. Außerdem war mir bis eben gar nicht bewusst, dass du fließend Französisch sprichst."
Bei diesem Dieb war wohl nichts unmöglich.
„Mit irgendwas musste ich dich doch überraschen und glaub mir, das ist nicht die einzigste Fremdsprache, die ich beherrsche."
„Das ist so ein Verbrecherding oder?" fragte Shinichi. Es war offensichtlich, dass Kaito für seine Arbeit so etwas beherrschen musste, besonders, wenn man bedenkt, dass Kaito Kid auch im Ausland nicht untätig gewesen war...
„Was hast du denn erwartet?"
Ja, was hatte er erwartet? Und wahrscheinlich war das nicht das einzigste Talent, von dem er bis jetzt nichts gewusst hatte.
Wahrscheinlich würde es nicht das letzte mal sein, dass der Dieb ihn überraschte.
„Also dann," begann Shinichi schließlich, „Was hast du denn als erstes geplant?"
Kaito schien sich einen Moment zu orientieren bevor er sich wieder an ihn wendete: „Wie wäre es mit Notre Dame? Das ist hier gleich in der Nähe."
„Diese berühmte Kathedrale?"
„DIE berühmte Kathedrale," korrigiert ihn Kaito, „Es geht doch nichts über ein wenig Kultur am Morgen."
„Solange du mich nicht zu Tode langweilen willst..."
„Vertrau mir Tantei. Ehe du dich versiehst, wirst du von dieser Stadt genauso begeistert sein, wie ich."
Kaito schien heute nichts die Laune verderben zu können. Und so ließ sich Shinichi von seiner guten Laune mitreißen und entschied, es sich einfach mit sich geschehen zu lassen.
Und so fanden sie sich kurze Zeit später auf dem großen Platz vor der Kathedrale wieder.
Es war inzwischen fast zehn Uhr. Die Sonne stand hoch am Himmel und vermittelte das Gefühl eines warmen Sommertages.
Sie betraten das Gebäude durch die große Eingangstür und waren sofort überwältigt von den Ausmaßen. Es war, als betraten sie eine völlig andere Welt und für einen kurzen Moment, ließen sie einfach die Umgebung auf sich wirken und vergaßen die Probleme, die ihnen so schwer auf den Schultern lasteten.
Kaito ließ sich auf eine der Bänke nieder und begann ein stummes Gebet.
Shinichi war zurecht verwundert, schließlich hatte er sich den Dieb nicht gerade als eine religiöse Person vorgestellt. Aber vielleicht war es weniger der religiöse Aspekt, als einfach die Hoffnung, dass sie endlich einen kleinen Erfolg in diesem Fall erzielen konnten und das nicht noch mehr Menschen wegen ihnen ihr Leben verlieren mussten.
Shinichi gesellte sich zu ihm.
Vielleicht würden ihre Gebete dann endlich erhört werden...
Ein Magenknurren riss ihn aus seinen Gedanken. Es dauerte einen Moment, bevor er realisiert hatte, dass es sein eigener war.
Peinlich berührt drehte er sich zu Kaito, der ihn jetzt amüsiert angrinste.
„Ich denke es wird Zeit für ein kleines Mittagessen, oder Tantei?"
...
„Okaaaaaaay...Wessen dämliche Idee war das noch mal, dass der andere das Essen für einen aussucht...?"
Angewidert blickte Kaito auf seinen Teller, auf dem in diesem Moment ein frisch gebratener Fisch dampfte.
„Deine, soweit ich weiß, außerdem hast du dir das selbst zuzuschreiben! Ich meine...Mal ganz ehrlich, warum mussten es denn unbedingt Froschschenkel sein?!" entgegnete Shinichi und schob besagtes Essen auf seinem Teller hin und her.
Kaum zu glauben, was manche Leute so Essen...
Ein Gedanke der beiden in diesem Moment durch den Kopf gingen.
„Wollen wir nicht lieber irgendwo einen Burger essen gehen, Tantei?" fragte Kaito, der inzwischen fast auf dem Schoß eines anderen Gastes saß.
„Ich glaub, dass ist die beste Idee, die du heute hattest," stimmte ihm Shinichi zu und zusammen verließen sie das Restaurant, nachdem sie ihre Portionen unauffällig im Müll entsorgt und bezahlt hatten. Hier würden sie keine zehn Pferde mehr reinbekommen...
„Haaa...Es ist schön, wenn man endlich was vernünftiges im Magen hat."
Ein paar Burger später fanden sie sich am Champs Elysees wieder. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und man hätte fast vergessen können, warum sie hier waren.
Etwas genervt schüttelte Shinichi den Kopf. Er tat es schon wieder...
Er musste wirklich aufhören ständig nur an die Arbeit zu denken. Heute wollten sie einfach nur Spaß haben.
„Was steht nun an?" fragte Shinichi, als sie wieder in der Lage waren, sich halbwegs normal zu bewegen.
Es war wirklich erstaunlich, wie viel sie in sich reinstopfen konnten.
„Wie wäre es mit einem kleinen Spatziergang über diese berühmte Straße? Und danach geht´s gleich rauf auf den Triumphbogen.
Im Anschluss schauen wir uns die berühmten Gärten an und heute Abend müssen wir unbedingt ins Louvre."
„Wieso das?"
„Nun, sagen wir mal, Kaito Kid hat gestern Abend eine kleine Nachricht hinterlassen, in dem er ankündigt einen wertvollen Edelstein zu stehlen..."
„Da kannst du nicht ernst meinen!"
Aber was redete er da, schließlich ging es hier um Kaito Kid...
„Doch, irgendwie schon."
„Ich glaub´s nicht. Und dann bist du derjenige, der mir ständig gesagt hat lockerer zu sein..."
„Manche Gewohnheiten kann man einfach nicht unterdrücken. Und außerdem ist das wie ein Tribut an den berühmten Meisterdieb. Endlich kann ich beweisen, dass ich genauso gut bin wie Arsene Lupin!"
„Du bist verrückt..." kommentierte Shinichi das nur. Als ob er wirklich in der Lage war, den Dieb davon abzuhalten. Er würde ihn wohl oder übel gewähren lassen müssen. Das es ein fantastisches Schauspiel werden würde, war klar. Und wahrscheinlich würden auch diesmal genug Zuschauer zugegen sein, um Kaito Kid anzufeuern. Glücklicherweise wurde er nur in Japan als Mörder gesucht, sonst hätte er das sicherlich nicht einfach so hingenommen.
„Dann sollten wir uns schleunigst auf den Weg machen, sonst schaffen wir das bis heute Abend nicht mehr," lachte er.
„Was? Sag bloß der Detektiv lässt den Dieb wissentlich seinen Diebeszug durchführen?"
„Als ob du auf mich hören würdest...Außerdem ist es ja nicht so, als ob du dein Diebesgut nicht irgendwann wieder zurückbringen würdest. Irgendwann musst du mir wirklich erzählen, was es damit auf sich hat."
„Versprochen Tantei. Sollten wir das hier überleben, werde ich es dir erzählen."
Das war ein Versprechen, woran Shinichi sich erinnern würde. Und er würde Kaito so oft es ging daran erinnern wie es nur irgend möglich war.
„Na dann los!
Es war eine ungünstige Tageszeit, die sie gewählt hatten, wie sie bald darauf feststellen mussten. Die Straße war vollgestopft mit Einwohnern und Touristen, die ihren Aufenthalt dazu nutzten noch einmal richtig shoppen zu gehen.
Und dafür hatten sie hier wirklich alle Möglichkeiten. Besonders die Liebhaber von Luxus kamen hier auf ihre Kosten. Shinichi musste unweigerlich an seine Mutter denken, die dies auch gerne machte und ihm dann immer teilweise recht fragwürdige Souvenirs mitbrachte.
Kaito schien sich vorhersehend mehr für alles zu interessieren, was glitzerte.
Wie eine Elster stürzte er zu jedem Schaufenster und blickte sich neugierig um, bevor er kopfschüttelnd wieder zu Shinichi zurückkam und nach dem nächsten Juwelier Ausschau hielt.
Shinich ging es zwar nichts an, aber so langsam wurde er doch neugierig, wonach der Dieb eigentlich suchte.
Das es etwas wichtiges sein musste, war klar, sonst würde er sich sicherlich nicht ständig dieser Gefahr aussetzen.
Aber er musste sich Wohl oder Übel in Geduld üben bis der Dieb es ihm persönlich anvertraute. Bis dahin musste er sich mit dem hier und jetzt beschäftigen. Es gab schließlich wichtigere Dinge, um die sich kümmern mussten.
Jedenfalls sobald Kaito endlich seinen Willen gekriegt hatte...Der Tag war noch jung und bis zum Abend war es noch so lange hin...
„Hör auf zu trödeln Tantei und komm! Sonst schaffen wir unseren Zeitplan nie!" rief Kaito, der schon ein ganzes Stück vorausgegangen war und auf ihn zu warten schien.
„Komm ja schon."
So gut es ging versuchte er mit ihm Schritt zu halten, was gar nicht so einfach war, denn mit seinen kurzen Beinen musste er fast rennen. Jetzt hätte er wirklich sein Skateboard gebrauchen können, aber dieses lag leider bei ihm zu Hause unterm Bett...
Die Zeit, die sie mit Sightseeing verbrachten, verging schneller, als den beiden lieb war. Und bevor sie sich versahen, war die Sonne untergegangen.
„Es wird Zeit, dass wir der Mona Lisa einen Besuch abstatten..." murmelte Kaito gedankenverloren.
Man konnte ihm ansehen, wie er sich gedanklich auf seinen neuesten Raubzug vorbereitete.
„Dann sollten wir deine Fans nicht warten lassen," kommentierte es Shinichi und zusammen machten sie sich auf den Weg.
„Warum gehst du nicht schon mal vor? Dann kannst du das Spektakel aus nächster Nähe betrachten," schlug Kaito vor, als sie ihr Ziel erreicht hatten. Der Dieb war hochmotiviert, dass konnte man ihm ansehen und nichts und niemand hätte ihn jetzt noch von seinem Vorhaben abbringen können.
Shinichi musste Wohl oder Übel einwilligen und besorgte sich am Schalter eine Eintrittskarte.
Kaito hatte nicht erwähnt, wann genau es stattfinden würde, also konnte er die Zeit auch gut damit verbringen, sich ein wenig die Kunstschätze anzuschauen, bis es endlich soweit war.
Ran wäre sicher stolz auf ihn, wenn sie ihn jetzt so sehen könnte. Wie oft hatte sie ihn vergeblich zu überreden versucht, mit ihr in ein Kunstmuseum zu gehen. Doch er hatte es immer wieder geschafft, den Termin in letzter Minute absagen zu können, auf grund eines neuen Falls.
Ginge es nicht um Kaito, wäre auch diesmal nicht mitgekommen. So gesehen war er der erste, der in dazu überreden konnte.
Er betrat den nächsten Raum und wurde von einer riesigen Menschenmasse begrüßt.
„Scheint als hätte ich Kid´s Schauplatz für diesen Abend gefunden..." murmelte er leise und blickte auf die vielen Leute.
Ein normales Durchkommen war unter diesen Umständen nicht mehr möglich und da es in diesem Raum keine Fenster gab, nur der kleine Zugang, durch den er gekommen war, konnte es nur bedeuten, dass Kaito sich entweder schon im Raum befand oder bald eintreffen würde.
War nur noch die Frage zu klären, welcher der Besucher er war.
Kaitos Verkleidungen waren immer perfekt und wahrscheinlich würde er ihn erst dann wiedererkennen, wenn es schon längst zu spät war.
So wie es bei fast jedem ihrer Zusammentreffen war.
Trotzdem konnte er es sich nicht verkneifen, seinen Blick über die Menge schweifen zu lassen.
Denn so gesehen, sah jeder hier irgendwie verdächtig aus...
Und es wurden immer mehr!
Wenn das so weiterging, würde dieser Raum bald vollkommen überfüllt sein...
Oder war es genau das, was der Dieb beabsichtigte? Aber dann wäre er hier genauso gefangen...
Inzwischen wurde es wirklich unangenehm.
Immer mehr Leute drängten sich in den Raum, in der Hoffnung, einen Blick erhaschen zu können und Shinichi fand sich in einer der hinteren Ecken zurückgedrängt. Ihm wurde in der letzten halben Stunde so oft auf die Füße getreten, dass er schon drauf und dran gewesen war, diesen Raum zu verlassen und draußen auf Kaito zu warten...
Und plötzlich war in dem kleinem Raum die Hölle los.
Er hatte nicht mitbekommen, was genau passiert war, aber der Edelstein war verschwunden und plötzlich fingen die Leute an sich gegenseitig zu beschuldigen Kaito Kid zu sein...
„Das war es also was er geplant hatte..." murmelte er leise, als ihn die Erkenntnis traf.
Der Dieb hatte es wiedereinmal geschafft...
Das durch seine Ankündigung eine ganze Menge Schaulustige auftauchen würden, war Teil seines Plans gewesen. Und wie schon so oft, hatte er sich unter die Menge gemischt, aber um die ganze Sache abzuschließen, hatte er einem Großteil der Leute Fälschungen untergeschoben, damit niemand auf den ersten Blick sagen konnte welcher der echte Edelstein war. Nur um dann klammheimlich zu verschwinden...
Das war wirklich das letzte gewesen, womit er gerechnet hatte, als Kaito ihm gesagt hatte, dass er plante etwas aus dem Louvre zu stehlen.
Er bezweifelte irgendwie, dass der Dieb noch hier war und machte sich auf den Weg zum Ausgang. Zwar wurde auch er kontrolliert, aber da er keine Fälschung oder ähnliches bei sich trug, ließen ihn die Wachleute schon nach kurzer Zeit wieder gehen.
Und wie zu erwarten, fand er den Dieb in seiner üblichen Verkleidung stehen.
„Ich dachte schon, du tauchst gar nicht mehr auf." lachte der Dieb und zusammen verließen sie die Austellung.
„Ich vermute, du hast meinen kleinen Trick durchschaut?"
„War nicht so schwer, auch wenn ich zugeben muss, dass ich mit etwas extravaganterem gerechnet hatte. So gesehen hattest du dich deinen Zuschauern nicht einmal gezeigt."
„Ich dachte ich probier mal was anderes, außerdem kann man nie sicher sein, ob diese Typen nicht doch wieder irgendwo auftauchen, um mich umzubringen."
Also hatte der Dieb doch nachgedacht, als er seinen neuesten Diebeszug durchgeführt hatte.
„Es ist gut zu sehen, dass du doch manchmal nachdenkst."
„Das ist gemein Tantei-san. Ich bin der wohl klügste und gutaussehendste Dieb, den diese Welt jemals gesehen hat!"
„Einbildung ist auch ´ne Bildung..."
Eigentlich wollte Shinichi nach diesem Satz so schnell wie möglich verschwinden, aber der Dieb war schneller, als er gedacht hatte.
„Ich glaube hier gehört jemand der Hintern versohlt," lachte Kaito, als er sich den kleinen Detektiven unter den Arm geklemmt hatte.
Shinichi versuchte sein möglichstes, sich wieder zu befreien, aber es war unmöglich.
Erst als sie wieder die Bushaltestelle erreicht hatten ließ er ihn endlich wieder runter.
„Wird auch Zeit..." murmelte Shinichi, der ganze Weg hierher war mehr als peinlich gewesen und eine ganze Menge der Leute hatte die beiden belustigt beobachtet und gemeint, wie süß die beiden wären...
Er war definitiv nicht süß!
„Morgen geht dann der Ernst des Lebens wieder los, oder?" fragte Kaito verträumt.
„Das war jedenfalls der Plan. Wir können uns nicht leisten, diese Typen noch länger frei herumlaufen zu lassen."
Trotzdem musste Shinichi zugeben, dass der Tag ihm spaß gemacht hatte. Es war eine gelungene Abwechslung, zu den vielen Morden, mit denen er sich tagtäglich herumschlagen musste.
Wenn sie diese ganze Sache endlich zu einem Ende gebracht hatten, mussten sie das unbedingt noch einmal wiederholen.
Es wurde bereits dunkel, als sie endlich in ihrer kleinen Bleibe angekommen waren.
Shinichis Kinderkörper zeigte bereits die ersten Erschöpfungsanzeichen, denn es fiel ihm immer schwerer, seine Augen offen zu halten.
„Wird wohl Zeit, dass du ins Bett kommst," lachte Kaito und hob ihn hoch.
Diesmal beschwerte er sich jedoch nicht, denn dafür er viel zu müde.
Vorsichtig wurde er ins Bett gelegt.
Und kurz darauf gesellte sich auch Kaito zu ihn.
„Du hast dein eigenes Bett!" beschwerte er sich, war aber bereits kurz davor einzuschlafen.
„Ich will aber nicht alleine schlafen..."
Mehr bekam Shinichi nicht mehr mit, denn der Schlaf hatte ihn endlich übermannt.
„Gute Nacht Tantei-san. Ich hoffe ich kann dein wahres ich auch irgendwann so umarmen..."
Der nächste Morgen kam später, als die beiden gedacht hatten.
Wer hätte auch ahnen können, dass ein Bett so bequem sein konnte, besonders wenn es draußen in Strömen regnete.
Und dann erinnerte sich Shinichi an letzte Nacht.
Das war kein Traum gewesen, oder?
Vorsichtig drehte er seinen Kopf ein wenig zur Seite und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Dort lag der Dieb. Seine Hände hatten sich in sein viel zu großes Hemd vergraben und er sah nicht so aus, als ob er in nächster Zukunft vor hatte ihn loszulassen.
Es war etwas seltsam, mit ihm in einem Bett zu schlafen, aber er musste zugeben, dass es nicht so schlimm war, wie er angenommen hatte.
Ein Blick auf die Uhr verriet ihm jedoch, dass es höchste Zeit wurde, dass sie aufstanden. So schön es auch wäre, den ganzen Tag im Bett zu liegen...
„Hey! Aufwachen Schafmütze!"
Kaito murmelte etwas unverständliches und kuschelte sich noch tiefer in die Laken. Er schien überhaupt nicht gewillt, auch nur ein Auge aufzumachen.
„Du hast es nicht anders gewollt, Dieb..."
Mit einer Hand hielt er ihm die Nase, mit der anderen den Mund zu und wartete.
Eigentlich hatte er geplant, einen Countdown herunterzuzählen, aber das erübrigte sich in dem Moment, als Kaito erschrocken aufsprang und verzweifelt nach Luft rang.
„Willst du jetzt endlich aufstehen?"
„Ich...*keuch*...ich bin ja...schon wach...!"
Immer noch außer Atem machte der Dieb sich auf den Weg ins Badezimmer.
„Du bist ziemlich gemein weißt du das Tantei-san?"
„Das sagtest du bereits. Aber falls du schon mal auf die Uhr geschaut hast, wirst du gemerkt haben, dass es wirklich aller höchste Zeit ist.
Oder hast du vergessen, warum wir hier sind?"
„Ja ja..."
Kam es ihm nur so vor oder war Kaito ein wenig enttäuscht?
Natürlich war der gestrige Tag toll gewesen und es war schließlich nicht so, als ob sie das nie wieder machen könnten...
„Wenn du willst, können wir das in England noch mal machen..."
Er wusste selbst nicht, warum er das gesagt hatte, aber als er sah, wie sich das Gesicht des Diebes aufhellte, wusste er, dass es nicht falsch gewesen war.
„Du hast also doch ein Herz, Tantei-san."
„Treibs nicht zu weit..."
So gut es ging, quetschten sie sich in das kleine Bad und waren in kürzester Zeit bereit für den heutigen Tag.
„Wo müssen wir heute hin?" fragte Kaito neugierig.
„In die Pariser Altstadt. Es wird dich wahrscheinlich nicht überraschen, dass es sich schon wieder um ein Juweliergeschäft handelt."
„Diese Typen scheinen solche Läden wirklich zu mögen, nicht dass ich wiedersprechen würde."
Es war schon wieder dieser seltsame Schimmer in seinen Augen zu sehen.
„Denk nicht mal dran Kaito..."
„Hat Tantei-san etwa Angst, dass ich vom Weg der Tugend abschweifen könnte?"
„Hat dir der gestrige Beutezug denn nicht gereicht?"
Manchmal waren ihm die Gedankengänge dieses Diebes unbegreiflich...
„Also wenn du mich so fragst..."
Es war offensichtlich, dass er ihn nur ärgern wollte, aber trotzdem konnte man sich bei ihm niemals so sicher sein.
„Lass das und sieh zu, dass du alles für heute eingepackt hast."
Mit ausreichend Proviant versorgt, verließen sie an diesem Morgen ihre Bleibe und machten sich wie auch schon am Vortag auf den Weg ins Stadtzentrum.
Auf der Fahrt dorthin blätterte Shinichi immer wieder in den Unterlagen. Bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, wollte er sicher gehen, dass er wirklich nichts wichtiges übersehen hatte. Jeder kleinste Hinweis konnte nützlich sein, um diesen Fall endlich zu lösen, aber auch beim zehnten Mal lesen fand er nichts neues, dass ihnen hätte helfen können.
„Pass auf, dass das Blatt kein Feuer fängt, wenn du es weiter so anstarrst," riss Kaito ihn aus seinen Gedanken.
„Ich weiß, aber diese ganze Sache ergibt einfach keinen Sinn…In keinem der Läden wurde irgendwas gestohlen, aber aus unerfindlichen Gründen wurden dort immer die Leichen zurückgelassen…Und scheinbar handelte es sich dabei immer um Mitarbeiter oder Leute, die entfernt mit den Läden zu tun hatten…"
„Am besten schauen wir uns erst einmal um, vielleicht fällt uns dann etwas auf," versuchte Kaito ihm Mut zu machen.
„Ich hoffe jedenfalls, dass wir etwas finden…"
Als sie den Laden erreichten, mussten sie überrascht feststellen, dass er sich zu den alten Fotos vollkommen verändert hatte.
Nichts erinnerte mehr an die alte Goldschmiede von damals, stattdessen prunkte hier nun eine Edelboutique, die auch um diese Tageszeit schon recht gut gefüllt war.
„Hoffentlich erinnert sich einer von denen noch an das Verbrechen, wenn nicht haben wir hier echt die Arschkarte gezogen," murmelte Kaito.
„Gehen wir rein und finden es heraus."
Eine kleine Klingel kündigte die zwei an und keine zehn Sekunden später stand ein älterer und recht motivierter Verkäufer vor ihnen und versuchte sie für die Schmuckstücke zu begeistern.
Aus dem Augenwinkel heraus erkannte Shinichi einen ziemlich furchteinflößend dreinblickenden Türsteher, der wohl aufpasste, dass niemand auf die Idee kam etwas mitgehen zu lassen.
„Ehrlich gesagt sind wir nicht hierher gekommen, um etwas zu kaufen," bremste Kaito ihn in fließendem Französisch aus.
Shinichis Kenntnisse waren zwar auch nicht schlecht, aber hier ließ er dem Dieb den Vortritt, um etwaigen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Außerdem würde er wohl kaum gehör finden, solange er aussah wie ein Kind…
„Es geht um ein Ereignis, dass sich hier vor etwa zehn Jahren ereignet hat."
Das ließ den Verkäufer inne halten.
Beunruhigt blickte er sich um, so als könnte jeden Moment jemand auf ihn los gehen, bevor er sich wieder an sie wand.
„Ich denke, das ist kein Gespräch, dass man hier führen sollte. Wenn sie mir bitte folgen wollen."
Also war die Sache doch noch nicht ganz vergessen.
Sie wurden in ein kleines Hinterzimmer geführt und aufgefordert dort zu warten, bis er den Geschäftsführer geholt hatte.
„Hoffen wir mal, dass der Geschäftsführer uns ein paar wichtige Hinweise geben kann," flüsterte Kaito.
„Es ist noch nicht so lange her. Vielleicht haben wir Glück."
Das jedenfalls hoffte Shinichi. Nach den vielen Rückschlägen der letzten Tage war es wirklich an der Zeit, dass sie mal wieder einen Glücktreffer landeten.
Außerdem würde das vielleicht auch endlich ein Licht auf die Tatsache werfen, warum die Tatorte fast ausschließlich Juweliere waren.
Ein Gedanke kam ihm, als er noch einmal darüber nachdachte, aber er hielt es für ratsam, diesen erst mal für sich zu behalten.
Solange er seine Theorie nicht bestätigt sah, schließlich konnte er auch vollkommen falsch liegen, wollte er keine voreiligen Schlüsse ziehen.
„Entschuldigen die Wartezeit."
Ein Mann, wahrscheinlich Ende zwanzig begrüßte sie mit einem Handschlag und setzte sich zu ihnen.
Das musste wohl der Geschäftsführer sein.
„Ich habe erfahren, dass sie nach den Ereignissen von vor zehn Jahren gefragt haben," seine Miene wurde ernst, „Warum genau wollen sie das Wissen?"
Seine Reaktion war verständlich.
Auch die anderen Leute, mit denen Shinichi gesprochen hatte, hatten so reagiert. Da hinter diesen Verbrechen wohl doch mehr steckte, als sie bisher geahnt hatten und viele hatten einen ihrer Lieben verloren.
„Vor kurzem kam es in Japan zu zwei Verbrechen, die diesem von vor zehn Jahren erschreckend ähnlich waren. Wir gehen davon aus, dass der Täter entweder wieder angefangen hat zu morden, oder es sich um einen Trittbrettfahrer handelt.
Und diesen Fall endlich aufzuklären brauchen wir so viele Informationen der alten Fälle wie möglich, um endlich einen Hinweis auf den Täter zu bekommen."
„Wirklich? Aber jetzt wo sie es sagen…stimmt, darüber habe ich in der Zeitung gelesen."
Dann blickte er zu Shinichi.
„Trotzdem verstehe ich nicht, warum dieses Kind dann hier ist."
Kaito lachte: „Der Kleine ist mein Gehilfe. Es ist in Ordnung das er hier ist. Bitte sprechen sie weiter."
Gehilfe?
Verärgert versetzte Shinichi ihm einen gezielten Tritt gegen sein Schienbein. Das sollte sein loses Mundwerk für eine Weile stopfen.
Ihr Gegenüber schaute zwar etwas verwirrt, begann aber trotzdem über die Vorkommnisse zu reden: „Damals stand ich noch in der Leere meines Vaters. Trotzdem erinnere ich mich, als wäre es erst gestern gewesen. Einige Tage zuvor hatten wir einige Kisten wertvoller Schmuckstücke bekommen, die wir schätzen sollten. Nichts ungewöhnliches eigentlich, aber während dieser Zeit war mein Vater grundloserweise sehr gestresst. Er war oft sehr aggressiv, auch mir gegenüber, doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht warum. Inzwischen vermute ich allerdings, dass es Angst war. Wahrscheinlich hatte er geahnt, dass etwas an unserer Ware nicht stimmte…"
Das ließ Shinichi aufhorchen.
„Und dann kam dieser Tag. Es war ein schöner Nachmittag gewesen, der beste, den wir in diesem Sommer gehabt hatten…
Ich hatte meinen Vater den ganzen Morgen noch nicht gesehen, aber ich war zu dieser Zeit so beschäftigt mit den neuen Stücken gewesen, dass ich gar keine Zeit hatte, mir Sorgen zu machen.
Erst als die ersten Kunden eintraten, begann ich mir Sorgen zu machen. Das war normalerweise nicht seine Art. Am liebsten hatte er die Tür immer selbst aufgeschlossen, aber an diesem Tag…"
Er vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Sie spürten wie schwer es ihm fiel, darüber zu sprechen.
„Anfangs dachte ich, dass er irgendeinen anderen Auftrag zu erledigen hatte und in der Stadt unterwegs war, doch eigentlich sagte er vorher immer bescheid…
Ich kümmerte mich damals den ganzen Tag um die Kunden, bis zum späten Nachmittag, als ich plötzlich ein Geräusch hörte. Es kam aus der Werkstatt, wo wir damals auch die Besucher herumgeführt hatten. Kurz darauf waren Schreie zu hören und ich eilte dorthin, aus Angst, dass etwas passiert sein könnte…
Ich lag damit ziemlich richtig.
Auf dem Fußboden lag mein Vater. Er war rücklings aus einem der hohen Schränke gefallen. Er trug eine Maske, aber ich wusste sofort, wer es war.
Ein langes…Jagdmesser steckte in seiner Brust und ein Schild war an ihm befestigt…
Ich konnte nicht schweigen, war auf diesem geschrieben…
Es war schrecklich…"
Es war genau das selbe, wie bei den zwei anderen Morden. Sie hatten mit ihrer Vermutung recht behalten und wie es schien, ging diese Mordserie doch weiter zurück, als bisher angenommen wurde.
Shinichi bezweifelte, dass es sich hier um einen Trittbrettfahrer handelte, dafür war diese ganze Sache viel zu organisiert.
„War damals sonst noch etwas, was ihnen im Bezug diesem Fall aufgefallen ist?" fragte Kaito.
„Nun ja, es hatte einen ziemlichen Medienrummel gegeben und so war auch bald ein Verdächtiger gefunden…"
„Lassen sie mich raten…Kaito Kid?"
„Genau! Es hieß ein gewöhnlicher Dieb wäre zu einem Mörder geworden. Leider wurde er nie geschnappt. Und so weit ich weiß, klaut dieser Verbrecher immer noch…"
Verbitterung schwang in seinen Worten mit, wer konnte es ihm auch verübeln. Trotzdem…
Sein Hass galt der falschen Person, dass wussten sie. Es war halt nur noch rauszukriegen, wer die richtigen waren.
Und warum sie Kaito Kid zu einem Mörder machen wollten.
„Kann ich ihnen noch eine Frage stellen?" fragte Kaito.
„Wenn es sein muss…"
„Was genau waren das für Ausstellungsstücke?"
Scheinbar hatte Kaito die gleiche Schlussfolgerung gezogen wie Shinichi.
„Es waren Edelsteine. Ein paar besonders schöne Stücke…"
Die Erkenntnis schien Kaito zu treffen, das sah Shinichi sofort, doch er würde sich noch gedulden müssen, bis sie wieder draußen waren, bevor er ihn dazu fragen konnte.
Kaito warf ihm einen Blick zu, ob dieser noch irgendwas fragen wollte, aber er schüttelte nur mit dem Kopf.
Sie verabschiedeten sich und verließen den Laden.
„Ich würde von einem Erfolg sprechen. Was meinst du, Tantei-san?"
„Ja. Und ich vermute du kannst endlich etwas Licht in die ganze Sache bringen?"
Kaito würde nun keine andere Wahl mehr haben, er musste endlich mit der Sprache rausrücken, wollten sie in diesem Fall endlich weiterkommen.
Sie machten sich auf direktem Weg wieder nach Hause. Es gab viel zu besprechen .
„Ich komme gleich zum Punkt," sprach Shinichi, als sie es sich auf der Couch gemütlich gemacht hatten, „Diese Morde passieren auf Grund eines Edelsteins. Und ich vermute, du weißt auf welches genau sie es abgesehen haben?"
„Du hast mich durchschaut Tantei-san. Ja, ich kann mir inzwischen sehr gut vorstellen, wonach sie gesucht haben und warum so viele Leute deswegen sterben mussten…Der Grund dafür ist, dass auch ich danach suche…
Dieser Edelstein nennt sich Pandora. Und so unglaublich es klingt, soll dieser einem Menschen die Unsterblichkeit schenken..."
„Glaub mir, nachdem was ich alles erlebt habe, verwundert mich kaum noch etwas."
Kaito grinste bei diesem Kommentar: „Jedenfalls ist auch eine Organisation hinter diesem Edelstein her, jedoch gibt es hier ein kleines Problem."
„Und das wäre?"
„Während ich diese Typen damals überwacht hatte, kurz bevor ich angeschossen wurde, ist mir etwas aufgefallen...
Diese Männer gehörten nicht zu dieser Organisation..."
Shinichi wusste, worauf er hinauswollte: „Wir haben es also mit einer bis dato noch unbekannten Gruppe zu tun, die es auch auf Pandora abgesehen hat..."
Diese Gruppe war schon vor gut zehn Jahren aktiv gewesen, was nur die Tatsache verstärkte, wie ernst sie es meinten.
Sie würden jeden eliminieren, der sich ihnen in den Weg stellt, das hatten sie schließlich schon am eigenen Leib erfahren müssen.
Auch verstärkte es seine Vermutung, dass der Kaito Kid von damals wirklich jemand anderes gewesen war.
Das ist wenigstens ein kleiner Fortschritt, auch wenn es von hier aus nicht einfacher wird. Da sie so gut wie keine Spuren hinterlassen und die blöde Angewohnheit haben, alles und jeden aus dem Weg zu räumen...
„Wir müssen einfach versuchen, ihnen immer einen Schritt voraus zu sein und Pandora vor ihnen finden."
Kaito hatte wieder dieses seltsame Glitzern in den Augen...
„Glaub ja nicht, dass ich dich in deinen Raubzügen unterstütze!"
„Awww...aber warum denn nicht, Tantei? Wir wären sicherlich ein richtig gutes Team!"
Träum weiter..." murmelte Shinichi nur und schlüpfte in seinen Pyjama, den sie vorhin mit ein paar anderen Sache gekauft hatte, da er nicht immer die gleiche Kleidung tragen konnte.
„Wie gemein..." hörte er Kaito noch sagen, bevor er sich die Decke über den Kopf zog.
Das leichte Senken der Matratze verriet ihm, dass der Dieb es wieder einmal nicht für nötig hielt, sein eigenes Bett zu benutzen, aber er beschwerte sich nicht.
So gesehen war es sogar recht angenehm, die Wärme von jemandem neben sich zu spüren.
Es waren keine zwei Stunden vergangen, dies verriet ihm jedenfalls die Uhr auf dem Nachttisch, als Shinichi plötzlich wach wurde.
Er konnte es sich selbst nicht erklären, jedenfalls bis er den leichten Atem von Kaito in seinem Nacken spürte, der hinter ihm lag und ihn wie eine großen Teddybär umklammert hielt, aber das war nicht, was ihn geweckt hatte.
Das Problem lag ein Stückchen tiefer und presste momentan mit aller Härte gegen seinen Rücken.
„Das ist doch nicht etwa...?"
Die Röte schoss ihm ins Gesicht, als ihn die Erkenntnis traf, worum es sich dabei handelte...
Das konnte doch nur ein schlechter Scherz sein, oder?
Und das Schlimmste daran war, dass Kaito sich so fest an ihn krallte, dass er nicht einmal in der Lage war, sich aus dieser Situation zu befreien.
Er konnte nur hoffen, dass Kaito in seinem Schlaf nicht auf irgendwelche dummen Gedanken kam, denn sonst würde er sich gezwungen sehen, ihm seine Gliedmaßen einzeln zu brechen!
„...Shin...ichi..."
„Huh...?"
Er schien immer noch zu schlafen, aber das war in der Dunkelheit des Raumes nicht wirklich zu erkennen...
„Kaito? Bist du wach?"
Er erhielt keine Antwort, stattdessen festigte sich der Griff.
Wie es schien hatte er keine andere Wahl, er würde wohl oder übel versuchen müssen, wieder einzuschlafen, so schwierig das unter diesen Umständen auch war...
„Morgen kannst du dir etwas anhören..."
Er schloss wieder die Augen und versuchte an etwas anderes zu denken...
Shinichi´s Stanpauke am nächsten Morgen musste jedoch warten, als er einen kleinen Zettel erblickte, der unter der Tür durchgeschoben worden war.
Neugierig betrachtete er die krakelige Handschrift, die darauf schließen ließ, dass die Nachricht in großer Eile verfasst worden war.
13:45
Café de Glace
Waren sie aufgeflogen?
Er spürte, wie seine Hände zu zittern begannen, bei dem Gedanken.
„Was ist das?" fragte Kaito neugierig.
Wortlos reichte er ihm den Zettel.
„Ich denke, wir sollten hingehen," sagte Kaito nach kurzer Überlegung.
„Wenn es wirklich diese Typen gewesen wären, hätten sie sich sicher nicht die Mühe gemacht, uns einen Zettel zu schreiben, sondern hätten uns gleich im Schlaf ermordet."
Seine Worte machten Sinn, so ungern er es auch zugeben wollte.
„Trotzdem sollten wir vorsichtig sein. Es könnte auch eine Falle sein."
„Keine Sorge Tantei-san, mit offensichtlichen Fallen kenne ich mich aus. Die werden sich wundern, wenn die irgendwas geplant haben."
Er konnte nur hoffen, dass der Dieb wusste, was er tat, denn momentan blieb ihm nichts anderes übrig, als ihm zu vertrauen. Denn er konnte momentan nicht sonderlich viel ausrichten.
Warum nur änderte sich sein Körper nicht zurück?
Eigentlich hatte er sich inzwischen soweit beruhigt, dass diese Wirkung nachlassen müsste, aber wie es schien, steckte er wieder in der gleichen Bedrouille wie damals. Nur leider war diesmal keine Wissenschaftlerin an seiner Seite, die ihn hätte helfen können.
Er hatte es Kaito noch nicht gesagt, aber Haibara hatte ihm damals gewarnt, das eine weitere Verwandlung vielleicht unwiederbringlich war...
Sollte dies wirklich der Fall sein...
Vielleicht sollte er sich entgültig von seiner Identität als Shinichi verabschieden und sein Leben als Conan Edogawa fristen...
„Alles OK bei dir Tantei-san? Du wirkst ziemlich niedergeschlagen?" erkundigte sich der Dieb besorgt, in der Hand ein Croissant, dass er eben mit etwas Butter bestrichen hatte. Er brach es in der Mitte durch und hielt Shinichi eine Hälfte hin.
„Hier, du hast noch nichts gefrühstückt, oder?"
Eigentlich hatte er keinen Hunger, aber er wollte Kaito nicht noch mehr beunruhigen, als er es sowieso schon getan hatte. Also nahm er es entgegen und versuchte es so gut es ging hinunterzuwürgen.
Und Kaito hörte erst auf ihn zu beobachten, als er alles aufgegessen hatte.
Im Anschluss klopfte er ihm aufmunternd auf die Schulter: „Dann wollen wir dich mal wieder herrichten, denn so kannst du wirklich nicht auf die Straße."
Kaito spielte auf den Pyjama an, den er immer noch trug.
So konnte er wirklich nicht raus gehen...
„Kannst du irgendjemand verdächtigen erkennen?" fragte Kaito, als sie in dem besagten Café Platz genommen hatten.
Sie waren eine halbe Stunde früher eingetroffen, damit Kaito seine Vorbereitungen für eine etwaige Flucht treffen konnte und saßen sie gemütlich in einer der doch eher unauffälligeren Tische, genossen Kuchen und Kaffee und beobachteten jeden, der das kleine Café betrat.
„Nichts. Unter diesen Umständen kann es wirklich jeder sein..."
Shinichi hatte vermutet, dass diese Person durch irgendein Verhalten auffiel. War es nun Nervosität oder Selbstsicherheit, aber nichts dergleichen konnte er in den Kunden erkennen, die bis dato eingetreten waren.
„Vielleicht ist die Person noch nicht aufgetaucht? Es sind ja noch gut fünf Minuten bis zum vereinbarten Termin."
„Vielleicht hast du recht...Warte!"
Genau in diesem Moment trat ein neuer Kunde ein. Und Shinichi war sofort klar, dass es sich dabei um die Person handelte, die ihnen den Zettel unter der Tür durchgeschoben hatte.
Es war ein Mann, wahrscheinlich Ende vierzig, und trotz der Tatsache, dass er sich recht gelassen gab, gab es doch genug Anzeichen, die das Gegenteil bewiesen.
Seine Hände wanderten recht Häufig in seine Taschen und wieder hinaus. Sein Blick war unfokussiert, als suchte er nach etwas und seine Kleidung wirkte wahllos zusammengesucht, als hätte er nicht genug Zeit gehabt, sich etwas vernünftiges herauszusuchen.
„Ich glaube wir haben unseren Mann..." flüsterte Shinichi unauffällig und deutete auf den Neuankömmling.
Dieser sah sich noch kurz um, bevor er sie erblickte und sich langsam zu ihnen gesellte.
„Entschuldigen sie, diese kurzfristige Nachricht, aber ich musste sichergehen, dass niemand außer ihnen von davon erfuhr."
So wie er sich die ganze Zeit umsah, hatte er wohl immer noch das Gefühl, dass man ihn verfolgte...
„Warum wollten sie uns sprechen?" fragte Kaito.
„Ich habe sie gestern in dem Juweliergeschäft gesehen und zufällig mitangehört, wie sie nach den Ereignissen von vor zehn Jahren gefragt hatten...
Aber vielleicht stelle ich mich erst einmal vor. Mein Name ist Jean Cubery, ich war ein sehr guter Freund des Opfers..."
Das ließ die beiden aufhorchen.
In den Polizeiunterlagen wurden zwar alle Personen, aufgeführt, die mit dem Juwelier in Verbindung gestanden erwähnt, aber dieser Name wurde dort nicht erwähnt.
Er sprach weiter: „Einen Tag vor seiner Ermordung, hatte er mich aufgesucht. Ich habe es anfangs selbst nicht verstanden, da wir uns eher selten getroffen hatten und ich ihn eher als einen Bekannten als einen Freund gesehen hatte, aber er war so aufgelöst, dass ich ihm einfach helfen musste."
„Worum ging es?" erkundigte sich Kaito.
„Er sprach von einer seltsamen Lieferung, die er vor kurzem bekommen hatte und dass er dass Gefühl hatte verfolgt zu werden. Ich sagte ihm, dass er sich das wahrscheinlich nur einbildete, weil er seit langem schon mehr solch eine wertvolle Lieferung hatte, aber er ließ sich von diesem Gedanken einfach nicht abbringen.
Er sagte, dass er einen großen Fehler begangen hatte und dass er diese Lieferung niemals hätte entgegen nehmen dürfen. Er ließ sich überhaupt nicht beruhigen..."
Er machte eine Pause, damit die beiden das eben gehörte verdauen konnten.
„Er gab mir diesen Brief," er zog einen recht ramponierten Umschlag aus seiner Jackentasche, „Er sagte, sollte ihm was zustoßen, soll ich damit zur Polizei gehen."
„Aber sie haben es nicht getan..."
Er schüttelte seinen Kopf: „Als ich am nächsten Tag von seinem Tod erfuhr, hat mich die blanke Angst gepackt. Ich ahnte, dass er mit seiner Vorahnung richtig gelegen hatte. Darum bin ich auch nicht zur Polizei gegangen. Ich hatte befürchtet, dass man mich dann umbringen würde. Seitdem lebe ich jeden Tag in Angst und diesen Umschlag habe ich in all den Jahren nicht einmal geöffnet..."
„Und was erwarten sie jetzt von uns?"
Natürlich war es offensichtlich, aber Kaito konnte sich die Frage einfach nicht verkneifen.
„Für mich ist es vielleicht zu spät, aber ich möchte ihnen diesen Umschlag geben. Sie können damit sicherlich mehr anfangen. Bitte lösen sie das Rätsel um seinen Tod!"
Er hielt ihnen den Umschlag entgegen und Kaito nahm ihn entgegen. Er steckte ihn in seine Jackentasche und ihr Gegenüber schien plötzlich von einer großen Last befreit zu sein.
Jahrelang hatte er diese Schuld mit sich herumgetragen und nun konnte der Tod seines Freundes vielleicht endlich aufgeklärt werden.
„Ich danke ihnen von ganzem Herzen. Ich bin mir sicher, dass es genau das ist, was er gewollt hatte."
„Danken sie uns nicht zu früh, noch kann ich ihnen nicht sagen, ob uns dieser Brief weiterhilft oder nicht."
In diesem Punkt hatte Kaito recht. Solange sie keinen Blick auf das Schreiben geworfen hatten, konnten sie nicht versprechen, dass es ihnen bei der Lösung des Falls behilflich war.
„Ich weiß, dass er ihnen helfen wird, ich fühle es einfach. Und natürlich weiß ich, dass mein Freund es mir niemals verzeihen wird, dass ich seinen letzten Wunsch ignoriert habe, aber ich denke der Brief ist in ihren Händen besser aufgehoben, als bei der Polizei. Diese hatten schließlich nicht mal versucht, diesen Mordfall zu einem ordentlichen Ende zu bringen."
Er schien wirklich überzeugt davon zu sein und den beiden fiel es schwer, ihm diesen Gefallen abzuschlagen und wenn alles gut ging, half es ihnen sicherlich dieses verfluchte Juwel endlich in die Hände zu bekommen, bevor die Organisation es erreichte.
„Also gut, aber wir können nichts versprechen."
Er sprang erfreut auf, als wollte er sie umarmen. Am Ende blieb es aber bei einem festen Händedruck.
„Vielen vielen Dank! Sie wissen gar nicht, wie sehr sie mir damit helfen!"
„Nicht doch, wir tun doch auch nur unsere Pflicht."
Irgendwie konnten sie seine Freude verstehen, trotzdem war es etwas seltsam, da jetzt fast alle Gäste ihre Augen auf sie gerichtet hatten und so viel Aufmerksamkeit war meistens nicht gut...
„Ich denke, es ist besser wenn sie jetzt, bevor noch jemand Wind von der Sache bekommt, der das hier nicht erfahren sollte," drängte Kaito ihn.
Diese Typen konnten gut gerne schon informiert worden sein und so schnell hatten sie eigentlich nicht vorgehabt, ihre Tarnung aufgeben zu müssen.
„Ich verstehe," der Man wirkte ein wenig geknickt, „Ich werden dann gehen. Ich wünsche ihnen viel Glück und hoffentlich wird der Mörder bald gefasst."
Er bezahlte seine Rechnung und ging hinaus.
„Glaubst du, ich war ein wenig hart zum ihm?" fragte er Shinichi.
„Anders hätte er es wahrscheinlich nicht verstanden und er hätte nicht nur sich, sondern auch uns mit seinem überschwänglichen Geschwafel in Schwierigkeiten gebracht. Es ist besser so."
„Trotzdem tut er mir ein wenig leid..."
Shinichi verdrehte nur die Augen. Er würde den Dieb wohl niemals verstehen.
„Wenigstens haben wir jetzt endlich einen Anhaltspunkt, wo wir ansetzen können. Wir sollten nicht zu lange warten, bis wir den Brief lesen."
„Ach Tantei-san, du bist immer so berechnend..."
Trotzdem winkte er den Kellner heran, damit sie bezahlen konnten.
Gerade, als er ihm das Trinkgeld in die Hand drücken wollte, ertönte ein lauter Knall und eine Person fiel rücklings auf den Bürgersteig...
Es war der Mann, mit dem sie gerade gesprochen hatten.
Sofort brach Panik auf der Straße und innerhalb des Cafe´s aus. Niemand konnte sich erklären, was gerade passiert war.
Außer Shinichi und Kaito natürlich, die einen Teufel tun würden jetzt auf die Straße zu rennen, denn das war es wahrscheinlich, was diese verdammten Heckenschützen beabsichtigten, aber diese Gelegenheit würden sie nicht bekommen.
„Wir sollten warten, bis die Polizei eingetroffen ist und uns dann unter die Menschenmassen mischen.
Sonst haben wir wahrscheinlich keine Chance ihnen zu entkommen..." schlug Kaito vor.
„Wahrscheinlich hatten sie ihn schon die ganze Zeit unter Beobachtung und sie hatten nur darauf gewartet, dass er diesen Schritt tat...Und wieder ist ein Unschuldiger durch uns ums Leben gekommen..."
Shinichi biss sich auf die Unterlippe.
„Diese Leute haben mit dieser Sache überhaupt nichts zu tun und doch..."
„Diese Typen kennen echt keine Skrupel, jedenfalls wissen wir jetzt, dass sie wirklich hier sind...Wahrscheinlich wird es bald Zeit, dass Land zu verlassen."
Trotz des großen Polizeiaufgebots, welches binnen weniger Minuten auf dem Platz versammelt war, konnte der Schütze nicht aufgespürt werden.
Nicht, dass es die beiden überrascht hätte, aber es wäre für sie wirklich eine Genugtuung gewesen, wen sie ihn geschnappt hätten...
Das Einzige, an dem sie nicht vorbeikamen, war das anschließende Verhör, schließlich waren sie die letzten gewesen, die mit ihm Kontakt gehabt hatten.
Und so musste schnell eine glaubwürdige Geschichte vorgelegt werden, damit sie sich nicht verdächtiger machten, als sie sowieso schon waren.
Glücklicherweise war Kaito auf solche Situationen immer vorbereitet und schaffte es in kürzester Zeit, die Polizisten davon zu überzeugen, dass es zwischen ihnen nichts weiter war, als ein Treffen unter Freunden, dass sie geschockt waren und sich auch nicht erklären konnten, warum es gerade ihn erwischt hatte.
„Es ist seltsam, eben haben wir uns noch unterhalten und jetzt ist er nicht mehr hier..."
Kaito drückte bewusst auf die Tränendrüse, wohlwissend, dass man ihnen die ganze Sache sonst nicht abkaufen würde.
„Ich verstehe." versuchte einer Polizist ihn zu beruhigen, „Können sie mir trotzdem sagen, ob er vielleicht irgendwelche Feinde gehabt hatte? Jemand der ihm das antun wollte?"
Kaito schüttelte nur mit dem Kopf: „Er hat immer sehr zurückgezogen gelebt, ich glaube nicht, dass er jemals richtige Feinde gehabt hatte, er hatte nicht einmal richtige Freunde..."
Der Polizist schien mit der Geschichte zufrieden zu sein, denn er ließ sie kurz darauf gehen.
Sie ließen ihre Personalien da, die bei näherer Untersuchung jedoch ins Leere laufen würden und gingen endlich wieder zurück in ihr Arpartment.
Jetzt, da sie wussten, dass die Typen sie gefunden hatten, konnten sie nicht länger in Frankreich bleiben. Denn sonst würden sie es wohl riskieren, dass man ihnen auf die Schliche kam und noch war es das beste, wenn man sie für Tod hielt.
Jedenfalls, bis sie endlich einen richten Fortschritt erzielt hatten...
Und dieser Brief könnte der Schlüssel dafür sein.
„Sollen wir ihn öffnen?" fragte Kaito.
Seit sie zurück waren, hatte er seine Neugier kaum verbergen können und auch Shinichi musste zugeben, dass es auch ihm wirklich schwer fiel, den Brief einfach unangetastet zu lassen.
„Besser jetzt als nie..."
Vorsichtig schnitten sie den Couvert auf und zogen einen ein einzelnes Blatt Papier heraus.
Ein Text in einer recht krakeligen Handschrift war darauf verfasst:
Wenn sie diesen Brief lesen, bin ich tot und mein Bekannter hat ihnen, wie ich es gewünscht hatte, den Brief übergeben.
Ich habe einen großen Fehler begangen, doch jetzt ist es zu spät, es zu bedauern.
Ich handle mit Edelsteinen, doch meine letzte Lieferung beinhaltete etwas, das meine kühnsten Träume überstiegen hatte. Ob sie mir glauben oder nicht, liegt an ihnen, aber ich schwöre, dass jedes meiner Worte der Wahrheit entspricht.
Der Edelstein, von dem ich spreche ist eine Art großer ungeschliffener Aquamarin. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Es schien eine Art Leuchten von seinem Inneren auszugehen, obwohl er nicht von einer externen Quelle angestrahlt wird.
Zu diesem Zeitpunkt, wusste ich noch nicht, was ich dort in den Händen hielt, aber das änderte sich einen Tag später.
Zufällig überhörte ich ein Gespräch meiner Auftraggeber, dass wohl nicht für fremde Ohren bestimmt gewesen war...
Sie nannten das Stück Pandora. Was für ein seltsamer Name. Doch was mich viel mehr überraschte, war die Tatsache, das sie behaupteten, dass dieser Stein, der Schlüssel zum ewigen Leben in sich tragen sollte.
Was für ein verrückter Gedanke...
Doch jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.
Irgendwas stimmt mit diesem Stein nicht und ich habe die Befürchtung, dass er bei diesen Leuten in den falschen Händen war.
Ich habe ihn versteckt. Wo kann ich nicht sagen, aber ich hoffe, dass er dort niemals gefunden werden kann...
Diese Leute, sie gehören zu einer Organisation, die sich Hermes nennt.
Ich bitte sie, schnappen sie diese Typen, damit mein Opfer nicht vollkommen umsonst gewesen war!
Hier endete er.
„Das bestätigt, was wir schon vermutet hatten..." murmelte Shinichi und über flog den Text noch einmal, um sicher zu gehen, dass er nichts übersehen hatte."
„Ich bezweifle irgendwie, dass die Polizei ihm geglaubt hätte...So gesehen war es wohl besser, dass sie ihn niemals zu Gesicht bekommen hatten."
In diesem Punkt hatte Kaito Recht.
Als Außenstehender hätte er es wohl selbst nicht geglaubt. So jedoch...
„Jedenfalls wissen wir jetzt endlich, mit wem wir es überhaupt zu tun haben..."
„Kaum zu glauben, ich bin jetzt schon so lange Kaito Kid, aber ich habe noch nie von diesen Typen gehört."
Kurz veränderte sich sein Gesicht, als würde er sich an etwas erinnern, aber er verzichtete darauf, nachzufragen, denn er würde wahrscheinlich sowieso keine Antwort erhalten.
„Leider hilft uns das nicht weiter, was den Aufenthaltsort von Pandora betrifft, da er das Geheimnis mit ins Grab genommen hat..."
Kaito schien davon nicht überzeugt: „So wie sie die Leute verfolgen, die mit dem Juwel in Kontakt gekommen sind, fällt es mir schwer das zu glauben. Irgendwem muss er es erzählt haben oder...ich weiß auch nicht, aber es wird wohl am besten sein, wenn wir uns erst einmal den anderen Tatort ansehen. Pandora ist dort das erste mal aufgetaucht und vielleicht wurde es dorthin zurückgebracht."
Natürlich war es nur eine Vermutung, aber was besseres hatten sie im Moment nicht und so wurde beschlossen am folgenden Tag den Zug nach England zu nehmen.
Bis dahin sollte Kaito es geschafft haben, neue gefälschte Pässe anzufertigen...
Das Gefühl der inneren Unruhe wollte an diesem Abend nicht aus seinem Körper weichen.
Sie waren schon so weit gekommen.
Und mit ein wenig Glück, könnten sie diese ganze Sache zu Ende bringen, ohne das vielleicht noch jemand starb.
Aber dieser Gedanke half ihm nicht, an diesem Abend den notwendigen Schlaf zu finden.
Kaito hatte seine Arme um ihn geschlungen, als wäre er ein riesiger Teddybär und schnarchte leise. Scheinbar schien dem Dieb nichts seinen Schlaf rauben zu können...
„Wenn er wenigstens nicht so klammern würde..."
Shinichi versuchte so gut es ging in eine etwas angenehmere Schlafpose zu kommen, ohne den Dieb aufzuwecken, was sich jedoch als nicht so einfach herausstellte.
Verzweifelt schloss er wieder die Augen und startete einen neuen Versuch, doch soweit kam er nicht mehr...
Ein brennender Schmerz zog durch seine Brust, etwas, was er schon sehr lange nicht mehr gespürt hatte.
Nicht seit Haibara ihm das Gegenmittel verabreicht hatte...
Sollte er sich jetzt wirklich zurückverwandeln?!
Nicht das er etwas dagegen hatte, aber Kaito´s Nähe war wirklich ein Problem.
Sein Körper neigte während dieser Prozedur zu einer sehr starken Überhitzung und das würde dem Dieb nicht sonderlich gut bekommen, wenn er nicht schnellstmöglich etwas Abstand zu ihm bekam. Mit all seiner Kraft, die sein kleiner Körper aufbringen konnte, riss er sich los und landete auf dem Fußboden neben dem Bett.
Dieser Schmerz war jedoch nichts zudem, was noch kommen würde...
„Tantei-san...? Was soll das denn werden?"
Der Dieb blickte verschlafen auf ihn herunter.
Noch hatte er nicht mitbekommen, was wahrscheinlich gleich passieren würde...
„Alles in Ordnung?"
Auf Shinichi´s Körper hatte sich ein dünner Schweißfilm gebildet und ein wenig Dampf begann aufzusteigen. Es konnte nicht mehr lange dauern.
Auch Kaito schien inzwischen verstanden zuhaben, was das bedeutete und sorgte dafür, dass Shinichi sich nicht auf dem Fußboden zurückverwandeln würde.
Er hievte den Körper des Detektivs wieder auf das Bett und nahm ein wenig Abstand.
Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er überhaupt keine Ahnung hatte, was er in dieser Situation tun sollte. Er war vollkommen überfordert.
Shinichi rang sich ein Lächeln ab.
„Keine Sorge...ist gleich vorbei..."
Sicher war er sich zwar nicht, aber das letzte was er wollte war, dass er sich jetzt auch noch Sorgen um ihn machte, obwohl dies gar nicht notwendig war. Jedenfalls hoffte er das...
Er erinnerte sich an das letzte mal.
Er hatte sich gefühlt, als würde sein Körper in seine Einzelteile gerissen und der Wunsch sterben zu wollen, hatte alle anderen Gedanken überschattet.
Er hoffte, dass er sich diesmal nicht die Blöße geben würde, den Dieb anzuflehen, ihn endlich von seinem Leid zu erlösen...
Er sah wie Kaito fasziniert dabei zusah, als seine Glieder anfingen zu wachsen und er langsam wieder seine alte Gestalt zurückerhielt.
Er wünschte sich nur, dass es etwas schneller gehen würde.
„Wenn ich es nicht mit eigenen Augen sehen, hätte ich nicht dran geglaubt, dass so etwas möglich wäre..." murmelte der Dieb.
„Ich hoffe das ist das letzte mal, dass du das miterlebst..." keuchte der Detektiv, dessen Körper inzwischen fast vollkommen wieder hergestellt war.
„Es sieht jedenfalls nicht sonderlich angenehm aus...Beim letzten Mal war das viel schneller von Statten gegangen..."
„Daran kann ich mich leider nicht erinnern..."
Shinichi schloss die Augen und versuchte ruhig zu atmen. Es konnte nicht mehr lange dauern...
...
Es dauerte noch fast eine halbe Stunde, bis auch die letzten Wellen der Schmerzen vorüber waren.
Vollkommen erschöpft blieb er einfach auf dem Bett liegen.
Vollkommen außer Stande, auch nur einen Finger zu rühren. Trotzdem spürte er die Erleichterung, als sein Hirn endlich begriff, dass er wieder ganz er Alte war. Shinichi Kudo war wieder da...
Doch der Rest musste bis morgen warten. Seine Augen waren schwer und wahrscheinlich würde er an diesem Abend nicht mehr sonderlich viel mitbekommen.
Er fragte sich nur noch, wo Kaito geblieben war...
Kaito hatte sich ins Badezimmer zurückgezogen, als Shinichi endlich eingeschlafen war.
Er zog ein paar der Handtücher aus einem der Schränke und ging damit zurück ins Schlafzimmer.
Shinichi lag vollkommen regungslos da und wäre es nicht sein Brustkorb gewesen, der sich stetig auf und ab bewegte, er hätte geglaubt, dass der Detektiv von ihm gegangen wäre...
Bedacht ihn nicht aufzuwecken, begann er damit, ihm den Schweiß von Körper zu wischen.
Ein Bad wäre sicherlich besser gewesen, aber er hatte es einfach nicht über ihn geracht, ihn deswegen aufzuwecken.
Vorsichtig zog er ihm den viel zu kleinen Schlafanzug aus. Diese war sowieso vollkommen ruiniert und taugte nur noch als Putzlappen.
Für einen Moment verharrte sein Blick an Shinichi´s fragilen Körper. Und zum ersten mal wurde ihm bewusst, wie erschreckend dünn er doch war.
Seine Rippen stachen an den Seiten hervor und es war, als könnte er jeden einzelnen seiner Knochen sehen...
Morgen würde er ihm erst einmal ein ordentliches Frühstück servieren, bevor sie aufbrachen! Er würde es sich niemals verzeihen, wenn der Detektiv nur wegen ihm zusammenbrach...Wegen ihm und seinem Vater...korrigierte er sich.
Noch ahnte Shinichi nichts, davon war er überzeugt, aber lange könnte er dieses Geheimnis sicher nicht mehr für sich behalten. Irgendwann würde er es ihm sagen müssen, aber er hoffte, dass sie es bis dahin geschafft hatten, dass Rätsel um diese Organisation und Pandora zu lösen.
Er zog ihm einen seiner Schlafanzüge an und strich ihm mit der Hand durch seine Haare.
„Ich weiß gar nicht, wie ich dir jemals danken könnte..."
Er beugte sich vor und küsste seine Stirn. Was darin resultierte, das der Detektiv sich noch tiefer unter die Decke kuschelte.
„Und vielleicht weißt du es irgendwann zu schätzen."
Es war kein Geheimnis.
Seit ihrem ersten Treffen, damals in dem Uhrenturm, hatte er den Detektiv nicht mehr aus dem Kopf bekommen können.
Er hätte niemals zu träumen gewagt, dass sie einmal zusammenarbeiten würden, geschweige denn dass sie zusammen auf die Jagt nach Pandora gingen.
Vielleicht war das ein Zeichen.
So gesehen existerte Kaito Kid nur so lange, wie Pandora nicht zerstört war.
Dies galt für seinen Vater.
Für ihn bedeutete es, dass er solange den Dieb mimen würde, bis nicht nur dieses verdammte Juwel endlich nicht mehr existierte und er es geschafft hatte seinen Vater zu rächen.
Danach würde er endlich frei sein.
Doch was dann?
So richtig hatte er noch nie darüber nachgedacht, was er tun würde, wenn das alles vorbei war...
Der normal Alltag würde ihn wahrscheinlich einholen...Er würde die Schule beenden und arbeiten gehen oder vielleicht studieren...aber war das wirklich das, was er tun wollte?
Shinichi auf der Gegenseite würde wohl den Rest seines Lebens als Detektiv verbringen...
Er lebte seinen Traum und vielleicht sollte Kaito es ihm gleich tun.
Ohne ihre Zusammentreffen, wäre sein Leben sicher nicht so aufregend und seine Diebeszüge nicht so herausfordernd...
Und irgendwie bezweifelte er, dass er jetzt, nachdem sie so viel zusammen erlebt hatten, jemals wieder ohne ihn leben konnte...
„Ich beglückwünsche dich Tantei-san," murmelte er leise, „Du bist der erste, der es geschafft hat Kaito Kid zu fangen."
Kaito beobachtete ihn noch eine Weile, bevor er es sich ausnahmsweise in seinem eigenen Bett gemütlich machte.
Ab morgen würden sie sich noch mehr anstrengen müssen.
Wer wusste schon, was in England auf sie warten würde...
Aber er war zuversichtlich.
Sie waren schon so weit gekommen und er bemitleidete jeden, der es wagte sich ihnen in den Wag zu stellen.
